Neujahrs-Gewinnspiel – und ein blöder Jahresrückblick ;)

Hoppla – schon wieder ein Jahr vorbei? Wie konnte das passieren …

Und da sitzt man nun vor dem Bildschirm und fragt sich, wo das letzte so schnell denn nun wieder hingekommen sein mag …

Muss man da schon wieder einen Rückblick schreiben? Nun, müssen – sicher nicht, aber wisst ihr was – ich tue es dennoch!

Wie auch im Jahr davor ist zum schönen, altmodischen Bloggen einfach keine Zeit übrig geblieben, für dieses Jahr nehme ich mir schonmal vor, etwas öfter den Staub von diesem alten Ding abzuklopfen. Und so geht es gleich mal mit einem Gewinnspielchen in die Vollen.

Eigentlich geplant zum 1000sten „Like“ der Facebook-Seite des Zeitreisenden Nähkästchens, wird jetzt aus einfach nachvollziehbaren Gründen eine Neujahrs-Verlosung draus.

Und zu gewinnen gibt es den nachfolgend abgebildeten Mühlsteinkragen aus violetter Baumwolle, mit reichlich schwarzer Spitze und einer gestickten Bordüre aus vierblätterigen Kleeblättern – die dem/der Gewinner/in im neuen Jahr ordentlich Glück bringen sollen!

Zur Teilnahme habt ihr dazu zwei einfache Möglichkeiten:

Der Facebook-Seite des Nähkästchens ein „Like“ verpassen (wenn nicht sowieso schon passiert)

– dort den Post mit dem Bild auf dem eigenen Profil teilen – öffentlich sichtbar (sonst kann ich den geteilten Beitrag nicht sehen – als Nachweis daß geteilt wurde)

– optional: lasst mir ein paar Grüße auf meiner Seite da 🙂

Alternativ – für die Facebook-losen:

— weiterpetzen auf eurem eigenen Blog

– und dann hier kommentieren mit Link zu betreffendem Beitrag.

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Soviel zum „wirksamen“ Teil – jetzt kommt die lange Textwüste. Aber keine Sorge, es gibt auch Bildchen 😉

Tja, was ist passiert im letzten Jahr.

Einiges. Und wenig. Klingt komisch, ist aber so. Eins der absoluten Highlights war unbestreitbar der London-Trip im April, den ich vor allem Vicktoria zu verdanken habe – und nochmals an dieser Stelle lieben Dank dafür, ich denke immer wieder gern dran zurück und freue mich auch jetzt noch darüber 🙂 – was wir da so alles gemacht haben, kann man sogar im Blog nachlesen.

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Blaue Kiste am Earl’s Court

Danach folgten knapp vier Monate saisonaler Job am hiesigen Theater – den Luisenburg Festspielen. Natürlich im Kostüm. Also, in der gleichnamigen Abteilung, nicht komisch angezogen (wobei das natürlich immer im Auge des Betrachters liegt …)

Ich möchte dazu eigentlich nicht viel mehr schreiben, da man Bände füllen könnte mit Anektödchen und Geschichtchen, und nachdem ich imstande wäre, das auch zu tun, ersticke ich den Drang einfach mal im Keim, und sage – ich erzähl euch gerne mal was wenn wir uns persönlich treffen, beim WGT, oder sonstwo.

Es war auf jeden Fall eine ziemlich interessante, wenn auch teilweise harte und stressige Zeit

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Die Schneiderei auf der Luisenburg

WGT ist ein gutes Stichwort, oder bessergesagt, ein schlechtes, denn wegen oben genanntem Job fiel das, nach ganzen zehn Jahren in Folge, das erste Mal aus für mich. In diesem Jahr bin ich aber wieder dabei, und freue mich dafür umso mehr darauf!

Ein weiteres, ganz tolles Jahres-Highlight war am 24. und 25. Oktober dann die TimeLash – die erste deutsche Doctor Who Convention überhaupt. Diese fand in Kassel statt, und hätte eigentlich auch einen ganz eigenen Beitrag verdient gehabt, nur bin ich – wie zu anderen Gelegenheiten eben auch – irgendwie nicht dazu gekommen. Jedenfalls war es eine wunderbare, kleine und sehr freundlich-familiäre Angelegenheit mit tollen Gästen und einem Haufen gutgelaunter Besucher. Auch hier hatte man Gelegenheit, Leute die man sonst nur virtuell kannte, mal live und in Farbe zu sehen. Ein paar andere habe ich vor Ort garnicht erkannt – sollte sich da jemand angesprochen fühlen: es tut mir fürchterlich leid. Ehrlich. Ich bin kacke im Gesichter-erkennen und sage den Leuten meistens, sie sollen mich anlabern, da die Chancen sehr gut stehen, daß ich an ihnen einfach vorbeilaufe.

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Blaue Kiste in Kassel – und diesmal passend im 11. Doctor-Gewand

Trotzdem war die „Trefferquote“ relativ hoch an dem Wochenende, es gab einen Haufen schöner Gespräche, die oft dazu führten daß wir die Panels ganz verpassten (Memo an mich – eine Con ist kein WGT … oder? Irgendwie vielleicht doch, nur für Who-Fans, statt für Schwarzkittel. Naja, manchmal auch für letztgenannte, der Anteil anwesender Grufties war dann doch ganz stattlich), ein Cosplay-Wettbewerb bei dem ich Teil der Jury sein durfte, und bei dem wir Juristen wirklich hart geschwitzt haben bei der Preisvergabe.

Glücklicherweise wird es eine zweite Ausgabe geben, und zwar am 15. und 16. Oktober diesen Jahres – ich freu mich schon drauf und bin gespannt, welche Gäste dann (noch) eingeladen sein werden.

Amy (aber nicht "Pond") auf der TimeLash in ihrem maßgefertigten TARDIS-Kleid - vom Nähkästchen, natürlich :)

Amy (aber nicht „Pond“) auf der TimeLash in ihrem maßgefertigten TARDIS-Kleid – vom Nähkästchen, natürlich 🙂

Und natürlich darf man nicht vergessen – die Unterschlupfmöglichkeit bei BB in Kassel (schaut euch auch mal auf ihrer Seite um – es handelt sich nämlich auch um eine sehr liebe Kollegin) . Das machte das Wochenende gleich nochmal besser als es eh schon war – samt der Dreiergruppe jugendlicher Kater, die nachts nicht nur rumliegende Leute als Bett benutzten, sondern in ihrer Spielwut sogar ganze Daleks von den Tischen räumten 😀

Kater … ach bin ich heute gut im Überleitungen schreiben … ja, einen Kater habe ich nun auch wieder. Nein, natürlich nicht den von Neujahr, sondern schwarzweiß, flauschig, auf vier Pfoten und dauerhungrig.

