Musikalische Ausgrabungen: Gazelle Twin

Da sag doch mal einer, gute, finstere Musik gäbe es heutzutage nicht mehr – tatsächlich wird diese aber mehr vom massentauglichen Schrott überrollt der sich auch schon längst in die schwarzen Refugien eingeschlichen hat.
Umso schöner ist es natürlich wenn man hie und da auf qualitativ hochwertige Projekte stößt.

Diese „Fundsache“ drang dank Alwa via Facebook an meine Ohren und hat sich da sofort hineingebohrt.

Hinter „Gazelle Twin“ verbirgt sich Elizabeth Walling – im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Solokünstlerin verbirgt sich gerne hinter surrealistisch anmutenden Gewändern.
Dabei gibt sie auf ihrer offiziellen Homepage einerseits an, ihre natürliche Schüchternheit wäre ein Grund – aber nicht der einzige. Ebenso sieht sie dies als künstlerisches Mittel bei Auftritten und Videos, sie wolle kein „Alter Ego“ präsentieren, sondern Auseinandersetzung mit sich selbst und der Menschheit im Allgemeinen.
Dazu gesellt sich eine Abneigung, als Frau – gemäß medienbeeinflußter Klischees – ständig willig, leichtbekleidet und verfügbar auftreten zu „müssen“ – auch in der Szene ist der Trend zu wenig Textil oft schon auf einem unterirdischen Niveau.

Walling explains, “that most female artists face a minimum requirement to appear sexually available… not that sex is wrong, but there’s so much more to a person’s character isn’t there?”

Dabei wird man das Gefühl nicht los als Stelle sie ihre Zugehörigkeit zur menschlichen Rasse in Frage – auch der Bandname „Gazelle Twin“ ist ein Hinweis darauf. Daneben sind Spiritualität und Schamanismus eine Inspirationsquelle – zusammen mit den scheinbaren gegensätzen der modernen Großstadt.

Einen großen Teil dieser Denkansätze kommen mir bekannt vor, und deswegen finde ich das Projekt nicht nur musikalisch interessant, sondern auch die Künstlerin dahinter – sofern man das aus einem eher kurzen biographischen Text objektiv genug schließen kann.

Schwenken wir zum musiklaischen Teil über: Gazelle Twin ist relativ ruhig, minimalistisch-elektronisch, Elizabeth’s Stimme ebenso eher minimalistisch denn pompös, aber es passt zum Gesamtkonzept. Synthieklänge bohren sich schwer in den Gehörgang, laden aber auch zum Davonschweben ein. „The Entire City“ kam im Juli 2011 heraus, und der Silberling ist aktuell auf dem Weg zu mir 🙂
Kopfkinomusik.

Tatsächlich zeigt sich die Künstlerin stark beeinflußt von Film-Musik – dabei nimmt Science Fiction und Cyberpunk einen großen Teil als Inspirationsquelle ein.

Ich bin selbstredend hin und weg von *diesem* Gesamtkonzept* 🙂

Mehr will ich dazu nicht sagen – das Album könnt ihr euch als Stream auf der Homepage von Gazelle Twin anhören:

Gazelle Twin – The Entire City

Ich finde es rundweg sehr schön, Höhepunkte sind auf jeden Fall „I am shell, I am bone“:

Und „Men Like gods“ :

Weiterführende Links: offizielle Page: http://gazelletwin.com

Blog: http://iamshelliambone.wordpress.com/ <- der ist im Übrigen sehr lesenswert 🙂

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