Gastbeitrag Gothic Friday – Chris und die dunkle Musik

Ich bin sehr froh darüber an dieser Stelle auch mal einen Gastbeitrag beherbergen zu dürfen, ein guter Freund hat sich von mir überreden lassen mitzumachen und erzählt im Folgenden ein wenig über seine Musikalischen Präferenzen – was mich auch aus dem Grunde erfreut da er ein guter Beweis dafür ist daß die junge Generation Schwarzvolk nicht notwendigerweise immer im Cybergestampfe steckenbleibt, sondern sich auch Gedanken zu den Ursprüngen der Szene macht.

Und deswegen hat im Folgenden Chris das Wort – von mir stammen lediglich die Formatierungen via HTML.

10 Fragen — Die Musik und Du
Was bedeutet Musik für Dich? Wie wichtig ist sie Dir?

Diese Frage ist eigentlich mit: „Musik ist mein Leben“ beantwortet, ich gehe dennoch ein wenig mehr darauf ein, da dies ja viele Menschen lesen werden. Musik höre ich immer und überall, ob das nun auf längeren Touren zu Veranstaltungen ist, zu Fuß/unterwegs mit dem Hund oder einfach nur Zuhause am PC, beim Putzen/aufräumen oder beim Baden.

Wichtig ist dabei das, die Musik immer zu meiner aktuellen Gemütslage/Stimmung passen muss. Dies ergibt sich allerdings meistens von selbst.

Welche Richtungen »schwarzer Musik« hörst du? Nenne ein Beispiel, das für Dich deine Bedeutung des Genre am besten Wiedergibt.

Das Spektrum von mir gehörter Musik ist ziemlich breit gefächert aber ich fang mal an. Ich habe zwar die 80er nicht mehr mitbekommen da ich einfach zu jung bin (leider) höre die damalige Musik bzw. die Anfänge der schwarzen Szene sehr sehr gerne. Für mich ein nicht wegzudenkender Favorit sind dabei:

The Cure – Lovecats
Ich finde es ist ein Klassiker und jeder sollte es kennen.

Das nächste von mir Bevorzugte Genre wäre dann Neofolk/Neoclassic, ich wage es hier mal diese beiden Richtungen miteinander aufzuzählen, da sie für mich doch ziemlich Artverwandt sind. Auf diese Musikrichtungen bin ich durch den, hier bei mir heimischen Göttertanz gekommen. Zur Neoclassic möchte ich hier folgende Band erwähnen:

Blood Axis – Lord of Ages

Nun zum Neofolk ein Vertreter den ich da gerne höre ist folgender:

Death in June – Little Black Angel

Eine weitere Musikrichtung der „Gothic-Kultur“ die fester Bestandteil meiner Musiksammlung ist, ist der Darkwave hier führ ich mal einen der bekanntesten Vertreter auf:
Deine Lakaien – Over and Done

Erwähnen möchte ich auch noch folgende Band die ich erst auf einen zweiten Versuch gut fand:
Diary of Dreams – Giftraum

Dann gehen wir mal weiter zum Military Pop und Martial Industrial, zwei Richtungen die ich erst sehr Spät auf einer Party kennengelernt habe, aber mittlerweile sehr gerne höre und schätze. Als Vertreter des Genre möchte ich hier folgende Vorstellen:
In Slaughter Natives – Death Just only Death

wobei die Grenze hier so derart fleißend ist das man auch von Death Industrial spricht.

Kommen wir nun zu Ritual, Dark Ambient, Pagan und alles was man in diese Richtungen stecken kann. Hier liste ich nun mal ein paar Sachen auf die eigentlich fast jeder kennt.
Als Ritual Industrial:
Test Dept. – Arddyledog Ganu
ein Stück was ich als sehr intensive und emotional empfinde.

Zum Dark Ambient stell ich mal folgende Band vor:
Sephiroth – A map of Eden before the Storms Von dieser Band kennen viele sicher das Stück Wolf Tribes, aus diesem Grund stell ich hier mal ein anderes vor.