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Findus – so heißt er – wohnte eigentlich bei den Nachbarn, doch wie das Katzen manchmal so machen, entschied er sich, das Zuhause zu wechseln. Das kürzt eine längere Geschichte jetzt zwar ziemlich ab, aber am Ende lief es eben auf das hinaus. Und in diesem Moment liegt der Flauschball, seines Zeichens Hauskatz-Maine Coon-Mischling (man beachte die winzigen Luchsohrpinselchen, die hat eine Hauskatze nämlich sonst nicht), friedlich auf dem Wohnzimmersessel und pennt.

So im Ganzen fällt auf – kein sehr „gruftiges“ Jahr, leider. Aber zum Abschluß gab es dann wenigstens doch noch einmal einen Göttertanz – nach drei Jahren Pause von meiner Seite – einerseits aus verschiedenen, persönlichen Gründen, andererseits auch oft genug unfreiwillig. Wie auch immer – es war ein phänomenaler Abend, die neue Örtlichkeit habe ich auch das erste Mal gesehen, und finde sie wirklich großartig. Viele altbekannte Gesichter aus den guten Top Act-Zeiten, aber auch komplett neue Leute, und die schöne, entspannte, freundliche Stimmung ist auch erhalten geblieben. Danke dafür, jetzt freue ich mich wieder auf die Göttertänze die da noch kommen mögen!
Für Bilder könnt ihr mal auf die Seite des Göttertanzes schauen.

Was fehlt noch?

Ach ja – Eumelchen. Wie konnte ich das vergessen …

Nach gut 15 Jahren verschlug es mich wieder zu einem alten Hobby – die Astronomie, und nach den ersten Spechtelversuchen mit der „alten“ Ausrüstung – einem Fernglas auf Stativ und mehreren Himmels-Atlanten, war klar – ein Teleskop muss (wieder) her.

Anno 1999 latschte ich noch, auf dem Weg zur totalen Sonnenfinsternis, mit einem „kleinen“90/900er Refraktor über die Schulter geworfen, und die Montierung unter den Arm geklemmt, durch Bayreuth. Mit Eumelchen, so fürchte ich, haut das nicht mehr hin – das ist nämlich etwas größer.

Aber nur ein ganz kleines bisschen.

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250/1250 GSO Dobson-Spiegelteleskop

Wirklich nur ein kleines bisschen … *hust*

Auch wenn das Wetter bislang nicht oft mitgespielt hat, und daher das gute Stück erst ganze viermal zum Einsatz kam, bin ich natürlich stolz wie Bolle auf das Teil. Also bleibt zu hoffen daß 2016 noch viele weitere klare Nächte bieten kann.


 

 

Tja, damit ist 2015 offiziell abgeschlossen.  Natürlich gibt es für das kommende Jahr wieder genug Pläne, wie WGT und die TimeLash und sicher auch andere Veranstaltungen.

Wie immer bin ich für Näh-Aufträge auch 2016 zu haben, zusätzlich werden aber auch die Shops auf Etsy und DaWanda mit fertigen Sachen weiter bestückt. Schaut einfach auch da mal vorbei, sagt es weiter, abonniert die Shops … auch ein kleiner Klick hilft dem Nähkästchen weiter 🙂

Ein wenig neues Gebiet betreten wir, indem einige Sachen auch zum Leih verfügbar sein werden – also nicht nur, wie bis jetzt nur für Models und Photographen die ich schon kenne, sondern offiziell gegen Leihgebüren. Wer sich das ansehen mag, sollte sich mal mein Profil auf Wishrent ansehen – da wird natürlich auch noch aufgestockt.

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Bild: Hadie van Bilderflut Model: Mimi Geißler

Für Fragen und Anregungen bin ich natürlich jederzeit offen – scheut euch also nicht, mir zu sagen, falls ihr etwas besonderes haben möchtet, oder sehen wollt. Vermisst ihr gewisse Farben, Größen oder Modelle in den Shops? Habt ihr Verbesserungsvorschläge?

Und wenn jemand gute Gelegenheiten hat, Flyer an den Mensch bringen zu können und auch zu wollen – Nachricht genügt, egal über welchen Kanal, ich schicke euch gerne welche zu oder nutze die Gelegenheit natürlich auch auf Veranstaltungen, bei denen ich selbst da bin, welche abzuwerfen (danke an der Stelle an Hannes für die spontane Auslage beim Göttertanz 🙂 )

Weiterhin sitze ich immernoch auf meiner Dauerbaustelle – der Homepage des Nähkästchens. Die soll heuer auch endlich mal angegangen werden. Also auch im kommenden Jahr viel zu tun, auch wenn es erstmal nach nicht so viel aussieht.

Der Blog soll ebenfalls wieder etwas häufiger genutzt werden, nicht nur für die üblichen Veranstaltungsberichte, sondern auch für Einblicke in die Werkstatt des Nähkästchens und was hier so alles entsteht. Vergesst den Blog also bitte nicht und schaut einfach mal wieder vorbei!

Ich hoffe natürlich auch, die Photoaktivität wieder etwas steigern zu können – meine eigene Photo-Seite kommt oft immer etwas kurz, zum Urbexen muss ich auch mal wieder kommen, und mit Leuten habe ich im vergangenen Jahr leider nur bei einem Shooting arbeiten können – dafür mit wirklich schönen Ergebnissen, denn Hika, eine liebe Kollegin vom Theater, wollte Gewand von mir gemacht, vor meiner Kamera ausführen.

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Danke dafür 🙂 – auch wenn ich noch ein paar Bilder schuldig bin zu bearbeiten ..

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein tolles, granatiges 2016 – haut anständig rein, habt Glück und Erfolg und alles was ihr euch noch so wünscht – und clear skies für die gleichgesinnten Astronomen, gut Licht für die Photo-Kollegen und alles was sonst noch so fehlt 🙂

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Gothic Friday Juli – Symbol und Sinnbild

So schnell kanns gehen – der Gothic Friday hat die Halbzeit erreicht und der Juli hat wieder ein sehr interessantes Thema abbekommen dem ich mich nun widmen möchte – Symbol und Sinnbild.
Dahinter versteckt sich die individuelle Geschichte der Symbole mit denen man sich schmückt. Dazu habe ich freilich viel zu sagen, Symbolik ist ein Thema das mich schon immer sehr interessiert hat, das was ich ständig um Hals, Finger oder sonstwo trage ist kein reiner Deko-Schmuck sondern hat seine eigene Bedeutung oder persönliche Geschichte.
Die persönliche Symbolik kann frelich auch in Form von Tätowierungen auf den Körper gelangen – aktuell bin ich noch gänzlich unbemalt 😉 doch es gibt Pläne die ich seit mehreren Jahren habe, immer noch gut finde und umgesetzt werden wollen wenn die Finanzen mal mitmachen, da zumindest ein Motiv eine größere Angelegenheit werden soll wozu ich dann natürlich auch einen richtig guten Künstler suchen möchte.

