Gothic Friday 2016 – Warum bist Du immer noch in der Szene?

Es war einmal ein Blog-Projekt welches da hies „Gothic Friday“, und zu dem die Schwarzgewandeten aller Länder zusammengekommen waren, um ihren Teil des Ganzen beizutragen … und wenn sie nicht gestorben sind, dann finden sie sich auch nun wieder zusammen …

Oder so ähnlich.

Der „Gothic Friday“ ist natürlich kein Märchen, es gab ihn anno 2011 schonmal, und gestorben ist, wider der Annahmen manch „bunter“ Menschen, die sich für besonders witzig halten, wenn sie uns, ob der finsteren Kleidungs-Farbwahl auf ein derartiges Ereignis anzusprechen meinen müssen, dann eigentlich auch nicht.

Fünf Jahre sind eine lange Zeit, trotzdem scheint es manchmal, als wäre es neulich erst gewesen. Es schien vielen so ergangen zu sein, denn die Stimmen wurden lauter, die ganze Aktion einfach doch nochmal neu aufzulegen.

Damals riefen dieses ziemlich interessante Projekt Robert von Spontis und Shan Dark vom schwarzen Planeten ins Leben. Einmal pro Monat wurde an einem Freitag ein Thema gestellt, zu dem sich Gruft-Blogger und Sympathisanten in Textform äussern konnten. Dabei wurde eine Vielzahl von Anektoden, Erlebnissen, Meinungen und Ansichten zusammengetragen, die auch heute noch spannend zu lesen sind.

Die zweite Runde wurde am 5. Februar – natürlich ein Freitag – neu eingeleitet, es wird hierbei keine Wiederholung sein, sondern mehr eine Fortführung, da neue Themen ausgewählt wurden, einsteigen kann aber dennoch jeder der Spaß daran hat, man muss also nicht schon bei der ersten Runde dabei gewesen sein.

Selbstredend wird der Nähkästchen-Blog auch diesmal mit von der Partie sein, jedoch nicht nur als Teilnehmer – dem Fahndungsausfruf nach Mit-Tätern bin ich auch gefolgt  – verraten wird natürlich noch nichts, außer höchstens daß wir viele sehr interessante Themen zusammengetragen haben.

Das Einstiegsthema ist für alle neu dazugekommenen – als einzige Ausnahme – dann doch eine Wiederholung, nämlich die Frage danach, wie man eigentlich in die Szene gekommen ist. Damit die Teilnehmer der ersten Runde sich dabei aber nicht langweilen müssen, gibt es die Alternativ-Aufgabe – „Warum bist Du noch immer in der Szene?“ – und genau dieser Frage möchte ich mich im Folgenden nun widmen.

Auch Schwarzvolk altert, längst ist die Subkultur über den Status der reinen Jugendkultur hinausgewachsen und nicht alle die schon seit den Anfängen in den frühen 80ern dabei waren, haben sich mit fortschreitendem Alter von der vermeintlichen „Jugendsünde“ abgewandt. Es folgten neue Generationen die von den vorherigen mit gerümpfter Nase beäugt wurden, und die letztenendes selbst irgendwann über das Teenie-Alter hinaus kamen – und ebenfalls überzeugt schwarz blieben.

Man sieht die altersmässige Durchmischung ganz gut an jedem schwarzen Club-Abend und an jedem Festival.

WGT 2014 man trifft sich sogar schon selbst ;)

WGT 2014 man trifft sich sogar schon selbst 😉

Ich selbst zähle mich zur zweiten Generation – die der frühen 90er. Auch wenn mein aktiver Szene-Einstieg erst um 2000 herum seinen Lauf nahm, so waren meine ersten Begegnungen mit dem „schwarz“ in den Anfängen der 90er. In Nürnberg und Bayreuth, da liefen „sie“ in den Innenstädten herum, und irgendwann überwand die Faszination das mulmige Gefühl, und ich fand mich im nürnberger „Underground“ wieder. Gekauft habe ich da nie etwas, aber es führte dazu daß ich Frau Mutter, ihrezeichens selbst vom Fach des textilverarbeitenden Handwerkes, mit Pannesamt und Tüllspitze vor der damals noch etwas irritierten Nase herumwedelte (ich habe zu der Zeit noch nicht selbst genäht – nur wenn die Bude sturmfrei war und niemand sehen konnte daß ich mich an der Nähmaschine zu schaffen mache). Auch wenn die komplette Einschwärzung noch ein wenig auf sich warten lies, der „schwarze Faden“ zeigte sich schon seit meiner Kindheit immer wieder mal, daher war das Endergebnis nicht so verwunderlich, lediglich das Aufwachsen in einer beknackten Kleinstadt, in Zeiten vor dem Internet und nicht vorhandenen Transportmöglichkeiten, zögerten einige Dinge dann unweigerlich etwas hinaus.

