Gothic Friday Juni – dein bestes Konzert – Rosa Crux

Eigentlich bin ich kein allzu intensiver Konzert- und Festivalgänger. Erstere habe ich am liebsten in einem kleinen, überschaubaren Rahmen und gut ausgewählt. Riesenkonzerthallen sind mir zuwider, das Gefühl zur menschlichen Sardine in der Masse zu verkommen treibt mir regelrecht den Angstschweiß auf die Stirn, das familiäre Gefühl eines kleinen, dafür sehr feinen Konzertes ist mir um Längen lieber, wie beispielsweise Jännerwein im März diesen Jahres oder im letzten Jahr das „Schön Dunkel“.

08/15 Festivals interssieren mich nur selten, meist bekommt man ja nur den schwarzen Mainstream-Einheitsbrei vorgesetzt und steckt den ganzen Tag über auf einem abgezäunten Gelände fest. Wenn dann das Wetter nicht mitmacht hat man kaum Rückzugschancen oder Alternativangebote. Anders beim WGT. Wer es mag findet da auch seinen schwarz angemalten Einheitsbrei, aber noch schöner sind Neuentdeckungen und Auftritte die in einem anderen Rahmen nur schwer zu sehen sind.

Eigentlich gab es auf jedem WGT mindestens ein Highlight-Konzert für mich – 2009 waren es Otto Dix, 2008 Sieben in der Krypta,letztes Jahr Attrition. 2007 gab es zwei super-Highlights, eines davon Coph Nia. Doch das zweite Konzert dieses WGTs sticht unter allen noch ein wenig mehr hervor:

Es ist Pfingstsamstag. Meine Begleiterin und ich sitzen im Cafe des Schauspielhauses da wir zeitig da waren um noch ein Plätzchen zu erwischen. Den Nachmittag verbrachte ich hauptsächlich beim Natron und Soda Treffen im Schillerpark – da habe ich meine Begleitung auch ganz spontan aufgesammelt. Über das Forum hatten wir schon Kontakt, die Dame wollte nach einem ausführlichen Schwätzchen eigentlich weiter zur Parkbühne, doch dann zog der Himmel zu und der scharf auffrischende Wind versprach Gewitterschauer – also entschied sie sich um und folgte mir. Über die Begleitung habe ich mich freilich gefreut, nicht nur weil ich sonst allein ins Schauspielhaus hätte gehen müssen, neben Nähfachsimpelei verkürzten wir uns die Wartezeit bis zum Konzert auch mit allerhand Philosogeschwafel um Goth, die Welt und Schwarz an sich.

Gegen 20:00 Uhr begann das Konzert das mich zutiefst beeindruckte – von der Band hatte ich im Vorjahr schon gehört – 2006 spielte sie schon einmal zum WGT – eigentlich vermeidet die WGT-Orga daß Bands zwei Jahre in Folge spielen, daß hier eine Ausnahme gemacht wurde war mein großes Glück.

Ein paar Lieder kannte ich im Vorfeld dann schon – dank alljährlichem Durchhören durch die Bandliste, und die die einen sowieso interessieren nimmt man ein wenig näher unter die Lupe. Doch was mich bei dem Konzert erwarten sollte wusste ich dann doch nicht so recht.

Auf der Bühne wuselten die Bandmitglieder zwischen reichlich skurrilen Musikgeräten herum – allen voran das gigantische Glockenspiel – und entzündeten ein Kerzenmeer das die Bühne fast wie eine Kirche wirken lies in der irgend ein völlig schräges Ritual abgehalten werden sollte – ich war entzückt!

Daß Rosa Crux mehr als „nur“ eine Band sind wurde beim Auftakt schon klar – da kauerten sich zwei Tänzer an den vorderen Bühnenrand, mit bizarren Helmen bekleidet und Metallplatten an der Kleidung. Es stellte sich heraus daß die Tänzer mit ihrer Performance durch diese Platten ein Teil der Percussion wurden – jetzt war ich zutiefst fasziniert und höllisch gespannt auf mehr!