Doch über diese Motive auch noch zu reden würde wohl zu weit führen – also zurück zum Schmuck 😉 – was da Tag und Nacht an meinem Hals rumklimpert sind zwei lange Lederbänder, eines mit einem Regenbogen-Obsidian (der augenscheinlich schwarz ist und erst beim Drehen im Licht regenbogenartigen Schimmer zeigt), am anderen Band ein schwarzer Turmalin in einer Spirale sowie ein kleines Ankh aus Silber und eine Mondsichel mit keltischem Muster. Weiter oben in Halsnähe sitzt eine große Fledermaus aus Silber, eine Platine 😀 und – ein Pentagramm.

Zu jedem Stück kann ich freilich eine längere Geschichte schreiben, aber das Symbol das mich seit knapp 20 jahren begleitet ist schlicht und ergreifend das Pentagramm.

Als ich anfing mich für Esoterik, Okkultes und insbesondere Hexentum zu interessieren habe ich ganz bewusst angefangen mir dieses Symbol um den Hals zu hängen, aber schon vorher, als ich noch nicht mal wusste was es genau damit auf sich hatte, zog mich dieses Symbol schon an. Der erste Anhänger den ich besaß war selbstgemacht – ich muss etwa 13 gewesen sein – kleine Glasperlen auf feinen Silberdraht aufgezogen und in die richtige Form gelegt.
Bis ich etwa 14-15 war, war ich noch unschlüssig wie ich Religion – im Speziellen die Christliche – für mich bewerten sollte. So richtig viel anfangen konnte ich damit nicht, war aber bereit meinen eigenen Zugang dazu zu finden. Mein Standpunkt bildete sich dann am Tag meiner Konfirmation heraus, respektive in der Zeit davor in der man gezwungen wird regelmässig in der Kirche zu frieren und sich beim Konfirmandenunterricht zu langweilen. Den Zugang fand ich nicht, nur mechanisch abgespulte Rituale denen ich nichts abgewinnen konnte. Nichts „göttliches“ sprang über in den Predigten, alles tot und langweilig oder wahlweise grotesk-geschauspielert. Bei der Konfirmation schwieg ich zur Frage, ob man sich zu seiner Taufe bekennen würde und beantwortete sie innerlich mit „NEIN!“

Nach dem bewussten „Nein“ zum Christentum begann ich nach meinem eigenen Weltbild zu suchen, was mich zum Neuheidentum und in die Nähe des Wicca brachte. Hier erhielt das Pentagramm das mich vorher schon so förmlich magisch angezogen hatte, seine Bedeutung. Ich trug es damals auch bewusst als Symbol meiner spirituellen Ansichten, aber auch die Funktion als Schutzsymbol – als solches ist das Pentagramm schon seit vor der Antike bekannt – mit dem Kreis um den Stern. Und als Aussenseiter im kritischen Alter von 15-16 war mir auch unbewusst die Schutzfunktion doch willkommen. Unabhängig ob es tatsächlich Wirkung hat oder nicht – letztendendes zählt was einem selbst solche Symbole bedeuten.

Das Pentagramm da sich heute trage steht frei ohne Kreis und aufrecht – umgekehrt habe ich das Symbol nie getragen, was aber nicht daran liegt daß ich es in der Form für ein Teufels-Symbol halte. Sieht man genauer hin stößt man bei der Bedeutung des Pentagrammes auf eine unglaubliche Tiefe. Die die mir heute am sympathischsten ist stammt aus der Kabbala, zu der gehört unter Anderem auch die Numerologie.
„Penta“ ist griechisch für „Fünf“ – klar soweit, ein Pentagramm hat ja fünf Zacken 😛
Die Vier steht als Sinnbild für die Materie – beispielsweise in Form der vier Elemente. Gibt man zur Vier noch eins dazu – sagen wir mal, Geist oder Seele, so wird der unbelebten Materie Leben eingehaucht. Die Fünf ist also das Sinnbild für den Menschen. Beim aufrecht stehenden Pentagramm steht der Geist – man kann auch den Willen da hin setzen – über den vier Spitzen welche die Materie symbolisieren. Der Geist beherrscht die Materie! Ich selbst bin der Herr über mein persönliches Universum – so ist mein Pentagramm für mich auch Symbol dafür, in Zeiten wo man sich lieber eingraben lassen möchte, die A***backen zusammenzukneifen, dem Leben den Stinkefinger zu zeigen und sich weiter durchzubeißen. Auf die eigene Art und Weise. Riecht nach Thelema – stimmt irgendwo auch, wobei ich auf Crowleys thelemitisches Weltbild erst kurz danach gestoßen bin, und ich war überrascht wie es sich doch mit meinen Ansichten deckte.

Das Pentagramm ist in aufrechter Ausführung also auch ein sehr aktives, energiegeladenes Symbol.
Der Umkehrschluß ließe zu zu denken, die umgedrehte Ausführung sei „böse“ weil hier ja die Materie den Geist unterdrückt. Das ist freilich ein Aspekt des ganzen, aber eben nur einer 😉 – nichts ist nur „gut“ oder „böse“ , solche Begrifflichkeiten werden meist nur von einfältigen Gemütern verwandt.
Das umgedrehte Pentagramm – auch Drudenfuß genannt – hat auch den Aspekt des Empfangens, des Aufnehmens, des Ausruhens, was freilich auch in das „sich gehen lassen“ umschwingen kann, dafür hat die aufrechte Ausführung aber auch immer eine aggressiv-destruktive Komponente, so wie Feuer wärmen kann oder verbrennen.
An dem Böse-Symbol ist über mehrere Ecken, wenn man an das umgedrehte Pentagramm denkt – zwar schon etwas dran, man denke hier an den Aspekt daß der Verstand ganz zuunderst liegt, letztenendes ist das aber eben nur eine sehr oberflächliche und eingleisige Betrachtungsweise, die mehrfach fehlinterpretiert ist, denn das aufrecht stehende Pentagramm kann auch massiv destrukiv sein.

