Goth on the rocks – das WGT2016

Eine neue Erfahrung ist immer gut zur eigenen Horizonterweiterung und kann oftmals interessante neue Blickwinkel geben, nach 10 Jahren WGT, bei dem im letzten Jahr die Erfahrung „ein Pfingsten ohne das WGT“ erfolgte und als nicht wiederholungswürdig eingestuft wurde, gab es heuer das Experiment „WGT ohne Bändchen“.

Genau das.

Genau das.

Inwiefern man das als Empfehlenswert einstufen kann, zeigt die intensive Versuchsauswertung, deren Bericht ich an dieser Stelle für alle zugänglich machen möchte, damit kann jeder seine Schlußfolgerungen ziehen und gerne in Form eines Kommentars unter das hier vorliegende Versuchsprotokoll setzen.

Die erste Aufgabenstellung war – wie komme ich nach Leipzig. Da meine langjährige Reisegefährtin Victoria heuer ausfiel und ein eigenes Auto nur bedingt vorhanden ist, gab des da die Option „Zug“, welche sich nach dem diesjährigen Ausflug zur Buchmesse als erstaunlich angenehm herausstellte, dennoch gab es da das Problem „Gepäck“, das zum WGT ja bekanntlich doch etwas unhandlicher ausfällt. Zum Glück kennt man ja doch ein paar Leute, und so meldete sich auf meinen Hilferuf eine weitere Victoria, die mit ihrem Mann von Augsburg zum WGT anreiste und Platz für mich samt Gepäck hatte. An der A9 wurde ich aufgelesen und in zügigen und angenehm verquatschten anderhalb Stunden befanden wir uns auch bereits im Landeanflug auf die Grufti-Hauptstadt.

Unsere Route führte uns am Belantis vorbei, wo heuer die Eröffnungsveranstaltung stattfinden sollte, erstaunt und auch etwas entsetzt beobachteten wir da Massen, die den Platz vor dem Freizeitpark tiefschwarz einfärbten.

Am Bahnhof wurde ich abgesetzt und ein paar Meter weiter von Annette eingesammelt – alles erstaunlich perfekt und reibungslos. Faszinierend.

Der Donnerstag-Abend wurde dann traditionsgemäß mit dem Tanz auf der Wiese beim Parkschloß, veranstaltet von der Blauen Stunde, schön stimmungsvoll und gemütlich angegangen. Es war deutlich weniger los als in den Vorjahren, woran womöglich das Wetter und die Belantis-Veranstaltung Schuld gewesen sein mögen. Wir können nur spekulieren …

Entsprechend wenig bekannte Gesichter fanden wir, Dani, eine auch schon recht langjährige WGT-Freundin gesellte sich zu uns und Kathi, eine der jüngeren Spontis-Leserinnen, kam dann auch auf ein kleines Gespräch zu uns auf die Decke.

Gegen 1 Uhr trieb uns die Kälte und die Müdigkeit dann erstmal nach Hause.

Tage bei Annette und Hester fangen immer mit einem laut schnurrenden, schmusewütigen Kater an, und so rammte mir der feline Mitbewohner der beiden erstmal genüsslich den Kopf zwischen die Rippen, um sich von oben bis unten durchflauschen zu lassen. Auch der Prozess des Anziehens wird immer wieder mal katzbotiert, bevorzugt kurz nachdem man sich das Samt-Beinkleid an den Allerwerstesten gezogen hat, dann ist das in einem so unerträglich frischen Zustand daß man durch intensives Anschmusen erstmal gleichmässig Haare überall darauf verteilen muss.

Flausch mich!

Flausch mich!

Wir zogen zeitig los um zu einem Treffen am Panometer, wo heuer zum zweiten Mal das „Victorian Village“ stattfand, zu gelangen. Das „victorianische Dorf“ ist seit dem letzten Jahr quasi die weiterführende Veranstaltung des vormaligen victorianischen Picknicks, das auch ich durch den starken Andrang von Zaungästen und fotowütigen Zeitgenossen leider zunehmend ungemütlich fand. Das Picknick blieb dennoch ein Selbstläufer und findet wie gewohnt an alter Stelle statt, das Interesse, sich den Rudel-Abschuß anzutun war aber auch heuer genauso groß wie in den Jahren davor, daher war ich auf das Panometer gespannt.

Vor dem Victorian Village fand dann erstmal das „Lolita Treffen“ statt – eigentlich ist das ja nun nicht gerade mein persönliches Interessengebiet, und nein, natürlich wird der Adrian auf seine alten Tage jetzt nicht ganz wunderlich und fängt an, selbst kurze Rüschenkleidchen tragen zu wollen 😀 – Hester und Annette haben an dem Thema Gefallen gefunden, und ich halte das einfach nach dem Prinzip – immer schön neugierig bleiben und sich alles mal anschauen, vielleicht findet sich ja auch in dem Bereich ein neuer Kundenkreis, und wenn nicht, bestimmt einige nette Leute zum neu kennenlernen.

Lolita.Treffen am Panometer - und dazwischen lugt eine einsame Kalkleiste hervor ...

Lolita-Treffen am Panometer – und dazwischen lugt eine einsame Kalkleiste hervor …

Letztenendes war es so dann auch – ein paar meiner Flyer wanderten weiter und die anwesenden Mädels waren allesamt richtig nett und liebenswürdig. Ich habe versucht mich als männliches Gegenstück ein klein wenig anzupassen und klemmte mir für ein bisschen „Ouji-Style“* noch ein Krönchen schräg ins weiße Zweithaar. Das mit dem Kalk im Gesicht hätte ich zur Not auch ganz japanisch als „Shiro nuri“** verkaufen können – also, hätte jemand ob meiner Erscheinung komisch geguckt. Hat aber keiner.
Ganz im Gegenteil.

Im Panometer angekommen.

Im Panometer angekommen.

Vor dem Panometer machten wir noch ein paar Erinnerungsbilder für uns, und wanderten dann geschlossen nach Innen. Dort löste sich die Gruppe aber auch schon weitestgehend wieder auf, mit ein paar anderen kam man hingegen noch ganz angeregt ins Gespräch.

Das Victorian Village gefiel uns allen richtig gut, nicht überlaufen und kein permanentes Blitzlichtgewitter. Man konnte recht gemütlich unter sich die Szenerie genießen und sich unterhalten, rings herum waren die Stände kleiner Designer und Kunsthandwerker aufgebaut, von denen einige auch teils schon langjährige Bekannte und nun Kollegen sind, sodaß man die eine oder andere Fachsimpelei austauschen konnte. Im nächsten Jahr werden Annette und auch ich voraussichtlich ebenfalls mit Stand dort vertreten sein – auch wenn es noch hin ist bis dort – ihr könnt gerne schonmal kund tun, was ihr so sehen wollen würdet, dann kann ich schonmal anfangen, ein paar Sachen dafür einzuplanen.

Füße auf dem Südfriedhof

Füße auf dem Südfriedhof

Danach verschlug es uns erstmal in die Innenstadt, beim DM die obligatorisch-vergessenen Nachlackier-Hilfsmittel besorgen, eine Kleinigkeit zu Beißen suchen (Bäcker-Pizza, keine Jungfrauen – auch wenn das jetzt enttäuschend sein mag 😉 ) und hausgemachten Eistee in der „Milchbar“ einfüllen. Die Programmzusammenstellung der Gruppe „WGT ohne Bändchen“ spuckte uns dann noch eine Führung mit Vortrag zu Fledermäusen auf dem Südfriedhof aus, also wechselte ich schnell von Pikes auf meine ausgelatschten Anzugtreter, da die ramponierten Füße wegen längerer Pikes-Abstinenz ein paar Einwände einzubringen hatten.

Hester und Annette gehen auf Tauchstation im Gras

Hester und Annette gehen auf Tauchstation im Gras

Zu besagter Führung fanden sich aber so viele Leute ein, daß man keine Chance hatte, mehr als nur ein gelegentliches „Fledermaus“ aus dem Stimmengewirr herauszuhören, wir beschlossen also, alleine noch ein wenig auf dem Südfriedhof herumzulaufen und die Chance zu nutzen, ein paar Bilder zu machen – immerhin ist Hester eine tolle Hobby-Photographin. Generell haben wir das Wochenende recht intensiv zum Bildermachen für uns genutzt.

Manch schönes Bild sieht aus einer anderen Perspektive reichlich albern aus ...

Manch schönes Bild sieht aus einer anderen Perspektive reichlich albern aus …

Gegen zehn Uhr erklärten wir den Freitag auch schon für beendet – also ungewöhnlich früh für so ein WGT, was irgendwo schade war, andererseits aber auch recht entspannt, ich nutzte die Gelegenheit, den Kalk besonders gründlich aus jeder Pore des Gesichtes herauszuschrubben – wenn man das sonst immer im Halbschlaf und völlig platt, nachts um halb vier machen muss, schätzt man die ausreichende Zeit dafür durchaus.

Wir sichteten also unsere Bilder-Ausbeute, quatschten noch ein wenig und stöberten in der Programmauflistung für die Bändchen-losen. Um Mitternacht lagen wir dann schon flach und schnarchten dem nächsten Tag entgegen.

Während das Freitagswetter noch nahezu ideale Bedingungen bot – also nicht zu kalt und nicht zu warm, und lediglich ein kurzer Regenschauer – zeigte sich der Samstag von einer besonders ekligen Seite. Aprilwetter mit Regen, ja sogar Graupel, naßkaltem Wind und definitiv zu tiefen Temperaturen.

ungruftiges Rumblödeln auf dem Spielplatz Bild von Steffi Baumann

ungruftiges Rumblödeln auf dem Spielplatz
Bild von Steffi Baumann

Unsere erste Anlaufstelle war eine Freundin von Annette und Hester, die von uns im Friedenspark ein paar Bilder machen wollte. Nachdem sowas irgendwann immer in Albernheiten ausartet, gabs erstmal eine Aufwärmrunde auf dem Spielplatz – irgendwo in meiner linken Pikes-Spitze müsste noch Sand sein …

Die Damen bekamen dann spontan Hunger auf Nudeln mit Käsesoße, also flüchteten wir in der Innenstadt zu einem italienischen Restaurant vor der Kälte und leiteten noch ein paar Freunde dorthin um.

Aufwärmen beim Italiener - mit Käse-Nudeln (die sind aber fotoscheu ;) )

Aufwärmen beim Italiener – mit Käse-Nudeln (die sind aber fotoscheu 😉 )

Um 16:00 Uhr wäre dann ein Konzert gewesen, welches als Nicht-Bändel-Besitzer besuchbar gewesen wäre, und da es sich um das Industrial-Urgestein namens „Test Dept.“ handelte, welches auch Dauergast auf Göttertanz-Playlists ist, hatten wir uns das eigentlich auch vorgenommen.

Eigentlich.

Wir hielten uns zu lange im Lokal auf, auch weil die Bedienung aufgrund des WGT-typischen Andrangs relativ zäh verlief und verpassten in alter Tradition eins der wenigen Konzerte auf dem Plan selbstredend haushoch. wir stellen also fest: auch ohne das Ticket schafft man Konzerte verpassen ganz ohne sich anzustrengen.

Die Abendgestaltung sollte dann im heidnischen Dorf stattfinden, auch mit einem Konzert – Estampie.

Ihr dürft raten.

Genau.

Diesmal war der Hinderungsgrund aber die Kälte und die immer wieder drohenden Regenschauer, wir flüchteten also durchgefroren nach Hause, und während Hester nochmal zu einer J-Rock Party weiterzog,  wärmte ich mich erstmal mittels ausgiebigsten Entkalkungs-Maßnahmen unter der heißen Dusche auf, warf einen Blick auf Facebook an Annettes Rechner (ich bin schließlich Mobilinternetverweigerer!), schickte noch ein paar Infos an Leute raus die ich die folgenden Tage noch treffen wollte, und sich trotz der Warnungen via Facebook gemeldet hatten.

Sonntag morgen – das Wetter wurde nicht viel besser, der Kater verteilte weiterhin fleißig Haare auf Ausgehklamotten und hat mich schon längst als dritten Dosenöffner akzeptiert – und die Damen beschlossen, hauptsächlich aufgrund des erstgenannten Umstandes, das von den beiden organisierte historische Tanzen im Park ausfallen zu lassen.

Die Regenschauer wurden zwar weniger, trotzdem ist so ein durchgefeuchteter Untergrund nicht grade Tanztauglich. Ich wechselte noch ein paar SMS mit einer Photographin die ich an diesem Tag treffen wollte, dann steuerten wir das Grassi-Museum an.

Vier frieren vor dem Grassi-Museum

Vier frieren vor dem Grassi-Museum

Vor dem Eingang tummelte sich schon eine schwarze Menge, zu der sich bald ein paar Bekannte von uns dazugesellten, die uns auch darüber aufklärten, daß der Auflauf die „Weinverkostung zum WGT“ war. Also, jeder brachte Wein mit, der dann gemeinschaftlich vor dem Museum vernichtet wurde.

Wir froren fleißig vor uns hin, während wir auf weitere Freunde warteten, auch meine Photographin lies dann nicht mehr zu lange auf sich warten, allerdings mussten wir erstmal vor einem Regenguß ins Innere des Museums flüchten, dort rannte ich nochmal in Freunde aus Bayreuth, man verquatschte sich bis das Wetter wieder besser wurde und wir uns in den anschließenden Johannispark für die geplanten Bilder bewegen konnten. Dort hatten wir dann Glück, für längere Zeit war der Himmel sogar wolkenfrei und der schwarze Pelz wärmte sich im Sonnenlicht endlich mal schön angenehm auf.

Im Grassi-Museum hing die Pfingstgeflüster-Ausstellung von Markus Rietzsch, auch von mir war eine der Aufnahmen aus den Vorjahren dabei, im ganzen Gewühl habe ich es selbst aber nicht mehr in die Ausstellung geschafft, also berichtete mir Hester, welches Bild von mir dort zu sehen war.

Nach der Bilder-Aktion waren wir aber trotz der Sonne wieder einmal durchgefroren, also suchten wir uns vier Wände mit Dach drüber und schlenderten durch die Ausstellung des Labels „Lucardis Feist“ im noblen Fürstenhof. Dort rauschte ich in eine weitere Bekannte und Kundin, dummerweise schlug da meine Gesichtsblindheit voll zu und ich stand erstmal komplett verwirrt vor ihr.

Wir run mal so, also wäre von oben nicht schon genug Wasser gekommen ...

Wir run mal so, also wäre von oben nicht schon genug Wasser gekommen …

Inzwischen bin ich zwar recht gut darin, meine Unfähigkeit, Leute zu erkennen, zu überspielen, bis im Gespräch dann genug Anhaltspunkte zu Wort kommen, an denen ich mein Gegenüber identifizieren kann – nur manchmal klappt das eben auch nicht … es tut mir wirklich fürchterlich leid, aber ich kann nichts dafür  – ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel.

Jedenfalls verabredeten wir uns noch für den folgenden Tag, warteten einen weiteren Regenguß im Hotel ab und wanderten dann los um etwas gegen das aufkommende, kollektive Magenknurren zu unternehmen.

