Der Stand-Einstand am Strand – auf dem Biedermeier-Strandfest in Hayna

Noch beim WGT-Bericht schrub ich etwas von „neuen Erfahrungen“ – und hier ist gleich die nächste davon – nach knapp drei Jahren des selbstständigen Gewerbes in online-Form, zog es mich und mein Zeitreisendes Nähkästchen glatt mal in die freie Wildbahn. So ganz offline (in jeglicher Hinsicht) und – oh Grauen – unter Menschen!

Was das wohl werden würde, und überhaupt … man macht sich da im Vorfeld viele Gedanken, auch darüber was man mitnehmen könnte, wägt neue Sachen zum Verkauf ab und stürzt sich voller Tatendrang in die Produktion derselbigen.

Schleifchen ... Bild: Hester Thomas Photography

Schleifchen …
Bild: Hester Thomas Photography

Schon beim Online-Verkauf ist es bisweilen schwierig abzuschätzen, was die Leute so haben wollen, und tatsächlich ist es – je nach Plattform – ganz unterschiedlich. Nach dem Einen dreht sich auf DaWanda keiner auch nur ein zweites Mal um, und auf Etsy beispielsweise, verkauft man genau davon haufenweise … also abzuschätzen wie sich sowas im wahren Leben verhält, ist noch komplizierter …

Annette und ich hatten uns schon ein paarmal über einen Feldversuch mit eigenem Stand unterhalten, unter Anderem hatten wir den wunsiedlerischen Mittelaltermarkt „Collis Clamat“ schon im Auge, aber auch das „Victorian Village“ im Panometer zum WGT. Da sowas aber einiges an Vorlaufzeit braucht, kam es bislang nicht dazu – bis uns Birgit vom „Haynaer Strandverein“ fragte, ob wir Bock hätten, dort mit einem solchen Stand vertreten zu sein. Birgit kennen wir beide aus dem Kostümkram-Forum, und später traf man sich auch zum WGT regelmässig wieder.

Und da wir uns nicht um Stand-Equipment kümmern mussten oder Stellplatz-Gebühr zahlen, war die Gelegenheit eigentlich perfekt, um das Vorhaben „Offline-Verkaufen am eigenen Stand“ mal vorsichtig zu beschnuppern.

Der erse STand - fertig aufgebaut, jetzt müssen nur noch die Leute kommen. Bild: Florian Zwiener

Der erste Stand – fertig aufgebaut, jetzt müssen nur noch die Leute kommen.
Bild: Florian Zwiener

Soweit sogut, die Denkmurmel kochte ein wenig, auf der Suche nach Sachen, die sich hoffentlich gut verkaufen würden. Dabei spuckte die Nähkästchen-Werkstatt noch ein paar Hütchen und Fascinators aus, für die Jungs gab es Fliegen und Hals-Schleifen aus Jaquard und Seide, neue Blumen-Haarreifen und Kameen-Schmuck für die Damen, Mini-Capes und Rüschenkrägen wurden eingeplant und Frau Mutter beteiligte sich mit der Herstellung einiger gehäkelter Spitzen-Halsbänder.

Nur die schon zugeschnittenen und halb genähten „Unterbuxen“, a.k.a victorianische, lange Unterhosen, wollten partout nicht mehr fertig werden. Dann halt nächstesmal.

Hayna – das ist bei Leipzig, etwa 20 Autominuten stadtauswärts, und der besagte Biedermeierstrand am Schladitzer See. Da stellte sich dann plötzlich die Frage, wie hinkommen – zumindest nach Leipzig, wo Annette und Hester mir wieder einmal das Dach über dem Kopf anboten – wenn man haufenweise Hütchen und Dinge hat, aber kein Auto – Victoria fiel dann aus wegen einem Schaden an ihrem Auto, also musste ich mir was einfallen lassen.

Ein Teil der Nähkästchen-Auslage Bild: Hester Thomas Photography

Ein Teil der Nähkästchen-Auslage
Bild: Hester Thomas Photography

Montags vor dem Strandfest wurde also die Ware aus dem Lager der stahl’schen Werkstatt geräumt, katalogisiert und mit Preisschildchen versehen, und schließlich von meiner Versandabteilung – a.k.a Frau Mutter – fachgerecht in eine große Kiste verpackt, die sich dann erstmal allein auf den Weg gen Leipzig machen musste.

Mit etwas feuchten Handflächen beobachtete ich die Sendungsverfolgung – nachdem unsere gelben Freunde bei einer Lieferung zuvor schonmal richtig Mist gebaut hatte, war ich da etwas nervös, doch alles ging planmässig und die Kiste kam ganz und rechtzeitig da an wo sie hinsollte.

Es wurde also noch Kleinkram fertiggemacht, Dekoration gebastelt, ein kleiner Katalog mit Kleidern aus dem Nähkästchen gedruckt – immerhin war ich die Wochen zuvor auf Fotoshootings unterwegs, bei denen ich Kleider von mir dabei hatte, die die Damen nur zu gern vor der Kamera präsentierten, da gab es viel tolles neues Bildmaterial zu zeigen. Dinge erledigt, sich Gedanken gemacht und allgemein im Kreis gerannt. Naja, so ein „erstes Mal“ macht einen dann schon etwas nervös …

Freitag vormittag dann befüllte ich mein Köfferli mit der restlichen Ware, Dekorationsmaterial und passender Kleidung, stülpte mir meine Melone auf den Kopf und machte mich auf, per Zug gen Leipzig zu rollen.

Wir treffen alte Bekannte aus dem "grünen Forum" wieder - die Welt ist eben klein ;)

Wir treffen alte Bekannte aus dem „grünen Forum“ wieder – die Welt ist eben klein 😉

Versehentlich machte ich mich in dem Wagen breit, der in Gera stehengelassen werden sollte, und hechtete dann dort eiligst in den der weiterfahren wollte – der erwies sich als noch voller als der andere. Ich ignorierte also stoisch die Bierfahne sowie unerträgliche Musik, die beständig von meinem Nachbarn mit der tiefergelegten Hose,  zu mir hinüberwehte, und war gen 17:06 Uhr froh, aus dem Zug wieder an die frische Luft zu kommen.

Die Abendgestaltung blieb dann gemütlich, mit Animes und Katzen-flauschen.

Absinth-farbene Ohrringe Bild: Hester Thomas Photography

Absinth-farbene Ohrringe
Bild: Hester Thomas Photography

Am nächsten Tag brachen wir zeitig gen Hayna auf – der MDR wollte filmen, obwohl das Fest erst gen 15:00 Uhr losgehen sollte, fingen wir um 10:00 Uhr früh schon an, alles aufzubauen. Annettes kleines Auto war voll mit unseren Verkaufs-Sachen, irgendwie schafften wir es aber, die großen Kisten alle unterzukriegen. Ich war etwas müde, als nachtaktiver Mensch, der vormittags meist noch nicht zu einem geraden Gedankengang fähig ist, war es eine Herausforderung, auf den bereitgestellten Biertischen unter dem grünen Pavillion, eine ansehnliche Auslage mit den mitgebrachten Dingen zu fabrizieren. Dazu wollte der Wind uns persönlich ärgern – mehrere Male rannten wir unseren Artikeln hinterher, bis Hester genügend Steine am Ufer gesammelt hatte, um alles halbwegs windsicher auf dem Tisch festzunageln.

Live-Sendung vom Strand - den Link zum Beitrag gibts weiter unten. Bild: Florian Zwiener

Live-Sendung vom Strand – den Link zum Beitrag gibts weiter unten.
Bild: Florian Zwiener

Und kaum stand alles, kam schon der erste – ein älterer Herr mit Fahrrad stoppte, schaute- und hängte mir ein schier endloses Gespräch an. Ich weiß nicht woran es liegt, aber irgendwie landen sie alle bei mir – egal ob man nach Parkplätzen sucht, Programmauskunft wünscht, Annette einen Fuchsschwanz abkaufen möchte oder die Schuhgröße des durchschnittlichen, europäischen Sumpfhuhnes zu wissen wünscht – man frägt erstmal mich.

Der erste Verkauf ging dann an Annette, die im Auftrag ihrer Firma kleinere und auch ein paar größere Dinge aus Leder und Pelz dabei hatte, ich musste noch ein wenig warten, die meisten Leute waren auf Verkäufer garnicht eingestellt und hatten lediglich genug Geld für Eintritt, Kaffee und Kuchen bei sich, da blieb mir nur übrig, meine Flyer zu verteilen und auf meine Online-Shops bei Etsy, DaWanda und Palundu hinzuweisen.

Derweil auf der überdachten Bühne - Oliver Twist Bild: Florian Zwiener

Derweil auf der überdachten Bühne – Oliver Twist
Bild: Florian Zwiener

Interessant aber war, wie präsent das WGT in Leipzig auch unter dem Jahr ist, viele merkten an, mit meinen Sachen könne man sich ja aufs WGT wagen, andere gingen durchaus selbst hin, und schleichten, trotz der Beteuerung, eigentlich schon genug schwarze Dinge zu besitzen, um meine Auslagen herum. Eine freundliche, ältere Dame erzählte von ihrer elfjährigen Enkelin, die schon begeisterter „Gotik-Fan“ wäre, und ihr Taschengeld in passenden Kleidern und Schmuck anlegte, wenn sie nicht gerade Mangas las und Animes guckte. Die Dame fotografierte einige meiner Fascinators und schickte das postwendend weiter.

Während der Aufführung von „Oliver Twist“ auf der Bühne am Biedermeierstrand, wurde es sehr ruhig an den Ständen. Annette und Hester stärkten sich mit Kuchen von der gegenüber gelegenen „längsten Sammeltassenkaffeetafel“ – die wirklich sehr schön aufgezogen war, mit schöner Bestuhlung und lauter einzelnen Exemplaren besagter Sammeltassen. Im Gegensatz zu den Damen, die vom beständigen Blick auf den Kuchen, vom süßen Essen nicht genug kriegen konnten, führte das bei mir eher dazu, daß ich Hunger auf eine anständige „Worschdsemml“ bekam, doch auch der Imbiß-Stand etwas weiter unten, hatte nicht das was ich mir unter einer gepflegten „Worschdsemml“ so vorstellte.

Annette und Adrian am Stand

Annette und Adrian am Stand  Bild: Florian Zwiener

Dann war das Theaterstück auch schon aus, und endlich strömten wieder Leute an den Ständen vorbei – die freundliche ältere Dame mit ihrer Gotik-Fan-Enkelin kam nochmal vorbei und kaufte mir einen schwarz-silbernen Fascinator als Mitbringsel für die Kleine ab.

Ich wurde eine rote Jaquard-Schleife und ein paar Ohrringe los und freute mich über meine ersten Verkäufe.

