Rosas waviges Kaleidoskop #1: Ethereal Wave

Nicht nur heutzutage können die Subströmungen schwarzer Musikrichtungen bisweilen sehr verwirrend sein, auch in den Anfangstagen des Wave und Postpunk war die musikalische Landschaft durchaus schon breit gefächert.
So ist und bleibt der Oberbegriff „Wave“ im Prinzip auch ein Begriff für weitläufige Nuancen der Sache – mit einem Bein im experimentellen Underground, mit dem anderen schon im Pop.

Mit solchen Unterkategorisierungen gibt es natürlich auch das Problem daß sich damals natürlich keiner hingesetzt hat, sich aus einer Auflistung dieser Begriffe einen ausgesucht hat und beschlossen hat eben diesen Stil in seiner Musik aufzunehmen, es gab Entwicklungen und Überschneidungen in viele Richtungen, ein Großteil der Bands kann nicht exakt in eine Unterschublade einsortiert werden – auch eben weil diese Kategorien wieder einmal nachträglich gebastelt wurden um dem Ding einen Namen zu geben.

Wie weit das Feld „Wave“ tatsächlich ist möchte ich versuchen in dieser neuen musikalischen Kategorie auszuloten, Informationen weitergeben und Lücken in meinem Musikwissen finden und möglichst stopfen – und stellenweise wird es mich deprimieren weil der CD-Wunschliste garantiert der eine oder andere Silberling hinzu kommen wird – und die Liste ist so schon nahezu endlos 😉

Das erste Kapitel führt uns zur romantischen Seite des Wave 😉

Kapitel 1: Ethereal Wave / Heavenly Voices

Ethereal Wave – auch als „“Ethereal“, „Ethereal Goth“ und „Ethereal Darkwave“ bezeichnet, ist eine Subströmung des Wave die Ende der 80er bis Anfang der 1990er populär wurde.

Doch die Wurzeln haben viele spätere Ethereal-Bands bereits in den frühen 80ern, einige davon experimentierten auch zu der Zeit bereits mit solchen Klanglandschaften, die Hochzeit dieser Spielart war aber erst in den 90ern.

Charakteristisch für Ethereal sind meist atmosphärisch eingesetzte Gitarrenklänge (die aber dennoch meist unverkennbar Wave sind), dazu experimentelle Synthie-Klangteppiche die den Sound fast Filmmusik-artig unterstreichen, sowie überwiegend weibliche Sängerinnen. Ausgebildete Singstimmen sind nicht selten, es dominiert glasklarer, mystisch-verklärt anmutender Gesang oder sehr aussergewöhnliche, markante Stimmen.

Eng verwandte Genres sind Dreampop und Shoegaze, letzteres erhielt seine Bezeichnung durch einen ironischen Kommentar der – wieder mal – britischen Musikpresse, die den Künstlern vorwarf, auf der Bühne lediglich verschüchtert auf die eigenen Schuhspitzen zu starren – wer denkt da nicht unwillkürlich an den Grufti der weggetreten den Nord-Süd-Kurs auf der Tanzfläche antritt, um „die Musik so richtig schön in sich reinkriechen zu lassen“ 😉

Weitere Querverweise die vom Ethereal Wave ausgehen sind Neofolk, Neoklassik,  Industrial – im Sinne von ambient-lastigen Sounduntermalungen die wieder ihre Urpsrünge in der Industrial Culture haben. Auch „New Age – Musik“ wird als verwandt genannt – und neben dem athmosphärischen Synthie-Einsatz experimentiert man auch mit Musikformen aus Mittelalter und Renaissance sowie den Klängen aus anderen Kulturen wie Afrika, Arabien, Indien und Asien und vereint diese mit dem Wave-Sound.

Während der Industrial großen Einfluß auf Filmmusik gemacht hat (einige Künstler komponierten später für Film und Fernsehen, zB Chris Carter von Throbbing Gristle) waren auch Künstler aus den Ethereal-Reihen später gelegentlich für Filme tätig – hier mehr im Stile epischer, bombastischer Sounds a la „Herr der Ringe“ – zB In The Nursery.

im deutschen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung „Heavenly Voices“ – in Anspielung auf die grandiosen Singstimmen der Sängerinnen (und ab und an auch mal Sänger 😉 ) die eben typisch für diese Spielart des Wave sind. Hierzulande hält sich dieser Begriff durch die 90er ziemlich hartnäckig – und genauso habe ich diese Sparte der Dunkelmusik auch kennengelernt – auch wenn sie strenggenommen falsch ist.

Diese Bezeichnung geht auf eine 5-teilige Compilation zurück die ebenso hieß und zwischen 1993 und 1998 erschien. Herausgeber dieser Compilation war ein deutsches Independent-Label namens „Hyperium Records“, welches Alben Wegweisender Künstler dieses Subgenres herausbrachte – die Liste der Bands ist dabei beachtlich.
Gründer des Labels sind Oli Roesch und Oliver van Essenberg, Geschätssitz in Nürnberg (netter Zufall 😉 ).

Auf den Samplern waren Bands aus den Genres Ethereal, Neoklassik, Neofolk, Folk, Pop, Alternative Rock, Trip Hop, Weltmusik, New Age und zuletzt auch Metal vertreten. Alle mit klanglich ähnlichem Konzept, aber nicht einheitlich nur Ethereal Wave – was freilich auch den besagten fließenden Überschneidungen und Weiterentwicklungen in den 90er Jahren geschuldet ist. Diese Bezeichnung wurde deswegen auch kritisiert – besonders auch weil Metal von anderer musikalischer Richtung her kommt und mit dem „Wave“ in „Ethereal“ freilich nichts zu tun hat.

Bands wie Faith and the Muse, Miranda Sex Garden, Attrition, Ataraxia, sToa, Die Form, Kirlian Camera, Collection D’Arnell Andrea und später auch QNTAL waren auf der „Heavenly Voices“-Compilation vertreten und boten die musikalische Heimat für die Endzeitomantiker der 90er Jahre. Und die Schwarzromantiker heute stehen in deren Tradition, auch wenn die Zeiten sich seitdem wieder einmal verändert haben.