Kurz vor der Innenstadt hüpften wir noch ein wenig Bilderschießend um ein paar Springbrunnen herum, und es kam wie es kommen musste – Passanten zückten die Handykameras und fragten einer nach dem anderen nach einem Bild. Naja, es nahm immerhin nicht überhand und man zeigte sich auch recht interessiert an der Szene und dem Ganzen, ein Mann fragte mich ausgiebigst, wie „wir“ uns organisieren, und wie das alles so abliefe, setzte dann noch hinzu daß es sicher auch toll sein müsse, wenn man sich dann einmal im Jahr so schön „verkleiden“ könne und dann aus dem Alltag so ausbrechen könne – wie zu erwarten erntete ich einen erstaunten Gesichtsaudruck auf meine Aussage hin, daß ich – wie viele andere aus der Szene eben auch – recht konsequent auch alltags schwarz trage, und eben auch ausserhalb des WGTs andere Veranstaltungen sind auf denen man sich trifft und Gelegenheit hat „etwas mehr“ als Alltagsüblich in die Malerkiste zu greifen – ohne daß man das aus Gründen der „Verkleidung“ tut, sondern eben weil es Teil der persönlichen Szene-Identifikation und Ausdrucksmittel ist.

Einen schönen Kommentar zu Kleidung und Verkleidung gibt es von Dunja Brill auf den MDR-Seiten zum WGT den man sich unbedingt in dem Zusammenhang mal anhören sollte.

Man könnte fast meinen, es wäre schönes Wetter gewesen.

Man könnte fast meinen, es wäre schönes Wetter gewesen.

Ich muss aber auch sagen daß ich, jetzt wo ich auch in der Cosplay-Szene (die natürlich garnichts mit WGT und Goth-Tum zu tun hat) ein wenig herumgegeistert bin, ein paar Ideen habe, woran diese Verkleidungs-Aussenwahrnehmung der Szene noch liegen könne (als Ergänzung vielleicht zu dem was ja schon länger Gegenstand der Diskussion ist) – doch dem werde ich dann einen eigenen Artikel widmen.
Dort gibt es nach Veranstaltungen nämlich ganz ähnliche Reaktionen wie „hat uns jemand photographiert, schickt uns bitte die Bilder!“ – nur der Umgang damit ist deutlich ein Anderer. Vielleicht verwechseln Aussenstehende beide Szenen auch gerne mal?

Doch weiter im Programm – fürs Essen-Fassen haben wir uns an diesem Tag für Sushi entschieden. Und damit gab es für dieses WGT ein weiteres Novum für mich – ich rationalisiere bei solchen Veranstaltungen die Nahrungsaufnahme oft so ziemlich weg, ich bin an sich kein Fan von Essen-Gehen, und wenns dann anders nicht mehr geht, inhaliert man eher schnell an einer Ecke etwas von einer Imbiß-Bude und verkriecht sich dabei in irgend ein dunkles Eck um sogut wie möglich dabei seine verdammte Ruhe zu haben.

Der Haufen in der Sushi-Bar - nur echt mit im Kreis fahrendem Essen!

Der Haufen in der Sushi-Bar – nur echt mit im Kreis fahrendem Essen!

Doch die schon angesprochene Kälte macht irgendwo drinnen sitzen einfach angenehmer, und ich bin inzwischen auch deutlich entspannter, ausserdem fielen durch das Nichtvorhandensein des Bändchens einige andere Ausgaben weg, eingekauft habe ich sowieso nur eine David Bowie-Kachel im „Victorian Village“, da kann man sich dann auch an anderer Stelle mal was gönnen.

Ich war noch nie in einem Sushi-Restaurant in dem das Essen auf mittig platziertem Förderband an den Gästen vorbeizieht. Wir bestellten also asiatischen, hausgemachten Eistee und legten dann los. Es war tatsächlich ziemlich lustig und sollte definitiv wiederholt werden, wir waren alle viere am Ende auf rollbarem Niveau voll mit Sushi und anderem asiatischen Essen, daß es nicht schaffte, schnell genug an uns vorbeizufahren.

eine Miso-Suppe passt noch irgendwie rein ...

eine Miso-Suppe passt noch irgendwie rein …

Zur allgemeinen Verdauung hatten wir noch einen kleinen Spaziergang zurück zum Auto, mitten durch die Innenstadt vor uns – ein paar Photographen und Passanten mit Handykameras kamen noch an uns vorbei, aber im Großen und Ganzen war die Stadt um die Zeit dann schon fast leergefegt.

Da wir die Tage zuvor zeitig zuhause waren, und die Wedel-Parties, die nun seit 2008 fest im WGT-Programm sind, ohne Bändchenbesitz diesmal nicht besuchbar waren, sind wir in Sachen abendliche Party bis dahin leer ausgegangen, doch heuer waren die Wave-Abende im Beyerhaus-Keller wieder vorhanden und auch gegen Entgeld zugänglich, daher wollten wir wenigstens einen Tanz-Abend mitnehmen, ausserdem fand ich 2013 den Beyerhaus-Keller optisch und ambientig einfach großartig, und auch die Musikauswahl war vor drei Jahren eigentlich richtig granatig.

Wir fuhren also zuerst einmal kurz in die Wohnung, luden die warmen Umhänge und Schirme ab, und ich tauschte die weiße Kontaktlinse aus und entledigte mich des grau-weißen Zweithaares. Damit wären wir bei einem weiteren WGT-Novum: Perücken mochte ich eigentlich nie, irgendwie fanden dann aber für Cosplay doch ein paar dieser Dinger ihren Weg in meinen Schrank, also dachte ich mir mal – weiße Haare sind schon irgendwie cool, ich probiers mal aus.

Und ja – ich muss zugeben, das Endprodukt mit Zweithaar gefiel mir dann ausserordentlich gut – aus diesem Grund rannte ich dann drei Tage in Folge mit dem Ding auf dem Kopf herum. Nur am Abend des dritten welchen war ich dann auch froh um das erstaunlich zugige Gefühl auf dem Kopf. Eine Erfindung des WGT-Wochenendes war daher dann auch der Perücken- und Haarteil-Kratzer  – ähnlich wie der Rückenkratzer, nur kleiner eben. Alle Herrschaften aus unserem Bekanntenkreis, die ebenfalls Perücken oder Haarteile oder größeren Kopfschmuck tragen waren sich einig – wir müssen damit in Produktion gehen!

Der Beyerhaus-Keller - hier noch recht leer

Der Beyerhaus-Keller – hier noch recht leer

Zurück zum Beyerhaus-Keller. Wir standen zeitig vor der Tür, und als wir dann auch den Eingang fanden (der vor drei Jahren woanders war), saßen wir erstmal relativ alleine drinnen, lauschten den Soundchecks und beobachteten wie einige Techniker noch an Teilen der Beleuchtung herumfummelten. Annette und Hester fummelten derweil an ihren Handies herum – aber um ein paar Ambiente-Bilder von der Umgebung zu machen und Detailaufnahmen von diversen Scheinwerfern und Lichtspielen an Wänden und Personen.

Dabei entstand auch der folgende psychedelische Wave-Adrian, nur echt mit der Laser-Show auf der gesichtsgelegenen Kalk-Leinwand:

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Die Musikauswahl war wie vor drei Jahren formidabel, auch Herrn von Karnsteins Stimme, in Form seines Wave-Musikprojektes „Farblos“ war zu belauschen, gegen 12 Uhr füllte sich der Saal dann auch merklich, leider tat das der Stimmung ausnahmsweise den Abbruch schlechthin. Menschen die mitten auf der Tanzfläche Nachrichten in ihre Schlaufons tippten und laute, trotz des Wetters leicht bekleidete Damen, die sichtlich mehr als genug Alkohol intus hatten und fröhlich am Bar-Tresen vor sich hinschwankten … Hester schlief eh schon fast – sie war ja am Vorabend schon lange aus gewesen, daher brachen wir gen halb zwei Uhr auch wieder auf.

Und damit näherten wir uns auch schon dem letzten Tag des WGTs. Ich zupfte ein paar Katzenhaare von meinen neuen, gestreiften Pluderhosen, gab aber recht schnell wieder auf, und machte mich an die Details der gruftigen Kriegsbemalung.

Malerearbeiten in Arbeit - ich brauche noch ein "Vorsicht - frisch gestrichen!" - Schild :D

Malerarbeiten im Gange – ich brauche noch ein „Vorsicht – frisch gestrichen!“ – Schild 😀

Wir verabredeten und am Südplatz mit Freunden, einmal Susi, ebenfalls aus Leipzig, die via Tram zu uns stieß, und Anita nebst Freund – die ich am Vortag im Fürstenhof so grandios nichterkannt habe. Wir wanderte zu einer nahegelegenen Grünfläche und plauderten, ich nahm Maß für einen Kleider-Auftrag und zeigte Stoffproben her, die ich extra für meine Kundin mitgebracht hatte. Da Anita auch zur bildermachenden Fraktion gehört, nutzten wir auch ein halbes Stündchen für ein paar Bilder – als selbstständiger Schneider brauche ich natürlich auch zu Werbezwecken Augenfutter, denn ohne Bildmaterial keine Aufträge. Ganz logisch …

Schon wieder Bilder machen ...

Schon wieder Bilder machen … diesmal mit Anita Stellmacher

Wir trennten uns dann kurz und trafen uns beim inzwischen auch schon obligatorischen Spontis-Treffen nahe der Moritzbastei wieder – und dort tummelte sich eine schwarze Masse an Pikes-Trägern, Iros und wavigen Wuschelfrisurbesitzern. Das Treffen ist jedes Jahr immer wieder schön, man sieht alte Bekannte wieder die teils auch zu Freunden wurden im Laufe der Zeit, sowie neu hinzugekommene Leser von Roberts Blog, welcher unter spontis.de zu finden ist.

Wie immer unterhält man sich vorzüglich, hat andererseits aber auch wieder zu wenig Zeit um längere Gespräche zu führen, man wuselt vom Einen zum Anderen , und natürlich ist der Pikes-Kreis, der Jahr um Jahr an Umfang zunimmt, ein Muss.

Sicher wird sich Robert auch nochmal zu dem Treffen äussern – und wie immer gab es auch den Spontis-Treffen-Button sowie das kleine Magazin zum Blog, das von Jahr zu Jahr ein Stück professioneller wird.

Platzierungen für den Pikes-Kreis werden eingenommen

Platzierungen für den Pikes-Kreis werden eingenommen

Die Gruppe löste sich dann tröpfchenweise auf, und als nur noch eine schwarze Pfütze übrig war, verabschiedete ich auch mich, da ich meine Damen nicht weiter warten lassen wollte.

Wir steuerten dann auf das Umaii in der Innenstadt zu – ein weiteres japanisches Restaurant das sich hauptsächlich auf Ramen spezialisiert hatte.

Bis auf einen etwas verunglückten Heim-Versuch bei dem auch nicht alle Zutaten auftreibbar waren, hatte ich noch keine anständigen Ramen getestet – also eine weitere neue Erfahrung.

Bei dem immernoch anhaltenden Pisswetter war so eine warme, japanische Nudelsuppe genau perfekt, auf den stilgerechten Suppen-Schlürf-Vorgang habe ich aber verzichtet, das hätte der Kalk dann doch nicht ganz ausgehalten …

Ramen Nicht meine, sondern Annettes ...

Ramen
Nicht meine, sondern Annettes …

Das Lokal war jedoch reichlich leergefressen, beim Nachtisch-ordern waren eine ganze Reihe Dinge nicht mehr verfügbar, und Bekannte von uns, die gerade kamen als wir gingen, berichteten am nächsten Tag daß bei deren Bestellung noch weniger Zutaten vorhanden waren als bei uns noch.

Wir setzten dann Susi bei ihr zuhause ab, durch einen glücklichen Zufall hatte sie ein Paar Pikes übrig daß sie nicht trug, und wir noch dazu die gleiche Schuhgröße – und so wanderte ein weiteres Paar in meinen Besitz über.

Die Agra hatten wir die Tage über nicht angesteuert, da wir ohne Band eh nicht aufs Gelände konnten, jedoch wollten wir später zur Abschlußveranstaltung der Blauen Stunde, und das Haus ist von der Agra nicht weit entfernt, daher wickelten wir uns erstmal in alle Kleidungsstücke ein die wir dabei hatten und setzten uns noch ein Weilchen vor das Messegelände, in der Hoffnung daß noch ein paar unserer Bekannten vorbeikamen, die wir bislang nicht gesehen hatten.

Bedingt durch das Wetter und unser sonstiges Fernbleiben von der Agra sind uns die Massen der Besucher weitestgehend entgangen, doch unser Eindruck war, daß man Cyber kaum mehr sieht und der generelle Trend wieder ein Stückweit mehr zu klassischen Wave-Matten, Pikes und Pluderhosen gegangen ist als noch in den Vorjahren. Wer da aber andere Eindrücke hat, darf die sehr gerne in den Kommentaren mitteilen.

Vor der Agra hatten wir tatsächlich noch wen getroffen – das Pärchen kannte ich bislang zwar nicht, dafür Hester und Annette, doch relativ schnell landeten wir wieder beim Rumblödeln – besonders unser Einfall von einem der Vortage – das Grufti-Yoga für Morgenmuffel mit den Übungen „die Grabplatte“ und „der schlappe Zombie“ sorgten für einiges an Erheiterung und hemmungsloses Weiterspinnen der Idee. Auch der „Sanitär-Cyber“ hatte eine erneute Erwähnung und wurde noch etwas fachgerecht ausstaffiert.

Die Blaue Stunde

Die Blaue Stunde

Wir zogen dann weiter zum Haus der Blauen Stunde und konnten unser Stamm-Sofa, im Wohnzimmer gleich im Eck hinter dem großen Tisch, wieder besetzen. Dani traf nebst Freund etwas später ein, und so konnte man in Ruhe das WGT ausklingen lassen, während vom Nebenzimmer „Bauhaus“ hereindrang.

Das Haus füllte sich bald, aber nie übermässig, ich kam noch ins Gespräch mit ein paar Leuten die sich für victorianische Kleidung interessierten, machte erste Beratungen und erklärte den Aufbau und verteilte meine restlichen Flyer. Frank von der Blauen Stunde zeigte mir ein Plätzchen an dem ich den letzten Rest dann auslegen konnte, auf dem Tisch platzierte ich auch ein paar, die kurz darauf interessiert studiert wurden.

Samstags im heidnischen Dorf kam auch jemand auf Florentine zugestürmt – die an dem Tag Tournüre trug – mit der Frage wo man solche Kleider herbekommt. Mein Einsatz!

Und jetzt bin ich natürlich ganz gespannt was sich aus spontanen Beratungen, Plaudereien und Flyer-Verteilen noch so ergibt …

Die Blaue Stunde verließen wir um ein Uhr, also auch vergleichsweise zeitig, Dani rief vor Ort noch im Puschkin an, an dem dienstags unser obligatorisches Voll-im-Arsch-Frühstück stattfindet, nur wurde diesmal vergessen, daß wir dazu einen Tisch reservieren wollten, zum Glück lies sich das so kurzfristig aber noch regeln.

Dienstage nach WGTs sind immer so eine Sache, man ist müde und hängt durch und ist entsetzt daß vier Tage Treffen schon wieder so unglaublich schnell vergangen sind.

Mii-tan – Annettes Kater – kam dreimal ins Bett hochgekrochen und verlangte Krauleinheiten – und irgendwie war er da wieder, der schlappe Zombie 😀

Irgendwann  hatte das Katertier mich wach genug daß ich mich schonmal ins Bad schlich und die Dusche besetzte um Kalkreste und Haarlack vom Vortag gar abzuschrubben.

Der Koffer wurde neu geschichtet – da ich zur Anreise schon alles reingepresst hatte was ich reinbekommen habe, war „reinwerfen und zumachen“ diesmal keine Option, jeder Quadratmillimeter musste ausgenutzt werden.

Das Puschkin war gut gefüllt, wie gewohnt, doch auch hier gab es weniger Andrang als in manchen Vorjahren.