Und dann war es bereits Zeit, alles wegzupacken. Nicht ohne die Nachzügler, die trotz allem noch zum schauen kommen wollen, aber das kennt man auch von der „anderen Seite“ gut genug – wenn man selbst gerade in den Einpackvorgang bei Märkten reinplatzt, aber noch was interessantes sieht.

Annette hat auch viele tolle Sachen dabei.

Annette hat auch viele tolle Sachen dabei.

Recht zügig war alles verstaut und in Annettes „Rennsemmel“ untergebracht, der letzte Programmpunkt des Abends war dann der „Biedermeier-Gesellschaftsball“, den Iris anleitete. Die Damen wechselten von schlichter bürgerlicher Kleidung auf farbenfrohere Abendgewänder, und dann ging es erstmal Richtung Ufer für ein paar gestellte Tanz-Bilder, bevor die eigentliche Action losging.

Historische Tänze sind nicht immer sonderlich schweißtreibend, doch gerade gen Ende des etwa zweieinhalb-stündigen Ball-Betriebes, packte Iris ein paar ziemlich schnelle Dinger mit reichlich Hüpferei aus, bei der nicht nur mir richtig warm wurde – eine dumme Bewegung später erinnerte ich mich wieder etwas unangenehm daran, daß ich mir einige Tage zuvor einen Muskel im Oberschenkel verrissen hatte … aber so mitten im Tanz bleibt einem dann auch nichts anderes übrig als Arschbacken zusammenkneifen und einfach weitermachen – ausserdem waren die flotteren Tänze viel zu spaßig, um dann wegen sowas aufzuhören 😉

Der Biedermeier-Ball Bild: Florian Zwiener

Der Biedermeier-Ball
Bild: Florian Zwiener

Der Ball wurde im Inneren des Bühnen-Pavillions abgehalten. Ein wirklich sehr liebevoller und detailreicher Bau mit Holz-Häuschen für alles notwendige. Als Kulisse hat man im Hintergrund den Schladitzer See – besonders bei Sonnenuntergang gibt das einen besonders malerischen Anblick ab. Daß sich der Strandverein damit richtig viel Mühe gegeben hat, sieht man auf den ersten Blick.

Gegen 22:00 Uhr kamen wir dann wieder bei Annette an, ließen die Kisten für den nächsten Tag natürlich gleich im Auto, und hauten uns wenig später dann auch aufs Ohr.

Da wir am Sonntag  nicht so früh vor Ort sein mussten, schliefen wir aus, machten frühstück und warfen uns dann gemütlich in Schale. Ich hielt mich ein wenig britisch – mit Melone, Kniebundhose und Kniestrümpfen, samstags noch schwarzweiß-geringelt, am Sonntag aber stilecht mit Rautenmuster 😀 – Annette und Hester trugen ihre bezaubernden, gestreiften Empire-Roben, sonntags blieb Hester daheim und Susi von „Cupid und Psyche“ schloß sich uns an – in einem sehr schönen Hausmädchen-Gewand.

Die schön aufgemachte Kaffeetafel mit den Sammeltassen. Bild: Florian Zwiener

Die schön aufgemachte Kaffeetafel mit den Sammeltassen.
Bild: Florian Zwiener

Der Stand war zügiger aufgebaut, wir wussten ja schon in etwa was wir wo hinlegen wollten. Annette bekam dann auch bald einen begeisterten Stamm-Kunden, der erst ausgiebig alle Pelz-Bommeln untersuchte, und schließlich die Waschbären-Pfote fand – ganz zum Mißfallen seiner Mutter …

Die gab schließlich dann doch nach, was dazu führte daß bald der ganze Festplatz von seiner neuen Errungenschaft wusste 😉 .

Bei mir gingen noch einige Ohrringe mit Kameen über den Ladentisch, ansonsten fiel der zweite Tag deutlich umsatz-ärmer aus. Wie vorher schon erwähnt, waren viele Leute einfach nicht auf die Anwesenheit von Ständen gefasst – was aber kein großes Problem war, denn beim ersten Stand kann mans ruhig angehen lassen, und ich werde beim nächsten mal auch ein paar andere Dinge mitnehmen, mehr als einmal wurde ich beispielsweise nach weißen, historischen Häubchen gefragt – die ich tatsächlich bei den Vorbereitungen noch in Betracht gezogen hatte, aber dann – entschied ich mich anders. Wie ebenfalls gesagt, ist es nicht einfach, einzuschätzen, was gefragt ist und was nicht, wenn man das Publikum so garnicht kennt.

Die längste Sammeltassenkaffeetafel Bild: Florian Zwiener

Die längste Sammeltassenkaffeetafel
Bild: Florian Zwiener

 

Ein paar Auftrags-Anfragen habe ich noch mitgenommen – ein Glück daß ich wenigstens noch daran gedacht hatte, meine Maßbänder einzustecken, denn für ein Korsett konnte ich vor Ort dann schonmal Maße mitnehmen.

Und so ging auch das Strandfest zuende, und wir packten das letzte Mal ein.

Die Pavillions wurden abgebaut und alle halfen zusammen, die Biertische noch wegzuräumen – schnell wurde es dann leer. Wir plauderten noch mit Iris und ihrem Mann, begutachteten noch das eigens eingerichtete „Biedermeier-Zimmer“ und verabschiedeten uns dann.

Das Biedermeier-Zimmer - mit originalen Möbeln hergerichtet. Bild: Florian Zwiener

Das Biedermeier-Zimmer – mit originalen Möbeln hergerichtet.
Bild: Florian Zwiener

Da es zu spät war, sich am Sonntag abend noch auf die Heimreise zu machen, blieb ich noch einen Tag, Annette und Hester mussten zwar montags arbeiten, aber das war kein großes Problem, Annette lies mir den Schlüssel da, also schlief ich aus, packte meine Kiste nochmal ordentlich und meinen Koffer, flauschte die Katzen ausgiebigst durch (bei dem Kampfschmus-Kater hatte ich auch keine andere Wahl) und begab mich dann nochmal gen Innenstadt. So ganz ohne WGT-Trubel, mal gemütlich etwas die Läden begutachten. Doch das WGT ist ja nie weit weg in Leipzig, der erste Laden erregte nur durch einige schwarze Teile mit Nietenbehang meine Aufmerksamkeit, ansonsten wäre der Damen-Bekleidungsladen links liegen geblieben. Und tatsächlich – an einer Wand hingen ausgeblichene Bilder von vergangenen WGTs, und die Werbung für WGT-Ansichtskarten. Alles dekoriert mit Nietengürteln und diversem metallhaltigen Leder-Schmuck. Eine schwarzgekleidete Dame probierte sich auch gerade durch das Angebot an der Wand, für mich persönlich aber blieb es beim gucken, eine Jungs-Abteilung gab es nicht 😉

Fasinators

Fascinators

 

Ein paar Läden weiter – hauptsächlich Stoff-Läden  und der Saturn am Hauptbahnhof, holte ich mir an letzterem noch eine Sushi-Box und machte mich auf den Rückweg. Mii-tan, der Kampfschmuser rammte mir beim Sojasoße-in-die-Schale-kippen den Kopf so überraschend in den Rücken daß ich die Wohnzimmertisch-Auflage unwillkürlich mit ein paar Flecken dekorierte. Ich habe ihm aber nichts von meinem Fisch abgegeben, dafür gabs hinterher nochmal ausgiebige Flauschs, die dann von Annettes Rückkehr unterbrochen wurden.

Wir haben uns dann die MDR-Sendung zum Haynaer Strandfest in der Mediathek angesehen – komisch daß man auch da das WGT erwähnte, obwohl das ja nun absolut nichts damit zu tun hatte – dann luden wir die frisch gepackte Kiste ein, stoppten bei einer naheliegenden Post-Stelle, und etwas knapp aber noch rechtzeitig quetschte ich mich in den Zug heimwärts, in dem die Leute bei meiner Ankunft schon wie die Ölsardinen im Gang stramm standen. Und dann verputzte ein langhaariger Typ mit verbeulten Strohhut auch noch sage und schreibe drei (!) Subway-Sandwiches mit extra viel Zwiebeln drauf im Durchgang, kurz nach der Abfahrt …

Mehr Ohrring-Details - diese sind noch nicht verkauft worden bislang ;) Bild: Hester Thomas Photography

Mehr Ohrring-Details – diese sind noch nicht verkauft worden bislang 😉
Bild: Hester Thomas Photography

Zwei Haltestellen weiter stand ein älteres Paar auf und bot mir einen ihrer Sitzplätze an. In dem Fall nahm ich gerne an und war froh etwas im Frischluft-Durchzug zu sitzen, da mir Eau de menschliche Ausdünstung in dem Moment dann wirklich zu viel war. Und so rollte ich doch noch ganz entspannt wieder in Hof ein.

Und so ging das Abenteuer des ersten eigenen Standes zu Ende.

Verkauft habe ich nicht viel, aber das macht nichts. Leipzig ist immer einen Ausflug wert, auch weil da Annette und Hester wohnen, und ich bekanntlich die zwei unglaublich gerne hab.

Zum Strandfest komme ich auch nächstes Jahr gerne wieder, die Örtlichkeit ist richtig schön, und die Leute dort sind herzlich und voll dabei, und für historische Tänze kann man mich eh immer begeistern. Die Besucher dürften jetzt ja vorgewarnt sein, und jeder weiß sicher auch, was man beim nächsten mal vielleicht etwas anders angehen könnte. Ich werde auch jeden Fall selbst Werbung dafür machen – ich war zu beschäftigt um mich darum auch noch zu kümmern – und vielleicht mal in die Runde fragen, ob es spezielle Wünsche gibt. Vielleicht auch ein wenig passender zum Thema „Biedermeier“ einige Kleinteile herstellen.

Und damit bin ich nun gespannt was sich generell in Sachen „Stand in echt und überhaupt“ so noch tun wird – geplant ist einmal auf dem kommenden WGT im Victorian Village entsprechend anwesend zu sein, sollte es dazu kommen, werde ich diesmal rechtzeitig die Werbetrommel rühren, und auch hier gilt – wer da sein wird und bestimmte Wünsche hat – die dürfen sehr gerne auch jetzt schon genannt werden!

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Goth on the rocks – das WGT2016

Eine neue Erfahrung ist immer gut zur eigenen Horizonterweiterung und kann oftmals interessante neue Blickwinkel geben, nach 10 Jahren WGT, bei dem im letzten Jahr die Erfahrung „ein Pfingsten ohne das WGT“ erfolgte und als nicht wiederholungswürdig eingestuft wurde, gab es heuer das Experiment „WGT ohne Bändchen“.

Genau das.

Genau das.