Doch das ist jetzt auch schon ein Weilchen her.

In den letzten zwei bis drei Jahren habe ich mich etwas rar gemacht, was aber an vielen verschiedenen Dingen lag, der hinderlichste ist wohl der, daß ich – nicht wirklich freiwillig, wie ich dazu sagen muss – nun wieder in der Kleinstadt festsitze, die ich nach meinem Abitur nur zu gern verlassen hatte. Von hier aus irgendwohin schwarz weggehen ist ein halber Staatsakt – die Story vom letzten Göttertanzbesuch von hier aus wäre beispielsweise ein Roman für sich … trotzdem, manchmal hat man auch allgemein weniger das Bedürfnis nach Weggehen, oder es halten einen stressige Saisonjobs am Theater vom Besuch des Lieblingsfestivals ab – deswegen kehrt man dem schwarz ja nun nicht den Rücken, denn in den eigene vier Wänden läuft immernoch die gleiche Musik und der Kleiderschrankinhalt hat nichts vom heimeligen schwarz eingebüßt, auch wenn die Pikes einen leichten Staubfilm angesetzt haben – denn in der hauseigenen Keller-Werkstatt macht man sich logischerweise eher selten die Mühe, zu Kajal und Toupierkamm zu greifen.

Halbwegs aktuell - April 2015

Halbwegs aktuell – April 2015

Was mich immer in der Szene gehalten hat, war – natürlich neben der Musik, die Leute. Selbst wenn es immer wieder bunte Ausnahmen gab und sicher weiterhin geben wird, welche die sprichwörtliche Regel bestätigen, so ist die Wahrscheinlichkeit, in der Szene auf Leute zu treffen, bei denen die Wellenlänge im Weitesten die Gleiche ist, einfach doch um einiges höher. Bei meinem ersten, richtigen Schwarzclub-Besuch gab es dieses überwältigende Gefühl des „Daheim-angekommen-seins“, und dieses Zuhause wurde im Laufe der Jahre dann auch mit immer mehr Leuten angefüllt, die man sehr wohl als die eigene schwarze Familie bezeichnen kann und mit denen man nicht selten sehr tiefe und tolle Freundschaften entwickelt hat.

Man sollte natürlich nicht drüber hinwegsehen daß es auch in der Szene Idioten und Arschlöcher gibt und daß sicher nicht alle neueren Entwicklungen zum Guten hin sind, doch als generelle Wohlfühlumgebung sind mir schwarze Veranstaltungen einfach um Längen lieber, schonmal deswegen weil die ganze Grundstimmung eine völlig andere ist. Aus der dennoch auch vorhandenen Erfahrung mit handelsüblichen Diskos heraus resümiert, kann ich aber sagen daß mich allein schonmal die Musik dort tierisch nervt, und dann die kreischend-laute Habgefälligstspaß-Partystimmung – nein Danke. Dazu kommt noch allgegenwärtiges, penetrantes Balzverhalten unter Einfluß übermässigen Alkohol-Konsums, was auch gern mal in aggressiven Auswüchsen endet. Und ja, solche Episoden habe ich schon vor beinahe 15 Jahren tatsächlich live miterlebt – von schwarzen Parties kenne ich sowas in der Regel garnicht, auch Balzverhalten ist meistens subtiler und respektvoller und keinesfalls der scheinbar einzige Grund, sich in ein nächtliches Getümmel mit irgendwie tanzbar gearteter Musik zu stürzen. Es ist also nur eine logische Konsequenz, etwas zu meiden das einem nicht nur keinen Spaß macht, sondern stellenweise auch regelrecht auf den Zeiger geht. Wenns um das Thema „Party“ geht, habe ich bei normalen Leuten nicht selten schnell den Ruf weg, zu reserviert und spaßbremsig-distanziert zu sein – naja, dann ist das halt so – es macht aber doch schließlich keinen Sinn, sich durch was durchzuquälen was man im Grunde nicht ausstehen kann.

People_1714Mir sagt auch durchaus die sehr androgyne Grund-Ästhetik der Szene im Allgemeinen, ziemlich zu. Früher noch war mir das nicht so bewusst daß ich es auch formulieren hätte können, heute ist man dem eigenen Wesenskern wieder ein stückweit näher gekommen, und versteht, nach einiger Selbstreflexion auch eher, wieso die Szene ein stückweit auch zu einem sicheren Ort geworden ist. Hier ist das Überschreiten von binären Geschlechtergrenzen nicht nur eine Mode-Erscheinung, sondern für viele auch ein wichtiges Ausdrucksmittel ihrer selbst. Und da lässt man einander auch sein, wie und wer man ist. Tatsächlich ist der Großteil meiner Freunde und Bekannten irgendwo in der queeren Buchstabensuppe verortet, alle auf ihre eigene Art – und allein schon der Austausch persönlicher Geschichten und Ansichten ist ziemlich spannend, im Alltag gestaltet sich sowas weit schwieriger, bin ich ja selbst nicht grade ein Mensch der sich mit seinen biologisch vorgegebenen Voraussetzungen so richtig identifzieren kann, ich würde auch soweit gehen daß die Szenezugehörigkeit erstmal den nötigen Freiraum für Selbsterkenntnis überhaupt gegeben hat, und an einem gewissen Punkt auch den Mut, mehr und mehr davon an die eigene Oberfläche durchsickern zu lassen – was eine immens befreiende Angelegenheit ist, wenn man eine weitere unnötige Fassade (auch wenn die einem lange genug selbst nicht wirklich so bewusst war) endlich beiseite schieben kann. Diesen speziellen Freiraum sucht man im normalen Umfeld auch oft vergebens, oder man beißt auf verschiedenst geartetes Gestein …

 

Wie schon angedeutet – Kritik kann man auch an der Szene genügend loswerden, und nicht alles was „schwarz“ ist, ist deswegen auch jedergrufts Freund, in diesem Umfeld. Letztenendes treiben sich überall nur Menschen herum, ob man sich weiterhin da zuhause fühlt, oder weiterziehen möchte, ist die Entscheidung eines jeden selbst, angebrachte – oder auch manchmal weniger passende – Kritik hin oder her, das Feld zu räumen würde mir nie in den Sinn kommen, auch nicht dann wenn ich mich mal rar mache – schwarz bleibt nämlich schwarz!

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Pluderhose 2.0

Zuerst einmal ein G’Sunds Neues an Alle!

Ich hoffe ihr seid gut reingekommen ins neue Jahr. Ich gestehe, ich hab den Jahreswechsel verpennt da ich beim gestrigen DVD schauen irgendwann wohl weggetreten sein muss – aber am Film lags nicht, der war durchaus gut. Man wird halt älter 😉

Entsprechend zeitig war ich heute dann schon wieder auf den Beinen, und habe den aufkeimenden Tatendrang dafür genutzt gleich mal einen Vorsatz fürs neue Jahr in die Tat umzusetzen: nie wieder verrauschte, schlechte Bilder mit der Digiknipse von meinen Nähwerken. Ein bisschen professioneller muss die Sache ja langsam auch rüberkommen …

Zugegeben, absolut perfekt sind die neuen Photos jetzt auch noch nicht, aber mehr gab vorhandenes Licht und das nach allen Regeln des Punk errichteten „Heim-Photostudios“ a.k.a 6 Meter ungebügelter weißer Stoff, eine Gardinenstange, Stecknadeln und ein riesiges Sofa daß samt Hintergrund unter Zuhilfenahme oben genannter Utensilien abgehängt wurde, heute nicht her 😉 ein Glück daß es Photoshop und Graphiktabletts gibt, und besser sind die Bilder mit der DSLR immerhin schonmal.

Wie im Titel schon erwähnt gibts heute die verbesserte Version meiner ur-wavigen Pluderhosen zu betrachten.
Der erste Versuch wurde im Blog an dieser Stelle schon dokumentiert: https://aristidessteele.wordpress.com/2010/07/06/pluderhose/

Da dieser aus Versuchsgründen noch recht schlicht in der Verarbeitung war, gibts jetzt, da der Schnitt als tauglich befunden wurde, eine etwas schöner gearbeitete Variante.

Aber erstmal die Komplettansicht:

Dieses Exemplar besteht aus einem leichten Baumwollköper – fester als der leinwandbindige Baumwollstoff der ersten Version, aber leicht genug um einen schönen Fall und angenehme Trageeigenschaften zu erzielen.
Geschlossen wird das Ganze mit einem einseitig verdeckten Reißverschluss in der vorderen Mitte (das klassische Hosentürl halt 😉 ) und zwei kleinen silbernen Kugelknöpfen am 4,5 cm breiten Bund, der auf Taillenhöhe sitzt.
Die Mehrweite der Hosenbeine ist am Bund um die Seitennaht in Falten gelegt.

Hier eine Detailansicht von Bund und Falten – klick aufs Bild macht groß:

Von den „Stahlrose“ Labels sind im Übrigen nur noch etwa 4-5 Stück vorhanden (das waren mal 100 davon 😀 ), neue mit dem Schriftzug „Rosa Chalybeia“ werden die kommenden Tage geordert, wobei das Farbschema – silberne Stickerei auf schwarzem Band – natürlich beibehalten wird 😉

Die Beinabschlüsse sind ebenfalls mit Bündchen versehen, die Seitennaht hier ein Stück geschlitzt damit Fuß und Pikes bequem hindurch passen. Verschlossen wird der Schlitz samt Bund hier auch mit den silbernen Kugelknöpfen.
Die Mehrweite des Hosenbeines ist hier wieder in Falten gelegt – klick aufs Bild macht hier ebenfalls groß:

Lustigerweise ist der Suchbegriff „Pluderhose“ in meiner Blogstatistik mit unter den Top 3 Begriffen unter denen sich Leute auf meinen Blog verirren. Manche setzten sogar den Zusatz „80er“ hinzu, scheint also noch mehr Interessenten da draussen zu geben, andernfalls steht natürlich nicht unbedingt fest ob die Suchenden sich mehr für Bauchtanzgewand oder LARP-Klamotte oder gar modische Pluderhosenvarianten interessierten.

Pluderhose!

Endlich! Es ist soweit!
Kaum zu glauben daß es so schwierig war hinter das Geheimnis der Pluderhosen zu kommen, genauergesagt hinter das Geheimnis, welches Modell denn nun tatsächlich von den Wavern in den 80ern getragen wurde. Irgendwie blöd, aber wenn ich für manches historische Gewand recherchiere, ist es einfacher an exakte Informationen zu kommen, als für das Ding.
Nicht daß so ein Beinkleid schwierig zu nähen sei, im Gegenteil, es ist nahezu lächerlich einfach, die Crux an der Sache ist, daß es sehr viele Variationen gibt wie man so ein Teil schneiden kann. Natürlich wollte ich nicht irgendwas was halt so ausschaut, nein, ich wollte genau das Modell haben daß man wie gesagt in den 80ern trug.
Nachgefragt habe ich in meinem Lieblings-Nähforum (das sich zwar eher mit historischem Gewand beschäftigt, doch die Schwarzbrot-Rate ist sehr hoch), vor rund einem Jahr beim Robert im Blog, und zuletzt vor wenigen Wochen im WGT-Forum, da kamen dann wenigstens einige klipp und klare Aussagen. Vielleicht aber kann ich Umstandsmensch mir die Dinge aber auch nur nicht einfach machen – es sei denn die Projekte haben von sich aus schon eine gewisse Grund-Komplexität. Insgeheim habe ich aber auch gehofft daß das verbreitete Hosenmodell eben nicht das mit sehr tief hängendem Schritt ist, aber die weiter geschnittenen Bundfaltenhosen mit stärker ausgeprägter Karotten-Form fand ich bei weiteren Recherchearbeiten eher im Zusammenhang mit Poppern genannt. Ja igitt, das wollen wir doch nicht *kicher*

Ich fand nun also ein extrem simples Schnitt-Diagramm das den gewünschten Hosentypus ergeben sollte, fand ein paar Meter leichten Baumwollstoff im Materiallager und schnitt beherzt zu.
Nur wenig später war das Ergebnis komplett – voila, eine Stilechte Pluderhose:

Mit Rosa drin, im absolut gammligen daheim-arbeit-modus und mit Augenbrauenglatze *g*

„Schweinebequem“ stand noch dabei, bei dem Schnitt-Diagramm, und so viele Vorbehalte ich ursprünglich gegenüber des sehr tief liegenden Schrittes hegte, ich kann der Beschreibung definitiv nur zustimmen 😉
Nur bei den empfohlenen Gummizügen an Bund und Bein habe ich mich geweigert und anständige, feste Bünde angenäht. An den Knöcheln ist die Hose dadurch etwas weiter als geplant, schätze das nächste Exemplar bekommt dafür einfach einen kleinen Schlitz und ein Knöpflein damit das Ganze eng am Fuß abschließt.
Noch ein bisschen mehr 80er könnte man das mit einer sehr breiten Bund bekommen, der hoch auf der Taille sitzt, und dazu eine locker geschnittene, ärmellose Tunika die natürlich im Hosenbund zu verschwinden hat, sowie Kettengürtel, gefühlt tausend silberne Armreifen und … wo verdammt nochmal ist mein Toupierkamm hingekommen … Pikes .. ahso, hab ich ja eh an …

Vorschläge, Wünsche und Anregungen bitte in die Kommentare oder per Mail an mich 😉