Meine liebste Darstellung des Pentagrammes geht auf Agrippa von Nettesheim zurück, und zeigt die Deutung des „Geistes über der Materie“ beziehungsweise den kabbalistischen Bezug zum Menschen am schönsten. Hier wird auch der Aspekt deutlich, daß jeder Mensch sein eigenes Universum besitzt dessen Zentrum er ist – will meinen, durch Charakter, Vorlieben, Weltbilder etc schafft jeder Mensch sich individuell seine Sichtweise auf die Welt und das bestimmt auch den Umgang mit der Umwelt. Und Angriffspunkte wo Mißverständnisse entstehen, denn wo sich zwei Weltbilder inkompatibel miteinander sind gibt es Reibungspunkte, insbesondere dann wenn sich der „Inhaber“ des Weltbildes nicht darüber im Klaren ist daß das Seine automatisch anders sein muss als das der Menschen in seinem Umfeld. Dazu muss man keine Eso-Tante anlabern, auch Psychologen teilen diese Meinung, wers nicht glaubt dem empfehle ich Paul Watzlawicks Werke. Und darauf beruht auch mein Begriff der Toleranz – ich kann akzeptieren daß andere Menschen ihre persönliche Sichtweise auf die Welt und Alles haben, teilen muss ich sie nicht, aber ich kann sie in ihrer Sichtweise sie selbst sein lassen, komme ich damit nicht klar, ziehe ich mich zurück und lasse deren Universum unangetastet, fordere aber im Gegenzug ein daß mein Universum für mich ebenso unangetastet bleibt. In der Praxis geht auch das nicht so reibungslos, aber wir sind (auch wenn man sich oft anders fühlt) auch nur Menschen 🙂

Noch suche ich nach einem wirklich schönen Anhänger mit dem Agrippa Pentagramm, da eben diese Darstellung für mich nochmal etwas besonderes ist 🙂

Das Pentagramm könnte Bände füllen wenn es um seine Bedeutung geht, besonders wenn man richtig in die Tiefe geht. Ich mag es auch nicht wenn sich jemand zu Modezwecken diesen Stern um den Hals hängt, auch das Abstempeln als „böses Symbol“ ist oberflächlich und unreflektiert. Christen hängen sich ein Kreuz um den Hals an dem ein junger Mann *festgenagelt* ist und sich über diesen Umstand sicher nicht gerade gefreut haben dürfte – für mich ist das weit negativer belastet …

Das Pentagramm habe ich auch in Form eines Silberringes den ich ständig trage, ich habe ihn als große Ohrringe in Einlegearbeit, als Druck auf dem Halstuch, aufgenäht aus Bändern auf Klamotten, händisch aufgestickt – teils verborgen in wieder anderen Symbolen, wie die fünfblättrige Tudor-Rose die ich auf meine Tasche gestickt habe, und die zusätzlich meine Begeisterung für das Zeitalter der Renaissance wiederspiegelt. Wo es Universalgelehrte wie Leonardo DaVinci gab, die Künstler und Wissenschaftler gleichermaßen waren (und so ein Idealbild für mich darstellen), wo John Dee am Hofe von Elizabeth I von einem Engel das System der Henochistischen Magie diktiert bekommen haben soll und der Königin die Zukunft weißsagte und alchemistische Studien verfolgte. Wo eine starke Frau als Königin einem ganzen Volk den Wohlstand brachte und zeigte daß sie genauso „Mann“ sein kann.

An dieser Stelle könnte man seitenweise weiter über das Symbol das quasi „meines“ ist – obwohl es von der schwarzen Szene doch sehr inflationär und oft unreflektiert verwendet wird – weiterquassewln, ich breche aber lieber mal hier ab und freue mich auf Kommentare und Rückmeldungen 🙂

Der jährliche Antwerpen-Trip – Gala Nocturna 2011

Schon irgendwie erschreckend wie schnell ein Jahr vergeht, wenn man genauer darüber nachdenkt war die letzte Gala noch garnicht so lange her, und auf einmal steht der nächste Termin, die Hotelzimmer werden eilig gebucht um noch die letzten beiden verfügbaren im Stammhotel zu ergattern, die Karten grade noch so auf den letzten Drücker geordert und bis kurz vor der Abreise Perlen und Nestelschnüre am Gewand festgenäht um es zumindest in einen soweit tragbaren Zustand zu versetzen daß es keinem auffällt daß eigentlich noch gut 2-3000 Perlen fehlen, das Forepart sowie die Ärmel von älteren Kleidern und Projekten stammt und sogar der Kopfputz so alt ist daß er vor 2 Jahren schon einmal in Antwerpen dabei war – wie skandalös!

Die heurige Gala Nocturna ist insgesamt jetzt die fünfte seit 2006. Erstmalig in einer neuen Lokalität – der Augustinuskirche mitten in Antwerpen, und nicht mehr ausserhalb in Kontich wie zuvor.
Die Ankündigung einer neuen Örtlichkeit hatte etwas Bedenken bei mir hervorgerufen, da ich die Kapelle in Kontich sehr schön fand, und ich befürchtete daß der Lokalitätswechsel hauptsächlich deswegen gemacht wurde um die jährlich immer größer werdende Besucheranzahl unterzubekommen. Ich mag keine Massenveranstaltungen, abgesehen vom WGT, doch da findet man ja immer seine Nischen wo man nicht von Menschenmassen erdrückt wird, und gerade wenn man sich ansieht wie unangenehm riesig das letzte „victorianische“ Picknick auf dem WGT wurde, und wie viele Leute sich da rumtrieben die offenbar lediglich zum Posieren gekommen waren, statt um Leute zu treffen und sich einfach nur unter Gleichgesinnten wohl zu fühlen, waren meine Gefühle zur heurigen Gala auch offengestanden sehr gemischt.
Dazu kam noch die Ankündigung eines „Kostüm“-Wettbewerbes, was mir auch eher unangenehm auffiel, wie ich zugeben muss.