Danach begrüßte Olivier Tarabo die Menge auf englisch mit ausgeprägt französischem Akzent – und dann ging es so richtig los. BAM – die Percussion-Maschine welche aus mehreren Trommeln besteht, bewegte sich völlig ohne menschliche Bedienung und produzierte martialische Rhytmen, Oliviers schneidende Stimme ist extrem charakteristisch und passt ins archaisch wirkende Gesamtkonzept einfach perfekt – live bohrt sie sich derart in den Gehörgang – so richtig beschreiben kann man das alles nicht. Einen weiteren innerlichen Luftsprung machte ich als Claude energisch in die Tasten schlug mit denen das gewaltige Glockenspiel bedient wurde. Dazu liefen Videoprojektionen die das Arsenal der restlichen Performance-Installationen der Band zeigte – besonders eindrucksvoll: der runde Stahlkäfig in dem ein nackter Mann mehrere Male wie ein gigantisches Pendel gegen ein Stahlblech gedonnert wurde.
Die alte Homepage wartete mit weit mehr Hintergrundinformationen auf, aber ich erinnere mich noch an den Satz, man fand das Geräusch so toll daß das menschliche Pendel erzeugte (das Zitat von Olivier Tarabo taucht auf französisch aber bei untenstehendem Video nochmals auf) *g*

In der Videoprojektion zu „Omnes Qui Descendunt“ war bereits der „Danse de la Terre“ zu bestaunen, später warf ein gelblicher Scheinwerfer unversehens Licht auf das Tänzerpaar das sich, während das Publikum vom Geschehen noch gänzlich gefangen genommen war – hinter der Band auf ein Podest geschlichen hatte. Das live zu sehen setzte dem sowieso schon umwerfenden Konzerterlebnis das Sahnehäubchen auf.

Wirklich passend beschreiben kann man die Stimmung eines Rosa Crux Konzertes nicht. Es ist auf jeden Fall sehr intensiv, finster, morbide und einfach irgendwie ganz anders. Tatsächlich hat die Darbietung etwas von einem Ritual, es ist sehr archaisch – man findet sich in Zeiten weit weit vor dem Mittelalter wieder, aber in einer Parallelwelt. Oder vielleicht auch schon halb in der Anderswelt.
Musikalisch kann man die Band eher schwer einordnen. Gegründet wurde sie bereits anno 1984, mitten im Umfeld von Postpunk, Wave und experimenteller Musik. Am passendsten wären wohl die Einordnungen in den Industrial, respektive Ritual. Musik die eine große Schar an recht unterschiedlichen Hörern kollektiv aus den Latschen (und Pikes) haut.
Die Texte die vertont werden stammen aus alten Büchern, sie sind bewusst in lateinischer Sprache gewählt damit der Hörer sich in erster Linie in die Musik fallen lassen kann, ein verständlicher Text würde die Aufmerksamkeit davon ablenken (es sei denn man „durfte“ sich in der Schule durch Latein quälen und hat davon noch nicht alles verdrängt *g*). Dazu kommt ein ganzen Universum an Symbolik und Hintergründen – Rosa Crux ist also keine einfach zu konsumierende Band – alles andere wäre aber freilich auch langweilig, oder?

Wir fanden uns nach dem Konzert etwas perplex vor dem Schauspielhaus wieder. Meine Begleitung wusste noch nicht so recht was sie von dem allen halten sollte, die Band war ihr komplett unbekannt gewesen, ziemlichen Eindruck hat sie bei ihr aber sichtlich auch gemacht.
Für mich war der Abend dann auch gelaufen, ich schob meinen Reifrock und mich zurück in die Wohnung der Bekannten die mich damals aufgenommen hatte und verbrachte die restlichen Stunden mit einem Glas Wein bei warmem Gewitterregen allein auf dem Balkon. Nichts hätte besser gepasst diese Eindrücke nochmal gebührend Revue passieren zu lassen.

Seitdem ist Rosa Crux eine meiner absoluten Lieblingsbands, mein Wunsch wäre es, einmal die ganz große Show in Rouen zu sehen wo die ganzen schrägen Installationen live zu sehen sind. Aber auch bei den kleinen Bühnenshows sind Rosa Crux ein absolutes Erlebnis das ich nur empfehlen kann.

Wer mehr sehen möchte, dem sei der Youtube-Kanal der Band ans Herz gelegt: http://www.youtube.com/user/RosaCruxTV
Die offizielle Homepage: http://www.rosacrux.org/
Myspace-Profil für Hörproben: http://myspace.com/rosacrux

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WGT – eine Nachlese pt.2

Hat ein wenig gedauert, zugegeben, doch jetzt kommt der zweite Teil meines WGT-Berichtes.