Inwiefern man das als Empfehlenswert einstufen kann, zeigt die intensive Versuchsauswertung, deren Bericht ich an dieser Stelle für alle zugänglich machen möchte, damit kann jeder seine Schlußfolgerungen ziehen und gerne in Form eines Kommentars unter das hier vorliegende Versuchsprotokoll setzen.

Die erste Aufgabenstellung war – wie komme ich nach Leipzig. Da meine langjährige Reisegefährtin Victoria heuer ausfiel und ein eigenes Auto nur bedingt vorhanden ist, gab des da die Option „Zug“, welche sich nach dem diesjährigen Ausflug zur Buchmesse als erstaunlich angenehm herausstellte, dennoch gab es da das Problem „Gepäck“, das zum WGT ja bekanntlich doch etwas unhandlicher ausfällt. Zum Glück kennt man ja doch ein paar Leute, und so meldete sich auf meinen Hilferuf eine weitere Victoria, die mit ihrem Mann von Augsburg zum WGT anreiste und Platz für mich samt Gepäck hatte. An der A9 wurde ich aufgelesen und in zügigen und angenehm verquatschten anderhalb Stunden befanden wir uns auch bereits im Landeanflug auf die Grufti-Hauptstadt.

Unsere Route führte uns am Belantis vorbei, wo heuer die Eröffnungsveranstaltung stattfinden sollte, erstaunt und auch etwas entsetzt beobachteten wir da Massen, die den Platz vor dem Freizeitpark tiefschwarz einfärbten.

Am Bahnhof wurde ich abgesetzt und ein paar Meter weiter von Annette eingesammelt – alles erstaunlich perfekt und reibungslos. Faszinierend.

Der Donnerstag-Abend wurde dann traditionsgemäß mit dem Tanz auf der Wiese beim Parkschloß, veranstaltet von der Blauen Stunde, schön stimmungsvoll und gemütlich angegangen. Es war deutlich weniger los als in den Vorjahren, woran womöglich das Wetter und die Belantis-Veranstaltung Schuld gewesen sein mögen. Wir können nur spekulieren …

Entsprechend wenig bekannte Gesichter fanden wir, Dani, eine auch schon recht langjährige WGT-Freundin gesellte sich zu uns und Kathi, eine der jüngeren Spontis-Leserinnen, kam dann auch auf ein kleines Gespräch zu uns auf die Decke.

Gegen 1 Uhr trieb uns die Kälte und die Müdigkeit dann erstmal nach Hause.

Tage bei Annette und Hester fangen immer mit einem laut schnurrenden, schmusewütigen Kater an, und so rammte mir der feline Mitbewohner der beiden erstmal genüsslich den Kopf zwischen die Rippen, um sich von oben bis unten durchflauschen zu lassen. Auch der Prozess des Anziehens wird immer wieder mal katzbotiert, bevorzugt kurz nachdem man sich das Samt-Beinkleid an den Allerwerstesten gezogen hat, dann ist das in einem so unerträglich frischen Zustand daß man durch intensives Anschmusen erstmal gleichmässig Haare überall darauf verteilen muss.

Flausch mich!

Flausch mich!

Wir zogen zeitig los um zu einem Treffen am Panometer, wo heuer zum zweiten Mal das „Victorian Village“ stattfand, zu gelangen. Das „victorianische Dorf“ ist seit dem letzten Jahr quasi die weiterführende Veranstaltung des vormaligen victorianischen Picknicks, das auch ich durch den starken Andrang von Zaungästen und fotowütigen Zeitgenossen leider zunehmend ungemütlich fand. Das Picknick blieb dennoch ein Selbstläufer und findet wie gewohnt an alter Stelle statt, das Interesse, sich den Rudel-Abschuß anzutun war aber auch heuer genauso groß wie in den Jahren davor, daher war ich auf das Panometer gespannt.

Vor dem Victorian Village fand dann erstmal das „Lolita Treffen“ statt – eigentlich ist das ja nun nicht gerade mein persönliches Interessengebiet, und nein, natürlich wird der Adrian auf seine alten Tage jetzt nicht ganz wunderlich und fängt an, selbst kurze Rüschenkleidchen tragen zu wollen 😀 – Hester und Annette haben an dem Thema Gefallen gefunden, und ich halte das einfach nach dem Prinzip – immer schön neugierig bleiben und sich alles mal anschauen, vielleicht findet sich ja auch in dem Bereich ein neuer Kundenkreis, und wenn nicht, bestimmt einige nette Leute zum neu kennenlernen.

Lolita.Treffen am Panometer - und dazwischen lugt eine einsame Kalkleiste hervor ...

Lolita-Treffen am Panometer – und dazwischen lugt eine einsame Kalkleiste hervor …

Letztenendes war es so dann auch – ein paar meiner Flyer wanderten weiter und die anwesenden Mädels waren allesamt richtig nett und liebenswürdig. Ich habe versucht mich als männliches Gegenstück ein klein wenig anzupassen und klemmte mir für ein bisschen „Ouji-Style“* noch ein Krönchen schräg ins weiße Zweithaar. Das mit dem Kalk im Gesicht hätte ich zur Not auch ganz japanisch als „Shiro nuri“** verkaufen können – also, hätte jemand ob meiner Erscheinung komisch geguckt. Hat aber keiner.
Ganz im Gegenteil.

Im Panometer angekommen.

Im Panometer angekommen.

Vor dem Panometer machten wir noch ein paar Erinnerungsbilder für uns, und wanderten dann geschlossen nach Innen. Dort löste sich die Gruppe aber auch schon weitestgehend wieder auf, mit ein paar anderen kam man hingegen noch ganz angeregt ins Gespräch.

Das Victorian Village gefiel uns allen richtig gut, nicht überlaufen und kein permanentes Blitzlichtgewitter. Man konnte recht gemütlich unter sich die Szenerie genießen und sich unterhalten, rings herum waren die Stände kleiner Designer und Kunsthandwerker aufgebaut, von denen einige auch teils schon langjährige Bekannte und nun Kollegen sind, sodaß man die eine oder andere Fachsimpelei austauschen konnte. Im nächsten Jahr werden Annette und auch ich voraussichtlich ebenfalls mit Stand dort vertreten sein – auch wenn es noch hin ist bis dort – ihr könnt gerne schonmal kund tun, was ihr so sehen wollen würdet, dann kann ich schonmal anfangen, ein paar Sachen dafür einzuplanen.

Füße auf dem Südfriedhof

Füße auf dem Südfriedhof

Danach verschlug es uns erstmal in die Innenstadt, beim DM die obligatorisch-vergessenen Nachlackier-Hilfsmittel besorgen, eine Kleinigkeit zu Beißen suchen (Bäcker-Pizza, keine Jungfrauen – auch wenn das jetzt enttäuschend sein mag 😉 ) und hausgemachten Eistee in der „Milchbar“ einfüllen. Die Programmzusammenstellung der Gruppe „WGT ohne Bändchen“ spuckte uns dann noch eine Führung mit Vortrag zu Fledermäusen auf dem Südfriedhof aus, also wechselte ich schnell von Pikes auf meine ausgelatschten Anzugtreter, da die ramponierten Füße wegen längerer Pikes-Abstinenz ein paar Einwände einzubringen hatten.

Hester und Annette gehen auf Tauchstation im Gras

Hester und Annette gehen auf Tauchstation im Gras

Zu besagter Führung fanden sich aber so viele Leute ein, daß man keine Chance hatte, mehr als nur ein gelegentliches „Fledermaus“ aus dem Stimmengewirr herauszuhören, wir beschlossen also, alleine noch ein wenig auf dem Südfriedhof herumzulaufen und die Chance zu nutzen, ein paar Bilder zu machen – immerhin ist Hester eine tolle Hobby-Photographin. Generell haben wir das Wochenende recht intensiv zum Bildermachen für uns genutzt.

Manch schönes Bild sieht aus einer anderen Perspektive reichlich albern aus ...

Manch schönes Bild sieht aus einer anderen Perspektive reichlich albern aus …

Gegen zehn Uhr erklärten wir den Freitag auch schon für beendet – also ungewöhnlich früh für so ein WGT, was irgendwo schade war, andererseits aber auch recht entspannt, ich nutzte die Gelegenheit, den Kalk besonders gründlich aus jeder Pore des Gesichtes herauszuschrubben – wenn man das sonst immer im Halbschlaf und völlig platt, nachts um halb vier machen muss, schätzt man die ausreichende Zeit dafür durchaus.

Wir sichteten also unsere Bilder-Ausbeute, quatschten noch ein wenig und stöberten in der Programmauflistung für die Bändchen-losen. Um Mitternacht lagen wir dann schon flach und schnarchten dem nächsten Tag entgegen.

Während das Freitagswetter noch nahezu ideale Bedingungen bot – also nicht zu kalt und nicht zu warm, und lediglich ein kurzer Regenschauer – zeigte sich der Samstag von einer besonders ekligen Seite. Aprilwetter mit Regen, ja sogar Graupel, naßkaltem Wind und definitiv zu tiefen Temperaturen.

ungruftiges Rumblödeln auf dem Spielplatz Bild von Steffi Baumann

ungruftiges Rumblödeln auf dem Spielplatz
Bild von Steffi Baumann

Unsere erste Anlaufstelle war eine Freundin von Annette und Hester, die von uns im Friedenspark ein paar Bilder machen wollte. Nachdem sowas irgendwann immer in Albernheiten ausartet, gabs erstmal eine Aufwärmrunde auf dem Spielplatz – irgendwo in meiner linken Pikes-Spitze müsste noch Sand sein …

Die Damen bekamen dann spontan Hunger auf Nudeln mit Käsesoße, also flüchteten wir in der Innenstadt zu einem italienischen Restaurant vor der Kälte und leiteten noch ein paar Freunde dorthin um.

Aufwärmen beim Italiener - mit Käse-Nudeln (die sind aber fotoscheu ;) )

Aufwärmen beim Italiener – mit Käse-Nudeln (die sind aber fotoscheu 😉 )

Um 16:00 Uhr wäre dann ein Konzert gewesen, welches als Nicht-Bändel-Besitzer besuchbar gewesen wäre, und da es sich um das Industrial-Urgestein namens „Test Dept.“ handelte, welches auch Dauergast auf Göttertanz-Playlists ist, hatten wir uns das eigentlich auch vorgenommen.

Eigentlich.

Wir hielten uns zu lange im Lokal auf, auch weil die Bedienung aufgrund des WGT-typischen Andrangs relativ zäh verlief und verpassten in alter Tradition eins der wenigen Konzerte auf dem Plan selbstredend haushoch. wir stellen also fest: auch ohne das Ticket schafft man Konzerte verpassen ganz ohne sich anzustrengen.

Die Abendgestaltung sollte dann im heidnischen Dorf stattfinden, auch mit einem Konzert – Estampie.