Los ging die Reise am Freitag gegen 10.00 Uhr. Nach dem üblichen Taschen-Tetris stellte sich heraus daß unser Gefährt mit drei Insassen und entsprechendem Gepäck gut beladen war und kaum mehr Kapazitäten frei hatte. Der letzte Zwischenstop war dann Supermarkt und Bäcker um sich mit ein wenig Proviant für die gut 6-stündige Autofahrt einzudecken.
Der erste Teil der Strecke verlief problemlos – etwas regnerisch aber sonst ganz gut. Der erste Zwischenstop führte uns zu einem MacDonalds bei dem wir zunächst die sanitären Einrichtungen in Anspruch nahmen um uns danach im Auto, in guter Sichtweite der Drive-In Schalter über den Inhalt unserer beim heimischen Bäcker erworbenen Tüten herzumachen – wenn das nicht Punk ist dann weiß ich auch nicht *frechgrins*
Die restliche Strecke verlief auch im Großen und Ganzen problemlos, auch wenn stellenweise starker Regen die Fahrt behinderte und mehrere Baustellen manche Streckenabschnitte etwas zäh machten, davon abgesehen kamen wir gut durch und auch ganz entspannt an.
Zu meinem Erstaunen lies sich Tanjas Navigationsgerät nicht von Antwerpen abschrecken, sodaß wir auf den Punkt beim Hotel Industrie ankamen, so gegen 18:00 Uhr.
Nach dem Einchecken und Ausladen wurde das Auto auf den Hotelparkplatz verfrachtet, der eigentlich nur ums Eck war, doch die Antwerpener Einbahnstraßen machten die Aktion zu einer kleinen Karusellfahrt ein paar Male um den Block bis wir dann in der richtigen Richtung auf den Parkplatz zusteuerten.

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Die letzten Kilometer vor Antwerpen

Der Abendausklang fand wie jedes Jahr im Elften Gebot statt, das wir nach kurzem Ausruhen und sich-instandsetzen dann gegen 20:00 Uhr zu Fuß erreichten. Das Lokal war bereits gut besucht, und wir fanden ein paar von „uns“ schließlich im Obergeschoß, am gleichen Tisch wie letztes Jahr. Die Runde blieb überschaubar, dafür konnte mans sich auch ganz gut mit Leuten unterhalten die ich zumindest schon sehr lange nicht mehr gesehen habe, bei Pierre und Julia war die letztjährige Gala Nocturna das letzte Zusammentreffen …
Wir blieben jedoch nicht lange, unsere Fahrerin war nicht nur von der Fahrt angeschlagen, auch die „Rüsselseuche“ machte ihr zu schaffen, also wollten wir gegen 23:00 Uhr den Rückweg ins Hotel antreten, besonders nachdem mein zweites uns Chris‘ erstes Glas Wein das wir bestellt hatten einfach nicht bei uns ankommen wollte. Da auch heuer beim Abrechnen wieder ein großes Chaos ausgebrochen war, wunderte es uns kaum daß die zwar bestellten Gläser Wein auf der Rechnung standen obwohl sie nie bei uns ankamen, zum Glück sah die Bedienung das ein.

Der nächste Tag begann mit einem ausgiebigen Frühstück im Hotel. Ein bisschen renoviert wurde das Industrie im Gegensatz zum letzten Jahr, nicht nur die Bäder in den Zimmern wurden modernisiert, auch der Frühstücksraum ist inzwischen ins frühere Foyer umgezogen, die Rezeption zusammengeschrumpft in den Gang gewandert durch den man sonst in den früheren Frühstücksraum gelangte. Und von Bartok, der Hotelkatze leider kein Bild heuer, ich habe ihn zweimal maunzen gehört und bei der Abreise haben wir ihn schlafend auf einem Sofa durch einen Türspalt hinter der Rezeption gesehen – schade irgendwie.

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Das Federvieh beäugt die kleine Gruftitruppe argwöhnisch

Gegen 11 Uhr früh haben wir uns dann wieder gen Innenstadt begeben und sind ein wenig herumgewandert, zuerst entlang des Hafens, dann rein in die Altstadt um ein wenig zu schauen, stöbern und Bilder zu machen. Die Temepratur in Antwerpen war deutlich höher als in heimischen Gefilden, sodaß mir mit meinem Mantelmonster, welches eigentlich für zweistellige Minusgrade genäht wurde, doch etwas warm wurde, doch etwas später war ich wegen einiger scharfer Brisen eisekalten Windes dann doch glücklich darum, und meine Spiegelreflex war bei gelegentlichen Regenschauern darunter auch sicher und ziemlich wasserdicht aufgehoben.

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Oben: Die Burg Steen am Scheldeufer, das älteste Gebäude in Antwerpen.
Unten: Hafen-Ansichten

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Mit jedem Jahr mag ich die Stadt Antwerpen ein Stückchen mehr. Auch wenn ich heuer nicht viel Neues gesehen habe. Ich mag die Atmosphäre dort, die Altstadt und den Flair den große Städte allgemein so haben – bin eben eine Stadtpflanze im Herzen 😉

Antwerpen ist nicht nur eine Stadt mit Geschichte, sondern auch eine Modemetropole. So läuft man in der Innenstadt zwangsweise an den Schaufenstern bekannter Designer entlang.
Zudem sind viele Schaufenster sehr kreativ dekoriert, besonders auffällig war hier eine größere Fensterfront die in grelles pinkes und blaues Licht getaucht war,den Blick auf Schaufensterpuppen frei gab welche in Anlehnung an die Rokoko-Mode gekleidet waren – jedoch mit Jeans umgesetzt. Sehenswert fand ich das allemal …

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Und auch gegenüber lies ein Schaufenster mein Herz höher schlagen – nicht wegen den Klamotten, sondern wegen den unzähligen antiken Nähmaschinen die die große Glasfront zierten.
Schad daß mein Bild nicht so gut ausgefallen ist, die Reflexionen auf der Scheibe waren leider zu stark.

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Ein Laden erregte unsere ganz besondere Aufmerksamkeit, denn zum „Maison Orange“ gelangte man treppab in verwinkelte Katakomben unter der Fußgängerzone. Dort lauschte man indischer Musik und staunend betrachteten wir das Warenangebot von antiken orientalischen Möbeln. Am liebsten hätten wir dort einziehen wollen … genau die richtige Umgebung für dunkelromantisches Gruftpack 😀

Gegen 15:00 Uhr suchten wir ein Café um eine Kleinigkeit zu Essen und nach dem stundenlangen Laufen mal die Füße ruhen zu lassen – wo wir am Vortag über das lange Sitzen im Auto geschimpft hatten, ging es uns jetzt andersrum – andererseits war Tanja sichtlich angeschlagen.
Blöderweise wussten wir nicht mehr wirklich wo wir uns befanden, und meine Nachfrage bei der Bedienung um eine Wegbeschreibung verursachte erstmal etwas Verwirrung, doch wir stellten dann schnell heraus das wir uns zwar ziellos durch die Gegend bewegt hatten, aber zum Glück dauernd irgendwie im Kreise, sodaß wir auch zügig wieder am Hotel waren. Hilfreich waren auch die Smartphones meiner Mitreisenden, so wenig ich von den Dingern sonst halte, da waren die wirklich nützlich.

