Gothic Friday August – Top of the Goth (2)

Folgt man den ein­schlä­gi­gen Sze­ne­ab­hand­lun­gen, so ist Lesen eine der Lieb­lings­be­schäf­ti­gun­gen der Gothics. – so schreibt Herr Spontis im Artikel, der zum August-Gothic-Friday aufruft, und ja, das Klischee kann ich doch auch ganz gut erfüllen. Nur was wählt man aus wenn man ein gut gefülltes Bücherregal hat? Die Qual der Wahl ist da nicht einfach …

Sachbücher stehen hier selbstverständlich auch rum, aber ich verschone meine Leser lieber mit dem Sammelsurium aus Physik-Lehrbüchern, mathematischen Formelsammlungen, „Handbücher“ der Ingenieurwissenschaften (die man entgegen der handlich klingenden Bezeichnung besser nicht an den Kopf geworfen haben mag), Computerkrempel, Bücher über Astronomie sowie solche über Modegeschichte, Korsetts, Zeichnen und Malerei oder Schnittkonstruktion. Da ist die Okkultkram-Bibliothek im Sinne von „Gruftigkeit“ wahrscheinlich interessanter, doch ich will mich hier dann lieber auf die Romane beschränken – das ist an sich schon genug Arbeit 😉

Bücher stehen hier sowohl auf deutsch als auch auf englisch im Regal – auch wenn mein Freund den größeren Fimmel in Sachen Bücher im Original lesen hat als ich, so greif ich auch immer mal wieder zu sowas. Denn manch sprachliche Spitzfindigkeit geht in der Übersetzung oft flöten – abgesehen davon ist meine ganze Fachliteratur über historische Klamotten eh nur auf englisch erhältlich.

Ich bin ein Science Fiction Fan. Mit Fantasy kann ich mich eher weniger anfreunden. Ausnahmen sind manche Terry Pratchett Bücher die mir mein Freund im Laufe der letzten Jahre immer mal wieder rübergereicht ha. Die habe ich auch gern gelesen, nur ziehe ich Douglas Adams vor – wer eine heiße Tasse Tee als Brown’schen Molekularbewegungs-Generator bezeichnet, trifft einfach den scheußlichen Nerd-Humor eines verhinderten Physikers 😀 – und Tee-Liebhabers! Gerade diese vielen wissenschaftlichen Anspielungen mit denen Adams in seinen Büchern um sich wirft machen die für mich nochmal ein ganzes Stück witziger als sie eh schon sind. Dazu furztrockener britischer Humor. „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist wegen dieser Mischung ein Buch das ich mir immer wieder antun kann – genauso wie den Rest der „Anhalter“-Reihe, aber auch die übrigen, wenn auch wenigen Bücher von Adams. Ich spare mir eine Zusammenfassung des Inhaltes, ich denke den meisten wird das Buch irgendwie bekannt sein, und wenn es nur durch die letzte Verfilmung ist – die ich im Übrigen nur durchwachsen finde. Das was Adams in den Büchern raushaut lässt sich einfach nicht so einfach in einen Film verpacken.

Zitat: 42 (stellvertretend für ein ganzes Buch voller zitierendwerter Stellen 😉 )

So ab und an habe ich es schonmal erwähnt – ich bin ein großer Fan des Cyberpunks – egal ob in filmischer Form oder in gedruckter. Nix mit Neon oder Gartenschlauchhaarteilen – abgewetztes Leder und ne Menge richtig kaputter Typen im Endzeitszenario. Das eigentliche Nummer Eins Buch auf meiner Liste ist eigentlich „Neuromancer“ von William Gibson – der Typ der den Cyberpunk in gewissem Sinne erfunden hat.
Sprachlich pendelt das Meisterwerk zwischen rauem Umganston der Protagonisten und gnadenlosen Computer-Gebabbel. Deswegen vielleicht nicht allzu leicht zu lesen, Gibson schlägt auch gerne Haken in der Story die einen manche Passagen zwei-dreimal lesen lassen bis man den Zusammenhang hinkriegt, doch die Geschichte ist auch heute, etwa 25 Jahre nach der Veröffentlichung noch immer fesselnd, immerhin war Gibson wegweisend und beeinflußte das Genre nachaltig. Schiebt man sich heute die „Matrix“ in den DVD Player, so steckt da im Grunde viel Gibson-Einfluß drin. Der Autor wurde von vielen anderen Science-Fiction werken mal mehr und mal weniger auffällig zitiert, in „Hackers“ wird der Super-Großcomputer als „Gibson“ bezeichnet und der Autor hat auch die Drehbücher für zwei der besten Akte X Folgen überhaupt geschrieben, nachdem sich Gibson und Chris Carter zufällig im Flugzeug begegnet waren. Im kongenialen TV-Mehrteiler „Wild Palms“ taucht er in einer Gastrolle als er selbst ebenfalls auf.
Man kann getrost sagen, Neuromancer hat die Welt verändert – und mit dem Internet leben wir heute ja auch shcon irgendwie in der Matrix.
In „Neuromancer“ trifft ein junger aber schon recht abgewrackter Hacker auf einen weiblichen Strassensamurai, zusammen mit weiteren zwielichtigen Gestalten bekommen sie einen Auftrag der weit in Verwicklungen rund um künstliche Intelligenzen und noch viel mehr führt.

Zitate:Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war.

„Cyberspace“. Eine Konsens-Halluzination, tagtäglich erlebt von Milliarden zugriffsberechtigter Nutzer ind allen Ländern, von Kindern denen man mathematische Begriffe erklärt … Eine grafische Wiedergabe von Daten aus allen BAnken sämtlicher Computer im menschlichen System. Unvorstellbare Komplexität. Lichtzeilen im Nicht-Raum des Verstandes, Datencluster und -konstellationen. Wie das zurückweichende Licht einer Stadt.

Den nächsten Platz belegt „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert. Ein Science-Fiction Klassiker, geschrieben 1965, dessen Universum an Tiefe und Komplexität mit einem „Herr der Ringe“ locker mithalten kann. Faszinierend daran ist auch, daß die Technik-Verherrlichung die dem SciFi-Genre sonst so typisch ist, hier ganz anders behandelt wird: intelligente Maschinen sind verboten, die einzige Kultur die in Sachen Technik eine gewisse Neugier hegt, wird mit Unbehagen beäugt – die sitzen auf dem Planeten IX (witzigerweise gibt es ein Computermagazin das genauso heißt 😀 )- statt Computern werden Menschen mit besonderen geistigen Fähigkeiten zu Mentaten ausgebildet, Reisen im Raum geht hier nicht über Raumschiff-Antriebe, sondern Navigatoren die kein normaler Mensch zu Gesicht bekommt weil sie unter lebenslangem Drogeneinfluß entstellt sind, falten mit ihrer geistigen Kraft den Raum so daß das Raumvehikel da landet wo es hin soll. Und diese Droge die das Universum in Atem hält ist das „Spice“ – das es nur auf einem Planeten gibt – Arrakis, auch genannt der Wüstenplanet. Wer Arrakis beherrscht, beherrscht das Universum. Und das wird von einem Feudalsystem regiert in dem verschiedene Adelshäuser Ränke schmieden. Und im Hintergrund zieht der Orden der Bene Gesserit, die den Adligen als Hellseher dienen, die Fäden in der Hand um den „Kwisatz Haderach“ – den Auserwählten – hervorzubringen. Wenn nicht Jessica, die Frau des Herzogs Leto Atreides aus Liebe den Befehl, nur Mädchen zu gebähren, ignoriert hätte – was den Plan der Bene Gesserit aus den Fugen geraten lässt.

Klingt alles nach einem ordentlichen Fantasy-Einschlag, aber Herbert weiß die eigentlich wenig technischen Zusammenhänge so schlüssig darzulegen daß auch die eher esoterischen Ansätze völlig logisch und durchdacht sind. Ich möchte sogar so weit gehen zu sagen daß in der Philosphie die in den Büchern dargelegt wird viele auch in der Realität brauchbare Ansätze hergibt – man denke da an die „Litanei gegen Furcht“
Mein erster Zusammenstoß mit dem Wüstenplanet-Universum war 1995, da drückte mir unser damaliger Nachbar (der mir auch die ersten Schritte in Computerdingen beibrachte) das Video der 1986er Verfilmung von David Lynch in die Hand. Was mich nachhaltig beeindruckt hat. Kurz darauf hatte ich, als ich damals in den Sommerferien faul im Garten rumlag, den Stapel der Wüstenplanet-Bücher in die Hand gedrückt bekommen. Ich las sie am Stück durch und war am Ende so geflasht daß ich beim Freibad-Besuch das wahnsinnig viele Wasser im Becken ehrfürchtig bestaunt habe – war eine irgendwie komische Situation, zumindest für mein Umfeld *kicher*

Mein Exemplar des Wüstenplaneten ist vom häufigen Gebrauch sichtlich gekennzeichnet, obwohl ich mit meinen Büchern wirklich sehr sorgsam umgehe 😉

Zitat: Ich darf keine Angst haben. Die Angst tötet das Bewußtsein. Sie führt zu völliger Zerstörung. Ich werde ihr ins Gesicht sehen. Sie soll mich völlig durchdringen. Und wenn sie von mir gegangen ist, wird nichts zurückbleiben. Nichts außer mein Selbst.

Ein weiteres Universum das mich schon bei den ersten Zeilen in den Bann gezogen hat ist der „Dunkle Turm“ von Stephen King. Durch Zufall bin ich ebenfalls Mitte der 90er auf die Serie gestoßen. Damals habe ich systematisch unsere kleine Stadtbibliothek „durchgelesen“, als kein Sci-Fi Buch mehr übrig war das ich noch nicht kannte, wagte ich mich ins Horror-Genre vor und nach „Langoliers“ war „Schwarz“ – das erste Buch des Dunklen Turms mein zweites Werk von King – die Reihe hatte damals erst drei Bände. „Langoliers“ fand ich eher halbgar, doch die Welt des dunklen Turm, in der Roland, der hagere letzte Revolvermann dem schwarzen Mann nachjagt, ist grandios. Auch daß das Werk so schwer genremässig einzuordnen ist, finde ich genial. Da mischt sich Western (und ich mag eigentlich Western so garnicht) mit finsterer Fantasy, Science Fiction und Horror. Da formt sich vor dem geistigen Auge eine ziemlich kranke, verdrehte Welt – großartig! Auch die Folgebücher sind spannend und spinnen das was in „Schwarz“ angefangen wurde richtig gut weiter. Lediglich das letzte Buch, in dem Roland dann auch tatsächlich den Dunklen Turm erreicht und alles aufgelöst wird, wirkt mehr krampfhaft hingebogen. Aber ich mag Geschichten mit offenem Ende, wo das Hirn genug Raum hat sich seinen Teil dazu zu spinnen, vielleicht gefällt mir deswegen das Abschluß-Buch auch weniger 😉
Die Buchreihe stellt sowas wie Kings zentrales Universum dar, so nimmt er in etlichen anderen Bücher immer wieder Bezug zum Dunklen Turm. Auch sind Anspielungen auf andere Inspirationsquellen quer über die insgesamt 7 Bände verteilt.
Ich bin kein Stephen King Fan, alles andere was ich sonst von ihm gelesen habe war nett, aber nie so 100% mein Ding, abgesehen vom Dunklen Turm eben.

Zitat: „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“

Das nächste Buch ist wieder astreiner Science Fiction. Es war wohl überhaupt eines meiner ersten das ich aus dem genre je gelesen hat, Grund genug um es an dieser Stelle mit zu erwähnen – „Rendezvous mit 31/439“ von Arthur C Clarke. Von diesem Autor dürfte „2001 – Oddysee im Weltraum“ wohl das bekanntere Werk sein, vor allem nachdem dieses Buch ja von Stanley Kubrick recht episch verfilmt wurde.
Ich muss zugeben, für einen brillianten Autor halte ich Clarke nicht – ich mag Autoren die mit Sprache richtig gut umgehen können, Clarke’s Texte empfinde ich als arg einfach gestrickt und meistens veranlasst mich sowas, ein Buch dann doch eher wegzulegen.
Trotzdem lese ich das Buch immer wieder gerne – was einfach der der Story liegt.
Diese spielt im 22. Jahrhundert, ein eigenartiges Flugobjekt verirrt sich in unser Sonnensystem, eine Mannschaft von Atsronauten wird losgeschickt sich das offenbar künstlich geschaffene Objekt näher anzusehen. Sie bahnen sich ein Weg ins Innere des gigantischen Zylinders und finden dort eine fremde Welt vor die ihnen noch mehr Rätsel aufgibt die nicht aufgelöst werden können als das Objekt sich wieder aus dem Sonnensystem verabschiedet und die Astronauten sich deswegen zurückziehen müssen.