Ihr dürft raten.

Genau.

Diesmal war der Hinderungsgrund aber die Kälte und die immer wieder drohenden Regenschauer, wir flüchteten also durchgefroren nach Hause, und während Hester nochmal zu einer J-Rock Party weiterzog,  wärmte ich mich erstmal mittels ausgiebigsten Entkalkungs-Maßnahmen unter der heißen Dusche auf, warf einen Blick auf Facebook an Annettes Rechner (ich bin schließlich Mobilinternetverweigerer!), schickte noch ein paar Infos an Leute raus die ich die folgenden Tage noch treffen wollte, und sich trotz der Warnungen via Facebook gemeldet hatten.

Sonntag morgen – das Wetter wurde nicht viel besser, der Kater verteilte weiterhin fleißig Haare auf Ausgehklamotten und hat mich schon längst als dritten Dosenöffner akzeptiert – und die Damen beschlossen, hauptsächlich aufgrund des erstgenannten Umstandes, das von den beiden organisierte historische Tanzen im Park ausfallen zu lassen.

Die Regenschauer wurden zwar weniger, trotzdem ist so ein durchgefeuchteter Untergrund nicht grade Tanztauglich. Ich wechselte noch ein paar SMS mit einer Photographin die ich an diesem Tag treffen wollte, dann steuerten wir das Grassi-Museum an.

Vier frieren vor dem Grassi-Museum

Vier frieren vor dem Grassi-Museum

Vor dem Eingang tummelte sich schon eine schwarze Menge, zu der sich bald ein paar Bekannte von uns dazugesellten, die uns auch darüber aufklärten, daß der Auflauf die „Weinverkostung zum WGT“ war. Also, jeder brachte Wein mit, der dann gemeinschaftlich vor dem Museum vernichtet wurde.

Wir froren fleißig vor uns hin, während wir auf weitere Freunde warteten, auch meine Photographin lies dann nicht mehr zu lange auf sich warten, allerdings mussten wir erstmal vor einem Regenguß ins Innere des Museums flüchten, dort rannte ich nochmal in Freunde aus Bayreuth, man verquatschte sich bis das Wetter wieder besser wurde und wir uns in den anschließenden Johannispark für die geplanten Bilder bewegen konnten. Dort hatten wir dann Glück, für längere Zeit war der Himmel sogar wolkenfrei und der schwarze Pelz wärmte sich im Sonnenlicht endlich mal schön angenehm auf.

Im Grassi-Museum hing die Pfingstgeflüster-Ausstellung von Markus Rietzsch, auch von mir war eine der Aufnahmen aus den Vorjahren dabei, im ganzen Gewühl habe ich es selbst aber nicht mehr in die Ausstellung geschafft, also berichtete mir Hester, welches Bild von mir dort zu sehen war.

Nach der Bilder-Aktion waren wir aber trotz der Sonne wieder einmal durchgefroren, also suchten wir uns vier Wände mit Dach drüber und schlenderten durch die Ausstellung des Labels „Lucardis Feist“ im noblen Fürstenhof. Dort rauschte ich in eine weitere Bekannte und Kundin, dummerweise schlug da meine Gesichtsblindheit voll zu und ich stand erstmal komplett verwirrt vor ihr.

Wir run mal so, also wäre von oben nicht schon genug Wasser gekommen ...

Wir run mal so, also wäre von oben nicht schon genug Wasser gekommen …

Inzwischen bin ich zwar recht gut darin, meine Unfähigkeit, Leute zu erkennen, zu überspielen, bis im Gespräch dann genug Anhaltspunkte zu Wort kommen, an denen ich mein Gegenüber identifizieren kann – nur manchmal klappt das eben auch nicht … es tut mir wirklich fürchterlich leid, aber ich kann nichts dafür  – ich hoffe ihr nehmt es mir nicht übel.

Jedenfalls verabredeten wir uns noch für den folgenden Tag, warteten einen weiteren Regenguß im Hotel ab und wanderten dann los um etwas gegen das aufkommende, kollektive Magenknurren zu unternehmen.

Kurz vor der Innenstadt hüpften wir noch ein wenig Bilderschießend um ein paar Springbrunnen herum, und es kam wie es kommen musste – Passanten zückten die Handykameras und fragten einer nach dem anderen nach einem Bild. Naja, es nahm immerhin nicht überhand und man zeigte sich auch recht interessiert an der Szene und dem Ganzen, ein Mann fragte mich ausgiebigst, wie „wir“ uns organisieren, und wie das alles so abliefe, setzte dann noch hinzu daß es sicher auch toll sein müsse, wenn man sich dann einmal im Jahr so schön „verkleiden“ könne und dann aus dem Alltag so ausbrechen könne – wie zu erwarten erntete ich einen erstaunten Gesichtsaudruck auf meine Aussage hin, daß ich – wie viele andere aus der Szene eben auch – recht konsequent auch alltags schwarz trage, und eben auch ausserhalb des WGTs andere Veranstaltungen sind auf denen man sich trifft und Gelegenheit hat „etwas mehr“ als Alltagsüblich in die Malerkiste zu greifen – ohne daß man das aus Gründen der „Verkleidung“ tut, sondern eben weil es Teil der persönlichen Szene-Identifikation und Ausdrucksmittel ist.

Einen schönen Kommentar zu Kleidung und Verkleidung gibt es von Dunja Brill auf den MDR-Seiten zum WGT den man sich unbedingt in dem Zusammenhang mal anhören sollte.

Man könnte fast meinen, es wäre schönes Wetter gewesen.

Man könnte fast meinen, es wäre schönes Wetter gewesen.

Ich muss aber auch sagen daß ich, jetzt wo ich auch in der Cosplay-Szene (die natürlich garnichts mit WGT und Goth-Tum zu tun hat) ein wenig herumgegeistert bin, ein paar Ideen habe, woran diese Verkleidungs-Aussenwahrnehmung der Szene noch liegen könne (als Ergänzung vielleicht zu dem was ja schon länger Gegenstand der Diskussion ist) – doch dem werde ich dann einen eigenen Artikel widmen.
Dort gibt es nach Veranstaltungen nämlich ganz ähnliche Reaktionen wie „hat uns jemand photographiert, schickt uns bitte die Bilder!“ – nur der Umgang damit ist deutlich ein Anderer. Vielleicht verwechseln Aussenstehende beide Szenen auch gerne mal?

Doch weiter im Programm – fürs Essen-Fassen haben wir uns an diesem Tag für Sushi entschieden. Und damit gab es für dieses WGT ein weiteres Novum für mich – ich rationalisiere bei solchen Veranstaltungen die Nahrungsaufnahme oft so ziemlich weg, ich bin an sich kein Fan von Essen-Gehen, und wenns dann anders nicht mehr geht, inhaliert man eher schnell an einer Ecke etwas von einer Imbiß-Bude und verkriecht sich dabei in irgend ein dunkles Eck um sogut wie möglich dabei seine verdammte Ruhe zu haben.

Der Haufen in der Sushi-Bar - nur echt mit im Kreis fahrendem Essen!

Der Haufen in der Sushi-Bar – nur echt mit im Kreis fahrendem Essen!

Doch die schon angesprochene Kälte macht irgendwo drinnen sitzen einfach angenehmer, und ich bin inzwischen auch deutlich entspannter, ausserdem fielen durch das Nichtvorhandensein des Bändchens einige andere Ausgaben weg, eingekauft habe ich sowieso nur eine David Bowie-Kachel im „Victorian Village“, da kann man sich dann auch an anderer Stelle mal was gönnen.

Ich war noch nie in einem Sushi-Restaurant in dem das Essen auf mittig platziertem Förderband an den Gästen vorbeizieht. Wir bestellten also asiatischen, hausgemachten Eistee und legten dann los. Es war tatsächlich ziemlich lustig und sollte definitiv wiederholt werden, wir waren alle viere am Ende auf rollbarem Niveau voll mit Sushi und anderem asiatischen Essen, daß es nicht schaffte, schnell genug an uns vorbeizufahren.

eine Miso-Suppe passt noch irgendwie rein ...

eine Miso-Suppe passt noch irgendwie rein …

Zur allgemeinen Verdauung hatten wir noch einen kleinen Spaziergang zurück zum Auto, mitten durch die Innenstadt vor uns – ein paar Photographen und Passanten mit Handykameras kamen noch an uns vorbei, aber im Großen und Ganzen war die Stadt um die Zeit dann schon fast leergefegt.

Da wir die Tage zuvor zeitig zuhause waren, und die Wedel-Parties, die nun seit 2008 fest im WGT-Programm sind, ohne Bändchenbesitz diesmal nicht besuchbar waren, sind wir in Sachen abendliche Party bis dahin leer ausgegangen, doch heuer waren die Wave-Abende im Beyerhaus-Keller wieder vorhanden und auch gegen Entgeld zugänglich, daher wollten wir wenigstens einen Tanz-Abend mitnehmen, ausserdem fand ich 2013 den Beyerhaus-Keller optisch und ambientig einfach großartig, und auch die Musikauswahl war vor drei Jahren eigentlich richtig granatig.

Wir fuhren also zuerst einmal kurz in die Wohnung, luden die warmen Umhänge und Schirme ab, und ich tauschte die weiße Kontaktlinse aus und entledigte mich des grau-weißen Zweithaares. Damit wären wir bei einem weiteren WGT-Novum: Perücken mochte ich eigentlich nie, irgendwie fanden dann aber für Cosplay doch ein paar dieser Dinger ihren Weg in meinen Schrank, also dachte ich mir mal – weiße Haare sind schon irgendwie cool, ich probiers mal aus.

Und ja – ich muss zugeben, das Endprodukt mit Zweithaar gefiel mir dann ausserordentlich gut – aus diesem Grund rannte ich dann drei Tage in Folge mit dem Ding auf dem Kopf herum. Nur am Abend des dritten welchen war ich dann auch froh um das erstaunlich zugige Gefühl auf dem Kopf. Eine Erfindung des WGT-Wochenendes war daher dann auch der Perücken- und Haarteil-Kratzer  – ähnlich wie der Rückenkratzer, nur kleiner eben. Alle Herrschaften aus unserem Bekanntenkreis, die ebenfalls Perücken oder Haarteile oder größeren Kopfschmuck tragen waren sich einig – wir müssen damit in Produktion gehen!

Der Beyerhaus-Keller - hier noch recht leer

Der Beyerhaus-Keller – hier noch recht leer

Zurück zum Beyerhaus-Keller. Wir standen zeitig vor der Tür, und als wir dann auch den Eingang fanden (der vor drei Jahren woanders war), saßen wir erstmal relativ alleine drinnen, lauschten den Soundchecks und beobachteten wie einige Techniker noch an Teilen der Beleuchtung herumfummelten. Annette und Hester fummelten derweil an ihren Handies herum – aber um ein paar Ambiente-Bilder von der Umgebung zu machen und Detailaufnahmen von diversen Scheinwerfern und Lichtspielen an Wänden und Personen.