Pagan und Mittelalter, ich mag Dudelsäcke und Gitarren nicht wirklich deswegen stell ich hier mal zwei eher elektronische Projekte vor, die aber auch wieder sehr bekannt sind.
Qntal – Fruhling
Helium Vola – Darkness, Darkness

Was bei mir musikalisch noch aus dieser eher ruhigeren Sachen aus der Reihe tanzt sind Power Electronics, hier möchte ich eine Band aufzeigen dir mir Persönlich von Texten, Sound und Gesamtkonzept sehr gefallen:
Haus Arafna – Last Dream of Jesus

Desweiteren darf hier nicht der gute alte EBM vergessen werden, zumal mich folgende Band 2010 auf einem Festival so dermaßen überzeugt hat, da sie trotz des hohen Alters der Bandmitglieder noch so ne unglaubliche Performance hingelegt haben:

Front 242 – Welcome to Paradise

Erwähnen will ich jetzt eigentlich nur noch Sopor Aeternus and the Esemble of Shadows, da mich dieses Projekt immer wieder durchs leben begleitet. Allerdings kann ich die Band keinem Genre zuordnen und möchte das auch gerade nicht. Es ist eben ein persönlicher hoher Stellenwert den diese Band bei mir erreicht hat.

Wie würdest du deine musikalische Laufbahn beschreiben? Über welche Richtung der Musik bist Du in die Szene gekommen, welche hast du hinzugewonnen, welchen hast du abgeschworen und was hörst du heute?

Da ich es verpasst habe am ersten Gothic Friday teilzunehmen, werde ich hier etwas weiter ausholen. Ersten Kontakt mit „alternativer“ Musik hatte ich auf den hier in der Fränkischen Schweiz heimischen Bierzelt Beatabenden, hier möchte ich mal ein großes Lob an die Coverband Audio Gun loswerden, ein Mädel die eine sehr schöne hohe Stimme hat, ein ästhetischer Sänger und langhaarige abrockende Bass und Gitarren Spieler (eigentlich nicht meine Welt aber mit 16 is man froh wenn man mal rauskommt). Besagte Band fing also irgendwann an Nightwish, Rammstein, Within Temptation und Co. zu spielen, was bei mir dann doch gefallen fand. Also war ich dann für 1-1,5 Jahren der „Metall-Szene“ angehörig. Bis ich eines Tages einen Sampler in die Hand gedrückt bekam, auf diesem Sampler wart Track 07 von Emilie Autumn, ab hier ging es dann los, ich sah besagte Dame auf dem Cover einer Orkus-Zeitschrift welche denn auch gleich mal eingesackt wurde und von vorne bis hinten durchgelesen wurde. Durch einen von der Band ASP kreierten Remix des Songs Liar von Emilie Autumn stieß ich dann auf diese Band. Mit 18 folgten dann Besuche der ersten Gothic Veranstaltungen (damals noch mit einer schlichten schwarzen Jeans und einem Bandshirt bekleidet). Mit ein bisschen Club und Party Erfahrung passiert dann der schlimmste Abschnitt meiner Szenezeit, ich wurde zum so genannten „Glühwürmchen“, das lag daran das die Musikrichtung grad im kommen war und ich damals mit Szeneanfängen und 80er noch so gut wie nichts am Hut hatte. Das ganze ging dann ungefähr ein Jahr gut, dann machte es wohl „Klick“ oder ähnliches und ich fand die Musik die ich eigentlich mag auf einmal stupide, blöd und niveaulos. Ich lernte dann, auf einer monatlichen Veranstaltung auf der eben all Styles of Dark Music gespielt wurden (wie es so schön heißt), eine Dame kennen die ihr Gesicht weiß geschminkt hatte und im Gesamtbild sehr eindrucksvoll auf mich wirkte (bis Dato hatte ich diesen Stil noch nicht gesehen) was auch an dem Outfit lag. Wie ich später herausfinden sollte hatte sie ihre Kleidung komplett selbst gemacht. Aber eins nach dem andern, also fasziniert von ihrer Erscheinung, wollte ich diese Dame ansprechen, leider bin ich nicht der Typ der auf Menschen einfach zugeht und sie anspricht. Doch beim Frischluft schnappen draußen lief man sich dann doch übern den Weg und wechselte die ersten paar Worte. In den folgenden Monaten (mittlerweile gut 1,5 Jahre) ging man dann öfter zusammen weg und lernte sich immer besser kennen. Dies wird jetzt keine Liebesgeschichte – allerdings war besagte Lady nicht unschuldig an meiner jetzigen Szenebetrachtung, meinem Musikgeschmack und meinem Stil was Kleidung und Schminke betrifft. Mittlerweile zähle ich mich selbst zu den Schwarzromantikern und fühl mich „Pudelwohl“ in besagter Szenerichtung. Dem Glühwürmchen sein hab ich komplett abgeschworen, Sachen in diese Richtung gehen mir eher auf die Nerven als das ich irgendwas Tolles daran finden könnte.

Wie und wo hörst du Musik am liebsten?

Musik höre ich immer und überall, wie in meiner Einleitung schon erwähnt. Am liebsten aber wirklich im Club auf der Tanzfläche mit geschlossenen Augen und einem wirklichen abschalten, was durch die Lautstärke dort immer wunderbar funktioniert. Zuhause hör ich dann meistens eher etwas ruhigere Sachen und gönn mir durchaus mal ein zwei Gläser Wein dazu.

Welche Musik hörst du außerhalb der typischen dunklen Musik noch?

Vereinzelt gibt es wirklich ein zwei Sachen die ich gerne höre, welche nicht aus dem dunklen Musikbereich stammen. Gerade letztes Jahr (2010) gab es im Radio/Mainstream eine Stück was ich ganz großartig fand:

Hurt’s – Wonderful Live

Das mal aus gegebenen Anlass.

Mal angenommen, Du könntest ein Instrument spielen, hättest eine tolle Stimme und würdest zusammen mit Freunden eine Band gründen. Welche Rolle in der Band wäre Deine?

Ich wär sollte es wirklich eine Band mit klassischen Instrumenten sein, der Pianist da ich des Klavier zumindest teilweise beherrsche. Allerdings würde ich lieber ein Krach-Projekt im Sinne des alten Industrials a la Throbbing Gristle gründen. Bei dieser Sache wär ich dann der Typ der wild auf irgendwelchen Ölfässern oder Stahlträgern rumdonnert.

Nenne 5 deiner Alben die für Dich unverzichtbar mit Szene verbunden sind.

Synthie-technisch ist es meine Neuentdeckung des WGTs 2010 —- Roman Rain – Album: Pomah penh

Mental Measuretech – Songs form Neuropa

Rosa Crux – In tenebris

Sopor Aeternus – Le Fleurs du Mal

Helium Vola – Für euch die ihr liebet

Welche musikalischen Eigenschaften hat für dich das ideale Lied?

Das ist jetzt wirklich ein sehr gewagter Versuch, stimmlich wäre mir ne wohlklingende hohe Frauenstimme am liebsten, wenn es eine männliche Stimme sein soll muss diese was sehr besonderes haben. Instrumenten mäßig würde ich mich an vielen Streichinstrumenten erfreuen die von einem Flügel begleitet werden, dazu noch ein paar Trommeln und Samples die das Bild komplettieren. Der Text darf emotional gewichtig sein, wenn’s geht aber nicht von der Zwischenmenschlichen Liebe handeln. So ungefähr stell ich mir das ganze vor.

Band oder welchen Musiker/in würdest Du gern mal interviewen und auf welche Frage musst Du dabei unbedingt eine Antwort haben?

Da fällt mir aktuell nur eine Person ein, die da wäre Anna-Varney Cantodea, da sie/er eine so dermaßen faszinierende Persönlichkeit für mich ist. Allerdings habe ich keine bestimmte Frage, ich würde einfach gerne mal ein Gespräch mit ihm/ihr führen.

Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der »schwar­zen« Musik?

Die Frage ist ein bisschen schwierig, da ich Angst habe das noch mehr „Techno“ angelehnte niveaulose Musik in die schwarzen Clubs einzieht. Ein Beispiel dafür ist ein grausames Lied, welches ich vor einigen Wochen auf einer Frankfurter Party zu Ohren bekommen habe.

Ich hoffe das mal eine Band in Erscheinung tritt die sich am Urindustrial bzw. am Ritual Industrial anlehnt und ein bisschen frischen Wind in diese Richtung bringt.

Zwei Neuentdeckungen die für mich Vielversprechend klingen und ich vergangenes Jahr entdeckt habe sind zum einen, wie oben schon genannt, Roman Rain (Russischer Synthiepop) und zum anderen eine aus Hof stammende Künstlerin namens Genevieve Pasquier, welche sich stark am alten EBM orientiert, durchaus aber auch neues in dieses Genre einfließen lässt.

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