Mein Bekenntnis zum Nerdtum

Wenn man mitten in der Nacht aus dem Fernsehschlaf aufwacht, der einen erfolgreich davon abhielt den Film zuende zu sehen, dann mag das zwar ein Anzeichen dafür sein daß man langsam etwas alt wird – aber wenn dann der Rechner noch an ist und man versehentlich auch bei Facebook noch eingeloggt ist, dann hat das zumindest einen Vorteil: man stolpert über die Statusmeldung eines Bekannten, welche einen auf eine nicht ganz uninteressante Blogparade aufmerksam macht.

Zugegeben, bis dahin kannte ich den Blog der Geek-Sisters noch nicht, doch dem Aufruf zu dieser Parade möchte ich gerne folgen – und wenns allein zu dem Zwecke ist, noch ein paar Leuten welche mich vielleicht nur mit meinen historisch(en) (inspirierten) Riesenfummeln kennen, die Gesichtszüge entgleisen zu lassen 😉

Also pusten wir mal den Staub vom Blog ab und verfassen das Bekenntnis zum Nerdtum :

Drei Fragen sollen hierzu beantwortet werden:

1. Was macht Dich zum Geek?

Oh goth, wo fang ich da an … einmal sicher mein Science Fiction-Fimmel. Das sieht man auch recht deutlich am Bücher- und DVD-Regal. Klassiker nehmen da auch relativ viel Raum ein – da thront beispielsweise auch die limitierte Alphabox von Raumpatroullie Orion die neben den Folgen der Kult-Serie und dem später zusammengeschnittenen Film auch Soundtrack, GSD-Shirt und Aufnäher, Postkarten und einiges mehr beinhaltet 😉

„Klassiker“ ist ein gutes Stichwort – Star Trek war einst mit die Einstiegsdroge, und auch wenn der Erstkontakt via Next Gen erfolgte, so hat es ein Jahr später erst mit Classic richtig eingeschlagen. Da war ich 12-13 und nervte umgehend meine Mutter, mir eine Uniform zu nähen. Auch wenn ich alle Ableger recht gerne sehe, Classic wird immer mein Favorit bleiben, zwar bin ich heute nicht mehr ganz so der Hardcore-Trekkie (ernsthaft, ich war früher *wirklich* schlimm ^^)- in meinem Kleiderschrank hängt noch immer eine romulanische Uniform und ein rotes Uniform-Kleidchen das ich nach Originaler Schnittführung (auffindbar in dem Buch – ist sogar die Ausgabe die ich selbst habe) vor über 10 Jahren genäht hatte.

Mich begeistert aber insbesondere auch eher düstere SciFi ausserordentlich, da hat es mir das Cyberpunk-Genre sehr angetan – nicht umsonst ist mein Lieblingsfilm „Matrix“ (man möge aber die Sequels bittschön unerwähnt lassen 😉 ) – und „Neuromancer“ einer meiner liebsten Romane.

Respektive gerne auch Zeugs das undurchsichtig quer durch verschiedene Realitätsebenen geht oder schön vertrackt „wibbly-wobbly, timey-wimey“ ist 😉 – je schräger und hirnwindungsverdrehender, umso besser.

Einen gewissen Computerfimmel kann man mir auch unterstellen – ich bin durchaus imstande so ein Teil komplett zusammenzuschrauben und ich habe während des Studiums sowie kurz danach jeweils für etwa ein Jahr als Programmierer gearbeitet. Einmal als Nebenjob, einmal voll. Und ich habe eine Homepage die von Grund auf selbstgemacht ist. Nicht nur die Graphiken sind allesamt selbst gebastelt (bis hin zum „Ausgangsmaterial“ dafür), ich habe auch alles von Hand gecoded. Zugegeben, inzwischen bräuchte sie eine gründliche Überarbeitung – man müsste die Zeit dazu eben haben …
Und: ich trage eine Platine aus einer Druckerpatrone meines allerersten Rechners um den Hals, in meinem Schmuckkasten sind auch noch ein paar andere Teile zu finden die ich einmal aus elektronischen Bauteilen selbst gebastelt hatte – lange bevor sowas kommerziell angeboten wurde oder „Nerd“ in irgend einer Weise „in Mode“ gekommen ist.

Ich liebe Logikrätsel und bringe mir gerne Sachen selbst bei.

Und natürlich mein Interesse an wissenschaftlichem Kram – immerhin kann ich auch einige Semester Physik-Studium vorweisen, sowie einige mehr in Ingenieurwissenschaften.