Dabei entstand auch der folgende psychedelische Wave-Adrian, nur echt mit der Laser-Show auf der gesichtsgelegenen Kalk-Leinwand:

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Die Musikauswahl war wie vor drei Jahren formidabel, auch Herrn von Karnsteins Stimme, in Form seines Wave-Musikprojektes „Farblos“ war zu belauschen, gegen 12 Uhr füllte sich der Saal dann auch merklich, leider tat das der Stimmung ausnahmsweise den Abbruch schlechthin. Menschen die mitten auf der Tanzfläche Nachrichten in ihre Schlaufons tippten und laute, trotz des Wetters leicht bekleidete Damen, die sichtlich mehr als genug Alkohol intus hatten und fröhlich am Bar-Tresen vor sich hinschwankten … Hester schlief eh schon fast – sie war ja am Vorabend schon lange aus gewesen, daher brachen wir gen halb zwei Uhr auch wieder auf.

Und damit näherten wir uns auch schon dem letzten Tag des WGTs. Ich zupfte ein paar Katzenhaare von meinen neuen, gestreiften Pluderhosen, gab aber recht schnell wieder auf, und machte mich an die Details der gruftigen Kriegsbemalung.

Malerearbeiten in Arbeit - ich brauche noch ein "Vorsicht - frisch gestrichen!" - Schild :D

Malerarbeiten im Gange – ich brauche noch ein „Vorsicht – frisch gestrichen!“ – Schild 😀

Wir verabredeten und am Südplatz mit Freunden, einmal Susi, ebenfalls aus Leipzig, die via Tram zu uns stieß, und Anita nebst Freund – die ich am Vortag im Fürstenhof so grandios nichterkannt habe. Wir wanderte zu einer nahegelegenen Grünfläche und plauderten, ich nahm Maß für einen Kleider-Auftrag und zeigte Stoffproben her, die ich extra für meine Kundin mitgebracht hatte. Da Anita auch zur bildermachenden Fraktion gehört, nutzten wir auch ein halbes Stündchen für ein paar Bilder – als selbstständiger Schneider brauche ich natürlich auch zu Werbezwecken Augenfutter, denn ohne Bildmaterial keine Aufträge. Ganz logisch …

Schon wieder Bilder machen ...

Schon wieder Bilder machen … diesmal mit Anita Stellmacher

Wir trennten uns dann kurz und trafen uns beim inzwischen auch schon obligatorischen Spontis-Treffen nahe der Moritzbastei wieder – und dort tummelte sich eine schwarze Masse an Pikes-Trägern, Iros und wavigen Wuschelfrisurbesitzern. Das Treffen ist jedes Jahr immer wieder schön, man sieht alte Bekannte wieder die teils auch zu Freunden wurden im Laufe der Zeit, sowie neu hinzugekommene Leser von Roberts Blog, welcher unter spontis.de zu finden ist.

Wie immer unterhält man sich vorzüglich, hat andererseits aber auch wieder zu wenig Zeit um längere Gespräche zu führen, man wuselt vom Einen zum Anderen , und natürlich ist der Pikes-Kreis, der Jahr um Jahr an Umfang zunimmt, ein Muss.

Sicher wird sich Robert auch nochmal zu dem Treffen äussern – und wie immer gab es auch den Spontis-Treffen-Button sowie das kleine Magazin zum Blog, das von Jahr zu Jahr ein Stück professioneller wird.

Platzierungen für den Pikes-Kreis werden eingenommen

Platzierungen für den Pikes-Kreis werden eingenommen

Die Gruppe löste sich dann tröpfchenweise auf, und als nur noch eine schwarze Pfütze übrig war, verabschiedete ich auch mich, da ich meine Damen nicht weiter warten lassen wollte.

Wir steuerten dann auf das Umaii in der Innenstadt zu – ein weiteres japanisches Restaurant das sich hauptsächlich auf Ramen spezialisiert hatte.

Bis auf einen etwas verunglückten Heim-Versuch bei dem auch nicht alle Zutaten auftreibbar waren, hatte ich noch keine anständigen Ramen getestet – also eine weitere neue Erfahrung.

Bei dem immernoch anhaltenden Pisswetter war so eine warme, japanische Nudelsuppe genau perfekt, auf den stilgerechten Suppen-Schlürf-Vorgang habe ich aber verzichtet, das hätte der Kalk dann doch nicht ganz ausgehalten …

Ramen Nicht meine, sondern Annettes ...

Ramen
Nicht meine, sondern Annettes …

Das Lokal war jedoch reichlich leergefressen, beim Nachtisch-ordern waren eine ganze Reihe Dinge nicht mehr verfügbar, und Bekannte von uns, die gerade kamen als wir gingen, berichteten am nächsten Tag daß bei deren Bestellung noch weniger Zutaten vorhanden waren als bei uns noch.

Wir setzten dann Susi bei ihr zuhause ab, durch einen glücklichen Zufall hatte sie ein Paar Pikes übrig daß sie nicht trug, und wir noch dazu die gleiche Schuhgröße – und so wanderte ein weiteres Paar in meinen Besitz über.

Die Agra hatten wir die Tage über nicht angesteuert, da wir ohne Band eh nicht aufs Gelände konnten, jedoch wollten wir später zur Abschlußveranstaltung der Blauen Stunde, und das Haus ist von der Agra nicht weit entfernt, daher wickelten wir uns erstmal in alle Kleidungsstücke ein die wir dabei hatten und setzten uns noch ein Weilchen vor das Messegelände, in der Hoffnung daß noch ein paar unserer Bekannten vorbeikamen, die wir bislang nicht gesehen hatten.

Bedingt durch das Wetter und unser sonstiges Fernbleiben von der Agra sind uns die Massen der Besucher weitestgehend entgangen, doch unser Eindruck war, daß man Cyber kaum mehr sieht und der generelle Trend wieder ein Stückweit mehr zu klassischen Wave-Matten, Pikes und Pluderhosen gegangen ist als noch in den Vorjahren. Wer da aber andere Eindrücke hat, darf die sehr gerne in den Kommentaren mitteilen.

Vor der Agra hatten wir tatsächlich noch wen getroffen – das Pärchen kannte ich bislang zwar nicht, dafür Hester und Annette, doch relativ schnell landeten wir wieder beim Rumblödeln – besonders unser Einfall von einem der Vortage – das Grufti-Yoga für Morgenmuffel mit den Übungen „die Grabplatte“ und „der schlappe Zombie“ sorgten für einiges an Erheiterung und hemmungsloses Weiterspinnen der Idee. Auch der „Sanitär-Cyber“ hatte eine erneute Erwähnung und wurde noch etwas fachgerecht ausstaffiert.

Die Blaue Stunde

Die Blaue Stunde

Wir zogen dann weiter zum Haus der Blauen Stunde und konnten unser Stamm-Sofa, im Wohnzimmer gleich im Eck hinter dem großen Tisch, wieder besetzen. Dani traf nebst Freund etwas später ein, und so konnte man in Ruhe das WGT ausklingen lassen, während vom Nebenzimmer „Bauhaus“ hereindrang.

Das Haus füllte sich bald, aber nie übermässig, ich kam noch ins Gespräch mit ein paar Leuten die sich für victorianische Kleidung interessierten, machte erste Beratungen und erklärte den Aufbau und verteilte meine restlichen Flyer. Frank von der Blauen Stunde zeigte mir ein Plätzchen an dem ich den letzten Rest dann auslegen konnte, auf dem Tisch platzierte ich auch ein paar, die kurz darauf interessiert studiert wurden.

Samstags im heidnischen Dorf kam auch jemand auf Florentine zugestürmt – die an dem Tag Tournüre trug – mit der Frage wo man solche Kleider herbekommt. Mein Einsatz!

Und jetzt bin ich natürlich ganz gespannt was sich aus spontanen Beratungen, Plaudereien und Flyer-Verteilen noch so ergibt …

Die Blaue Stunde verließen wir um ein Uhr, also auch vergleichsweise zeitig, Dani rief vor Ort noch im Puschkin an, an dem dienstags unser obligatorisches Voll-im-Arsch-Frühstück stattfindet, nur wurde diesmal vergessen, daß wir dazu einen Tisch reservieren wollten, zum Glück lies sich das so kurzfristig aber noch regeln.

Dienstage nach WGTs sind immer so eine Sache, man ist müde und hängt durch und ist entsetzt daß vier Tage Treffen schon wieder so unglaublich schnell vergangen sind.

Mii-tan – Annettes Kater – kam dreimal ins Bett hochgekrochen und verlangte Krauleinheiten – und irgendwie war er da wieder, der schlappe Zombie 😀

Irgendwann  hatte das Katertier mich wach genug daß ich mich schonmal ins Bad schlich und die Dusche besetzte um Kalkreste und Haarlack vom Vortag gar abzuschrubben.

Der Koffer wurde neu geschichtet – da ich zur Anreise schon alles reingepresst hatte was ich reinbekommen habe, war „reinwerfen und zumachen“ diesmal keine Option, jeder Quadratmillimeter musste ausgenutzt werden.

Das Puschkin war gut gefüllt, wie gewohnt, doch auch hier gab es weniger Andrang als in manchen Vorjahren.

Alwa und Mike saßen da schon, ich habe mich riesig gefreut die beiden endlich mal wieder sehen zu können, freitags sind wir uns im Panometer schon begegnet, doch ein bisschen genauer quatschen über diverse Dinge war dann im Puschkin einfach besser.

Die Frühstücksrunde fiel wesentlich kleiner aus als in manch anderen Jahren, neben Alwa, Mike, Hester, Annette, Dani und ihrem Freund Severin sowie mir, kam noch ein Paar aus Hamburg dazu das wir seit vielen Jahren am WGT wiedertreffen, der Erstkontakt war hier auch, wie bei sehr vielen Bekannten und inzwischen guten Freunden, über das sogenannte „grüne Forum“ in dem man sich über historische Kleidung austauschen kann. Ich bin jedoch schon seit Jahren dort nicht mehr aktiv, man hält aber den Kontakt heutzutage vornehmlich über Facebook weiter.

Gegen zwei Uhr war es dann Zeit für das große Verabschieden, mein Gepäck luden wir in Danis Auto um, das Severin fachgerecht umschlichtete, Dani hatte als erfahrene Tournürendame natürlich einiges an Stoff bei sich – im eigenhändig vernähtem Zustande natürlich – aber noch war genug Platz für einen schmalen Kerl und seinen Dreispitz.

In großzügigen anderhalb Stunden kamen wir auch schon an meiner Abwurfstelle an der A9 vorbei, in einer weiteren halben Stunde war ich dann wieder in den eigenen vier Wänden, wo mein eigener Kater die Taschen, ob der ungewohnten Gerüche, die natürlich auch von den zwei Katzen (Chi, das Mädel ist ziemlich scheu, im Gegensatz zu ihrem brutalschmusigen Bruder), die bei Annette und Hester wohnen, herrührten, ausgiebigst abschnuffelte.

Und damit ist ein weiteres WGT leider schon wieder Geschichte …

Fazit des Ganzen: WGT ohne Bändchen ist möglich und es finden sich genug Programmpunkte die man problemlos mitnehmen kann. Ob ich das jedoch wiederhole ist eine andere Geschichte, die Agra hat mir ein wenig gefehlt – weniger wegen der *hust* Atmosphäre da und noch weniger wegen den Konzerten, auch die Verkaufshalle brauche ich nicht zwingend, in den letzten Jahren habe ich sowieso nur Ringelsocken gekauft dort. Aber als Treffpunkt an dem sich früher oder später alle Bekannten die man im Lauf von gut zehn Jahren WGT nun so alle kennengelernt hat, ist die Agra einfach ein Teil davon. Natürlich bleibt mehr als fraglich ob das Agra-Abhäng-Kriterium die Geldausgabe für die Karte rechtfertigen würde – denn das tut es definitiv nicht, also warten wir bis es im nächsten Jahr mit dem Programm soweit ist daß man absehen kann, ob es sich generell lohnen würde.

Wäre das Wetter insgesamt besser gewesen, hätte man auch sicher noch einige Aktivitäten mehr mitnehmen können, doch für das Wetter kann man nunmal nichts.

Viele Bändchenverweigerer begründeten ihre Entscheidung ja auch mit der Band-Auswahl, in der Hinsicht aber muss ich sagen daß ich eigentlich recht viele Bands gefunden hatte, die ich durchaus hätte sehen wollen, und bei der Dreckskälte wäre die Motivation, sich in einen Konzertsaal zu begeben, sicher auch höher gewesen als bei den warmen bis heftig heißen WGTs der Vorjahre, wo man leichter mal draußen versumpfen konnte. Trotzdem hatten wir unseren Spaß und auch wenn die Bändchenlosigkeit das Ganze ein wenig seltsam gemacht hatte, so war es wieder ein tolles WGT – aber warten wir mal auf das nächste Jahr mit der Entscheidung, ob dann wieder richtig und mit Karte, oder doch wieder ohne.

Nur das Wetter möge bitte deutlich besser werden …

*Ouji = japanisch für „Prinz“, ein Begriff der unter anderem für das männliche Gegenstück zu Lolita verwendet wird, ist ebenfalls inspiriert von victorianischer Kleidung.

*Shironuri = japanisch für „weiß angemalt“ – bezieht sich auf das weiße Make-Up, ein gesonderter Artikel folgt.

Gothic Friday 2016 Mai – von Kalkleisten und Stoffbergen

Der Fluch des Selbstständigen – manchmal hat man Wartezeiten zwischen Aufträgen, manchmal überrennt einen die Arbeit förmlich, Und genau deswegen habe ich die letzten beiden Beiträge absolut nicht geschafft, der Plan, jeden Tag ein paar Sätze zu schreiben, ging dann auch nicht auf, da ich irgendwie dann mit dem Gesamttext unzufrieden war, und nochmal anfing.

Auch nicht der Sache dienlich, daher gibts ab jetzt „Augen zu und durch“.

Zwar lauert die Arbeit jetzt nach dem WGT weiterhin auf mich, immerhin habe ich von dort in Form von neuen Kunden-Maßen auch wieder neue mitgenommen, doch noch sitzt die WGT-Wehmut schwer in den Knochen – was ich mir gleich zunutze mache, um mich dem aktuellen Gothic Friday Thema zu widmen.

Es geht um Stil, Optik, Haare, Make-Up .. also das ganze Zeug was gern mal unter „Oberflächlich“ unter Naserümpfen abgetan wird, aber nunmal dennoch einen wichtigen Teil der Szene-Identifikation ausmacht.

Die Bandbreite ist groß, manche fühlen sich am wohlsten wenn T-Shirt und Jeans zumindest eingeschwärzt sind, andere treiben weitaus mehr Aufwand. Ich muss zugeben daß mir die Diskussion um Styling und (vermeintliche) Oberflächlichkeiten in letzter Zeit vermehrt auf den Sack gegangen ist, besonders sofern man auf Facebook in die große WGT-Gruppe schaut. Ich möchte das an der Stelle nicht näher vertiefen, nur dazu sagen daß mir wumpe ist, wer wie rumrennt, solange man sich versteht und sich jeder in seiner Haut wirklich wohl fühlt, mache ich Sympathie nicht an Äusserlichkeiten fest – das war nie so und wird ganz sicher auch nie so sein.

Genau das.

Genau das.

Was mir persönlich gefällt und was ich garnicht mag, hat ebenso mit der Person darunter nichts zu tun, sondern sind nur rein ästhetische Präferenzen, nicht mehr und nicht weniger

Aber hier geht es ja um den eigenen Stil, daher nach den einleitenden Worten endlich zur Sache.

Meine zentrale Inspirationsquelle sind die New Romantics der 80er und natürlich auch der frühe Wave-Stil – der ja nicht immer sauber vom New Romantic trennbar ist. Dazu historische Mode aus allen Epochen, und so allmählich schleichen sich auch ein paar extravagantere, japanische Einflüsse bei mir ein – was mich selbst überrascht da ich für den Japan-Hype zu alt bin und eigentlich selbst lang genug die Nase darüber gerümpft habe.

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2013 „Dandy Strange“ – irgendwann früh um halb fünf nach dem Club-Besuch – aber der Kalk, der sitzt noch

Gerade die New Romantics waren damals ja auch verschrieen, nichts als aufmerksamkeitsgeile Poser zu sein, doch finde ich daß das dem Ganzen auch etwas unrecht tut, da hier viele äusserst kreative Menschen ihre ersten Schritte gemacht haben und von da aus in sehr kreative Berufe weitergegangen sind. Und die ganze Geschichte kommt im Grunde genommen ja aus dem Punk, die damals schon ausgesaugte „Ästhetik des Hässlichen“ wurde nochmal auf den Kopf gestellt, um etwas Neues daraus zu machen. Ganz zu Anfang habe ich mangels Geld auch genommen was ich finden konnte, und es zu Schmuck und Accessoires umgebaut und zweckentfremdet, alte Damastvorhänge zu Kleidern verarbeitet, Schmuck aus 1-Euro Läden auseinandergebaut und neu verbraten und geschaut daß ich mit quasi kaum Budget das schönste rausbekomme, was irgendwie möglich ist. Ich bin also nun wirklich kein Hobby-Adeliger, sondern doch eher irgendwie Punk und sehe in der Beziehung einfach persönliche Parallelen zu den New Romantics.

Personen aus dem Umfeld die mich schon immer inspiriert haben sind an erster Stelle definitiv David Bowie, und seinen zahlreichen Bühnen-Personas mit denen er sich auch auf optischem Wege Ausdruck verliehen hat. Gerade auch durch seine androgyne und oft alienhafte Erscheinung war er schon immer einer der ganz Besonderen und „heiligen“ (so man das so ausdrücken kann) Vorbilder für mich.

Dazu gesellen sich noch Adam Ant, Thomas Dolby (als schrulliger, altmodischer Wissenschaftler), teilweise Steve Strange und im Allgemeinen die sehr androgyne Ästhetik der frühen 80er.

Anna-Varney Cantodea muss ich – als gestandene Kalkleiste – auch zu den Inspirationsquellen zählen, und ich wage zu behaupten daß so ziemlich jeder der sich wandweiß anlackiert, ein gewisses Faible für diese Ausnahmekünstlerin hegen dürfte.

Das mit der Kalkerei betreibe ich nun auch schon seit mehr als zehn Jahren, so schrittweise wurde die Gesichtsfarbe zu Festivals und an Clubabenden immer weißer, einhergehend mit immer präziseren und komplexeren Malereien darauf. Für mich hat das wenig mit „Make-Up“ zu tun, denn tatsächlich mit Malerei – von Schminken hab ich eigentlich kaum Ahnung, wenn es sich nicht grade auf derart hart übertriebene Bemalung bezieht. „Natürlich“ kann ich nicht, will ich nicht, brauch ich alltags erstrecht nicht und finde ich öde.

2012

2013

Sogar als ich noch versucht habe, irgendwie als Frau durchzugehen, war meine Alltagsbemalung mit harten, aufgemalten Eyeliner-Augenbrauen und extremem Lidstrich. Und jetzt wo ich mich dem Druck auch nicht mehr aussetze, als Mädl rumrennen zu müssen, ist Alltags-Schminken für mich sowieso irrelevant, und auch davor führte alles was „natürlich-weiblich“ war, für mich einfach nur zu heftigem Unwohlsein in meiner  eigenen Haut – was ich lange Zeit einfach nur auf die Bevorzugung gruftiger Ästhetik schob, heute bin ich mir aber sicher daß die Gründe andere waren.

2012 - ein paar Monate später war das ausgewucherte Zeugs auf dem Kopf endlich Geschichte

2012 – ein paar Monate später war das ausgewucherte Zeugs auf dem Kopf endlich Geschichte

Das extrem künstlich wirkende „Kalken“ hat aber gerade auch als Ausdrucksform für mich auch heute noch einen großen Reiz, da man sich mehr als lebendes Kunstwerk herrichtet – losgelöst von Geschlecht, egal ob biologisch oder der Eigen-Identifikation nach. Ähnlich wie ich die extremen Bemalungen der New Romantics eben ziemlich faszinierend finde und mich  immer wieder davon inspirieren lasse.

Ein etwas pragmatischer Grund fürs Kalken ist die Haltbarkeit – ein Tag 40 Grad am WGT und nachts noch bis zum Morgengrauen unterwegs – der Kalk hält. Unerschütterbar. Auch bei schlechterem Wetter ist das Zeug, sofern man seinen Gimpel nicht voll in die Witterung streckt, zuverlässig bis zum bitteren Ende. Normale Produkte hat man dann oft in kürzester Zeit in den Kniekehlen hängen und muss nachlackieren – bis auf ab und an mal Lippen neu tünchen, hält der Scheiß einfach da wo man ihn platziert. Jedes WGT denk ich mir am Montag spätestens – jetzt könnteste mal nen Tag aussetzen. Aber sofern ich nicht völlig auf Malerei verzichten will, schiebe ich den Gedanken dann auch meist ganz schnell wieder weg.

