Gothic Friday 2016 – Warum bist Du immer noch in der Szene?

Es war einmal ein Blog-Projekt welches da hies „Gothic Friday“, und zu dem die Schwarzgewandeten aller Länder zusammengekommen waren, um ihren Teil des Ganzen beizutragen … und wenn sie nicht gestorben sind, dann finden sie sich auch nun wieder zusammen …

Oder so ähnlich.

Der „Gothic Friday“ ist natürlich kein Märchen, es gab ihn anno 2011 schonmal, und gestorben ist, wider der Annahmen manch „bunter“ Menschen, die sich für besonders witzig halten, wenn sie uns, ob der finsteren Kleidungs-Farbwahl auf ein derartiges Ereignis anzusprechen meinen müssen, dann eigentlich auch nicht.

Fünf Jahre sind eine lange Zeit, trotzdem scheint es manchmal, als wäre es neulich erst gewesen. Es schien vielen so ergangen zu sein, denn die Stimmen wurden lauter, die ganze Aktion einfach doch nochmal neu aufzulegen.

Damals riefen dieses ziemlich interessante Projekt Robert von Spontis und Shan Dark vom schwarzen Planeten ins Leben. Einmal pro Monat wurde an einem Freitag ein Thema gestellt, zu dem sich Gruft-Blogger und Sympathisanten in Textform äussern konnten. Dabei wurde eine Vielzahl von Anektoden, Erlebnissen, Meinungen und Ansichten zusammengetragen, die auch heute noch spannend zu lesen sind.

Die zweite Runde wurde am 5. Februar – natürlich ein Freitag – neu eingeleitet, es wird hierbei keine Wiederholung sein, sondern mehr eine Fortführung, da neue Themen ausgewählt wurden, einsteigen kann aber dennoch jeder der Spaß daran hat, man muss also nicht schon bei der ersten Runde dabei gewesen sein.

Selbstredend wird der Nähkästchen-Blog auch diesmal mit von der Partie sein, jedoch nicht nur als Teilnehmer – dem Fahndungsausfruf nach Mit-Tätern bin ich auch gefolgt  – verraten wird natürlich noch nichts, außer höchstens daß wir viele sehr interessante Themen zusammengetragen haben.

Das Einstiegsthema ist für alle neu dazugekommenen – als einzige Ausnahme – dann doch eine Wiederholung, nämlich die Frage danach, wie man eigentlich in die Szene gekommen ist. Damit die Teilnehmer der ersten Runde sich dabei aber nicht langweilen müssen, gibt es die Alternativ-Aufgabe – „Warum bist Du noch immer in der Szene?“ – und genau dieser Frage möchte ich mich im Folgenden nun widmen.

Auch Schwarzvolk altert, längst ist die Subkultur über den Status der reinen Jugendkultur hinausgewachsen und nicht alle die schon seit den Anfängen in den frühen 80ern dabei waren, haben sich mit fortschreitendem Alter von der vermeintlichen „Jugendsünde“ abgewandt. Es folgten neue Generationen die von den vorherigen mit gerümpfter Nase beäugt wurden, und die letztenendes selbst irgendwann über das Teenie-Alter hinaus kamen – und ebenfalls überzeugt schwarz blieben.

Man sieht die altersmässige Durchmischung ganz gut an jedem schwarzen Club-Abend und an jedem Festival.

WGT 2014 man trifft sich sogar schon selbst ;)

WGT 2014 man trifft sich sogar schon selbst 😉

Ich selbst zähle mich zur zweiten Generation – die der frühen 90er. Auch wenn mein aktiver Szene-Einstieg erst um 2000 herum seinen Lauf nahm, so waren meine ersten Begegnungen mit dem „schwarz“ in den Anfängen der 90er. In Nürnberg und Bayreuth, da liefen „sie“ in den Innenstädten herum, und irgendwann überwand die Faszination das mulmige Gefühl, und ich fand mich im nürnberger „Underground“ wieder. Gekauft habe ich da nie etwas, aber es führte dazu daß ich Frau Mutter, ihrezeichens selbst vom Fach des textilverarbeitenden Handwerkes, mit Pannesamt und Tüllspitze vor der damals noch etwas irritierten Nase herumwedelte (ich habe zu der Zeit noch nicht selbst genäht – nur wenn die Bude sturmfrei war und niemand sehen konnte daß ich mich an der Nähmaschine zu schaffen mache). Auch wenn die komplette Einschwärzung noch ein wenig auf sich warten lies, der „schwarze Faden“ zeigte sich schon seit meiner Kindheit immer wieder mal, daher war das Endergebnis nicht so verwunderlich, lediglich das Aufwachsen in einer beknackten Kleinstadt, in Zeiten vor dem Internet und nicht vorhandenen Transportmöglichkeiten, zögerten einige Dinge dann unweigerlich etwas hinaus.

Doch das ist jetzt auch schon ein Weilchen her.

In den letzten zwei bis drei Jahren habe ich mich etwas rar gemacht, was aber an vielen verschiedenen Dingen lag, der hinderlichste ist wohl der, daß ich – nicht wirklich freiwillig, wie ich dazu sagen muss – nun wieder in der Kleinstadt festsitze, die ich nach meinem Abitur nur zu gern verlassen hatte. Von hier aus irgendwohin schwarz weggehen ist ein halber Staatsakt – die Story vom letzten Göttertanzbesuch von hier aus wäre beispielsweise ein Roman für sich … trotzdem, manchmal hat man auch allgemein weniger das Bedürfnis nach Weggehen, oder es halten einen stressige Saisonjobs am Theater vom Besuch des Lieblingsfestivals ab – deswegen kehrt man dem schwarz ja nun nicht den Rücken, denn in den eigene vier Wänden läuft immernoch die gleiche Musik und der Kleiderschrankinhalt hat nichts vom heimeligen schwarz eingebüßt, auch wenn die Pikes einen leichten Staubfilm angesetzt haben – denn in der hauseigenen Keller-Werkstatt macht man sich logischerweise eher selten die Mühe, zu Kajal und Toupierkamm zu greifen.

Halbwegs aktuell - April 2015

Halbwegs aktuell – April 2015

Was mich immer in der Szene gehalten hat, war – natürlich neben der Musik, die Leute. Selbst wenn es immer wieder bunte Ausnahmen gab und sicher weiterhin geben wird, welche die sprichwörtliche Regel bestätigen, so ist die Wahrscheinlichkeit, in der Szene auf Leute zu treffen, bei denen die Wellenlänge im Weitesten die Gleiche ist, einfach doch um einiges höher. Bei meinem ersten, richtigen Schwarzclub-Besuch gab es dieses überwältigende Gefühl des „Daheim-angekommen-seins“, und dieses Zuhause wurde im Laufe der Jahre dann auch mit immer mehr Leuten angefüllt, die man sehr wohl als die eigene schwarze Familie bezeichnen kann und mit denen man nicht selten sehr tiefe und tolle Freundschaften entwickelt hat.

Man sollte natürlich nicht drüber hinwegsehen daß es auch in der Szene Idioten und Arschlöcher gibt und daß sicher nicht alle neueren Entwicklungen zum Guten hin sind, doch als generelle Wohlfühlumgebung sind mir schwarze Veranstaltungen einfach um Längen lieber, schonmal deswegen weil die ganze Grundstimmung eine völlig andere ist. Aus der dennoch auch vorhandenen Erfahrung mit handelsüblichen Diskos heraus resümiert, kann ich aber sagen daß mich allein schonmal die Musik dort tierisch nervt, und dann die kreischend-laute Habgefälligstspaß-Partystimmung – nein Danke. Dazu kommt noch allgegenwärtiges, penetrantes Balzverhalten unter Einfluß übermässigen Alkohol-Konsums, was auch gern mal in aggressiven Auswüchsen endet. Und ja, solche Episoden habe ich schon vor beinahe 15 Jahren tatsächlich live miterlebt – von schwarzen Parties kenne ich sowas in der Regel garnicht, auch Balzverhalten ist meistens subtiler und respektvoller und keinesfalls der scheinbar einzige Grund, sich in ein nächtliches Getümmel mit irgendwie tanzbar gearteter Musik zu stürzen. Es ist also nur eine logische Konsequenz, etwas zu meiden das einem nicht nur keinen Spaß macht, sondern stellenweise auch regelrecht auf den Zeiger geht. Wenns um das Thema „Party“ geht, habe ich bei normalen Leuten nicht selten schnell den Ruf weg, zu reserviert und spaßbremsig-distanziert zu sein – naja, dann ist das halt so – es macht aber doch schließlich keinen Sinn, sich durch was durchzuquälen was man im Grunde nicht ausstehen kann.

People_1714Mir sagt auch durchaus die sehr androgyne Grund-Ästhetik der Szene im Allgemeinen, ziemlich zu. Früher noch war mir das nicht so bewusst daß ich es auch formulieren hätte können, heute ist man dem eigenen Wesenskern wieder ein stückweit näher gekommen, und versteht, nach einiger Selbstreflexion auch eher, wieso die Szene ein stückweit auch zu einem sicheren Ort geworden ist. Hier ist das Überschreiten von binären Geschlechtergrenzen nicht nur eine Mode-Erscheinung, sondern für viele auch ein wichtiges Ausdrucksmittel ihrer selbst. Und da lässt man einander auch sein, wie und wer man ist. Tatsächlich ist der Großteil meiner Freunde und Bekannten irgendwo in der queeren Buchstabensuppe verortet, alle auf ihre eigene Art – und allein schon der Austausch persönlicher Geschichten und Ansichten ist ziemlich spannend, im Alltag gestaltet sich sowas weit schwieriger, bin ich ja selbst nicht grade ein Mensch der sich mit seinen biologisch vorgegebenen Voraussetzungen so richtig identifzieren kann, ich würde auch soweit gehen daß die Szenezugehörigkeit erstmal den nötigen Freiraum für Selbsterkenntnis überhaupt gegeben hat, und an einem gewissen Punkt auch den Mut, mehr und mehr davon an die eigene Oberfläche durchsickern zu lassen – was eine immens befreiende Angelegenheit ist, wenn man eine weitere unnötige Fassade (auch wenn die einem lange genug selbst nicht wirklich so bewusst war) endlich beiseite schieben kann. Diesen speziellen Freiraum sucht man im normalen Umfeld auch oft vergebens, oder man beißt auf verschiedenst geartetes Gestein …

 

Wie schon angedeutet – Kritik kann man auch an der Szene genügend loswerden, und nicht alles was „schwarz“ ist, ist deswegen auch jedergrufts Freund, in diesem Umfeld. Letztenendes treiben sich überall nur Menschen herum, ob man sich weiterhin da zuhause fühlt, oder weiterziehen möchte, ist die Entscheidung eines jeden selbst, angebrachte – oder auch manchmal weniger passende – Kritik hin oder her, das Feld zu räumen würde mir nie in den Sinn kommen, auch nicht dann wenn ich mich mal rar mache – schwarz bleibt nämlich schwarz!