Alwa und Mike saßen da schon, ich habe mich riesig gefreut die beiden endlich mal wieder sehen zu können, freitags sind wir uns im Panometer schon begegnet, doch ein bisschen genauer quatschen über diverse Dinge war dann im Puschkin einfach besser.

Die Frühstücksrunde fiel wesentlich kleiner aus als in manch anderen Jahren, neben Alwa, Mike, Hester, Annette, Dani und ihrem Freund Severin sowie mir, kam noch ein Paar aus Hamburg dazu das wir seit vielen Jahren am WGT wiedertreffen, der Erstkontakt war hier auch, wie bei sehr vielen Bekannten und inzwischen guten Freunden, über das sogenannte „grüne Forum“ in dem man sich über historische Kleidung austauschen kann. Ich bin jedoch schon seit Jahren dort nicht mehr aktiv, man hält aber den Kontakt heutzutage vornehmlich über Facebook weiter.

Gegen zwei Uhr war es dann Zeit für das große Verabschieden, mein Gepäck luden wir in Danis Auto um, das Severin fachgerecht umschlichtete, Dani hatte als erfahrene Tournürendame natürlich einiges an Stoff bei sich – im eigenhändig vernähtem Zustande natürlich – aber noch war genug Platz für einen schmalen Kerl und seinen Dreispitz.

In großzügigen anderhalb Stunden kamen wir auch schon an meiner Abwurfstelle an der A9 vorbei, in einer weiteren halben Stunde war ich dann wieder in den eigenen vier Wänden, wo mein eigener Kater die Taschen, ob der ungewohnten Gerüche, die natürlich auch von den zwei Katzen (Chi, das Mädel ist ziemlich scheu, im Gegensatz zu ihrem brutalschmusigen Bruder), die bei Annette und Hester wohnen, herrührten, ausgiebigst abschnuffelte.

Und damit ist ein weiteres WGT leider schon wieder Geschichte …

Fazit des Ganzen: WGT ohne Bändchen ist möglich und es finden sich genug Programmpunkte die man problemlos mitnehmen kann. Ob ich das jedoch wiederhole ist eine andere Geschichte, die Agra hat mir ein wenig gefehlt – weniger wegen der *hust* Atmosphäre da und noch weniger wegen den Konzerten, auch die Verkaufshalle brauche ich nicht zwingend, in den letzten Jahren habe ich sowieso nur Ringelsocken gekauft dort. Aber als Treffpunkt an dem sich früher oder später alle Bekannten die man im Lauf von gut zehn Jahren WGT nun so alle kennengelernt hat, ist die Agra einfach ein Teil davon. Natürlich bleibt mehr als fraglich ob das Agra-Abhäng-Kriterium die Geldausgabe für die Karte rechtfertigen würde – denn das tut es definitiv nicht, also warten wir bis es im nächsten Jahr mit dem Programm soweit ist daß man absehen kann, ob es sich generell lohnen würde.

Wäre das Wetter insgesamt besser gewesen, hätte man auch sicher noch einige Aktivitäten mehr mitnehmen können, doch für das Wetter kann man nunmal nichts.

Viele Bändchenverweigerer begründeten ihre Entscheidung ja auch mit der Band-Auswahl, in der Hinsicht aber muss ich sagen daß ich eigentlich recht viele Bands gefunden hatte, die ich durchaus hätte sehen wollen, und bei der Dreckskälte wäre die Motivation, sich in einen Konzertsaal zu begeben, sicher auch höher gewesen als bei den warmen bis heftig heißen WGTs der Vorjahre, wo man leichter mal draußen versumpfen konnte. Trotzdem hatten wir unseren Spaß und auch wenn die Bändchenlosigkeit das Ganze ein wenig seltsam gemacht hatte, so war es wieder ein tolles WGT – aber warten wir mal auf das nächste Jahr mit der Entscheidung, ob dann wieder richtig und mit Karte, oder doch wieder ohne.

Nur das Wetter möge bitte deutlich besser werden …

*Ouji = japanisch für „Prinz“, ein Begriff der unter anderem für das männliche Gegenstück zu Lolita verwendet wird, ist ebenfalls inspiriert von victorianischer Kleidung.

*Shironuri = japanisch für „weiß angemalt“ – bezieht sich auf das weiße Make-Up, ein gesonderter Artikel folgt.

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Gothic Friday 2016 – Warum bist Du immer noch in der Szene?

Es war einmal ein Blog-Projekt welches da hies „Gothic Friday“, und zu dem die Schwarzgewandeten aller Länder zusammengekommen waren, um ihren Teil des Ganzen beizutragen … und wenn sie nicht gestorben sind, dann finden sie sich auch nun wieder zusammen …

Oder so ähnlich.

Der „Gothic Friday“ ist natürlich kein Märchen, es gab ihn anno 2011 schonmal, und gestorben ist, wider der Annahmen manch „bunter“ Menschen, die sich für besonders witzig halten, wenn sie uns, ob der finsteren Kleidungs-Farbwahl auf ein derartiges Ereignis anzusprechen meinen müssen, dann eigentlich auch nicht.

Fünf Jahre sind eine lange Zeit, trotzdem scheint es manchmal, als wäre es neulich erst gewesen. Es schien vielen so ergangen zu sein, denn die Stimmen wurden lauter, die ganze Aktion einfach doch nochmal neu aufzulegen.

Damals riefen dieses ziemlich interessante Projekt Robert von Spontis und Shan Dark vom schwarzen Planeten ins Leben. Einmal pro Monat wurde an einem Freitag ein Thema gestellt, zu dem sich Gruft-Blogger und Sympathisanten in Textform äussern konnten. Dabei wurde eine Vielzahl von Anektoden, Erlebnissen, Meinungen und Ansichten zusammengetragen, die auch heute noch spannend zu lesen sind.

Die zweite Runde wurde am 5. Februar – natürlich ein Freitag – neu eingeleitet, es wird hierbei keine Wiederholung sein, sondern mehr eine Fortführung, da neue Themen ausgewählt wurden, einsteigen kann aber dennoch jeder der Spaß daran hat, man muss also nicht schon bei der ersten Runde dabei gewesen sein.

Selbstredend wird der Nähkästchen-Blog auch diesmal mit von der Partie sein, jedoch nicht nur als Teilnehmer – dem Fahndungsausfruf nach Mit-Tätern bin ich auch gefolgt  – verraten wird natürlich noch nichts, außer höchstens daß wir viele sehr interessante Themen zusammengetragen haben.

Das Einstiegsthema ist für alle neu dazugekommenen – als einzige Ausnahme – dann doch eine Wiederholung, nämlich die Frage danach, wie man eigentlich in die Szene gekommen ist. Damit die Teilnehmer der ersten Runde sich dabei aber nicht langweilen müssen, gibt es die Alternativ-Aufgabe – „Warum bist Du noch immer in der Szene?“ – und genau dieser Frage möchte ich mich im Folgenden nun widmen.

Auch Schwarzvolk altert, längst ist die Subkultur über den Status der reinen Jugendkultur hinausgewachsen und nicht alle die schon seit den Anfängen in den frühen 80ern dabei waren, haben sich mit fortschreitendem Alter von der vermeintlichen „Jugendsünde“ abgewandt. Es folgten neue Generationen die von den vorherigen mit gerümpfter Nase beäugt wurden, und die letztenendes selbst irgendwann über das Teenie-Alter hinaus kamen – und ebenfalls überzeugt schwarz blieben.

Man sieht die altersmässige Durchmischung ganz gut an jedem schwarzen Club-Abend und an jedem Festival.

WGT 2014 man trifft sich sogar schon selbst ;)

WGT 2014 man trifft sich sogar schon selbst 😉

Ich selbst zähle mich zur zweiten Generation – die der frühen 90er. Auch wenn mein aktiver Szene-Einstieg erst um 2000 herum seinen Lauf nahm, so waren meine ersten Begegnungen mit dem „schwarz“ in den Anfängen der 90er. In Nürnberg und Bayreuth, da liefen „sie“ in den Innenstädten herum, und irgendwann überwand die Faszination das mulmige Gefühl, und ich fand mich im nürnberger „Underground“ wieder. Gekauft habe ich da nie etwas, aber es führte dazu daß ich Frau Mutter, ihrezeichens selbst vom Fach des textilverarbeitenden Handwerkes, mit Pannesamt und Tüllspitze vor der damals noch etwas irritierten Nase herumwedelte (ich habe zu der Zeit noch nicht selbst genäht – nur wenn die Bude sturmfrei war und niemand sehen konnte daß ich mich an der Nähmaschine zu schaffen mache). Auch wenn die komplette Einschwärzung noch ein wenig auf sich warten lies, der „schwarze Faden“ zeigte sich schon seit meiner Kindheit immer wieder mal, daher war das Endergebnis nicht so verwunderlich, lediglich das Aufwachsen in einer beknackten Kleinstadt, in Zeiten vor dem Internet und nicht vorhandenen Transportmöglichkeiten, zögerten einige Dinge dann unweigerlich etwas hinaus.

Doch das ist jetzt auch schon ein Weilchen her.

In den letzten zwei bis drei Jahren habe ich mich etwas rar gemacht, was aber an vielen verschiedenen Dingen lag, der hinderlichste ist wohl der, daß ich – nicht wirklich freiwillig, wie ich dazu sagen muss – nun wieder in der Kleinstadt festsitze, die ich nach meinem Abitur nur zu gern verlassen hatte. Von hier aus irgendwohin schwarz weggehen ist ein halber Staatsakt – die Story vom letzten Göttertanzbesuch von hier aus wäre beispielsweise ein Roman für sich … trotzdem, manchmal hat man auch allgemein weniger das Bedürfnis nach Weggehen, oder es halten einen stressige Saisonjobs am Theater vom Besuch des Lieblingsfestivals ab – deswegen kehrt man dem schwarz ja nun nicht den Rücken, denn in den eigene vier Wänden läuft immernoch die gleiche Musik und der Kleiderschrankinhalt hat nichts vom heimeligen schwarz eingebüßt, auch wenn die Pikes einen leichten Staubfilm angesetzt haben – denn in der hauseigenen Keller-Werkstatt macht man sich logischerweise eher selten die Mühe, zu Kajal und Toupierkamm zu greifen.

Halbwegs aktuell - April 2015

Halbwegs aktuell – April 2015

Was mich immer in der Szene gehalten hat, war – natürlich neben der Musik, die Leute. Selbst wenn es immer wieder bunte Ausnahmen gab und sicher weiterhin geben wird, welche die sprichwörtliche Regel bestätigen, so ist die Wahrscheinlichkeit, in der Szene auf Leute zu treffen, bei denen die Wellenlänge im Weitesten die Gleiche ist, einfach doch um einiges höher. Bei meinem ersten, richtigen Schwarzclub-Besuch gab es dieses überwältigende Gefühl des „Daheim-angekommen-seins“, und dieses Zuhause wurde im Laufe der Jahre dann auch mit immer mehr Leuten angefüllt, die man sehr wohl als die eigene schwarze Familie bezeichnen kann und mit denen man nicht selten sehr tiefe und tolle Freundschaften entwickelt hat.

Man sollte natürlich nicht drüber hinwegsehen daß es auch in der Szene Idioten und Arschlöcher gibt und daß sicher nicht alle neueren Entwicklungen zum Guten hin sind, doch als generelle Wohlfühlumgebung sind mir schwarze Veranstaltungen einfach um Längen lieber, schonmal deswegen weil die ganze Grundstimmung eine völlig andere ist. Aus der dennoch auch vorhandenen Erfahrung mit handelsüblichen Diskos heraus resümiert, kann ich aber sagen daß mich allein schonmal die Musik dort tierisch nervt, und dann die kreischend-laute Habgefälligstspaß-Partystimmung – nein Danke. Dazu kommt noch allgegenwärtiges, penetrantes Balzverhalten unter Einfluß übermässigen Alkohol-Konsums, was auch gern mal in aggressiven Auswüchsen endet. Und ja, solche Episoden habe ich schon vor beinahe 15 Jahren tatsächlich live miterlebt – von schwarzen Parties kenne ich sowas in der Regel garnicht, auch Balzverhalten ist meistens subtiler und respektvoller und keinesfalls der scheinbar einzige Grund, sich in ein nächtliches Getümmel mit irgendwie tanzbar gearteter Musik zu stürzen. Es ist also nur eine logische Konsequenz, etwas zu meiden das einem nicht nur keinen Spaß macht, sondern stellenweise auch regelrecht auf den Zeiger geht. Wenns um das Thema „Party“ geht, habe ich bei normalen Leuten nicht selten schnell den Ruf weg, zu reserviert und spaßbremsig-distanziert zu sein – naja, dann ist das halt so – es macht aber doch schließlich keinen Sinn, sich durch was durchzuquälen was man im Grunde nicht ausstehen kann.

People_1714Mir sagt auch durchaus die sehr androgyne Grund-Ästhetik der Szene im Allgemeinen, ziemlich zu. Früher noch war mir das nicht so bewusst daß ich es auch formulieren hätte können, heute ist man dem eigenen Wesenskern wieder ein stückweit näher gekommen, und versteht, nach einiger Selbstreflexion auch eher, wieso die Szene ein stückweit auch zu einem sicheren Ort geworden ist. Hier ist das Überschreiten von binären Geschlechtergrenzen nicht nur eine Mode-Erscheinung, sondern für viele auch ein wichtiges Ausdrucksmittel ihrer selbst. Und da lässt man einander auch sein, wie und wer man ist. Tatsächlich ist der Großteil meiner Freunde und Bekannten irgendwo in der queeren Buchstabensuppe verortet, alle auf ihre eigene Art – und allein schon der Austausch persönlicher Geschichten und Ansichten ist ziemlich spannend, im Alltag gestaltet sich sowas weit schwieriger, bin ich ja selbst nicht grade ein Mensch der sich mit seinen biologisch vorgegebenen Voraussetzungen so richtig identifzieren kann, ich würde auch soweit gehen daß die Szenezugehörigkeit erstmal den nötigen Freiraum für Selbsterkenntnis überhaupt gegeben hat, und an einem gewissen Punkt auch den Mut, mehr und mehr davon an die eigene Oberfläche durchsickern zu lassen – was eine immens befreiende Angelegenheit ist, wenn man eine weitere unnötige Fassade (auch wenn die einem lange genug selbst nicht wirklich so bewusst war) endlich beiseite schieben kann. Diesen speziellen Freiraum sucht man im normalen Umfeld auch oft vergebens, oder man beißt auf verschiedenst geartetes Gestein …

 

Wie schon angedeutet – Kritik kann man auch an der Szene genügend loswerden, und nicht alles was „schwarz“ ist, ist deswegen auch jedergrufts Freund, in diesem Umfeld. Letztenendes treiben sich überall nur Menschen herum, ob man sich weiterhin da zuhause fühlt, oder weiterziehen möchte, ist die Entscheidung eines jeden selbst, angebrachte – oder auch manchmal weniger passende – Kritik hin oder her, das Feld zu räumen würde mir nie in den Sinn kommen, auch nicht dann wenn ich mich mal rar mache – schwarz bleibt nämlich schwarz!

Maschinenfest 2k13

IMAG0082_kl On the road again – nach nervigem Umzugskisten-Schleppen und einem Haufen weiterer Unerfreulichkeiten, war es endlich mal wieder soweit, Chris und ich begaben uns gen Nordrhein-Westfalen, um dort ein dreitägiges Festival zu besuchen.