Sonntag. Heute gibt es 4m Reifrock, ein Ungetüm das ich bisher nie zum WGT mitgenommen habe, die kleinere Variante ist aber eh reparaturbedürftig und musste deswegen zuhause bleiben. Ich bekomme schon Bedenken wie das in der Bahn hinhauen wird, doch erfreulicherweise ist die nicht so gut besucht wie in den Vorjahren – sicher auch Dank der neu eingeführten Sonderlinie zum WGT. Als sich der Wagen dann doch etwas füllt, schaffe ich es mich soweit zusammenzufalten daß keine Beschwerden kommen – alles eine Frage langjähriger Handhabung *g* – noch dazu da wir gleich zu zweit mit Reifröcken die Bahn belegen – meine temporäre Mitbewohnerin – Annabel Lee begleitet mich und ist nicht weniger sperrig als ich.

Ihre WGT Bilder git es hier zu sehen.

Relativ spät sind wir von der Unterkunft weggekommen, auf dem Plan war Agra und heidnisches Dorf, letzteres fiel dann leider flach, aus Zeitgründen.
An der Agra – das übliche. Wieder stolpern wir von einem Objektiv ins nächste, doch Annabel Lee schießt fleißig zurück, natürlich hat sie auch ihre Kamera dabei. Gefühlt war es heuer aber zumindest an der Agra nicht ganz so schlimm mit Knippsern wie im Jahr zuvor. Aber vielleicht haben die sich an den Vortagen nur schon genug ausgetobt. Trotzdem wächst der Wunsch, endlich bis zum Bowlestand durchzukommen – dabei ignoriere ich schon ganz arrogant alles was nicht den Anstand besitzt zumindest zu fragen und laufe, mit meinen Bekannten und Freunden quatschend weiter bis ich endlich am Stand ankomme. Die Betreiber des Bowlestandes erkennen „uns“ nach all den Jahren wieder, schon beim ersten Besuch am Freitag werde ich begrüßt mit der Bemerkung daß ich heuer ja auch wieder da sei *g*

Meine Füße wollen inzwischen nicht mehr, also schnappe ich mir Gomizugami-Sama und wir suchen uns einen freien Fleck Mauer entlang des „Catwalks“, allerdings liegt es uns fern den entlangziehenden Leuten bei ebendiesem zuzusehen, wir unterhalten uns lieber in aller Ruhe. Ab und an gestört von Knippswünschen – in diesem Zusammenhang lerne ich endlich einen Photographen kennen dessen Werke ich schon öfter bewundert habe und bis auf email-Kontakt noch nie „live“ gesehen habe. Wir wechseln ein paar Worte von Angesicht zu Angesicht, sehr sympathischer Mensch.

Die Galerie von Blyg gibt es hier zu sehen:

http://www.blyg.de/concerts/wgt_2010_visitors.php

Wir warten noch ein Weilchen ab und ich lasse mich dann breitschlagen, mit zu Faith and the Muse in die verhasste Agra-Halle zu gehen. Das Glas Bowle vorher hat zum Glück einen entspannenden Effekt, dazu suchen wir uns ein Fleckchen mit möglichst viel freiem Raum und Abstand zu den Menschenmassen. So lässt sichs sogar aushalten. Nachteil ist daß wir die Band gerade mal auf Postkartengröße sehen können und so von der Show praktisch nichts mitbekommen. Das Konstante am Fleck stehen bleiben mögen die eh schon plattgetretenen Füße garnicht, und bei Cantus juckt zudem der Reifrocksaum. Unser Handgepäck wird auf dem Boden vor uns gestapelt, und vier Reifrockdamen geraten in Bewegung *g* – was einige vorbeilaufende Herrschaften wohl etwas verwirrt, aber uns wurscht, Bewegung tut gut und die Musik reißt einfach mit, auch wenn wir wie gesagt so garnichts von dem sehen können was auf der Bühne vor sich geht. Nur ist irgendwann die Luft raus und wir lassen uns wenig damenhaft auf dem Boden nieder.
Gegen Ende des Konzertes füllt sich die Halle und unser Freiraum wird ebenfalls weniger. Ich werfe den Plan, Diary of Dreams noch oder zumindest teilweise zu sehen, über den Haufen. Wie gesagt sehe ich von der Entfernung eh nichts, und nur zum Zuhören – das geht daheim in Ruhe besser. Bitte. Jungs, wenn ihr im Herbst wieder am touren seid, schaut doch nochmal in Zapfendorf vorbei damit ich euch endlich mal sehen kann *schnief*