1999 geht Hyperium Records bankrott, viele der „alten“ Künstler sind aber auch heute noch aktiv, manche sogar szeneintern recht bekannt wie zB Faith and the Muse und Dead Can Dance.
Aber auch auf einem anderen Kult-Label – 4AD – gab es recht viele Ethereal Künstler zu finden, bzw nach dem Aus von Hyperium Records erschienend ie Alben vieler Künstler auf 4AD. Das Label, welches im Jahre 1979 gegründet wurde, ist auch heute noch „im Geschäft“.

Die Liste der Bands die man zum Ethereal Wave zählen kann ist groß, stellvertretend stelle ich ein paar hier kurz und exemplarisch vor. Persönliche Vorlieben spielen dabei offengestanden aber die größere Rolle 😉

Dead Can Dance

Vielleicht *die* Szenegröße im Ethereal-Bereich. Die Ausnahme-Kapelle um Brendan Perry und Lisa Gerrard wird 1980 in Australien gegründet, musikalisch orientiert man sich zunächst an Wave- und Postpunk-Klängen, im Laufe der Zeit nehmen aber die Einflüsse aus unterschiedlichsten Kulturkreisen zu – vornehmlich aus dem arabischen Raum – die Band wird um Musiker aus entsprechenden Ländern ergänzt. Dead Can Dance können ebenso dem genre „Weltmusik“ zugeordnet werden, eben wegen dieser Einflüsse – letztenendes ist und bleibt das Projekt irgendwo eine Sparte für sich welche einzigartig ist. Zu dem genialen Musik-Crossover gesellt sich Lisa Gerrards charakteristische Stimme und ihre Fähigkeit des lautmalerischen Gesangs.

Auf der offiziellen Webpräsenz kann man kostenfrei die neuesten Werke in Form einer EP herunterladen: http://www.deadcandance.com/

sToa

sToa wurde 1991 von Oliver Parusel und Conny Levrow gegründet. Das erste Stück – ebenfalls mit dem Titel „sToa“ wurde bei Hyperium Records veröffentlicht, später auch das Album „Urthona, welches als wegweisend für den Ethereal-Sound gilt.Beide Gründungsmitglieder haben Ausbildungen in klassischer Musik, was maßgeblich bei „sToa“ eingeflossen ist.
Inhaltlich dreht sich sToas Werk um philosophische und esoterische Themen, musikalisch sind auch hier Einflüsse orientalischer Kulturen vorhanden.
Live ist die Band auch mehr als empfehlenswert – wer sich darauf einlässt wird mit einem nachdenklichen, ruhigen und beeindruckendem Erlebnis belohnt.

Collection d’Arnell Andréa

1986 gründeten Pascal Andréa und Chloé St Liphard die Band in Orléans, Frankreich. Andréa verlässt kurz nach der Gründung die Band, sein Name bleibt aber bis heute im Namen der Band.
Musiker mit traditioneller klassischer Ausbildung vervollständigen das Projekt, bei Live-Auftritten ist das Ensemble nicht selten groß. Wavige Klänge mischen sich zwischen Violinen und Chloés helle, klare Stimme. Eine Band die es mir seid dem Konzertbesuch zum WGT 2008 auch sehr angetan hat.

Hier die offizielle Homepage: http://cdaa.free.fr/

Myrna Loy

Über die Bonner Wave-Formation findet man im Netz nicht viel. Allzu bekannt scheinen sie heutzutage auch nicht mehr zu sein, was aber eine echte Schande ist, da diese Kapelle wirklich Spitzenklasse war und immernoch ist.
Ich bin ganz stolz, alle drei je erschienenen Scheiben im Regal stehen zu haben.
Aktiv war diese Band Anfang der 90er, stilmässig sind die Arrangements teilweise sehr experimentell, oft unverkennbar mit wavigen Wurzeln, und die Stimme der Sängerin, des Sängers, Victor, ist enorm einprägsam. Ebenfalls eine Kapelle die eigentlich eine ganz eigene Kategorie für sich darstellt.
Aktiv war die Band von 1887 – 1994. Kritiker bezeichneten die Band als eine der Innovativsten in Deutschland damals. Der Meinung bin ich durchaus auch 🙂

Nachtrag: Danke an Serapion für das Richtigstellen, daß hier keine Sängerin am Werk war, sondern tatsächlich ein Sänger – ich wusste es nicht und war mir sicher, eine Dame herauszuhören 🙂 – der Umstand aber macht diese Band meiner Meinung sogar noch beeindruckender!

Cocteau Twins:

Zitat Wikipedia:

Die Cocteau Twins wurden 1980 in Grangemouth, Schottland, gegründet. Die Namensgebung geht auf einen frühen Song der schottischen New Wave-Band Simple Minds zurück, der in leicht veränderter Form als No Cure auf deren Debütalbum Life in a Day (1979) zu hören ist.

Die Cocteau Twins gelten als die „Erfinder“ des Ethereal, in ihrer frühen Laufbahn waren sie mit Bands wie OMD ( ❤ ) und This Mortal Coil auf der Bühne. Auch deren Alben erschienen danach auf dem Kultlabel 4AD.
Robin Guthrie und Liz Fraser arbeiteten für letztgenannte Band an dem Tim Buckley Cover "Song for the Siren", das im Soundtrack des Filmes "Lost Highway" von David Lynch zu hören war. Es wurde auch unter dem Bandnamen „This Mortal Coil“ (Album „It’ll End in Tears“, 1984) herausgegeben – nicht unter „Cocteau Twins“ – wie ich fälschlicherweise vorher an dieser Stelle behauptet hatte 😉 – das Projekt des 4AD Labelchefs hatte zeitlebens wechselnde Bandmitglieder und Gastmusiker die sich auch im Ethereal-Bereich mit ihren eigenen Projekten aufhielten.

Ein Wendepunkt stellt das Stück „Blue Bell Knoll“ dar, bei dem vermehrt auf elektronische Verfremdung, insbesondere der Gitarre, wert gelegt wird. Das Ergebnis ist meiner Meinung nach wunderschön, avantgardistisch und zeigt den Brückenschlag zwischen Schwarzromantik und Punk-Wurzeln durchaus.