Zählt das Interesse für historische Kleidung auch? Wenn ja – das begleitet mich jetzt seid 2005, neben Anlehnungen an die alten Kleiderformen finde ich es durchaus auch spannend, historische Nähtechniken zu erforschen und auszuprobieren (d.h. stundenlang mit Handnähnadel und Seidenfaden dasitzen um ein Kleid komplett ohne Maschinengebrauch auf die damals übliche Art herzustellen) sowie Living History und Reenactment (auch wenn ich da momentan nur am Rande auch aktiv bin).

2. Wie bist Du zum Geek geworden?

Ich denke, ich bin einfach so auf die Welt gekommen. Auch wenn am SciFi Fimmel meine Mutter nicht ganz unschuldig ist – sie hat selbst immer gern Star Trek, Orion und andere SciFi Serien gesehen, Star Wars war ihrer Aussage nach damals das Beeindruckenste was sie im Kino erlebt hatte – der Rest ist irgendwie durch Veranlagung und Neugier entstanden.
Seid ich 12-13 war (so zu Beginn der 90er) war ich als Jugendliche Stammgast in der Bücherei. Ich hab mir meine Freizeit viel lieber mit Lesen um die Ohren geschlagen anstatt mit den Dingen die ein pubertierendes Mädel sonst im Normalfall so tut. Daß ich irgendwie anders war, war mir damals sehr bewusst, ich war damals aber schon immer stolz drauf, irgendwie seltsam zu sein.

Neben SciFi Romanen trug ich auch allerhand Wissenschaftliches nach Hause – Physik, Astronomie (war damals ein großes Hobby von mir – ich sollte mich mal wieder damit befassen … ), Technik … als ich mit 14 ein Buch über Elektronik der Dame an der Theke zum abstempeln überreichte, sah sie mich ungläubig an und meinte daß sowas doch nur was für Jungs sei oO

Als Kind bereits habe ich die legendäre Knoff Hoff Show geradezu verschlungen und viele Winternächte habe ich mir den Hintern auf dem Dachboden abgefroren beim Beobachten des Sternenhimmels (und schlappte 1999 mit meinem Refraktor-Teleskop über die Schulter geworfen durch die bayreuther Innenstadt als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt – ich war unterwegs zu Freunden, mit denen ich tags drauf ein Stück gen Süden fahren wollte um die Sonnenfinsternis damals zu beobachten).

Mich haben aber auch einige Serienhelden sehr inspiriert, maßgeblich waren das Spock und MacGyver. Beides großartige Wissenschaftler – wenn auch auf unterschiedliche Weise, aber sie hatten genug Eindruck auf mich gemacht, daß mein Interesse daran wie die Welt funktioniert in jedem Gang zur Bücherei präsent war, und sie haben mich dazu gebracht, in der 7. Klasse den Entschluß zu fassen, Astrophysik zu studieren.

Nun, dazu kam es nicht ganz. Nach dem Abitur habe ich mich erstmal für Physik eingeschrieben und bin nach 4 Semestern zu den Ingenieuren abgehauen. Auch wenn ich heute etwas völlig anderes mache – das Interesse ist natürlich noch da und die „Bild der Wissenschaft“ flattert regelmässig in den Briefkasten.

3. Wie wirkt sich Dein Geektum auf Dein Leben aus?

Einmal ganz klassisch – die Bitte, den Computer anderer Leute zu reparieren. Einmal hatte ich via Facebook einem Bekannten um 3 Uhr nachts assistiert, seinen Rechner zusammenzuschrauben und wenn ich meine Eltern besuche kann ich drauf warten daß ich entweder den neuen DVD Player anstöpseln darf oder nachsehen muss, was mit Papas Uralt-Handy mal wieder nicht stimmt.

Mein Humor ist wohl auch nicht ganz alltäglich – ich kann mich bei Physik(er)witzen scheckich lachen, dafür grüble ich bei manchen allgemein üblicheren Witzen nach, was daran so komisch sein soll – ich denke daß mich gerade deswegen manche Leute auch für ziemlich humorlos halten 😉 – aber eigentlich muss man meine Tasse Tee nur als Brown’schen Molekularbewegungs-Generator bezeichnen …

Es kam schon vor daß ich, während im Fernsehen „Big Bang Theory“ lief und irgendwas über Star Trek Classic gesagt wurde, ich mich beim Vorbeigehen umdrehte um dem Fernseher zu sagen, daß die Jungs falsch liegen da ich betreffende Szene auswendig kenne.
Überhaupt – was genau diese Serie so sympathisch macht ist, daß viele Klischees war völlig überzeichnet sind, aber nicht ganz aus der Luft gegriffen, schlimmer noch, aus dem realen Leben an der Uni durchaus bekannt sind und stellenweise auf mich selbst genauso gut passen *hust*

Meinen Tee schlürfe ich aus einer Alienkopf-Tasse und in meinem Schrank sind einige Shirts mit eindeutig-nerdbekennenden Aufdrucken zu finden. Generell ist meine Alltagsgarderobe auch mal mehr, mal weniger deutlich nicht nur von historischen Einflüßen, sondern auch von SciFi inspiriert und mein Lieblings Star Trek-T-Shirt habe ich seid ich 13 bin 😉 – nicht zu vergessen der bereits erwähnte Schmuck aus Platinen und anderen elektronischen Bauteilen.

Ich kann den ganzen Tag und die halbe Nacht am Rechner verbringen und im Internet rumhängen – meistens passiert das wenn ich irgend etwas, das mich grade besonders fasziniert, recherchieren möchte (was in gewisserweise die früher regelmässigen Büchereigänge ersetzt hat) und „idealerweise“ gerade eh in einer sozialinkompatiblen Stimmung bin.

Ich ziehe jeden SciFi Streifen ohne mit der Wimper zu zucken absolut jeder Schnulze vor und bei Historienstreifen hab ich einenm höllischen Spaß dabei, jegliche historische Inkorrektheit der Klamotten ausfindig zu machen und mich darüber aufzuregen.
Und ich grüble gerade ob ich mein altes Fahrrad TARDIS-blau oder im Dalek-Design umlackieren soll.

Was mich dazu bringt daß ich zum Frühstück gerne eine Folge Classic Doctor Who schaue und ich mich neulich sehr geärgert habe, daß ich Patrick Throughton in einer Folge von „Die Zwei“ nicht erkannt habe oO

Und auch wenn Zockertum zu meinen nerdigen Eigenschaften eher nicht zählt, so sind gelegentliche Abende des Diablo-Spielens unter Pizza-Konsum im Netzwerk mit meinem Freund trotzdem ein ins Bild passendes Symptom 😉

Lange Rede, kurzer Sinn – das wäre dann mein persönliches Nerd-Bekenntnis.

Den Aufruf zu dieser Blogparade gibt es im Übrigen hier zu sehen, und gewinnen kann man auch was, nämlich einen Einkaufsgutschein beim Onlineshop für echte Nerds – getDigital.

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Gothic Friday August – Top of the Goth (2)

Folgt man den ein­schlä­gi­gen Sze­ne­ab­hand­lun­gen, so ist Lesen eine der Lieb­lings­be­schäf­ti­gun­gen der Gothics. – so schreibt Herr Spontis im Artikel, der zum August-Gothic-Friday aufruft, und ja, das Klischee kann ich doch auch ganz gut erfüllen. Nur was wählt man aus wenn man ein gut gefülltes Bücherregal hat? Die Qual der Wahl ist da nicht einfach …

Sachbücher stehen hier selbstverständlich auch rum, aber ich verschone meine Leser lieber mit dem Sammelsurium aus Physik-Lehrbüchern, mathematischen Formelsammlungen, „Handbücher“ der Ingenieurwissenschaften (die man entgegen der handlich klingenden Bezeichnung besser nicht an den Kopf geworfen haben mag), Computerkrempel, Bücher über Astronomie sowie solche über Modegeschichte, Korsetts, Zeichnen und Malerei oder Schnittkonstruktion. Da ist die Okkultkram-Bibliothek im Sinne von „Gruftigkeit“ wahrscheinlich interessanter, doch ich will mich hier dann lieber auf die Romane beschränken – das ist an sich schon genug Arbeit 😉

Bücher stehen hier sowohl auf deutsch als auch auf englisch im Regal – auch wenn mein Freund den größeren Fimmel in Sachen Bücher im Original lesen hat als ich, so greif ich auch immer mal wieder zu sowas. Denn manch sprachliche Spitzfindigkeit geht in der Übersetzung oft flöten – abgesehen davon ist meine ganze Fachliteratur über historische Klamotten eh nur auf englisch erhältlich.

Ich bin ein Science Fiction Fan. Mit Fantasy kann ich mich eher weniger anfreunden. Ausnahmen sind manche Terry Pratchett Bücher die mir mein Freund im Laufe der letzten Jahre immer mal wieder rübergereicht ha. Die habe ich auch gern gelesen, nur ziehe ich Douglas Adams vor – wer eine heiße Tasse Tee als Brown’schen Molekularbewegungs-Generator bezeichnet, trifft einfach den scheußlichen Nerd-Humor eines verhinderten Physikers 😀 – und Tee-Liebhabers! Gerade diese vielen wissenschaftlichen Anspielungen mit denen Adams in seinen Büchern um sich wirft machen die für mich nochmal ein ganzes Stück witziger als sie eh schon sind. Dazu furztrockener britischer Humor. „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist wegen dieser Mischung ein Buch das ich mir immer wieder antun kann – genauso wie den Rest der „Anhalter“-Reihe, aber auch die übrigen, wenn auch wenigen Bücher von Adams. Ich spare mir eine Zusammenfassung des Inhaltes, ich denke den meisten wird das Buch irgendwie bekannt sein, und wenn es nur durch die letzte Verfilmung ist – die ich im Übrigen nur durchwachsen finde. Das was Adams in den Büchern raushaut lässt sich einfach nicht so einfach in einen Film verpacken.

Zitat: 42 (stellvertretend für ein ganzes Buch voller zitierendwerter Stellen 😉 )

So ab und an habe ich es schonmal erwähnt – ich bin ein großer Fan des Cyberpunks – egal ob in filmischer Form oder in gedruckter. Nix mit Neon oder Gartenschlauchhaarteilen – abgewetztes Leder und ne Menge richtig kaputter Typen im Endzeitszenario. Das eigentliche Nummer Eins Buch auf meiner Liste ist eigentlich „Neuromancer“ von William Gibson – der Typ der den Cyberpunk in gewissem Sinne erfunden hat.
Sprachlich pendelt das Meisterwerk zwischen rauem Umganston der Protagonisten und gnadenlosen Computer-Gebabbel. Deswegen vielleicht nicht allzu leicht zu lesen, Gibson schlägt auch gerne Haken in der Story die einen manche Passagen zwei-dreimal lesen lassen bis man den Zusammenhang hinkriegt, doch die Geschichte ist auch heute, etwa 25 Jahre nach der Veröffentlichung noch immer fesselnd, immerhin war Gibson wegweisend und beeinflußte das Genre nachaltig. Schiebt man sich heute die „Matrix“ in den DVD Player, so steckt da im Grunde viel Gibson-Einfluß drin. Der Autor wurde von vielen anderen Science-Fiction werken mal mehr und mal weniger auffällig zitiert, in „Hackers“ wird der Super-Großcomputer als „Gibson“ bezeichnet und der Autor hat auch die Drehbücher für zwei der besten Akte X Folgen überhaupt geschrieben, nachdem sich Gibson und Chris Carter zufällig im Flugzeug begegnet waren. Im kongenialen TV-Mehrteiler „Wild Palms“ taucht er in einer Gastrolle als er selbst ebenfalls auf.
Man kann getrost sagen, Neuromancer hat die Welt verändert – und mit dem Internet leben wir heute ja auch shcon irgendwie in der Matrix.
In „Neuromancer“ trifft ein junger aber schon recht abgewrackter Hacker auf einen weiblichen Strassensamurai, zusammen mit weiteren zwielichtigen Gestalten bekommen sie einen Auftrag der weit in Verwicklungen rund um künstliche Intelligenzen und noch viel mehr führt.

Zitate:Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war.

„Cyberspace“. Eine Konsens-Halluzination, tagtäglich erlebt von Milliarden zugriffsberechtigter Nutzer ind allen Ländern, von Kindern denen man mathematische Begriffe erklärt … Eine grafische Wiedergabe von Daten aus allen BAnken sämtlicher Computer im menschlichen System. Unvorstellbare Komplexität. Lichtzeilen im Nicht-Raum des Verstandes, Datencluster und -konstellationen. Wie das zurückweichende Licht einer Stadt.

Den nächsten Platz belegt „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert. Ein Science-Fiction Klassiker, geschrieben 1965, dessen Universum an Tiefe und Komplexität mit einem „Herr der Ringe“ locker mithalten kann. Faszinierend daran ist auch, daß die Technik-Verherrlichung die dem SciFi-Genre sonst so typisch ist, hier ganz anders behandelt wird: intelligente Maschinen sind verboten, die einzige Kultur die in Sachen Technik eine gewisse Neugier hegt, wird mit Unbehagen beäugt – die sitzen auf dem Planeten IX (witzigerweise gibt es ein Computermagazin das genauso heißt 😀 )- statt Computern werden Menschen mit besonderen geistigen Fähigkeiten zu Mentaten ausgebildet, Reisen im Raum geht hier nicht über Raumschiff-Antriebe, sondern Navigatoren die kein normaler Mensch zu Gesicht bekommt weil sie unter lebenslangem Drogeneinfluß entstellt sind, falten mit ihrer geistigen Kraft den Raum so daß das Raumvehikel da landet wo es hin soll. Und diese Droge die das Universum in Atem hält ist das „Spice“ – das es nur auf einem Planeten gibt – Arrakis, auch genannt der Wüstenplanet. Wer Arrakis beherrscht, beherrscht das Universum. Und das wird von einem Feudalsystem regiert in dem verschiedene Adelshäuser Ränke schmieden. Und im Hintergrund zieht der Orden der Bene Gesserit, die den Adligen als Hellseher dienen, die Fäden in der Hand um den „Kwisatz Haderach“ – den Auserwählten – hervorzubringen. Wenn nicht Jessica, die Frau des Herzogs Leto Atreides aus Liebe den Befehl, nur Mädchen zu gebähren, ignoriert hätte – was den Plan der Bene Gesserit aus den Fugen geraten lässt.

Klingt alles nach einem ordentlichen Fantasy-Einschlag, aber Herbert weiß die eigentlich wenig technischen Zusammenhänge so schlüssig darzulegen daß auch die eher esoterischen Ansätze völlig logisch und durchdacht sind. Ich möchte sogar so weit gehen zu sagen daß in der Philosphie die in den Büchern dargelegt wird viele auch in der Realität brauchbare Ansätze hergibt – man denke da an die „Litanei gegen Furcht“
Mein erster Zusammenstoß mit dem Wüstenplanet-Universum war 1995, da drückte mir unser damaliger Nachbar (der mir auch die ersten Schritte in Computerdingen beibrachte) das Video der 1986er Verfilmung von David Lynch in die Hand. Was mich nachhaltig beeindruckt hat. Kurz darauf hatte ich, als ich damals in den Sommerferien faul im Garten rumlag, den Stapel der Wüstenplanet-Bücher in die Hand gedrückt bekommen. Ich las sie am Stück durch und war am Ende so geflasht daß ich beim Freibad-Besuch das wahnsinnig viele Wasser im Becken ehrfürchtig bestaunt habe – war eine irgendwie komische Situation, zumindest für mein Umfeld *kicher*

Mein Exemplar des Wüstenplaneten ist vom häufigen Gebrauch sichtlich gekennzeichnet, obwohl ich mit meinen Büchern wirklich sehr sorgsam umgehe 😉

Zitat: Ich darf keine Angst haben. Die Angst tötet das Bewußtsein. Sie führt zu völliger Zerstörung. Ich werde ihr ins Gesicht sehen. Sie soll mich völlig durchdringen. Und wenn sie von mir gegangen ist, wird nichts zurückbleiben. Nichts außer mein Selbst.

Ein weiteres Universum das mich schon bei den ersten Zeilen in den Bann gezogen hat ist der „Dunkle Turm“ von Stephen King. Durch Zufall bin ich ebenfalls Mitte der 90er auf die Serie gestoßen. Damals habe ich systematisch unsere kleine Stadtbibliothek „durchgelesen“, als kein Sci-Fi Buch mehr übrig war das ich noch nicht kannte, wagte ich mich ins Horror-Genre vor und nach „Langoliers“ war „Schwarz“ – das erste Buch des Dunklen Turms mein zweites Werk von King – die Reihe hatte damals erst drei Bände. „Langoliers“ fand ich eher halbgar, doch die Welt des dunklen Turm, in der Roland, der hagere letzte Revolvermann dem schwarzen Mann nachjagt, ist grandios. Auch daß das Werk so schwer genremässig einzuordnen ist, finde ich genial. Da mischt sich Western (und ich mag eigentlich Western so garnicht) mit finsterer Fantasy, Science Fiction und Horror. Da formt sich vor dem geistigen Auge eine ziemlich kranke, verdrehte Welt – großartig! Auch die Folgebücher sind spannend und spinnen das was in „Schwarz“ angefangen wurde richtig gut weiter. Lediglich das letzte Buch, in dem Roland dann auch tatsächlich den Dunklen Turm erreicht und alles aufgelöst wird, wirkt mehr krampfhaft hingebogen. Aber ich mag Geschichten mit offenem Ende, wo das Hirn genug Raum hat sich seinen Teil dazu zu spinnen, vielleicht gefällt mir deswegen das Abschluß-Buch auch weniger 😉
Die Buchreihe stellt sowas wie Kings zentrales Universum dar, so nimmt er in etlichen anderen Bücher immer wieder Bezug zum Dunklen Turm. Auch sind Anspielungen auf andere Inspirationsquellen quer über die insgesamt 7 Bände verteilt.
Ich bin kein Stephen King Fan, alles andere was ich sonst von ihm gelesen habe war nett, aber nie so 100% mein Ding, abgesehen vom Dunklen Turm eben.