WGT 2009 Das "Hörndl-G'Wand" (wie Alwa dazu immer sagt) ist - trotz Rock immernoch eins meiner Liebsten - auch wen ichs nicht mehr trage.

WGT 2009
Das „Hörndl-G’Wand“ (wie Alwa dazu immer sagt) ist – trotz Rock immernoch eins meiner Liebsten – auch wen ichs nicht mehr trage.

Wer sich mal ansehen möchte wie das mit dem Kalken von einem echten Make-Up Artist gemacht wird, dem lege ich das folgende Video von einem lieben Bekannten aus München ans Herz:

 

Nur die Kleider von früher habe ich entweder abgeworfen oder sehr weit in den Kleiderschrank zurückgeschoben, stattdessen kommen nun Rüschenhemden und Brokat.Westen zum Einsatz, wenns mehr die schwarzromantische Ecke sein soll. Ich habe auch erstmal überlegt ob ich hier noch alte Reifrock-Bilder von mir einfügen soll, da ich die gerade aus persönlichen Wohlfühlgründen immer weiter aus dem Netz nehme, dennoch gehören sie ja irgendwie dazu, und ich vertraue auch auf das Verständnis meiner Leser.

WGT 2008 Bild von Frankon

WGT 2008
Bild von Frankon

Spitziges Schuhwerk gehörte seit den ersten Schrankinhalt-Einschwärzungen dazu, auch wenn es anfangs noch keine echten Pikes waren. Und tausend silberne Klimperarmreifen, mehrreihige Nietengürtel und drei Nummern zu große Hemden zu Röhrenhosen – später dann auch Pluderhosen, nachdem ich rausgefunden hatte wie der Schnitt für sowas aussieht.

2012 Bilder machen im Schloßpark Fantaisie - ja, das war stellenweise Alltagsaufzug bei mir.

2012
Bilder machen im Schloßpark Fantaisie – ja, das war stellenweise Alltagsaufzug bei mir.

Das gehörte lange Zeit aber mehr zu meinem Alltags-schwarz, ab und an auch mit einem historischen Kleidungsstück dazu. Im Gegenzug haben sich irgendwann aber auch mal diese Elemente stilbrechend in Reifrock-Outfits und verwandtes mit eingeschlichen. Pikes und zerfetzte Strumpfhosen unter dem riesigen Rüschenkleid gehörten immer dazu, und sorgten bei denen für Verwunderung, die nur die gekalkte Person in Reifröcken kannten, und daher wohl den Eindruck „Hobby-Adel“ hatten.

Und bei der Mischung bin ich jetzt im Moment im Wesentlichen, der klassische Waver ist schon längst auch deutlich in die Ausgehgarderobe eingezogen, die Rüschenhemden kann ich aber nicht sein  lassen – genauso wenig wie eben das Kalken.

Meine Szene-Anfänge hingegen waren erstmal von Lack, Nieten und Bondage-Klamotten geprägt, aber zumindest kann ich mit gewissem Stolz behaupten, daß davon kein Teil gekauft war – lag auch am Budget, der Bondage-Rock wurde aus einer schlecht geschnittenen Cargo-Hose umgenäht und den Lack hortete Frau Mutter in ihrem Stoffschrank und benutze ihn selbst doch nie, daher wurde er irgendwann, als ich endlich die Möglichkeit hatte, mich in schwarzen Clubs rumzutreiben, zu Ausgehklamotten vernadelt.

2004 Kurz darauf wurde aus dem Lack schwarze Rüschen

2004
Kurz darauf wurde aus dem Lack schwarze Rüschen

Lang bin ich aber nicht bei der Lack-und Bondagerock-Fraktion geblieben, das schwenkte dann doch recht schnell zu historisch inspirierten Kleidern und den ersten 80er-Anleihen über und entwickelte sich so über all die Jahre.

Zwangsläufig stellt sich da auch immer wieder die Frage: wenn man so extrem auffällig rumläuft, dann muss man doch ein stückweit richtig scharf drauf sein, gesehen zu werden oder?

Jein, ich finde die Schlußfolgerung „Auffällig ist zwangsweise dumm, oberflächlich und nichts was was mit der Szene zu tun hat“ seinerseits nicht grade weit gedacht, da man damit die Person ja wieder auf die reine Optik reduziert, ich denke, für ein Urteil sollte man vielleicht dann schon ein paar Worte mit den Leuten gewechselt haben, die Extremstyler gab es seit den Szeneanfängen genauso wie die unauffällig schlicht-schwarzen, und sicher auch eine große Bandbreite an Leuten die sich aus sehr unterschiedlichen Gründen in der Szene rumtrieben – von denen einige sicher auch damals nicht superszenepassend waren.

WGT 2011 Beim Spontis-Treffen

WGT 2011
Beim Spontis-Treffen

Bei mir war das so – am Anfang war es schon ein schönes Gefühl, wenn die Leute schön fanden was man da tat – halt mal ein paar nette Worte neben der Tanzfläche oder auf dem Festivalgelände. Harmlos eigentlich.

ANT-Style 2010

ANT-Style
2010 – Bild von Photo&Magic

 

Dann kamen die Sensationsknippser, vornehmlich zum WGT, und in dem Maße ist und bleibt das eine sehr unangenehme Sache, besonders wenn denen jeglicher Anstand abgeht da man auch hier im Grunde auf das Äussere herunterreduziert wird – man ist ja nicht nur Kleidung und Make-Up sondern ein kompletter Mensch. Doch auch das Thema ist hinreichend diskutiert worden.

Gargoyle WGT 2014 Bild von Crescentia Moon

Gargoyle
WGT 2014
Bild von Crescentia Moon

Ja, ich mache auch Photoshootings, und das schon seit 2003. Eine reine Hobbysache, ich finde es ganz schön von sich Bilder zu haben und so ein aufgetakeltes Gesamtbild als Kunstwerk auch für bildnerische Kunstwerke zur Verfügung zu stellen. Es ist wie mit Filmen – bei einem solchen Medium kann man Geschichten erzählen die die Wirklichkeit verlassen, und sich selbst als Teil dazu zu machen ist auch eine Form von Abstand zum Alltagsleben – nicht als Realitätsflucht, sondern auf eine Art, weswegen andere Menschen sich vielleicht drei Wochen Karibikurlaub gönnen. Mal abschalten eben.

"Dandy Strange" Bild von Pam Meier

„Dandy Strange“
Bild von Pam Meier

Inzwischen gebe ich aber auch schamlos zu daß ich die Aufmerksamkeit auch etwas bewusster forcieren möchte. Der Grund ist logisch-pragmantisch: ich bin selbstständig, und das in einem Bereich in dem man sich sehr, sehr schwer tut, wahrgenommen zu werden, und vor allem – auch ein Bereich der nunmal sehr an Optik und Style hängt. Ohne Werbung kann ich meinen Laden einstampfen – da das aber mein ganz großer Traum ist und ich natürlich als Mensch aus der Szene für die Szene hier und in meinem eigenen Atelier herstelle, tue ich alles* um genug Aufmerksamkeit zu bekommen, daß die Leute Kleidung von mir gemacht haben möchten. Viele haben den Bezug nicht dazu, was es heißt sich mit einem eigenen Gewerbe durchhauen zu müssen, ohne die Sicherheit eines „normalen“ Jobs mit nur acht Stunden am Tag, immerhin würde ich gerne mal genug rausbekommen um zumindest sorgenfrei alleine meine Semmeln bezahlen zu können, daher bin ich ganz ehrlich und sehe nichts verwerfliches darin das frei rauszusagen – die Leute sollen mich sehen und auf mich zukommen, und mich ansprechen, wenn etwas hilft daß ich ohnehin für mich gerne mache – umso besser, so fügt sich im Grunde alles zu einem großen Ganzen, in dem ich nicht für einen Job zurückstecken muss (was nichts schlimmes ist – ich verstehe sehr gut wenn man als Angestellter da einfach die Dinge anders handhaben muss) – sondern alles fließend ineinander übergeht.

WGT 2013 Mad Scientist /Tesla Punk Bild von Hester Thomas

WGT 2013
Mad Scientist /Tesla Punk
Bild von Hester Thomas

Damit nähere ich mich dem Ende des heutigen Beitrages – trotz des vermeintlich „oberflächlichen“ Themas bin ich dann doch in viel philososchwafligen Text abgeglitten – ganz einfach weil Optik für mich immer ein nonverbales Ausdrucksmittel war, an dem ich nichts schlimmes finden kann, sodenn Substanz dahintersteckt. Für die Szene-Ästhetik ist eben auch der Punkt einer den man sich öfters mal bewusst machen sollte – daß man mit Optik in hohem Maße auch kommuniziert, beispielsweise „Lass mich in Ruhe“ oder „Ich gehöre nicht zu euch“ oder – sucht euch was aus. ich denke, im Grunde schlägt sich jede Szene-Philosophie irgendwie sehr wohl im Kommunikationsmittel „Style“ nieder – eben jeder auf seine ganz eigene Art.

*liebe RTL und Pro7 Fernsehteams: Nein!

Neujahrs-Gewinnspiel – und ein blöder Jahresrückblick ;)

Hoppla – schon wieder ein Jahr vorbei? Wie konnte das passieren …

Und da sitzt man nun vor dem Bildschirm und fragt sich, wo das letzte so schnell denn nun wieder hingekommen sein mag …

Muss man da schon wieder einen Rückblick schreiben? Nun, müssen – sicher nicht, aber wisst ihr was – ich tue es dennoch!

Wie auch im Jahr davor ist zum schönen, altmodischen Bloggen einfach keine Zeit übrig geblieben, für dieses Jahr nehme ich mir schonmal vor, etwas öfter den Staub von diesem alten Ding abzuklopfen. Und so geht es gleich mal mit einem Gewinnspielchen in die Vollen.

Eigentlich geplant zum 1000sten „Like“ der Facebook-Seite des Zeitreisenden Nähkästchens, wird jetzt aus einfach nachvollziehbaren Gründen eine Neujahrs-Verlosung draus.

Und zu gewinnen gibt es den nachfolgend abgebildeten Mühlsteinkragen aus violetter Baumwolle, mit reichlich schwarzer Spitze und einer gestickten Bordüre aus vierblätterigen Kleeblättern – die dem/der Gewinner/in im neuen Jahr ordentlich Glück bringen sollen!

Zur Teilnahme habt ihr dazu zwei einfache Möglichkeiten:

Der Facebook-Seite des Nähkästchens ein „Like“ verpassen (wenn nicht sowieso schon passiert)

– dort den Post mit dem Bild auf dem eigenen Profil teilen – öffentlich sichtbar (sonst kann ich den geteilten Beitrag nicht sehen – als Nachweis daß geteilt wurde)

– optional: lasst mir ein paar Grüße auf meiner Seite da 🙂

Alternativ – für die Facebook-losen:

— weiterpetzen auf eurem eigenen Blog

– und dann hier kommentieren mit Link zu betreffendem Beitrag.

giveaway_blog


 

Soviel zum „wirksamen“ Teil – jetzt kommt die lange Textwüste. Aber keine Sorge, es gibt auch Bildchen 😉

Tja, was ist passiert im letzten Jahr.

