Gothic Friday November – Woran glaubst Du?

Und mal wieder hat es ein Gothic-Friday Thema gehörig in sich.

Der Frage nach dem persönlichen Glauben ist keine einfache. Insbesondere dann wenn man diese nicht mit Nennung einer etablierten Religion beantworten kann – doch selbst dann kann diese Frage durchaus auch recht kompliziert werden.

Ich selbst hänge keiner Religion an – egal ob etabliert oder exotisch, generell behaupte ich von mir daß „Glaube“ in meinem Weltbild nicht vorkommt – doch das ist eine Definitionssache, denn ich traue mir wetten daß manch anderer meine Vorstellungen eindeutig als „Glauben“ einordnen würde.
Darüber zu diskutieren ist allerdings unnötig, „Glaube“ oder das persönliche Weltbild sind – nunja – eben etwas sehr persönliches.

im „Glauben“ schwingt für mich immer das blinde Annehmen vorgefertigter Dogmen mit, das Nicht-Hinterfragen und das Passive. „Glauben heißt Nicht-wissen!“ – ist eine Platitüde die für mich eigentlich alles auf den Punkt bringt weswegen ich mich nicht gern als jemand bezeichne der an etwas glaubt.

Auf den ersten Blick mag das sehr paradox klingen – wie kann jemand der sich für Okkultkrempel interessiert nicht „glauben“?
Tatasächlich finde ich zu viel Glauben gerade bei solchen Themen ganz schön gefährlich.
Eine gesunde Skepsis ist besser als blindes Glauben – leider sind die Eso-Foren voll von dem Typus, der im Übrigen auch sehr schnell einschnappt oder gar in die Luft geht wenn man anfängt das „supermysteriöse Phänomen“ das ihm widerfahren ist, erstmal nüchtern zerlegt um zu sehen ob es sich nicht doch ganz weltlich erklären lässt. Schon öfters erlebt und ein Grund von den meisten derartiger Communities meilenweiten Abstand zu halten *hust*

Diese ganze Kiste mit Glauben oder eben nicht ist schwer zu erklären, ich hoffe es kam dennoch halbwegs so rüber wie es gemeint war.

Eliphas Levi bezeichnete die Magie als „heilige Wissenschaft“, und so sehe ich das durchaus auch. Selbstverständlich lässt sich das Thema und alles was es umfasst nicht mit wissenschaftlichen Methoden erfassen und belegen – wäre das möglich dann gäbe es die Frage ob man beispielsweise an unerklärliche Phänomene *glauben* würde schließlich nicht – und „unerklärlich“ wären die dann erstrecht nicht 😉 – ich bin aber durchaus davon überzeugt daß – auch wenn unsere Wissenschaft nicht imstande ist gewisse Phänomene zu beweisen, das umgekehrt kein Beweis dafür ist daß sie nicht existieren.
Unser Wissensstand heute ist meiner Meinung nach nicht das Ultimative, genausowenig wie der der Wissenschaftler, die seinerzeit sagten daß elektrisches Licht in allen Wohnhäusern utopisch sei, oder daß die Welt nur Bedarf für insgesamt 5 Computer hätte. Die Liste an Beispielen lässt sich endlos weiterführen – und die Welt ist schließlich dann doch keine Scheibe gewesen.

Man muss stets für sich selbst die „Beweise“ finden, weswegen der Weg den man in spirituellen Dingen geht für einen selbst der Richtige ist. In diesem Sinne hat kein anderer Mensch das Recht einem anderen seinen „Glauben“ aufzuzwingen oder diesen für den einzig wahren Weg zu halten – als Rechtfertigung dafür Menschen mit anderen Weltbildern und Religionen als mindwerwertig anzusehen.
Und genau das ist das was ich am Christentum nicht abhaben kann (naja, an allen Typen die ihre Religion für so engeil halten – am Rande erwähnt) – der Glaube an sich ist eine Sache, was in seinem Namen Menschen getan haben eine Andere. Doch das ist ein Thema das für sich allein wieder ganze Bände füllen könnte …

Ich habe mich seid meinem 13. Lebensjahr mit verschiedenen Kulturen und deren Religionen beschäftigt, deren Götter, Symbole und was da noch dazu gehört. Dabei sind viele Versatzstücke in meinem Weltbild hängen geblieben – man könnte mich als Synkretisten bezeichnen, da da aber das Wort „Glaube“ wieder drin vorkommt eigentlich auch nicht ganz passend 😉

Ich bin der Auffassung daß „Gott“ mehr soetwas wie die „Macht“ aus Star Wars ist – man verzeihe mir den fast schon lächerlich-nerdigen Vergleich, aber er passt dummerweise 😉 – eine Kraft die für mich wie die Gravitation in unserem Universum ganz natürlich vorhanden ist, alles durchdringt und in allem ist, und wir Menschen sind durchaus in der Lage diese „Kraft“ zu nutzen – immerhin ist sie ein Teil von uns – sie verbindet uns, alles was lebt und auch alle „tote“ Materie. Und da diese Kraft ein Teil von jedem von uns ist kann man durchaus auch sagen daß jeder sein eigener Gott ist.
Diese Kraft verbindet uns mit der Natur – von der wir freilich auch wieder ein Teil sind. In diesen Überlegungen steckt auch die Theorie, wie Phänomene wie zB Telepathie funktionieren *können*. Wer weiß, vielleicht wird es irgendwann mal möglich sein das Ganze wissenschaftlich zu beweisen.

Da der Mensch an sich Schwierigkeiten hat sich eine solch unpersönliche Kraft vorzustellen, gibt er ihr einen Namen, einen Charakter. Einen Typen im Wallefummel und mit Rauschebart kann man leichter visualisieren und auch direkt ansprechen – nennt man dann im Allgemeinen „Gebet“ – ist aber eine Form sich diese Kraft Zunutze zu machen, wenn auch eine mehr passiv orientierte. Ich will den religiösen Leuten nicht auf dem Schlips treten, aber genau das ist an sich schon eine Form von Magie 😉

Da bei monotheistischen Weltbildern quasi „einer für alles“ da ist, kann man den Schritt weiter gehen und diese universelle Energie in mehrere Persönlichkeiten aufspalten – da landet man dann bei den polytheistischen Religionen. Hat man Liebeskummer, wendet man sich vielleicht an Venus, oder eine Gottheit eines Kulturkreises der einem persönlich näher liegt mit den gleichen Eigenschaften.