Im Hotel angekommen war zwischenzeitlich auch die Dame mit der ich mein Doppelzimmer für die zweite Nacht teilte.
Nachdem wir zwei uns auch ein wenig unterhalten hatten und die Klamotten derweil aufbügelten, war es dann an der Zeit sich für den Abend fertig zu machen.

Das Thema der heurigen Gala Nocturna war „The Virgin Queen“ – in Anlehnung an Königin Elizabeth I, für mich also das perfekte Thema 😉 – neues Gewand gab es aber nur bedingt, ich hatte die Zeit nicht mehr für ein ganz neues Kleid, aber letztenendes war das auch nicht nötig da ich ein noch halbfertiges Gewand im Schrank hatte das ich für den Anlass nach 3-4 Jahren endlich mal fertigmachen konnte. Sowas braucht irgendwie immer ein wenig Termindruck …

Einige Einzelteile musste ich mir von anderen, älteren Gewändern „ausborgen“,doch zum Glück ist elizabethanisches Klamott so modular daß das kein Thema ist.

Wir teilten uns ein Taxi zu sechst zur Augustinuskirche, und waren nicht grade wenig verwirrt als der Fahrer uns mitten in der Stadt zwischen Geschäften und Läden absetzte, denn von einer Kirche war da keine Spur, die Anwesenheit anderer Herrschaften in schönen Kleidern sprach aber dafür daß wir an der richtigen Stelle abgesetzt wurden.
Da wir ein paar Minuten vor 20:00 Uhr ankamen, mussten wir noch ein wenig warten bis sich die gläserne Schiebetür öfnnete und uns Einlaß in eine sehr moderne und karge Vorhalle gewährte, wo Vionas Mann die Kartenkontrolle übernahm.
Durch eine weitere, schon älter aussehende Tür gelangten wir dann schließlich in die eigentliche Kirche, und ich muss gestehen, die neue Örtlichkeit ist wirklich wunderschön und übertrifft die Kapelle in Altena sogar.

Die Kirche füllte sich bald mit Leuten, darunter wie zu erwarten bekannte Gesichter, man sieht sich um, begrüßt alte Bekannte und Freunde, und lässt die ganze Szenerie aus großen Gewändern, farbiger Beleuchtung und der opulenten barocken Kirche die von neoklassischer Musik anfangs noch recht leise beschallt wurde, auf sich wirken. Man taucht ein in eine andere Welt und eine andere Zeit die es in der Geschichte so zwar nicht gegeben hat, aber einen trotzdem mitreißt.

Der Saal wurde weniger voll als ich befürchtet hatte, man hatte immer ausreichend Reifrockfreiheit und es artete zum Glück nicht in die Massenveranstaltung aus die ich befürchtet hatte, auch wenn die Besucher zahlreich vorhanden waren, so drängte man sich nicht dicht an dicht wie das im Vorjahr leider der Fall war. Zwar gab es den gewissen Prozentsatz an „komischen Gestalten“, unter dem Strich hatte ich aber nicht das Gefühl daß es Überhand genommen hatte.

Später begann das Programm des Abends von dem im Vorfeld nichts bekannt gegeben wurde. Heuer bestand es durchweg aus Werken des belgischen Neoklassik-Komponisten Nicholas Lens, eröffnet von einer Live-Darbietung zweier Musikstücke die einem das Blut in den Adern gefrieren lies, so genial war es.
Danach kamen zwei Tanzdarbietungen, einmal Ballett, einmal Tribal, und schon war es Zeit für den „Kostümwettbewerb“.
Letztenendes war diese Geschichte weit weniger spektakulär als erwartet, circa zwei handvoll Damen wurden der Reihe nach auf die Bühne geleitet um einen Knicks vor dem werten Publikum sowie dem „König“ zu machen, welcher am Ende die Gewinnerin auswählte. Fertig.
Einer der Helfer der Veranstaltung kam währenddessen zu mir und meinte „You should be up there!“ – was freilich nett gemeint war doch ich war ganz zufrieden damit mir die Sache aus der Ferne anzusehen.

Der Abend an sich war wieder ganz großartig, die Musikauswahl zwar nicht ganz so brilliant wie im letzten Jahr, aber dennoch absolut gut. Da blieb dann neben dem Tanzbein schwingen auch noch etwas Zeit zum Unterhalten, auch die Lautstärke der Musik war sehr zurückhaltend. Einerseits positiv, andererseits verlangen Stücke wie Wolftribes eine gewisse Mindestlautstärke um anständig zu wirken. Aber ich will nicht motzen, ganz im Gegenteil, denn die Veranstaltung war meiner Meinung nach wieder rundum gelungen, und die leiser gehaltene Musik hatte mit der Stadtinternen Lage auch sicher seine Berechtigung.
Lichttechnisch war es eine Spur zu hell, was aber auch andere Besucher bemerkt hatten.

Das komische Chip-System fürs getränke holen war das Gleiche wie die Vorjahre, was offengestanden auch nervig ist, aber es wird wohl auch da Gründe für geben, etwas ärgerlich war nur daß man nach einer gewissen Uhrzeit für übrig gebliebene Chips weder noch Getränke bekam und diese auch nicht wieder gegen Bares eintauschen konnte. Schätze ich muss die beiden Plastikdinger dann bis zum nächsten Jahr aufheben.

Ein Teil von uns machte sich recht zeitig auf den Heimweg ins Hotel, doch Chris und ich wollten noch nicht gehen. Wir waren zwar hundeelend kaputt, doch aufgeben und gehen war nicht *g*
Wir blieben bis zum Schluss und waren bereit, nach Ausbleiben der Musik in Sitzstreik überzugehen 😀 doch letztenendes half es nichts. Glücklicherweise konnte ich so aber wenigstens Viona nochmal erwischen um Hallo zu sagen und ein paar Worte mit ihr zu wechseln, wie die letzten Jahre über war sie den Abend lang so in Beschlag genommen daß man an sie nicht ran kam.

Bei unserem kleinen Gespräch äusserte sie sich auch eher wenig erfreut über gewisse Umstände des victorianischen Picknickes und die Tatsache daß zu viele Schaulustige und Photographen sowie Poseuren eigentlich nie das waren was sie vorhatte mit der ganzen Sache. Das Picknick sei von Anfang an aus der Idee entstanden daß sich Gleichgesinnte zusammenfinden um tatsächlich gemütlich zusammen zu picknicken und die ganze Atmosphäre zu geniessen, nicht um von einer Kameralinse in die nächste zu rennen.
Schön zu erfahren daß die Initiatorin dieser Sache die Dinge dann genauso sieht wie andere die ihre Kritikpunkte am letzten Picknick ebenso hatten. Ich schätze zwar nicht daß sich viel ändern wird, nicht be etwas so öffentlichem im Rahmen des WGTs.

Derweil hatte sich unser bestelltes Taxi wohl jemand anders gekrallt, denn vor der Tür standen die übriggebliebenen Harten die bis zum Ende durchgehalten haben und warteten schlotternd auf Heimfahrgelegenheit. Ein zweites bestelltes Taxi wurde uns vor der Nase weggeschnappt, doch beim dritten Fahrzeug kamen Chris und ich zum Zuge und endlich ging es ins Hotel Richtung Matratze – beinahe zumindest, denn zuerst mussten Strassteinchen, Wimpern und hartnäckiger Kalk aus dem Gesicht entfernt werden, sowie das ganze Gewand samt Schmuck und Tüddelkram.
Geschlafen habe ich danach jedenfalls gut, meine Mitbewohnerin offenbar auch, denn die bekam von meinem Gewusel nicht wirklich was mit.

Der nächste Morgen wurde zuerst mit erstem Einpacken, dann mit Frühstück begonnen. In unserem Hotel hatte sich noch eine weitere schwarzgewandete Gruppe eingemietet, die wir jedoch nicht kannten.
Wie jedes Jahr wurde das Frühstück und das Auschecken über die offizielle Zeit bis zu der man aus den Zimmern raus hätte sein müssen etwas gezogen – bisher hatte da aber auch niemand vom Hotel was dagegen, und inzwischen kennt man sich ja auch schon …

Gegen 12:00 Uhr waren wir dann wieder unterwegs gen Heimat. Diesmal waren ein paar Zwischenstops mehr nötig. Die Fahrt zog sich dann etwas und so kamen wir in der Dunkelheit zuhause an. Zum Auspacken zu kaputt, nur das Seidengewand wurde schnell verstaut, brauchte es nur ein Glas Wein und das heimische Sofa um auf der Stelle wegzupennen.

Fazit: Positive Überraschungen sind eine schöne Sache – hätten sich meine Befürchtungen bewahrheitet wäre es vielleicht meine letzte Gala Nocturna geworden.
Der Abend war gelungen in jeder Hinsicht und die Besucherzahl genau richtig.
Der kleine Trip war ein schöner Mini-Urlaub in einer schönen Stadt, mal kurz durchschnaufen zwischen dem Alltag.
Jetzt freue ich mich aufs WGT 🙂

Bilder von der Gala direkt habe ich selbst nicht gemacht – zumindest nicht mit meiner Kamera.
Dafür hat Martin Small von SoulStealer.co.uk eine Menger großartiger Impressionen mitgebracht, alle Bilder davon sind auf seinem Flickr-Set anzusehen.

Zuletzt nochmal meinen Dank an Viona für das schöne Bild:

Gala Nocturna

Die Geschichte des Reifrockes

Das neue Jahr beginnt garnicht mal schlecht, insbesondere für meinen Blog, dessen Aufrufe in den letzten Tagen doch deutlich nach oben gingen.
Freilich lagen viele Zugriffe am Posten der neuesten Artikel in Facebook und Myspace, doch auch via Suchmaschine verirren sich die Tage deutlich mehr Besucher hier her.
Unangefochtene Nummer Eins der Suchbegriffe ist hierbei eindeutig die Gala Nocturna, die sich heuer zum fünften Male jährt, und entsprechend natürlich Informationssuchende anzieht, doch ein Suchbegriff weckte mein besonderes Interesse: „Ursprung des Reifrockes“
Nicht nur als begeisterter Strassensperren-Träger, sondern auch weil mich das Thema einmal in meine Lieblingsepoche – die Renaissance – führt, und die Sache natürlich auch mit einem großen Hobby von mir zu tun hat – der Modegeschichte – widme ich mich heute diesem Thema.

Ein Reifrock ist allgemein gesagt ein Rock der mithilfe von Holz, Fischbein, Stahlreifen oder in modernerer Variante Plastikreifen, in seiner mehr oder weniger ausgestellten Form aufgespannt wird, und so vom Körper wegsteht.
Über die Jahrhunderte hat sich die Form und Bauweise immer wieder gewandelt.

Der Ursprung des Reifrockes liegt im Spanien der 1470er, wo der sogenannte „Verdugado“ zunächst als Teil der Oberbekleidung getragen wurde. Zur Stütze wurden zunächst das subtropische Pfahlrohr, oder auch spanisches Schilf genannt, verwandt, später Weidenruten. Dieser Ur-Reifrock war anfangs Teil der Oberbekleidung, die Tunnel die die Reifen hielten waren auf der Aussenseite des Rockes aufgesetzt, wie das folgende Bild zeigt, welches als die früheste Darstellung des Verdugado gilt, und ebenfalls spanischen Ursprungs ist:

Verdugado

Der Name „Verdugado“ soll hierbei von „verdugo“ abstammen, mit dem ein grüner Baumtrieb gemeint ist, denn aufgrund der Steifigkeit des ausgewachsenen Pfahlrohres hat man ursprünglich die flexibleren jungen Triebe dieser Pflanze verwandt. Sieht man sich die moderne Übersetzung dieses Begriffes an, so bekommt man „Scharfrichter“ oder „Henker“ – interessant, dürfte aber mit dem Reifrock nichts mehr zu tun haben ;).
Das deutsche Wikipedia nennt als Bedeutung für „Verdugado“ den „Tugendwächter“. Dabei dürfte es sich nicht um eine direkte Übersetzung des Begriffes handeln, sondern wohl eher um einen Ausdruck der im deutschen Sprachgebrauch für diesen Reifrock üblich war. Beweise für diese Spekulation habe ich nicht gefunden, wer da näheres weiß darf sich gerne zu Wort melden 🙂 – auch habe ich direkt unter diesem Begriff keine Hinweise auf den Reifrock finden können. *

Ein Gerücht beasgt daß der Reifrock erfunden wurde um die Schwangerschaft von Johanna von Portugal zu verbergen – doch keine brauchbaren Quellen bestätigen das.

Es wird gesagt daß der Reifrock um 1520 den Weg in die Mode am englischen Hof fand, durch die Spanierin Katharina von Aragon, Frau von Heinrich VIII.
Belegt ist dies nicht, aber um 1530 tauchte der Reifrock auch in England vermehrt in der Mode auf, zunächst als „vardingal, fardyngale“ oder „verthingale“ bezeichnet, setzte sich die Bezeichnung „Farthingale“ durch.