Diesmal nichts mit neoklassischen Klängen und Leuten in aufwendigen Roben, keine Foto-Menschen auf Safari, kein edler, historischer Saal.

1999 fand das Maschinenfest zum ersten Mal statt, seitdem  finden sich jedes Jahr zahlreiche Bands aus dem Industrial-Umfeld und Fans dieser Musiksparte in der Turbinenhalle in Oberhausen ein.

Ich selbst hatte schon seid einigen Jahren vor, mir das mal anzusehen, doch wie es immer ist – nie wollte es organisatorisch gesehen hinhauen. Ein Glück daß Chris sich für solche Musik ebenfalls begeistern kann, und so haben wir es in diesem Jahr dann endlich geschafft,d en knapp fünfstündigen Fahrweg bis Köln auf uns zu nehmen, wo uns ein Bekannter liebenswerterweise beherbergte. Von da aus ist Oberhausen nochmal 45 Fahrtminuten weg, nicht ganz ohne wenn man das dann drei Tage fahren muss, besonders beim Rückweg, aber noch im Rahmen.

Jetzt aber moment mal – Kalkleisten und Romantik-Grufties auf einem Industrial-Festival?

Ja, das passt sogar sehr gut zusammen, wie uns dann auch einer der Künstler am letzten Tag noch eindrucksvoll bewiesen hatte 😉 – aber dazu später mehr – nur soviel dazu – wer sich mal die Playlisten diverser Götteränze ansieht, stellt schnell fest daß da mehr echter Industrial gespielt wird, als auf puren Cyber-Parties – man denke da an Sephiroth, Test Dept oder Mental Measuretech …

Aber zurück zum Anfang.

Donnerstag morgen, der 10. Oktober, gegen 11:00 Uhr, ich fummle noch schnell meinen Schlips zurecht, und dann geht es los.

Die Fahrt ist unspektakulär. Es regnet teilweise in Strömen, mittendrin kommt sogar auch mal ein Fetzerl Sonne raus, zähflüssiger Verkehr kurz vor Köln, aber es wird aus, und so schlagen wir irgendwas vor 18:00 Uhr in Köln Vogelsang auf. Ziemlich kaputt, ebenso unser Gastgeber der sich kurz darauf mit Grippe in die Arbeit schleppen darf und somit uns sein Domizil überlässt.

Wir decken uns noch kurz beim Supermarkt mit Frühstück und Wein für den Abend ein, dann machen wir ausgiebig Gebrauch von Watchever und lassen den Abend mit „Little Britain“ und einem Schluck trockenen Weißen ausklingen. In der Turbinenhalle wäre eine Warm Up Party, doch Chris hat vom Fahren die Nase voll – was auch völlig verständlich ist. Ich bin auch platt, und gegen 23:00 Uhr fallen wir um.

Die Tage beginnen allesamt sehr gemütlich, da die Konzerte erst gegen 18:00 Uhr anfangen. Wir verbringen den Freitag-Vormittag mit Doctor Who und einem Abstecher nach Köln um zu Frühstücken. Dazu verschlägt es uns in eine kleine Bäckerei mit SItzgelegenheiten, nahe der Oper. Mir fällt auf wie ungemein offen und freundlich die Leute sind – womöglich ist am Klischee des grumpfigen, miesmutigen Franken ja doch was dran 😉

Neben uns hat sich ein Grüppchen Iren breit gemacht die sich viel  Mühe geben den ganzen Laden zu unterhalten. Wir erfahren daß sie für ein Fußballspiel angereist sind, natürlich passend gekleidet in den Nationalfarben und mit einem Aufblas-Hammer im Gepäck.

Ich schlürfe an meinem Tee und grinse, die Herrschaften sind zwar redseelig, aber auf sehr sympathische Weise.

Wir machen und am Nachmittag dann ganz gemütlich fertig, Chris passend für Tzolk’In mit Turban und Pluderhosen, und ich im Anzug, da fühl ich mich momentan am Wohlsten drin und auf herbes Auftakeln habe ich keine Lust, ich bin noch ein wenig angeschlagen.

Gegen 16:00 Uhr fahren wir dann nach Oberhausen, 45 Minuten Fahrzeit sagt das Navi, die doppelte Zeit via Landstraße. Schon bei der Auffahrt auf die Autobahn stockt der Verkehr. Und es will nicht besser werden, alle 5 Kilometer haben wir einen kurzen Stau, es nervt. Die letzte halbe Stunde geht dann über Landstraße. Zwei volle Stunden hat es gebraucht bis wir da waren, und das war schon sehr nervtötend. Aber immernoch rechtzeitig zur ersten Band – sofern man das als „Band“ bezeichnen kann, denn die meisten Elektro-Künstler sind Einzelgänger und schrauben auf der Bühne ihre Klangteppiche zusammen.

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Der erste Künstler – Person Unknown – macht seinem Namen alle Ehre und taucht mit weißer Maske auf der Bühne auf, ob er darüber eine Sonnenbrille trägt oder die Maske bemalt ist, kann ich nicht erkennen, er sieht aus wie das typische Alien mit den großen schwarzen Augen.

Aber ein super Einstieg. Die Turbinenhalle ist die perfekte Location für diese Musik. Die Bühne ist bis unter das Dach mit Elementen von Bauzäunen dekoriert, auf denen die beeindruckende Lichtanlage herumspielt.  Besonders übel sind einige grellweiße Scheinwerfer die gelegentlich im Takt als Stroboskobe geschaltet werden, zum Einen brennen sie sich schwer in die Netzhaut wenn man sich gerade ans Dunkel der Konzerthalle gewöhnt hat, zum Anderen wird einem tatsächlich schnell mal schwindlig davon, besonders wenn die Musik ihr Übriges tut.

Wir sind hier in einer äusserst dystopischen Parallelwelt gelandet,  wo die Farbe von den Wänden blättert und nackter Stahl die beeindruckende Halle stützt. Beton unter den Pikes. Vor der Bühne ist noch immer der alte Lastenkran installiert, Marke M.A.N, Baujahr 1920. Und er funktioniert noch – wie wir an dem Wochenende mehrmals zu Gesicht bekommen. Chris und ich sind sofort begeistert von dem alten, industriellen Bau und der schneidend kalten Atmosphäre – halbwegs zumindest, denn die Temperatur ist ziemlich niedrig und will auch bei ausreichend Leuten im Saal nicht wirklich nach oben gehen, und so friere ich trotz dreiteiligem Anzug vor mich hin.

Der zweite Künstler – Le Moderniste – knallt ordentlich rein, und ich fürchte schon er bläst mir die Bügelfalten aus den Hosen 😀 – jedenfalls vibriert der Stoff um mich rum ordentlich mit.

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Danach noch Fausten – sehr genial, aber die Videoprojektion ist genretypisch krankes Zeug, danach brauche ich erstmal eine Pause.

Die nächste Band wird ignoriert, bei „Sudden Infant“ sitzen wir im spartanischen Imbiß-Raum zwischen Stahlträgern und Plastik-Tischdecken und ruhen die Füße aus. Uns beide spricht der Künstler auch nicht sehr an, im Prinzip brüllt er eine gute Stunde lang in sein Mikrophon.

Nächster Versuch – config.sys – drei Stücke halte ich durch, dann merke ich daß bei mir Schicht im Schacht ist, leider, Tzol’kin und The Klinik hätte ich gerne gesehen, aber meine Aufnahmefähigkeit ist für heute ausgereizt, im Stroboskopgewitter der Lichtanlage kann ich mich kaum auf den Beinen halten, also treten wir den Rückzug an und hauen uns zum Runterkommen ruhigen Wave im Auto auf die Ohren.

Zweiter Tag, der Morgen wird mit ein paar Doctor Who Episoden begonnen, ich schlürfe meinen Tee.

Gemütlich kommen wir wieder gegen 18:00 Uhr an, diesmal ohne Stau. Wir lassen es ruhig angehen und quasseln ein wenig mit neuen Bekannten.

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Von Alarmen bekommen wir dann noch die letzten beiden Stücke mit – toller Ambient, da werde ich mich nochmal weiter reinhören – Greyhound danach ist uns nach zwei Stücken zu viel Geprügel.

In die Konzerthalle treibt es uns dann zu Ruby my Dear. Wir hatten vormittags ein paar Stücke gehört und fanden das Projekt absolut genial

Man stelle sich Ambient a la Space Nights zwischen Trip Hop und Dubstep vor. Irgendwie ganz schön cool. Die Füße wollen sofort mit, schaffen die durchbrochenen Beats aber nicht immer – eine tolle Entdeckung ist das französische Ein-Mann-Projekt aber definitiv, und Chris sackt kurz darauf gleich die Scheibe in Vinyl ein. Und mir ist endlich mal warm nachdem ich das ganze Konzert in Bewegung war.

Nach Ankunft in der Turbinenhalle versuche ich fast eine Stunde lang zu ignorieren daß ich am ganzen Kerl schlottere, obwohl ich bis zum Hals eingepackt bin ist es dreckskalt – manche Besucher kommen in kurzen Röcken, T-Shirts oder Trägertops, wie die das aushalten frage ich mich an dem Wochenende mehrmals.

Beinahe nahtlos geht es mit Klangstabil weiter. Eine Band die mehr melodisch ist und die ich schon sehr lange mal live sehen wollte. Enttäuscht haben die zwei Herren uns auch nicht, das Konzert kam uns viel zu kurz vor, obwohl es das nicht war. Stücke wie „Math and Emotion“ und „You May Start“ haben uns jedenfalls reichlich Dampf unter den Pikes gemacht.

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Zwischen den Konzerten ist natürlich Plaudern mit neuen Bekannten ein Muss, am Stück sind mir so viele Konzerte jedenfalls sowieso zu viel und manche Projekte muss man auch im Gehörgang setzen lassen. Die schlimmsten Geprügel-Bands haben wir heute aber sowieso aussen vor gelassen. Ausserdem, ein Festival ohne Leute treffen finde ich dann auch blöde.

IMAG0085_klIm Laufe der drei Tage sehen wir auch noch andere Räumlichkeiten der Turbinenhalle, die anders als der Name verlauten lässt keine Turbinen beherbergte, sondern Gasmaschinen, mit denen Strom für die ansässige Eisenhütte II erzeugt wurde. Erbaut im Jahre 1909 stand der riesige Bau dann in den 1980er Jahren, als der Hüttenbetrieb zurück ging, leer, bis 1993 in einem der Hallen eine Discothek eingerichtet wird.

Rundum ist die ganze Turbinenhalle Industrie pur, vom ehemaligen Betrieb geschwärzte Wände, nackte Stahlträger, Beton. Der Raum in dem der Imbiß untergebracht ist, könnte kärger nicht sein, im Durchgang zu den Toiletten blättert die rote Farbe von der Wand, die Disco, die von vielen dann als etwas ruhigerer Ort zum Verschnaufen genutzt wird, hat unterkühlten Beton-Charme – wie herrlich kann man sich da einen Haufen Waver vorstellen die zu guter Musik ihre Pikes über den grauen Boden schlurfen lassen … Chris und ich sind hellauf begeistert!

Dennoch verlassen wir Oberhausen um 1:00Uhr, in etwa eine Stunde nach Klangstabil. Zwei Bands würden jetzt noch kommen, aber wir sind müde und müssen ja noch nach Köln zurück.

Sonntag fahren wir ein wenig früher los und sind gegen 16:00 Uhr wieder in der Turbinenhalle, aber nicht nur wir sind immernoch müde von den beiden Tagen davor, auch das restliche Publikum ist alles andere als zahlreich anwesend, die Türen zum Konzertbereich noch nicht offen, obwohl Monolog für die Uhrzeit im Programm steht.

Die Verzögerungen fallen aber nicht weiter schlimm aus. Monolog hören wir uns an, gefiel mir auch ganz gut, nur war ich zu dem Zeitpunkt noch nicht allzu sehr in Stimmung. Das ändert sich dann bei Phillip Münch, ausnahmsweise stehen hier mal drei Menschen auf der Bühne, es gibt sogar eine Sängerin, ein wenig erinnert mich das an Sanctum, ähnlich experimentell fallen die Musikstücke aus, die Pikes wippen schon mit.

Von der vorherigen Band bekommen wir auch noch zwei Stücke mit – SIlent Walls – schöner Dark Ambient, eigentlich schade daß wir die nicht auch noch gesehen haben, aber wie gesagt, gerade bei solchen Musikprojekten ist die Aufnahmefähigkeit schnell am Ende. Immerhin, pro Tag stehen 9 Bands hintereinander auf der Bühne, das kann man unmöglich komplett schaffen.

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Danach lassen wir Shorai und Control saußen und verquatschen uns wieder – wir lernen eine Dame aus Paris kennen die uns die vorherigen Tage schon auffiel, da sie die einzige in Cyber-Klamotten ist. Ohne Neon, allerdings, und ansonsten sehen wir auch weiter keinen Vertreter der Cyber-Sorte.

Cyber hin oder her, sympathisch ist die Dame in jedem Fall, auch wenn die Kommunikation oft schwer fällt …

Dominik, eine weitere sehr liebenswerte Bekannschaft des Wochenendes, schwärmt schon den ganzen Tag von Sonic Area, auch beim Testhören am Morgen gefiel uns die Musik schonmal ganz gut, und der Live-Auftritt ist mit Sicherheit der Beste des ganzen Festivals.

Da steht eine Gestalt mit bizarrer Maske auf der Bühne, mit weißen Handschuhen und in einen victorianischen Anzug gekleidet, ebenso als Deko Absinthflasche und Glas und ein Kerzenständer mit elektrischen Birnen. Geniale Kombination, hochgradig kreative Musik, dazu der historische Aufzug der insgesamt an Geschichten von Edgar A. Poe denken lässt. In ein bestimmtes Genre lässt sich Sonic Area nicht wirklich einordnen, der Künstler bedient sich bei Dubstep, mischt unschuldige Spieluhren-Melodien mit ein wie barocke Arrangements, ist mal treibend-rhytmisch, mal langsam und melancholisch. Das letzte Stück würde auch perfekt auf einen Göttertanz passen, was Chris überzeugend demonstriert indem er den Reifrocksaum mit Schwung über den Betonboden wischen lässt. Auch das Artwork der Scheibe „Music for Ghosts“ knüpft perfekt an victorianische Geister-Photographie an und lässt an Seancen und die damalig vorherrschende Euphorie für Übernatürliches denken.

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Nach dem Konzert sind wir beide zutiefst beeindruckt, und Dominik schier aus dem Häuschen 😀

Mimetic lassen wir deswegen auch saußen, Mono No Aware ist uns im Moment dann auch zu brachial. Kurz vor Ah Cama-Sotz brechen wir ab weil die Müdigkeit schon arg zugeschlagen hat, wir verabschieden uns, treten den Rückflug an und pennen in Köln nahtlos weg.

Vormittags darauf packen wir uns zusammen und verlassen Olli, unseren Gastgeber gegen 11:00 Uhr, der ist noch sichtlich angeschlagen, und in den vier Tagen haben wir uns auch nicht wirklich oft gesehen, dank Grippe und Arbeitszeiten die mit dem Festival-Plan nicht ganz konform gingen. Danke aber dennoch fürs unterkriechen lassen – die Wohnung ist sehr gemütlich und ich habe mich doch ganz wohl gefühlt.