Wie bereits gesagt – es gibt viele bemerkenswerte Bands aus dieser Subsparte, für alle ist hier natürlich kein Platz. Ich hoffe aber die Auswahl war abwechslungsreich und dennoch bezeichnend für ein Wave-Subgenre das durchaus großen Einfluß hatte.

Quellen:
http://en.wikipedia.org/wiki/Hyperium_Records
http://de.wikipedia.org/wiki/Shoegazing
http://en.wikipedia.org/wiki/Ethereal_Wave
http://www.lastfm.de/music/Myrna+Loy
http://de.wikipedia.org/wiki/Cocteau_Twins

Bildnachweis: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Hyperium_Records.png

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Unknown Pleasures – Peter Hook in Nürnberg

Ob man an „Zufälle“ glauben mag oder nicht sei jedem selbst überlassen, Tatsache aber ist daß manche Ereignisse sich so glücklich ergeben daß man in wortwörtlich „ungläubiges“ Staunen verfällt.

So geschehen Anfang Februar. Von der Modeschule aus hatten wir die Gelegenheit, am 9. Februar in Fürth an einem Symposium für textile Innovationen teilzunehmen. Frau verhinderter Ingenieur war natürlich gleich begeistert und meldete sich an 😉
Kurz darauf stolperte ich über die Ankündigung daß in Nürnberg am Abend davor Peter Hook – ehemaliger Bassist bei Joy Division – in Nürnberg spielen würde. Im Gepäck: ausschließlich alte Songs der Postpunk-Legenden.
Ich habe zigmal das Datum nachsehen müssen um zu glauben daß beide Veranstaltungen so praktisch beieinander liegen, und ohne fahrbaren Untersatz war die Anreise per Zug am Abend zuvor sowieso notwendig.
Ein guter Freund, Chris, lies sich auch schnell begeistern und ich hatte damit auch einen Schlafplatz in Nürnberg sicher 😉

In Nürnberg am Bahnhof endlich angekommen, gegen kurz nach 18:15 Uhr trennten sich die Wege der Mädels die ebenfalls das Symposium besuchen wollten und mir – kurze Suchpause im Gewirr des nürnberger Bahnhofes, dann fanden Chris und ich uns. Im Vorbeigehen noch eine belegte Semmel ergattert und im Auto damit etwas gegen den knurrenden Magen getan der seit 10:00 Uhr nichts festes mehr gesehen hatte.
Wir sammelten Andy Ghoul – einen weiteren Bekannten – auf und machten uns dann auf den Weg zum Hirsch – den Veranstaltungsort. Ich war heilfroh daß wir früher aus Naila abhauen konnten, eine Stunde später anzukommen hätte uns in arge Zeitprobleme versetzt, so war es zeitlich eine Punktlandung.

Vor dem Hirsch dann noch kurz die Schuhe gewechselt – statt der bestöckelten, warmen Winterstiefel rein in die Pikes die von den satten Minusgraden inzwischen gut durchgekühlt waren – teils geschuldet gruftiger Eitelkeit, teils auch der Tatsache daß meine Füße schon Einwände gegen die Stiefel hervorzubringen wussten.

Das Hirsch ist in Nürnberg eine bekannte Örtlichkeit für Konzerte aller Art, aber auch für Parties. Ich war bisher noch nie dort, auch wenn ein-zwei Konzerte vorher schon mein Interesse geweckt hatten, es hat sich dann doch nie ergeben.
Ich hatte den Saal weit größer eingeschätzt und hatte mich schon darauf eingestellt irgendwo am Rand oder weiter hinten eingeklemmt zu werden – zum Glück erwies sich der Saal als überschaubar und die Besucherzahl war auch für meine Abneigung gegen Ölsardinenfeeling akzeptabel.

Die Besucherzahl war noch recht gering als wir kurz vor 19:30 eintrafen. Eine halbe Stunde später sollte das Konzert dann stattfinden. Erwartungsgemäß war der Altersdurchschnitt eher etwas höher, im Vorraum legten die Jungs von der „We Want Revenge“ allerlei göttliche alte Wave-Schinken auf.

Peter Hook verzögerte ein wenig. Da noch immer nicht übertrieben viel los war – was mich verwunderte – war es ein Leichtes sich bis zum Bühnenrand vorzuwagen. Ich hatte wie gesagt ja schon damit abgeschloßen irgendwo abseits in Fluchtfreundlicher Position einen Platz ergattern zu können, aber nachdem sich die restlichen Anwesenden erstmal weiter hinten lose verteilten, hatte man vorne auch halbwegs Luft.
Andy machte mir dann seinen Platz am Zaun direkt vor der Bühne frei weil der Junge als großer, starker Totrocker 😉 eindeutig ein paar Köpfe länger ist als ich – vielen Dank nochmals dafür ❤

Dann wurde es irgendwie surreal – die Band spielte noch nicht, aber die Instrumente waren schon aufgebaut, alles in farbiges Licht getaucht. Dahinter, eine große Flagge mit dem Logo des "Unknown Pleasures" – Album – die charakteristischen Graphen welche ich hier mal näher auseinander genommen und erklärt habe (aber Robert ist schuld 😛 )

Auf einem großen, altmodischen Röhrenmonitor links der Bühne liefen alte Konzertmitschnitte von Joy Division, die Tonspur kam über die Lautsprecher gedämpft in den Zuschauerraum. Um einen herum, Schwarzgewandete. Buttons an Reverskrägen, Bandshirts. Das Gefühl gerade in eine Zeitreisemaschine geraten zu sein die einen anno 1980 wieder ausgespuckt haben muss.

Natürlich machte der Anfang des Konzertes dieses Gefühl wieder etwas zunichte, denn aus bekannten Gründen betrat natürlich nicht Ian Curtis die Bühne sondern Peter Hook, im hellgrauen T-Shirt mit dem „Closer“-Motiv über einem leichten Bauchansatz. 1980 ist eben doch schon ein Weilchen her …
Aber er legte sich durchaus ins Zeug – die Bässe kitzelten angenehm in der Magengegend, auch ohne die Originalbesetzung war es ein grandioses Gefühl diese alten Songs live erleben zu dürfen. Neben den Stücken des „Unknown Pleasures“-Albums, welche in Reihenfolge gespielt wurden, kamen die restlichen Klassiker ebenso zu Gehör.
Ein Zwischenrufer, der lautstark seinen Wunsch nach „Blue Monday“ äusserte, erntete von Hook einen kommentarlosen Stinkefinger – was das Publikum zum Lachen brachte 😀

Nach „I remember nothing“ verließ die Band erstmal die Bühne. Das letzte Stück des „Unknown Pleasures“-Albums wurde live sehr beeindruckend interpretiert, statt der industriell anmutenden Samples der Albumversion verdösknaddelten Peter Hook und sein Bassist ihre E-Klampfen auf eine Weise die den Instrumenten Töne entlockten, die fast körperlich weh taten – ziemlich genial!

Begeisterungsrufe entlockten aber hauptsächlich die bekannten Songs – „Shadowplay“, „She’s lost control“, „Transmission“ – und als allerletztes Stück natürlich „Love will tear us apart“

Zu den letzten Akkorden schälte sich Peter Hook aus dem inzwischen schon gut durchgeschwitzen Shirt und warf es in die Menge. Ärgerlicherweise landete es etliche Meter hinter mir 😉 – als wir mit den restlichen Besuchern den Weg gen Ausgang antraten, stand die glückliche Fängerin nebst ihrem Mann noch immer wie angewurzelt an ihrem Platz.
Chris beäugte das Shirt das sie zusammengeknüllt festhielt – „guck mal, der hat auch schon ganz neidisch drauf geschaut!“ meinte sie daraufhin zu ihrem Begleiter.

Ich muss gestehen, kein Konzert das ich bisher gesehen habe war gefühlt so schnell vorbei. Und das Phänomen spricht natürlich eindeutig für die Show. Es war toll – auch wenn es natürlich in dem Sinne kein echtes Joy Division Konzert war – mit Peter Hook als das einzige ursprüngliche Mitglied der Band.
Die Tour mit diesem Programm jedoch soll nicht nur an Ian Curtis erinnern, die Band spendet auch einen Teil der Einnahmen an Einrichtungen für die Behandlung psychisch kranker Menschen in England.

In der Vorhalle drangen nun wieder Depeche Mode und The Cure in gedämpfter Lautstärke aus den Lautsprechern. Ich holte mir noch ein Glas Wein zum Abschluß des Abends. Eindrücke Revue passieren lassen, ein wenig quatschen, innerlich noch ein paarmal den Kopf schütteln daß der Zufall es möglich gemacht hat daß ich das Konzert tatsächlich sehen konnte.

Dann ein zeitiges Ende des Abends – immerhin fand das Konzert mitten unter der Woche statt, aber es hat sich absolut gelohnt.

Am nächsten morgen stand ich dann mit Nadelstreifengehrock und hochgesteckter Mähne in der fürther Stadthalle – ein kleiner Kulturschock für die Mädels die mich am Abend zuvor noch ganz anders zurückgelassen haben 😉

Dank für die Konzertimpressionen geht an Andy – ich habe leider meine Kamera wieder mal vergessen.

Gastbeitrag Gothic Friday – Chris und die dunkle Musik

Ich bin sehr froh darüber an dieser Stelle auch mal einen Gastbeitrag beherbergen zu dürfen, ein guter Freund hat sich von mir überreden lassen mitzumachen und erzählt im Folgenden ein wenig über seine Musikalischen Präferenzen – was mich auch aus dem Grunde erfreut da er ein guter Beweis dafür ist daß die junge Generation Schwarzvolk nicht notwendigerweise immer im Cybergestampfe steckenbleibt, sondern sich auch Gedanken zu den Ursprüngen der Szene macht.

Und deswegen hat im Folgenden Chris das Wort – von mir stammen lediglich die Formatierungen via HTML.

10 Fragen — Die Musik und Du
Was bedeutet Musik für Dich? Wie wichtig ist sie Dir?

Diese Frage ist eigentlich mit: „Musik ist mein Leben“ beantwortet, ich gehe dennoch ein wenig mehr darauf ein, da dies ja viele Menschen lesen werden. Musik höre ich immer und überall, ob das nun auf längeren Touren zu Veranstaltungen ist, zu Fuß/unterwegs mit dem Hund oder einfach nur Zuhause am PC, beim Putzen/aufräumen oder beim Baden.

Wichtig ist dabei das, die Musik immer zu meiner aktuellen Gemütslage/Stimmung passen muss. Dies ergibt sich allerdings meistens von selbst.

Welche Richtungen »schwarzer Musik« hörst du? Nenne ein Beispiel, das für Dich deine Bedeutung des Genre am besten Wiedergibt.

Das Spektrum von mir gehörter Musik ist ziemlich breit gefächert aber ich fang mal an. Ich habe zwar die 80er nicht mehr mitbekommen da ich einfach zu jung bin (leider) höre die damalige Musik bzw. die Anfänge der schwarzen Szene sehr sehr gerne. Für mich ein nicht wegzudenkender Favorit sind dabei:

The Cure – Lovecats
Ich finde es ist ein Klassiker und jeder sollte es kennen.

Das nächste von mir Bevorzugte Genre wäre dann Neofolk/Neoclassic, ich wage es hier mal diese beiden Richtungen miteinander aufzuzählen, da sie für mich doch ziemlich Artverwandt sind. Auf diese Musikrichtungen bin ich durch den, hier bei mir heimischen Göttertanz gekommen. Zur Neoclassic möchte ich hier folgende Band erwähnen:

Blood Axis – Lord of Ages

Nun zum Neofolk ein Vertreter den ich da gerne höre ist folgender:

Death in June – Little Black Angel

Eine weitere Musikrichtung der „Gothic-Kultur“ die fester Bestandteil meiner Musiksammlung ist, ist der Darkwave hier führ ich mal einen der bekanntesten Vertreter auf:
Deine Lakaien – Over and Done

Erwähnen möchte ich auch noch folgende Band die ich erst auf einen zweiten Versuch gut fand:
Diary of Dreams – Giftraum

Dann gehen wir mal weiter zum Military Pop und Martial Industrial, zwei Richtungen die ich erst sehr Spät auf einer Party kennengelernt habe, aber mittlerweile sehr gerne höre und schätze. Als Vertreter des Genre möchte ich hier folgende Vorstellen:
In Slaughter Natives – Death Just only Death

wobei die Grenze hier so derart fleißend ist das man auch von Death Industrial spricht.

Kommen wir nun zu Ritual, Dark Ambient, Pagan und alles was man in diese Richtungen stecken kann. Hier liste ich nun mal ein paar Sachen auf die eigentlich fast jeder kennt.
Als Ritual Industrial:
Test Dept. – Arddyledog Ganu
ein Stück was ich als sehr intensive und emotional empfinde.

Zum Dark Ambient stell ich mal folgende Band vor:
Sephiroth – A map of Eden before the Storms Von dieser Band kennen viele sicher das Stück Wolf Tribes, aus diesem Grund stell ich hier mal ein anderes vor.

Pagan und Mittelalter, ich mag Dudelsäcke und Gitarren nicht wirklich deswegen stell ich hier mal zwei eher elektronische Projekte vor, die aber auch wieder sehr bekannt sind.
Qntal – Fruhling
Helium Vola – Darkness, Darkness

Was bei mir musikalisch noch aus dieser eher ruhigeren Sachen aus der Reihe tanzt sind Power Electronics, hier möchte ich eine Band aufzeigen dir mir Persönlich von Texten, Sound und Gesamtkonzept sehr gefallen:
Haus Arafna – Last Dream of Jesus

Desweiteren darf hier nicht der gute alte EBM vergessen werden, zumal mich folgende Band 2010 auf einem Festival so dermaßen überzeugt hat, da sie trotz des hohen Alters der Bandmitglieder noch so ne unglaubliche Performance hingelegt haben:

Front 242 – Welcome to Paradise

Erwähnen will ich jetzt eigentlich nur noch Sopor Aeternus and the Esemble of Shadows, da mich dieses Projekt immer wieder durchs leben begleitet. Allerdings kann ich die Band keinem Genre zuordnen und möchte das auch gerade nicht. Es ist eben ein persönlicher hoher Stellenwert den diese Band bei mir erreicht hat.

Wie würdest du deine musikalische Laufbahn beschreiben? Über welche Richtung der Musik bist Du in die Szene gekommen, welche hast du hinzugewonnen, welchen hast du abgeschworen und was hörst du heute?

Da ich es verpasst habe am ersten Gothic Friday teilzunehmen, werde ich hier etwas weiter ausholen. Ersten Kontakt mit „alternativer“ Musik hatte ich auf den hier in der Fränkischen Schweiz heimischen Bierzelt Beatabenden, hier möchte ich mal ein großes Lob an die Coverband Audio Gun loswerden, ein Mädel die eine sehr schöne hohe Stimme hat, ein ästhetischer Sänger und langhaarige abrockende Bass und Gitarren Spieler (eigentlich nicht meine Welt aber mit 16 is man froh wenn man mal rauskommt). Besagte Band fing also irgendwann an Nightwish, Rammstein, Within Temptation und Co. zu spielen, was bei mir dann doch gefallen fand. Also war ich dann für 1-1,5 Jahren der „Metall-Szene“ angehörig. Bis ich eines Tages einen Sampler in die Hand gedrückt bekam, auf diesem Sampler wart Track 07 von Emilie Autumn, ab hier ging es dann los, ich sah besagte Dame auf dem Cover einer Orkus-Zeitschrift welche denn auch gleich mal eingesackt wurde und von vorne bis hinten durchgelesen wurde. Durch einen von der Band ASP kreierten Remix des Songs Liar von Emilie Autumn stieß ich dann auf diese Band. Mit 18 folgten dann Besuche der ersten Gothic Veranstaltungen (damals noch mit einer schlichten schwarzen Jeans und einem Bandshirt bekleidet). Mit ein bisschen Club und Party Erfahrung passiert dann der schlimmste Abschnitt meiner Szenezeit, ich wurde zum so genannten „Glühwürmchen“, das lag daran das die Musikrichtung grad im kommen war und ich damals mit Szeneanfängen und 80er noch so gut wie nichts am Hut hatte. Das ganze ging dann ungefähr ein Jahr gut, dann machte es wohl „Klick“ oder ähnliches und ich fand die Musik die ich eigentlich mag auf einmal stupide, blöd und niveaulos. Ich lernte dann, auf einer monatlichen Veranstaltung auf der eben all Styles of Dark Music gespielt wurden (wie es so schön heißt), eine Dame kennen die ihr Gesicht weiß geschminkt hatte und im Gesamtbild sehr eindrucksvoll auf mich wirkte (bis Dato hatte ich diesen Stil noch nicht gesehen) was auch an dem Outfit lag. Wie ich später herausfinden sollte hatte sie ihre Kleidung komplett selbst gemacht. Aber eins nach dem andern, also fasziniert von ihrer Erscheinung, wollte ich diese Dame ansprechen, leider bin ich nicht der Typ der auf Menschen einfach zugeht und sie anspricht. Doch beim Frischluft schnappen draußen lief man sich dann doch übern den Weg und wechselte die ersten paar Worte. In den folgenden Monaten (mittlerweile gut 1,5 Jahre) ging man dann öfter zusammen weg und lernte sich immer besser kennen. Dies wird jetzt keine Liebesgeschichte – allerdings war besagte Lady nicht unschuldig an meiner jetzigen Szenebetrachtung, meinem Musikgeschmack und meinem Stil was Kleidung und Schminke betrifft. Mittlerweile zähle ich mich selbst zu den Schwarzromantikern und fühl mich „Pudelwohl“ in besagter Szenerichtung. Dem Glühwürmchen sein hab ich komplett abgeschworen, Sachen in diese Richtung gehen mir eher auf die Nerven als das ich irgendwas Tolles daran finden könnte.

Wie und wo hörst du Musik am liebsten?

Musik höre ich immer und überall, wie in meiner Einleitung schon erwähnt. Am liebsten aber wirklich im Club auf der Tanzfläche mit geschlossenen Augen und einem wirklichen abschalten, was durch die Lautstärke dort immer wunderbar funktioniert. Zuhause hör ich dann meistens eher etwas ruhigere Sachen und gönn mir durchaus mal ein zwei Gläser Wein dazu.

Welche Musik hörst du außerhalb der typischen dunklen Musik noch?

Vereinzelt gibt es wirklich ein zwei Sachen die ich gerne höre, welche nicht aus dem dunklen Musikbereich stammen. Gerade letztes Jahr (2010) gab es im Radio/Mainstream eine Stück was ich ganz großartig fand:

Hurt’s – Wonderful Live

Das mal aus gegebenen Anlass.

Mal angenommen, Du könntest ein Instrument spielen, hättest eine tolle Stimme und würdest zusammen mit Freunden eine Band gründen. Welche Rolle in der Band wäre Deine?

Ich wär sollte es wirklich eine Band mit klassischen Instrumenten sein, der Pianist da ich des Klavier zumindest teilweise beherrsche. Allerdings würde ich lieber ein Krach-Projekt im Sinne des alten Industrials a la Throbbing Gristle gründen. Bei dieser Sache wär ich dann der Typ der wild auf irgendwelchen Ölfässern oder Stahlträgern rumdonnert.

Nenne 5 deiner Alben die für Dich unverzichtbar mit Szene verbunden sind.

Synthie-technisch ist es meine Neuentdeckung des WGTs 2010 —- Roman Rain – Album: Pomah penh

Mental Measuretech – Songs form Neuropa

Rosa Crux – In tenebris

Sopor Aeternus – Le Fleurs du Mal

Helium Vola – Für euch die ihr liebet

Welche musikalischen Eigenschaften hat für dich das ideale Lied?

Das ist jetzt wirklich ein sehr gewagter Versuch, stimmlich wäre mir ne wohlklingende hohe Frauenstimme am liebsten, wenn es eine männliche Stimme sein soll muss diese was sehr besonderes haben. Instrumenten mäßig würde ich mich an vielen Streichinstrumenten erfreuen die von einem Flügel begleitet werden, dazu noch ein paar Trommeln und Samples die das Bild komplettieren. Der Text darf emotional gewichtig sein, wenn’s geht aber nicht von der Zwischenmenschlichen Liebe handeln. So ungefähr stell ich mir das ganze vor.

Band oder welchen Musiker/in würdest Du gern mal interviewen und auf welche Frage musst Du dabei unbedingt eine Antwort haben?

Da fällt mir aktuell nur eine Person ein, die da wäre Anna-Varney Cantodea, da sie/er eine so dermaßen faszinierende Persönlichkeit für mich ist. Allerdings habe ich keine bestimmte Frage, ich würde einfach gerne mal ein Gespräch mit ihm/ihr führen.

Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der »schwar­zen« Musik?

Die Frage ist ein bisschen schwierig, da ich Angst habe das noch mehr „Techno“ angelehnte niveaulose Musik in die schwarzen Clubs einzieht. Ein Beispiel dafür ist ein grausames Lied, welches ich vor einigen Wochen auf einer Frankfurter Party zu Ohren bekommen habe.

Ich hoffe das mal eine Band in Erscheinung tritt die sich am Urindustrial bzw. am Ritual Industrial anlehnt und ein bisschen frischen Wind in diese Richtung bringt.

Zwei Neuentdeckungen die für mich Vielversprechend klingen und ich vergangenes Jahr entdeckt habe sind zum einen, wie oben schon genannt, Roman Rain (Russischer Synthiepop) und zum anderen eine aus Hof stammende Künstlerin namens Genevieve Pasquier, welche sich stark am alten EBM orientiert, durchaus aber auch neues in dieses Genre einfließen lässt.

Gothic Friday – Februar: Musik und Leidenschaft

Und nun geht der Gothic Friday in die zweite Runde, diesen Monat dreht es sich ganz um die Musik, einige interessante Beiträge sind dazu auch schon wieder entstanden, und ich reihe mich da auch gleich mal mit ein.

Also legen wir mal los:

10 Fra­gen — Die Musik und Du

Was bedeu­tet Musik für Dich? Wie wich­tig ist sie Dir?

Musik ist für mich sehr wichtig, sie ist für mich eine sehr emotionale Sache.
Musik ist auch oft Hilfe bei weniger schönen Gemütszuständen, oder Mittel zum Abreagieren wenn das mal sein muss 😉 , sie ist die Brücke zum Abtauchen in andere Welten, hörbare Schönheit, Seelenspiegel und Freund. Sie macht aber auch glücklich bis hin zu euphorisch und deckt somit für mich alles ab was an Empfindungen möglich ist.

Wel­che Rich­tun­gen »schwar­zer Musik« hörst du? Nenne ein Bei­spiel, das für Dich deine Bedeu­tung des Genre am bes­ten Wie­der­gibt.

Ich höre eine relativ große Bandbreite an musikalisch-dunklen Subgenres. Meine Wurzeln sehe ich in den 80ern, bei Depeche Mode, OMD, The Cure, Siouxsie, Bauhaus und Joy Division, auch wenn ich einige Bands erst im Nachhinein für mich entdeckt habe, aber mein 80er Fimmel der vorher schon da war, war da auch maßgeblich beteiligt.
Daher stehen Wave und Postpunk freilich auch auf meiner Liste.

Ein Beispiel hierfür auszusuchen ist allerdings etwas schwierig …

Bauhaus – Bela Lugosi’s Dead DER Klassiker – freilich, aber eben einfach unbestreitbar ein geiles Stück 😀
Depeche Mode – Enjoy the Silence

Minimal

Juhu, Synthies 😀

S.P.O.C.K – Never trust a Klingon
– hat einfach den Nerd-Bonus wenn man eh schon Trekkie ist 😀
Rorschach Garden – Robots

Darkwave – war neben Depeche Mode mit Project Pitchfork eine maßgebliche „Einstiegsdroge“ für mich. Pitchfork habe ich schon in meinem ersten Gothic-Friday Artikel genannt, daher nehme ich an der Stelle mal das:

Silke Bischoff – Under your Skin

Und eine andere meiner absoluten Lieblingsbands muss ich hier freilich auch noch mit aufführen:

Diary of Dreams – Traumtänzer

Gothic Rock war eher Liebe auf dem zweiten Blick da ich Gitarren anfangs einfach nicht ausstehen konnte 😉 über die 80er Musik hab ich mich dann doch mehr und mehr dran gewöhnt, auch wenn das was ich damals mochte eindeutig Synthielastig sein musste.
Die Sisters haben mich dann von den Gitarren überzeugt, und zwar mit dem sicher bekanntesten Stück:

Sisters of Mercy – Temple of Love

Weiter gehts mit der Sparte Neoklassik – Ethereal – Heavenly Voices, einem Abkömmling des Postpunks.
Das kann ich ganz klar mit DEM Klassiker schlechthin vorstellen:

Dead Can Dance – Rakim

Neofolk – Ich verzichte hier auf die Klassiker, und gebe als Beispiel eine etwas neuere Band an die ich sehr schätze:

ROME – Das Feuerordal

Verwand dazu ist ist der sogenannte Apocalyptic Folk, und da kann ich nur eine grandiose Band als Aushängeschild anführen:

Ordo Rosarius Equilibrio – Three is an Orgy, four is forever

Mittelalterlich inspiriertes und Pagan Folk – aber nur in Ausnahmefällen mit Dudelsäcken, und bitte auch kein Mittelalter-Rock 😉

QNTAL – Am Morgen Fruo
Omnia – Etrezomp Ni Kelted

Von da aus gehts weiter in den Bereich Ritual
Ich stecke hier mal eine meiner absoluten Lieblingsband hinein, obwohl man die genauso zum Neoklassik oder anderen stecken könnte:
Rosa Crux – Omnes qui descendunt

Als erstes Werk des Ritual Industrials wird das Album „Secret eye of LAYLAH“ von Zero Kama genannt, das angeblich mit Instrumenten aus Menschenknochen eingespielt wurde:

Zero Kama – Night of Matter

Wiederum damit verwandt ist der Dark Ambient, beziehungsweise sind die Unterschiede zum Ritual mehr als fließend um eine genaue Trennung zu ziehen:

Raison D’Etre – Wasteland

Genauso fließend sind die Übergänge zum Martial Industrial und Military Pop, gerne hätte ich Derniere Volonte’s „La Foudre Et Le Tonnerre“ angeführt, konnte aber kein Video zu dem wunderschönen Stück finden, daher nehme ich ein anderes Beispiel:

Triarii – On Wings of Steel

Nachtrag: auch wenn „La Foudre et Le Tonnerre“ nicht in Videoform auffindbar war, habe ich ein anderes Musikstück gefunden:

Dernière Volonté – Au Travers des Lauriers

Von da aus muss ich unweigerlich zum Industrial kommen, wovon die letzten oben genannten Beispiele ja auch nur Verzweigungen sind, und was gibt man da besser an als die Godfathers der Industrial Culture – Throbbing Gristle:

Throbbing Gristle – Discipline

Ein neuerer Abkömmling des Ur-Industrials ist – nein, NICHT Straftanz 😉 – sondern Powerelectronics. Meine erste Begegnung damit war Propergol, und die führe ich hier auch mal als Beispiel auf:

Propergol – Outburst

Tut weh, und solls auch 😉

Neue deutsche Todeskunst
Kein Genre das ich allzu intensiv höre, aber Goethes Erben mag ich wirklich sehr gerne:

Goethes Erben – Rotleuchtende, einst weiße Engel

Schwer einordenbar ist vielleicht Sopor Aeternus, ich führe das mal hier mit auf, das ein Mann/Frau Projekt hat aber auch für mich persönlich eine Sonderstellung.

Sopor Aeternus – Tanz der Grausamkeit

Wie wür­dest deine musi­ka­li­sche Lauf­bahn beschrei­ben? Über wel­che Rich­tung der Musik bist Du in die Szene gekom­men, wel­che hast hin­zu­ge­won­nen, wel­chen hast du abge­schwo­ren und was hörst du heute?

Meine musikalischen Präferenzen in meiner Anfangszeit waren ganz klar synthetischer Natur 😉 und der Erstkontakt kommt meistens mit Bands die relativ bekannt und damit leicht zugänglich sind, bei mir waren das Covenant, VNV Nation, Suicide Commando, Wumpscut und Feindflug.
Auch wenn Project Pitchfork und Depeche Mode die eigentlichen Einstiegsdrogen waren, die hörte ich damals im schwarzen Club aber kaum sondern mehr in den eigenen 4 Wänden, und DM habe ich anfangs auch nicht als Szenetypisch wahrgenommen, das kam dann erst nach einiger Zeit der bewussten Auseinandersetzung mit Szene an sich und deren Musik, und damit habe ich dann meinen schon vorhandenen 80er-Fimmel nochmal ausgebaut *gg*

Durch die „La Nuit Obscure“, einer Party auf der quer durch alle Stile Musik gespielt wurde bin ich dann relativ schnell auch auf die „Wedelmusik“ gekommen, mit Dean Can Dance und Qntal zunächst, und dann weiter zu Omnia, Faun, Helium Vola und von da aus gings dann weiter zu experimentelleren Sachen aus dem Industrial-Umfeld welche Stammplätze auf der Göttertanz-Playlist hatten und heute noch haben, von da aus war es dann auch kein großer Schritt mehr zum Industrial an sich. Irgendwie unterwegs aufgesammelt habe ich dann noch Neofolk und Military Pop und bin im Wesentlichen bei dem Paket bin ich dann im Wesentlichen geblieben.

Abgeschworen habe ich eigentlich keinen Stilrichtungen, ich würde eher sagen ich habe mich im Laufe der Zeit vom Elektro a la Feindflug wegentwickelt, insbesondere durch die Begegnung mit waschechtem Industrial. Lediglich bei Wumpscut kann ich ehrlich sagen daß ich das heute auch noch gerne höre.
Am Rande bemerkt amüsiert mich der Umstand, daß an schwarzromantischen Göttertänzen bei Weitem mehr Industrielles gespielt wird als bei Cyberparties *kicher*

Wie und wo hörst du Musik am liebs­ten?

Das ist sehr situationsabhängig, und auch abhängig vom Genre. „Kopfkinomusik“ wie Darkambient oder generell ruhigere, nachdenklichere Stücke lassen sich auf dem Fensterbrett über der aufgedrehten Heizung bei nem Gläschen Wein, Kerzenlicht und Räucherwerk schlicht und ergreifend am Besten genießen, auch Industrielles höre ich lieber und setze mich auch im Club dazu eher selten in Bewegung.
Sachen die mehr Schwung haben und im großen Zeh kitzeln erfordern ausreichend Platz, egal ob im heimischen Wohnzimmer oder im Club *g*

Wel­che Musik hörst du außer­halb der typi­schen dunk­len Musik noch?

Keine speziellen Genres, Musik muss mich emotional berühren oder faszinieren, ausserhalb der schwarzen Genres haben das die Banana Fishbones geschafft, aber auch Thomas D’s Album „Reflektorfalke“, genauso findet man mich auch auf der Tanzfläche wenn im Finsterclub der „Krieger“ aufgelegt wird, immerhin zitiert das Musikstück einen meiner Lieblingsfilme ;).
Ich mag Jazzstücke bei denen man vor dem geistigen Auge eine verrauchte Bar und einen depressiven Privatschnüffler sieht der am Tresen Bourbon in sich hinein kippt.

Ich mag Renaissancemusik, orientalische Klänge und mittendrin auch mal Klassik, wobei ich mich damit noch nicht näher auseinandergesetzt habe um da spezielle Komponisten als Favoriten zu nennen, lediglich Bachs Tokkata und Mozarts Requiem vielleicht.

Und freilich 80er – auch nicht so arg Schwarzes, wobei das ja auch nicht immer einandfrei trennbar ist.
OMD ist da eine langjährige Liebe sowie fast alles an sogennantem New Romantic 😉 – in dem Zuge darf man freilich den göttlichen Countertenor Klaus Nomi nicht vergessen – eigentlich mag ich Countertenöre generell auch recht gerne.

Gelegentlich findet sich auch noch das eine oder andere Überbleibsel meiner technoiden Vergangenheit auf die Playliste, Vorzugsweise Emmanuel Top und Kram den auch damals kaum einer gekannt hatte 😉

Mal ange­nom­men, Du könn­test ein Instru­ment spie­len, hät­test eine tolle Stimme und wür­dest zusam­men mit Freun­den eine Band grün­den. Wel­che Rolle in der Band wäre Deine?

Also, eine tolle Stimme habe ich sicher nicht, und ich vermeide es sogar dann zu singen wenn ich ein Tässchen Wein zu viel erwischt habe 😉 auch wenn ich Heavenly Voices ganz großartig finde, ich genieße das lieber in riesigen Gewändern auf der Tanzfläche, auf Konzerten oder daheim in aller Ruhe.

Würde ich „Musik“ machen, dann würde ich eher in abgewetzten Lederklamotten in einer Industrieruine auf Metall einkloppen um die Samples danach durch den Synthie zu jagen *kicher* – oder Theremin spielen 😉 oder mir bekloppte Installationen einfallen lassen um damit noch mehr Lärm zu produzieren 😀 und freilich generell am Sythie schrauben und basteln.

Nenne 5 dei­ner Alben die für Dich unver­zicht­bar mit Szene ver­bun­den sind.

Diary of Dreams – Nigredo
Sisters of Mercy – Slight Case of Overbombing
Rosa Crux – In Tenebris (eigentlich Stellvertretend für alle Alben der Band)
Project Pitchfork – IO
Nicholas Lens – Flamma Flamma (auch wenn das eher ein ein Ausreißer ist -aber wenigstens ein Neoklassischer 🙂 )

Wel­che musi­ka­li­schen Eigen­schaf­ten hat für dich das ideale Lied?

Huh, das ist schwer, da die Bandbreite meiner musikalischen Präferenzen so groß ist kann ich „das“ perfekte Lied kaum beschreiben, ein Musikstück trifft mich meist sehr spontan, egal ob auf den ersten oder auch mal zweiten Blick.
Es kann an einem genialen Text liegen, einer ungewöhnlichen Stimme, besonders beeindruckende Synthieklänge, und noch viel mehr.

Wel­che Band oder wel­chen Musiker/in wür­dest Du gern mal inter­viewen und auf wel­chen Frage musst Du dabei unbe­dingt eine Ant­wort haben?

Adrian Hates von Diary of Dreams würde ich gerne mal kennenlernen, weil ich denke daß er eine sehr interessante Persönlichkeit sein muss mit dem man sicher sehr großartige Gespräche führen kann. Letztenendes haben seine Songtexte für mich eine ganz besondere Bedeutung.

Daneben würde ich auch gerne mal mit Anna-Varney ein Tässchen Tee trinken und philososchwafeln wollen, zumindest stelle ich mir das sehr spannend vor mit einer so aussergewöhnlichen Persönlichkeit wie er/sie es ist.

Generell bin ich mehr an den Menschen hinter der Musik und deren Beweggründefür eben ihre Musik interessiert. Ian Curtis wäre sicher auch ein spannender Gesprächspartner, nur leider ist das mit irdischen Mitteln wohl nicht zu bewerkstelligen …

„Die“ Frage hätte ich dabei aber nicht, ich denke das würde sch im Gespräch mit den einzelnen Persönlichkeiten dann erst ergeben.

Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der »schwar­zen« Musik?

Das ist eine schwierige Frage – die schwarze Musiklandschaft ist heutzutage so unübersichtlich daß mir spontan kein konkretes Projekt einfällt, ich hoffe aber sehr daß die musikalische Zukunft weniger in fremden Stilen die von Metal oder Techno kommen liegt, sondern weiterhin im Postpunk, Wave und Industrial und deren Ablegern.