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Tiefenentspannt in Leipzig – eine WGT-Nachlese

So langsam schlägt er auch bei mir ein, der fiese post-WGT-Blues. Jetzt wo man realisiert daß die 4-5 Tage schon wieder vorbei sind, bevor man irgendwie im WGT-Gefühl voll eingetaucht ist. Ja, es war rasend schnell vorbei, viel zu schnell für meinen Geschmack, und jetzt sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und kann es eigentlich kaum glauben daß man wieder ein Jahr warten muss.

Anders war das WGT in verschiedenster Hinsicht, aber auf jeden Fall ein gutes „anders“. Dinge gelegentlich einfach mal anders anzugehen, kann erfrischend sein und neue Blickwinkel geben. Was jedoch nicht anders war, war, entgegen meiner vorlauten Bekundungen im Vorfeld, meine Konzert-Frequenz. Zwei Stück an der Zahl in diesem Jahr, eine Steigerung um eines zum Vorjahr – aber wie wir alle wissen ist das WGT ja auch kein schnödes Festival, sondern ein Treffen. Sagt ja schon der Name.

Donnerstag gegen mittag machte sich die fränkische Aussenstelle für Gruftologie, Abteilung Rüschengrufti in Vertretung durch das Ehepaar Kalkleiste – Frau Wiegärtner und Herr Chalybeia mit offenem Cabrio-Verdeck und geballter Ladung gute-Laune Wave auf die Autobahn gen Leipzig. Wir kamen einwandfrei durch und landeten so wohlbehalten bei Annette, die uns auch in diesem Jahr liebenswerterweise aufnahm.

Das Gepäck fiel etwas handlicher aus und war schnell nach oben geschafft, wo die Katzen erstmal ausgiebigst an den Taschen und Kisten schnuffelten. Meine Androhung, dieses Mal keinen einzigen Rock, egal ob schmal oder Reifrock, mitzunehmen, habe ich durchgezogen. Zwar hatte ich die Befürchtung daß ich das spätestens wenn meine Freunde in großen Kleidern auflaufen, das bereuen würde, aber ganz im Gegenteil, der Wohlfühlfaktor lag ganz eindeutig auf Seite von Hosen, Fräcken und Zylindern – insofern war die Entscheidung goldrichtig. Also, nicht daß ich mich im Reifrock unwohl fühle – wäre dem so hätte ich schießlich nie einen angezogen 😉

schlange

beim Anstehen

Nach einem Ründchen quatschen wurden dann noch ein paar Besorgungen in der Stadt getätigt und sich in die schon gut angewachsene Schlange zum Bändchen abholen am Hauptbahnhof eingereiht. Eine geschlagene Stunde hatten wir zu warten, die verging zum Glück ganz zügig da wir mit Bekannten die sich dazu gesellten, angenehmen Zeitvertreib hatten.

Dann noch ein kleines Abendessen und kurz auffrischen, und los ging es zum Freiluft-Tanz der Blauen Stunde auf der Wiese hinter dem Parkschloß.

Wie im letzten Jahr war das ein hervorragender Auftakt, Grablichter, Fackeln, Feuerkörbe und Räucherstäbchen und um die „Tanzfläche“ scharten sich auch diesmal die Gäste auf Decken.

Recht schnell fanden mich Robert und Orphi, die beiden an dem Abend gleich zu treffen hat mich sehr gefreut. Daneben hatte ich mich auch mit anderen Leuten verabredet die ich bis dahin nur virtuell kannte und ganz gespannt darauf war selbige dann real kennenzulernen. Auch wenn manche vom Anreisestress etwas geplättet waren – was man ja auch verstehen konnte.

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Mariell, Annette und Hester bei der Blauen Stunde

Markus Rietzsch vom Pfingstgeflüster war mit Edith auch da, und plötzlich hatte Robert dann noch ein Shooting angeleiert. Ja ein wenig paradox ist das ja schon, aber immerhin handelt es sich ja um das Pfingstgeflüster und nicht um einen dreisten Wildknippser der an der Agra im Gebüsch lauert …

Und so ging der Donnerstag dann auch vorbei.

Der Freitag erwies sich als der sonnigste und wärmste Tag. Und auch wenn es nach soviel mehr Stoff aussieht, ich kann nur sagen, als Kerl im Frack mit allem Drum und Dran wird einem schneller ganz schön warm als im Reifrockfummel.

Nach einem kurzen Abstecher an die Agra – bei dem Chris und mir beinah die Sicherungen durchbrannten weil auf der Bornaischen Strasse kurz vor der Agra *schon wieder* an der Brücke rumgebaut wurde, diese deswegen gesperrt war und uns einiges überflüssige Gegurke bescherte,  bis wir an einer Tram-Haltestelle das Auto stehen liesen um die letzten 5 Stationen dann noch mit der Bahn hinter uns zu bringen.

Entsprechend kurz blieb der erste Agra-Abstecher, der Photo-Termin war um 16:00 Uhr am Grassi Museum ausgemacht, wir waren zeitig da, und da Chris mich begleitete fragte Markus ihn postwendend auch ob er Lust hätte ebenfalls vor die Linse zu springen.

Gesagt getan, einige Bilder wurden vor den großartigen Wandmalereien des römischen Zimmers im Museum gemacht, einige draußen auf dem ehemaligen Johanna-Friedhof hinter dem Museum, und einige im Innenhof . Am Ende hätten wir uns auch beinahe verquatscht, doch der nächste Termin stand aus – wieder ein bekanntes Gesicht als  Shan Dark vom Schwarzen Planeten samt Begleitung durch das Tor kam um ebenfalls für das Magazin abgelichtet zu werden.

In meinem Fall ist das der dritte Auftritt im Pfingstgeflüster – 2007 hatte ich die Ehre mit Bild und Interview zum Thema selbstgeschneiderte Kleidung abgedruckt zu werden, 2012 mit einem Artikel zum Victorianischen Picknick, und eben dieses Jahr mit Besucherbild – in Frack, Zylinder und mit Gehstock, versteht sich.

Danach waren die ersten – und eben auch einzigen Konzerte des Treffens auf dem Plan. Der Weg führte und dafür gen Volkspalast, unbestreitbar eine der schönsten Konzert-Locations. Vor dem Gebäude trafen wir Annette und Hester – unsere Gastgeberinnen – wieder, die den Tag auf dem Victorianischen Picknick verbracht haben,wenn auch nur am Rande des Geschehens.

Im Nachhinein bin ich mehr als glücklich mich diesmal dagegen entschieden zu haben, nahzu alle Bekannten und Freunde die da waren, haben wenig Spaß gehabt angesichts der Aufmersamkeitssuchenden die (auf Nachfrage von Grabesmond !) sonst nichts mit Szene oder WGT zu tun hatten und allein als Photomotive dort rumstaksten. Naja, jedem das Seine, ich brauche das nicht, egal wie aufwendig und auffällig ich rumlaufen mag.

Auch Velvetrealm trafen wir dann vor der Halle, die etwas verspätet zum eigentlichen Einlasstermin dann geöffnet wurde. Wir waren recht weit vorne dabei und konnten so noch einen Tisch mit Sitzplätzen ergattern.

meine Wenigkeit, Annette und Hester warten auf Einlass im Volkspalast

meine Wenigkeit, Annette und Hester warten auf Einlass im Volkspalast

Camerata Mediolanense  hatte hauptsächlich ruhige Stücke im Gepäck, bis auf ein älteres Stück zum Abschluß das richtig energiegeladen nochmal die Atmosphäre elektrisierte. Kein schlechtes Konzert, nur durchgehend vielleicht etwas zu ruhig und auch zu kurz, denn nach gut einer halben Stunde war auch wieder Schluß. Danach leerte sich der Saal und wir nutzen die Gelegenheit in der einstündigen Zwischenpause noch mit Bekannten zu quatschen und unverhofft lernte ich auch noch die Künstlerin hinter Maskenzauber – Maren Söhnlein – von der Chris seinen absolut großartigen Dreispitz bekommen hat, kennen. Hat mich sehr gefreut, eine wirklich absolut sympathische Dame!

Wir wechselten zu einem Tisch mit besserer Sicht auf die Bühne, der vor uns freigeworden war,  nachdem ich das halbe erste Konzert zwei lange Kerle direkt vor der Nase stehen hatte, war das eine willkommene Gelegenheit für freien Blick auf die zweite Band.

Daemonia Nymphe aus Griechenland hatte ich bereits 2010 auf dem Festival Mediaval live gesehen, fand deren Auftritt in dem Rahmen aber wenig berauschend. Irgendwie ging die neoklassische Band mit Bezug zur griechischen Mythologie im raueren Ambiete von Mittelaterbands und Dudelsackquetschern ziemlich unter, was schade war da die Band eigentlich wirklich sehr gut ist.

Im Volkspalast mit den griechisch wirkenden Säulen und dem generellen Flair aber war das Konzert richtig bombig. Auch wenn sich einige Zuschauer schon wieder verzogen hatten, die Griechen schafften es die Stimmung regelrecht zu elektrisieren mit beeindruckenden Stimmen und hypnotischen Rythmen. Genial.

Leider gibt es keine Bilder vom Konzert da meine Kamera-Akkus schwächelten.

Danach wäre nach einer weiteren Stunde Wartezeit Actus  noch auf dem Programm gestanden, doch wir entschieden und zum Rückzug, Futtersuche in der Innenstadt und danach weiterziehen zum Städischen Kaufhaus, wo wir auf den Beginn des ersten Wedelabends zwar noch warten mussten, die Zeit wurde uns aber in netter Gesellschaft – Remo Sorge und Lisa Morgenstern hatten sich mit weiteren Bekannten dort niedergelassen –  auf der Terrasse des Restaurants über dem Kaufhaus  verkürzt – nicht zuletzt weil der Kellner sich gnadenlos verausgabte beim Tisch umstellen, servieren, Regenschirme zusammenkleben (da dann ein Regenschauer niederging) rumblödeln – mit dem Ergebnis daß er sich ein Loch in die Hose riß als er von einem wackligen Stuhl beinahe auf die Nase flog – und neben dem Beinkleid damit auch noch den Stuhl lädierte.

Im Kaufhaus legte Freitags dann Tom Manegold auf, in bewährter Göttertanz-Tradition. Musikalisch natürlich hervorragend, kann man sich nicht beschweren, es wurde wie zu Erwarten aber sehr schnell sehr voll und extrem warm.  Ich widerstand dennoch dem Drang aus dem Frack zu hüpfen (das macht mann nicht 😉 ) und bin einfach mal zwischendrin Luft schnappen gegangen. Gegen 3 Uhr hatten wir dann genug und machten uns auf den Rückweg. Hester nutzte ein blau ausgeleuchtetes Gebäude dann noch für ein paar wirklich gelungene Bilder.

urbane Lichtmalereien

urbane Lichtmalereien

Ohne Tee geht nix.

Ohne Tee geht nix.

Der Samstag morgen begann dann mit einem haarigen Katzen-Hintern in meinem Gesicht. Annettes Kater – Mii-tan – fand den Besuch dann doch ganz OK und hat sich morgens gleich mal laut schnurrend „aufgedrängt“ – da ich aber seid 5 Jahren chronisch unter-katzt bin, störte mich das nicht ganz so sehr 😀  also Kater durchflauschen zum Aufwachen, dann Frühstück, Netbook anwerfen und schauen was derweil so passiert ist in der Welt. Und danach in Schale werfen für den zweiten WGT Tag.

Ein besonderes Projekt hatte ich dazu in der Tasche, es ist noch lange nicht vollendet, aber ein Anfang ist gemacht, an geeigneter Stelle werde ich das noch einmal näher ausführen.

Auch wenn ich kurz davor war das Gewand daheim zu lassen – wie ich ehrlich gestehen muss – als ich dann das erste Mal komplett drin steckte, war ich durchaus überzeugt – Steampunk kennt man ja, Teslapunk eher nicht so, auch wenn es das als Literaturgattung schon gibt, an eine textile Umsetzung hat sich meines Wissens nach noch niemand gesetzt. Die Idee spukt tasächlich schon recht lange in meinem Kopf herum.

So ging es dann ins Grassi-Museum, zunächst wollten wir die Führung zu den historischen Klamotten da mitnehmen, haben uns das dann aber anders überlegt. Frau von Unruh schloß sich dann noch in ihrer mehr als genialen Data-Nüre an, damit terrorisierten dann schonmal zwei Nerds die Umgebung mit Gesabbel über Star Trek und Doctor Who 😀 – muss ja auch mal sein …

Beim Karten holen fürs Museum wurde ich auch gleich indirekt auf die Röhren an meinen Goggles angesprochen, war sehr witzig daß der Herr gleich einordnen konnte daß es sich um ein Modell für Verstärker handelte 😀 – entgegen der Annahme daß die Drähte an der Brille auch funktional waren, können meine Röhren leider nicht glimmen, ich hab die Kabel nur dekorativ verlegt. Auch der Ausschnitt eines Schaltplanes auf dem anderen Brillenglas wurde bemerkt, ich habe mir natürlich nicht wahllos irgend einen geschnappt – es handelt sich tatsächlich um den Schaltplan eines Theremins 😉

Tesla-Punk - nur echt mit richtigen Elektronenröhren auf der Rübe :P

Tesla-Punk – nur echt mit richtigen Elektronenröhren

In der Schuh-Ausstellung des Museums trafen wir wieder mal auf Freunde und Bekannte. Die Exponate waren aber auch sehr interessant bis skurril. Faszinierend wie andere Künstler gewisse Thematiken so umsetzen.

Danach sind wir nochmal gen Agra, ein paar Leute treffen – was auch sonst – eine Bowle schlürfen, etwas versumpfen. In der Stadt gemütlich ein Eis verputzen (den Kellner da hab ich auch lieb *g* – auch wenn Dani mir nochmal explizit sagen musste wie er mich angesprochen hat da ich es im ersten Moment garnicht realisiert hatte) – Blödsinn machen – ich sag nur Santär-Cyber – nein ich erkläre das jetzt nicht näher, aber auch in dem Fall wissen diejenigen die dabei waren worum es geht 😉 – dann weiter zur Abendgestaltung.

Auf Wedelparty am Abend hatte ich keine Lust, wir ziehen das seid 2008 die drei WGT-Abende durch, und so gern ich die Musik mag, besonders da ich weiß daß Remo und Lisa hervorragend auflegen – man muss auch mal was anderes sehen und hören.

Im Beyerhaus-Keller fand ich eine nette Wave-Party. Die Locations war göttlich, altes Kellergwölbe, nackte Backsteine, zusammengewürfelte Sofas, blanke Heizungsrohre und unverputze Kabel. Spitze. Und wenn man da ein Glas Wein bestellt bekommt man einen randvollen Plastikbecher … was dann auch den Rest des Abends ausgereicht hatte.

Musikmässig war die Auswahl schwer a la der hiesigen Grey Area. Viel Wave, viel weniger bekanntes, geiles Zeug, eine Spur Neofolk und Neoklassik und auch ein Hauch Industrial kam nicht zu kurz. Auch wenn ich nicht so viel zum Tanzen gekommen bin. Es war nicht überfüllt, genau richtig – womöglich ein Geheimtip den ich im nächsten Jahr gerne wieder besuchen möchte. Mal ganz unaufgeregt ohne perfektes Ambiente, hausgemacht, sympathisch, und der Keller ist sowieso ganz großartig.

Jetzt erst wird mir bewusst wie entspannt der Abend wirklich war, labern mit Annette und Hester, und abgesehen von Spontis Dennis keine bekannten Gesichter. Pikes über den Boden schieben im schummerigen Licht dieses Kellergewölbes – nein ich hab das sehr genossen.

Wir sind dann doch zeitig aufgebrochen, da wir uns mit dem Nightliner durschschlagen mussten war das auch ganz OK. Am Kaufhaus kamen wir vorbei und sind einigen angedüseltelten Freunden noch begegnet *g*  – Adrian und Grabesmond, ihr seid putzig wenn ihr voll seid 😀  – wir sind dann aber auch weitergezogen und glücklich ins Bett gefallen.

Sonntag früh hatte ich wieder Mii-Tans Hintern im Gesicht, aber so nem niedlichen Kater kann man da nicht böse  sein, ganz im Gegenteil  – dann übliche Prozedur – Katzen flauschen, Netbook anwerfen, gucken was los war und Facebook zuspammen,Tee,  Frühstück, auftakeln.

Neue Pluderhose ausführen und der einzige Tag in etwas Kalk.

Wir waren recht zeitig fertig und hatten vor dem Spontis-Treffen noch etwas Luft, weswegen wir uns zunächst Annette, Hester und Dani anschließen wollten die mit einer Freundin Bilder machen wollten, wegen leichter Koordinierungsprobleme lief am Ende die Zeit dann doch weg und wir zogen weiter. Im Schillerpark hatten sich bereits Markus und Edith ausgebreitet und nach und nach wurde die schwarze Runde dann auch größer. Unbestreitbarwar es ein großartiges Treffen, alte Bekannte und Freunde wiedersehen und neue Leute die man sonst nur so vom Lesen her „kannte“ dann live und in nicht-Farbe zu Gesicht zu bekommen war absolut spannend.

ein Teil des Spontis-Haufens beim depressiv aus der Wäsche schauen :D

ein Teil des Spontis-Haufens beim depressiv aus der Wäsche schauen

Wir haben es dann auch geschafft unseren Pikes-Rekord zu brechen – wo im letzten Jahr neun spitzbeschuhte Fußpaare zusammenkamen, sind wir dieses Mal bei satten 14 angelangt – ich bin mir sicher daß da im nächsten Jahr nochmal Luft nach oben ist.

Da Robert ganz sicher noch ausführlicher über das Treffen berichten wird, führe ich das jetzt ebenfalls nicht weiter aus.

Ich bin mir nicht mehr genau sicher, denke aber so gegen 18:00 Uhr löste sich die Runde dann auch endgültig auf. Eigentlich wollte ich später zu Konzerten in den Volkspalast, aber da Chris schon früher gen Agra abgewandert war, stand ich erstmal alleine da und folgte einigen anderen Freunden und Bekannten ebenfalls erstmal in diese Richtung. Und das war dann auch das Aus für die Konzerte – wen überraschts. Annette und Hester saßen ebenfalls am Bowlestand, unterwegs noch weitere Bekannte getroffen – nichts führt sicherer zum Versumpfen.