Wir kommen gut durch, halten nur ein paarmal öfters an als auf dem Hinweg, zuhause bin ich dann komplett platt und für den Rest des Tages nicht mehr vernünftig ansprechbar …

IMAG0117_klFazit: das Maschinenfest hat sich völlig gelohnt und im nächsten Jahr ist es wieder fest eingeplant. Die Turbinenhalle ist absolut großartig und auch die Atmosphäre wie die Leute ganz toll. Ein paar Dinge werden wir anders organisieren, wie zB eine Unterkunft näher an Oberhausen suchen, dann klappt es hoffentlich auch mit Bands die ganz am Schluß spielen, denn Tzolk’In, The Klinik und Ah Cama-Sotz wären schon sehr sehenswert gewesen.

Über die Organisation kann man auch nicht weiter meckern, am ersten Tag verschoben sich die Bands zwar ein ganzes Stück nach hinten, aber Samstags blieb es fast exakt beim Plan, und Sonntag hat nur die vorletzte Band merklich geschoben. Die Leute am EIngang sowie den Ständen waren nett, lediglich einer legte die größtmöglichste Verpeiltheit an den Tag, als Chris abends vor der Rückfahrt nochmal Kaffee holte.

Größter Kritikpunkt sind die Bänder, da für drei Tage durchgehend solche Abreiß-Wegwerfdinger verwendet wurden, die bei uns kaum durchhielten, für Einzeltickets ist das OK, aber für alle drei Tage suboptimal, wenn die Veranstalter da gewebte Bänder nehmen würden, wäre das deutlich besser, aber ansonsten nichts zu meckern – in diesem Sinne, bis zum nächsten Jahr, Maschinenfest!

Tiefenentspannt in Leipzig – eine WGT-Nachlese

So langsam schlägt er auch bei mir ein, der fiese post-WGT-Blues. Jetzt wo man realisiert daß die 4-5 Tage schon wieder vorbei sind, bevor man irgendwie im WGT-Gefühl voll eingetaucht ist. Ja, es war rasend schnell vorbei, viel zu schnell für meinen Geschmack, und jetzt sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und kann es eigentlich kaum glauben daß man wieder ein Jahr warten muss.

Anders war das WGT in verschiedenster Hinsicht, aber auf jeden Fall ein gutes „anders“. Dinge gelegentlich einfach mal anders anzugehen, kann erfrischend sein und neue Blickwinkel geben. Was jedoch nicht anders war, war, entgegen meiner vorlauten Bekundungen im Vorfeld, meine Konzert-Frequenz. Zwei Stück an der Zahl in diesem Jahr, eine Steigerung um eines zum Vorjahr – aber wie wir alle wissen ist das WGT ja auch kein schnödes Festival, sondern ein Treffen. Sagt ja schon der Name.

Donnerstag gegen mittag machte sich die fränkische Aussenstelle für Gruftologie, Abteilung Rüschengrufti in Vertretung durch das Ehepaar Kalkleiste – Frau Wiegärtner und Herr Chalybeia mit offenem Cabrio-Verdeck und geballter Ladung gute-Laune Wave auf die Autobahn gen Leipzig. Wir kamen einwandfrei durch und landeten so wohlbehalten bei Annette, die uns auch in diesem Jahr liebenswerterweise aufnahm.

Das Gepäck fiel etwas handlicher aus und war schnell nach oben geschafft, wo die Katzen erstmal ausgiebigst an den Taschen und Kisten schnuffelten. Meine Androhung, dieses Mal keinen einzigen Rock, egal ob schmal oder Reifrock, mitzunehmen, habe ich durchgezogen. Zwar hatte ich die Befürchtung daß ich das spätestens wenn meine Freunde in großen Kleidern auflaufen, das bereuen würde, aber ganz im Gegenteil, der Wohlfühlfaktor lag ganz eindeutig auf Seite von Hosen, Fräcken und Zylindern – insofern war die Entscheidung goldrichtig. Also, nicht daß ich mich im Reifrock unwohl fühle – wäre dem so hätte ich schießlich nie einen angezogen 😉

schlange

beim Anstehen

Nach einem Ründchen quatschen wurden dann noch ein paar Besorgungen in der Stadt getätigt und sich in die schon gut angewachsene Schlange zum Bändchen abholen am Hauptbahnhof eingereiht. Eine geschlagene Stunde hatten wir zu warten, die verging zum Glück ganz zügig da wir mit Bekannten die sich dazu gesellten, angenehmen Zeitvertreib hatten.

Dann noch ein kleines Abendessen und kurz auffrischen, und los ging es zum Freiluft-Tanz der Blauen Stunde auf der Wiese hinter dem Parkschloß.

Wie im letzten Jahr war das ein hervorragender Auftakt, Grablichter, Fackeln, Feuerkörbe und Räucherstäbchen und um die „Tanzfläche“ scharten sich auch diesmal die Gäste auf Decken.

Recht schnell fanden mich Robert und Orphi, die beiden an dem Abend gleich zu treffen hat mich sehr gefreut. Daneben hatte ich mich auch mit anderen Leuten verabredet die ich bis dahin nur virtuell kannte und ganz gespannt darauf war selbige dann real kennenzulernen. Auch wenn manche vom Anreisestress etwas geplättet waren – was man ja auch verstehen konnte.

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Mariell, Annette und Hester bei der Blauen Stunde

Markus Rietzsch vom Pfingstgeflüster war mit Edith auch da, und plötzlich hatte Robert dann noch ein Shooting angeleiert. Ja ein wenig paradox ist das ja schon, aber immerhin handelt es sich ja um das Pfingstgeflüster und nicht um einen dreisten Wildknippser der an der Agra im Gebüsch lauert …

Und so ging der Donnerstag dann auch vorbei.

Der Freitag erwies sich als der sonnigste und wärmste Tag. Und auch wenn es nach soviel mehr Stoff aussieht, ich kann nur sagen, als Kerl im Frack mit allem Drum und Dran wird einem schneller ganz schön warm als im Reifrockfummel.

Nach einem kurzen Abstecher an die Agra – bei dem Chris und mir beinah die Sicherungen durchbrannten weil auf der Bornaischen Strasse kurz vor der Agra *schon wieder* an der Brücke rumgebaut wurde, diese deswegen gesperrt war und uns einiges überflüssige Gegurke bescherte,  bis wir an einer Tram-Haltestelle das Auto stehen liesen um die letzten 5 Stationen dann noch mit der Bahn hinter uns zu bringen.

Entsprechend kurz blieb der erste Agra-Abstecher, der Photo-Termin war um 16:00 Uhr am Grassi Museum ausgemacht, wir waren zeitig da, und da Chris mich begleitete fragte Markus ihn postwendend auch ob er Lust hätte ebenfalls vor die Linse zu springen.

Gesagt getan, einige Bilder wurden vor den großartigen Wandmalereien des römischen Zimmers im Museum gemacht, einige draußen auf dem ehemaligen Johanna-Friedhof hinter dem Museum, und einige im Innenhof . Am Ende hätten wir uns auch beinahe verquatscht, doch der nächste Termin stand aus – wieder ein bekanntes Gesicht als  Shan Dark vom Schwarzen Planeten samt Begleitung durch das Tor kam um ebenfalls für das Magazin abgelichtet zu werden.

In meinem Fall ist das der dritte Auftritt im Pfingstgeflüster – 2007 hatte ich die Ehre mit Bild und Interview zum Thema selbstgeschneiderte Kleidung abgedruckt zu werden, 2012 mit einem Artikel zum Victorianischen Picknick, und eben dieses Jahr mit Besucherbild – in Frack, Zylinder und mit Gehstock, versteht sich.

Danach waren die ersten – und eben auch einzigen Konzerte des Treffens auf dem Plan. Der Weg führte und dafür gen Volkspalast, unbestreitbar eine der schönsten Konzert-Locations. Vor dem Gebäude trafen wir Annette und Hester – unsere Gastgeberinnen – wieder, die den Tag auf dem Victorianischen Picknick verbracht haben,wenn auch nur am Rande des Geschehens.

Im Nachhinein bin ich mehr als glücklich mich diesmal dagegen entschieden zu haben, nahzu alle Bekannten und Freunde die da waren, haben wenig Spaß gehabt angesichts der Aufmersamkeitssuchenden die (auf Nachfrage von Grabesmond !) sonst nichts mit Szene oder WGT zu tun hatten und allein als Photomotive dort rumstaksten. Naja, jedem das Seine, ich brauche das nicht, egal wie aufwendig und auffällig ich rumlaufen mag.

Auch Velvetrealm trafen wir dann vor der Halle, die etwas verspätet zum eigentlichen Einlasstermin dann geöffnet wurde. Wir waren recht weit vorne dabei und konnten so noch einen Tisch mit Sitzplätzen ergattern.

meine Wenigkeit, Annette und Hester warten auf Einlass im Volkspalast

meine Wenigkeit, Annette und Hester warten auf Einlass im Volkspalast

Camerata Mediolanense  hatte hauptsächlich ruhige Stücke im Gepäck, bis auf ein älteres Stück zum Abschluß das richtig energiegeladen nochmal die Atmosphäre elektrisierte. Kein schlechtes Konzert, nur durchgehend vielleicht etwas zu ruhig und auch zu kurz, denn nach gut einer halben Stunde war auch wieder Schluß. Danach leerte sich der Saal und wir nutzen die Gelegenheit in der einstündigen Zwischenpause noch mit Bekannten zu quatschen und unverhofft lernte ich auch noch die Künstlerin hinter Maskenzauber – Maren Söhnlein – von der Chris seinen absolut großartigen Dreispitz bekommen hat, kennen. Hat mich sehr gefreut, eine wirklich absolut sympathische Dame!

Wir wechselten zu einem Tisch mit besserer Sicht auf die Bühne, der vor uns freigeworden war,  nachdem ich das halbe erste Konzert zwei lange Kerle direkt vor der Nase stehen hatte, war das eine willkommene Gelegenheit für freien Blick auf die zweite Band.

Daemonia Nymphe aus Griechenland hatte ich bereits 2010 auf dem Festival Mediaval live gesehen, fand deren Auftritt in dem Rahmen aber wenig berauschend. Irgendwie ging die neoklassische Band mit Bezug zur griechischen Mythologie im raueren Ambiete von Mittelaterbands und Dudelsackquetschern ziemlich unter, was schade war da die Band eigentlich wirklich sehr gut ist.

Im Volkspalast mit den griechisch wirkenden Säulen und dem generellen Flair aber war das Konzert richtig bombig. Auch wenn sich einige Zuschauer schon wieder verzogen hatten, die Griechen schafften es die Stimmung regelrecht zu elektrisieren mit beeindruckenden Stimmen und hypnotischen Rythmen. Genial.

Leider gibt es keine Bilder vom Konzert da meine Kamera-Akkus schwächelten.

Danach wäre nach einer weiteren Stunde Wartezeit Actus  noch auf dem Programm gestanden, doch wir entschieden und zum Rückzug, Futtersuche in der Innenstadt und danach weiterziehen zum Städischen Kaufhaus, wo wir auf den Beginn des ersten Wedelabends zwar noch warten mussten, die Zeit wurde uns aber in netter Gesellschaft – Remo Sorge und Lisa Morgenstern hatten sich mit weiteren Bekannten dort niedergelassen –  auf der Terrasse des Restaurants über dem Kaufhaus  verkürzt – nicht zuletzt weil der Kellner sich gnadenlos verausgabte beim Tisch umstellen, servieren, Regenschirme zusammenkleben (da dann ein Regenschauer niederging) rumblödeln – mit dem Ergebnis daß er sich ein Loch in die Hose riß als er von einem wackligen Stuhl beinahe auf die Nase flog – und neben dem Beinkleid damit auch noch den Stuhl lädierte.

Im Kaufhaus legte Freitags dann Tom Manegold auf, in bewährter Göttertanz-Tradition. Musikalisch natürlich hervorragend, kann man sich nicht beschweren, es wurde wie zu Erwarten aber sehr schnell sehr voll und extrem warm.  Ich widerstand dennoch dem Drang aus dem Frack zu hüpfen (das macht mann nicht 😉 ) und bin einfach mal zwischendrin Luft schnappen gegangen. Gegen 3 Uhr hatten wir dann genug und machten uns auf den Rückweg. Hester nutzte ein blau ausgeleuchtetes Gebäude dann noch für ein paar wirklich gelungene Bilder.

urbane Lichtmalereien

urbane Lichtmalereien

Ohne Tee geht nix.

Ohne Tee geht nix.

Der Samstag morgen begann dann mit einem haarigen Katzen-Hintern in meinem Gesicht. Annettes Kater – Mii-tan – fand den Besuch dann doch ganz OK und hat sich morgens gleich mal laut schnurrend „aufgedrängt“ – da ich aber seid 5 Jahren chronisch unter-katzt bin, störte mich das nicht ganz so sehr 😀  also Kater durchflauschen zum Aufwachen, dann Frühstück, Netbook anwerfen und schauen was derweil so passiert ist in der Welt. Und danach in Schale werfen für den zweiten WGT Tag.

Ein besonderes Projekt hatte ich dazu in der Tasche, es ist noch lange nicht vollendet, aber ein Anfang ist gemacht, an geeigneter Stelle werde ich das noch einmal näher ausführen.

Auch wenn ich kurz davor war das Gewand daheim zu lassen – wie ich ehrlich gestehen muss – als ich dann das erste Mal komplett drin steckte, war ich durchaus überzeugt – Steampunk kennt man ja, Teslapunk eher nicht so, auch wenn es das als Literaturgattung schon gibt, an eine textile Umsetzung hat sich meines Wissens nach noch niemand gesetzt. Die Idee spukt tasächlich schon recht lange in meinem Kopf herum.

So ging es dann ins Grassi-Museum, zunächst wollten wir die Führung zu den historischen Klamotten da mitnehmen, haben uns das dann aber anders überlegt. Frau von Unruh schloß sich dann noch in ihrer mehr als genialen Data-Nüre an, damit terrorisierten dann schonmal zwei Nerds die Umgebung mit Gesabbel über Star Trek und Doctor Who 😀 – muss ja auch mal sein …

Beim Karten holen fürs Museum wurde ich auch gleich indirekt auf die Röhren an meinen Goggles angesprochen, war sehr witzig daß der Herr gleich einordnen konnte daß es sich um ein Modell für Verstärker handelte 😀 – entgegen der Annahme daß die Drähte an der Brille auch funktional waren, können meine Röhren leider nicht glimmen, ich hab die Kabel nur dekorativ verlegt. Auch der Ausschnitt eines Schaltplanes auf dem anderen Brillenglas wurde bemerkt, ich habe mir natürlich nicht wahllos irgend einen geschnappt – es handelt sich tatsächlich um den Schaltplan eines Theremins 😉

Tesla-Punk - nur echt mit richtigen Elektronenröhren auf der Rübe :P

Tesla-Punk – nur echt mit richtigen Elektronenröhren

In der Schuh-Ausstellung des Museums trafen wir wieder mal auf Freunde und Bekannte. Die Exponate waren aber auch sehr interessant bis skurril. Faszinierend wie andere Künstler gewisse Thematiken so umsetzen.

Danach sind wir nochmal gen Agra, ein paar Leute treffen – was auch sonst – eine Bowle schlürfen, etwas versumpfen. In der Stadt gemütlich ein Eis verputzen (den Kellner da hab ich auch lieb *g* – auch wenn Dani mir nochmal explizit sagen musste wie er mich angesprochen hat da ich es im ersten Moment garnicht realisiert hatte) – Blödsinn machen – ich sag nur Santär-Cyber – nein ich erkläre das jetzt nicht näher, aber auch in dem Fall wissen diejenigen die dabei waren worum es geht 😉 – dann weiter zur Abendgestaltung.

