Gothic Friday – Februar: Musik und Leidenschaft

Und nun geht der Gothic Friday in die zweite Runde, diesen Monat dreht es sich ganz um die Musik, einige interessante Beiträge sind dazu auch schon wieder entstanden, und ich reihe mich da auch gleich mal mit ein.

Also legen wir mal los:

10 Fra­gen — Die Musik und Du

Was bedeu­tet Musik für Dich? Wie wich­tig ist sie Dir?

Musik ist für mich sehr wichtig, sie ist für mich eine sehr emotionale Sache.
Musik ist auch oft Hilfe bei weniger schönen Gemütszuständen, oder Mittel zum Abreagieren wenn das mal sein muss 😉 , sie ist die Brücke zum Abtauchen in andere Welten, hörbare Schönheit, Seelenspiegel und Freund. Sie macht aber auch glücklich bis hin zu euphorisch und deckt somit für mich alles ab was an Empfindungen möglich ist.

Wel­che Rich­tun­gen »schwar­zer Musik« hörst du? Nenne ein Bei­spiel, das für Dich deine Bedeu­tung des Genre am bes­ten Wie­der­gibt.

Ich höre eine relativ große Bandbreite an musikalisch-dunklen Subgenres. Meine Wurzeln sehe ich in den 80ern, bei Depeche Mode, OMD, The Cure, Siouxsie, Bauhaus und Joy Division, auch wenn ich einige Bands erst im Nachhinein für mich entdeckt habe, aber mein 80er Fimmel der vorher schon da war, war da auch maßgeblich beteiligt.
Daher stehen Wave und Postpunk freilich auch auf meiner Liste.

Ein Beispiel hierfür auszusuchen ist allerdings etwas schwierig …

Bauhaus – Bela Lugosi’s Dead DER Klassiker – freilich, aber eben einfach unbestreitbar ein geiles Stück 😀
Depeche Mode – Enjoy the Silence

Minimal

Juhu, Synthies 😀

S.P.O.C.K – Never trust a Klingon
– hat einfach den Nerd-Bonus wenn man eh schon Trekkie ist 😀
Rorschach Garden – Robots

Darkwave – war neben Depeche Mode mit Project Pitchfork eine maßgebliche „Einstiegsdroge“ für mich. Pitchfork habe ich schon in meinem ersten Gothic-Friday Artikel genannt, daher nehme ich an der Stelle mal das:

Silke Bischoff – Under your Skin

Und eine andere meiner absoluten Lieblingsbands muss ich hier freilich auch noch mit aufführen:

Diary of Dreams – Traumtänzer

Gothic Rock war eher Liebe auf dem zweiten Blick da ich Gitarren anfangs einfach nicht ausstehen konnte 😉 über die 80er Musik hab ich mich dann doch mehr und mehr dran gewöhnt, auch wenn das was ich damals mochte eindeutig Synthielastig sein musste.
Die Sisters haben mich dann von den Gitarren überzeugt, und zwar mit dem sicher bekanntesten Stück:

Sisters of Mercy – Temple of Love

Weiter gehts mit der Sparte Neoklassik – Ethereal – Heavenly Voices, einem Abkömmling des Postpunks.
Das kann ich ganz klar mit DEM Klassiker schlechthin vorstellen:

Dead Can Dance – Rakim

Neofolk – Ich verzichte hier auf die Klassiker, und gebe als Beispiel eine etwas neuere Band an die ich sehr schätze:

ROME – Das Feuerordal

Verwand dazu ist ist der sogenannte Apocalyptic Folk, und da kann ich nur eine grandiose Band als Aushängeschild anführen:

Ordo Rosarius Equilibrio – Three is an Orgy, four is forever

Mittelalterlich inspiriertes und Pagan Folk – aber nur in Ausnahmefällen mit Dudelsäcken, und bitte auch kein Mittelalter-Rock 😉

QNTAL – Am Morgen Fruo
Omnia – Etrezomp Ni Kelted

Von da aus gehts weiter in den Bereich Ritual
Ich stecke hier mal eine meiner absoluten Lieblingsband hinein, obwohl man die genauso zum Neoklassik oder anderen stecken könnte:
Rosa Crux – Omnes qui descendunt

Als erstes Werk des Ritual Industrials wird das Album „Secret eye of LAYLAH“ von Zero Kama genannt, das angeblich mit Instrumenten aus Menschenknochen eingespielt wurde:

Zero Kama – Night of Matter

Wiederum damit verwandt ist der Dark Ambient, beziehungsweise sind die Unterschiede zum Ritual mehr als fließend um eine genaue Trennung zu ziehen:

Raison D’Etre – Wasteland

Genauso fließend sind die Übergänge zum Martial Industrial und Military Pop, gerne hätte ich Derniere Volonte’s „La Foudre Et Le Tonnerre“ angeführt, konnte aber kein Video zu dem wunderschönen Stück finden, daher nehme ich ein anderes Beispiel:

Triarii – On Wings of Steel

Nachtrag: auch wenn „La Foudre et Le Tonnerre“ nicht in Videoform auffindbar war, habe ich ein anderes Musikstück gefunden:

Dernière Volonté – Au Travers des Lauriers

Von da aus muss ich unweigerlich zum Industrial kommen, wovon die letzten oben genannten Beispiele ja auch nur Verzweigungen sind, und was gibt man da besser an als die Godfathers der Industrial Culture – Throbbing Gristle:

Throbbing Gristle – Discipline

Ein neuerer Abkömmling des Ur-Industrials ist – nein, NICHT Straftanz 😉 – sondern Powerelectronics. Meine erste Begegnung damit war Propergol, und die führe ich hier auch mal als Beispiel auf:

Propergol – Outburst

Tut weh, und solls auch 😉

Neue deutsche Todeskunst
Kein Genre das ich allzu intensiv höre, aber Goethes Erben mag ich wirklich sehr gerne:

Goethes Erben – Rotleuchtende, einst weiße Engel

Schwer einordenbar ist vielleicht Sopor Aeternus, ich führe das mal hier mit auf, das ein Mann/Frau Projekt hat aber auch für mich persönlich eine Sonderstellung.

Sopor Aeternus – Tanz der Grausamkeit

Wie wür­dest deine musi­ka­li­sche Lauf­bahn beschrei­ben? Über wel­che Rich­tung der Musik bist Du in die Szene gekom­men, wel­che hast hin­zu­ge­won­nen, wel­chen hast du abge­schwo­ren und was hörst du heute?

Meine musikalischen Präferenzen in meiner Anfangszeit waren ganz klar synthetischer Natur 😉 und der Erstkontakt kommt meistens mit Bands die relativ bekannt und damit leicht zugänglich sind, bei mir waren das Covenant, VNV Nation, Suicide Commando, Wumpscut und Feindflug.
Auch wenn Project Pitchfork und Depeche Mode die eigentlichen Einstiegsdrogen waren, die hörte ich damals im schwarzen Club aber kaum sondern mehr in den eigenen 4 Wänden, und DM habe ich anfangs auch nicht als Szenetypisch wahrgenommen, das kam dann erst nach einiger Zeit der bewussten Auseinandersetzung mit Szene an sich und deren Musik, und damit habe ich dann meinen schon vorhandenen 80er-Fimmel nochmal ausgebaut *gg*

Durch die „La Nuit Obscure“, einer Party auf der quer durch alle Stile Musik gespielt wurde bin ich dann relativ schnell auch auf die „Wedelmusik“ gekommen, mit Dean Can Dance und Qntal zunächst, und dann weiter zu Omnia, Faun, Helium Vola und von da aus gings dann weiter zu experimentelleren Sachen aus dem Industrial-Umfeld welche Stammplätze auf der Göttertanz-Playlist hatten und heute noch haben, von da aus war es dann auch kein großer Schritt mehr zum Industrial an sich. Irgendwie unterwegs aufgesammelt habe ich dann noch Neofolk und Military Pop und bin im Wesentlichen bei dem Paket bin ich dann im Wesentlichen geblieben.

Abgeschworen habe ich eigentlich keinen Stilrichtungen, ich würde eher sagen ich habe mich im Laufe der Zeit vom Elektro a la Feindflug wegentwickelt, insbesondere durch die Begegnung mit waschechtem Industrial. Lediglich bei Wumpscut kann ich ehrlich sagen daß ich das heute auch noch gerne höre.
Am Rande bemerkt amüsiert mich der Umstand, daß an schwarzromantischen Göttertänzen bei Weitem mehr Industrielles gespielt wird als bei Cyberparties *kicher*

Wie und wo hörst du Musik am liebs­ten?

Das ist sehr situationsabhängig, und auch abhängig vom Genre. „Kopfkinomusik“ wie Darkambient oder generell ruhigere, nachdenklichere Stücke lassen sich auf dem Fensterbrett über der aufgedrehten Heizung bei nem Gläschen Wein, Kerzenlicht und Räucherwerk schlicht und ergreifend am Besten genießen, auch Industrielles höre ich lieber und setze mich auch im Club dazu eher selten in Bewegung.
Sachen die mehr Schwung haben und im großen Zeh kitzeln erfordern ausreichend Platz, egal ob im heimischen Wohnzimmer oder im Club *g*

Wel­che Musik hörst du außer­halb der typi­schen dunk­len Musik noch?

Keine speziellen Genres, Musik muss mich emotional berühren oder faszinieren, ausserhalb der schwarzen Genres haben das die Banana Fishbones geschafft, aber auch Thomas D’s Album „Reflektorfalke“, genauso findet man mich auch auf der Tanzfläche wenn im Finsterclub der „Krieger“ aufgelegt wird, immerhin zitiert das Musikstück einen meiner Lieblingsfilme ;).
Ich mag Jazzstücke bei denen man vor dem geistigen Auge eine verrauchte Bar und einen depressiven Privatschnüffler sieht der am Tresen Bourbon in sich hinein kippt.

Ich mag Renaissancemusik, orientalische Klänge und mittendrin auch mal Klassik, wobei ich mich damit noch nicht näher auseinandergesetzt habe um da spezielle Komponisten als Favoriten zu nennen, lediglich Bachs Tokkata und Mozarts Requiem vielleicht.

Und freilich 80er – auch nicht so arg Schwarzes, wobei das ja auch nicht immer einandfrei trennbar ist.
OMD ist da eine langjährige Liebe sowie fast alles an sogennantem New Romantic 😉 – in dem Zuge darf man freilich den göttlichen Countertenor Klaus Nomi nicht vergessen – eigentlich mag ich Countertenöre generell auch recht gerne.

Gelegentlich findet sich auch noch das eine oder andere Überbleibsel meiner technoiden Vergangenheit auf die Playliste, Vorzugsweise Emmanuel Top und Kram den auch damals kaum einer gekannt hatte 😉

Mal ange­nom­men, Du könn­test ein Instru­ment spie­len, hät­test eine tolle Stimme und wür­dest zusam­men mit Freun­den eine Band grün­den. Wel­che Rolle in der Band wäre Deine?

Also, eine tolle Stimme habe ich sicher nicht, und ich vermeide es sogar dann zu singen wenn ich ein Tässchen Wein zu viel erwischt habe 😉 auch wenn ich Heavenly Voices ganz großartig finde, ich genieße das lieber in riesigen Gewändern auf der Tanzfläche, auf Konzerten oder daheim in aller Ruhe.

Würde ich „Musik“ machen, dann würde ich eher in abgewetzten Lederklamotten in einer Industrieruine auf Metall einkloppen um die Samples danach durch den Synthie zu jagen *kicher* – oder Theremin spielen 😉 oder mir bekloppte Installationen einfallen lassen um damit noch mehr Lärm zu produzieren 😀 und freilich generell am Sythie schrauben und basteln.

Nenne 5 dei­ner Alben die für Dich unver­zicht­bar mit Szene ver­bun­den sind.

Diary of Dreams – Nigredo
Sisters of Mercy – Slight Case of Overbombing
Rosa Crux – In Tenebris (eigentlich Stellvertretend für alle Alben der Band)
Project Pitchfork – IO
Nicholas Lens – Flamma Flamma (auch wenn das eher ein ein Ausreißer ist -aber wenigstens ein Neoklassischer 🙂 )

Wel­che musi­ka­li­schen Eigen­schaf­ten hat für dich das ideale Lied?

Huh, das ist schwer, da die Bandbreite meiner musikalischen Präferenzen so groß ist kann ich „das“ perfekte Lied kaum beschreiben, ein Musikstück trifft mich meist sehr spontan, egal ob auf den ersten oder auch mal zweiten Blick.
Es kann an einem genialen Text liegen, einer ungewöhnlichen Stimme, besonders beeindruckende Synthieklänge, und noch viel mehr.

Wel­che Band oder wel­chen Musiker/in wür­dest Du gern mal inter­viewen und auf wel­chen Frage musst Du dabei unbe­dingt eine Ant­wort haben?

Adrian Hates von Diary of Dreams würde ich gerne mal kennenlernen, weil ich denke daß er eine sehr interessante Persönlichkeit sein muss mit dem man sicher sehr großartige Gespräche führen kann. Letztenendes haben seine Songtexte für mich eine ganz besondere Bedeutung.

Daneben würde ich auch gerne mal mit Anna-Varney ein Tässchen Tee trinken und philososchwafeln wollen, zumindest stelle ich mir das sehr spannend vor mit einer so aussergewöhnlichen Persönlichkeit wie er/sie es ist.

Generell bin ich mehr an den Menschen hinter der Musik und deren Beweggründefür eben ihre Musik interessiert. Ian Curtis wäre sicher auch ein spannender Gesprächspartner, nur leider ist das mit irdischen Mitteln wohl nicht zu bewerkstelligen …

„Die“ Frage hätte ich dabei aber nicht, ich denke das würde sch im Gespräch mit den einzelnen Persönlichkeiten dann erst ergeben.

Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der »schwar­zen« Musik?

Das ist eine schwierige Frage – die schwarze Musiklandschaft ist heutzutage so unübersichtlich daß mir spontan kein konkretes Projekt einfällt, ich hoffe aber sehr daß die musikalische Zukunft weniger in fremden Stilen die von Metal oder Techno kommen liegt, sondern weiterhin im Postpunk, Wave und Industrial und deren Ablegern.

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Gothic Friday: Januar – Wie bist Du in die Szene gekommen?

„Wie bist Du in die Szene gekommen?“ lautet das Thema der ersten Runde des Gothic-Fridays bei spontis.de. Eine einfache Frage, nur die Antwort darauf brachte mich halb zur Verzweiflung, denn wo sollte ich anfangen, was ist relevant, was nicht? Ziemlich viel Text ist dabei entstanden, und vieles davon auch wieder gelöscht worden.

Einen Einstieg kann man freilich ganz gerade heraus am ersten Club-Besuch festmachen, oder an der bewussten Farbreduzierung des Kleiderschrankinhaltes, doch das ist eben nur die Spitze des Eisberges. Jede Geschichte ist etwas sehr persönliches, und oft recht untrennbar mit der persönlichen Entwicklung verbunden.

Ich bin 1980 auf die Welt gekommen, erlebte die 80er also schon, aber eben mit den Augen eines Kindes, Schlagworte wie Kalter Krieg und Waldsterben kenne ich noch von den damaligen Diskussionen der Erwachsenen, doch auch eine Katastrophe wie der Tschernobyl-Zwischenfall ärgert eine 6-Jährige nur damit, daß Schwammerln-Sammeln im Wald und deren Auftauchen auf dem Mittagstisch dann erstmal nicht mehr drin sind.

Die stärkste Erinnerung aus der Zeit die ich wohl getrost zur Gruft-Werdung zählen kann, ist die Musik. Als kleines Kind schon saß ich bei den Spritztouren von Opa und Papa mit im Auto und lauschte dem was da aus den Lautsprechern kam.
Ich erinnere mich auch noch an die alte, klobige Stereoanlage mit den riesigen analogen Anzeigenadeln die im Takt der Musik ausschlugen, und die einzige Lichtquelle im Wohnzimmer meiner Eltern war, nachdem mein Vater eine Platte auflegte und aus den Lautsprechern daraufhin „Maid of Orleans“ drang.

Ich mochte Hexen, verschlang alles an Filmen und Büchern was mit Hexen zu tun hatte und verlies ab und an das aus auch nicht ohne den selbstgebastelten Hexenbesen. Meine Mutter erfüllte mir als ich 10 war einen großen Wunsch zu Fasching und machte mir ein Hexenkostüm, leider nicht ganz nach meinen Vorstellungen, denn sie fand, ein bodenlanges, komplett schwarzes Gewand ist für eine Zehnjährige nichts *gg*

Die 80er gingen, und mit 12-13 kam ich wie die meisten Kinder in das Alter in dem man sich beginnt auszuprobieren und sich selbst bewusster wahrnimmt. Die heranwachsende Rosa war eine Traumtänzerin, schüchtern und ziemlich klein, daher ein willkommenes Mobbingopfer für die anderen Kinder als ich von der Grundschule ins Gymnasium wechselte.
Zunächst versuchte ich mich anzupassen, steckte mich in angesagte Klamotten in denen ich mich kein Stück wohl fühlte, doch wenn man mal die Rolle des Fußabtreters hat, ändert sich da so schnell nichts dran. Ich erkannte daß Anpassen nichts brachte, ausser daß ich mich nicht mal mehr in meiner Haut wohl fühlte, also lies ich das mit der albernen Verkleidung und fing an, auf optischem Wege zu rebellieren.
Verbal zurückschlagen konnte ich nicht, Reden war nie so mein Ding, und verbal schlagfertig bin ich auch heute noch nicht wirklich.

Jedenfalls wählte ich den Weg mich bewusst abzugrenzen durch mein Aussehen. Gothic war das damals aber noch nicht, ich wuchs in einer Kleinstadt auf in der es eh keine Grufties gab, geschweige denn andernweitig Aussergewöhnliches. Internet gab es ebenfalls noch nicht, dafür setzten sich massig fiese Klischees in meinem Kopf fest über das was ich vor dem Hintergrund damals für „Gothic“ hielt.

Ich war nicht nur optisch anders, auch meine Interessen wichen bald von dem ab was meine Mitschüler so mochten. Ich blieb am Wochenende lieber daheim, deckte mich mit Büchern aus der naheliegenden Bibliothek ein und las. Alles was ich in die Finger bekam. Science Fiction, später auch ein wenig Horror, Sachbücher über Physik, Astronomie, Elektronik, Computer.
Streber war ich aber keineswegs, die fand ich auch scheiße, und durch die Schule kam ich mit Minimalaufwand, das ging einmal schief und ich musste eine Klasse wiederholen, doch ich machte mir da wenig draus. Was ich wissen wollte brachte ich mir selbst bei.
Ausgehen interessierte mich nicht, wir hatten eh nur Dorfdissen und Bierzeltfeste, Jungs interessierten mich nicht, Mädels – wider der kursierenden Gerüchte über mich – aber auch nicht die Bohne. Ich hatte gern meine Ruhe mit meinen Büchern und zog mich ab und zu auf „meinen“ Baum weiter oben am Berg zurück, wo man die ganze doofe Kleinstadt überblicken konnte, und man von Menschen mal so richtig seine Ruhe hatte.
Einen kleinen Freundeskreis hatte ich zu der Zeit dann auch, wir blieben die ganze Schulzeit über zusammen und waren alle irgendwie Aussenseiter.

Mit der christlichen Religion konnte ich nach persönlicher Auseinandersetzung damit nicht wirklich etwas anfangen, ich begann mich für Esoterik und Okkultes zu interessieren, eine zeitlang dachte ich, im Wicca die passende Weltanschauung gefunden zu haben, doch auch der Weg war mir bald zu eingeengt.

Die Farbe schwarz faszinierte mich mit 13 schon, weswegen konnte ich nicht genau sagen. Es fühlte sich einfach gut an, vertraut. Ich griff allmählich immer öfter morgens zu komplett schwarzen Klamotten, doch völlig eingeschwärzt war meine Garderobe freilich noch nicht, ich probierte mich weiter fröhlich aus, bediente mich bei dem was meine Eltern – Mama wie Papa – aus dem Schrank rausräumten, seidene Hemden, ein Nadelstreifenanzug,Schmuck, Blusen und Stiefel aus den 70ern und 80ern … nervte meine Mutter, gelernte Näherin, mit Klamottenentwürfen und verwüstete regelmässig das Bad mit Batikfarbe.
Was neu eingekauft wurde kam aus der Herrenabteilung genauso wie aus der Damenabteilung, verwirrte die Leute durch das Tragen von Schlips, Hemd, Anzug, Trenchcoat und Hut und scherte mich einen Dreck um das was gerade „in“ war. Ich lief mal rum wie Luke Skywalker mit engen Hosen und langen Stiefeln zu weißem Herrenhemd und breitem Gürtel darüber, entdeckte dann den Edelhippie mit schneeweißen Schlaghosen und weißer Rüschenbluse, gefolgt von irgendwas punkigem mit löchrigen Jeans und bewusst schlampigem Lagenlook von mehreren ultraweiten Shirts, bemalte eine Jeans mit Sternkarten und Galaxien, zeichnete altägyptische Malereien auf Seide, mit der eine alte 80er Jeansjacke meiner Mutter verschönert wurde. Strickte ausgefallene Pullovermodelle und bastelte Schmuck aus elektronischen Bauteilen.
Mehr und mehr wurde mir egal was andere von mir oder meinem Stil dachten, ich fühlte mich wie ein Alien, ein Exot, und begann Spaß daran zu haben. Ich war anders und wollte das allen zeigen! Meine jugendliche Rebellion richtete sich weniger gegen die Eltern, mehr gegen die „Normalos“ um mich herum, die die alle irgendwie gleich aussahen und das gleiche mochten.

Von Gothic hatte ich freilich noch immer keine Ahnung, ausser daß ich mir sicher war daß das was mit Satanisten zu tun haben musste, oder irgendwas krass-asoziales, und ich die Musik sicher ganz arg scheußlich finden müsste, dabei wusste ich garnicht mal was Grufties so hören, ich war mir nur sicher daß ich keiner war.
In den 90ern mochte ich Techno. Nicht den Krempel wie Scooter oder dergleichen, es durfte gerne etwas kruder und experimenteller sein, und das Zeug was eigentlich sonst keiner kannte war eh das beste. Damals schon hätte ich einiges gegeben um mich selbst mal am Synthie zu versuchen, und meine Klamotten waren zu dem Zeitpunkt auch eindeutig am knalligsten.

Die elektronischen Klänge liessen mich nie wirklich los, und mit 16-18 entdeckte ich das Zeug aus den 80ern wieder, zuerst in Form einer alten Kassette die mein Vater ausgrub, da war viel von OMD drauf, auch Maid of Orleans, das ich vom Hören freilich sofort wiederkannte, aber bis dahin keinen Namen zu den Klängen hatte. Die CD-Sammlung wurde erweitert, bis ich jedes OMD Album hatte, ich wühlte in den Platten meiner Eltern, schnitt alles auf Kassetten zusammen was ich mochte und begann, ein 80er Fan zu werden. Depeche Mode fand ich freilich auch super, dann kam Alphaville. Über Joy Division stolperte ich dann auch, holte mir ein Best-Of und rümpfte beim ersten Hören dann gleich mal die Nase. Ja ihgitt, Gitarren – mir kamen schließlich nur Synthieklänge in den CD Player!

Die Gitarrenabneigung legte sich dann als ich auf Sisters of Mercy stieß, ich wunderte mich über mich selbst daß mir das gefiel – Gitarren! – ich, der eingefleischte Synthieklang-Fan! Aber ich musste mir dann doch eingestehen daß das Zeug ziemlich geil war 😀 – und Joy Division mag ich inzwischen auch wirklich sehr gerne, diese Musik brauchte nur eine zweite Chance in meinem Gehörgang.

Trotzdem, mit Gothic brachte ich nichts von dem in Verbindung, was „die“ hörten war mir noch immer unklar, ausser daß ich es selbstverständlich nicht mögen würde …

Die ersten „echten“ Grufties hab ich dann auch gesehen, in Nürnberg liefen etliche davon rum. Ich fand den Stil großartig – und wäre gerne auch so rumgelaufen, doch Grufties waren für mich noch immer Typen die irgendwie krass drauf waren, keine Ahnung wie, aber ganz sicher nicht so wie ich! Deswegen lies ich es bleiben mich genauso anzuziehen, denn ich war ja kein Grufti und fand es blöd einen Stil zu kopieren hinter dem ich nach meinen damaligen Ansichten nicht voll und ganz stand.
Trotzdem führte der Ausflug ins Wicca und das Interesse an okkulten Dingen immer mehr zu einem Stil a la schwarzer Hippie, mit klobigem indischen Silberschmuck, bestickten Tuniken mit Spiegelchen, Rüschenblusen und bodenlangen Röcken. Was da freilich schon gut aufs schwarze Auge passte, empfand ich aber keineswegs als Gothic, das war einfach schlicht und ergreifend ich.

Die Jahrtausendwende kam, ich verlies die miefige Kleinstadt und zog nach Bayreuth um Physik zu studieren. Bayreuth war in den 90ern schon sowas wie ne kleine Grufti-Metropole, da gab es den Club namens Etage in dem sich Das Ich und Goethes Erben formierten. Wusste ich natürlich erstmal nicht.
Die übelsten Klischeevorstellungen über Grufties wichen so langsam aus meinem Hirn, aber ich zählte mich freilich trotzdem noch lange nicht dazu. Witzig war zu der Zeit daß mich viele Bekannte und Kumpels aber schon in die Schublade einordneten, und ganz offenbar nur schwarze Klamotten an mir wahrnahmen. Dabei trug ich nur gelegentlich schwarz, nur einmal wurde ich etwas stutzig als ein Kumpel mich direkt fragte ob ich „halt so ein Gothic“ sei, ich vehement abstritt, dann aber erst wahrnahm daß ich mit meinem spitzigen Schuhwerk, dem Ledermantel und dem Nieten-Ketten-Gürtel ja schon arg nach Goth aussah.
Mit dem gleichen Bekannten fuhr ich 2001 auf die Loveparade, daß die längst nicht mehr das war was sie mal gewesen ist war mir zwar klar, ich wollte es aber mal miterlebt haben.
Auf der Autofahrt hatten wir freilich eine gute Ausstattung an elektronischer Musik bei uns, und ein Musikstück das irgendwie nicht so richtig Techno war, faszinierte mich – so brachte mich ein Bekannter der eigentlich das völlige Gegenteil von Gothic war auf Project Pitchfork, und wir bretterten mit „Equilibrium“ in der Anlage, auf voller Lautstärke durch die Chemnitzer Innenstadt.

Zwei Jahre darauf lernte ich meinen Freund kennen. Durch ihn kam ich das erste mal in einen schwarzen Club. Ich war sehr neugierig darauf, über Pichfork kam ich weiter auf dunkelelektronische Musik, Covenant, Suicide Commando und solche Geschichten. Ich hatte mir aus einer schlecht sitzenden Army-Hose einen Bondage-Rock genäht, auf Ebay bin ich mal über sowas gestolpert und fand es schön, aber von der Stange war freilich langweilig.
Ich möbelte mich für den ersten Abend freilich anständig auf, hatte aber auch irgendwie Angst daß man mich als Nicht-Goth „entlarven“ konnte, irgendwie waren dann doch noch ein paar Restklischees übrig geblieben. Wir betraten den Club – das Top Act in Zapfendorf – und das erste mal in meinem Leben fiel ich nicht auf! Und das war in dem besonderen Fall ein tolles Gefühl, ich stand blöde grinsend auf der Tanzfläche und fühlte mich einfach nur wohl, bei den Leuten, in meiner Haut, bei der Musik, denn ich kannte ja schon fast alles was da lief. Und ich musste feststellen daß Grufties eigentlich ganz genauso drauf waren wie ich, es waren verwandte Seelen in gewissem Sinne. Sondern genauso Querdenker und Leute die eben „anders“ waren – wie ich auch!
Und damit kam die Erkenntnis – verdammt, du bist also doch ein Grufti, jahrelang sagten dir das Bekannte und Freunde schon immer nach, und jetzt endlich hab ichs dann auch gar kapiert gg

Meine Szeneanfänge waren optisch mehr die Richtung Lackbienchen und Elektromieze. Cyber gabs noch nicht, und den ganz fiesen Dunkeltechno ebenfalls noch nicht, ich mutierte zum Feindflug-Fan und ärgerte mich beim Anfertigen neuer Abendgarderobe über Lack und Kunstleder unter der Nadel. Der schwarze Versandhandel war für mein Studentenbudget eh zu teuer, und Selbermachen war für mich einfach eh Ehrensache. 2000 habe ich mir das Nähen beigebracht, und wusste damals noch nicht wohin das mal führen sollte …

Die Reifrockfraktion fand ich optisch toll, und über die Lakaien und etwas elektronischere Vertreter der Schwarzromantischen Musik bin ich allmählich mehr in diese Richtung gegangen. Wolftribes von Sephiroth bohrte sich sofort tief in meinen Gehörgang, und bei Dead Can Dance stand ich irgendwann auch bei den Reifrockmädels und entschied, Lackmini ist viel zu wenig Textilie um auf sowas angemessen tanzen zu können.

Mein erster Reifrock war ein gebrauchtes Braut-Dingens vom Internet-Autionshandel, die Überklamotten freilich selbstgenäht. Doch Reifröcke trugen sie ja eigentlich alle, und die Suche nach was was zu dem Zeitpunkt noch keine hatte, führte mich zur victorianischen Mode der späten Tournürenzeit. Das Make-Up wurde von Wochenende zu Wochenende heller, die Gesichtsmalereien präziser, die Reifrockfraktion machte sich Jahr um Jahr rarer in den Clubs, und am Ende blieb ich übrig, die letzte Kalkleiste und Reifrocktante für 2-3 Jahre, bis der Stil wieder einen Aufschwung erfuhr.
Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich interessierte mich mehr für die Szene an sich, wo das herkam, und da wurde mir bewusst daß meine geliebten 80er garnicht so irrelevant sind. Ich entfernte mich vom Elektro a la Feindflug und entdeckte gerade durch die Schwarzromantische Seite den Dark Ambient, Ritual, echten Industrial, Powerelectronics und damit den ruppigen, kratzigen, aggressiven Gegenpol zur meiner dunkelromantischen Seite. Kam durch Neofolk, Neoklassik und Co über Umwege wieder in die 80er zurück, in denen diese Stilrichtungen im Postpunk-Umfeld ebenfalls entstanden sind, und bin nun hier angekommen, gut gekalkt, mit Pikes unterm Reifrock und durchaus auch mit Freude an echtem industriellen Lärm *gg*

Und hier endet mein Beitrag zu ersten Gothic-Friday 🙂

Warum eigentlich Schwarz?

So weitläufig und facettenreich die schwarze Szene heute ist – ein Detail zieht sich dennoch recht kontinuierlich durch alle Spielarten hindurch, und das ist die ausgeprägte Vorliebe für die (Nicht)-Farbe schwarz.
Grund für diesen Artikel war für mich letztenendes die Aussage eines jungen Mannes der im Rahmen einer WGT Doku, welche einer unserer geliebten Privatsender einst verbrochen hatte, in der besagter Herr sich unwissend zeigte, warum gerade schwarz, und die zweifelhafte Theorie aufstellte daß es genauso hätte gelb sein können.

Also, warum denn nun eigentlich schwarz?

Wer sich in dunkle Gewänder hüllt und sich in irgend einer Form zur schwarzen Szene zählt, sollte eigentlich wissen warum gerade schwarz und nicht gelb. Und nein, auch pink ist verdammt nochmal nicht das neue schwarz …

Als jemand der nach 4 Semestern von den Physikern geflüchtet ist, fange ich mal wissenschaftlich an, wenn auch nur als arg eingedampfter Abriss, Farbenlehre ist ein sehr weites Feld:
Farbe ist ein Phänomen das sich physikalisch gesehen durch die Wellenlänge auszeichnet. Schickt man einen weißen Lichstrahl durch ein Prisma, wird man am anderen Ende beobachten können wie der Strahl von rot zu violett über die bekannten Regenbogenfarben auffächert. Dieser Regenbogen wird als Spektrum bezeichnet, das weiße Licht besteht also aus allen Farben. Das Material des Prismas ist in der Lage den eintretenden Lichtstrahl zu brechen, der Brechindex des jeweiligen Materiels ins in der Regel abhängig von der Wellenlänge, was bedeuted daß die unterschiedlichen Wellenlängen die eben im weißen Licht enthalten sind, unterschiedlich stark gebrochen werden.
Licht ist eine elektromagnetische Welle, im physikalischen Sinne gibt es daher theoretisch unendlich viele Farben. Jedoch kann das menschliche Auge nur einen gewissen Ausschnitt aus dem kompletten elektromagnetischen Spektrum wahrnehmen, ca von 380 nm bis 780 nm, dabei wird das langwellige Licht als rot wahrgenommen, das kurzwellige Ende des sichtbaren Spektrums als violett.

Währen es Objekte gibt die Licht abstrahlen – wie die Sonne oder eine Glühbirne – reflektieren die Dinge um uns herum die wir mit den Augen wahrnehmen können Licht.
Dabei erscheinen die Objekte in verschiedenen Farben, auch wenn sie eigentlich mit weißen Licht beleuchtet wurden. Das liegt daran weil bestimmte Farbpigmente bestimmte Wellenlängen des Lichtes absorbieren, und quasi der Rest der dann noch übrig bleibt reflektiert wird. Die absorbierten Wellenlängen verschwinden dabei aber nicht (Energieerhaltungssatz!), sondern werden in Wellenlängen mit niedrigerer Energie umgewandelt – Infrarotstrahlung, das Ding wird mehr oder weniger warm, je nachdem wie viel absorbiert wird.

Schwarz erscheint ein Gegenstand der nahezu alle Wellenlängen absorbiert. Deswegen werden schwarze Gegenstände in der Sonne auch besonders warm. Ich sage „nahezu“ weil ein kleiner Teil trotzdem noch reflektiert wird, der perfekte schwarze Körper wäre überhaupt nicht sichtbar. Wie war das noch mit dem Spruch: „Ich trage solange schwarz bis etwas noch dunkleres erfunden wird“?

Weißes Licht ist ein Beispiel für die Additive Farbmischung, rühre ich allerdings aus dem Farbkasten alles zusammen was ich da drin finde, bekomme ich schwarz – ok, in der Praxis mehr oder weniger – das wäre dann die subtraktive Farbmischung. Sowohl schwarz als auch weiß zeichnen sich nicht durch eine Wellenlänge, und damit einen Platz im elektromagnetischen Spektrum aus, da liegt auch die Erklärung warum beide nicht zu den Farben gezählt werden – physikalisch gesehen natürlich, aus der Tube bekommt man sehr wohl schwarze Farbe zu kaufen.

Nachdem die wissenschaftliche Seite soweit abgeklärt ist, gehen wir weiter zur Symbolik. Natürlich sind nicht alle Assoziationen die dieser Farbe zugeschrieben haben relevant für das was innerhalb der Szene damit verbunden wird, wirft aber vielleicht auch ein Licht weswegen manche Aussenstehende das tragen ausschließlich schwarzer Kleidung als negativ betrachten.

Das erste was mit mit „schwarz“ wohl verbunden wird ist das übliche: Trauer, Tod, „das Böse“ *hust* – zumindest in der westlichen Kultur. Andere Kulturkreise verbinden mit diesen Themenbereichen eher die andere Nicht-Farbe – weiß. Einer Theorie zufolge soll die Wahl der Trauerfarbe darauf zurückgehen, welche Farbe den stärksten Kontrast zur Hautfarbe darstellt – in Kulturkreisen mit vorwiegend hellhäutigen Menschen also schwarz.1

Ausserdem glaubte man daß Geister kein schwarz sehen könnten, und kleidete sich angeblich deswegen bei einem Trauerfall eben schwarz, damit der Geist des Verstorbenen die Lebenden nicht sehen konnte.

Tote Biomasse wird schwarz – was einst eindrucksvoll von einer alten Freundin bewiesen wurde, durch die konsequente Ignoranz eines Salatkopfes im Kühlschrank *hüstel*

Weiter werden oft Leere, Depression, Passivität, Einsamkeit, damit in Verbindung gebracht – und letztenendes nicht zu vergessen: die Nacht. Der handelsübliche Grufti hat schließlich eine gewisse Affinität zur Nacht.

An diesem Punkt ist die Symbolik der schwarzen Farbe aber noch keineswegs ausgeschöpft.
So wird schwarz auch als erhaben, edel, elegant und als Symbol von Macht bezeichnet. In der Renaissance war schwarz eine beliebte Modefarbe, die mit zu den teuersten zählte, wer schwarz trug, hatte Geld. Stoffe richtig schön tiefschwarz zu färben war mit den damaligen Mitteln nicht unbedingt einfach, da es mehrere Färbegänge brauchte. Die Tiefe der schwarzen Kleiderfarbe war also ein Hinweis auf den Reichtum des Trägers.
Zudem bildeten die schwarzen Kleidungsstücke den perfekten Hintergund für Gold- und Silberstickereien, sowie Perlen und Juwelen – ebenfalls Zurschaustellung von Wohlstand und damit verbundener Macht2
Königin Elizabeth I wurde nachgesagt, neben weiß sei schwarz ihre Lieblingsfarbe gewesen, was an einer Aussage festgemacht wurde die sie 1564 gegenüber einem spanischen Botschafter gemacht hatte, schwarz und weiß galten ebenfalls als Symbol ewiger Jungfräulichkeit – etwas was Elizabeth I ebenfalls darstellte, unverheiratet und kinderlos bis zum Lebensende. 3

Schwarz repräsentiert aber auch Zurückhaltung, Verzicht, Seriosität, Ernsthaftigkeit, Strenge, wurde daher von den Protestanten als Farbe für schlichte, schmucklose Kleidung gewählt, was auch den englischen Puritanern nachgesagt wird. Wieder in der Renaissance zeichnet sich die strenge, hochgeschlossene spanische Mode durch die Verwendung unserer aller liebster Nicht-Farbe aus, hier sind wir im Land des strengen katholischen Glaubens und der Inquisition. Auch als Ordenskleidung ist und war schwarz die Farbe der Wahl.

Konträr dazu wird schwarz aber auch ebenfalls als negativ, schmutzig, unrein, sündig angesehen und ist in Sprichwörtern oft Ausdruck für Unheil und schlechte Ereignisse. Man sieht schwarz wenn man nichts gutes zu erwarten hat, schwarze Katzen bringen im Aberglauben Unglück. Auch Heimlichkeit und verbotene Dinge werden mit dieser Farbe in Verbindung gebracht, man denke an Schwarzhandel, schwarze Listen, wenn man gemein ist steckt man anderen einen schwarzen Peter zu, und schwarze Schafe stehen nicht gerade dafür, beliebt zu sein.

Schwarz wirkt auf den Betrachter abweisend, signalisiert Abgrenzung und den Wunsch, in Ruhe gelassen werden, in der Magie ist schwarz eine Schutzfarbe mit der man negative Energien und unliebsame Wesenheiten von sich fern hält, soll aber auch Oberflächlichkeit lösen, bei Meditation und Trancearbeit unterstützend wirken da diese Farbe die Konzentration fördert und den Blick auf die Inneren Welten fokussiert sowie für das seelische Gleichgewicht förderlich sein soll.
Schwarz wird dem Saturn zugeordnet, dem als Grundprinzipien Beschränkung, Konzentration, Härte, Einweihung, Konkretisierung, Erdung, Durchhaltevermögen, Weisheit, Detailtreue, Krankheit, Tod, Zeit (in dieser Funktion als Chronos bezeichnet), Strukturerzwingung zugeordnet werden 4 und der Zahl 8, die auf die Seite gelegt das Symbol für Unendlichkeit ergibt.
Schwarze Magie ist das zwar nicht, aber hätten wir der Vollständigkeit halber auch noch im Angebot.

Schwarz ist ausserdem Symbol von Individualismus und ist oft bevorzugte Kleidungsfarbe von Intellektuellen und Künstlern, Freidenkern, Anarchisten und vielen anderen verwandten Geistern. Schwarz fasziniert, wirkt geheimnisvoll, mystisch und unnahbar.

So, da haben wir doch schon einen ganzen Haufen der super mit dem Gruftisein vereinbar ist, oder nicht?

Die individuelle Bedeutung innerhalb der Szene ist so unterschiedlich wie es verschiedene Menschen in ihr gibt. Wichtig ist zusammenfassend gesagt aber auf jeden Fall die Abgrenzung, eine gewisse psychologische Schutzfunktion und Individualität – auch wenn oft kritisiert wird was Individuell daran sein soll wenn doch alle einheitlich in schwarz rumrennen. Doch wer sich selbst zur Szene zählt weiß, wie unterschiedlich und facettenreich schwarz sein kann.

Meine Begeisterung für diese Nicht-Farbe zeigte sich mit 12-13, damals ohne die gernigste Ahnung von einer schwarzen Szene, aber es hat mich als Kleidungsfarbe in den folgenden Jahren immer wieder begleitet, bis zu meinem bewussten Szeneeinstieg. Dann flogen die übrig gebliebenen farbigen Klamotten aus dem schrank – mit dem Ergebnis das die Anzahl der Schrankleichen drastisch abnahm. Ich denke das ist für sich gesehen bezeichnend.

Ich habe ganz sicher einige Details übersehen, letztenendes ist der Artikel schon so halbwegs umfangreich geworden, deswegen sind Ergänzungen in Kommentarform gerne gesehen. Und Gedanken dazu natürlich auch 😉

Wer mehr will kann aber auch mal hier reinschauen: Schwarz

So, wer jetzt noch behauptet daß gelb genauso möglich wäre, den hau ich …


1: Arte.tv – Die Welt der Papuas: Riten und Initiation: Symbolik der Farben
2: Costume – The journal of the Costume Society, Ausgabe 41, Jahrgang 2007, S. 28
3: Costume – The journal of the Costume Society, Ausgabe 41, Jahrgang 2007, S27
Anmerkung dazu: Es war üblich daß Könige und teilweise auch Adelshäuser Farben auswählten die ihre Repräsentanten kennzeichnen sollten, indem die entsprechende Kleidung trugen, dabei war die Symbolik der gewählten Farben natürlich ausschlaggebend, Elizabeth I trug natürlich auch selbst schwarz und weiß, aber das Zitat bezog sich nicht auf ihre eigene Garderobe, die eigentlich ein sehr großes Spektrum an Farben aufwies, die Aussage wurde aber oft so mißinterpretiert. Als erklärter Fan von Elizabeth I musste ich sie aber natürlich nennen, noch dazu da ich sie überheblicherweise auch als Stilvorbild betrachte *hüstel*

4: hagdise.de: Die Planetenkräfte in der Magie