Schön Dunkel

… wurde es am 17.07.2010 im Berto’s, Erlangen, unweit von Nürnberg.
Die Jungs und Mädels von der Taniere Noire und der Front of Gnark veranstalteten an diesem Abend ein kuschliges, kleines Festival das ich mir nicht entgehen lassen wollte.
Zum schlappen Preis von 6,50 bekam man hier 3 Bands, fernab vom zeitgenössischen schwarzen Mainstream, mehrere DJ’s die zwischen den Konzerten auf zwei Etagen auflegten, sowie eine kleine Lesung aus dem am WGT 2010 erschienenen Buch „Schillerndes Dunkel, wofür der Herausgeber, Alexander Nym, auch anwesend war.

Pünktlich um 19:00 Uhr standen wir vor dem Berto’s, nachdem wir auf dem Weg vom Parkplatz zum Lokal noch einen Bekannten getroffen hatten der natürlich in die gleiche Richtung wollte.
Das Berto’s – in dem ich noch nie gewesen bin vorher – erwies sich als gemütliche, kleine Kneipe mit Biergarten und Kellergeschoß, genannt der Schlupfwinkel. Keine stylishe In-Lokalität und damit schonmal sympathisch. In diesem finden auch die Parties der Taniere Noire statt.
Wir stellten fest daß noch nicht gerade viel los war und ein Teil des Programms wohl draußen stattfinden sollte. Ein bisschen blöde für mich da ich auf stehende Hitze in geschlossenen Räumen spekuliert hatte und entsprechend im Ballkleid ohne Ärmel dastand – und während wir draussen warteten daß die restlichen Vorbereitungen gar abgeschlossen wurden und die Veranstaltung anfing, begann es auch noch zu regnen. Ein Glück daß der Eingang zum Kellerraum überdacht ist und so Fluchtmöglichkeit bot.

Irgendwas zwischen 19:30 und 20:00 Uhr begann die Lesung. Dazu wurden 4 Bierbänke in das ansonsten weitgehend von Bestuhlung befreite Berto’s getragen. Zu dieser frühen Uhrzeit waren aber noch nicht viele Leute anwesend sodaß es erstmal sehr überschaubar war, was der Lesung aber keinen Abbruch tat, Alexander Nym trug locker-amüsant den Beitrag „Das Dikat der Langeweile“ vom Myk Jung vor, in dem recht witzig die Parallelen zwischen Optik und bevorzuter Musik der in der Szene vorherrschenden Subströmungen aufs Korn genommen wurden.
So hat es meinen Begleiter beinah von der Bank gehoben – und auch ich hätte mich beinah an meinem Desperados verschluckt – als der Satz kam:

„Der klinische, jedoch nichtsdestoweniger nervenbelastende Sound manch neumodischer Industrial-Techno Varianten verströmt wohl derartige Sterilität“ – daß seine Anhänger gleich zum Mundschutz greifen müssen. (der letzte Teil des Satzes ist aus dem Gedächtnis in etwa sinngemäß ergänzt – der zitierte Artikel ist auf der oben verlinkten Homepage des „Schillernden Dunkel“ online als Vorschau lesbar – leider nur die erste Seite, und die ist in der Hälfte des zitierten Satzes eben zuende)

Aber keine Angst – hier bekommen alle ihr Fett weg, und unwillkürlich schaut man dann doch an sich hinab und erkennt, daß man sich selbst in gewissem Sinne den ästhetischen „Standarts“ seiner selbstgewählten Subströmung genauso angepasst hat. Naja, zugegeben der Vergleich mag auch nicht immer pauschal zutreffen, doch man hält wirklich kurz inne und beginnt zu überlegen …

Auch die Geschichte von DJ Orlög der seine Szeneanfänge in der DDR der 80er verlebte, ist spannend und interessant.

Das Buch ist schon auf die Wunschliste gewandert.

Draussend tröpfelte es noch immer, die erste Band des Abends machte sich im Biergarten für ihren Auftritt fertig – Saitenweise vs Cats on Dope.
Letzteres ist das Elektro-Harfen (was es nicht alles gibt) Soloprojekt einer entfernten Bekannten – und ebenfalls Nähtante *g* das sich im Dark Ambient Bereich aufhält.
Saitenweise war mir bisher unbekannt, ich stellte mich auf ein Mittelalter-Projekt ein, wurde dann aber mit eher neofolkartigen Klängen und der umwerfenden Stimme der Sängerin überrascht. Eine sehr schöne musikalische Neuentdeckung …

Danach gabs eine kleine Zwischenpause mit DJ im Berto’s. Nur so wirklich tanzwütig war grade keiner, ausser Alexander Nym, der bei einem Siouxsie-Stück mehr als ausgelassen durch den leergeräumten Saal hüpfte unmd sprang. Andererseits war auch noch immer nicht wirklich viel los.
Das Lokal füllte sich dann schließlich zum Auftritt der zweiten Band – The Eternal Fall. zunächst hatten wir von einer Bank, am Rande der Tanzfläche noch gute Sicht, doch dann strömte ein weiterer Schwung Mensch hinein und wir waren gewungen die Plätze aufzugeben und uns mit vor der „Bühne“ zu postieren – ein kleines Podest das aber nicht wirklich viel Platz bot. Die Überschaubarkeit des Lokals war aber perfekt um wirklich ganz nah vorne zu sein und

Die Stimmung explodierte dann auch bald und mein ausgelassen rumspringender Vordermann kollidierte des öfteren mit mir oder meinem Begleiter. Füße stillhalten war da eh nicht, die spanische Gothic-Rock Band hatte es sehr schnell auch mir angetan, und das gesamte Publikum war so begeistert daß die Jungs gleich zwei ausgiebige Zugaben nachlegen mussten, und wenn es nach den Leuten gegangen wäre, hätten diese zwei wohl weit nicht ausgereicht, aber die Band war dann sichtlich schon etwas K.O. als sie von dem Podestchen a.k.a. Bühne kletterten.

Nach einer weiteren Zwischenpause in der man wieder das Tanzbein schwingen konnte, ging es im Schlupfwinkel recht elektronisch weiter, mit Heimstatt Yipotash. Die band hatte mich vor ein paar Jahren beim WGT schon mal interessiert, doch an dem Tag gab ich den Konzerten des schwedischen Kult-Labels Cold Meat Industries den Vorzug, insbesondere da eine meiner Lieblingsbands, Coph Nia, mit am Start war.
Doch wie das so ist bei rein elektronischen Bands, viel Action ist auf der Bühne ja selten, ausser Videoprojektionen. Doch für die war in dem engen Kellerraum der als Tanzfläche dient, auch kein Platz, zudem meinte es jemand mit der Nebelmaschine etwas zu gut, sodaß ich mich zunächst fragte ob das Konzert schon angefangen hatte oder noch Tanzbetrieb war.
Da ich langsam müde wurde und meine Füße aufgeben wollten, suchte ich mir einen Sitzplatz. Musikalisch ist die Band ganz interessant, einige Stücke sind mir zu „tanzbar“, wieder andere angenehm lärmig. So machte den Abschluß des Konzertes eine Zugabe in Form eines waschechten, kratzigen Industrial-Stückes.

Nach der letzten Band verschwanden wir dann aber recht zügig, die stickige Luft im menschengefüllten Keller truf dazu bei daß ich im Auto um ein Haar eingeschlafen wäre und mich nur sehr mühsam die letzte Stunde Heimfahrt wach halten konnte.

Alles in Allem war es aber eine sehr gelungene Veranstaltung die sich von den durchgeplanten, blankpolierten größeren Veranstaltungen angenehm abhob, es war familiär und gemütlich. Bei solchen „hausgemachten“ Veranstaltungen fühlt man sich wieder wohl in „seiner“ Szene. Danke dafür, und bitte mehr davon 🙂

Bilder sollten eigentlich auf der anfangs verlinkten Homepage der Taniere Noire erscheinen, also hoffe ich mal daß diese noch nachgeliefert werden.

Advertisements