Auf Wedelparty am Abend hatte ich keine Lust, wir ziehen das seid 2008 die drei WGT-Abende durch, und so gern ich die Musik mag, besonders da ich weiß daß Remo und Lisa hervorragend auflegen – man muss auch mal was anderes sehen und hören.

Im Beyerhaus-Keller fand ich eine nette Wave-Party. Die Locations war göttlich, altes Kellergwölbe, nackte Backsteine, zusammengewürfelte Sofas, blanke Heizungsrohre und unverputze Kabel. Spitze. Und wenn man da ein Glas Wein bestellt bekommt man einen randvollen Plastikbecher … was dann auch den Rest des Abends ausgereicht hatte.

Musikmässig war die Auswahl schwer a la der hiesigen Grey Area. Viel Wave, viel weniger bekanntes, geiles Zeug, eine Spur Neofolk und Neoklassik und auch ein Hauch Industrial kam nicht zu kurz. Auch wenn ich nicht so viel zum Tanzen gekommen bin. Es war nicht überfüllt, genau richtig – womöglich ein Geheimtip den ich im nächsten Jahr gerne wieder besuchen möchte. Mal ganz unaufgeregt ohne perfektes Ambiente, hausgemacht, sympathisch, und der Keller ist sowieso ganz großartig.

Jetzt erst wird mir bewusst wie entspannt der Abend wirklich war, labern mit Annette und Hester, und abgesehen von Spontis Dennis keine bekannten Gesichter. Pikes über den Boden schieben im schummerigen Licht dieses Kellergewölbes – nein ich hab das sehr genossen.

Wir sind dann doch zeitig aufgebrochen, da wir uns mit dem Nightliner durschschlagen mussten war das auch ganz OK. Am Kaufhaus kamen wir vorbei und sind einigen angedüseltelten Freunden noch begegnet *g*  – Adrian und Grabesmond, ihr seid putzig wenn ihr voll seid 😀  – wir sind dann aber auch weitergezogen und glücklich ins Bett gefallen.

Sonntag früh hatte ich wieder Mii-Tans Hintern im Gesicht, aber so nem niedlichen Kater kann man da nicht böse  sein, ganz im Gegenteil  – dann übliche Prozedur – Katzen flauschen, Netbook anwerfen, gucken was los war und Facebook zuspammen,Tee,  Frühstück, auftakeln.

Neue Pluderhose ausführen und der einzige Tag in etwas Kalk.

Wir waren recht zeitig fertig und hatten vor dem Spontis-Treffen noch etwas Luft, weswegen wir uns zunächst Annette, Hester und Dani anschließen wollten die mit einer Freundin Bilder machen wollten, wegen leichter Koordinierungsprobleme lief am Ende die Zeit dann doch weg und wir zogen weiter. Im Schillerpark hatten sich bereits Markus und Edith ausgebreitet und nach und nach wurde die schwarze Runde dann auch größer. Unbestreitbarwar es ein großartiges Treffen, alte Bekannte und Freunde wiedersehen und neue Leute die man sonst nur so vom Lesen her „kannte“ dann live und in nicht-Farbe zu Gesicht zu bekommen war absolut spannend.

ein Teil des Spontis-Haufens beim depressiv aus der Wäsche schauen :D

ein Teil des Spontis-Haufens beim depressiv aus der Wäsche schauen

Wir haben es dann auch geschafft unseren Pikes-Rekord zu brechen – wo im letzten Jahr neun spitzbeschuhte Fußpaare zusammenkamen, sind wir dieses Mal bei satten 14 angelangt – ich bin mir sicher daß da im nächsten Jahr nochmal Luft nach oben ist.

Da Robert ganz sicher noch ausführlicher über das Treffen berichten wird, führe ich das jetzt ebenfalls nicht weiter aus.

Ich bin mir nicht mehr genau sicher, denke aber so gegen 18:00 Uhr löste sich die Runde dann auch endgültig auf. Eigentlich wollte ich später zu Konzerten in den Volkspalast, aber da Chris schon früher gen Agra abgewandert war, stand ich erstmal alleine da und folgte einigen anderen Freunden und Bekannten ebenfalls erstmal in diese Richtung. Und das war dann auch das Aus für die Konzerte – wen überraschts. Annette und Hester saßen ebenfalls am Bowlestand, unterwegs noch weitere Bekannte getroffen – nichts führt sicherer zum Versumpfen.

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Annette und Hester (und links ein Stück Dani) beim Füße ausruhen

Witzige Sache am Rande – der Photograph der jährlich an der Agra steht und die Besucher nicht nur knippst, sondern liebenswerterweise große Ausdrucke an die – ich sags mal so – bekannteren Gesichter verteilt, sprach mich dann auch noch an und drückte mir ein Bild in die Hand. Da ich gestern mit meinem Tesla-Punk schon an ihm vorbei kam und lang und breit daneben stand als er Dani ihr Bild überreichte und sie ablichtete, musste ich schon etwas grinsen. Aber klar daß Leute die einen so nicht kennen und Reifrock mit Vollkalk erwarten, da stutzen – auf solche Reaktionen war ich unter Anderem auch tatsächlich aus. Überhaupt, das wirklich nervtötende Knippserpack blieb uns in diesem Jahr tatsächlich erspart.

Später wollten die Damen noch ein Eis in der Stadt, also zurück, Eiscafe suchen – bei der Gelegenheit hielten uns einige Passanten ihre Smartphones ins Gesicht, aber das war noch auf erträglichem Maß. Tatsächlich habe ich die Beobachtung gemacht daß einige der – im Gegensatz zu den Vorjahren – rar gesähten Knippser sich in der Tat primär auf meine bereifrockten und benürten Begleiterinnen stürzten und mich als Kerl dann links liegen liessen – nicht daß es mich stört, ganz im Gegenteil, das so zu beobachten amüsierte mich eigentlich doch eher und war auch irgendwie Teil des Experimentes 😀

Die Abendplanung führte uns schließlich wieder ins Kaufhaus zum Wedeln, obwohl ich kurz davor war mich nochmal in den Beyerhaus-Keller zu begeben, nur komplett alleine macht das auch wenig Freude.

Zinsi und Spinne sind ebenfalls seid den ersten Wedelparties auf dem WGT dabei, erwartungsgemäß ruhig – musikalisch gesehen – begann der Abend, wie üblich dauerte es eine gute Stunde bis die Musik dann auch tanzbar wurde, dann aber konnte man sich über die Auswahl wirklich nicht beschweren. Das einzige was ich bei den Beiden wirklich so garnicht ausstehen kann, sind die scheußlichen Coverversionen bekannter Wave-Klassiker die gelegentlich ausgepackt werden. Ich würde viel lieber die Originale hören, die passen auch hervorragend zu Wedelmusik, und so leid es mir tut das sagen zu müssen – bei diesen Neuverschlimmerungen schlafen mir die Arschbacken ein …

Wir hielten uns etwa bis 2 Uhr nachts, da sich langsam die anstrengenden WGT-Tage schon bemerkbar machten.

Der Montag morgen fing grau, kalt und erneut mit Katzenhaaren im Gesicht an. Keine guten Wetteraussichten für das geplante Picknick des sogenannten „grünen Forums“ – eine kleine Community für Historien-Schneider jeglicher Art. Eine Freundin schrieb noch via Facebook die Geschichte kurzerhand in ein Cafe umzuverlegen, doch wir hätten sicher nicht mehr alle erreicht, also blieben wir beim ursprünglichen Plan und steuerten das Parkschloß an.

Da der Boden von der verregneten Nacht noch naß war, liesen wir uns auf den Steinplatten davor nieder – was eigentlich ein sehr schöner Platz war, umrahmt von Beeten. Das Wetter hielt auch durch, sogar die Sonne zeigte sich. Allerdings blieben wir vier – Annette, Hester, Dani und ich – alleine, lediglich eine weitere Dame samt Begleitung sagte mal kurz Hallo und war dann auch wieder verschwunden. Schade eigentlich – der Rest hatte entweder Schiß wegen dem Wetter oder saß bei anderen Veranstaltungen fest. So oder so war es trotzdem schön.

2013.05.20 wgt Montag 016

die harten Hunde vom Kostümkram-Forum

Weit weg vom eigentlichen WGT-Geschehen ging es dann auch weiter, Dani hatte etwas von einem Flohmarkt gelesen den wir dann auch anpeilten. Wir kamen zwar kurz vor dem Ende erst, hatten aber dennoch noch genug Zeit zum genüsslichen Stöbern. Am Ende fand auch jeder was – meine Ausbeute belief sich auf einen Nietengürtel mit reichlich Kettenbehang, Manschettenknöpfe und silberne Uniform-Schulterstücke die schon fest für eine  neue Adam Ant Jacke verplant sind. Auch wenn ich danach an der Agra noch zwei Kleinigkeiten mitgenommen hatte – irgendwie sind WGT Montagseinkäufe auf Flohmärkten viel cooler als sein letztes Geld in der Shoppingmeile zu lassen. Nächstes Jahr bitte wieder so!

Der Rest verlief wie alle Jahre – Agra, Bowle, mit Leuten quatschen, weiterziehen zur Blauen Stunde. Die ersten Wehmutsanfälle weil es ja schon wieder Montags ist und dieser sich auch schon dem Ende entgegen neigt.

Auf der Blauen Stunde trafen wir nochmals auf Robert und Orphi, und noch ein paar andere Spontis waren anwesend. Die Stimmung war wie jedes Jahr wundervoll und wie jedes Jahr verfluchte ich die Flasche Met die ich zur Blauen Stunde mitbringe *lach*

Schade nur daß ich euch beide dann als wir gegangen sind, nicht mehr gesehen habe, ich hätte mich gerne noch verabschiedet, aber es war sehr voll und ich hab euch einfach übersehen am Schluß.

Der Rest ist dann auch schon WGT-Tradition – Dienstags ziemlich erledigt aus dem Bett steigen, die restlichen Sachen in die Taschen und Kisten zurück schütten, egal was in welches Eck gerät oder wie eingekrumpelt ist, hauptsache irgendwie verstaut. Nur meinem Zylinder schenkte ich mehr Sogfalt, der ist immerhin antik und seinen hervorragenden Zustand soll der ja noch lange behalten.

Autos beladen und alles zum Pushkin schleppen. Dort saßen am reservierten Tisch schon einige Leute mit sehr dicken Augenringen und hielten sich an riesigen Kaffeetassen fest.

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Dani, das Geburtstagskind lies auf sich warten, immerhin hatte Annette extra Torte bestellt und diese noch liebevoll mit dem Umriss einer victorianischen Dame aus Marzipan verziert.

Das Cafe war randvoll mit schwarzen Gestalten, die eine Kellnerin nimmt es mit Humor, die andere ist sichtlich gereizt und ab und an regelrecht ungeniessbar.

Die Meute Frühstückt ausgiebig, einige haben noch recht lange Fahrtzeiten vor sich, da sind unsere zwei Stunden dann harmlos dagegen.  Wie jedes Jahr ist der Abschied fürchterlich 😉 – ich bin ja nicht so der emotionalduselige Mensch, aber als ich Annette dann doch loslassen muss, steckt mir ein Kloß im Hals.

Zum Abschluß dann noch ein paar Komplikationen mit Leipzigs Baustellen, insbesondere der kurz vor der Agra. Wir wollten Schatten da abholen, fanden aber die richtige Umleitung nicht und das Navi ist noch weniger hilfreich, also treffen wir uns am Hauptbahnhof, treffen Annette da nochmal und nach einem Tank-Zwischenstop gehts auf die Autobahn.

Die Fahrt verlief relativ ruhig, auch wenn Chris ziemlich im Eimer war. Mit zwei Zwischenstops ging es dann und ich bin gegen 17:00 Uhr wieder zuhause und fassungslos daß die letzten Tage so unglaublich schnell vergangen sind.

Fazit zum diesjährigen WGT: extrem entspannend. Da gilt mein großer Dank aber auch Annette und Hester für das Dach über dem Kopf. Bei guten Freunden das WGT zu verbringen ist nochmal um Längen schöner als im Hotel. Danke auch an alle neuen und alten Bekannten, solche Begegnungen machen das WGT ja eigentlich aus.

Auch daß wir so ziemlich alle Stressfaktoren umschifft haben war herrlich – kein victorianisches Picknick a.k.a Knipssnick, kein Knippserterror in welcher Form auch immer. Und Konzertmarathons sind einfach auch nicht mein Ding. Ich jedenfalls hab mich rundum wohl gefühlt – jetzt mal unabhängig ob es um Treffen, Freunde, Bekannte, Veranstaltungen oder die heurige Klamottenwahl geht. Es war wie gesagt anders, aber eben gut anders 🙂 – faszinierend war auch der andere Blickwinkel, bedingt durch den Rockverzicht – aber darüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben.

In diesem Sinne – wir sehen uns im nächsten Jahr wieder, hoffentlich dann genauso entspannt wie in diesem 😉

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Festival Mediaval 2010

Verdammt – mein großer Rechner hat gestern früh die Segel gestrichen, beziehungsweise die uralte Festplatte die seit Ewigkeiten schon komische Geräusche macht (und fatalerweise das Betriebssystem beherbergt), ich aber bislang zu faul war selbige durch die Neue zu ersetzen die derweil als Datenauslagerung als extrerne Platte unter dem Schreibtisch vor sich hin rödelt.
Doch was wären wir für ein Nerd-Haushalt wenn es nicht Alternativen gäbe und hier niemand länger als notwendig vom Netz getrennt verbringen muss – schließlich habe ich vom Wochenende einiges zu berichten 😉
Nachteil: ich muss dieses vom Sofa aus mit einem winzigen Netbook tun, Vorteil: mein Sofa ist riesig und urbequem *g*

Doch um meine altersschwache Platte soll es hier natürlich nicht gehen, vielmehr um das im Titel genannte Festival.

Das Ende der diesjährigen Festivalsaison rückt näher, und wird seit drei Jahren inzwischen vom Festival Mediaval eingeläutet.
Für gewöhnlich bin ich nicht so der Festival-Gänger, lediglich dem WGT – das ja nicht unbedingt als reines Festival durchgeht – bin ich seit Jahren treu.
Das Mediaval hatte jedoch einige nicht zu schlagende Vorteile, und zwar relativ bequeme Erreichbarkeit vom heimischen Bett und Bad aus sowie einige sehenswerte Bands die auch den Schwarzromantiker erfreuen der eigentlich mit Mittelalter weniger anfangen kann.
Nicht zu vergessen, einen sonst eher festivalscheuen Freund der überraschenderweise ausnahmsweise von selbst da hin wollte *g*

Das selbsternannte „größte Mittelalterfestival in Europa“, fand mitten im beschaulichen Selb dieses Jahr vom 10-12. September statt.
Musikalisch gibt es hier neben markt-mittelalterlichen Dudelsack-Klängen – die bekanntlich nicht jedermanns Fall sind – auch interessante Bands aus dem Bereich Paganfolk, Neoceltic, Weltmusik und mehr, aber auch Mittelalter-Rock und ein Nebenprogramm mit zahlreichen Kleinkünstlern von Bauchtanz bis zu den obligatorischen Feuershows. Es fand zudem ein Schaukampfturnier statt bei dem jeder teilnehmen konnte der über entsprechende Ausrüstung verfügte, sowie diverse Workshops, von Drehleier-Bau über historischen Tanz bis hin zu Gesang. Diese waren aber leider nicht im Ticketpreis von 75 Euro inbegriffen, sondern hatten sehr unterschiedliche Gebühren die bei Teilnahme extra veranschlagt wurden.
Dazu kann man neben den Konzerten auch durch einen Marktbereich nach so ziemlich allem stöbern was das begeisterte GroMi-Herz begehrt.
Nein, es liegt mir freilich fern mangelnde Authentizität zu kritisieren, wir reden hier ja von einem Festival, und nicht von einer Reenactment-Veranstaltung 😉
Entsprechend habe ich mir auch die historisch mehr korrekter gedachte Garderobe im Schrank gelassen und tief in den Kalk-Topf gelangt 😉

Los ging es offiziell am Freitag um 16:30 Uhr. Wir konnten erst später los und hatten eigentlich 18:00 Uhr angepeilt, doch dann erwies sich die erste Anreise als beschwerlicher als gedacht.