Einiges. Und wenig. Klingt komisch, ist aber so. Eins der absoluten Highlights war unbestreitbar der London-Trip im April, den ich vor allem Vicktoria zu verdanken habe – und nochmals an dieser Stelle lieben Dank dafür, ich denke immer wieder gern dran zurück und freue mich auch jetzt noch darüber 🙂 – was wir da so alles gemacht haben, kann man sogar im Blog nachlesen.

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Blaue Kiste am Earl’s Court

Danach folgten knapp vier Monate saisonaler Job am hiesigen Theater – den Luisenburg Festspielen. Natürlich im Kostüm. Also, in der gleichnamigen Abteilung, nicht komisch angezogen (wobei das natürlich immer im Auge des Betrachters liegt …)

Ich möchte dazu eigentlich nicht viel mehr schreiben, da man Bände füllen könnte mit Anektödchen und Geschichtchen, und nachdem ich imstande wäre, das auch zu tun, ersticke ich den Drang einfach mal im Keim, und sage – ich erzähl euch gerne mal was wenn wir uns persönlich treffen, beim WGT, oder sonstwo.

Es war auf jeden Fall eine ziemlich interessante, wenn auch teilweise harte und stressige Zeit

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Die Schneiderei auf der Luisenburg

WGT ist ein gutes Stichwort, oder bessergesagt, ein schlechtes, denn wegen oben genanntem Job fiel das, nach ganzen zehn Jahren in Folge, das erste Mal aus für mich. In diesem Jahr bin ich aber wieder dabei, und freue mich dafür umso mehr darauf!

Ein weiteres, ganz tolles Jahres-Highlight war am 24. und 25. Oktober dann die TimeLash – die erste deutsche Doctor Who Convention überhaupt. Diese fand in Kassel statt, und hätte eigentlich auch einen ganz eigenen Beitrag verdient gehabt, nur bin ich – wie zu anderen Gelegenheiten eben auch – irgendwie nicht dazu gekommen. Jedenfalls war es eine wunderbare, kleine und sehr freundlich-familiäre Angelegenheit mit tollen Gästen und einem Haufen gutgelaunter Besucher. Auch hier hatte man Gelegenheit, Leute die man sonst nur virtuell kannte, mal live und in Farbe zu sehen. Ein paar andere habe ich vor Ort garnicht erkannt – sollte sich da jemand angesprochen fühlen: es tut mir fürchterlich leid. Ehrlich. Ich bin kacke im Gesichter-erkennen und sage den Leuten meistens, sie sollen mich anlabern, da die Chancen sehr gut stehen, daß ich an ihnen einfach vorbeilaufe.

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Blaue Kiste in Kassel – und diesmal passend im 11. Doctor-Gewand

Trotzdem war die „Trefferquote“ relativ hoch an dem Wochenende, es gab einen Haufen schöner Gespräche, die oft dazu führten daß wir die Panels ganz verpassten (Memo an mich – eine Con ist kein WGT … oder? Irgendwie vielleicht doch, nur für Who-Fans, statt für Schwarzkittel. Naja, manchmal auch für letztgenannte, der Anteil anwesender Grufties war dann doch ganz stattlich), ein Cosplay-Wettbewerb bei dem ich Teil der Jury sein durfte, und bei dem wir Juristen wirklich hart geschwitzt haben bei der Preisvergabe.

Glücklicherweise wird es eine zweite Ausgabe geben, und zwar am 15. und 16. Oktober diesen Jahres – ich freu mich schon drauf und bin gespannt, welche Gäste dann (noch) eingeladen sein werden.

Amy (aber nicht "Pond") auf der TimeLash in ihrem maßgefertigten TARDIS-Kleid - vom Nähkästchen, natürlich :)

Amy (aber nicht „Pond“) auf der TimeLash in ihrem maßgefertigten TARDIS-Kleid – vom Nähkästchen, natürlich 🙂

Und natürlich darf man nicht vergessen – die Unterschlupfmöglichkeit bei BB in Kassel (schaut euch auch mal auf ihrer Seite um – es handelt sich nämlich auch um eine sehr liebe Kollegin) . Das machte das Wochenende gleich nochmal besser als es eh schon war – samt der Dreiergruppe jugendlicher Kater, die nachts nicht nur rumliegende Leute als Bett benutzten, sondern in ihrer Spielwut sogar ganze Daleks von den Tischen räumten 😀

Kater … ach bin ich heute gut im Überleitungen schreiben … ja, einen Kater habe ich nun auch wieder. Nein, natürlich nicht den von Neujahr, sondern schwarzweiß, flauschig, auf vier Pfoten und dauerhungrig.

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Findus – so heißt er – wohnte eigentlich bei den Nachbarn, doch wie das Katzen manchmal so machen, entschied er sich, das Zuhause zu wechseln. Das kürzt eine längere Geschichte jetzt zwar ziemlich ab, aber am Ende lief es eben auf das hinaus. Und in diesem Moment liegt der Flauschball, seines Zeichens Hauskatz-Maine Coon-Mischling (man beachte die winzigen Luchsohrpinselchen, die hat eine Hauskatze nämlich sonst nicht), friedlich auf dem Wohnzimmersessel und pennt.

So im Ganzen fällt auf – kein sehr „gruftiges“ Jahr, leider. Aber zum Abschluß gab es dann wenigstens doch noch einmal einen Göttertanz – nach drei Jahren Pause von meiner Seite – einerseits aus verschiedenen, persönlichen Gründen, andererseits auch oft genug unfreiwillig. Wie auch immer – es war ein phänomenaler Abend, die neue Örtlichkeit habe ich auch das erste Mal gesehen, und finde sie wirklich großartig. Viele altbekannte Gesichter aus den guten Top Act-Zeiten, aber auch komplett neue Leute, und die schöne, entspannte, freundliche Stimmung ist auch erhalten geblieben. Danke dafür, jetzt freue ich mich wieder auf die Göttertänze die da noch kommen mögen!
Für Bilder könnt ihr mal auf die Seite des Göttertanzes schauen.

Was fehlt noch?

Ach ja – Eumelchen. Wie konnte ich das vergessen …

Nach gut 15 Jahren verschlug es mich wieder zu einem alten Hobby – die Astronomie, und nach den ersten Spechtelversuchen mit der „alten“ Ausrüstung – einem Fernglas auf Stativ und mehreren Himmels-Atlanten, war klar – ein Teleskop muss (wieder) her.

Anno 1999 latschte ich noch, auf dem Weg zur totalen Sonnenfinsternis, mit einem „kleinen“90/900er Refraktor über die Schulter geworfen, und die Montierung unter den Arm geklemmt, durch Bayreuth. Mit Eumelchen, so fürchte ich, haut das nicht mehr hin – das ist nämlich etwas größer.

Aber nur ein ganz kleines bisschen.

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250/1250 GSO Dobson-Spiegelteleskop

Wirklich nur ein kleines bisschen … *hust*

Auch wenn das Wetter bislang nicht oft mitgespielt hat, und daher das gute Stück erst ganze viermal zum Einsatz kam, bin ich natürlich stolz wie Bolle auf das Teil. Also bleibt zu hoffen daß 2016 noch viele weitere klare Nächte bieten kann.


 

 

Tja, damit ist 2015 offiziell abgeschlossen.  Natürlich gibt es für das kommende Jahr wieder genug Pläne, wie WGT und die TimeLash und sicher auch andere Veranstaltungen.

Wie immer bin ich für Näh-Aufträge auch 2016 zu haben, zusätzlich werden aber auch die Shops auf Etsy und DaWanda mit fertigen Sachen weiter bestückt. Schaut einfach auch da mal vorbei, sagt es weiter, abonniert die Shops … auch ein kleiner Klick hilft dem Nähkästchen weiter 🙂

Ein wenig neues Gebiet betreten wir, indem einige Sachen auch zum Leih verfügbar sein werden – also nicht nur, wie bis jetzt nur für Models und Photographen die ich schon kenne, sondern offiziell gegen Leihgebüren. Wer sich das ansehen mag, sollte sich mal mein Profil auf Wishrent ansehen – da wird natürlich auch noch aufgestockt.

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Bild: Hadie van Bilderflut Model: Mimi Geißler

Für Fragen und Anregungen bin ich natürlich jederzeit offen – scheut euch also nicht, mir zu sagen, falls ihr etwas besonderes haben möchtet, oder sehen wollt. Vermisst ihr gewisse Farben, Größen oder Modelle in den Shops? Habt ihr Verbesserungsvorschläge?

Und wenn jemand gute Gelegenheiten hat, Flyer an den Mensch bringen zu können und auch zu wollen – Nachricht genügt, egal über welchen Kanal, ich schicke euch gerne welche zu oder nutze die Gelegenheit natürlich auch auf Veranstaltungen, bei denen ich selbst da bin, welche abzuwerfen (danke an der Stelle an Hannes für die spontane Auslage beim Göttertanz 🙂 )

Weiterhin sitze ich immernoch auf meiner Dauerbaustelle – der Homepage des Nähkästchens. Die soll heuer auch endlich mal angegangen werden. Also auch im kommenden Jahr viel zu tun, auch wenn es erstmal nach nicht so viel aussieht.

Der Blog soll ebenfalls wieder etwas häufiger genutzt werden, nicht nur für die üblichen Veranstaltungsberichte, sondern auch für Einblicke in die Werkstatt des Nähkästchens und was hier so alles entsteht. Vergesst den Blog also bitte nicht und schaut einfach mal wieder vorbei!

Ich hoffe natürlich auch, die Photoaktivität wieder etwas steigern zu können – meine eigene Photo-Seite kommt oft immer etwas kurz, zum Urbexen muss ich auch mal wieder kommen, und mit Leuten habe ich im vergangenen Jahr leider nur bei einem Shooting arbeiten können – dafür mit wirklich schönen Ergebnissen, denn Hika, eine liebe Kollegin vom Theater, wollte Gewand von mir gemacht, vor meiner Kamera ausführen.

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Danke dafür 🙂 – auch wenn ich noch ein paar Bilder schuldig bin zu bearbeiten ..

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein tolles, granatiges 2016 – haut anständig rein, habt Glück und Erfolg und alles was ihr euch noch so wünscht – und clear skies für die gleichgesinnten Astronomen, gut Licht für die Photo-Kollegen und alles was sonst noch so fehlt 🙂