Dabei gibt es Anspielungen auf die Ausserirdischen die das Objekt gebaut haben, nie tauchen diese Lebewesen aber auf. Keine Bilder oder Aufzeichnungen finden die Astronauten die erklären könnten wozu der Zylinder erbaut wurde und was die ganzen Dinge die sie in der fremdartigen Welt vorfinden eigentlich sein sollen. Nur Spekulationen und ein dickes offenes Ende.
Auch dieses Buch sollte verfilmt werden, die Pläne wurden 2008 aber auf Eis gelegt. In diesem Fall kann ich mir aber einen richtigen Film sogar sehr gut vorstellen, so in einer ähnlichen Grundstimmung wie Contact – welcher ja auch auf einem großartigen Buch basiert.
Filmstudenten haben sich der Geschichte in einem Kurzfilm aber schon angenommen, den ich auch recht gelungen finde:

Zitat: Das rätselhafte Objekt, das die Astronomen auf den Namen Rama tauften, gab allen Rätsel auf. Es war noch weit entfernt, deutlich außerhalb der Jupiter-Umlaufbahn. Etwas, das auf eine solch große Entfernung auf dem Radar erschien, musste gigantisch groß sein. Während das Objekt durch das Sonnensystem raste, zeigte sich bald, dass es geformt war wie ein perfekter Zylinder.
Offenbar stand die Menschheit im Begriff, ihren ersten Besucher von den Sternen zu empfangen …

Ob das eine repräsentative Top 5 für mich darstellt – schwer zu sagen. Zu viel liegt noch im Regal das ich an der Stelle genauso hätte auflisten können, deswegen gibt es noch eine kleine Liste mit Empfehlungen aus meinem Bücherregal – auch nicht-Science Fiction ist hier dabei 😉 :

Ray Bradbury – Das Böse kommt auf leisen Sohlen
Isaac Asimov – Die Foundation-Trilogie
Phillip K. Dick – Die VALIS – Trilogie
Robert A. Wilson – Illumninatus!
Anthony Burgess – Uhrwerk Orange
Dashiell Hammett – Der Malteser Falke
Raymond Chandler – Der lange Abschied

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The City of Darkness – Nachschlag zu Kowloon Walled City

Mein Artikel zur City of Darkness war der erste anständige auf diesem neuen Blog, und die Faszination für dieses Gebilde ist natürlich noch immer ungebrochen.
Heute kam ein Kommentar zu dem ersten Artikel für dieses Thema bei mir an in dem man mich auf eine deutsche Doku von 1989 hingewiesen hat die sich mit der Walled City befasst, das Ganze ist bei youtube zu finden, und daher möchte ich es euch nicht vorenthalten, in den Kommentaren wäre es mir zu sehr untergegangen.
Deswegen sind ohne weiter Umschweife hier erstmal die Videos:

Teil1:

Teil 2:

Teil 3:

Und Teil 4:

Viel Spaß beim Ansehen!

Daneben hat mein Freund auch noch einen Spiegel-Artikel über die Walled City gefunden, mit ebenfalls sehr spektakulären Bildern die vom Photographen Greg Girard kurz vor dem Abriss des gigantischen Komplexes aufgenommen wurden:

http://einestages.spiegel.de/external/ShowTopicAlbumBackground/a6408/l0/l0/F.html#featuredEntry

Unbekannt war mir bis dahin die chinesische Bezeichnung „Hak Nam“ für diese Stadt in der Stadt. Auch Spiegel bestätigt hier daß William Gibson – einer meiner Lieblingsautoren – sich von der City of Darkness beeinflussen lies.
Passend dazu springe ich zu meinem derzeitigen Ohrwurm – The Cassandra Complex mit Ugly vom Album „Cyberpunx“ – ich liebe das Stück!

The City of Darkness – Kowloon Walled City

Rein zufälig bin ich eines Tages beim planlosen rumsuchen im Netz auf dieses Phänomen gestoßen.

Verlassene Gebäude und Orte haben mich schon immer fasziniert , doch die Kowloon Walled City die einst in Hong Kong quasi eigenständig existierte, nimmt zu recht eine Sonderstellung ein.

Im Gegensatz zum klassischen Lost Place handelt es sich hier um ein weit gewaltigeres Areal von 100×200 Metern, auf der unzählige Menschen in unglaublichen Lebensverhältnissen wohnten. Der Ort mit der höchsten Bevölkerungsdichte weltweit.
Und noch einen Unterschied gibt es: Kowloon Walled City existiert nicht mehr. Ende der 80er Jahre wurde von der britischen und chinesischen Regierung beschlossen, die Walled City abzureißen, was 1993 dann durchgeführt wurde.

Die „City of Darkness“ war ein architektonisches Kuriosum, ein organisch anmutendes Gebilde, wie ein mißglücktes Experiment eines wahnsinnigen Wissenschaftlers wucherte die Walled City bis zu 14 Stockwerke in den Himmel, im Inneren mit verwinkelten Gassen und Treppen, die so eng waren daß kein natürliches Sonnenlicht mehr nach innen drang.
Die lebenspendenden Adern dieses Ungetüms waren planlose, frei verlegte Kabel- und Rohrstränge die sich wahlos durch die Gassen zogen und von den Fassaden herrunter krochen.
Es gab keine Bauvorschriften – zumindest hielt man sich an nichts, und es herrschte anarchische Selbstverwaltung.
Manche Geschichten erzählen von der unglaublichen Kriminalrate in Kowloon, und andere berichten von eher friedlichem Zusammenleben. Wahrscheinlich stimmt beides, denn krumme Geschichten waren für die Walled City wohl nicht ungewöhnlich. Da suchten Ärzte ohne Arbeitserlaubnis Zuflucht und boten ihre Dienste Gestalten an die möglichst unentdeckt bleiben wollten, Triaden machten ihre Geschäfte und Drogenküchen taten ihr Werk.
Die Mietpreise waren dafür extrem niedrig, am begehrtesten waren die Wohnungen auf den Dächern und an den Aussenseiten, wo man frische Luft und Sonnenlicht geniessen konnte, denn in der Stadt muss es nicht gerade nett gerochen haben. Abfälle wurden oft einfach so aus den Fenstern gekippt, wo sie am Boden liegen blieben, oder eben auf dem erstbesten Hindernis. Durch undichte Leitungen, trocknende Wäsche und anderen war die Luftfeuchtigkeit sehr hoch, und es tropfte stellenweise durch die Schächte die von den Häuserfassaden gebildet wurden nach unten.
Ratten und Ungeziefer waren unter solchen Umständen normal.

Wer mehr über die Geschichte dieses Ortes wissen will, der kann das in diesem Artikel nachlesen:

„Das letzte Labyrinth

Nun, was macht so einen ungemütlichen Ort denn so faszinierend …

Ich würde mal behaupten daß mein Fimmel für Cyberpunk da nicht ganz unschuldig ist.
Als ich die Bilder vom Inneren von Kowloon gesehen habe, musste ich sofort an Wiliam Gibson denken, an schräge Cyberpunk-Filmchen die ganz genau in solch einer skurrilen Umgebung spielen. Und ich dachte mir: wow, sowas hat es real gegeben .. und dann fand ich einen Hinweis drauf, daß Gibson sich von Kowloon maßgeblich hat inspirieren lassen, und da er der Erfinder des Cyberpunk-Genres war ist logisch daß alles was nach ihm kam in ästhetischer Hinsicht ganz ähnlich war.

Wenn man sich die typische Cyberpunk-Örtlichkeit vorstellt … was hat man da?
Genau. Flackernde Neon-Röhren, ständiges Tröpfeln von oben und nasse, schmale Gassen wo sich Müll stapelt. Grelle Leuchtreklamen mit asiatischen Schriftzeichen, dubiose Hinterhof-Ärzte die nicht nur die Blessuren von der letzten Schießerei beheben. Rauchschwaden und Dunkelheit.

Bilder gibt es nicht allzu viele, doch ich war sehr glücklich ein paar Videos aufgetrieben zu haben die das Innere der Walled City zeigen.
Wer da nicht die Ästhetik des Cyberpunks wiederfindet, der hat was falsch verstanden 😉 .. oder hat mit Science Fiction vielleicht auch garnichts am Hut.

Da wäre einmal ein Ausschnitt aus „Blood Sport“ – das surreale Innere von Kowloon passte einfach prächtig zu der Neonröhren-Ästhetik der 80er:

Und dann noch ein zweiteiliger Clip aus einer chinesischen Produktion, der die „Qualitäten“ der Stadt in der Stadt noch viel deutlicher zeigt.
Wer allerdings eine sehr blei-haltige Atmosphäre nicht mag sollte gewarnt sein. Insbsondere beim zweiten Teil 😉

Ich muss gestehe, ich hätte diesen Ort gerne mit meinen eigenen Augen gesehen. So uneinladend er gewesen sein mag, es war ein Phänomen das es sonst kein zweites mal gab.