Mit dem neu angeschafften Navi fühlten wir uns sicher, Selb stressfrei zu erreichen, ausserdem kenne ich mich als gebürtiger Wunsiedler in der Gegend auch noch etwas aus.
Tja, zu früh gefreut. Nachdem wir feststellen mussten daß aber auch wirklich alle Strassen nach Selb gesperrt sind kam sogar das Navi derart durcheinander daß wir an Stellen feststeckten wo auch ich keinen Schimmer mehr hatte wo wir jetzt waren.
Letztenendes kamen wir nach einer Fahrzeit von 1 1/2 Stunden (statt knapp einer Stunde) am Festivalgelände an, schafften es aber zum Glück zügig durch Einlass und Bändchenvergabe und standen so 5 Minuten vor Beginn der ersten Band die uns interessierte an der Hauptbühne.

Gegen 19:00 Uhr spielte Omnia – die holländische Pagan-Folk Band gehört schon seit langem zu den Favoriten von meinem Freund und mir. Peinlich genug zu erwähnen, daß wir es noch nie geschafft haben Omnia live zu sehen.
Das Konzert war sehr kurzweilig, nicht nur dank der guten Musik die ordentlich Stimmung machte, auf der Bühne wurde die Band von Gästen von Faun und Valravn unterstützt, sowie Einlagen von Bauchtänzern, Feuer-Artisten und Kelvin Kalvus.
Omnia stellte neben altbekannten Stücken auch ihre neue CD vor – auf der ein Song der sich für „Liebe machen im Wald“ aussprach, und ein absoluter Kulturschock in Form eines auf der Bühne rappenden (ja, tatsächlich!) Steve. Doch nach dem ersten Schock gefiel mir der Stilbruch trotzdem ganz gut, irgendwie anders aber dennoch unverkennbar Omnia mit einem wütenden Text gegen die seelenlose moderne Welt, für Natur und Freiheit.

Nach Omnia wanderten wir zur nächsten großen Bühne, auf der Valravn auftrat. Die Band war mir von einigen Stücken bereits bekannt, doch nicht im Detail.
Allerdings habe ich die Show nur am Rande wahrgenommen, da ich ein paar liebe Bekannte entdeckte die natürlich begrüßt werden wollten. Was meinen Freund nicht davon abhielt in der Zwischenzeit etwas näher ans Geschehen zu verschwinden.
Valravn verbindet nordische Klänge mit elektronischer Unterstützung – eine sehr schöne Mischung mit wundervoller weiblicher Gesangsstimme.
Als Gegenbesucht statteten Omnia auch Valravn auf der Bühne den einen oder anderen Besuch ab.

Nahtlos weiter ging es mit dem Auftritt von Faun, wieder an der Hauptbühne. Fast nahtlos zumindest, da der Soundcheck etwas länger in Anspruch nahm als geplant, dafür bot die zusätzliche Pause Gelegenheit sich einen Becher herben Mets zu organisieren.
Faun ist wieder so ein Fall an Band dessen Musikstücke zu Göttertanz und co dazu gehören und auch sonst immer dazu führen daß die Tanzfläche im Club mit dem Reifrocksaum gut durchgewischt werden *g* – nur live hatten wir sie auch noch nie gesehen.
Auch dieses Konzert war großartig, nur getrübt durch die Tatsache daß ich einfach nicht lang genug bin und oft mehr Hinterköpfe im Gesichtsfeld hatte als Band *hmpf*

Gegen Mitternacht machten wir und dann auf die Heimreise, reichlich müde und mit platten Füßen – ein Nachteil von Wald- und Wiesenfestivals: man steht weit mehr herum als zB beim WGT.

Ataraxia

Aber zurück zum Festival Mediaval.
Samstags trafen wir gegen 14:00 Uhr am Festivalgelände ein. Diesmal kamen wir glatt durch bis Selb da wir inzwischen wussten wie wir fahren mussten ohne ins Chaos gesperrter Strassen zu geraten.
Um 15:00 Uhr sollten Ataraxia spielen. Eine Band auf die ich mich ganz besonders gefreut habe. Die italienische Band mag die wohl Dienstälteste des ganzen Festivals gewesen sein, und ich befürchtete einen großen Andrang – wie man es eben beim WGT gewohnt ist.
Doch zu meinem großen Erstaunen blieb die Fläche vor der Bühne erstaunlich leer. Und füllte sich auch bis zum Konzert nicht weiter. Einerseits Glück für mich da ich so ganz gute Sicht auf die Bühne hatte, andererseits fand ich es auch sehr schade für die Band, die eindeutig zu den Urgesteinen der Neoklassik und Heavenly Voices zählt.
Francescas Stimme, die von vibrierend-tief bis in unglaubliche Höhen kommt hinterlässt anhaltende Gänsehaut und Faszination. Hört man es live, mag man zuerst kaum glauben daß ein menschliches Wesen zu solch einer Stimme fähig ist.
Für mich eindeutig das Highlight des Festivals, trotz der ausbleibenden Zuschauer.
Nachdem Ataraxia ja weniger zur Mittelalterszene gezählt werden können, sondern ursprünglich aus dem Wave stammen um sich – wie viele andere Bands – in den 90ern dem Heavenly Voices Genre zuzuwenden, war das Zielpublikum bei diesem Festival für diese Band wohl nur eingeschränkt vorhanden.

Meine Einschätzung bestätigte sich schließlich als wir wieder zur Hauptbühne wanderten auf der Corvus Corax bereits voll bei der Sache waren. Das Publikum war hier doch weitaus größer und füllte die Fläche vor der Bühne recht gut aus.
Die berliner Mittelalterband ist mit die einzige Dudelsack-Gruppe die ich wirklich mag. Musikalisch als auch live. Erstmals gesehen habe ich sie 2004 auf dem Woodstage Festival bei Zwickau, und mich schon ganz gut amüsiert. Vor 3-4 Jahren hatten sie dann einen kleinen Auftritt hier in der Gegend der nicht minder amüsant war.
Allerdings war mir nach Ataraxia schonmal nicht wirklich nach Dudelsack zumute, nach dem sehr ätherischen Auftritt der Italiener empfand ich das Geschehen auf der Bühne irgendwie als laut und lärmig, plump und – ja fast schon – prollig daß ich das Konzert nicht so ganz geniessen konnte.

Nachher hatten wir konzertmässig eine größere Pause die wir dazu nutzten uns mal die Marktstände näher anzusehen. Einer unserer Lieblingshändler war auch anwesend – ich traue mich schamlos etwas Werbung zu machen – Vehi Mercatus.
Mein Freund wollte sich bei ihm einen Helm holen, und ich finde auch immer wieder nützliches was auch für die Austattung fürs 16. Jahrhundert brauchbar und passend ist.
In seinem Stand begegneten wir einem Händler der direkt an der Hauptbühne mit einem Getränkestand anwesend war. Bei seiner Bemerkung, Corvus Corax wäre das schlimmste gewesen was er mitgemacht hatte, musste ich doch etwas grinsen – was uns dann gleich eine Einladung auf eine „Überraschung“ einhandelte.

So langsam wollten die Füße auch nicht mehr, also suchten wir uns eine Kleinigkeit zu Essen und eine Bank die etwas ruhiger lag. Etwas zumindest – nicht weit davon entfernt war eine weitere, doch eher kleine Bühne, sodaß wir ein wenig vom Minnesänger Knud Seckel und der Gauklertruppe Basseltan mitbekamen.

Wir zogen dann weiter um die Einladung auf die „Überraschung“ wahrzunehmen. Am Getränkestand servierte uns Balou – der Herr den wir wie gesagt vorher trafen – einen giftig-blauen Likör den er als „Schlumpfpisse“ bezeichnete und nach ausgekochtem Hustenbonbon schmeckte. Die – nicht wirklich ernst gemeinte – Beschreibung des Herstellungsprozesses rundete das Geschmackserlebnis trefflich ab *lach*
Trotzdem blieben wir noch länger, noch dazu da der Stand eine kleine gemütliche Sitzecke bot die wir gleich in Beschlag nahmen, wir unterhielten uns auch ganz toll mit den Betreibern der „Wandelbar“ die sichtlich gut drauf waren – das Getränkeangebot beinhaltete zum Glück auch noch Erdbeerbowle – was zum WGT Tradition hat, kann zu anderen Festivals ja nicht schlecht sein *g* – und gut war sie wirklich, die Bowle.

Wir blieben noch bis Qntal spielte, bessergesagt blieben wir die ersten 2-3 Lieder noch sitzen, man konnte die Bühne einigermassen sehen und auch alles gut hören.
Trotzdem verließen wir dann unseren Platz um näher an die Bühne zu kommen.

Das Konzert war ebenfalls sehr schön, und wurde einerseits bei „Flamma“ passend von einer Feuershow untermalt, sowie einem weiteren Kurzauftritt von Kelvin Kalvus. Daneben unterstützte auch ein Sänger von „Transmongolia“ mit seinem eindrucksvollen Kehlkopfgesang die Band.
Syrah hatte stimmliche Unterstützung von Sarah Newman, die selbst Bandmitglied bei Unto Ashes, Estampie und VocaMe ist – und über eine Freundin sogar eine Bekannte von mir 😉
Das sie da sein würde wusste ich allerdings nicht und war entsprechend überrascht als wir uns vorher auf dem Festivalgelände zufällig trafen.

Nach Qntal wäre noch Haggard auf unserer Sehen-wollen Liste gewesen, jedoch spielte die Band nicht im direkten Anschluss an Qntal (und ich muss sagen daß ich mit Haggard dann doch weniger anfangen kann als mein Freund) und da es langsam etwas kühl wurde und mein Freund mit Erkältung etwas angeschlagen war, entschieden wir den Rückzug anzutreten für diesen Tag. Also nochmal kurz bei Vehi Mercatus vorbeigeschaut um die Hirnhaube einzupacken, noch ein paar Sätze zu schwafeln – die Jungs vom Stand waren auch nicht ganz fit, verfügten aber über einen Ofen im Wagen der den Stand innen einigermassen warm hielt.
Daheim wollte ich selbst dann nur noch aus Reifrock, Kleid und Kalk hüpfen um möglichst schnell ins Bett zu kommen.

Den heutigen Sonntag liessen wir dann bleiben, auch wenn ich gerne noch ein-zwei Bands gesehen hätte und mich ärgere daß ich jetzt um die recht günstigen Lederhäute drumherum komme die ich mir gestern schon für ein Wams eingebildet hatte. Also packe ich meine Klamotten wieder in den Schrank , bis zum nächsten Göttertanz 😉

Fazit: ein sehr schönes Wochenende mit guter Musik auf einem sehr schönen Festivalgelände das weitläufig ist und auf dem man sich nicht so eingekästelt und abgezäunt vorkommt wie auf dem normalen Wald- und Wiesenfestival.
Wir sind im nächsten Jahr, sofern es zeitlich unterzubringen ist, wieder gerne dabei. Natürlich hoffe ich auch daß auch musikalische Genres wie das zu dem man Ataraxia zählen kann auch weiter im Programm zu finden ist.

Bilder habe ich mal wieder keine geschafft zu machen, bis auf zwei Stück eben von Ataraxia, von dem eines weiter oben zu sehen ist.
Galerien wird es sicher bald genug auch von diesem Festival geben, natürlich auf der oben verlinkten Homepage des Festivals.

Schön Dunkel

… wurde es am 17.07.2010 im Berto’s, Erlangen, unweit von Nürnberg.
Die Jungs und Mädels von der Taniere Noire und der Front of Gnark veranstalteten an diesem Abend ein kuschliges, kleines Festival das ich mir nicht entgehen lassen wollte.
Zum schlappen Preis von 6,50 bekam man hier 3 Bands, fernab vom zeitgenössischen schwarzen Mainstream, mehrere DJ’s die zwischen den Konzerten auf zwei Etagen auflegten, sowie eine kleine Lesung aus dem am WGT 2010 erschienenen Buch „Schillerndes Dunkel, wofür der Herausgeber, Alexander Nym, auch anwesend war.

Pünktlich um 19:00 Uhr standen wir vor dem Berto’s, nachdem wir auf dem Weg vom Parkplatz zum Lokal noch einen Bekannten getroffen hatten der natürlich in die gleiche Richtung wollte.
Das Berto’s – in dem ich noch nie gewesen bin vorher – erwies sich als gemütliche, kleine Kneipe mit Biergarten und Kellergeschoß, genannt der Schlupfwinkel. Keine stylishe In-Lokalität und damit schonmal sympathisch. In diesem finden auch die Parties der Taniere Noire statt.
Wir stellten fest daß noch nicht gerade viel los war und ein Teil des Programms wohl draußen stattfinden sollte. Ein bisschen blöde für mich da ich auf stehende Hitze in geschlossenen Räumen spekuliert hatte und entsprechend im Ballkleid ohne Ärmel dastand – und während wir draussen warteten daß die restlichen Vorbereitungen gar abgeschlossen wurden und die Veranstaltung anfing, begann es auch noch zu regnen. Ein Glück daß der Eingang zum Kellerraum überdacht ist und so Fluchtmöglichkeit bot.

Irgendwas zwischen 19:30 und 20:00 Uhr begann die Lesung. Dazu wurden 4 Bierbänke in das ansonsten weitgehend von Bestuhlung befreite Berto’s getragen. Zu dieser frühen Uhrzeit waren aber noch nicht viele Leute anwesend sodaß es erstmal sehr überschaubar war, was der Lesung aber keinen Abbruch tat, Alexander Nym trug locker-amüsant den Beitrag „Das Dikat der Langeweile“ vom Myk Jung vor, in dem recht witzig die Parallelen zwischen Optik und bevorzuter Musik der in der Szene vorherrschenden Subströmungen aufs Korn genommen wurden.
So hat es meinen Begleiter beinah von der Bank gehoben – und auch ich hätte mich beinah an meinem Desperados verschluckt – als der Satz kam:

„Der klinische, jedoch nichtsdestoweniger nervenbelastende Sound manch neumodischer Industrial-Techno Varianten verströmt wohl derartige Sterilität“ – daß seine Anhänger gleich zum Mundschutz greifen müssen. (der letzte Teil des Satzes ist aus dem Gedächtnis in etwa sinngemäß ergänzt – der zitierte Artikel ist auf der oben verlinkten Homepage des „Schillernden Dunkel“ online als Vorschau lesbar – leider nur die erste Seite, und die ist in der Hälfte des zitierten Satzes eben zuende)

Aber keine Angst – hier bekommen alle ihr Fett weg, und unwillkürlich schaut man dann doch an sich hinab und erkennt, daß man sich selbst in gewissem Sinne den ästhetischen „Standarts“ seiner selbstgewählten Subströmung genauso angepasst hat. Naja, zugegeben der Vergleich mag auch nicht immer pauschal zutreffen, doch man hält wirklich kurz inne und beginnt zu überlegen …

Auch die Geschichte von DJ Orlög der seine Szeneanfänge in der DDR der 80er verlebte, ist spannend und interessant.