Es mag etwas herabwürdigend klingen, die Vorstellung von Gottheiten oder auch eines einzigen Gottes als „Hilfsmittel“ anzusehen, aber das ist nicht meine Intention. Ich finde, es zeugt von der grundsätzlichen Kreativität des menschlichen Geistes, und Götter oder auch ein „Gott“ können tatsächlich sehr eigenwillige Charaktere entwickeln, nicht aber weil es sie in der Form in der wir Menschen sie uns vorstellen tatsächlich existieren, sondern weil durch unsere Vorstellungskraft die eine Macht entsprechend geformt wird.
Es heißt, Leute die sehr stark emotional sind und bei denen es häufig zu Streit kommt, laufen eher in Gefahr sich Poltergeist-Phänomene einzuhandeln, weil sie durch solch starke Emotionen diese „Geister“ unbewusst selbst erschaffen – da hier sehr viel Energie freigesetzt wird die nicht kanalsisiert werden kann.
Anderes Beispiel: Voodoo gilt als besonders stark. Aus dem Grund weil die Anhänger mit großer Leidenschaft an ihre Götter glauben und ihnen so besonders viel Eigenleben verleihen.
Die Charaktere die in solchen polytheistischen Glaubensvorstellungen vorkommen sind sogenannte Archetypen, die durch Kulturkreis und alltägliche Themen im Denken der Menschen verwurzelt sind. Das gibt auch Symbolen ihre Kraft.
Wenn beispielsweise bei einer Liebeshexerei rote Kerzen im „Rezept“ stehen, so kommt das daher daß die Farbe in unserer Assoziation mit Liebe in Verbindung gebracht wird – das ist kulturell verwurzelt. Gelbe Kerzen zu nehmen würde nur dann funktionieren wenn der Ausführende diese Farbe mit voller Überzeugung mit dem Thema assoziieren würde. Es geht bei solchen Ritualen also eher darum, mit dem Setting bewusst wie unbewusst einmal die richtige Stimmung zu erzeugen, aber auch solch kollektiv besetzte Symbole anzuzapfen – in gewissem Sinne kann man Götter also auch als Symbole bezeichnen, nur eine Stufe komplexer.
Auch Märchenfiguren sind Archetypen – der böse Zauberer gegen den edlen Helden, Gott und Teufel – gut gegen böse. Zwei Extreme die nur im Denken der Menschen vorkommen, denn die allgegenwärtige Kraft ist weder gut noch böse, sie ist in sich neutral und kann erschaffen wie zertören – beides gehört zur Existenz und bedingt sich gegenseitig – ohne das Eine gibt es das Andere nicht. Weil eigentlich ist beides das gleiche. „Liebe“ wird fast immer als positiv bezeichnet, doch wer das Objekt seiner Liebe mit eben dieser einengt und festklammert, der betreibt schwarze Magie.
Wut kann etwas sehr positives sein wenn sie sich gegen Unrecht wendet. Alles hat zwei Seiten – und der Auffassung waren bereits die alten Ägypter – mit deren Pantheon und Symbolik ich mich auch am Wohlsten fühle, auch wenn es nicht mein Kulturkreis ist. Mit den ganzen nordischen Geschichten bin ich aber nie so richtig warm geworden, gefühlsmässig. Obwohl ich mich den Neuheiden am nähesten fühle, was das Weltbild angeht – wie ich bereits einmal erwähnt habe bin ich ja auch eine zeitlang beim Wicca hängen geblieben.

Mit diesem Weltbild ist es für mich unerklärlich wie sich Menschen wegen ihrer Religion in die Haare kriegen können. Ich habe das in meiner Schulzeit auch live miterlebt als sich Evangelische und Katholische bei einer gemeinsamen Reli-Stunde in der Diskussion recht übel angefahren haben. Und im Großen muss man dann nur an religiös motivierte Kriege denken.
Aber so ist der Mensch nunmal. Leider.

Der Schluß meiner Theorien zu Gott und der welt sind: alle Wege führen letztenendes zusammen. Ob ich an einen Gott glaube oder an viele, und egal in welcher Kultur ich aufgewachsen bin, es sind alles nur Varianten und Denksysteme die in die jeweiligen Kulturen und Gesellschaften am besten hinein passen und alle einen Erklärungsversuch für das bieten wollen, was Mensch schon immer gefühlt hat: daß es zwischen Himmel und Erde noch mehr gibt als das was wir mit wissenschaftlichen Methoden „sehen“ können – und auch viele Dinge die die Wissenschaft eindeutig bewiesen hat können vom Menschen nicht in dem Sinne gesehen werden, da muss man nur mal an die Teilchenphysik denken.
Es ent-mystifiziert die Vorstellung von „übersinnlichen“ Pänomenen vielleicht, anzunehmen daß die Wissenschaft tatsächlich mal handfeste Beweise liefern kann, aber ich halte das für wahrscheinlich.

Ich muss zugeben, das Interesse für Okkultismus kam in jungen Jahren auch deswegen weil es diese verrucht-mystische Patina hat wenn man sich noch nicht weiter damit beschäftigt hatte, doch heute ist für mich der verklärte Lack größtenteils ab. In meinem Denken gibt es keine „übersinnlichen“ Phänomene, weil ich finde, Mensch hat von der Natur diese Fähigkeiten mitgegeben bekommen. Manche haben leichter Zugang dazu, manche weniger, aber jeder besitzt sie ausnahmslos – ich kann nichts über-sinnliches an Fähigkeiten sehen die wir genauso haben wie sehen und riechen. Denn auch bei den herkömmlichen Sinnen ist der Eine kurzsichtig und der Andere vielleicht etwas schwach im Gehör. Völlig normal. Wir müssen uns nur darüber klar werden daß wir eben nicht die Krone der Schöpfung sind und über das Leben und wie die Welt funktioniert bei Weitem noch nicht alles wissen. Religion oder Weltbilder füllen diese Lücke, individuell für jeden wie er es für sich als „richtig“ empfindet. Wohin das alles mal führt – wer weiß. Vielleicht erleben wir das sowieso nicht mehr.

Disclaimer: oben genannter Text spiegelt allein meine ganz persönliche Auffassung wieder und sonst nichts. Ich bin imstande jeden anderen Glauben – aufgrund oben dargelegter Überzeugungen – zu akzeptieren, ich philososchwafle *sehr gerne* über Gott 😉 und die Welt, mit Anhängern ausnahmslos jeder Auffassung und Religion – sofern das Ganze gesittet und diplomatisch verläuft. Anfeindungen ignoriere ich und behalte mir vor sie auch zu löschen sofern sie guten Umgansformen widersprechen sollten.
Sorry für den Zusatz – ich hab schon einiges erlebt wenns um solche Themen geht … zum Glück war da aber auch viel Erbauliches und Konstruktives dabei.
Aber leider nicht nur …

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Gothic Friday Juli – Symbol und Sinnbild

So schnell kanns gehen – der Gothic Friday hat die Halbzeit erreicht und der Juli hat wieder ein sehr interessantes Thema abbekommen dem ich mich nun widmen möchte – Symbol und Sinnbild.
Dahinter versteckt sich die individuelle Geschichte der Symbole mit denen man sich schmückt. Dazu habe ich freilich viel zu sagen, Symbolik ist ein Thema das mich schon immer sehr interessiert hat, das was ich ständig um Hals, Finger oder sonstwo trage ist kein reiner Deko-Schmuck sondern hat seine eigene Bedeutung oder persönliche Geschichte.
Die persönliche Symbolik kann frelich auch in Form von Tätowierungen auf den Körper gelangen – aktuell bin ich noch gänzlich unbemalt 😉 doch es gibt Pläne die ich seit mehreren Jahren habe, immer noch gut finde und umgesetzt werden wollen wenn die Finanzen mal mitmachen, da zumindest ein Motiv eine größere Angelegenheit werden soll wozu ich dann natürlich auch einen richtig guten Künstler suchen möchte.

Doch über diese Motive auch noch zu reden würde wohl zu weit führen – also zurück zum Schmuck 😉 – was da Tag und Nacht an meinem Hals rumklimpert sind zwei lange Lederbänder, eines mit einem Regenbogen-Obsidian (der augenscheinlich schwarz ist und erst beim Drehen im Licht regenbogenartigen Schimmer zeigt), am anderen Band ein schwarzer Turmalin in einer Spirale sowie ein kleines Ankh aus Silber und eine Mondsichel mit keltischem Muster. Weiter oben in Halsnähe sitzt eine große Fledermaus aus Silber, eine Platine 😀 und – ein Pentagramm.

Zu jedem Stück kann ich freilich eine längere Geschichte schreiben, aber das Symbol das mich seit knapp 20 jahren begleitet ist schlicht und ergreifend das Pentagramm.

Als ich anfing mich für Esoterik, Okkultes und insbesondere Hexentum zu interessieren habe ich ganz bewusst angefangen mir dieses Symbol um den Hals zu hängen, aber schon vorher, als ich noch nicht mal wusste was es genau damit auf sich hatte, zog mich dieses Symbol schon an. Der erste Anhänger den ich besaß war selbstgemacht – ich muss etwa 13 gewesen sein – kleine Glasperlen auf feinen Silberdraht aufgezogen und in die richtige Form gelegt.
Bis ich etwa 14-15 war, war ich noch unschlüssig wie ich Religion – im Speziellen die Christliche – für mich bewerten sollte. So richtig viel anfangen konnte ich damit nicht, war aber bereit meinen eigenen Zugang dazu zu finden. Mein Standpunkt bildete sich dann am Tag meiner Konfirmation heraus, respektive in der Zeit davor in der man gezwungen wird regelmässig in der Kirche zu frieren und sich beim Konfirmandenunterricht zu langweilen. Den Zugang fand ich nicht, nur mechanisch abgespulte Rituale denen ich nichts abgewinnen konnte. Nichts „göttliches“ sprang über in den Predigten, alles tot und langweilig oder wahlweise grotesk-geschauspielert. Bei der Konfirmation schwieg ich zur Frage, ob man sich zu seiner Taufe bekennen würde und beantwortete sie innerlich mit „NEIN!“

Nach dem bewussten „Nein“ zum Christentum begann ich nach meinem eigenen Weltbild zu suchen, was mich zum Neuheidentum und in die Nähe des Wicca brachte. Hier erhielt das Pentagramm das mich vorher schon so förmlich magisch angezogen hatte, seine Bedeutung. Ich trug es damals auch bewusst als Symbol meiner spirituellen Ansichten, aber auch die Funktion als Schutzsymbol – als solches ist das Pentagramm schon seit vor der Antike bekannt – mit dem Kreis um den Stern. Und als Aussenseiter im kritischen Alter von 15-16 war mir auch unbewusst die Schutzfunktion doch willkommen. Unabhängig ob es tatsächlich Wirkung hat oder nicht – letztendendes zählt was einem selbst solche Symbole bedeuten.

Das Pentagramm da sich heute trage steht frei ohne Kreis und aufrecht – umgekehrt habe ich das Symbol nie getragen, was aber nicht daran liegt daß ich es in der Form für ein Teufels-Symbol halte. Sieht man genauer hin stößt man bei der Bedeutung des Pentagrammes auf eine unglaubliche Tiefe. Die die mir heute am sympathischsten ist stammt aus der Kabbala, zu der gehört unter Anderem auch die Numerologie.
„Penta“ ist griechisch für „Fünf“ – klar soweit, ein Pentagramm hat ja fünf Zacken 😛
Die Vier steht als Sinnbild für die Materie – beispielsweise in Form der vier Elemente. Gibt man zur Vier noch eins dazu – sagen wir mal, Geist oder Seele, so wird der unbelebten Materie Leben eingehaucht. Die Fünf ist also das Sinnbild für den Menschen. Beim aufrecht stehenden Pentagramm steht der Geist – man kann auch den Willen da hin setzen – über den vier Spitzen welche die Materie symbolisieren. Der Geist beherrscht die Materie! Ich selbst bin der Herr über mein persönliches Universum – so ist mein Pentagramm für mich auch Symbol dafür, in Zeiten wo man sich lieber eingraben lassen möchte, die A***backen zusammenzukneifen, dem Leben den Stinkefinger zu zeigen und sich weiter durchzubeißen. Auf die eigene Art und Weise. Riecht nach Thelema – stimmt irgendwo auch, wobei ich auf Crowleys thelemitisches Weltbild erst kurz danach gestoßen bin, und ich war überrascht wie es sich doch mit meinen Ansichten deckte.

Das Pentagramm ist in aufrechter Ausführung also auch ein sehr aktives, energiegeladenes Symbol.
Der Umkehrschluß ließe zu zu denken, die umgedrehte Ausführung sei „böse“ weil hier ja die Materie den Geist unterdrückt. Das ist freilich ein Aspekt des ganzen, aber eben nur einer 😉 – nichts ist nur „gut“ oder „böse“ , solche Begrifflichkeiten werden meist nur von einfältigen Gemütern verwandt.
Das umgedrehte Pentagramm – auch Drudenfuß genannt – hat auch den Aspekt des Empfangens, des Aufnehmens, des Ausruhens, was freilich auch in das „sich gehen lassen“ umschwingen kann, dafür hat die aufrechte Ausführung aber auch immer eine aggressiv-destruktive Komponente, so wie Feuer wärmen kann oder verbrennen.
An dem Böse-Symbol ist über mehrere Ecken, wenn man an das umgedrehte Pentagramm denkt – zwar schon etwas dran, man denke hier an den Aspekt daß der Verstand ganz zuunderst liegt, letztenendes ist das aber eben nur eine sehr oberflächliche und eingleisige Betrachtungsweise, die mehrfach fehlinterpretiert ist, denn das aufrecht stehende Pentagramm kann auch massiv destrukiv sein.

Meine liebste Darstellung des Pentagrammes geht auf Agrippa von Nettesheim zurück, und zeigt die Deutung des „Geistes über der Materie“ beziehungsweise den kabbalistischen Bezug zum Menschen am schönsten. Hier wird auch der Aspekt deutlich, daß jeder Mensch sein eigenes Universum besitzt dessen Zentrum er ist – will meinen, durch Charakter, Vorlieben, Weltbilder etc schafft jeder Mensch sich individuell seine Sichtweise auf die Welt und das bestimmt auch den Umgang mit der Umwelt. Und Angriffspunkte wo Mißverständnisse entstehen, denn wo sich zwei Weltbilder inkompatibel miteinander sind gibt es Reibungspunkte, insbesondere dann wenn sich der „Inhaber“ des Weltbildes nicht darüber im Klaren ist daß das Seine automatisch anders sein muss als das der Menschen in seinem Umfeld. Dazu muss man keine Eso-Tante anlabern, auch Psychologen teilen diese Meinung, wers nicht glaubt dem empfehle ich Paul Watzlawicks Werke. Und darauf beruht auch mein Begriff der Toleranz – ich kann akzeptieren daß andere Menschen ihre persönliche Sichtweise auf die Welt und Alles haben, teilen muss ich sie nicht, aber ich kann sie in ihrer Sichtweise sie selbst sein lassen, komme ich damit nicht klar, ziehe ich mich zurück und lasse deren Universum unangetastet, fordere aber im Gegenzug ein daß mein Universum für mich ebenso unangetastet bleibt. In der Praxis geht auch das nicht so reibungslos, aber wir sind (auch wenn man sich oft anders fühlt) auch nur Menschen 🙂

Noch suche ich nach einem wirklich schönen Anhänger mit dem Agrippa Pentagramm, da eben diese Darstellung für mich nochmal etwas besonderes ist 🙂

Das Pentagramm könnte Bände füllen wenn es um seine Bedeutung geht, besonders wenn man richtig in die Tiefe geht. Ich mag es auch nicht wenn sich jemand zu Modezwecken diesen Stern um den Hals hängt, auch das Abstempeln als „böses Symbol“ ist oberflächlich und unreflektiert. Christen hängen sich ein Kreuz um den Hals an dem ein junger Mann *festgenagelt* ist und sich über diesen Umstand sicher nicht gerade gefreut haben dürfte – für mich ist das weit negativer belastet …

Das Pentagramm habe ich auch in Form eines Silberringes den ich ständig trage, ich habe ihn als große Ohrringe in Einlegearbeit, als Druck auf dem Halstuch, aufgenäht aus Bändern auf Klamotten, händisch aufgestickt – teils verborgen in wieder anderen Symbolen, wie die fünfblättrige Tudor-Rose die ich auf meine Tasche gestickt habe, und die zusätzlich meine Begeisterung für das Zeitalter der Renaissance wiederspiegelt. Wo es Universalgelehrte wie Leonardo DaVinci gab, die Künstler und Wissenschaftler gleichermaßen waren (und so ein Idealbild für mich darstellen), wo John Dee am Hofe von Elizabeth I von einem Engel das System der Henochistischen Magie diktiert bekommen haben soll und der Königin die Zukunft weißsagte und alchemistische Studien verfolgte. Wo eine starke Frau als Königin einem ganzen Volk den Wohlstand brachte und zeigte daß sie genauso „Mann“ sein kann.

An dieser Stelle könnte man seitenweise weiter über das Symbol das quasi „meines“ ist – obwohl es von der schwarzen Szene doch sehr inflationär und oft unreflektiert verwendet wird – weiterquassewln, ich breche aber lieber mal hier ab und freue mich auf Kommentare und Rückmeldungen 🙂