Zitat: „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“

Das nächste Buch ist wieder astreiner Science Fiction. Es war wohl überhaupt eines meiner ersten das ich aus dem genre je gelesen hat, Grund genug um es an dieser Stelle mit zu erwähnen – „Rendezvous mit 31/439“ von Arthur C Clarke. Von diesem Autor dürfte „2001 – Oddysee im Weltraum“ wohl das bekanntere Werk sein, vor allem nachdem dieses Buch ja von Stanley Kubrick recht episch verfilmt wurde.
Ich muss zugeben, für einen brillianten Autor halte ich Clarke nicht – ich mag Autoren die mit Sprache richtig gut umgehen können, Clarke’s Texte empfinde ich als arg einfach gestrickt und meistens veranlasst mich sowas, ein Buch dann doch eher wegzulegen.
Trotzdem lese ich das Buch immer wieder gerne – was einfach der der Story liegt.
Diese spielt im 22. Jahrhundert, ein eigenartiges Flugobjekt verirrt sich in unser Sonnensystem, eine Mannschaft von Atsronauten wird losgeschickt sich das offenbar künstlich geschaffene Objekt näher anzusehen. Sie bahnen sich ein Weg ins Innere des gigantischen Zylinders und finden dort eine fremde Welt vor die ihnen noch mehr Rätsel aufgibt die nicht aufgelöst werden können als das Objekt sich wieder aus dem Sonnensystem verabschiedet und die Astronauten sich deswegen zurückziehen müssen.

Dabei gibt es Anspielungen auf die Ausserirdischen die das Objekt gebaut haben, nie tauchen diese Lebewesen aber auf. Keine Bilder oder Aufzeichnungen finden die Astronauten die erklären könnten wozu der Zylinder erbaut wurde und was die ganzen Dinge die sie in der fremdartigen Welt vorfinden eigentlich sein sollen. Nur Spekulationen und ein dickes offenes Ende.
Auch dieses Buch sollte verfilmt werden, die Pläne wurden 2008 aber auf Eis gelegt. In diesem Fall kann ich mir aber einen richtigen Film sogar sehr gut vorstellen, so in einer ähnlichen Grundstimmung wie Contact – welcher ja auch auf einem großartigen Buch basiert.
Filmstudenten haben sich der Geschichte in einem Kurzfilm aber schon angenommen, den ich auch recht gelungen finde:

Zitat: Das rätselhafte Objekt, das die Astronomen auf den Namen Rama tauften, gab allen Rätsel auf. Es war noch weit entfernt, deutlich außerhalb der Jupiter-Umlaufbahn. Etwas, das auf eine solch große Entfernung auf dem Radar erschien, musste gigantisch groß sein. Während das Objekt durch das Sonnensystem raste, zeigte sich bald, dass es geformt war wie ein perfekter Zylinder.
Offenbar stand die Menschheit im Begriff, ihren ersten Besucher von den Sternen zu empfangen …

Ob das eine repräsentative Top 5 für mich darstellt – schwer zu sagen. Zu viel liegt noch im Regal das ich an der Stelle genauso hätte auflisten können, deswegen gibt es noch eine kleine Liste mit Empfehlungen aus meinem Bücherregal – auch nicht-Science Fiction ist hier dabei 😉 :

Ray Bradbury – Das Böse kommt auf leisen Sohlen
Isaac Asimov – Die Foundation-Trilogie
Phillip K. Dick – Die VALIS – Trilogie
Robert A. Wilson – Illumninatus!
Anthony Burgess – Uhrwerk Orange
Dashiell Hammett – Der Malteser Falke
Raymond Chandler – Der lange Abschied