Das Buch ist schon auf die Wunschliste gewandert.

Draussend tröpfelte es noch immer, die erste Band des Abends machte sich im Biergarten für ihren Auftritt fertig – Saitenweise vs Cats on Dope.
Letzteres ist das Elektro-Harfen (was es nicht alles gibt) Soloprojekt einer entfernten Bekannten – und ebenfalls Nähtante *g* das sich im Dark Ambient Bereich aufhält.
Saitenweise war mir bisher unbekannt, ich stellte mich auf ein Mittelalter-Projekt ein, wurde dann aber mit eher neofolkartigen Klängen und der umwerfenden Stimme der Sängerin überrascht. Eine sehr schöne musikalische Neuentdeckung …

Danach gabs eine kleine Zwischenpause mit DJ im Berto’s. Nur so wirklich tanzwütig war grade keiner, ausser Alexander Nym, der bei einem Siouxsie-Stück mehr als ausgelassen durch den leergeräumten Saal hüpfte unmd sprang. Andererseits war auch noch immer nicht wirklich viel los.
Das Lokal füllte sich dann schließlich zum Auftritt der zweiten Band – The Eternal Fall. zunächst hatten wir von einer Bank, am Rande der Tanzfläche noch gute Sicht, doch dann strömte ein weiterer Schwung Mensch hinein und wir waren gewungen die Plätze aufzugeben und uns mit vor der „Bühne“ zu postieren – ein kleines Podest das aber nicht wirklich viel Platz bot. Die Überschaubarkeit des Lokals war aber perfekt um wirklich ganz nah vorne zu sein und

Die Stimmung explodierte dann auch bald und mein ausgelassen rumspringender Vordermann kollidierte des öfteren mit mir oder meinem Begleiter. Füße stillhalten war da eh nicht, die spanische Gothic-Rock Band hatte es sehr schnell auch mir angetan, und das gesamte Publikum war so begeistert daß die Jungs gleich zwei ausgiebige Zugaben nachlegen mussten, und wenn es nach den Leuten gegangen wäre, hätten diese zwei wohl weit nicht ausgereicht, aber die Band war dann sichtlich schon etwas K.O. als sie von dem Podestchen a.k.a. Bühne kletterten.

Nach einer weiteren Zwischenpause in der man wieder das Tanzbein schwingen konnte, ging es im Schlupfwinkel recht elektronisch weiter, mit Heimstatt Yipotash. Die band hatte mich vor ein paar Jahren beim WGT schon mal interessiert, doch an dem Tag gab ich den Konzerten des schwedischen Kult-Labels Cold Meat Industries den Vorzug, insbesondere da eine meiner Lieblingsbands, Coph Nia, mit am Start war.
Doch wie das so ist bei rein elektronischen Bands, viel Action ist auf der Bühne ja selten, ausser Videoprojektionen. Doch für die war in dem engen Kellerraum der als Tanzfläche dient, auch kein Platz, zudem meinte es jemand mit der Nebelmaschine etwas zu gut, sodaß ich mich zunächst fragte ob das Konzert schon angefangen hatte oder noch Tanzbetrieb war.
Da ich langsam müde wurde und meine Füße aufgeben wollten, suchte ich mir einen Sitzplatz. Musikalisch ist die Band ganz interessant, einige Stücke sind mir zu „tanzbar“, wieder andere angenehm lärmig. So machte den Abschluß des Konzertes eine Zugabe in Form eines waschechten, kratzigen Industrial-Stückes.

Nach der letzten Band verschwanden wir dann aber recht zügig, die stickige Luft im menschengefüllten Keller truf dazu bei daß ich im Auto um ein Haar eingeschlafen wäre und mich nur sehr mühsam die letzte Stunde Heimfahrt wach halten konnte.

Alles in Allem war es aber eine sehr gelungene Veranstaltung die sich von den durchgeplanten, blankpolierten größeren Veranstaltungen angenehm abhob, es war familiär und gemütlich. Bei solchen „hausgemachten“ Veranstaltungen fühlt man sich wieder wohl in „seiner“ Szene. Danke dafür, und bitte mehr davon 🙂

Bilder sollten eigentlich auf der anfangs verlinkten Homepage der Taniere Noire erscheinen, also hoffe ich mal daß diese noch nachgeliefert werden.

WGT 2010 – eine Nachlese

Und schon ist es wieder vorbei. Jedes Jahr scheinen die vier Tage des WGT schneller vorbei zu gehen. Und in jedem Jahr schlaucht die Geschichte ein bisschen mehr, zum Glück bin ich nach 12 Stunden durchschlafen und anständigem Frühstück wieder halbwegs ansprechbar gewesen. Auch wenn die Füße noch ein wenig länger brauchten bis sie wieder voll einsatzbereit sein wollen.

Ein wenig gedämpft war die Stimmung heuer leider, das richtige WGT-Feeling kam leider auch erst am Montag auf, und ausgerechnet bei den letzten Gläsern Bowle und der Blauen Stunde, die dafür wieder einmal absolut großartig war. Doch auch trotz einiger widriger Umstände bleibt auch dieses WGT eins der absoluten Höhepunkte des Jahres.
Was Konzerte angeht bin ich auch heuer nicht über zwei an der Zahl hinaus gekommen, obwohl ich mir eigentlich doch einige vorgenommen hatte, irgendwie läuft es bei mir zunehmend auf den Treffen-Aspekt der ganzen Sache heraus, und in dieser Hinsicht kann ich mich nicht beschweren, den ich habe wirklich viele alte und neue Bekannte und Freunde wieder getroffen oder überhaupt erst live sehen können. Und all denen gilt mein Dank für die schöne Zeit.

Los ging es gen Donnerstag, den 20. Mai, am Vormittag. Nach den letzten Jahren in denen wir am Freitag erst hochgefahren sind, war das so gleich ein ganzes Stück entspannter, da wir gemütlich auspacken konnten, Essen einkaufen sowie Bändchen holen. Natürlich sind wir bei letzterem am Hauptbahnhof gleich mal in die ersten Bekannten gerauscht, und konnten uns beim Unterhalten gleich mal die Wartezeit in der Schlange vertreiben.
Abends ging es dann ins Cafe Puschkin, wo wir uns bereits mit anderen Bekannten verabredet hatten. Und so ließen wir den ersten Abend ganz entspannt ausklingen bevor es an die doch recht anstrengenden WGT-Tage ging.

Invalidenkommando, Alwa und Eissenbeisser im Cafe Puschkin

Der Freitag startete dann erstmal mit dem victorianischen Picknick, das dieses Jahr nicht mehr auf der Wiese vor dem Parkschlösschen stattfand, sondern in den Clara-Zetkin-Park verlegt wurde. Wie erwartet wuchs die Teilnehmeranzahl auch heuer auf ein recht unbersichtliches Maß heran, unter die sich auch wieder diverse Photographen mischten die entweder im Auftrag verschiedener Magazine und Zeitungen unterwegs waren, nach sensationellen Bildmotiven suchten oder eben auch nur fürs private Vergügen Bilder machten. So wurde man immer wieder aus dem Gespräch mit Bekannten herausgerissen. Entsprechend war von Picknick recht wenig übrig, ich zumindest wollte heuer möglichst keinen übersehen und war in den 3-4 Stunden in denen wir anwesend waren fast nur am Rumlaufen, Leute suchen und in Objektive schauen.

Die Entschädigung dafür waren einige sehr nette Gespräche mit altbekannten und neubekannten Herrschaften, auch wenn diese mitunter etwas kurz ausfielen – zwei Picknickdecken weiter tauchte meist schon der oder die nächste auf.

Danach machten wir einen kurzen Abstecher zur Agra, für den ersten Becher Erdbeerbowle des WGTs. Da gab es dann auch schon den ersten Schreckmoment als ich nach einem schiefen Blick auf die Uhr befürchtete, das Konzert von Attrition verpasst zu haben – ein Glück daß dem nicht so war.
So schafften wir es noch rechtzeitig ins Schauspielhaus, welches sowieso meine Lieblings-Konzertlokalität ist, allerdings je nach Band durch die begrenzten Sitzplätze sehr überlaufen. Wir hatten Glück, wir kamen problemlos hinein, und auch das Konzert war mit vielleicht der Hälfte der zur Verfügung stehenden Sitzplätze eher schlecht besucht. Was das Konzert selbst angeht – da wird es einen gesonderten Artikel geben.

Der Abend-Ausklang war dann die erste von insgesamt drei Neoromantik-Parties die auch heuer im Spiegelzelt an der Kongresshalle stattfanden. Den Freitag bestritten heuer Zinsi und Spinne, doch leider muss ich sagen daß ich die Musikauswahl bis auf ein paar lichte Momente wenig gelungen fand.
Dafür hat es mich gefreut an dem Abend bereits Robert von Spontis-Blog kennenzulernen, ein Treffen war eh geplant, glücklicherweise lies er sich nebst Freundin in den Spiegelpalast lotsen, und so konnten wir dort bereits ein paar Worte wechseln.

Am Samstag ging es – wie jedes WGT – erstmal in den Schillerpark unweit der Moritzbastei, zum Treffen des Natron und Soda-Forums. Ich hatte eigentlich nicht vor hinzugehen, nachdem mich Franky noch gefragt habe ob ich da sein werde, hab ich mich dann doch dazu hinreißen lassen. Letztenendes habe ich mich dann wieder ganz gut unterhalten und nochmal ein paar Leute in real kennengelernt, unter anderem einen weiteren Photographen-Bekannten mit dem ich bislang auch nur übers Netz Kontakt hatte – dem NeuroGrapher.
Franky schreibt im übrigen für den Festivalhopper, und natürlich auch vom heurigen WGT sind wieder ein paar Bilder von ihm dabei – der geneigte Leser möge mir verzeihen daß ich mich ausnahmsweise hier auch in Pose geworfen habe 😉 beim Franky hatte ich da einfach nicht so die Skrupel 😉
Das Treffen endete dann in einem recht nerdigen Gespräch mit dem wahrscheinlich einzigen Programmierer der sich auf diesem Nähtanten-Treffen herumtrieb – aber vielleicht „riecht“ man das ja irgendwie *g*

Nach dem Forums-Treffen war ich nochmal mit Robert verabredet, der für seinen Blog ein „Interview“ machen wollte, das sich als recht angeregtes und interessantes Gespräch entwickelte. Ich denke, über manche Themen hätten wir noch weit länger reden können, umso mehr bin ich gespannt was aus der ganze Geschichte wird, und welches Lesefutter er uns in der nächsten Zeit so präsentiert.

Danach versuchte ich in der Moritzbastei Alwa und die von Übels wiederzufinden, doch die waren schon gen Agra unterwegs, umso dankbarer bin ich Gomizugami-Sama fürs Aufsammeln an der Moritzbastei.
Allerdings war ich am Überlegen, mir Roman Rain in der MB anzusehen, wenn ich schonmal da war. Musikalisch muss ich zwar zugeben daß mir nur wenige Stücke die ich bisher gehört habe, zusagen, allerdings wäre ich neugierig gewesen diesen doch optisch sehr markanten Menschen mal live zu sehen.
Ein paar liebe Bekannte die ich an der Moritzbastei noch getroffen habe meinten später daß das Konzert tatsächlich recht gut gewesen sein muss.

Auf dem Markt der Moritzbastein habe ich dann noch eine grandios riesige Strasstiara ergattert, die preislich auch ein ziemliches Schnäppchen war.
Danach habe ich erstmal auf Gomi, Dani und Gala gewartet, inzwischen wurde es richtig frisch und zu allem Überfluss habe ich dann noch meine Lieblingsfeder, die ich in der Frisur hatte, verloren *hmpf*
Zu meiner Überraschung streckte mir dann plötzlich ein Kamerateam die Linse ins Gesicht und bat mich um Beantwortung von ein paar Fragen. Zum Glück handelte es sich um einen Leipziger Sender, sonst wäre ich wohl wirklich geflüchtet, und sie hatten dazu noch den Überaschungseffekt auf ihrer Seite, da ich da einfach nur so saß, fror und auf meine Freunde wartend gedanklich an ganz anderen Stellen steckte.
Ich bin letztenendes aber dennoch recht erleichtert daß ich dann im fertigen Beitrag des Leipzig Fernsehens nicht auftauchte. Reden vor Kameras ist dann nicht grade meine Spezialität.

Zum Glück kamen kurz darauf meine Mädels an, und wir suchten uns in der Stadt ein Eiskaffee um was zu trinken und mal die Füße stillhalten zu können. Der Kellner im Cafe war ganz angetan von der Horde Reifrockmädels, und so konnten wir uns wirklich nicht über den Service beschweren *lach* – die Leipziger sind einfach toll, und das macht einen guten Teil der ganz besonderen WGT-Stimmung aus, wie ich finde.
Auch zwei jüngere Damen die sich vor dem cafe niedergelassen hatten, haben uns angesprochen, und in dem kleinen Gespräch sind sicher wieder ein paar Vorurteile abgebaut worden. Danke im Allgemeinen auch an die Leipziger, denn egal ob jung oder alt, alle Kontaktaufnahmen bisher waren toll, die Leute immer freundlich und interessiert.

Vor der zweiten Dunkelromantischen Tanznacht wollten wir noch einen schnellen Abstecher in die Agra machen, ein Glas Bowle schnappen und kurz durch die Verkaufsstände schlendern. Dabei kam es zu der herrlichen Situation, als die Gäste eines gut besetzten Strassencafes mit ansehen durften wie sich 4 Reifrockdamen (naja, – zwei Reifröcke, eine Tournüre und ein großes Panier in einen kleinen Fiat Seicento pressten – die ungläubigen bis staunenden Gesichter vergesse ich nicht zu schnell *g*)
Doch auf der Agra kamen wir nicht weit, da mich nach ein paar Metern eine Photographin erwischte, die mir dann noch von einem ihrer Photoprojekte erzählte. Da mir das Konzept das sie mir unterbreitete sehr gut gefiel, willigte ich natürlich ein da mitzumachen. Sobald es soweit ist, berichte ich näheres darüber, es wird jedenfalls für einen Bildband sein mit einem Konzept das mich einfach voll und ganz begeistert hat.

Leider verlief die Fahrt zum Spiegelpalast danach nicht ganz reibungslos, denn ein ziemlich tiefes Schlagloch in der Strasse machte uns einen Strich durch die Rechnung, sodaß wir bei recht frisch gewordenen Temperaturen noch auf den ADAC warten mussten. Glücklicherweise handelte es sich lediglich um eine Kerbe in der Felge, die die scharfe Kante des Schlagloches verursacht hatte, und nichts schlimmeres.
Ärgerlich war es eben dennoch, und so kamen wir erst gegen 01:00 Uhr am Spiegelpalast an, allesamt schon entnervt, was sich zum Glück schnell löste bei Musik und Stimmung der Tanznacht. Auch wenn am zweiten Abend die Musikauswahl meiner persönlichen Meinung nach ein wenig mehr Schwung hätte vertragen können.

Soviel für heute. Da ich bereits wieder einen halben Roman habe, verlege ich den zweiten Teil auf später. Da wird es dann auch ein wneig mehr Bilderfutter geben, ich bin noch nicht durch meine durch – auch wenn es eher wenige sind – manche müssen noch Begegnung mit Photoshop machen, da mir die DSLR fürs WGT eindeutig zu unhandlich ist. Gibt da eh genug Leute mit größeren Kameras …

Als Entschädigung derweil gibt es das WGT-Video von Novembersturm vom heurigen Jahr: