Weils halt cool ausschaut … oder so.

Zugegeben, ziemlich fassungslos hatte ich für ein paar Sekunden wohl aus der Wäsche geschaut, als mich vor mehreren Wochen jemand fragte, ob ich das Shirt das ich an dem Tag anhatte, nur deshalb trug weil ich „den Style cool finde“ oder tatsächlich die zugehörige Band mochte.
Für mich war die Frage absurd – wie konnte man „sowas“ einen Menschen fragen, der zum angesprochenen Shirt Pikes, Pluderhosen und einen Samtblazer mit einer Sammlung von Buttons, die fast alle Motive von Musikgruppen aus der gleichen Ära zeigen, trug – in monochromem schwarz versteht sich.
Nachdem ich den Schock darüber überwunden hatte, war ich mehr angenehm erstaunt daß der gute Mann das Motiv identifizieren konnte – denn ausser der charakteristischen Graphik des „Unkown Pleasures“ Album von Joy Division befindet sich auf dem Teil kein Bandname oder sonstiger Text.

Das Eine oder Andere Mal noch schüttelte ich innerlich den Kopf über die Annahme, es gäbe tatsächlich Leute die sich sowas nur aus Modegründen an den Hintern hängen – und dann vergaß ich den Vorfall auch schon wieder.

Bis gestern.

Da blätterte eine meiner 20-jährigen Studienkolleginnen an der Modeschule in einem Mode-Magazin. Eher zufällig fiel mein Blick auf das Blatt – für Mode-Zeitschriften interessiere ich mich eher weniger. Klingt paradox in meinem Fall – zugegeben – aber mich hat die Frage nach dem was aktuell „trend“ ist in meinem ganzen Leben noch nie interessiert, und die Momente in denen man an der Schule dazu gezwungen ist, sich mal damit zu befassen waren mit der Prämisse „Ich muss den Scheiß den ich da entwerfe ja nicht anziehen“ dann meistens halbwegs erträglich. Manchmal sogar amüsant, zugegeben – meistens dann wenn man explizit vom Standard-Stil großer 08/15 Modeketten abweichen durfte um fröhlich vor sich hin zu spinnen – hauptsache die Trend-Farben stimmten …

Aber zurück zum Mode-Heftchen – beinahe hätte ich mich an meinem Tee verschluckt (schwarzer natürlich, ohne Zusätze *g*) als mein Blick auf ein Shirt mit besagtem Motiv fiel – die Graphen des Unknown Pleasures – Albumcovers, zusätzlich dazu darüber groß „JOY DIVISION“ gedruckt, und darunter der Albumtitel. Chic kombiniert dargestellt mit giftgrünem Beinkleid und einer dieser unsäglichen Weibchen-Handtaschen die eng in der Achselhöhle anliegen.
Gut, wer die Band geil findet und stilmässig einfach nicht die Reinkarnation des Ur-Gruftis ist – ist auch nichts dagegen einzuwenden, aber die Präsentation schien nicht groß darauf hinaus zu laufen, sich an tatsächliche Musikliebhaber zu richten, sondern mehr an das hippe Girl von Nebenan.

Ich bat um einen Blick auf das Magazin – aus Interesse an der Beschreibung, Preis und Hersteller. Ersteres verlor auch weiter kein Wort zu der Band, der Preis – stolze 42 Geld. Ich äusserte mich dahingehend, daß ich es recht daneben finde, sich im speziellen ein Bandshirt an den Hintern zu hängen, nur weil man das Motiv grad irgendwie „trendy“ findet – noch dazu da es sich hier um keine leicht verdauliche Partymucke handelt, sondern etwas was zumindest ein Mindestmaß an Beschäftigung damit erfordert.

Ein weiterer Blick auf den Artikel vonseiten meiner Kollegin – naja, das Motiv sei graphisch ja schon interessant – so gesehen mag das auch zutreffend sein, würde es sich hier um „nur“ Design handeln, aber das Motiv wurde durchaus mit Bedacht gewählt. Ich werfe aber mal ganz verallgemeinernd in den Raum, daß das trendy Girl von Nebenan nur sehr selten nachforschen wird, was es mit dem chicen Motiv auf ihrem Shirt so auf sich hat.

Der Trend mit Bandshirts von der Mode-Kette von Nebenan ist natürlich nichts Neues, vor 10 Jahren schon hingen in Pimkie und Orsay Oberteile mit Motiven durchaus bekannter Metal-Scheiben im Laden. Und auf den Strassen fand man Jungvolk, das oftmals sogar sehr erstaunt darüber war daß das „lustige Motiv“ da auf dem Oberteil ein Plattencover war – oh Schreck, sogar aus einer Musiksparte die man eigentlich garnicht mochte!
Damals fand ich das schon reichlich blöde, aber das Unknown Pleasures-Shirt im Sortiment einer Modekette zu finden, war ein leichter Schock – vielleicht gerade aus dem Grund weil man mit Motiv und zugehöriger Musik persönlich mehr verbindet als mit den Metal-Motiven die vor einer guten Dekade „in Mode“ kamen.

Der Hersteller des Shirts ist Urban Outfitters – hier neben einigen anderen Band-Motiven zu finden.
Die Firma richtet sich nach eigenen Angaben an Leute zwischen 18 und 30 , hauptsächlich den Typus des sogenannten „Hipsters“ ansprechend – zu dem Thema hat Robert auf seinem Blog – Spontis – schon ein paar treffende Zeilen verfasst.

Treibt die trendgerechte Vermarktung eines solchen Motives die Szene weiter in den wohlheraufbeschwörten Untergang? Ein Streit-Thema das keineswegs neu ist. Und ich denke das kann man aus verschiedener Sicht sehen – zum Einen gibts da den Schockmoment, eben sowas im Trend-Laden wiederzufinden, zum Anderen – es gibt auch genügend (Jung-)Schwarze die mit dem Motiv wohl wenig anzufangen wüssten und sich sehr subkulturell fühlen weil die Klamotten von einschlägigen „Szene“-Läden stammen – was ich weitaus kritischer sehe. Innerhalb der Szene werden genauso „Trends“ aufschnappen und vermarkten wie es die ganz normale Modeindustrie eben auch macht. Unter dem Strich kein großer Unterschied also – ob bunt oder schwarz, wenn nur „Mode“ zählt kann man beides getrost in einen Topf werfen. Da ist die „Szene“ auch ganz eindeutig im Mainstream angekommen – wie kürzlich Sat.1 in einer Reportage über das M’Era Luna fachkundig proklamierte – über die Qualität dieses Berichtes möchte ich mich an dieser Stelle aber nicht groß auslassen, das M’Era habe ich noch nie besucht da es mich auch noch nie groß interessiert hatte, daher fehlt mir die Grundlage zu bewerten ob das Dargestellte der Wahrheit entspricht oder wieder einmal überzogener Sensationsjournalismus ist – die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen, denke ich, so oder so weckt es auch weniger das Interesse, der Geschichte tatsächlich einmal einen Besuch abzustatten – wobei ich auf der anderen Seite gestehen muss, daß ich die Möglichkeit hatte bei der angesprochenen Modenschau als Designer dabei zu sein. Widersprüchlich, zugegeben, aber ich sehe es mehr als das Gegenteil von Mainstream an, wenn Designer aus der Szene für eben diese arbeiten und liebevoll gestaltete Einzelstücke und Kleinserien anbieten, anstelle von Massenware die genauso industriell produziert wird wie die der großen und langweiligen Mode-Ketten – finde ich zumindest … aber das Thema wäre einen eigenen Artikel wert und deswegen lasse ich es an dieser Stelle auch dabei bleiben.

So oder so – ich interesiere mich für Trends und das was modemässig angesagt ist, immer noch nicht. Nur manche „Trends“ bekommt man eben mehr zu Gesicht als andere.

Wenn ich dann doch mal im Zuge einer Arbeit für die Aubildung in den „Trend-Büchern“ blättere, fällt stark auf wie 80er-lastig auch die „normale“ Mode ist. Mit beinahe allen Merkmalen die man in den beiden Dekaden danach so völlig scheußlich fand – Leggins, Neonfarben, wüste Drucke, Oversize-Hemden, verspielte Pastells die einen an romantische Teenie-Komödien aus den USA dieser Periode erinnern und einen innerlich erschauern lassen. Lediglich bei den Schulterpolstern scheint man dann doch die stilistische Schmerzgrenze nicht überschreiten zu wollen – aber wer weiß was noch kommt.

Immerhin kann man der Mode der „bunten“ Welt eine gute Seite abgewinnen – man könnte beispielsweise auch wieder mal ganz retromässig stilistischen Widerstand gegen diese knüllebunte Spaßgesellschaft leisten – am Besten mit einer guten Joy Division Scheibe im Ohr und der Gewissheit daß im eigenen Bandshirt, das mit Schereneinsatz und einigen – womöglich – krummen Nähten in Eigeninitiative in Wunschform gebracht wurde, mehr Aussage steckt als im fertig produzierten Shirt vom Trend-Hersteller welches tatsächlich nur wegen des „coolen Styles“ des Aufdruckes, gekauft wurde.

In diesem Sinne wandere ich jetzt auch wieder an meine eigene Nähmaschine …

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Unknown Pleasures – Peter Hook in Nürnberg

Ob man an „Zufälle“ glauben mag oder nicht sei jedem selbst überlassen, Tatsache aber ist daß manche Ereignisse sich so glücklich ergeben daß man in wortwörtlich „ungläubiges“ Staunen verfällt.

So geschehen Anfang Februar. Von der Modeschule aus hatten wir die Gelegenheit, am 9. Februar in Fürth an einem Symposium für textile Innovationen teilzunehmen. Frau verhinderter Ingenieur war natürlich gleich begeistert und meldete sich an 😉
Kurz darauf stolperte ich über die Ankündigung daß in Nürnberg am Abend davor Peter Hook – ehemaliger Bassist bei Joy Division – in Nürnberg spielen würde. Im Gepäck: ausschließlich alte Songs der Postpunk-Legenden.
Ich habe zigmal das Datum nachsehen müssen um zu glauben daß beide Veranstaltungen so praktisch beieinander liegen, und ohne fahrbaren Untersatz war die Anreise per Zug am Abend zuvor sowieso notwendig.
Ein guter Freund, Chris, lies sich auch schnell begeistern und ich hatte damit auch einen Schlafplatz in Nürnberg sicher 😉

In Nürnberg am Bahnhof endlich angekommen, gegen kurz nach 18:15 Uhr trennten sich die Wege der Mädels die ebenfalls das Symposium besuchen wollten und mir – kurze Suchpause im Gewirr des nürnberger Bahnhofes, dann fanden Chris und ich uns. Im Vorbeigehen noch eine belegte Semmel ergattert und im Auto damit etwas gegen den knurrenden Magen getan der seit 10:00 Uhr nichts festes mehr gesehen hatte.
Wir sammelten Andy Ghoul – einen weiteren Bekannten – auf und machten uns dann auf den Weg zum Hirsch – den Veranstaltungsort. Ich war heilfroh daß wir früher aus Naila abhauen konnten, eine Stunde später anzukommen hätte uns in arge Zeitprobleme versetzt, so war es zeitlich eine Punktlandung.

Vor dem Hirsch dann noch kurz die Schuhe gewechselt – statt der bestöckelten, warmen Winterstiefel rein in die Pikes die von den satten Minusgraden inzwischen gut durchgekühlt waren – teils geschuldet gruftiger Eitelkeit, teils auch der Tatsache daß meine Füße schon Einwände gegen die Stiefel hervorzubringen wussten.

Das Hirsch ist in Nürnberg eine bekannte Örtlichkeit für Konzerte aller Art, aber auch für Parties. Ich war bisher noch nie dort, auch wenn ein-zwei Konzerte vorher schon mein Interesse geweckt hatten, es hat sich dann doch nie ergeben.
Ich hatte den Saal weit größer eingeschätzt und hatte mich schon darauf eingestellt irgendwo am Rand oder weiter hinten eingeklemmt zu werden – zum Glück erwies sich der Saal als überschaubar und die Besucherzahl war auch für meine Abneigung gegen Ölsardinenfeeling akzeptabel.

Die Besucherzahl war noch recht gering als wir kurz vor 19:30 eintrafen. Eine halbe Stunde später sollte das Konzert dann stattfinden. Erwartungsgemäß war der Altersdurchschnitt eher etwas höher, im Vorraum legten die Jungs von der „We Want Revenge“ allerlei göttliche alte Wave-Schinken auf.

Peter Hook verzögerte ein wenig. Da noch immer nicht übertrieben viel los war – was mich verwunderte – war es ein Leichtes sich bis zum Bühnenrand vorzuwagen. Ich hatte wie gesagt ja schon damit abgeschloßen irgendwo abseits in Fluchtfreundlicher Position einen Platz ergattern zu können, aber nachdem sich die restlichen Anwesenden erstmal weiter hinten lose verteilten, hatte man vorne auch halbwegs Luft.
Andy machte mir dann seinen Platz am Zaun direkt vor der Bühne frei weil der Junge als großer, starker Totrocker 😉 eindeutig ein paar Köpfe länger ist als ich – vielen Dank nochmals dafür ❤

Dann wurde es irgendwie surreal – die Band spielte noch nicht, aber die Instrumente waren schon aufgebaut, alles in farbiges Licht getaucht. Dahinter, eine große Flagge mit dem Logo des "Unknown Pleasures" – Album – die charakteristischen Graphen welche ich hier mal näher auseinander genommen und erklärt habe (aber Robert ist schuld 😛 )

Auf einem großen, altmodischen Röhrenmonitor links der Bühne liefen alte Konzertmitschnitte von Joy Division, die Tonspur kam über die Lautsprecher gedämpft in den Zuschauerraum. Um einen herum, Schwarzgewandete. Buttons an Reverskrägen, Bandshirts. Das Gefühl gerade in eine Zeitreisemaschine geraten zu sein die einen anno 1980 wieder ausgespuckt haben muss.

Natürlich machte der Anfang des Konzertes dieses Gefühl wieder etwas zunichte, denn aus bekannten Gründen betrat natürlich nicht Ian Curtis die Bühne sondern Peter Hook, im hellgrauen T-Shirt mit dem „Closer“-Motiv über einem leichten Bauchansatz. 1980 ist eben doch schon ein Weilchen her …
Aber er legte sich durchaus ins Zeug – die Bässe kitzelten angenehm in der Magengegend, auch ohne die Originalbesetzung war es ein grandioses Gefühl diese alten Songs live erleben zu dürfen. Neben den Stücken des „Unknown Pleasures“-Albums, welche in Reihenfolge gespielt wurden, kamen die restlichen Klassiker ebenso zu Gehör.
Ein Zwischenrufer, der lautstark seinen Wunsch nach „Blue Monday“ äusserte, erntete von Hook einen kommentarlosen Stinkefinger – was das Publikum zum Lachen brachte 😀

Nach „I remember nothing“ verließ die Band erstmal die Bühne. Das letzte Stück des „Unknown Pleasures“-Albums wurde live sehr beeindruckend interpretiert, statt der industriell anmutenden Samples der Albumversion verdösknaddelten Peter Hook und sein Bassist ihre E-Klampfen auf eine Weise die den Instrumenten Töne entlockten, die fast körperlich weh taten – ziemlich genial!

Begeisterungsrufe entlockten aber hauptsächlich die bekannten Songs – „Shadowplay“, „She’s lost control“, „Transmission“ – und als allerletztes Stück natürlich „Love will tear us apart“

Zu den letzten Akkorden schälte sich Peter Hook aus dem inzwischen schon gut durchgeschwitzen Shirt und warf es in die Menge. Ärgerlicherweise landete es etliche Meter hinter mir 😉 – als wir mit den restlichen Besuchern den Weg gen Ausgang antraten, stand die glückliche Fängerin nebst ihrem Mann noch immer wie angewurzelt an ihrem Platz.
Chris beäugte das Shirt das sie zusammengeknüllt festhielt – „guck mal, der hat auch schon ganz neidisch drauf geschaut!“ meinte sie daraufhin zu ihrem Begleiter.

Ich muss gestehen, kein Konzert das ich bisher gesehen habe war gefühlt so schnell vorbei. Und das Phänomen spricht natürlich eindeutig für die Show. Es war toll – auch wenn es natürlich in dem Sinne kein echtes Joy Division Konzert war – mit Peter Hook als das einzige ursprüngliche Mitglied der Band.
Die Tour mit diesem Programm jedoch soll nicht nur an Ian Curtis erinnern, die Band spendet auch einen Teil der Einnahmen an Einrichtungen für die Behandlung psychisch kranker Menschen in England.

In der Vorhalle drangen nun wieder Depeche Mode und The Cure in gedämpfter Lautstärke aus den Lautsprechern. Ich holte mir noch ein Glas Wein zum Abschluß des Abends. Eindrücke Revue passieren lassen, ein wenig quatschen, innerlich noch ein paarmal den Kopf schütteln daß der Zufall es möglich gemacht hat daß ich das Konzert tatsächlich sehen konnte.

Dann ein zeitiges Ende des Abends – immerhin fand das Konzert mitten unter der Woche statt, aber es hat sich absolut gelohnt.

Am nächsten morgen stand ich dann mit Nadelstreifengehrock und hochgesteckter Mähne in der fürther Stadthalle – ein kleiner Kulturschock für die Mädels die mich am Abend zuvor noch ganz anders zurückgelassen haben 😉

Dank für die Konzertimpressionen geht an Andy – ich habe leider meine Kamera wieder mal vergessen.

Leuchttürme im Weltall

Joy Division ist waschechten Grufties natürlich 😉 ein Begriff, ebenso bekannt sein dürfte dem geneigten Grufti das Cover des Albums „Unknown Pleasures“ von eben genannter Band, das den Graphen des Signals von CP 1919 zeigt – eines sogenanten Pulsars.
Doch daß das Motiv diese Bedeutung hat war mir zugegebenermaßen bislang nicht bewusst – umso mehr bin ich jetzt von der Wahl angetan 😉
Wer jetzt besagte Graphik sehen will, den verweise ich einfach auf entsprechenden Artikel im – übrigens stets lesenswerten – Blog vom Herrn Spontis: dazu bitte hier lang

In den Kommentaren hängt ja schon die Frage im Raum, was ein Pulsar den nun sei – und auch mein Angebot das Ganze in einem kleinen *räusper* Artikel mal ein wenig zu erläutern. Und das versuche ich nun in den folgenden Zeilen …

Na dann fangen wir mal an *brille zurecht rück*

Wie unsere Sonne auch sind die Sterne die wir nachts am Himmel sehen können ebenfalls Sonnen. Doch nicht alle haben die gleichen Eigenschaften wie unsere Sonne, besonders bei sehr hellen Sternen kann man mit etwas Übung erkennen, daß nicht alle weiß leuchten, manche strahlen mehr rötliches Licht ab, manche sind eher bläulich.

Diese unterschiedlichen Farben kommen von unterschiedlichen Oberflächentemperaturen, ebenso wie bei Feuer ist eine mehr rötliche Flamme kühler als eine blau leuchtende, und mit den Sternen ist es ganz ähnlich. Astronomen charakterisieren Sterne in sogenannten Spektralklassen, anhand des Aussehens ihres Lichtspektrums – aus dem man noch mehr Informationen nehmen kann als nur die Oberflächentemperatur.
Diese Spektralklassen werden mit Buchstaben abgekürzt, sodaß man gleich weiß daß ein Stern der Klasse O bläulich leuchtet, eine ungefähre Masse von 60 Sonnenmassen hat, und an der Oberfläche zwischen 30000 und 50000 Kelvin heiß ist.
Zugegeben, das wusste ich nicht mehr wirklich auswendig, aber gleich mehr dazu.

Ein weiteres Merkmal von Sternen ist die Leuchtkraft. 1905-1913 stellten Hertzsprung und Russel ein Diagramm auf in dem die Spektralklassen (auf der x-Achse) gegen die Leuchtkraft (y-Achse, logischerweise) aufgetragen wurde.
Und so schaut das Ganze dann aus: Hertzsprung-Russel Diagramm auf astronomie.de

Was auffällt ist die recht durchgängige Kurve die sich von links oben, bei den sogenannten „Blauen Riesen“ bis rechts unten zu den „Roten Zwergen“ durchschlängelt. Das ist die sogenannte Hauptreihe – auch unsere Sonne ist eingezeichnet, die als Spektralklasse G-Stern offengesagt gewöhnlicher nicht sein könnte 😀
Im Laufe ihres Lebens halten sich Sterne die meiste Zeit auf eben dieser Hauptreihe auf.
Mit „Leben“ ist hier der Zeitraum gemeint in dem Sterne ihre Energie aus dem Brennen von Wasserstoff beziehen.

Für Pulsare ist diese Hauptreihe irrelevant – und damit kommen wir der Frage, was ein Pulsar ist tatsächlich auch schon näher – nämlich ein Überrest eines Sternes, oder auch eine Stern-Leiche – irgendwie schon wieder gruftig, oder? *g*

Ein Stern stirbt, wenn er einen gewissen Anteil seines Wasserstoffes verbraucht hat, danach wird im Sterneninneren dazu übergegangen, schwerere Atome aus den vorhandenen zu fusionieren.
Im Allgemeinen sind massereiche und heiße Sterne kurzlebiger, und ihr Ableben bei weitem spektakulärer als bei leichteren, kälteren Sternen.
Das liegt daran daß kältere Sterne ihren Brennstoff quasi langsamer verbrauchen als ungleich heißere Sterne, aber das nur am Rande erwähnt.

Also kehren wir zurück zum Ableben von Sternen um zu beleuchten, wie so ein Pulsar entsteht.
Sterne sterben auf unterschiedliche Weise, welche im wesentlichen von ihrer Masse abhängt.
Unsere Sonne wird beispielsweise recht langweilig als weißer Zwerg enden.

Spektakulärer wird es bei massereicheren Sternen. Wie schon erwähnt, fusioniert ein sterbender Stern immer schwerere Elemente in seinem Inneren, bis er bei Nickel und Eisen angekommen ist. Dann würde eine weitere Fusionierung zu noch schwereren Elementen Energiezufuhr benötigen, und nicht mehr Energie freisetzen wie beim Wasserstoff-Brennen. Der Strahlungsdruck der in „lebenden“ Sternen das Gleichgewicht zur Gravitation hält, welche bestrebt ist den Stern zusammenzupressen, setzt aus, und die Hülle des Sterns knallt quasi auf den Kern – und das mit ca Lichtgeschwindigkeit – eine Supernova entsteht.

Dadurch werden in den Atomkernen der Sternenmaterie die Elektronen und Protonen ineinandergepresst, wodurch Neutronen entstehen. Der Sternen-Überrest schrumpft auf ca 20-30 Kilometer Durchmesser – einem Bruchteil seines vorherigen. Dabei steigt die Rotationsgeschwindigkeit ebenfalls enorm an – ähnlich wie ein sich drehender Tänzer schneller wird wenn er die Arme von einer ausgestreckten Position an den Körper heranzieht.
Ein Kubikzentimeter Neutronenstern-Materie würde auf der Erde mehrere Millionen Tonnen wiegen – so enorm ist die Dichte dieses Materials!

Was haben Neutronensterne denn nun mit Pulsaren gemeinsam?

Durch die immens hohe Rotationsgeschwindigkeit von 0,01s bis 8s pro ganzer Umdrehung erzeugen Neutronensterne auch extrem starke Magnetfelder – das Prinzip gleicht dem eines Dynamos.
In diesem Feld werden Elektronen beschleunigt und entlang der magnetischen Polachse abgestrahlt, auch Radiostrahlung entsteht dabei.

Jetzt kann es vorkommen daß diese Abstrahlungsache nicht mit der Rotationsachse zusammenfällt, es entsteht der sogenannte Leuchtturm-Effekt bei dem alles was in „Sichtlinie“ der Strahlungsachse liegt, einen Neutronenstern als pulsierende Signalquelle wahrnehmen kann – wobei „sehen“ kann man Neutronensterne nicht da sie kaum mehr sichtbare elektromagnetische Strahlung a.k.a „Licht“ aussenden.
Die Entdeckung von Pulsaren hängt daher mit der in den 60ern noch jungen Radioastronomie zusammen.
So wurde der erste Pulsar von Jocelyn Bell und Anthony Hewish im Jahre 1967 durch Zufall gefunden. Da die Signale in absolut präzisen Zeitabständen auftraten, nahmen die Wissenschaftler zunächst an, es handele sich um Signale ausserirdischer Wesen – und nannten das Ganze LGM-1 : für Little Green Men.
Später benannte man den Pulsar mit der Bezeichnung CP 1919 – was uns wieder zum Anfang führt.
CP 1919 – das steht einmal für Cambridge Pulsar mit Rektaszension 19h19min – eine Positionsangabe am Himmel.
Heute wird er mit dem nicht weniger kryptischen Kürzel: PSR B1919+21 bezeichnet. Dabei steht die letzte Zahl für die Deklination – ebenfalls eine Positionsangabe. Auf der Erde wären Länge und Breite analog zu Rektaszension und Deklination, das noch am Rande dazu gesagt.

Vielleicht erscheint es zunächst etwas seltsam daß ich gerade vor diesem Hintergrund die Wahl der Graphik von CP 1919 als Albumcover sehr interessant finde, gerade auch im Bezug auf Joy Division.
So ist ein Pulsar zwar ein toter Stern, in dem jedoch extreme Zustände herrschen die teilweise auch heute nicht vollständig erklärt werden können. Und trotzdem sendet diese Sternenleiche noch Signale aus, die zwar nicht so auffällig sind wie sichtbares Licht, aber vorhanden und eben Resultat dieser extremen physikalischen Bedingungen.
Und genauso wie die Entdeckung von CP 1919 ein Meilenstein der Radioastronomie war, so war Joy Division ein musikalischer Meilenstein der den Nerv einer sich neu formenden Jugendszene traf.

Soviel von meiner Seite – ich hoffe ich habe keinen Leser durch wissenschaftlichen Kram allzu sehr verschreckt 😉