Unknown Pleasures – Peter Hook in Nürnberg

Ob man an „Zufälle“ glauben mag oder nicht sei jedem selbst überlassen, Tatsache aber ist daß manche Ereignisse sich so glücklich ergeben daß man in wortwörtlich „ungläubiges“ Staunen verfällt.

So geschehen Anfang Februar. Von der Modeschule aus hatten wir die Gelegenheit, am 9. Februar in Fürth an einem Symposium für textile Innovationen teilzunehmen. Frau verhinderter Ingenieur war natürlich gleich begeistert und meldete sich an 😉
Kurz darauf stolperte ich über die Ankündigung daß in Nürnberg am Abend davor Peter Hook – ehemaliger Bassist bei Joy Division – in Nürnberg spielen würde. Im Gepäck: ausschließlich alte Songs der Postpunk-Legenden.
Ich habe zigmal das Datum nachsehen müssen um zu glauben daß beide Veranstaltungen so praktisch beieinander liegen, und ohne fahrbaren Untersatz war die Anreise per Zug am Abend zuvor sowieso notwendig.
Ein guter Freund, Chris, lies sich auch schnell begeistern und ich hatte damit auch einen Schlafplatz in Nürnberg sicher 😉

In Nürnberg am Bahnhof endlich angekommen, gegen kurz nach 18:15 Uhr trennten sich die Wege der Mädels die ebenfalls das Symposium besuchen wollten und mir – kurze Suchpause im Gewirr des nürnberger Bahnhofes, dann fanden Chris und ich uns. Im Vorbeigehen noch eine belegte Semmel ergattert und im Auto damit etwas gegen den knurrenden Magen getan der seit 10:00 Uhr nichts festes mehr gesehen hatte.
Wir sammelten Andy Ghoul – einen weiteren Bekannten – auf und machten uns dann auf den Weg zum Hirsch – den Veranstaltungsort. Ich war heilfroh daß wir früher aus Naila abhauen konnten, eine Stunde später anzukommen hätte uns in arge Zeitprobleme versetzt, so war es zeitlich eine Punktlandung.

Vor dem Hirsch dann noch kurz die Schuhe gewechselt – statt der bestöckelten, warmen Winterstiefel rein in die Pikes die von den satten Minusgraden inzwischen gut durchgekühlt waren – teils geschuldet gruftiger Eitelkeit, teils auch der Tatsache daß meine Füße schon Einwände gegen die Stiefel hervorzubringen wussten.

Das Hirsch ist in Nürnberg eine bekannte Örtlichkeit für Konzerte aller Art, aber auch für Parties. Ich war bisher noch nie dort, auch wenn ein-zwei Konzerte vorher schon mein Interesse geweckt hatten, es hat sich dann doch nie ergeben.
Ich hatte den Saal weit größer eingeschätzt und hatte mich schon darauf eingestellt irgendwo am Rand oder weiter hinten eingeklemmt zu werden – zum Glück erwies sich der Saal als überschaubar und die Besucherzahl war auch für meine Abneigung gegen Ölsardinenfeeling akzeptabel.

Die Besucherzahl war noch recht gering als wir kurz vor 19:30 eintrafen. Eine halbe Stunde später sollte das Konzert dann stattfinden. Erwartungsgemäß war der Altersdurchschnitt eher etwas höher, im Vorraum legten die Jungs von der „We Want Revenge“ allerlei göttliche alte Wave-Schinken auf.

Peter Hook verzögerte ein wenig. Da noch immer nicht übertrieben viel los war – was mich verwunderte – war es ein Leichtes sich bis zum Bühnenrand vorzuwagen. Ich hatte wie gesagt ja schon damit abgeschloßen irgendwo abseits in Fluchtfreundlicher Position einen Platz ergattern zu können, aber nachdem sich die restlichen Anwesenden erstmal weiter hinten lose verteilten, hatte man vorne auch halbwegs Luft.
Andy machte mir dann seinen Platz am Zaun direkt vor der Bühne frei weil der Junge als großer, starker Totrocker 😉 eindeutig ein paar Köpfe länger ist als ich – vielen Dank nochmals dafür ❤

Dann wurde es irgendwie surreal – die Band spielte noch nicht, aber die Instrumente waren schon aufgebaut, alles in farbiges Licht getaucht. Dahinter, eine große Flagge mit dem Logo des "Unknown Pleasures" – Album – die charakteristischen Graphen welche ich hier mal näher auseinander genommen und erklärt habe (aber Robert ist schuld 😛 )

Auf einem großen, altmodischen Röhrenmonitor links der Bühne liefen alte Konzertmitschnitte von Joy Division, die Tonspur kam über die Lautsprecher gedämpft in den Zuschauerraum. Um einen herum, Schwarzgewandete. Buttons an Reverskrägen, Bandshirts. Das Gefühl gerade in eine Zeitreisemaschine geraten zu sein die einen anno 1980 wieder ausgespuckt haben muss.

Natürlich machte der Anfang des Konzertes dieses Gefühl wieder etwas zunichte, denn aus bekannten Gründen betrat natürlich nicht Ian Curtis die Bühne sondern Peter Hook, im hellgrauen T-Shirt mit dem „Closer“-Motiv über einem leichten Bauchansatz. 1980 ist eben doch schon ein Weilchen her …
Aber er legte sich durchaus ins Zeug – die Bässe kitzelten angenehm in der Magengegend, auch ohne die Originalbesetzung war es ein grandioses Gefühl diese alten Songs live erleben zu dürfen. Neben den Stücken des „Unknown Pleasures“-Albums, welche in Reihenfolge gespielt wurden, kamen die restlichen Klassiker ebenso zu Gehör.
Ein Zwischenrufer, der lautstark seinen Wunsch nach „Blue Monday“ äusserte, erntete von Hook einen kommentarlosen Stinkefinger – was das Publikum zum Lachen brachte 😀

Nach „I remember nothing“ verließ die Band erstmal die Bühne. Das letzte Stück des „Unknown Pleasures“-Albums wurde live sehr beeindruckend interpretiert, statt der industriell anmutenden Samples der Albumversion verdösknaddelten Peter Hook und sein Bassist ihre E-Klampfen auf eine Weise die den Instrumenten Töne entlockten, die fast körperlich weh taten – ziemlich genial!

Begeisterungsrufe entlockten aber hauptsächlich die bekannten Songs – „Shadowplay“, „She’s lost control“, „Transmission“ – und als allerletztes Stück natürlich „Love will tear us apart“

Zu den letzten Akkorden schälte sich Peter Hook aus dem inzwischen schon gut durchgeschwitzen Shirt und warf es in die Menge. Ärgerlicherweise landete es etliche Meter hinter mir 😉 – als wir mit den restlichen Besuchern den Weg gen Ausgang antraten, stand die glückliche Fängerin nebst ihrem Mann noch immer wie angewurzelt an ihrem Platz.
Chris beäugte das Shirt das sie zusammengeknüllt festhielt – „guck mal, der hat auch schon ganz neidisch drauf geschaut!“ meinte sie daraufhin zu ihrem Begleiter.

Ich muss gestehen, kein Konzert das ich bisher gesehen habe war gefühlt so schnell vorbei. Und das Phänomen spricht natürlich eindeutig für die Show. Es war toll – auch wenn es natürlich in dem Sinne kein echtes Joy Division Konzert war – mit Peter Hook als das einzige ursprüngliche Mitglied der Band.
Die Tour mit diesem Programm jedoch soll nicht nur an Ian Curtis erinnern, die Band spendet auch einen Teil der Einnahmen an Einrichtungen für die Behandlung psychisch kranker Menschen in England.

In der Vorhalle drangen nun wieder Depeche Mode und The Cure in gedämpfter Lautstärke aus den Lautsprechern. Ich holte mir noch ein Glas Wein zum Abschluß des Abends. Eindrücke Revue passieren lassen, ein wenig quatschen, innerlich noch ein paarmal den Kopf schütteln daß der Zufall es möglich gemacht hat daß ich das Konzert tatsächlich sehen konnte.

Dann ein zeitiges Ende des Abends – immerhin fand das Konzert mitten unter der Woche statt, aber es hat sich absolut gelohnt.

Am nächsten morgen stand ich dann mit Nadelstreifengehrock und hochgesteckter Mähne in der fürther Stadthalle – ein kleiner Kulturschock für die Mädels die mich am Abend zuvor noch ganz anders zurückgelassen haben 😉

Dank für die Konzertimpressionen geht an Andy – ich habe leider meine Kamera wieder mal vergessen.

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Gothic Friday Juni – dein bestes Konzert – Rosa Crux

Eigentlich bin ich kein allzu intensiver Konzert- und Festivalgänger. Erstere habe ich am liebsten in einem kleinen, überschaubaren Rahmen und gut ausgewählt. Riesenkonzerthallen sind mir zuwider, das Gefühl zur menschlichen Sardine in der Masse zu verkommen treibt mir regelrecht den Angstschweiß auf die Stirn, das familiäre Gefühl eines kleinen, dafür sehr feinen Konzertes ist mir um Längen lieber, wie beispielsweise Jännerwein im März diesen Jahres oder im letzten Jahr das „Schön Dunkel“.

08/15 Festivals interssieren mich nur selten, meist bekommt man ja nur den schwarzen Mainstream-Einheitsbrei vorgesetzt und steckt den ganzen Tag über auf einem abgezäunten Gelände fest. Wenn dann das Wetter nicht mitmacht hat man kaum Rückzugschancen oder Alternativangebote. Anders beim WGT. Wer es mag findet da auch seinen schwarz angemalten Einheitsbrei, aber noch schöner sind Neuentdeckungen und Auftritte die in einem anderen Rahmen nur schwer zu sehen sind.

Eigentlich gab es auf jedem WGT mindestens ein Highlight-Konzert für mich – 2009 waren es Otto Dix, 2008 Sieben in der Krypta,letztes Jahr Attrition. 2007 gab es zwei super-Highlights, eines davon Coph Nia. Doch das zweite Konzert dieses WGTs sticht unter allen noch ein wenig mehr hervor:

Es ist Pfingstsamstag. Meine Begleiterin und ich sitzen im Cafe des Schauspielhauses da wir zeitig da waren um noch ein Plätzchen zu erwischen. Den Nachmittag verbrachte ich hauptsächlich beim Natron und Soda Treffen im Schillerpark – da habe ich meine Begleitung auch ganz spontan aufgesammelt. Über das Forum hatten wir schon Kontakt, die Dame wollte nach einem ausführlichen Schwätzchen eigentlich weiter zur Parkbühne, doch dann zog der Himmel zu und der scharf auffrischende Wind versprach Gewitterschauer – also entschied sie sich um und folgte mir. Über die Begleitung habe ich mich freilich gefreut, nicht nur weil ich sonst allein ins Schauspielhaus hätte gehen müssen, neben Nähfachsimpelei verkürzten wir uns die Wartezeit bis zum Konzert auch mit allerhand Philosogeschwafel um Goth, die Welt und Schwarz an sich.

Gegen 20:00 Uhr begann das Konzert das mich zutiefst beeindruckte – von der Band hatte ich im Vorjahr schon gehört – 2006 spielte sie schon einmal zum WGT – eigentlich vermeidet die WGT-Orga daß Bands zwei Jahre in Folge spielen, daß hier eine Ausnahme gemacht wurde war mein großes Glück.

Ein paar Lieder kannte ich im Vorfeld dann schon – dank alljährlichem Durchhören durch die Bandliste, und die die einen sowieso interessieren nimmt man ein wenig näher unter die Lupe. Doch was mich bei dem Konzert erwarten sollte wusste ich dann doch nicht so recht.

Auf der Bühne wuselten die Bandmitglieder zwischen reichlich skurrilen Musikgeräten herum – allen voran das gigantische Glockenspiel – und entzündeten ein Kerzenmeer das die Bühne fast wie eine Kirche wirken lies in der irgend ein völlig schräges Ritual abgehalten werden sollte – ich war entzückt!

Daß Rosa Crux mehr als „nur“ eine Band sind wurde beim Auftakt schon klar – da kauerten sich zwei Tänzer an den vorderen Bühnenrand, mit bizarren Helmen bekleidet und Metallplatten an der Kleidung. Es stellte sich heraus daß die Tänzer mit ihrer Performance durch diese Platten ein Teil der Percussion wurden – jetzt war ich zutiefst fasziniert und höllisch gespannt auf mehr!

Danach begrüßte Olivier Tarabo die Menge auf englisch mit ausgeprägt französischem Akzent – und dann ging es so richtig los. BAM – die Percussion-Maschine welche aus mehreren Trommeln besteht, bewegte sich völlig ohne menschliche Bedienung und produzierte martialische Rhytmen, Oliviers schneidende Stimme ist extrem charakteristisch und passt ins archaisch wirkende Gesamtkonzept einfach perfekt – live bohrt sie sich derart in den Gehörgang – so richtig beschreiben kann man das alles nicht. Einen weiteren innerlichen Luftsprung machte ich als Claude energisch in die Tasten schlug mit denen das gewaltige Glockenspiel bedient wurde. Dazu liefen Videoprojektionen die das Arsenal der restlichen Performance-Installationen der Band zeigte – besonders eindrucksvoll: der runde Stahlkäfig in dem ein nackter Mann mehrere Male wie ein gigantisches Pendel gegen ein Stahlblech gedonnert wurde.
Die alte Homepage wartete mit weit mehr Hintergrundinformationen auf, aber ich erinnere mich noch an den Satz, man fand das Geräusch so toll daß das menschliche Pendel erzeugte (das Zitat von Olivier Tarabo taucht auf französisch aber bei untenstehendem Video nochmals auf) *g*

In der Videoprojektion zu „Omnes Qui Descendunt“ war bereits der „Danse de la Terre“ zu bestaunen, später warf ein gelblicher Scheinwerfer unversehens Licht auf das Tänzerpaar das sich, während das Publikum vom Geschehen noch gänzlich gefangen genommen war – hinter der Band auf ein Podest geschlichen hatte. Das live zu sehen setzte dem sowieso schon umwerfenden Konzerterlebnis das Sahnehäubchen auf.

Wirklich passend beschreiben kann man die Stimmung eines Rosa Crux Konzertes nicht. Es ist auf jeden Fall sehr intensiv, finster, morbide und einfach irgendwie ganz anders. Tatsächlich hat die Darbietung etwas von einem Ritual, es ist sehr archaisch – man findet sich in Zeiten weit weit vor dem Mittelalter wieder, aber in einer Parallelwelt. Oder vielleicht auch schon halb in der Anderswelt.
Musikalisch kann man die Band eher schwer einordnen. Gegründet wurde sie bereits anno 1984, mitten im Umfeld von Postpunk, Wave und experimenteller Musik. Am passendsten wären wohl die Einordnungen in den Industrial, respektive Ritual. Musik die eine große Schar an recht unterschiedlichen Hörern kollektiv aus den Latschen (und Pikes) haut.
Die Texte die vertont werden stammen aus alten Büchern, sie sind bewusst in lateinischer Sprache gewählt damit der Hörer sich in erster Linie in die Musik fallen lassen kann, ein verständlicher Text würde die Aufmerksamkeit davon ablenken (es sei denn man „durfte“ sich in der Schule durch Latein quälen und hat davon noch nicht alles verdrängt *g*). Dazu kommt ein ganzen Universum an Symbolik und Hintergründen – Rosa Crux ist also keine einfach zu konsumierende Band – alles andere wäre aber freilich auch langweilig, oder?

Wir fanden uns nach dem Konzert etwas perplex vor dem Schauspielhaus wieder. Meine Begleitung wusste noch nicht so recht was sie von dem allen halten sollte, die Band war ihr komplett unbekannt gewesen, ziemlichen Eindruck hat sie bei ihr aber sichtlich auch gemacht.
Für mich war der Abend dann auch gelaufen, ich schob meinen Reifrock und mich zurück in die Wohnung der Bekannten die mich damals aufgenommen hatte und verbrachte die restlichen Stunden mit einem Glas Wein bei warmem Gewitterregen allein auf dem Balkon. Nichts hätte besser gepasst diese Eindrücke nochmal gebührend Revue passieren zu lassen.

Seitdem ist Rosa Crux eine meiner absoluten Lieblingsbands, mein Wunsch wäre es, einmal die ganz große Show in Rouen zu sehen wo die ganzen schrägen Installationen live zu sehen sind. Aber auch bei den kleinen Bühnenshows sind Rosa Crux ein absolutes Erlebnis das ich nur empfehlen kann.

Wer mehr sehen möchte, dem sei der Youtube-Kanal der Band ans Herz gelegt: http://www.youtube.com/user/RosaCruxTV
Die offizielle Homepage: http://www.rosacrux.org/
Myspace-Profil für Hörproben: http://myspace.com/rosacrux

19.03.2011 – Waid Noises

Spontane Ideen sind oftmals gute Ideen und eine solche bescherte uns einen wirklich großartigen Samstag abend.

Da stand man nun vor der Frage, was man mit eben diesem Samstag abend anstellen wollte – im Stammclub die Stammveranstaltung mit allem quer durch die schwarzen Musikrichtungen stand zur Auswahl – wie sie jeden Monat stattfindet.
Chris fiel die Decke auf den Kopf und auch wenn ich mich an Wochenenden momentan arg aufraffen muss, mal rauskommen und Gesellschaft von Seinesgleichen suchen tut dann doch immer wieder gut.
Recht kurzfristig fiel unser Augenmerk auf eine feine, kleine Veranstaltung im Nürnberger Raum, die wie die Grey Area und Subkultan vom gleichen Verein organisiert wurde – Waid Noises. Nichts wozu man das Tanzbein schwingt, das Konzept erinnerte mich insbesondere im Laufe des Abends mehr an die Blaue Stunde – was die Sache freilich sympathisch machte.
Geboten wurde dafür ein Konzert – die österreichische Neofolk-Kapelle namens Jännerwein spielte auf.
Da das Konzert im Freien unter dem Licht des Vollmondes stattfinden sollte, war warme Kleidung freilich ein Muss. Mir war eh mehr nach Gemütlichkeit zumute, also blieb die Kalkdose geschlossen und der Reifrock verstaut im Schrank. Stattdessen Pikes und Pluderhosen und ein gescheiterter Versuch mit dem Toupierkamm – wo sich andere über mangelnde Haarpracht beschweren ist meine jahrelang gezüchtete Wolle dann wohl etwas zu viel des Guten *gg*

Kurz nach 22:00 Uhr kamen wir im beschaulichen Kalchreuth an, seitwärts in die Büsche ging es dann gen Waldrand, die Lokalität erwies sich als überaus uriger Biergarten – die Innenräume rustikal dekoriert mit Heuballen, Dreschflegel und Sense, der Vorhänge – solides weiß-rotes Karo, sorgfältig zurückgebunden. Und dazwischen tummelten sich schwarzgewandete Gestalten. Will auf den ersten Blick freilich so garnicht zusammenpassen, und etwas skurril wirkte die Szene zunächst auch.
Passend dazu war die „Eintrittskarte“ ein Ast-Scheibchen, aufgefädelt an einem Stück grober Paketschnur, mit dem man sich dieses Holzstückchen an den Klamotten festtüddeln konnte. Witzige Idee, mal was anderes als der obligatorische Stempel.

Die Räume waren, bis auf die Theke fast ausschließlich von Kerzenlicht beleuchtet, wir waren zeitig genug da um uns noch einen Sitzplatz zu reservieren, dann noch ein Glas Wein geordert und bei Neofolk-Klängen aus der Konserve etwas ins Plaudern gekommen.
Allerdings wuchs die Lautstärke im Laufe des Abends auf Disco-Pegel an, was für Unterhaltungen dann wenig optimal war – wäre es eine Tanzveranstaltung gewesen, wäre der Umstand freilich OK gewesen, aber in diesem Rahmen wäre etwas weniger Lautstärke angenehmer gewesen – auch wenn die Musik durchweg gut war.

Gegen Mitternacht spielten dann Jännerwein – nicht im Freien wie eigentlich gedacht sondern in der Gaststätte. Wir rückten die Tische ein wenig beiseite und ich wunderte mich wie auf dem doch recht eng bemessenen Raum die ganzen Musiker samt Gerätschaften Platz finden wollten.
Es ging – Neofolker haben den Vorteil daß elektronisches Gerät nicht unbedingt zum Einsatz kommt, und auch Bühnentechnik wie Mikrophone samt Verstärker waren in dem sehr kleinen Saal auch unnötig. Sprich, das Ganze war ein astreines unplugged-Konzert, passend für das Musikgenre freilich.
So war die Runde auch relativ „kuschlig“, die Besucherzahl war ausgesprochen überschaubar, der Raum wie gesagt auch eher klein. Wir saßen quasi direkt vor der Band – so mag ich Konzerte einfach am liebsten.

Jännerwein – das ist eine noch recht junge Neofolk-Band aus Salzburg die neben den neofolk-typischen Instrumenten wie Akustik-Gitarren und Streicher auch für das Genre exotischere Instrumente einsetzt, wie mittelalterliche Drehleiern und Dudelsäcke, was manchen Stücken einen leichten Hang ins Mittelalterliche verleiht, was aber nie zu sehr in den Vordergrund gerät.
Inhaltlich drehen sich die Werke um Mythen und Bräuche einer kargen, unwirtlichen Bergwelt, aber auch Gedichte werden vertont, beispielsweise aus der Romantik – und wie finster die „Romantik“ eigentlich war zeigt sich auch hier wieder. Die Musik ist passend dazu durchgehend melancholisch und düster, Stoff für einsame Winternächte bei Kerzenschein.

Der Name „Jännerwein“ ist hierbei vom oberbayrischen Volkslied „Der Wildschütz Jennerwein“ entlehnt, welches das Ende des Georg Jennerwein besingt – der 1877 unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Jennerwein war von Beruf Holzknecht, was nicht ausreichte um seinen Unterhalt zu bestreiten, sodaß er anfing in den königlichen Wäldern um den Schliersee herum zu wildern, eine Art bayrischer Robin Hood.
Nach seinem Tod wurde er zur Legende und Symbolfigur der Auflehnung gegen die Obrigkeit, verehrt von den einfachen Menschen.
Sein Leben wurde auch mehrfach verfilmt.

Mit deutschsprachigem Neofolk werde ich offengestanden nur sehr selten warm, was meist an den wackligen Gesangskünsten der meisten „Sänger“ liegt, manchmal aber auch an arg aufgepresst wirkenden Texten. Englischsprachig wirkt das einfach anders, sogar wenn der Sänger mal etwas wacklig auf den Tönen ist.

Jännerwein war mir bereits ein Begriff, nur bewusst konnte ich mich an kein Musikstück erinnern, also habe ich mich nachmittags etwas eingehört. Komplett vom Hocker hat mich die Band da nicht gerissen, aber ich fand sie doch recht gut.

Live jedoch begeisterte die Band vom Fleck weg, alle vier Musiker haben wunderbare Singstimmen die auf den Aufnahmen meiner Meinung nach bei Weitem nicht so gut rauskommen wie im Konzert. Nach den ersten drei-vier Stücken standen die Jungs auf um feierlich das Kirchenlied „Tantum Ergo“ vorzutragen, vierstimmig und a capella. An sich ist Religion nichts was mich sonderlich betrifft, doch die Darbietung führte eindeutig zu Gänsehaut – das oben verlinkte Video kommt dem Live-Erlebnis ebenfalls nicht richtig nahe.
Einzelne Lieder hatten mit Trommeleinsatz auch einen sehr mitreißenden Military Pop-Anklang.

Zum Abschluss gab Jännerwein – wieder a capella – ein englischsprachiges Seemannslied zum Besten (habe noch nicht herausgefunden wie es hies, aber der Text war göttlich).

Kurz nach dem Konzert entschieden wir uns dann den Rückzug anzutreten da sich dann doch etwas Müdigkeit zeigte. Draußen zeigte sich der aktuell besonders erdnah stehende Vollmond in prächtiger Größe und beschien heller als sonst das Gelände um den Felsenkeller. Draußen war inzwischen das Lagerfeuer angezündet worden und einige Gäste scharten sich zum Luftschnappen darum, denn drinnen wurde es während des Konzertes schnell recht warm – wir waren ja auf nächtliches Freiluftkonzert eingestellt gewesen.
Eine wahrhaft magische Nacht die bei besserer Verfassung zum Verweilen und Weiterträumen nach dem großartigen Konzert geradezu eingeladen hätte. Jännerwein hatte einen ganz gut in die passende Stimmung versetzt – passend dazu war das Motto dieser Waid Noises Veranstaltung – Moon Music. Bestimmt hätte das Konzert im Freien am Lagerfeuer und unter dem hellen Mond sogar noch mehr Eindruck hinterlassen.

Fazit: Jännerwein is eine sehr schöne Neuentdeckung aus dem Neofolk, welche sich sicher jetzt öfters in meine Playlist verirren wird 😉
Die „Waid Noises“ ist eine ausgesprochen gelungene Veranstaltungsreihe die sich mehr als angenehm vom schwarzen Clubbesuch abhebt und durch den kleinen Rahmen etwas sehr familiäres an sich hat. Da werde ich mich ohne Zweifel gerne wieder „hinverirren“ 😉 – besonders wenn die Veranstalter noch öfters solche musikalische Perlen ausgraben.

Zum Schluss als musikalische Kostprobe noch ein Stück von Jännerwein: – „Klage“ – nach Joseph von Eichendorff, 1809, vom ersten Album „Abendgeläut“, 2008

Festival Mediaval 2010

Verdammt – mein großer Rechner hat gestern früh die Segel gestrichen, beziehungsweise die uralte Festplatte die seit Ewigkeiten schon komische Geräusche macht (und fatalerweise das Betriebssystem beherbergt), ich aber bislang zu faul war selbige durch die Neue zu ersetzen die derweil als Datenauslagerung als extrerne Platte unter dem Schreibtisch vor sich hin rödelt.
Doch was wären wir für ein Nerd-Haushalt wenn es nicht Alternativen gäbe und hier niemand länger als notwendig vom Netz getrennt verbringen muss – schließlich habe ich vom Wochenende einiges zu berichten 😉
Nachteil: ich muss dieses vom Sofa aus mit einem winzigen Netbook tun, Vorteil: mein Sofa ist riesig und urbequem *g*

Doch um meine altersschwache Platte soll es hier natürlich nicht gehen, vielmehr um das im Titel genannte Festival.

Das Ende der diesjährigen Festivalsaison rückt näher, und wird seit drei Jahren inzwischen vom Festival Mediaval eingeläutet.
Für gewöhnlich bin ich nicht so der Festival-Gänger, lediglich dem WGT – das ja nicht unbedingt als reines Festival durchgeht – bin ich seit Jahren treu.
Das Mediaval hatte jedoch einige nicht zu schlagende Vorteile, und zwar relativ bequeme Erreichbarkeit vom heimischen Bett und Bad aus sowie einige sehenswerte Bands die auch den Schwarzromantiker erfreuen der eigentlich mit Mittelalter weniger anfangen kann.
Nicht zu vergessen, einen sonst eher festivalscheuen Freund der überraschenderweise ausnahmsweise von selbst da hin wollte *g*

Das selbsternannte „größte Mittelalterfestival in Europa“, fand mitten im beschaulichen Selb dieses Jahr vom 10-12. September statt.
Musikalisch gibt es hier neben markt-mittelalterlichen Dudelsack-Klängen – die bekanntlich nicht jedermanns Fall sind – auch interessante Bands aus dem Bereich Paganfolk, Neoceltic, Weltmusik und mehr, aber auch Mittelalter-Rock und ein Nebenprogramm mit zahlreichen Kleinkünstlern von Bauchtanz bis zu den obligatorischen Feuershows. Es fand zudem ein Schaukampfturnier statt bei dem jeder teilnehmen konnte der über entsprechende Ausrüstung verfügte, sowie diverse Workshops, von Drehleier-Bau über historischen Tanz bis hin zu Gesang. Diese waren aber leider nicht im Ticketpreis von 75 Euro inbegriffen, sondern hatten sehr unterschiedliche Gebühren die bei Teilnahme extra veranschlagt wurden.
Dazu kann man neben den Konzerten auch durch einen Marktbereich nach so ziemlich allem stöbern was das begeisterte GroMi-Herz begehrt.
Nein, es liegt mir freilich fern mangelnde Authentizität zu kritisieren, wir reden hier ja von einem Festival, und nicht von einer Reenactment-Veranstaltung 😉
Entsprechend habe ich mir auch die historisch mehr korrekter gedachte Garderobe im Schrank gelassen und tief in den Kalk-Topf gelangt 😉

Los ging es offiziell am Freitag um 16:30 Uhr. Wir konnten erst später los und hatten eigentlich 18:00 Uhr angepeilt, doch dann erwies sich die erste Anreise als beschwerlicher als gedacht.

Mit dem neu angeschafften Navi fühlten wir uns sicher, Selb stressfrei zu erreichen, ausserdem kenne ich mich als gebürtiger Wunsiedler in der Gegend auch noch etwas aus.
Tja, zu früh gefreut. Nachdem wir feststellen mussten daß aber auch wirklich alle Strassen nach Selb gesperrt sind kam sogar das Navi derart durcheinander daß wir an Stellen feststeckten wo auch ich keinen Schimmer mehr hatte wo wir jetzt waren.
Letztenendes kamen wir nach einer Fahrzeit von 1 1/2 Stunden (statt knapp einer Stunde) am Festivalgelände an, schafften es aber zum Glück zügig durch Einlass und Bändchenvergabe und standen so 5 Minuten vor Beginn der ersten Band die uns interessierte an der Hauptbühne.

Gegen 19:00 Uhr spielte Omnia – die holländische Pagan-Folk Band gehört schon seit langem zu den Favoriten von meinem Freund und mir. Peinlich genug zu erwähnen, daß wir es noch nie geschafft haben Omnia live zu sehen.
Das Konzert war sehr kurzweilig, nicht nur dank der guten Musik die ordentlich Stimmung machte, auf der Bühne wurde die Band von Gästen von Faun und Valravn unterstützt, sowie Einlagen von Bauchtänzern, Feuer-Artisten und Kelvin Kalvus.
Omnia stellte neben altbekannten Stücken auch ihre neue CD vor – auf der ein Song der sich für „Liebe machen im Wald“ aussprach, und ein absoluter Kulturschock in Form eines auf der Bühne rappenden (ja, tatsächlich!) Steve. Doch nach dem ersten Schock gefiel mir der Stilbruch trotzdem ganz gut, irgendwie anders aber dennoch unverkennbar Omnia mit einem wütenden Text gegen die seelenlose moderne Welt, für Natur und Freiheit.

Nach Omnia wanderten wir zur nächsten großen Bühne, auf der Valravn auftrat. Die Band war mir von einigen Stücken bereits bekannt, doch nicht im Detail.
Allerdings habe ich die Show nur am Rande wahrgenommen, da ich ein paar liebe Bekannte entdeckte die natürlich begrüßt werden wollten. Was meinen Freund nicht davon abhielt in der Zwischenzeit etwas näher ans Geschehen zu verschwinden.
Valravn verbindet nordische Klänge mit elektronischer Unterstützung – eine sehr schöne Mischung mit wundervoller weiblicher Gesangsstimme.
Als Gegenbesucht statteten Omnia auch Valravn auf der Bühne den einen oder anderen Besuch ab.

Nahtlos weiter ging es mit dem Auftritt von Faun, wieder an der Hauptbühne. Fast nahtlos zumindest, da der Soundcheck etwas länger in Anspruch nahm als geplant, dafür bot die zusätzliche Pause Gelegenheit sich einen Becher herben Mets zu organisieren.
Faun ist wieder so ein Fall an Band dessen Musikstücke zu Göttertanz und co dazu gehören und auch sonst immer dazu führen daß die Tanzfläche im Club mit dem Reifrocksaum gut durchgewischt werden *g* – nur live hatten wir sie auch noch nie gesehen.
Auch dieses Konzert war großartig, nur getrübt durch die Tatsache daß ich einfach nicht lang genug bin und oft mehr Hinterköpfe im Gesichtsfeld hatte als Band *hmpf*

Gegen Mitternacht machten wir und dann auf die Heimreise, reichlich müde und mit platten Füßen – ein Nachteil von Wald- und Wiesenfestivals: man steht weit mehr herum als zB beim WGT.

Ataraxia

Aber zurück zum Festival Mediaval.
Samstags trafen wir gegen 14:00 Uhr am Festivalgelände ein. Diesmal kamen wir glatt durch bis Selb da wir inzwischen wussten wie wir fahren mussten ohne ins Chaos gesperrter Strassen zu geraten.
Um 15:00 Uhr sollten Ataraxia spielen. Eine Band auf die ich mich ganz besonders gefreut habe. Die italienische Band mag die wohl Dienstälteste des ganzen Festivals gewesen sein, und ich befürchtete einen großen Andrang – wie man es eben beim WGT gewohnt ist.
Doch zu meinem großen Erstaunen blieb die Fläche vor der Bühne erstaunlich leer. Und füllte sich auch bis zum Konzert nicht weiter. Einerseits Glück für mich da ich so ganz gute Sicht auf die Bühne hatte, andererseits fand ich es auch sehr schade für die Band, die eindeutig zu den Urgesteinen der Neoklassik und Heavenly Voices zählt.
Francescas Stimme, die von vibrierend-tief bis in unglaubliche Höhen kommt hinterlässt anhaltende Gänsehaut und Faszination. Hört man es live, mag man zuerst kaum glauben daß ein menschliches Wesen zu solch einer Stimme fähig ist.
Für mich eindeutig das Highlight des Festivals, trotz der ausbleibenden Zuschauer.
Nachdem Ataraxia ja weniger zur Mittelalterszene gezählt werden können, sondern ursprünglich aus dem Wave stammen um sich – wie viele andere Bands – in den 90ern dem Heavenly Voices Genre zuzuwenden, war das Zielpublikum bei diesem Festival für diese Band wohl nur eingeschränkt vorhanden.

Meine Einschätzung bestätigte sich schließlich als wir wieder zur Hauptbühne wanderten auf der Corvus Corax bereits voll bei der Sache waren. Das Publikum war hier doch weitaus größer und füllte die Fläche vor der Bühne recht gut aus.
Die berliner Mittelalterband ist mit die einzige Dudelsack-Gruppe die ich wirklich mag. Musikalisch als auch live. Erstmals gesehen habe ich sie 2004 auf dem Woodstage Festival bei Zwickau, und mich schon ganz gut amüsiert. Vor 3-4 Jahren hatten sie dann einen kleinen Auftritt hier in der Gegend der nicht minder amüsant war.
Allerdings war mir nach Ataraxia schonmal nicht wirklich nach Dudelsack zumute, nach dem sehr ätherischen Auftritt der Italiener empfand ich das Geschehen auf der Bühne irgendwie als laut und lärmig, plump und – ja fast schon – prollig daß ich das Konzert nicht so ganz geniessen konnte.

Nachher hatten wir konzertmässig eine größere Pause die wir dazu nutzten uns mal die Marktstände näher anzusehen. Einer unserer Lieblingshändler war auch anwesend – ich traue mich schamlos etwas Werbung zu machen – Vehi Mercatus.
Mein Freund wollte sich bei ihm einen Helm holen, und ich finde auch immer wieder nützliches was auch für die Austattung fürs 16. Jahrhundert brauchbar und passend ist.
In seinem Stand begegneten wir einem Händler der direkt an der Hauptbühne mit einem Getränkestand anwesend war. Bei seiner Bemerkung, Corvus Corax wäre das schlimmste gewesen was er mitgemacht hatte, musste ich doch etwas grinsen – was uns dann gleich eine Einladung auf eine „Überraschung“ einhandelte.

So langsam wollten die Füße auch nicht mehr, also suchten wir uns eine Kleinigkeit zu Essen und eine Bank die etwas ruhiger lag. Etwas zumindest – nicht weit davon entfernt war eine weitere, doch eher kleine Bühne, sodaß wir ein wenig vom Minnesänger Knud Seckel und der Gauklertruppe Basseltan mitbekamen.

Wir zogen dann weiter um die Einladung auf die „Überraschung“ wahrzunehmen. Am Getränkestand servierte uns Balou – der Herr den wir wie gesagt vorher trafen – einen giftig-blauen Likör den er als „Schlumpfpisse“ bezeichnete und nach ausgekochtem Hustenbonbon schmeckte. Die – nicht wirklich ernst gemeinte – Beschreibung des Herstellungsprozesses rundete das Geschmackserlebnis trefflich ab *lach*
Trotzdem blieben wir noch länger, noch dazu da der Stand eine kleine gemütliche Sitzecke bot die wir gleich in Beschlag nahmen, wir unterhielten uns auch ganz toll mit den Betreibern der „Wandelbar“ die sichtlich gut drauf waren – das Getränkeangebot beinhaltete zum Glück auch noch Erdbeerbowle – was zum WGT Tradition hat, kann zu anderen Festivals ja nicht schlecht sein *g* – und gut war sie wirklich, die Bowle.

Wir blieben noch bis Qntal spielte, bessergesagt blieben wir die ersten 2-3 Lieder noch sitzen, man konnte die Bühne einigermassen sehen und auch alles gut hören.
Trotzdem verließen wir dann unseren Platz um näher an die Bühne zu kommen.

Das Konzert war ebenfalls sehr schön, und wurde einerseits bei „Flamma“ passend von einer Feuershow untermalt, sowie einem weiteren Kurzauftritt von Kelvin Kalvus. Daneben unterstützte auch ein Sänger von „Transmongolia“ mit seinem eindrucksvollen Kehlkopfgesang die Band.
Syrah hatte stimmliche Unterstützung von Sarah Newman, die selbst Bandmitglied bei Unto Ashes, Estampie und VocaMe ist – und über eine Freundin sogar eine Bekannte von mir 😉
Das sie da sein würde wusste ich allerdings nicht und war entsprechend überrascht als wir uns vorher auf dem Festivalgelände zufällig trafen.

Nach Qntal wäre noch Haggard auf unserer Sehen-wollen Liste gewesen, jedoch spielte die Band nicht im direkten Anschluss an Qntal (und ich muss sagen daß ich mit Haggard dann doch weniger anfangen kann als mein Freund) und da es langsam etwas kühl wurde und mein Freund mit Erkältung etwas angeschlagen war, entschieden wir den Rückzug anzutreten für diesen Tag. Also nochmal kurz bei Vehi Mercatus vorbeigeschaut um die Hirnhaube einzupacken, noch ein paar Sätze zu schwafeln – die Jungs vom Stand waren auch nicht ganz fit, verfügten aber über einen Ofen im Wagen der den Stand innen einigermassen warm hielt.
Daheim wollte ich selbst dann nur noch aus Reifrock, Kleid und Kalk hüpfen um möglichst schnell ins Bett zu kommen.

Den heutigen Sonntag liessen wir dann bleiben, auch wenn ich gerne noch ein-zwei Bands gesehen hätte und mich ärgere daß ich jetzt um die recht günstigen Lederhäute drumherum komme die ich mir gestern schon für ein Wams eingebildet hatte. Also packe ich meine Klamotten wieder in den Schrank , bis zum nächsten Göttertanz 😉

Fazit: ein sehr schönes Wochenende mit guter Musik auf einem sehr schönen Festivalgelände das weitläufig ist und auf dem man sich nicht so eingekästelt und abgezäunt vorkommt wie auf dem normalen Wald- und Wiesenfestival.
Wir sind im nächsten Jahr, sofern es zeitlich unterzubringen ist, wieder gerne dabei. Natürlich hoffe ich auch daß auch musikalische Genres wie das zu dem man Ataraxia zählen kann auch weiter im Programm zu finden ist.

Bilder habe ich mal wieder keine geschafft zu machen, bis auf zwei Stück eben von Ataraxia, von dem eines weiter oben zu sehen ist.
Galerien wird es sicher bald genug auch von diesem Festival geben, natürlich auf der oben verlinkten Homepage des Festivals.

Konzert: Attrition

Die üblichen WGT Vorbereitungen jedes Jahr schließen die langwierige Aufgabe mit ein, sich gründlich durch die Liste der bestätigten Bands zu graben. Das spannende dabei ist das Entdecken von ganz besonderen Projekten die sich abseits des schwarzen Mainstreams bewegen welche man in sich anödender Regelmässigkeit auf den ebenfalls bekannten Wald- und Wiesenfetsivals „bestaunen“ kann.

Während die Beschwerden im WGT Forum und dem Gästebuch der offiziellen Page vonwegen der vielen unbekannten Bands und dem entsprechend „schlechten“ Line-Up bei manchen Fraktionen lauter wurden, machten andere Herrschaften Luftsprünge vor ihren Rechnern. Und auch ich hatte einiges an interessanten Dingen auf der Liste – nur in dem leicht zähneknirschenden Bewusstsein daß ich eh nur wieder 2-3 Bands schaffe. Das WGT ist auch für mich mehr Treffen denn Festival – man mag von dieser Riesenveranstaltung halten was man mag, wenn man will findet man immer Orte ab von Agra und Co um sich mit Freunden zu treffen und neue zu finden, sowie viele sehr gute Bands kennenzulernen die man nicht selten sonst schwer live sehen kann.

Meine heurige „Sehen-Muss“ – Band war Attrition.

Beim Durchhören fiel mir der Name nur wenig auf, und beim ersten groben Suchen nach Klangbeispielen stieß ich auf angenehme Postpunk-Klänge. Nicht schlecht, doch von dem Format gab es noch mehr, also kamen Attrition erstmal auf die „Vielleicht“-Liste die dann nach Programm nochmal überarbeitet werden sollte. Ja, auch wenn ich jedes mal nur sehr wenige Bands schaffe, die Konzertliste ist am Ende trotzdem recht vollständig, und da wird dann spontan vor Ort entschieden was davon mitgenommen wird und was eben nicht. Aber es gibt auch immer die „Sehen Muss“-Bands die ich nicht verpassen möchte.

Schließlich schickte mir ein Freund den Link auf ein Video – Attrition – A girl called harmony. Und danach wars um mich geschehen, optisch ist das Video wundervoll surreal, und musikalisch ein finsteres, neoklassisches Stück zum Vorzeigen, aber seht selbst:

Im Übrigen ist die Einblendung von Frau E.Autumn nicht zufällig, denn in dem Kommentaren zum Video findet man bei youtube auf die Nachfrage deswegen diese Antwort:

„Emilie joined attrition for a short while…just as we made this video… she had been a fan for a long time!“

Ich kenne mangels Interesse nur wenige Musikstücke von E.A. , zugesagt habe die mir auch nicht, aber ich muss gestehen daß beide Projekte schon irgendwo kompatibel sind. Paradox das …

Egal.

Zurück zum Thema.

Attrition wurde gegründen im Jahre 1980, von Martin Bowes und Julia Niblock. Im Umfeld des Post-Punks und den experimentelleren Spielarten des Industrials bewegte sich die Band zusammen mit wegweisenden Projekten wie Throbbing Gristle, Coil und In the Nursery.
Über die Jahre hat das Projekt im Bereich Darkwave bis Industrial seinen Stil verfeinert, und meiner Meinung nach kann man sie stellenweise auch in die Neoklassik einordnen, maßgeblich wegen der klassischen Stimme von Julia. Zeigt sich hier wieder mal wie eng die Genres Industrial und Neoklassik beieinander liegen? Ich fand hier die Grenzen schon immer sehr fließend, obwohl die Bezeichnung „Neoklassik“ auf den ersten Blick betrachtet so garnicht nach Industriellem Lärm klingen mag.

Das Konzert von Attrition fand am Freitag, dem 21.05.2010 im Schauspielhaus statt. Meine Lieblingslokalität auf dem ganzen WGT. Das Schauspielhaus ist – wie der Name schon vermuten lässt, ein Theater in dem zum WGT für gewöhnlich gezielt neoklassische und verwandte Bands auftreten. Bietet ja auch die denkbar passendste Umgebung für diese Musikrichtung. Auf den roten Samt-Stühlen kann man sich bequem niederlassen und auch in weiter hinten gelegenen Rängen die Bühne noch gut beobachten.
Kein Gedrängel, kein Gefühl zur menschlichen Sardine zu mutieren, kein Füße plattstehen und kein Ärger darüber daß man als Mensch mit recht durchschnittlicher Weibchen-Körpergröße bei nur ein paar Leuten vor sich die Sicht versperrt bekommt.

Zu Beginn des Konzertes zündete sich Martin Bowes ein ganzes Bündel Räucherstäbchen an die er das ganze Konzert über in der Hand behielt, mit Ausnahme einiger weniger die mittendrin an das Publikum in den ersten Reihen verteilt wurden – und die sichtlich wenig damit anzufangen wussten ausser stillhalten und abfackeln lassen.
Für Martin hoffe ich ja, es waren chinesische Räucherstäbchen, die Dinger reißen nämlich nichts, es sei denn man nimmt wirklich die Ganze Packung (das Zeug kommt Minimum in 50er-Bündeln) bei indischem Zeugs – na Prostmahlzeit! Da reicht eins eigentlich dicke *g*

Die ersten 2-3 Musikstücke waren noch etwas lau, doch dann nahm das Konzert Fahrt auf und riß definitiv mit. Das Schauspielhaus war um diese etwas spätere Stunde gerade mal halb gefüllt – ich hatte weit mehr erwartet da man beim Schaupielhaus, wenn der Andrang groß ist, man extrem zeitig da sein muss. Glück für uns, schade aber auch daß eine so grandiose Band nicht mehr Publikum anzog. Dafür waren die die da waren begeistert bei der Sache. Ein junger Herr der seinen Sitzplatz aufgab weil er offensichtlich seinem Bewegungsdrang nicht mehr nachgeben konnte, positionierte sich rechts vorne, seitlich der Bühne und war weit mehr als mitgerissen.

Julias Stimme ist live derart glasklar und kräftig daß sie trotz warmen Wetters und vielen Schichten Stoff am Leib sofort für angenehmes Frösteln sorgt, im Kontrast dazu ist Martins tiefe, grollende Stimmlage die man weniger als Gesang bezeichnen kann, der perfekte Gegenpart.
Sehr Gänsehaut-fördernd.

Ich muss gestehen ich kannte nicht alle Stücke die live vorgetragen wurden, lediglich das was ich von youtube, Myspace oder der offiziellen Page von Attrition an frei runterladbaren MP3’s kannte, dafür waren die die mir schon geläufig waren live umso intensiver, allen voran „Dreamcatcher“, „Two Gods“, das wundervoll sphärische „I am (eternity)“ und natürlich „A girl called harmony“. Auf letzteres Stück hatte das Publikum – mich eingeschlossen – die ganze Show über gewartet, doch wenig verwunderlich sparte die Band sich das Paradestück bis zum Schluss auf.

Fazit: meiner persönlichen Meinung nach eine grandiose Band, dessen Silberscheiben schon auf der „Haben-Muss“-Liste für die Erweiterung der CD Sammlung stehen, und live wirklich eine tolle Erfahrung wenn man sich auf Musik einlassen kann und keine spektakuläre Show braucht. Dafür bekommt man eine Menge Leidenschaft der Künstler auf der Bühne zu sehen. Teilweise sehr meditativ und in jedem Fall mitreißend.

Zum Abschluss noch ein paar Videos mit Live-Eindrücken vom Konzert:

Dante’s Kitchen

I am (eternity) – super Bildmaterial, leider gings beim Sound etwas schief:

The long hall

Die Videos können dem Live-Eindruck leider nicht ganz gerecht werden.