Prinzessin Elizabeth

Als Versteifung der Röcke wurde nun vermehrt Fischbein verwandt (auch Kordelversteifung wird in historischen Quellen erwähnt), die Farthingale wanderte als Unterrock unter die Oberbekleidung. Diese spanische Farthingale hat im Prinzip die gleiche Form wie der gemeine moderne Brautreifrock – konisch nach unten ausgestellt. Die sogenannte Tudor-Mode zeigt deutlich die damals modische Körperform, die an zwei an den Spitzen aufeinanderstehende Kegel erinnert. Dabei wurde der Oberkörper mit versteiften Oberteilen oder Schnürleibern „in Form“ gehalten.

Diese Silhouette zeigt auch das obenstehende Portrait von Elizabeth I – spätere Königin von England – hier im Alter von 13 Jahren, als Prinzessin.

Auch wenn die Form den neumodischen Reifröcken optisch gleich, so ist die Bauweise eine andere. Es gibt zwar keine erhaltenen Exemplare dieser Farthingales, doch eine brauchbare Anweisung zur Herstellung eines solchen spanischen Reifrockes findet sich in einem erhaltenen spanischen Schneiderbuch das auf 1598 datiert ist – „Libro De Geometria, Pratica Y Traca“ von Juan de Alcega .

Die interessierten Selbernäher finden eine brauchbare Anleitung, basierend auf oben genanntem Buch, hier: http://www.chesholme.com/~jack/farthingale/, in englischer Sprache.

Gegen Mitte des 16. Jahrhunderts kam die Mode auf, über der spanischen Farthingale zusätzlich eine ausgestopfte Rolle auf Taillenhöhe zu tragen – der sogenannte „Weiberspeck“ oder englisch – „bumroll“. Dieser gab den stoffreichen Röcken eine gerundetere Silhouette.
Wer sich die große, versteifte Farthingale nicht leisten konnte, ahmte die Mode der adligen Gesellschaft nach indem der Weiberspeck alleine als Rock-Unterstützung getragen wurde.
Diese neue Mode erntete, genauso wie die Farthingale an sich, natürlich auch ihren zeitgenössischen Spott:

Weiberspeck

Die spanische Farthingale wurde, bedingt durch den immer größer werdende Weiberspeck zur sogenannten französischen Farthingale, auch bezeichnet als „Verdugadin“. Dieser „Reifrock“ hatte mit der spanischen Variante nicht mehr so viel gemein, denn anstatt den Röcken bis zu den Füßen Halt zu geben, stand er nun als flache Scheibe gerade von der Taille weg, gegen Verrutschen gesichert am Schnürleib festgebunden. Entsprechend künstlich-übertrieben zeigte sich die dazugehörige französische Mode der 1590er, wie im Ditchley-Portrait von Elizabeth I:

Königin Elizabeth

Auch für die französische Farthingale gibt es keine erhaltene Originale, an denen man Material und Bauweise studieren könnte, eine mögliche Konstruktion wird von Janet Arnold in „Patterns of Fashion – 1560-1640“ vorgestellt, welche auf zeitgenössischen Darstellungen basiert. Die bekannteste davon ist eine Kostümzeichnung des Ballettes „Les Esperducattis“, auf der Tänzer mit einer scheibenartigen Konstruktion um die Taille zu sehen sind, welche an das moderne Teller-Tutu erinnern, als auch Darsteller die Röcke über diesem Gestell tragen.
Diese Darstellung findet sich ebenfalls in Janet Arnolds „Patterns of Fashion – 1560-1640“.

Im beginnenden 17. Jahrhundert (modegeschichtlich betreten wir hier den Barock) hielt sich die Farthingale noch eine zeitlang in der höfischen Mode. Doch der Reifrock verlor in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zunächst seine Bedeutung. Lediglich am spanischen Hof blieb der Reifrock noch bis über die Mitte des 17. Jahrhunderts hinaus, und erfuhr hier nochmal eine Wandlung die in vielen Gemälden des spanischen Malers Diego Velásquez zu sehen ist, wie auch auf einem der vielleicht bekanntesten Werke – „Las Meninas“ -1656–1657

Las Meninas

Im Übrigen bin ich seit Jahren schon dabei mir das Gehirn zu verbiegen, wie man einen Reifrock am besten konstruieren kann, um diese querovale Silhouette zu erzeugen, Die Rokoko-Variante scheidet eigentlich aus, und über diese bin ich auch informiert 😉 wer sachdienliche Hinweise hat, dem wäre ich zu großem Dank verpflichtet um eine Nachricht.

So, hier endet der erste Teil meiner Geschichte rund um den Reifrock. Beim nächsten mal begeben wir uns ins 18. Jahrhundert – Rokoko – und bewegen uns von da aus weiter durch die Modegeschichte. Ob es genauso ausführlich werden wird kann ich nicht versprechen, da „meine“ Epoche nunmal das späte 16. Jahrhundert bis ins frühe 17. Jahrhundert ist, aber ich werde mich bemühen 🙂

Kommentare und Anmerkungen sind immer willkommen – insbesondere falls mir doch historischer Mist unterlaufen sein sollte, um Berichtigung bin ich da immer dankbar, aber bitte – mit wissenschaftlich belegbarer Quelle, damit ich sicher sein kann daß die Informationen stimmen 🙂 – denn auch meine Leser sollen verlässliche Informationen bekommen.
Auch Zusatzinformationen werden immer gerne entgegen genommen.

Bilder: Wikimedia Commons

Bücher:
http://www.amazon.de/Patterns-Fashion-1560-1620-v-3/dp/0333382846/ref=sr_1_4?ie=UTF8&qid=1294130012&sr=8-4
http://www.amazon.de/Corsets-Crinolines-Norah-Waugh/dp/0878305262/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1294130086&sr=1-1

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Reifrock
http://en.wikipedia.org/wiki/Farthingale
http://www.elizabethancostume.net/farthingale/history.html
http://des.kyhm.com/?farthhist

* : Lediglich ein – zugegeben – nicht sehr gut recherchierter Artikel der offenbar bei der Wortbedeutung das deutsche Wikipedia zitiert, dazu noch als Schönheitsideal der Renaissance fälschlicherweise die „Weiblichen Rundungen“ nennt, und als bildliche Quelle eine Darstellung des Rokoko herzieht, findet man – ein toller „Nachweis“ der nicht mal wissenschaftlich genug ist Quellen zu zitieren *hust* – auch wenn Informationsfetzen richtig sind, der gesamte Artikel ist irreführend!