Wir versuchen danach, nochmals eine Runde durch die Verkaufshalle zu drehen, kommen aber nicht weit und beschließen lieber noch eine Weile auszuruhen. Mit einem Glas Bowle versteht sich, und dem Okkupieren einer Bierzeltgarnitur an der Freßmeile. Da man überall Bekannte trifft, gesellen sich auch hier wieder einige zu uns.

Weiter geht es danach in den Spiegelpalast wo Tom Manegold in bester Göttertanz-Art auflegt. Der Abend fängt bombig an und geht ebenso weiter. Fatalerweise bemerke ich einen verlust an „Schwungmasse“ – der schwere Oberrock drückt die Stahlreifen zusammen und Schluss ist mit 4m Reif-Umfang *zeter* – dafür muss Zuhause eine Lösung gefunden werden.
Nur am Ende stelle ich fest daß ich wohl festsitzen werde bis mich jemand gen Unterkunft mitnehmen mag, was sich dann noch hingezogen hatte. Als ich aus dem Spiegelzelt komme zwitschern mich die Vögel an, ich bin völligst am Ende und kann kaum noch aus den Augen schauen.

Dank der nicht ganz freiwillig langen Nacht vom Vortag habe ich am Montag einige Anlaufschwierigkeiten, und entsprechend Zeitnot was das Fertigmachen anbelangt. Zusammen mit dem Umstand daß wir vom Kostümkram-Forum aus eine Führung über den Südfriedhof gebucht hatten, dessen Boden natürlich nach dem ordentlichen Regenguss in den frühen Morgenstunden auch etwas aufgeweicht ist, habe ich einen Vorsatz gebrochen und bin an diesem letzten WGT Tag nicht nur nicht mit sperrigem Rock rumgelaufen, nein, ich hab den Rock sogar gänzlich im Koffer gelassen und mich mit meinen Jasons und Röhrlhosen zufrieden gegeben. Die Tatsache daß ich eben auch schon etwas in den Seilen hänge, dämpft – neben dem bereits angesprochenen Zeitdruck – die Auftakelfreude, daher bleibt es bei der absoluten Kalkleisten-Reflexreaktion. Und ja, ihr könnt es mir glauben, das war für mich „Null Bock auf mehr“ *g*
Der Umstieg auf die Stiefel erwies sich als die denkbar beste Lösung – Schuhe putzen ist einfacher und schneller als eine Monsterrobe mit massig Unterröcken wieder sauber zu bekommen.
Ich überlege ernsthaft, für nächste Jahr wieder was mit Beinkleid einzuzpacken, wenn auch nur für den Montag. Irgendwo in meinem UFO-Haufen liegt noch ein Empire-Frack – guter Grund den mal fertig zu nähen und ihn um Weste und Hemd zu erweitern …

Mit den Anlaufschwierigkeiten bin ich aber wohl nicht grade allein, mich erreicht die Meldung daß etliche für die Friedhofsführung abgesagt haben, also gibt es freie Plätze und ich kontaktiere Robert der sich nebst Freundin der Führung auch kurzentschlossen anschließt.