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Annette und Hester (und links ein Stück Dani) beim Füße ausruhen

Witzige Sache am Rande – der Photograph der jährlich an der Agra steht und die Besucher nicht nur knippst, sondern liebenswerterweise große Ausdrucke an die – ich sags mal so – bekannteren Gesichter verteilt, sprach mich dann auch noch an und drückte mir ein Bild in die Hand. Da ich gestern mit meinem Tesla-Punk schon an ihm vorbei kam und lang und breit daneben stand als er Dani ihr Bild überreichte und sie ablichtete, musste ich schon etwas grinsen. Aber klar daß Leute die einen so nicht kennen und Reifrock mit Vollkalk erwarten, da stutzen – auf solche Reaktionen war ich unter Anderem auch tatsächlich aus. Überhaupt, das wirklich nervtötende Knippserpack blieb uns in diesem Jahr tatsächlich erspart.

Später wollten die Damen noch ein Eis in der Stadt, also zurück, Eiscafe suchen – bei der Gelegenheit hielten uns einige Passanten ihre Smartphones ins Gesicht, aber das war noch auf erträglichem Maß. Tatsächlich habe ich die Beobachtung gemacht daß einige der – im Gegensatz zu den Vorjahren – rar gesähten Knippser sich in der Tat primär auf meine bereifrockten und benürten Begleiterinnen stürzten und mich als Kerl dann links liegen liessen – nicht daß es mich stört, ganz im Gegenteil, das so zu beobachten amüsierte mich eigentlich doch eher und war auch irgendwie Teil des Experimentes 😀

Die Abendplanung führte uns schließlich wieder ins Kaufhaus zum Wedeln, obwohl ich kurz davor war mich nochmal in den Beyerhaus-Keller zu begeben, nur komplett alleine macht das auch wenig Freude.

Zinsi und Spinne sind ebenfalls seid den ersten Wedelparties auf dem WGT dabei, erwartungsgemäß ruhig – musikalisch gesehen – begann der Abend, wie üblich dauerte es eine gute Stunde bis die Musik dann auch tanzbar wurde, dann aber konnte man sich über die Auswahl wirklich nicht beschweren. Das einzige was ich bei den Beiden wirklich so garnicht ausstehen kann, sind die scheußlichen Coverversionen bekannter Wave-Klassiker die gelegentlich ausgepackt werden. Ich würde viel lieber die Originale hören, die passen auch hervorragend zu Wedelmusik, und so leid es mir tut das sagen zu müssen – bei diesen Neuverschlimmerungen schlafen mir die Arschbacken ein …

Wir hielten uns etwa bis 2 Uhr nachts, da sich langsam die anstrengenden WGT-Tage schon bemerkbar machten.

Der Montag morgen fing grau, kalt und erneut mit Katzenhaaren im Gesicht an. Keine guten Wetteraussichten für das geplante Picknick des sogenannten „grünen Forums“ – eine kleine Community für Historien-Schneider jeglicher Art. Eine Freundin schrieb noch via Facebook die Geschichte kurzerhand in ein Cafe umzuverlegen, doch wir hätten sicher nicht mehr alle erreicht, also blieben wir beim ursprünglichen Plan und steuerten das Parkschloß an.

Da der Boden von der verregneten Nacht noch naß war, liesen wir uns auf den Steinplatten davor nieder – was eigentlich ein sehr schöner Platz war, umrahmt von Beeten. Das Wetter hielt auch durch, sogar die Sonne zeigte sich. Allerdings blieben wir vier – Annette, Hester, Dani und ich – alleine, lediglich eine weitere Dame samt Begleitung sagte mal kurz Hallo und war dann auch wieder verschwunden. Schade eigentlich – der Rest hatte entweder Schiß wegen dem Wetter oder saß bei anderen Veranstaltungen fest. So oder so war es trotzdem schön.

2013.05.20 wgt Montag 016

die harten Hunde vom Kostümkram-Forum

Weit weg vom eigentlichen WGT-Geschehen ging es dann auch weiter, Dani hatte etwas von einem Flohmarkt gelesen den wir dann auch anpeilten. Wir kamen zwar kurz vor dem Ende erst, hatten aber dennoch noch genug Zeit zum genüsslichen Stöbern. Am Ende fand auch jeder was – meine Ausbeute belief sich auf einen Nietengürtel mit reichlich Kettenbehang, Manschettenknöpfe und silberne Uniform-Schulterstücke die schon fest für eine  neue Adam Ant Jacke verplant sind. Auch wenn ich danach an der Agra noch zwei Kleinigkeiten mitgenommen hatte – irgendwie sind WGT Montagseinkäufe auf Flohmärkten viel cooler als sein letztes Geld in der Shoppingmeile zu lassen. Nächstes Jahr bitte wieder so!

Der Rest verlief wie alle Jahre – Agra, Bowle, mit Leuten quatschen, weiterziehen zur Blauen Stunde. Die ersten Wehmutsanfälle weil es ja schon wieder Montags ist und dieser sich auch schon dem Ende entgegen neigt.

Auf der Blauen Stunde trafen wir nochmals auf Robert und Orphi, und noch ein paar andere Spontis waren anwesend. Die Stimmung war wie jedes Jahr wundervoll und wie jedes Jahr verfluchte ich die Flasche Met die ich zur Blauen Stunde mitbringe *lach*

Schade nur daß ich euch beide dann als wir gegangen sind, nicht mehr gesehen habe, ich hätte mich gerne noch verabschiedet, aber es war sehr voll und ich hab euch einfach übersehen am Schluß.

Der Rest ist dann auch schon WGT-Tradition – Dienstags ziemlich erledigt aus dem Bett steigen, die restlichen Sachen in die Taschen und Kisten zurück schütten, egal was in welches Eck gerät oder wie eingekrumpelt ist, hauptsache irgendwie verstaut. Nur meinem Zylinder schenkte ich mehr Sogfalt, der ist immerhin antik und seinen hervorragenden Zustand soll der ja noch lange behalten.

Autos beladen und alles zum Pushkin schleppen. Dort saßen am reservierten Tisch schon einige Leute mit sehr dicken Augenringen und hielten sich an riesigen Kaffeetassen fest.

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Dani, das Geburtstagskind lies auf sich warten, immerhin hatte Annette extra Torte bestellt und diese noch liebevoll mit dem Umriss einer victorianischen Dame aus Marzipan verziert.

Das Cafe war randvoll mit schwarzen Gestalten, die eine Kellnerin nimmt es mit Humor, die andere ist sichtlich gereizt und ab und an regelrecht ungeniessbar.

Die Meute Frühstückt ausgiebig, einige haben noch recht lange Fahrtzeiten vor sich, da sind unsere zwei Stunden dann harmlos dagegen.  Wie jedes Jahr ist der Abschied fürchterlich 😉 – ich bin ja nicht so der emotionalduselige Mensch, aber als ich Annette dann doch loslassen muss, steckt mir ein Kloß im Hals.

Zum Abschluß dann noch ein paar Komplikationen mit Leipzigs Baustellen, insbesondere der kurz vor der Agra. Wir wollten Schatten da abholen, fanden aber die richtige Umleitung nicht und das Navi ist noch weniger hilfreich, also treffen wir uns am Hauptbahnhof, treffen Annette da nochmal und nach einem Tank-Zwischenstop gehts auf die Autobahn.

Die Fahrt verlief relativ ruhig, auch wenn Chris ziemlich im Eimer war. Mit zwei Zwischenstops ging es dann und ich bin gegen 17:00 Uhr wieder zuhause und fassungslos daß die letzten Tage so unglaublich schnell vergangen sind.

Fazit zum diesjährigen WGT: extrem entspannend. Da gilt mein großer Dank aber auch Annette und Hester für das Dach über dem Kopf. Bei guten Freunden das WGT zu verbringen ist nochmal um Längen schöner als im Hotel. Danke auch an alle neuen und alten Bekannten, solche Begegnungen machen das WGT ja eigentlich aus.

Auch daß wir so ziemlich alle Stressfaktoren umschifft haben war herrlich – kein victorianisches Picknick a.k.a Knipssnick, kein Knippserterror in welcher Form auch immer. Und Konzertmarathons sind einfach auch nicht mein Ding. Ich jedenfalls hab mich rundum wohl gefühlt – jetzt mal unabhängig ob es um Treffen, Freunde, Bekannte, Veranstaltungen oder die heurige Klamottenwahl geht. Es war wie gesagt anders, aber eben gut anders 🙂 – faszinierend war auch der andere Blickwinkel, bedingt durch den Rockverzicht – aber darüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben.

In diesem Sinne – wir sehen uns im nächsten Jahr wieder, hoffentlich dann genauso entspannt wie in diesem 😉

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Gothic Friday Dezember – Subkultur in eurer Stadt

Das Jahr 2011 ist nicht mehr, und damit nimmt auch das „Gothic-Friday“-Blogprojekt, das viele interessante Themen und Artikel zu eben jenen hervorbrachte, ein Ende .

Das Dezember-Thema wurde per Vorschlag der Teilnehmer und Leser und anschließender Abstimmung darüber entschieden.
So machte – wenn auch knapp – die Vorstellung der Subkultur in der eigenen Stadt respektive Region das Rennen.

Seit guten 11 Jahren lebe ich in Bayreuth. Eine kleine Stadt die wohl am Bekanntesten für die alljährlichen Wagner-Festspiele sein sollte. Doch auch in den Kreisen der schwarzen Szene ist Bayreuth ein nicht gerade unbeschriebenes Blatt.

In den 90ern gab es hier den szene-berühmten Club „Etage“, von dem ich leider nur von Geschichten gehört habe, denn das war dann ein paar Jährchen vor meiner eigenen Zeit als Bayreuther.

Wenn man jedoch von Bayreuth über die B303 gen Fichtelgebirge fährt, so liegt auf dem Gelände eines Schrotthändlers der eigentlich hauptsächlich Autoteile besitzt, gut von der Straße aus sichtbar eine große, schwarz gestrichene Platte auf der in kantigen, pinken Buchstaben gut lesbar „ETAGE“ steht. Ein Überrest des Clubs? Mal sehen ob sich dem nachgehen lässt …

Bilder aus der alten Etage gibt es im Netz wenig zu finden, lediglich folgende Impressionen konnte ich ausfindig machen:

http://www.wuff.net/claudia/etage/index.html
http://www.wuff.net/claudia/etage/etage.html

„Goethes Erben“ und „Das Ich“ formierten sich hier, ab und an steht Oswald Henke im Supermarkt vor einem an der Kasse an. Die Plattenlabels „Danse Macabre“ (Bruno Kramm) und „Etage-Music“ (Jochen Schobert) sind in der bayreuther Region ansässig.

In Bayreuth wird man gelegentlich sogar von Normalvolk auf der Strasse angesprochen (sofern diese im „richtigen“ Alter sind) ob man die alte Etage gekannt hatte – zuletzt geschehen am Bahnhof als eine Dame erst minutenlang auf die Spitzen meiner Pikes starrte um mich schließlich dann doch anzusprechen.
Daraus wurde dann ein angeregtes Gespräch bei dem sich herausstellte daß die Dame zu Etage-Zeiten wohl bei einem Taxi-Unternehmen gearbeitet hatte das direkt beim Club sein Büro hatte. Und an Abenden mit wenig Betrieb sei man in die Etage hinüber gegangen um ein wenig mit den Grufties zu feiern. Überhaupt fand sie daß diese Leute ausnehmend freundlich und offen seien und sie sich sehr freut daß ihre jugendliche Tochter auch immer mehr in diese Richtung gehen würde.

Der erste schwarze Club den ich in Bayreuth betreten habe war das „ID2“. Das knappe Jahr in dem dieser Club so irgendwie überlebt hatte war eine tolle Zeit, entsprechend weh getan hatte sein Ableben, und den allerletzten Abend dort vergesse ich auch sicher nicht – dieser allein würde Stoff für einen eigenen Artikel bieten.
Zu der Zeit war die Kneipe mit dem schön-gruffelichen Namen „Fledermaus“ auch ein willkommener Treffpunkt für allerlei Schwarzgewandete. Leider wechselte die ziemlich häufig den Pächter, stand mittendrin mehr oder weniger lang leer.
Die eine oder andere Nacht sind wir da drin versumpft, haben mit dem damals aktuellen Inhaber (der meines Wissens erste und einzige Grufti der die Fledermaus bewirtschaftete – man kannte sich *hust*) die Tische weggerückt um Platz zum Tanzen zu haben bis die Sonne aufging.

In einem Anfall von Nostalgie wäre ich gern wieder mal hingegangen, doch sowie ich gehört habe heißt der Laden nun „Stereo-Bar“ und ist mehr Anlaufstätte für Publikum ganz anderer Art. Sehr schade, das historische Kellergewölbe und die Fledermaus-Lampen (die keineswegs kitschig waren sondern richtig stilvoll designt) waren perfekt …

Scheint als wäre nach dem Jahrtausendwechsel Bayreuth kein allzu gutes Fleckchen mehr für schwarzes Volk. Ein weiterer Club hielt sich ebenfalls nicht sehr lange. Dann war es eine Weile sehr still.

In etwa zeitgleich mit dem ID2 entdeckte ich das Top Act in Zapfendorf, ein beschauliches Nest irgendwo mitten im fränkischen Hinterland, trotzdem hält sich der Laden schon recht lange.
Es gibt eine große Zahl an schwarz-genre-sortierten Veranstaltung, angefangen von der „Dienstältesten“ – der La Nuit Obscure – die einmal quer durch alle schwarzen Stile führt. Im Lauf der vergangenen Jahre wurde das Konzept – je nach DJ – mal mehr und mal weniger eingehalten.
Daneben gibt es mehr batcave-lastigere Abende, mehr Elektronischere. Neben Metal-Abenden gab es auch schon Goa-Parties.
Einige Party-Konzepte wurden im Lauf der Jahre aufgegeben, andere kamen hinzu. Neben dem etablierten 80er-Abend (der aber nicht ganz so häufig auf dem Terminzettel steht) ist zuletzt mit der „Wave to the Past“ eine musikalisch hochgradige Veranstaltung dazu gekommen die auf allerlei Altes setzt – von echten Klassikern bis hin zu mehr oder weniger neuen Projekten die an den 80er Sound anknüpfen.

Auf keinen Fall vergessen sollte man den „Göttertanz„, welcher Vierteljährlich veranstaltet wird. Mit ca 10 Euro Eintritt eine etwas teurere Geschichte, aber die wird durch Begrüßungssekt und durchgehend Buffet wieder relativiert. Musikalisch wird hier alles abgedeckt was das schwarzromantische Herz gern hört – von Pagan Folk über Ritual, Neofolk, Heavenly Voices, Neoklassik und alles was noch dazu gehört. Die Gäste geben sich bei Gewand und Make-Up meist sehr viel Mühe und so ist diese Veranstaltung auch schon lange zu einem Treffpunkt für die Rüschenfraktion geworden 😉

Neben Zapfendorf bin ich auch gerne mal in Nürnberg unterwegs, wegen der Strecke (die mit einer Stunde Fahrtzeit zwar noch im Rahmen ist, aber dennoch eben eine ganze Stunde ist …) kommt das aber nicht ganz so häufig vor.
Zugegeben, wochenends Weggehen ist im letzten Jahr deutlich zurück gegangen bei mir, und bis zum Sommer schätze ich auch daß sich da erstmal nicht viel mehr tun wird …

Jedenfalls, das Cult bietet einmal im Monat die „Grey Area“ – eine musikalisch sehr feine Geschichte mit allerhand schwarzen Klassikern, etwas Neofolk und recht viel aus dem Umfeld des waschechten Industrials.
Der Club selbst ist eine eher überschaubare, alte Industriehalle mit kargem Charme, etwas abseits gelegen. Passend zum musikalischen Angebot. Veranstalter ist der Verein XHPonozon der auch feine, und spezielle Geschichten wie die „Waid Noises“ (hier mein Artikel zur letzten Veranstaltung) und „1654 The Cave“ organisiert – welche auch eine etwas längere Anfahrt lohnend machen da Location (eher im letzteren Fall – eine Burgruine mitten im Nirgendwo) oder das Programm an sich meilenweit vom schwarzen Mainstream entfernt ist.
Um schwarzromantische Bälle handelt es sich hier aber nicht, die aussergewöhnlichen Locations verlangen nach manövrierbarerer Montur da man sich erstmal durch ein wenig Natur durchschlagen muss, dafür ist man aber relativ abgeschieden – was auf eine kargere Art wieder sehr romantisch ist.
Der letzten Cave fielen beispielsweise ein Paar meiner Pikes zum Opfer *schnöffz* weil um 3 Uhr in der Nacht über der Ruine ein übler Gewitterschauer niederging der erhebliche Mengen Wasser durch die eh schon löchrigen Sohlen meiner Pikes trieb …

Ebenfalls einmal im Monat – üblicherweise an einem Freitag – findet die „We want Revenge“ im Cult statt – viel Wave und Postpunk, gepaart mit Indie. Eine ganz schöne Mischung bei der man sich sozusagen an der Tanzfläche fest-„saugen“ 😉 kann. Leider war ich nur ein paarmal da – Freitags sind längere Wege zu Parties derzeit für mich etwas ungünstig.

Ausgesprochen fein ist auch die Depeche Mode Party auf der Mississippi Queen in Nürnberg. Bisher war ich nur einmal da, das Unterdeck war brechend voll und ich war stellenweise sogar mit platzsparendem schwarzen Anzug und Jasons irgendwie im Weg – aber das Schiff hat was als Veranstaltungsort und kommt faste in wenig steampunkig rüber, die Musik war grundgenial ausgewählt. Leider kein billiges Partyvergnügen dank hoher Eintritts- und Getränkepreise, aber doch recht aussergewöhnlich.

In Bayreuth selbst ist – wie gesagt – nicht mehr ganz so viel los wie noch in den 90ern zur Zeit der Etage.

Für einen Kneipenbesuch bietet sich immer das „Kanapee“ an, eigentlich eine Metaller-Kneipe. Obwohl nicht meine Musiksparte bin ich immer ganz gern dort gewesen – neben günstigen Preisen hat die Örtlichkeit einen sympathisch-trashigen Charakter.
Zugegeben, ich bin schon lange nicht mehr dort gewesen, früher aber hatten wir einige sehr amüsante Abende in dem Laden verlebt.

Die „Rosenau“ ist berüchtigt für Studentenparties denen man als Mensch mit Vorliebe für schwarze Klamotten freiwillig nicht unbedingt gern nahe kommt. Zu meiner Studenten-Zeit hab ich das ein-zweimal über mich ergehen lassen, dann war aber auch Schluß. Abgesehen vom sozialwissenschaftlichen Experiment wie angesoffene BWL-Studies auf Gruftdamen in Netzstrümpfen reagieren. Das Ergebnis war teilweise amüsant, teilweise niederschmetternd für die Bunt-Fraktion. So hat ein Security einen besoffenen Typen vor die Tür gesetzt der nicht verkraften konnte daß ich kein Interesse an ihm hatte, egal was er vorzubringen wusste.

Seit etwa 2006 findet dort aber am letzten Freitag im Monat die „Deuxieme Etage“ statt, die vom gleichnamigen Verein veranstaltet wird.
Der Name ist selbstredend eine Anspielung auf die berühmte Etage der 90er, musikmässig wird auch hier alles an schwarzen Stilen angeboten. Zweimal im Jahr auch mit Unterstützung der „Metal Time Bayreuth“.
Musikmässig hat sich in letzter Zeit einiges zum Guten gebessert und ich hoffe der Trend hält an 😉 – selbstredend sind die Veranstalter auch hier immer ein gewisses Maß abhängig von den Besuchern wenn man die Party halbwegs halten will, von daher spricht es auch für das Publikum daß anständige Musik nicht mehr kritisch beäugt wird sondern durchaus auch Leute auf die Tanzfläche lockt.
Abgesehen davon bin ich in wenigen Autominuten dort (und sollte es sein müssen auch wieder weg) und „man trifft sich“ sozusagen immer wieder dort, was die Atmosphäre inzwischen ganz familiär macht, besonders auch weil man mit den DJs beim Luftschnappen auch immer mal nett quatschen kann.

Dem geschichtlich interessierten Grufti bietet Bayreuth auch eine ganze Menge. Die Stadt hat eine Reihe sehenswerter Bauten aus dem 18. Jahrhundert die zum Großen Teil von der Markgräfin Willhelmine erbaut wurden – allen voran die imposante barocke Oper.
Auch das Neue Schloß in der Stadtmitte ist sehr interessant – hier erfährt man in einer Führung durch den jüngsten Trakt – den italienischen Bau – was es mit dem „Bayreuther Barock“ auf sich hat.
Unweit des zugehörigen Hofgartens befindet sich das „Haus Wahnfried“ in dem Richard Wagner gelebt hat und nun ein Museum rund um Leben und Wirken des Komponisten. Unweit davon findet man sein Grab.
Ebenfalls in der Nähe befindet sich das Freimaurer-Museum , dessen Gebäude auch der Hauptsitz der bayreuther Freimaurer-Loge ist.
Bei einer Museumsnacht habe ich dieses Museum besucht und danach eine philosophische Einführung ins Freimaurertum im Versammlungsraum angehört. Es war ziemlich interessant, die Leute sind recht offen und freundlich, und waren von unseren historischen Klamotten auch recht angetan 😉

Unter dem imposanten, alten Backsteingebäude der Bayreuther Bierbrauerei befindet sich der Zugang zu den Bayreuther Katakomben die vermutlich bis ins 16. Jahrhundert zurückdatieren und in den folgenden Jahrhunderten immer weiter ausgebaut wurden.
Führungen gibt es nach Absprache, in den rund 60 Minuten erfährt man viel Geschichte(n) rund um den wahren „Underground“ der Wagner-Stadt *g*

Etwas ausserhalb befindet sich die Eremitage – ein weitläufig angelegter Park mit Wiesen die im Sommer perfekte Kulisse für Schwarzromantiker-Picknicks sind. Der sogenannte Sonnentempel mit einer vergoldeten Statue des Apoll im Streitwagen auf dem Dach, fasziniert durch die funkelnde Fassade die mit unzähligen Halbedelstein-Splittern besetzt ist.

Ebenfalls etwas ausserhalb in Donndorf steht das Schloß Fantaisie, das ebenfalls mit einem weitläufigen Park aufwarten kann.

Mit einer halben Stunde Fahrtzeit von Bayreuth weg ist Sanspareil zwar etwas weiter weg, aber dennoch ein lohnenswertes Ausflugsziel. Das Gelände wurde als Felsenlandschaft konzipiert, Herzstück ist die kleine Felsenbühne die im Sommer bespielt wird und auch bei Tageslicht wegen der fast schon unwirklich anmutenden Felsformationen sehenswert ist.

Bei Führungen die durch einige Bauten der genannten Örtlichkeiten angeboten werden, erfährt man hier sehr viel über die Mythologie die die Erbauer hier in Stein umgesetzt haben – im Gegenzug zu manch moderner Architektur stecken hier viele antike Legenden in den Verzierungen und Gesamtkonzepten – was dem an Symbolik interessierten Grufti sicher auch gelegen kommen wird 😉

So habe ich schon etliche Freunde und Bekannte durch die genannten Museen und Parks geschleppt – meist selbst in Gewandung – neben einem gewissen Wohlfühlfaktor hat das den zweiten Vorteil daß man gelegentlich auch mal den Eintritt spendiert bekommt als Anerkennung für den Rausputz-Aufwand 😉

So, das war nun mein kleiner Einblick in das was die Bayreuther Gegend an Subkultur und ergänzendem Geschichtsprogramm welches – wie ich hoffe – auch auf schwarzes Interesse stoßen sollte.

Sofern das den einen oder anderen jetzt neugierig auf Bayreuth gemacht haben sollte – ich bin immer wieder gern bereit Gäste durch die einheimischen Sehenswürdigkeiten und Museen zu schleppen 😉 – und selbstredend auch live und in schwarz das regionale Dunkelclub-Leben vorzustellen.

Gothic Friday Oktober – Interview mit einem Goth

Den Teilnehmern des Spontis-Family-Treffens zum heurigen WGT dürfte meine Interviewpartnerin zumindest vom Sehen her bekannt sein.
Es handelt sich um einen lieben Menschen den ich getrost als Freundin bezeichnen mag, auch wenn wir einige Jahre recht weit voneinander entfernt wohnten und uns nur selten im Jahr real gesehen haben.
Zum WGT 2008 haben wir uns dann von Angesicht zu Angesicht kennengelernt und uns eine Unterkunft geteilt, waren zusammen unterwegs und haben festgestellt daß wir auch im echten Leben doch ganz ähnlich ticken.

Ich darf meinen werten Lesern also Annette aka Gomizugami-sama vorstellen:

Annette

Annette mag neben historisch inspirierten Kleidern und allerlei schwarzromantischen Dingen auch Autos – ihres ganz besonders 🙂

Meine Interviewfragen hat sie ausführlich beantwortet – und hier kommen sie samt Antworten:

1.Warum trägst Du schwarz?

Ich gehe immer in einem Gepflegtem Schwarz aus dem Haus Als ich angefangen habe, die Schwarze Szene kennen zu lernen, war es eigentlich eher ein Protest, gehen die Außenwelt. Gegen dass „Normale“ mit dem ich mich nie wirklich Identifizieren konnte. Nach eine weile wurde es dann eher zum Accessoire und es kamen noch andere Farben dazu. Hauptsächlich blau und lila. Aber als ich dann meinen jetzigen besten Freund kennengelernt habe, habe ich die richtigen tiefen Abgründe einer Seele kennengelernt und seit dem ist das Schwarz zu einem Teil meines Lebens geworden. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, ohne die Kleidung aus dem Haus zu gehen. Und Farbige Kleidung habe ich so gut wie gar nicht mehr. Es ist so als wäre die Kleidung mit mir verschmolzen und ich wundere mich sehr, wenn mich die Leute auf der Straße anstarren, weil ich immer wieder denke, ich sehe so normal aus wie die!

2. Hast Du viele Freunde, die auch »schwarz« sind oder bewegst Du Dich eher in einem »bun­ten« Umfeld?

Definitiv JA!
Sehr viel, allein schon durch das nähen und durch die Musik. Ich sehe zB auch kein Fern und höre keine Musik aus dem Radio. Wenn ich mal neue Menschen kennenlerne, über die Arbeit, Forums-Treffen und der gleichen, merke ich ganz schnell das ich mich sehr gut verstehe mit den Menschen die irgendwie in die Schwarze Szene verwickelt sind. Weil einfach die Lebenseinstellung meiner viel näher ist. Ich habe gerade erst wieder diese Erfahrung auf der neuen Arbeit gemacht, das ich mit den Personen schnell gut zurecht kam, die nicht so perfekt ins normale Gesellschaftsbild passen. Und sie haben was mit der schwarzen Szene zu tun. Wenn ich recht überlege, habe ich so gut wie gar keine Freunde aus der Normalen Welt

3. Besucht du außer­halb von Fes­ti­vals oder Kon­zer­ten auch andere kul­tu­relle Ver­an­stal­tun­gen mit schwar­zem Cha­rak­ter (Lesun­gen, Aus­stel­lun­gen, Museen), oder steht für Dich nur die Musik im Vordergrund?

Die Frage ist ein bisschen schwieriger, für mich zu beantworten. Ich besuche natürlich sehr gern Veranstaltungen, Orte, und der Gleichen bei denen es irgend ein Kulturellen Hintergrund gibt. Das ist auch ein Grund warum wir uns Leipzig als neue Heimat gewählt haben. Weil einfach so viel alte „Dinge“ in Leipzig und Umgebung sind. Und wenn man sich nur die Verlassenen Häuser ansieht. Wenn sich mein Geldbeutel vom Umzug wieder ein bisschen erholt hat, werden wir uns auch die Museen und der Gleichen ansehen. Und uns auch mal ein bisschen mit der näheren Umgebung befassen, wie Dresden, Prag und was sich noch so findet. Wenn es Themen gibt, die in Richtung der Verdrehten Weltanschauung, oder wir betrachten die Dinge einfach mal von innen nach Außen. Dann nehme ich das sehr gern in Anspruch, denn ich finde das ist ein großer Teil des Denkens in der schwarzen Szene und kommt mir sehr entgegen. Denn ich finde es schön mich mit solchen Sachen zu befassen und da durch dazu zu lernen. Mit Lesungen tue ich mich leider ein bisschen schwer, aber wenn es um die Richtung Themen geht, bin ich gern dabei! Wie zum Beispiel; Psychologie, Surrealismus, Mystik, Spirituell, Geisteswissenschaften, Themen in denen es eben auch um den Tod geht.

4. Siehst Du Dich selbst als Goth(ic)?

Also Gothic nicht unbedingt. Ich sehe mich eher als Grufti. Für mich sind das zwei sehr unterschiedliche Dinge. Gothic, sehe ich eher als eine Art Modeerscheinung. Ich habe die Leute die ganz frisch in die Szene kamen immer so bezeichnet. Mich übrigens auch Ich finde es ist auch ein unterschied in der Musik. Gruftis hören oft sehr alte schwarze Musik und auch Interpreten, die sogar nur sehr wenige in der schwarzen Szene kennen. Man könnte was denken, man muss sich erst „up leveln“ zum Grufti, und wenn am da angekommen ist, kommt man nie wieder weg:)

5. Warum magst Du historisch inspirierte Gewänder? Inwiefern passen diese für Dich in Dein Verständnis von „Schwarz-Sein?“

Naja, ich wollte schon immer eine Prinzessin sein, wäre gelogen… Ich weiß gar nicht genau wie das kam. Kleidung ist großartig! War sie schon immer!!! Nur ich konnte meine langen Röcke und die vielen Rüschen und weiten Ärmel, nirgends hin anziehen! Bis ich die schwarze Szene entdeckt habe. Ich war mit meiner Schulkameradin (ein Grufti, ich noch kein Grufti) in der Stadt und wir entdecken einen Laden mit Grufti-Klamotten! „Wunderschön! aber wo soll ich das anziehen?“ sagte ich und sie sagte:“ Na, in unseren Discos!“ Das war eigentlich so einer dieser Augenblicke der mich der schwarzen Szene sehr viel näher gebracht hat. Zu historischen Kleider kam ich über das WGT. Da habe ich die Kleider das erst mal so richtig gesehen und wollte auch eins. Dann fing ich an mich mehr und mehr damit zu beschäftigen! Für mich ist die Mischung aus den Historischen Kleidern und der Schwarzen Szene, mit seiner düster Romantik perfekt! Man kann so würdevoll, elegant und prachtvoll herumlaufe wie man will und kann es vor allem mit anderen Teilen! Naja, und es ist eben ein großes Stück Kultur, was, wie ich finde, in der normal Gesellschaft immer mehr in Vergessenheit gerät. Und hier finde ich die richtigen Menschen, die das auch so sehen, es lieben und schätzen und vor allem die arbeit dahinter verstehen und es deshalb richtig würdigen können!

6. Welche Sparten dunkler Musik bevorzugst Du, welche Künstler insbesondere und warum genau diese?

hmm, besonders mag ich natürlich alles was irgendwie neo-romantisch ist. Musik kann am besten die tiefsten Gefühle ausdrücken!“ Das finde ich auch! Sehr sogar. Die Musik in der schwarzen Szene ist so tief, das es mir regelmäßig noch eine Gänsehaut abjagt! Alles was sich irgentwie auf Klassig aufbaut.
Da ich sehr schlecht bin im Musik-Sparten bezeichnen, zähle ich einfach die wichtigsten Künstler auf
Ataraxia / Dead Can Dance / Dernière Volonté / Die verbannten Kinder Eva’s / Goethes Erben / Malice Mizer / Rosa Crux / Sieben / Sopor Aeternus & The Ensemble of Shadows /The Moon Lay Hidden Beneath a Cloud /Wim Mertens / Michael Nyman / Gaë Bolg / Ich habe bestimmt einige vergessen, aber es sind auch einfach so viele…
Ohne Musik, kann man einfach nicht mehr leben !!!

7. Gibt es typische Gothic-Klischees die auf Dich zutreffen?

Ha, bestimmt! Ich bin aber schon so in der Szene verwachsen, das ich schon vergessen habe, welche die typischen Klischees sind:) Aber ich versuche es mal.
hmm; bleich bin ich sehr, ich gehe auch nur sehr ungern in die Sonne. Habe natürlich nur schwarze Kleider und einen echtes Skelett von einem Vogel habe ich auch zu Hause… Auf Friedhöfen halte ich mich sehr gern auf. Man hat da seine Ruhe und schöner als in normalen Parks ist es auch. Was noch? hmm… Ich habe auch Grabschleifen im Haus, die Dinger sind sau teuer, wenn man die so kaufen würde und wo gibt es schon so große Bänder mit schönem Druck in schwarz! Ich höre düster schwere Musik und beschäftige mich mit dem Tod. Und mag es sehr in Nacht in der Stadt rum zu laufen… (wenn da nicht immer so viele düstere Gestalten rum laufen würden) ;D

8. Was wür­dest du Dir in oder für die schwarze Szene wün­schen, damit sie (noch mehr) dei­nen Vor­stel­lun­gen ent­spricht? Was stört Dich, was fehlt?

Ich glaube ich bin sehr zufrieden mit der Schwarzen Szene, zumindest mit dem teil an Menschen die ich kenne. Die sind alle super lieb und aufgeschlossen! Manchmal wünschte ich mir sie würden alle ein bisschen mehr auf einander zu konnen. Aber daran muss ich selber arbeiten! Was mich aber ganz besonders stört ist, das alle so weit weg wohnen Aber ich glaube das lässt sich am schwersten andern Bis hier hin, das Antworten auf die Fragen hat mir sehr viel Freude gemacht und ich hoffe es macht auch Freude meine Antworten zu lesen:) Vielen Dank!

Pluderhose!

Endlich! Es ist soweit!
Kaum zu glauben daß es so schwierig war hinter das Geheimnis der Pluderhosen zu kommen, genauergesagt hinter das Geheimnis, welches Modell denn nun tatsächlich von den Wavern in den 80ern getragen wurde. Irgendwie blöd, aber wenn ich für manches historische Gewand recherchiere, ist es einfacher an exakte Informationen zu kommen, als für das Ding.
Nicht daß so ein Beinkleid schwierig zu nähen sei, im Gegenteil, es ist nahezu lächerlich einfach, die Crux an der Sache ist, daß es sehr viele Variationen gibt wie man so ein Teil schneiden kann. Natürlich wollte ich nicht irgendwas was halt so ausschaut, nein, ich wollte genau das Modell haben daß man wie gesagt in den 80ern trug.
Nachgefragt habe ich in meinem Lieblings-Nähforum (das sich zwar eher mit historischem Gewand beschäftigt, doch die Schwarzbrot-Rate ist sehr hoch), vor rund einem Jahr beim Robert im Blog, und zuletzt vor wenigen Wochen im WGT-Forum, da kamen dann wenigstens einige klipp und klare Aussagen. Vielleicht aber kann ich Umstandsmensch mir die Dinge aber auch nur nicht einfach machen – es sei denn die Projekte haben von sich aus schon eine gewisse Grund-Komplexität. Insgeheim habe ich aber auch gehofft daß das verbreitete Hosenmodell eben nicht das mit sehr tief hängendem Schritt ist, aber die weiter geschnittenen Bundfaltenhosen mit stärker ausgeprägter Karotten-Form fand ich bei weiteren Recherchearbeiten eher im Zusammenhang mit Poppern genannt. Ja igitt, das wollen wir doch nicht *kicher*

Ich fand nun also ein extrem simples Schnitt-Diagramm das den gewünschten Hosentypus ergeben sollte, fand ein paar Meter leichten Baumwollstoff im Materiallager und schnitt beherzt zu.
Nur wenig später war das Ergebnis komplett – voila, eine Stilechte Pluderhose:

Mit Rosa drin, im absolut gammligen daheim-arbeit-modus und mit Augenbrauenglatze *g*

„Schweinebequem“ stand noch dabei, bei dem Schnitt-Diagramm, und so viele Vorbehalte ich ursprünglich gegenüber des sehr tief liegenden Schrittes hegte, ich kann der Beschreibung definitiv nur zustimmen 😉
Nur bei den empfohlenen Gummizügen an Bund und Bein habe ich mich geweigert und anständige, feste Bünde angenäht. An den Knöcheln ist die Hose dadurch etwas weiter als geplant, schätze das nächste Exemplar bekommt dafür einfach einen kleinen Schlitz und ein Knöpflein damit das Ganze eng am Fuß abschließt.
Noch ein bisschen mehr 80er könnte man das mit einer sehr breiten Bund bekommen, der hoch auf der Taille sitzt, und dazu eine locker geschnittene, ärmellose Tunika die natürlich im Hosenbund zu verschwinden hat, sowie Kettengürtel, gefühlt tausend silberne Armreifen und … wo verdammt nochmal ist mein Toupierkamm hingekommen … Pikes .. ahso, hab ich ja eh an …

Vorschläge, Wünsche und Anregungen bitte in die Kommentare oder per Mail an mich 😉

Warum eigentlich Schwarz?

So weitläufig und facettenreich die schwarze Szene heute ist – ein Detail zieht sich dennoch recht kontinuierlich durch alle Spielarten hindurch, und das ist die ausgeprägte Vorliebe für die (Nicht)-Farbe schwarz.
Grund für diesen Artikel war für mich letztenendes die Aussage eines jungen Mannes der im Rahmen einer WGT Doku, welche einer unserer geliebten Privatsender einst verbrochen hatte, in der besagter Herr sich unwissend zeigte, warum gerade schwarz, und die zweifelhafte Theorie aufstellte daß es genauso hätte gelb sein können.

Also, warum denn nun eigentlich schwarz?

Wer sich in dunkle Gewänder hüllt und sich in irgend einer Form zur schwarzen Szene zählt, sollte eigentlich wissen warum gerade schwarz und nicht gelb. Und nein, auch pink ist verdammt nochmal nicht das neue schwarz …

Als jemand der nach 4 Semestern von den Physikern geflüchtet ist, fange ich mal wissenschaftlich an, wenn auch nur als arg eingedampfter Abriss, Farbenlehre ist ein sehr weites Feld:
Farbe ist ein Phänomen das sich physikalisch gesehen durch die Wellenlänge auszeichnet. Schickt man einen weißen Lichstrahl durch ein Prisma, wird man am anderen Ende beobachten können wie der Strahl von rot zu violett über die bekannten Regenbogenfarben auffächert. Dieser Regenbogen wird als Spektrum bezeichnet, das weiße Licht besteht also aus allen Farben. Das Material des Prismas ist in der Lage den eintretenden Lichtstrahl zu brechen, der Brechindex des jeweiligen Materiels ins in der Regel abhängig von der Wellenlänge, was bedeuted daß die unterschiedlichen Wellenlängen die eben im weißen Licht enthalten sind, unterschiedlich stark gebrochen werden.
Licht ist eine elektromagnetische Welle, im physikalischen Sinne gibt es daher theoretisch unendlich viele Farben. Jedoch kann das menschliche Auge nur einen gewissen Ausschnitt aus dem kompletten elektromagnetischen Spektrum wahrnehmen, ca von 380 nm bis 780 nm, dabei wird das langwellige Licht als rot wahrgenommen, das kurzwellige Ende des sichtbaren Spektrums als violett.

Währen es Objekte gibt die Licht abstrahlen – wie die Sonne oder eine Glühbirne – reflektieren die Dinge um uns herum die wir mit den Augen wahrnehmen können Licht.
Dabei erscheinen die Objekte in verschiedenen Farben, auch wenn sie eigentlich mit weißen Licht beleuchtet wurden. Das liegt daran weil bestimmte Farbpigmente bestimmte Wellenlängen des Lichtes absorbieren, und quasi der Rest der dann noch übrig bleibt reflektiert wird. Die absorbierten Wellenlängen verschwinden dabei aber nicht (Energieerhaltungssatz!), sondern werden in Wellenlängen mit niedrigerer Energie umgewandelt – Infrarotstrahlung, das Ding wird mehr oder weniger warm, je nachdem wie viel absorbiert wird.

Schwarz erscheint ein Gegenstand der nahezu alle Wellenlängen absorbiert. Deswegen werden schwarze Gegenstände in der Sonne auch besonders warm. Ich sage „nahezu“ weil ein kleiner Teil trotzdem noch reflektiert wird, der perfekte schwarze Körper wäre überhaupt nicht sichtbar. Wie war das noch mit dem Spruch: „Ich trage solange schwarz bis etwas noch dunkleres erfunden wird“?

Weißes Licht ist ein Beispiel für die Additive Farbmischung, rühre ich allerdings aus dem Farbkasten alles zusammen was ich da drin finde, bekomme ich schwarz – ok, in der Praxis mehr oder weniger – das wäre dann die subtraktive Farbmischung. Sowohl schwarz als auch weiß zeichnen sich nicht durch eine Wellenlänge, und damit einen Platz im elektromagnetischen Spektrum aus, da liegt auch die Erklärung warum beide nicht zu den Farben gezählt werden – physikalisch gesehen natürlich, aus der Tube bekommt man sehr wohl schwarze Farbe zu kaufen.

Nachdem die wissenschaftliche Seite soweit abgeklärt ist, gehen wir weiter zur Symbolik. Natürlich sind nicht alle Assoziationen die dieser Farbe zugeschrieben haben relevant für das was innerhalb der Szene damit verbunden wird, wirft aber vielleicht auch ein Licht weswegen manche Aussenstehende das tragen ausschließlich schwarzer Kleidung als negativ betrachten.

Das erste was mit mit „schwarz“ wohl verbunden wird ist das übliche: Trauer, Tod, „das Böse“ *hust* – zumindest in der westlichen Kultur. Andere Kulturkreise verbinden mit diesen Themenbereichen eher die andere Nicht-Farbe – weiß. Einer Theorie zufolge soll die Wahl der Trauerfarbe darauf zurückgehen, welche Farbe den stärksten Kontrast zur Hautfarbe darstellt – in Kulturkreisen mit vorwiegend hellhäutigen Menschen also schwarz.1

Ausserdem glaubte man daß Geister kein schwarz sehen könnten, und kleidete sich angeblich deswegen bei einem Trauerfall eben schwarz, damit der Geist des Verstorbenen die Lebenden nicht sehen konnte.

Tote Biomasse wird schwarz – was einst eindrucksvoll von einer alten Freundin bewiesen wurde, durch die konsequente Ignoranz eines Salatkopfes im Kühlschrank *hüstel*

Weiter werden oft Leere, Depression, Passivität, Einsamkeit, damit in Verbindung gebracht – und letztenendes nicht zu vergessen: die Nacht. Der handelsübliche Grufti hat schließlich eine gewisse Affinität zur Nacht.

An diesem Punkt ist die Symbolik der schwarzen Farbe aber noch keineswegs ausgeschöpft.
So wird schwarz auch als erhaben, edel, elegant und als Symbol von Macht bezeichnet. In der Renaissance war schwarz eine beliebte Modefarbe, die mit zu den teuersten zählte, wer schwarz trug, hatte Geld. Stoffe richtig schön tiefschwarz zu färben war mit den damaligen Mitteln nicht unbedingt einfach, da es mehrere Färbegänge brauchte. Die Tiefe der schwarzen Kleiderfarbe war also ein Hinweis auf den Reichtum des Trägers.
Zudem bildeten die schwarzen Kleidungsstücke den perfekten Hintergund für Gold- und Silberstickereien, sowie Perlen und Juwelen – ebenfalls Zurschaustellung von Wohlstand und damit verbundener Macht2
Königin Elizabeth I wurde nachgesagt, neben weiß sei schwarz ihre Lieblingsfarbe gewesen, was an einer Aussage festgemacht wurde die sie 1564 gegenüber einem spanischen Botschafter gemacht hatte, schwarz und weiß galten ebenfalls als Symbol ewiger Jungfräulichkeit – etwas was Elizabeth I ebenfalls darstellte, unverheiratet und kinderlos bis zum Lebensende. 3

Schwarz repräsentiert aber auch Zurückhaltung, Verzicht, Seriosität, Ernsthaftigkeit, Strenge, wurde daher von den Protestanten als Farbe für schlichte, schmucklose Kleidung gewählt, was auch den englischen Puritanern nachgesagt wird. Wieder in der Renaissance zeichnet sich die strenge, hochgeschlossene spanische Mode durch die Verwendung unserer aller liebster Nicht-Farbe aus, hier sind wir im Land des strengen katholischen Glaubens und der Inquisition. Auch als Ordenskleidung ist und war schwarz die Farbe der Wahl.

Konträr dazu wird schwarz aber auch ebenfalls als negativ, schmutzig, unrein, sündig angesehen und ist in Sprichwörtern oft Ausdruck für Unheil und schlechte Ereignisse. Man sieht schwarz wenn man nichts gutes zu erwarten hat, schwarze Katzen bringen im Aberglauben Unglück. Auch Heimlichkeit und verbotene Dinge werden mit dieser Farbe in Verbindung gebracht, man denke an Schwarzhandel, schwarze Listen, wenn man gemein ist steckt man anderen einen schwarzen Peter zu, und schwarze Schafe stehen nicht gerade dafür, beliebt zu sein.

Schwarz wirkt auf den Betrachter abweisend, signalisiert Abgrenzung und den Wunsch, in Ruhe gelassen werden, in der Magie ist schwarz eine Schutzfarbe mit der man negative Energien und unliebsame Wesenheiten von sich fern hält, soll aber auch Oberflächlichkeit lösen, bei Meditation und Trancearbeit unterstützend wirken da diese Farbe die Konzentration fördert und den Blick auf die Inneren Welten fokussiert sowie für das seelische Gleichgewicht förderlich sein soll.
Schwarz wird dem Saturn zugeordnet, dem als Grundprinzipien Beschränkung, Konzentration, Härte, Einweihung, Konkretisierung, Erdung, Durchhaltevermögen, Weisheit, Detailtreue, Krankheit, Tod, Zeit (in dieser Funktion als Chronos bezeichnet), Strukturerzwingung zugeordnet werden 4 und der Zahl 8, die auf die Seite gelegt das Symbol für Unendlichkeit ergibt.
Schwarze Magie ist das zwar nicht, aber hätten wir der Vollständigkeit halber auch noch im Angebot.

Schwarz ist ausserdem Symbol von Individualismus und ist oft bevorzugte Kleidungsfarbe von Intellektuellen und Künstlern, Freidenkern, Anarchisten und vielen anderen verwandten Geistern. Schwarz fasziniert, wirkt geheimnisvoll, mystisch und unnahbar.

So, da haben wir doch schon einen ganzen Haufen der super mit dem Gruftisein vereinbar ist, oder nicht?

Die individuelle Bedeutung innerhalb der Szene ist so unterschiedlich wie es verschiedene Menschen in ihr gibt. Wichtig ist zusammenfassend gesagt aber auf jeden Fall die Abgrenzung, eine gewisse psychologische Schutzfunktion und Individualität – auch wenn oft kritisiert wird was Individuell daran sein soll wenn doch alle einheitlich in schwarz rumrennen. Doch wer sich selbst zur Szene zählt weiß, wie unterschiedlich und facettenreich schwarz sein kann.

Meine Begeisterung für diese Nicht-Farbe zeigte sich mit 12-13, damals ohne die gernigste Ahnung von einer schwarzen Szene, aber es hat mich als Kleidungsfarbe in den folgenden Jahren immer wieder begleitet, bis zu meinem bewussten Szeneeinstieg. Dann flogen die übrig gebliebenen farbigen Klamotten aus dem schrank – mit dem Ergebnis das die Anzahl der Schrankleichen drastisch abnahm. Ich denke das ist für sich gesehen bezeichnend.

Ich habe ganz sicher einige Details übersehen, letztenendes ist der Artikel schon so halbwegs umfangreich geworden, deswegen sind Ergänzungen in Kommentarform gerne gesehen. Und Gedanken dazu natürlich auch 😉

Wer mehr will kann aber auch mal hier reinschauen: Schwarz

So, wer jetzt noch behauptet daß gelb genauso möglich wäre, den hau ich …


1: Arte.tv – Die Welt der Papuas: Riten und Initiation: Symbolik der Farben
2: Costume – The journal of the Costume Society, Ausgabe 41, Jahrgang 2007, S. 28
3: Costume – The journal of the Costume Society, Ausgabe 41, Jahrgang 2007, S27
Anmerkung dazu: Es war üblich daß Könige und teilweise auch Adelshäuser Farben auswählten die ihre Repräsentanten kennzeichnen sollten, indem die entsprechende Kleidung trugen, dabei war die Symbolik der gewählten Farben natürlich ausschlaggebend, Elizabeth I trug natürlich auch selbst schwarz und weiß, aber das Zitat bezog sich nicht auf ihre eigene Garderobe, die eigentlich ein sehr großes Spektrum an Farben aufwies, die Aussage wurde aber oft so mißinterpretiert. Als erklärter Fan von Elizabeth I musste ich sie aber natürlich nennen, noch dazu da ich sie überheblicherweise auch als Stilvorbild betrachte *hüstel*

4: hagdise.de: Die Planetenkräfte in der Magie