Die Führung ist sehr informativ und kurzweilig, dank des unterhaltsamen Vortragsstiles unseres Führers. So vergehen die zwei Stunden recht schnell. Ich war zwar schon einmal auf dem Südfriedhof, doch die wirklich schönen Ecken an denen man tatsächlich in Erwägung ziehen könnte etwas in der Ruhe zu verweilen, sehe ich erst im Rahmen dieser Führung.
Die Führung nähert sich ihrem Ende, und neben den dunklen Wolken die inwzischen aufgezogen sind, brummelt fernes Donnergrollen. Ein Glück daß wir rechtzeitig die Tram-Haltestelle erwischen und kurz darauf in die Bahn einsteigen können, draußen gießt es nun wie aus Kübeln. Als wir an der Agra ankommen ist das schlimmste zum Glück vorbei. Nach einem Abstecher um meinen Bargeld-Vorrat aufzufüllen, treffe ich meine Freunde in der Agra Verkaufshalle wieder und schaffe es endlich, mich mal durch einige Stände zu graben, wenn auch zugegeben ziemlich halbherzig. Klamottenläden interessieren mich nicht, nur vom Zillo gibt es traditionsgemäss jedes Jahr ein Shirt mit nem guten Spruch. Als ich eines mit Einstein-Motiv finde, muss ich auch nicht weiter überlegen, welches ich heuer mitnehmen werde 😀
Bei Caleidolex finde ich ein paar Deko-Teile die sich sicher zweckentfremdet in der Frisur gut machen, dann hat es sich für mich mit Einkaufen auch schon wieder. Um nach CD’s zu suchen habe ich gerade keinen Nerv mehr, also stehe ich Alwa mit Rat und Tat zur Seite, die sich an einem Stand durch Pikes durchprobiert.

Das allgemeine Erschöpfungsniveau nimmt zu, also verbringen wir den restlichen Tag an der Agra und helfen den Besitzern des Bowlestandes, ihre Reste loszuwerden *g*
Nicht nur ich habe den Auftakel-Aufwand runtergeschraubt, aus den Augenwinkeln erkenne ich ein bekanntes Gesicht, sonst ebenfalls aufgetakelt bis in die Haarspitzen, heute ganz bequem in Shirt, Hosen und Pikes.

Trotzdem fragen ab und an noch Herrschaften nach Bildern – ich wundere mich, habe aber nicht allzu viel dagegen und bringe nicht mal den Bowle-Becher aus der Sichtlinie – Selbstironie muss natürlich auch mal sein – meinen Dank an Educatio für das herrliche Bild 😀

Es beginnt zu Dämmern, die letzten Erinnerungsphotos werden geschossen, samt herrlich-„ungruftigem“ Gealber.

Irgendwann wird es Zeit für die Blaue Stunde. Da die alte Stadtvilla nicht weit vom Agra Gelände entfernt liegt, laufen wir die paar Schritte.
Der Abend ist wie im letzten Jahr einfach grandios. Ich knipse ein wenig in die Runde, und bin sogar übermütig genug mit meinem Digiknippskasten zwei kleine Videos zu machen.
Groß zum Tanzen komme ich nicht mehr, einmal fehlt mir die Schwungmasse a.k.a. Reifrock an dem Abend, und langsam ist jegliche Energiereserve wirklich kurz vor Ende. Nur einmal lasse ich mich von Alwa hinreißen – wer kann einer solchen Tanzpartnerin auch widerstehen 😉

Ihre Photos von der Blauen Stunde gibt es hierzu sehen.

Verhängnisvollerweise überlässt mir dann eine Bekannte noch eine ungeöffnete Flasche Wein. Ein Korkenzieher ist auch schnell gefunden, nur mein ultra-chicer Plastikbecher wurde inzwischen offenbar entsorgt – auch wurscht, es ist der letzte WGT-Tag, circa um Mitternacht herum – und WGT ist ja auch nur einmal im Jahr. Dreispitz und Buddel passen immerhin auch astrein zusammen – auch wenns dann eher hätte Rum sein müssen denn Wein *g*

Dienstag früh werde ich aus dem Bett geworfen. Ich angle nach meiner Brille und stelle fest: die Welt dreht sich noch immer. Ich schaffe es irgendwie, meinen Kram gar zu verstauen, und nichts wichtiges zu vergessen, sowie das Auto mit zu beladen. Die Heimfahrt ist ereignislos, keine Staus, wir kommen gut durch.

Daheim angekommen – Auspacken wird auf den nächsten Tag verschoben, nochmal schnell Rechner anmachen um zu sehen, was sich an Nachrichten über die Tage angestaut hat, dann werde die Rollos runtergezogen damit ich auf dem Sofa noch eine Runde Schlaf erwischen kann.

Fazit: sobald die Eindrücke etwas abgesackt sind kann ich nur sagen: wieder ein sehr geniales WGT. Wenn es auch den einen oder anderen Stimmungs-Absenker gab, im großen und ganzen waren es wieder wundervolle Tage in Leipzig. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr, da ist das 20. Treffen und ich bin gespannt darauf, was es da an Programmpunkten zum Jubiläum geben wird.

Kollateralschäden: meine schönsten Pikes haben gelitten, jetzt darf ich zwei von inzwischen drei Paaren die ich besitze erstmal zum Schuster tragen *jammer* zum Glück war das das schlimmste, staubige Röcke und ein Erdbeerbowle-Fleck auf der Ärmelrüsche meines weißen Leinenhemdes ist ein Fall für die Waschmaschine, und dazu muss ich nicht in die Innenstadt, sondern nur in den Keller.

Meine Bilder gibt es hier bei myspace zu sehen – verzeiht daß es hauptsächlich Bilder mit mir drauf, von anderen Photographen sind, meine eigene Bildausbeute ist sehr mickrig ausgefallen, und ich möchte es vermeiden, Bilder hochzuladen die andere Leute erkennbar zeigen, die das vielleicht nicht wollen.

Zwei Videos habe ich auch von der Blauen Stunde gemacht, doch die sind noch nicht bearbeitet.

WGT 2010 – eine Nachlese

Und schon ist es wieder vorbei. Jedes Jahr scheinen die vier Tage des WGT schneller vorbei zu gehen. Und in jedem Jahr schlaucht die Geschichte ein bisschen mehr, zum Glück bin ich nach 12 Stunden durchschlafen und anständigem Frühstück wieder halbwegs ansprechbar gewesen. Auch wenn die Füße noch ein wenig länger brauchten bis sie wieder voll einsatzbereit sein wollen.

Ein wenig gedämpft war die Stimmung heuer leider, das richtige WGT-Feeling kam leider auch erst am Montag auf, und ausgerechnet bei den letzten Gläsern Bowle und der Blauen Stunde, die dafür wieder einmal absolut großartig war. Doch auch trotz einiger widriger Umstände bleibt auch dieses WGT eins der absoluten Höhepunkte des Jahres.
Was Konzerte angeht bin ich auch heuer nicht über zwei an der Zahl hinaus gekommen, obwohl ich mir eigentlich doch einige vorgenommen hatte, irgendwie läuft es bei mir zunehmend auf den Treffen-Aspekt der ganzen Sache heraus, und in dieser Hinsicht kann ich mich nicht beschweren, den ich habe wirklich viele alte und neue Bekannte und Freunde wieder getroffen oder überhaupt erst live sehen können. Und all denen gilt mein Dank für die schöne Zeit.

Los ging es gen Donnerstag, den 20. Mai, am Vormittag. Nach den letzten Jahren in denen wir am Freitag erst hochgefahren sind, war das so gleich ein ganzes Stück entspannter, da wir gemütlich auspacken konnten, Essen einkaufen sowie Bändchen holen. Natürlich sind wir bei letzterem am Hauptbahnhof gleich mal in die ersten Bekannten gerauscht, und konnten uns beim Unterhalten gleich mal die Wartezeit in der Schlange vertreiben.
Abends ging es dann ins Cafe Puschkin, wo wir uns bereits mit anderen Bekannten verabredet hatten. Und so ließen wir den ersten Abend ganz entspannt ausklingen bevor es an die doch recht anstrengenden WGT-Tage ging.

Invalidenkommando, Alwa und Eissenbeisser im Cafe Puschkin

Der Freitag startete dann erstmal mit dem victorianischen Picknick, das dieses Jahr nicht mehr auf der Wiese vor dem Parkschlösschen stattfand, sondern in den Clara-Zetkin-Park verlegt wurde. Wie erwartet wuchs die Teilnehmeranzahl auch heuer auf ein recht unbersichtliches Maß heran, unter die sich auch wieder diverse Photographen mischten die entweder im Auftrag verschiedener Magazine und Zeitungen unterwegs waren, nach sensationellen Bildmotiven suchten oder eben auch nur fürs private Vergügen Bilder machten. So wurde man immer wieder aus dem Gespräch mit Bekannten herausgerissen. Entsprechend war von Picknick recht wenig übrig, ich zumindest wollte heuer möglichst keinen übersehen und war in den 3-4 Stunden in denen wir anwesend waren fast nur am Rumlaufen, Leute suchen und in Objektive schauen.

Die Entschädigung dafür waren einige sehr nette Gespräche mit altbekannten und neubekannten Herrschaften, auch wenn diese mitunter etwas kurz ausfielen – zwei Picknickdecken weiter tauchte meist schon der oder die nächste auf.

Danach machten wir einen kurzen Abstecher zur Agra, für den ersten Becher Erdbeerbowle des WGTs. Da gab es dann auch schon den ersten Schreckmoment als ich nach einem schiefen Blick auf die Uhr befürchtete, das Konzert von Attrition verpasst zu haben – ein Glück daß dem nicht so war.
So schafften wir es noch rechtzeitig ins Schauspielhaus, welches sowieso meine Lieblings-Konzertlokalität ist, allerdings je nach Band durch die begrenzten Sitzplätze sehr überlaufen. Wir hatten Glück, wir kamen problemlos hinein, und auch das Konzert war mit vielleicht der Hälfte der zur Verfügung stehenden Sitzplätze eher schlecht besucht. Was das Konzert selbst angeht – da wird es einen gesonderten Artikel geben.

Der Abend-Ausklang war dann die erste von insgesamt drei Neoromantik-Parties die auch heuer im Spiegelzelt an der Kongresshalle stattfanden. Den Freitag bestritten heuer Zinsi und Spinne, doch leider muss ich sagen daß ich die Musikauswahl bis auf ein paar lichte Momente wenig gelungen fand.
Dafür hat es mich gefreut an dem Abend bereits Robert von Spontis-Blog kennenzulernen, ein Treffen war eh geplant, glücklicherweise lies er sich nebst Freundin in den Spiegelpalast lotsen, und so konnten wir dort bereits ein paar Worte wechseln.

Am Samstag ging es – wie jedes WGT – erstmal in den Schillerpark unweit der Moritzbastei, zum Treffen des Natron und Soda-Forums. Ich hatte eigentlich nicht vor hinzugehen, nachdem mich Franky noch gefragt habe ob ich da sein werde, hab ich mich dann doch dazu hinreißen lassen. Letztenendes habe ich mich dann wieder ganz gut unterhalten und nochmal ein paar Leute in real kennengelernt, unter anderem einen weiteren Photographen-Bekannten mit dem ich bislang auch nur übers Netz Kontakt hatte – dem NeuroGrapher.
Franky schreibt im übrigen für den Festivalhopper, und natürlich auch vom heurigen WGT sind wieder ein paar Bilder von ihm dabei – der geneigte Leser möge mir verzeihen daß ich mich ausnahmsweise hier auch in Pose geworfen habe 😉 beim Franky hatte ich da einfach nicht so die Skrupel 😉
Das Treffen endete dann in einem recht nerdigen Gespräch mit dem wahrscheinlich einzigen Programmierer der sich auf diesem Nähtanten-Treffen herumtrieb – aber vielleicht „riecht“ man das ja irgendwie *g*

Nach dem Forums-Treffen war ich nochmal mit Robert verabredet, der für seinen Blog ein „Interview“ machen wollte, das sich als recht angeregtes und interessantes Gespräch entwickelte. Ich denke, über manche Themen hätten wir noch weit länger reden können, umso mehr bin ich gespannt was aus der ganze Geschichte wird, und welches Lesefutter er uns in der nächsten Zeit so präsentiert.

Danach versuchte ich in der Moritzbastei Alwa und die von Übels wiederzufinden, doch die waren schon gen Agra unterwegs, umso dankbarer bin ich Gomizugami-Sama fürs Aufsammeln an der Moritzbastei.
Allerdings war ich am Überlegen, mir Roman Rain in der MB anzusehen, wenn ich schonmal da war. Musikalisch muss ich zwar zugeben daß mir nur wenige Stücke die ich bisher gehört habe, zusagen, allerdings wäre ich neugierig gewesen diesen doch optisch sehr markanten Menschen mal live zu sehen.
Ein paar liebe Bekannte die ich an der Moritzbastei noch getroffen habe meinten später daß das Konzert tatsächlich recht gut gewesen sein muss.

Auf dem Markt der Moritzbastein habe ich dann noch eine grandios riesige Strasstiara ergattert, die preislich auch ein ziemliches Schnäppchen war.
Danach habe ich erstmal auf Gomi, Dani und Gala gewartet, inzwischen wurde es richtig frisch und zu allem Überfluss habe ich dann noch meine Lieblingsfeder, die ich in der Frisur hatte, verloren *hmpf*
Zu meiner Überraschung streckte mir dann plötzlich ein Kamerateam die Linse ins Gesicht und bat mich um Beantwortung von ein paar Fragen. Zum Glück handelte es sich um einen Leipziger Sender, sonst wäre ich wohl wirklich geflüchtet, und sie hatten dazu noch den Überaschungseffekt auf ihrer Seite, da ich da einfach nur so saß, fror und auf meine Freunde wartend gedanklich an ganz anderen Stellen steckte.
Ich bin letztenendes aber dennoch recht erleichtert daß ich dann im fertigen Beitrag des Leipzig Fernsehens nicht auftauchte. Reden vor Kameras ist dann nicht grade meine Spezialität.

Zum Glück kamen kurz darauf meine Mädels an, und wir suchten uns in der Stadt ein Eiskaffee um was zu trinken und mal die Füße stillhalten zu können. Der Kellner im Cafe war ganz angetan von der Horde Reifrockmädels, und so konnten wir uns wirklich nicht über den Service beschweren *lach* – die Leipziger sind einfach toll, und das macht einen guten Teil der ganz besonderen WGT-Stimmung aus, wie ich finde.
Auch zwei jüngere Damen die sich vor dem cafe niedergelassen hatten, haben uns angesprochen, und in dem kleinen Gespräch sind sicher wieder ein paar Vorurteile abgebaut worden. Danke im Allgemeinen auch an die Leipziger, denn egal ob jung oder alt, alle Kontaktaufnahmen bisher waren toll, die Leute immer freundlich und interessiert.

Vor der zweiten Dunkelromantischen Tanznacht wollten wir noch einen schnellen Abstecher in die Agra machen, ein Glas Bowle schnappen und kurz durch die Verkaufsstände schlendern. Dabei kam es zu der herrlichen Situation, als die Gäste eines gut besetzten Strassencafes mit ansehen durften wie sich 4 Reifrockdamen (naja, – zwei Reifröcke, eine Tournüre und ein großes Panier in einen kleinen Fiat Seicento pressten – die ungläubigen bis staunenden Gesichter vergesse ich nicht zu schnell *g*)
Doch auf der Agra kamen wir nicht weit, da mich nach ein paar Metern eine Photographin erwischte, die mir dann noch von einem ihrer Photoprojekte erzählte. Da mir das Konzept das sie mir unterbreitete sehr gut gefiel, willigte ich natürlich ein da mitzumachen. Sobald es soweit ist, berichte ich näheres darüber, es wird jedenfalls für einen Bildband sein mit einem Konzept das mich einfach voll und ganz begeistert hat.

Leider verlief die Fahrt zum Spiegelpalast danach nicht ganz reibungslos, denn ein ziemlich tiefes Schlagloch in der Strasse machte uns einen Strich durch die Rechnung, sodaß wir bei recht frisch gewordenen Temperaturen noch auf den ADAC warten mussten. Glücklicherweise handelte es sich lediglich um eine Kerbe in der Felge, die die scharfe Kante des Schlagloches verursacht hatte, und nichts schlimmeres.
Ärgerlich war es eben dennoch, und so kamen wir erst gegen 01:00 Uhr am Spiegelpalast an, allesamt schon entnervt, was sich zum Glück schnell löste bei Musik und Stimmung der Tanznacht. Auch wenn am zweiten Abend die Musikauswahl meiner persönlichen Meinung nach ein wenig mehr Schwung hätte vertragen können.

Soviel für heute. Da ich bereits wieder einen halben Roman habe, verlege ich den zweiten Teil auf später. Da wird es dann auch ein wneig mehr Bilderfutter geben, ich bin noch nicht durch meine durch – auch wenn es eher wenige sind – manche müssen noch Begegnung mit Photoshop machen, da mir die DSLR fürs WGT eindeutig zu unhandlich ist. Gibt da eh genug Leute mit größeren Kameras …

Als Entschädigung derweil gibt es das WGT-Video von Novembersturm vom heurigen Jahr: