Gothic Friday 2016 – Warum bist Du immer noch in der Szene?

Es war einmal ein Blog-Projekt welches da hies „Gothic Friday“, und zu dem die Schwarzgewandeten aller Länder zusammengekommen waren, um ihren Teil des Ganzen beizutragen … und wenn sie nicht gestorben sind, dann finden sie sich auch nun wieder zusammen …

Oder so ähnlich.

Der „Gothic Friday“ ist natürlich kein Märchen, es gab ihn anno 2011 schonmal, und gestorben ist, wider der Annahmen manch „bunter“ Menschen, die sich für besonders witzig halten, wenn sie uns, ob der finsteren Kleidungs-Farbwahl auf ein derartiges Ereignis anzusprechen meinen müssen, dann eigentlich auch nicht.

Fünf Jahre sind eine lange Zeit, trotzdem scheint es manchmal, als wäre es neulich erst gewesen. Es schien vielen so ergangen zu sein, denn die Stimmen wurden lauter, die ganze Aktion einfach doch nochmal neu aufzulegen.

Damals riefen dieses ziemlich interessante Projekt Robert von Spontis und Shan Dark vom schwarzen Planeten ins Leben. Einmal pro Monat wurde an einem Freitag ein Thema gestellt, zu dem sich Gruft-Blogger und Sympathisanten in Textform äussern konnten. Dabei wurde eine Vielzahl von Anektoden, Erlebnissen, Meinungen und Ansichten zusammengetragen, die auch heute noch spannend zu lesen sind.

Die zweite Runde wurde am 5. Februar – natürlich ein Freitag – neu eingeleitet, es wird hierbei keine Wiederholung sein, sondern mehr eine Fortführung, da neue Themen ausgewählt wurden, einsteigen kann aber dennoch jeder der Spaß daran hat, man muss also nicht schon bei der ersten Runde dabei gewesen sein.

Selbstredend wird der Nähkästchen-Blog auch diesmal mit von der Partie sein, jedoch nicht nur als Teilnehmer – dem Fahndungsausfruf nach Mit-Tätern bin ich auch gefolgt  – verraten wird natürlich noch nichts, außer höchstens daß wir viele sehr interessante Themen zusammengetragen haben.

Das Einstiegsthema ist für alle neu dazugekommenen – als einzige Ausnahme – dann doch eine Wiederholung, nämlich die Frage danach, wie man eigentlich in die Szene gekommen ist. Damit die Teilnehmer der ersten Runde sich dabei aber nicht langweilen müssen, gibt es die Alternativ-Aufgabe – „Warum bist Du noch immer in der Szene?“ – und genau dieser Frage möchte ich mich im Folgenden nun widmen.

Auch Schwarzvolk altert, längst ist die Subkultur über den Status der reinen Jugendkultur hinausgewachsen und nicht alle die schon seit den Anfängen in den frühen 80ern dabei waren, haben sich mit fortschreitendem Alter von der vermeintlichen „Jugendsünde“ abgewandt. Es folgten neue Generationen die von den vorherigen mit gerümpfter Nase beäugt wurden, und die letztenendes selbst irgendwann über das Teenie-Alter hinaus kamen – und ebenfalls überzeugt schwarz blieben.

Man sieht die altersmässige Durchmischung ganz gut an jedem schwarzen Club-Abend und an jedem Festival.

WGT 2014 man trifft sich sogar schon selbst ;)

WGT 2014 man trifft sich sogar schon selbst 😉

Ich selbst zähle mich zur zweiten Generation – die der frühen 90er. Auch wenn mein aktiver Szene-Einstieg erst um 2000 herum seinen Lauf nahm, so waren meine ersten Begegnungen mit dem „schwarz“ in den Anfängen der 90er. In Nürnberg und Bayreuth, da liefen „sie“ in den Innenstädten herum, und irgendwann überwand die Faszination das mulmige Gefühl, und ich fand mich im nürnberger „Underground“ wieder. Gekauft habe ich da nie etwas, aber es führte dazu daß ich Frau Mutter, ihrezeichens selbst vom Fach des textilverarbeitenden Handwerkes, mit Pannesamt und Tüllspitze vor der damals noch etwas irritierten Nase herumwedelte (ich habe zu der Zeit noch nicht selbst genäht – nur wenn die Bude sturmfrei war und niemand sehen konnte daß ich mich an der Nähmaschine zu schaffen mache). Auch wenn die komplette Einschwärzung noch ein wenig auf sich warten lies, der „schwarze Faden“ zeigte sich schon seit meiner Kindheit immer wieder mal, daher war das Endergebnis nicht so verwunderlich, lediglich das Aufwachsen in einer beknackten Kleinstadt, in Zeiten vor dem Internet und nicht vorhandenen Transportmöglichkeiten, zögerten einige Dinge dann unweigerlich etwas hinaus.

Doch das ist jetzt auch schon ein Weilchen her.

In den letzten zwei bis drei Jahren habe ich mich etwas rar gemacht, was aber an vielen verschiedenen Dingen lag, der hinderlichste ist wohl der, daß ich – nicht wirklich freiwillig, wie ich dazu sagen muss – nun wieder in der Kleinstadt festsitze, die ich nach meinem Abitur nur zu gern verlassen hatte. Von hier aus irgendwohin schwarz weggehen ist ein halber Staatsakt – die Story vom letzten Göttertanzbesuch von hier aus wäre beispielsweise ein Roman für sich … trotzdem, manchmal hat man auch allgemein weniger das Bedürfnis nach Weggehen, oder es halten einen stressige Saisonjobs am Theater vom Besuch des Lieblingsfestivals ab – deswegen kehrt man dem schwarz ja nun nicht den Rücken, denn in den eigene vier Wänden läuft immernoch die gleiche Musik und der Kleiderschrankinhalt hat nichts vom heimeligen schwarz eingebüßt, auch wenn die Pikes einen leichten Staubfilm angesetzt haben – denn in der hauseigenen Keller-Werkstatt macht man sich logischerweise eher selten die Mühe, zu Kajal und Toupierkamm zu greifen.

Halbwegs aktuell - April 2015

Halbwegs aktuell – April 2015

Was mich immer in der Szene gehalten hat, war – natürlich neben der Musik, die Leute. Selbst wenn es immer wieder bunte Ausnahmen gab und sicher weiterhin geben wird, welche die sprichwörtliche Regel bestätigen, so ist die Wahrscheinlichkeit, in der Szene auf Leute zu treffen, bei denen die Wellenlänge im Weitesten die Gleiche ist, einfach doch um einiges höher. Bei meinem ersten, richtigen Schwarzclub-Besuch gab es dieses überwältigende Gefühl des „Daheim-angekommen-seins“, und dieses Zuhause wurde im Laufe der Jahre dann auch mit immer mehr Leuten angefüllt, die man sehr wohl als die eigene schwarze Familie bezeichnen kann und mit denen man nicht selten sehr tiefe und tolle Freundschaften entwickelt hat.

Man sollte natürlich nicht drüber hinwegsehen daß es auch in der Szene Idioten und Arschlöcher gibt und daß sicher nicht alle neueren Entwicklungen zum Guten hin sind, doch als generelle Wohlfühlumgebung sind mir schwarze Veranstaltungen einfach um Längen lieber, schonmal deswegen weil die ganze Grundstimmung eine völlig andere ist. Aus der dennoch auch vorhandenen Erfahrung mit handelsüblichen Diskos heraus resümiert, kann ich aber sagen daß mich allein schonmal die Musik dort tierisch nervt, und dann die kreischend-laute Habgefälligstspaß-Partystimmung – nein Danke. Dazu kommt noch allgegenwärtiges, penetrantes Balzverhalten unter Einfluß übermässigen Alkohol-Konsums, was auch gern mal in aggressiven Auswüchsen endet. Und ja, solche Episoden habe ich schon vor beinahe 15 Jahren tatsächlich live miterlebt – von schwarzen Parties kenne ich sowas in der Regel garnicht, auch Balzverhalten ist meistens subtiler und respektvoller und keinesfalls der scheinbar einzige Grund, sich in ein nächtliches Getümmel mit irgendwie tanzbar gearteter Musik zu stürzen. Es ist also nur eine logische Konsequenz, etwas zu meiden das einem nicht nur keinen Spaß macht, sondern stellenweise auch regelrecht auf den Zeiger geht. Wenns um das Thema „Party“ geht, habe ich bei normalen Leuten nicht selten schnell den Ruf weg, zu reserviert und spaßbremsig-distanziert zu sein – naja, dann ist das halt so – es macht aber doch schließlich keinen Sinn, sich durch was durchzuquälen was man im Grunde nicht ausstehen kann.

People_1714Mir sagt auch durchaus die sehr androgyne Grund-Ästhetik der Szene im Allgemeinen, ziemlich zu. Früher noch war mir das nicht so bewusst daß ich es auch formulieren hätte können, heute ist man dem eigenen Wesenskern wieder ein stückweit näher gekommen, und versteht, nach einiger Selbstreflexion auch eher, wieso die Szene ein stückweit auch zu einem sicheren Ort geworden ist. Hier ist das Überschreiten von binären Geschlechtergrenzen nicht nur eine Mode-Erscheinung, sondern für viele auch ein wichtiges Ausdrucksmittel ihrer selbst. Und da lässt man einander auch sein, wie und wer man ist. Tatsächlich ist der Großteil meiner Freunde und Bekannten irgendwo in der queeren Buchstabensuppe verortet, alle auf ihre eigene Art – und allein schon der Austausch persönlicher Geschichten und Ansichten ist ziemlich spannend, im Alltag gestaltet sich sowas weit schwieriger, bin ich ja selbst nicht grade ein Mensch der sich mit seinen biologisch vorgegebenen Voraussetzungen so richtig identifzieren kann, ich würde auch soweit gehen daß die Szenezugehörigkeit erstmal den nötigen Freiraum für Selbsterkenntnis überhaupt gegeben hat, und an einem gewissen Punkt auch den Mut, mehr und mehr davon an die eigene Oberfläche durchsickern zu lassen – was eine immens befreiende Angelegenheit ist, wenn man eine weitere unnötige Fassade (auch wenn die einem lange genug selbst nicht wirklich so bewusst war) endlich beiseite schieben kann. Diesen speziellen Freiraum sucht man im normalen Umfeld auch oft vergebens, oder man beißt auf verschiedenst geartetes Gestein …

 

Wie schon angedeutet – Kritik kann man auch an der Szene genügend loswerden, und nicht alles was „schwarz“ ist, ist deswegen auch jedergrufts Freund, in diesem Umfeld. Letztenendes treiben sich überall nur Menschen herum, ob man sich weiterhin da zuhause fühlt, oder weiterziehen möchte, ist die Entscheidung eines jeden selbst, angebrachte – oder auch manchmal weniger passende – Kritik hin oder her, das Feld zu räumen würde mir nie in den Sinn kommen, auch nicht dann wenn ich mich mal rar mache – schwarz bleibt nämlich schwarz!

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Neujahrs-Gewinnspiel – und ein blöder Jahresrückblick ;)

Hoppla – schon wieder ein Jahr vorbei? Wie konnte das passieren …

Und da sitzt man nun vor dem Bildschirm und fragt sich, wo das letzte so schnell denn nun wieder hingekommen sein mag …

Muss man da schon wieder einen Rückblick schreiben? Nun, müssen – sicher nicht, aber wisst ihr was – ich tue es dennoch!

Wie auch im Jahr davor ist zum schönen, altmodischen Bloggen einfach keine Zeit übrig geblieben, für dieses Jahr nehme ich mir schonmal vor, etwas öfter den Staub von diesem alten Ding abzuklopfen. Und so geht es gleich mal mit einem Gewinnspielchen in die Vollen.

Eigentlich geplant zum 1000sten „Like“ der Facebook-Seite des Zeitreisenden Nähkästchens, wird jetzt aus einfach nachvollziehbaren Gründen eine Neujahrs-Verlosung draus.

Und zu gewinnen gibt es den nachfolgend abgebildeten Mühlsteinkragen aus violetter Baumwolle, mit reichlich schwarzer Spitze und einer gestickten Bordüre aus vierblätterigen Kleeblättern – die dem/der Gewinner/in im neuen Jahr ordentlich Glück bringen sollen!

Zur Teilnahme habt ihr dazu zwei einfache Möglichkeiten:

Der Facebook-Seite des Nähkästchens ein „Like“ verpassen (wenn nicht sowieso schon passiert)

– dort den Post mit dem Bild auf dem eigenen Profil teilen – öffentlich sichtbar (sonst kann ich den geteilten Beitrag nicht sehen – als Nachweis daß geteilt wurde)

– optional: lasst mir ein paar Grüße auf meiner Seite da 🙂

Alternativ – für die Facebook-losen:

— weiterpetzen auf eurem eigenen Blog

– und dann hier kommentieren mit Link zu betreffendem Beitrag.

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Soviel zum „wirksamen“ Teil – jetzt kommt die lange Textwüste. Aber keine Sorge, es gibt auch Bildchen 😉

Tja, was ist passiert im letzten Jahr.

Einiges. Und wenig. Klingt komisch, ist aber so. Eins der absoluten Highlights war unbestreitbar der London-Trip im April, den ich vor allem Vicktoria zu verdanken habe – und nochmals an dieser Stelle lieben Dank dafür, ich denke immer wieder gern dran zurück und freue mich auch jetzt noch darüber 🙂 – was wir da so alles gemacht haben, kann man sogar im Blog nachlesen.

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Blaue Kiste am Earl’s Court

Danach folgten knapp vier Monate saisonaler Job am hiesigen Theater – den Luisenburg Festspielen. Natürlich im Kostüm. Also, in der gleichnamigen Abteilung, nicht komisch angezogen (wobei das natürlich immer im Auge des Betrachters liegt …)

Ich möchte dazu eigentlich nicht viel mehr schreiben, da man Bände füllen könnte mit Anektödchen und Geschichtchen, und nachdem ich imstande wäre, das auch zu tun, ersticke ich den Drang einfach mal im Keim, und sage – ich erzähl euch gerne mal was wenn wir uns persönlich treffen, beim WGT, oder sonstwo.

Es war auf jeden Fall eine ziemlich interessante, wenn auch teilweise harte und stressige Zeit

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Die Schneiderei auf der Luisenburg

WGT ist ein gutes Stichwort, oder bessergesagt, ein schlechtes, denn wegen oben genanntem Job fiel das, nach ganzen zehn Jahren in Folge, das erste Mal aus für mich. In diesem Jahr bin ich aber wieder dabei, und freue mich dafür umso mehr darauf!

Ein weiteres, ganz tolles Jahres-Highlight war am 24. und 25. Oktober dann die TimeLash – die erste deutsche Doctor Who Convention überhaupt. Diese fand in Kassel statt, und hätte eigentlich auch einen ganz eigenen Beitrag verdient gehabt, nur bin ich – wie zu anderen Gelegenheiten eben auch – irgendwie nicht dazu gekommen. Jedenfalls war es eine wunderbare, kleine und sehr freundlich-familiäre Angelegenheit mit tollen Gästen und einem Haufen gutgelaunter Besucher. Auch hier hatte man Gelegenheit, Leute die man sonst nur virtuell kannte, mal live und in Farbe zu sehen. Ein paar andere habe ich vor Ort garnicht erkannt – sollte sich da jemand angesprochen fühlen: es tut mir fürchterlich leid. Ehrlich. Ich bin kacke im Gesichter-erkennen und sage den Leuten meistens, sie sollen mich anlabern, da die Chancen sehr gut stehen, daß ich an ihnen einfach vorbeilaufe.

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Blaue Kiste in Kassel – und diesmal passend im 11. Doctor-Gewand

Trotzdem war die „Trefferquote“ relativ hoch an dem Wochenende, es gab einen Haufen schöner Gespräche, die oft dazu führten daß wir die Panels ganz verpassten (Memo an mich – eine Con ist kein WGT … oder? Irgendwie vielleicht doch, nur für Who-Fans, statt für Schwarzkittel. Naja, manchmal auch für letztgenannte, der Anteil anwesender Grufties war dann doch ganz stattlich), ein Cosplay-Wettbewerb bei dem ich Teil der Jury sein durfte, und bei dem wir Juristen wirklich hart geschwitzt haben bei der Preisvergabe.

Glücklicherweise wird es eine zweite Ausgabe geben, und zwar am 15. und 16. Oktober diesen Jahres – ich freu mich schon drauf und bin gespannt, welche Gäste dann (noch) eingeladen sein werden.

Amy (aber nicht "Pond") auf der TimeLash in ihrem maßgefertigten TARDIS-Kleid - vom Nähkästchen, natürlich :)

Amy (aber nicht „Pond“) auf der TimeLash in ihrem maßgefertigten TARDIS-Kleid – vom Nähkästchen, natürlich 🙂

Und natürlich darf man nicht vergessen – die Unterschlupfmöglichkeit bei BB in Kassel (schaut euch auch mal auf ihrer Seite um – es handelt sich nämlich auch um eine sehr liebe Kollegin) . Das machte das Wochenende gleich nochmal besser als es eh schon war – samt der Dreiergruppe jugendlicher Kater, die nachts nicht nur rumliegende Leute als Bett benutzten, sondern in ihrer Spielwut sogar ganze Daleks von den Tischen räumten 😀

Kater … ach bin ich heute gut im Überleitungen schreiben … ja, einen Kater habe ich nun auch wieder. Nein, natürlich nicht den von Neujahr, sondern schwarzweiß, flauschig, auf vier Pfoten und dauerhungrig.

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Findus – so heißt er – wohnte eigentlich bei den Nachbarn, doch wie das Katzen manchmal so machen, entschied er sich, das Zuhause zu wechseln. Das kürzt eine längere Geschichte jetzt zwar ziemlich ab, aber am Ende lief es eben auf das hinaus. Und in diesem Moment liegt der Flauschball, seines Zeichens Hauskatz-Maine Coon-Mischling (man beachte die winzigen Luchsohrpinselchen, die hat eine Hauskatze nämlich sonst nicht), friedlich auf dem Wohnzimmersessel und pennt.

So im Ganzen fällt auf – kein sehr „gruftiges“ Jahr, leider. Aber zum Abschluß gab es dann wenigstens doch noch einmal einen Göttertanz – nach drei Jahren Pause von meiner Seite – einerseits aus verschiedenen, persönlichen Gründen, andererseits auch oft genug unfreiwillig. Wie auch immer – es war ein phänomenaler Abend, die neue Örtlichkeit habe ich auch das erste Mal gesehen, und finde sie wirklich großartig. Viele altbekannte Gesichter aus den guten Top Act-Zeiten, aber auch komplett neue Leute, und die schöne, entspannte, freundliche Stimmung ist auch erhalten geblieben. Danke dafür, jetzt freue ich mich wieder auf die Göttertänze die da noch kommen mögen!
Für Bilder könnt ihr mal auf die Seite des Göttertanzes schauen.

Was fehlt noch?

Ach ja – Eumelchen. Wie konnte ich das vergessen …

Nach gut 15 Jahren verschlug es mich wieder zu einem alten Hobby – die Astronomie, und nach den ersten Spechtelversuchen mit der „alten“ Ausrüstung – einem Fernglas auf Stativ und mehreren Himmels-Atlanten, war klar – ein Teleskop muss (wieder) her.

Anno 1999 latschte ich noch, auf dem Weg zur totalen Sonnenfinsternis, mit einem „kleinen“90/900er Refraktor über die Schulter geworfen, und die Montierung unter den Arm geklemmt, durch Bayreuth. Mit Eumelchen, so fürchte ich, haut das nicht mehr hin – das ist nämlich etwas größer.

Aber nur ein ganz kleines bisschen.

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250/1250 GSO Dobson-Spiegelteleskop

Wirklich nur ein kleines bisschen … *hust*

Auch wenn das Wetter bislang nicht oft mitgespielt hat, und daher das gute Stück erst ganze viermal zum Einsatz kam, bin ich natürlich stolz wie Bolle auf das Teil. Also bleibt zu hoffen daß 2016 noch viele weitere klare Nächte bieten kann.


 

 

Tja, damit ist 2015 offiziell abgeschlossen.  Natürlich gibt es für das kommende Jahr wieder genug Pläne, wie WGT und die TimeLash und sicher auch andere Veranstaltungen.

Wie immer bin ich für Näh-Aufträge auch 2016 zu haben, zusätzlich werden aber auch die Shops auf Etsy und DaWanda mit fertigen Sachen weiter bestückt. Schaut einfach auch da mal vorbei, sagt es weiter, abonniert die Shops … auch ein kleiner Klick hilft dem Nähkästchen weiter 🙂

Ein wenig neues Gebiet betreten wir, indem einige Sachen auch zum Leih verfügbar sein werden – also nicht nur, wie bis jetzt nur für Models und Photographen die ich schon kenne, sondern offiziell gegen Leihgebüren. Wer sich das ansehen mag, sollte sich mal mein Profil auf Wishrent ansehen – da wird natürlich auch noch aufgestockt.

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Bild: Hadie van Bilderflut Model: Mimi Geißler

Für Fragen und Anregungen bin ich natürlich jederzeit offen – scheut euch also nicht, mir zu sagen, falls ihr etwas besonderes haben möchtet, oder sehen wollt. Vermisst ihr gewisse Farben, Größen oder Modelle in den Shops? Habt ihr Verbesserungsvorschläge?

Und wenn jemand gute Gelegenheiten hat, Flyer an den Mensch bringen zu können und auch zu wollen – Nachricht genügt, egal über welchen Kanal, ich schicke euch gerne welche zu oder nutze die Gelegenheit natürlich auch auf Veranstaltungen, bei denen ich selbst da bin, welche abzuwerfen (danke an der Stelle an Hannes für die spontane Auslage beim Göttertanz 🙂 )

Weiterhin sitze ich immernoch auf meiner Dauerbaustelle – der Homepage des Nähkästchens. Die soll heuer auch endlich mal angegangen werden. Also auch im kommenden Jahr viel zu tun, auch wenn es erstmal nach nicht so viel aussieht.

Der Blog soll ebenfalls wieder etwas häufiger genutzt werden, nicht nur für die üblichen Veranstaltungsberichte, sondern auch für Einblicke in die Werkstatt des Nähkästchens und was hier so alles entsteht. Vergesst den Blog also bitte nicht und schaut einfach mal wieder vorbei!

Ich hoffe natürlich auch, die Photoaktivität wieder etwas steigern zu können – meine eigene Photo-Seite kommt oft immer etwas kurz, zum Urbexen muss ich auch mal wieder kommen, und mit Leuten habe ich im vergangenen Jahr leider nur bei einem Shooting arbeiten können – dafür mit wirklich schönen Ergebnissen, denn Hika, eine liebe Kollegin vom Theater, wollte Gewand von mir gemacht, vor meiner Kamera ausführen.

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Danke dafür 🙂 – auch wenn ich noch ein paar Bilder schuldig bin zu bearbeiten ..

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein tolles, granatiges 2016 – haut anständig rein, habt Glück und Erfolg und alles was ihr euch noch so wünscht – und clear skies für die gleichgesinnten Astronomen, gut Licht für die Photo-Kollegen und alles was sonst noch so fehlt 🙂

So long, London, and thanks for the fish!

Geburtstage sind ja immer so ein Ding, und im Laufe der Zeit hat sich herauskristallisiert daß ich einfach keinen Bock habe, selbige zu feiern, zumindest nicht wenns um den herkömmlichen Kram geht. Liegt in der Familie, mein Vater hatte es einige Jahre lang vorgezogen einfach über den Tag wegzufahren und mein Onkel, verzieht sich bei Androhung von Verwandtschaft auch meistens blitzartig in seinen Wald.

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Flughafen Nürnberg – hier gehts recht beschaulich zu …

Zu meiner ganz besonderen Freude hat sich in diesem Jahr Chris aber etwas besonderes einfallen lassen und einfach mal einen kleinen Trip in meine Lieblingsstadt organisiert. Und ich muss sagen daß das nicht nur der beste Geburtstag seit Langem war, sondern auch ein ganz phänomenales Geschenk, für das ich auch allen meinen Freunden danken mag, die sich daran beteiligt haben. 16 Jahre ist es her daß ich zuletzt in London war und in den Jahren dazwischen hat es für eine weitere Reise einfach nie wirklich gereicht. Es war in jeder Hinsicht ein toller kleiner Ausflug und ich hoffe ihr findet an meinem gewohnt-ausführlichen Reisebericht auch ein wenig Freude 🙂

Das Nieselwetter am Vormittag des 17.04. hatte schon ein wenig was von dem was man allgemein dem Londoner Wetter so nachsagt, und so ging es nach dem finalen Einpacken dann gegen Mittag schonmal los auf die Reise in mehreren Etappen. So gesehen ist es schon heftig, wie viel Zeit man mit Warten vertrödeln muss und wie lang man sich den Hintern in diversen Fortbewegungsmitteln plattsitzt, doch da es immernoch niemand geschafft hat den Transporter zu erfinden, bleibt dies wohl einfach ein notwendiges Übel.

Wir trafen mehr als zeitig am Nürnberger Flughafen ein, sodaß wir noch einen Haufen Zeit totzuschlagen hatten. Auf der Aussichtsterrasse beobachteten wir ein paar startende und landende Maschinen, zusammen mit einem kleinen Grüppchen von Plane-Spottern, die die Flugzeuge mit langen Objektiven ins Visier nahmen, und witzelten schon in Vorfreude vor uns hin.

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und wir warten wieder …

Schließlich öffnete pünktlich zwei Stunden vor geplanter Abflugzeit der Schalter, wir verabschiedeten uns also erstmal von unseren Koffern und machten uns auf Richtung Sicherheitskontrolle. Mein letzter Flug ist etwa 20 Jahre her, daher gönnte ich mir ein paar Momente der Verwirrung bei dem ganzen Prozess, immerhin hatte sich der Flughafen von Nürnberg auch ziemlich verändert in der Zwischenzeit. Regelrecht unangenehm war jedoch die Sicherheitskontrolle, man wird händisch gefilzt und ich bekam zu allem Überfluß noch eine wenig sympathische und unterschwellig unfreundliche „Dame“ ab die abgesehen davon auch noch mit „Du“ daherkam – sonst bin ich da nicht empfindlich, aber wenn mir ausnahmsweise mal jemand so kräftig unsympathisch ist, störe ich mich an sowas auch mal.

Wenigstens ging es halbwegs zügig, da die Anzahl der anderen Fluggäste an der Abfertigung in Nürnberg wirklich überschaubar war. Und dann, die nächste Warterunde, der geplante Abfluftermin rückte näher, doch die Maschine wollte und wollte nicht ankommen. Knapp eine Stunde später als vorgesehen konnten wir dann endlich an Bord unseres „Vogels“ klettern, jedoch verzögerte sich der Start nochmals als der Pilot noch auf einen fehlenden Gepäckwagen warten musste, kurz nach 18:00 Uhr hob die Maschine dann endlich gen England ab.

Beim Start lies ich mich zu einem kleinen Ausruf der Freude hinreißen, der jedoch auf Unverständnis stieß, mal von Chris abgesehen, der das erste Mal überhaupt in einem Flugzeug saß. Der Rest der Passagiere schien gelangweilt lediglich irgendwie die gut eine Stunde und 20 Minuten hinter sich bringen zu wollen, und so war auch der Fensterplatz in unserer Reihe völlig verschwendet, der gute Mann döste fast sofort nach dem Start weg während wir uns die Hälse ausrenkten um einen Blick auf kleiner werdende Häuser und Straßen zu erwischen und den Durchflug durch verschiedene Wolkenschichten zu bestaunen.

Während wir in der Luft waren, bahnte sich das Flugpersonal mehrmals seinen Weg durch die Kabine, nicht nur um Getränke an die Gäste zu bringen, sondern auch um allerhand Kram, angefangen von Zeitschriften, über Rubbel-Lose bis hin zu Modell-Flugzeugen und Parfum-Sets, in handgepäcktauglichen, durchsichtigen Beuteln verpackt, loszuwerden. Kann man aber gut ignorieren.

Nach einer recht sanften Landung in Stansted hies es erstmal den Koffern am Gepäck-Karussell auflauern, dreimal griff ich dabei daneben und hatte das falsche Teil in der Hand, schätze daß das Köfferli für einen weiteren Flugeinsatz irgendwie dekoriert werden muss damit mir das nicht nochmal passiert. Und dann Tickets für den Stansted Express holen, der uns in knapp einer weiteren Stunde dann endlich nach London befördern sollte.

An und für sich ist mein Englisch wirklich ganz brauchbar, doch nach der ganzen Rumreiserei war ich geistig nicht auf einen Herrn eingestellt, der einen  so harten indischen Akzent hatte wie man ihn sonst nur bei überzogenen Klischee-Indern im Fernsehen zu hören bekommt. Das hatte zur Folge daß wir uns beim Ticket-Kauf etwas doof anstellten –  zum Schluß schafften wir es doch noch die erste Stange britische Pfund loszuwerden, einmal für Hin- und Rückfahrt mit dem Stansted-Express sowie einer Oyster-Card für jeden von uns, die für Busse und U-Bahn vonnöten war.

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Unser Zimmer – wir fanden es ganz nett

Dann die letzte Etappe via U-Bahn, Linie wechseln bei King’s Cross und am Russel Square, nochmal drei Stationen weiter, raus aus der Bahn und ums Eck der nächsten Strasse hatten wir dann auch schon unser Hotel im Blickfeld.

Ein charmantes, älteres Gebäude mit sechs Stockwerken, aussen knallrot gestrichen, innen irgendwie ganz typisch britisch mit dunklen Holzvertäfelungen, roten Teppichen und goldenem Zierkrempel. Auf einem Internet-Portal hatten sich reihenweise deutsche Gäste über das Hotel ausgelassen. Alles in allem konnten wir dem absolut nicht zustimmen, die Leute waren äusserst nett, alles war sauber und wurde instand gehalten, natürlich gibt es bei einem so alten Haus übliche Dinge wie mal ein Riß in dem Wänden oder eine abgeplatzter Lack-Fleck an der Heizung, doch große Aufreger waren das für uns jetzt nicht, ein supermodernes Nobelhobelhotel hatten wir auch nicht erwartet da wir ein solches eben nicht gebucht hatten.

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Der berühmte Piccadilly Circus

Lang blieben wir jedoch erstmal nicht auf dem Zimmer, eine kurze Instandsetzung unserer Personen später waren wir auch schon wieder in der Tube, diesmal gen Piccadilly Circus – ohne konkrete Pläne für den Abend, ausser Füße vertreten und frische Luft schnappen.

In unserem reisebedingt-matschhirnigen Zustand waren sogar die endlos aneinandergereihten Souvenirläden irgendwie spaßig. Die Gegend war vollgestopft mit Leuten, hupende Taxis und Doppeldeckerbusse schoben sich durch die Straßen, immer wieder ausgebremst durch Rikschas und lärmende Menschenmassen, Musik kam aus allen Ecken und Enden von Läden und Strassenkünstlern. Alles Zeug was ich im Normalfall hasse wie die Pest, hier jedoch war der Trubel irgendwie angenehm und man lies sich gerne mit fortspülen. Der Reizüberflutung letzter Stoß war dann die M&M’s World, aus der es beständig nach künstlichem Schokoladenaroma heraus roch, und drinnen brauchte man bei der ganzen Farbexplosion fast eine Sonnenbrille wenn einem seine Netzhaut lieb war.

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Blick von unserem Zimmer im Hotel

Wir als fränkische Dorf-Grufties sind es nun auch nicht gewohnt daß um 11 Uhr die Läden noch offen waren und die Leute auf den Strassen gefühlt eher mehr wurden denn weniger, denn auch in Bayreuth klappen sich ab einer gewissen Uhrzeit die Gehwege gefühlt nach oben, und in ländlicheren Gegenden ist es natürlich noch schlimmer – wer nach 6 Uhr noch einkaufen gehen möchte, hat da ganz großes Pech, nur die großen Supermärkte haben länger offen. Im Gegensatz zu dem kleinen Tesco-Markt gegenüber unserer temporären Heimat-Haltestelle, der schließt erst garnicht, und so konnten wir vor dem verdienden Matratzen-Abhorchdienst noch schnell einen Vorrat an Getränken eintüten.

Trotz der Betriebsamkeit die auch in unserer Strasse um diese Uhrzeit noch herrschte, und einer kleinen Auseinandersetzung mit den Kissen meinserseits, entriß es uns dann gar in den Schlaf.

Samstag morgen war das Reinigungspersonal schon Gewehr bei Fuß, noch bevor wir in vorzeigbarem Zustand waren.

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Bahnhof King’s Cross

Aber erstmal Frühstück. Im Ergeschoß angekommen fiel uns die kleine Warteschlange am Eingang zum Frühstücksraum auf – ein Kellner wies jedes Grüppchen der Reihe nach ein. Wir wurden ganz nach hinten durchgewunken, nachdem der Kellner nach einem Blick auf unser Frühstücks-Kärtchen „kontinentales Frühstück“ feststellte.

Moment mal, kontientales Frühstück? Nicht mit uns! Ich machte dem Kellner also klar daß wir uns für die englische Variante entschieden hatten,und so bekamen wir einen entsprechenden Stempel auf das Kärtchen und häuften uns daraufhin glücklich Baked Beans, Rührei, Toast und Würstchen auf die Teller die auf eine empfindlich hohe Temperatur vorgewärmt waren. Zugegeben, wer dort auf das kontinentale Frühstück wert legt, hat wirklich etwas Pech gehabt, das sah reichlich dürftig aus, mit der englischen Variante waren wir aber eigentlich ganz zufrieden.

Danach machten wir uns bei strahlendem Wetter und herrlich-blauem Himmel auf zur ersten Etappe – dem berühmten Highgate Cemetary, der mit der Tube in ca 20 Minuten plus einigen Geh-Minuten erreichbar war. Dummerweise fanden wir zunächst nur den Eingang des westlichen Teiles, welcher lediglich mitsamt einer Führung begehbar war. Die hatten wir nicht eingeplant, wird aber bei einem weiteren Trip nochmal nachgeholt. Daß der östliche Teil quasi hinter uns war, bekamen wir erst mit als wir einmal sehr großzügig um den Block gelatscht waren – zu unserer Verteidigung – der öffnete erst um 11 Uhr und wir waren einfach zu früh vor Ort. Und blindfischig obendrauf … adams

Der östliche Teil ist gegen einen Eintritt von vier Pfund selbstständig besuchbar, das Geld wir für die Instandhaltung der anlage verwendet, ebenso die 18 Pfund mit denen die Führung über den westlichen teil zu Buche schlägt. Dieser Friedhof ist im Grunde stillgelegt, auf dem östlichen Teil jedoch können noch Beisetzungen beantragt werden, unter gewissen Voraussetzungen. Anders als von deutschen Friedhöfen gewohnt (als Grufti hat man ja dann doch den einen oder anderen schonmal besucht) stehen die Gräber nicht in Reih und Glied, sondern sind krumm und schief ineinandergestapelt, zwischen verwitterten, victorianischen Kreuzen, die selbst oft schon einiges an Schräglage haben, sieht man moderne Anlagen. Und auch allerhand Berühmtheiten fanden dort ihre letzte Ruhe.

Ich gebe schamlos zu es im Grunde nur auf eine Ruhestätte abgesehen zu haben – und zwar die des großen Meisters, Douglas Adams.

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Malcolm McLaren ist auch in Highgate zu finden

Das Grab ist ziemlich unscheinbar, und so liefen wir ein paarmal dran vorbei bis Chris es endlich bemerkte. Wir zollten dem Mann, der nicht nur für Doctor Who in den 70ern arbeitete, sondern auch den „Anhalter durch die Galaxis“ so großartig zu Papier gebracht hatte, unseren Respekt indem wir Kugelschreiber in dem eigens dafür aufgestellten Behältnis hinterliesen.

Nach einer weiteren kleinen Runde kehrten wir zur U-Bahn Haltestelle zurück und fuhren Richtung Camden Town, nicht weit von Highgate entfernt.

Camden Town hatte ich anno 1999 schon ins Herz geschlossen, wenn man aussergewöhnliche Sachen sucht, wird man hier fündig, allerdings ist der Camden Market inzwischen fast nur noch mit Touri-Kram bestückt, sehenswert sind die kreativen Häuserfassaden der Läden und die Ansammlung alternativer Kulturen aber dennoch.

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Camden High Street mit seinen bunten Häuserfassaden

Die wirklich interessanten Stände und Läden findet man dann im Camden Lock und dem Stables Market, kurz dahinter. Natürlich ist auch der Teil wesentlich touristiger als damals noch, aber man findet immer wieder interessante Designer und kleine Läden die gruftöse Klamottage anbieten welche auch mal abseits von dem üblichen Einheitskram ist.

In einem Lädchen tue ich das was ich immer tue wenn ich Korsetts entdecke – ich fummle es gründlich an, prüfe die Stäbe und die Schließe und scanne die Verarbeitung ab. Kaum hatte ich angefangen, bittet mich die Verkäuferin schon weiter nach hinten zu kommen, denn vorne würden nur die billigen Teile mit Plastikstäben für die Touristen rumhängen, und meinem Gefummel entnahm die Dame schon daß ich mich auskenne. Ich gab mich also als Schneider und Designer zu erkennen, und schon waren wir im Gespräch. Die Dame ist Russin und sprach auch recht akzentfreies deutsch, nur bei diversen Fachbegriffen war dann Schluß, also machte ich trotzdem auf englisch weiter. Sie näht zwar das was sie verkauft nicht selbst, aber ein Teil der Designs sind ihre eigenen, und ich muss zugeben daß da einiges dabei war was wirklich sehr hübsch und aussergewöhnlich war.

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Ladendeko im Cyberdog

Zwei Läden weiter geriet Chris ob einiger opulenter Hüte und Federkrägen in Verzückung. Etwas Geduld muss man für Camden Town schon mitbringen, die Märkte sind seit meinem letzten Besuch enorm gewachsen und man verliert schnell den Überblick, noch dazu schieben sich auch hier Massen von Menschen durch die Gässchen. Der Umstand daß es Samstag nachmittag bei strahlendem Sonnenschein war, machte das Gedrängel auch nicht grad besser. Wir entdeckten den „Cyberdog“, einem schon bekannteren Laden für Rave- und Cyber-Klamotten. Nicht unser Stil, aber wir waren neugierig und sahen uns in dem weitläufigen Shop einfach mal um. Stellenweise fühle ich mich in die Rave-Szene Mitte der 90er zurückversetzt, nein, tragen würde ich das meiste was hier hing nicht wollen, aber die Ladendeko ist schon einen oder zwei Blicke wert – fotografieren darf man zwar in keinem der Läden, Chris lies es sich aber dennoch nicht nehmen zumindest die Cyborg-Figuren mal festzuhalten.

In den Stables finden sich dann auch die Second Hand Läden die ebenfalls typisch für Camden Town sind. Einer hat es mir besonders angetan, nur blöderweise hatte nicht nachgesehen welche meine englische Herrengröße ist, zwischen Nadelstreifenwesten, Tweed- und Samt-Jacketts, Fräcken, Einstecktüchern, Krawatten und Paisley-Schals gehe ich erstmal auf ausgiebigen textilen Tauchkurs – das Dandy-Herz schlägt höher. Letztenendes fiel die Wahl aber auf eine Melone, die wollte ich meinem Hut. Arsenal schon seit längerem mal hinzufügen, und es muss ja noch Geld übrigbleiben für den Who-Shop.

Einige mentale Notizen später schieben wir uns, schon etwas fußlahm aus dem Gedrängel hinaus, das gen Nachmittag immer dichter wurde. Da die Ladenbesitzer verständlicherweise was gegen Fotos haben, muss die gute alte Hirn-Festplatte ein paar Ideen abspeichern. Und dann sind wir wieder in der Tube, kleine Erholungspause auf dem Hotel-Zimmer ansteuern. Natürlich gehört der Wasserkocher zur Zimmerausstattung dazu, und so beschleunigte ein Tässchen Tee das Auftanken der Kraftreserven nochmal zusätzlich.

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Das London Eye – zum Glück ohne auch nur einen Hauch von Autons 😉

Danach steuerten wir ein paar der Londoner Sehenswürdigkeiten an, Houses of Parliament mit dem Big Ben, Westminster Abbey … der Himmel, strahlend blau und die Sonne stand schon so tief daß die Gebäude im Licht noch eindrucksvoller aussahen als sie es sonst schon tun.

An der Themse sieht man das London Eye, ein gewaltiges Riesenrad das innerhalb einer halben Stunde zahlreiche Touristen einmal nach oben und wieder nach unten befördert. Nur nicht gerade zu einem schlappen Preis. Dem geneigten Who-Fan ist das gute Stück sicher auch nicht unbekannt

Anno 1999 war die Konstruktion noch im Bau begriffen, und ich erinnere mich an das halb zusammengesetzte Gerüst des Rades das damals, halb über der Themse liegend, gerade montiert wurde.

Schließlich verschlägt es und zurück Richtung Piccadilly Circus und Leicester Square, wo sich Chris erstmal mit Anhängern berühmter englischer Königinnen eindeckt, und uns der knurrende Magen dann letztenendes in ein kleines Lokal treibt wo wir uns an Fish and Chips gütlich tun.

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Panorama vom Trafalgar Square

Zur Verdauung schiebe ich uns beide nochmal zum Trafalgar Square, natürlich eine der Sehenswürdigkeiten Londons, aber auch der Umstand daß einige Szenen des 50er-Jahre Specials von Doctor Who da gedreht wurden, treibt mich diesmal hin. Damals konnte man über einen Lifestream von einer nahegelegenen Webcam die Dreharbeiten mitverfolgen und beobachten wie ein Kran die TARDIS hoch- und wieder runtersetzte, mit einem Matt Smith der an der Unterseite vor sich hin baumelte.

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Fish and Chips müssen natürlich auch einmal sein – wenn auch nicht in der Mitnahmevariante in Zeitungspapier 😉

Damit entschieden wir uns auch schon, den Tag gar zu beenden, einen Abend im berühmten Slimelight hätte ich zwar auch gerne mal verbracht, doch nach einem Tag auf den Füßen hätten wir nicht sehr lange durchgehalten, besonders da am darauffolgenden Tag eine Walking Tour auf dem Programm stand für die wir halbwegs ausgeruht sein wollten.

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The Shard

Solche Touren gibt es in London zu den unterschiedlichsten Themen, vor 16 Jahren hatten wir die Kneipen-Tour gebucht, was jedoch etwas doof war, da man als junger Mensch kurz vor dem Abitur nicht grad genug Kleingeld hatte um so eine Tour komplett auszuschöpfen 😉

Diesmal hatte ich uns die Doctor Who Tour rausgesucht, in gut drei Stunden bekamen wir hier allerhand Drehorte und Anektoden zu sehen und zu hören. Am Bahnhof der London Bridge machte unsere Führerin mit einem hoch erhobenen Sonic Screwdriver auf sich aufmerksam und trommelte geschätzt 15-20 Leute zusammen. Aufgrund ihres Namens – Aimee – lies sie es sich durchaus auch gefallen, mit „Pond“ angesprochen zu werden, das Angebot in passendem Kostüm zu erscheinen nahm jedoch niemand unseres Häufleins wahr, eine Dame trug ein TARDIS-T-Shirt, eine andere den Schal des 4. Doctors, ein paar rote Chucks waren zu sehen und jemand brachte eine Tüte Jelly Babies mit. Ausserdem war es ausgerechnet an diesem Tag einfach erbärmlich kalt, was andererseits den Gedanken an fünf Meter Schal wieder recht reizvoll machte …

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Blick auf die St. Paul’s Cathedral – diesmal Cyberman-frei

Los ging die Tour dann in der Nähe des „Shards“, zu Sehen als in „Bells of Saint John“ der 11. Doctor mit seinem Antigrav-Motorrad die Fassade hinauffährt, von da aus steuerten wir zahlreiche Örtlichkeiten an, wie zB die St Paul’s Cathedral, in deren Nähe nicht nur die großartige Troughton-Episode „The Invasion“ gedreht wurde (beispielsweise die bekannteste Szene am Ende dieses Video-Ausschnittes zu sehen), sondern ebenso das Finale der 8. Staffel und auf einer Dachterrasse eines nahestehenden Hotels, ebenfalls Szenen aus „Bells of Saint John“. Die Locations waren zwischen neuen Staffeln und den alten Staffeln gut aufgeteilt, wir passierten das „Globe Theatre“ ebenso wie diverse Punkte entlang der Themse an denen vor dem Hintergrund der Innenstadt gefilmt wurde, ein weiteres Mal das London Eye, die moosbewachsene Betonstruktur der Hayward Gallery, die als Fassade eines futuristischen Gefängnisses  in der Pertwee-Folge „Frontier in Space“ diente – und dazu erzählte „Miss Pond“ noch eine kleine Anektode. Das BBC Team bekam seinerzeit zwar die Erlaubnis, dort zu filmen, aber es wurde ihnen untersagt Leute vom Set zu werfen, allerdings hatten etliche Obdachlose genau dort ihr Lager aufgeschlagen. Da man diese ja nicht einfach wegkomplimentieren konnte, kostümierte man so viele Leute wie möglich als Monster und Aliens, welche die armen Leut‘ dort einfach so verschreckten daß sie vom Platz freiwillig flohen – unterstützt von Kate Manning die schreiend hinterher lief und lauthals verkündete, die Erde würde gerade von Ausserirdischen übernommen – vielleicht keine sehr freundlich Taktik, aber effektiv war sie offenbar.

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Panorama beim Globe Theatre

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Wells cathedral

Wir stoppten am Clink Prison, welches heute ein Museum ist, und Drehort von „Talons of Weng Chiang“ war. Dort musste man seinerzeit ein parkendes Auto. dessen Besitzer erst nicht auffindbar war, als Heuhaufen tarnen.  Die Hausfassade die als Ersatz für 10 Downing Street herhalten musste, lag ebenso auf der Tour wie die kleinen Gässchen in den Docks, in denen Sylvester McCoy seinen Showdown mit den Daleks filmte sowie die Wells Cathedral aus „Lazarus Experiment, und noch eine Menge mehr.

Die Tour kann ich auf jeden Fall nur empfehlen, selbst wenn man weniger Fan der Serie ist, bekommt man genug Sehenswürdigkeiten mit und es fällt auch immer wieder die eine oder andere geschichtliche Information abseits von „Doctor Who“. Und natürlich ist es ziemlich cool an den Drehorten mal in Persona zu stehen.

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Das ehemalige Clink Prison

weitere Informationen dazu und die Möglichkeit diese zu buchen gibt es unter diesem Link.

Unser Tour Guide hatte sichtlich Spaß bei der Sache und ist natürlich selbst ein großer Fan der Serie, sie hatte einige Dreharbeiten auch selbst mit ansehen können als Zaungast und ein weiterer der Guides war bereits als Cyberman selbst involviert, dabei erfuhren wir noch daß die Choreographin, die den Darstellern den richtigen Cyberman-Bewegungsablauf beibrachte, wohl die Angewohnheit hat, denen die einen Fehler machen bei den Proben, einen Stock überzubraten, was offenbar anständig weh getan haben soll …

Nach den drei Stunden machten sich jedoch auch die Füße ziemlich unangenehm bemerkbar, also entschieden wir uns ein weiteres Mal für eine Zwischenpause im Hotelzimmer.

Glücklicherweise lies der schneidende Wind mittendrin dann auch nach und es wurde etwas wärmer.Wir schlugen uns erst zum „Forbidden Planet“ durch, einem Laden, randvoll mit allerhand Merchandise rund um SciFi und verwandte Dinge. Wenn mans drauf anlegt kann man da ganz schön Kohle lassen, ich beschränkte mich jedoch auf den Screwdriver des 4. Doctors, der fehlte mir noch, einem kleinen Plüsch-Dalek, ein paar Buttons und einer Classic-Trek Phaser-förmigen Schlüsselbund-Lampe. Bei der schieren Auswahl an Büchern, DVDs und BiFi’s zum Thema „Doctor Who“ im Untergeschoß fühlte ich mich erstmal etwas überfordert bei der Entscheidung was ich mitnehmen könnte, also lies ich das zumindest erstmal bleiben.

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Da saß der elfte Doctor mit Clara … tolle Aussicht sowieso.

Dann machten wir uns nochmal zu St Paul’s Cathedral auf und sahen sie uns auch mal von Innen an, danach zog es mich auf die Dachterrasse aus „Bells of Saint John“. Diese gehört zu einem obernobligen Hotel, dem  Grange St Paul Hotel , allerdings fanden wir auf dem Dach kein Cafe vor, wie in der Folge zu sehen, und selbst wenn dann hätten wir uns in dem Kasten sicher nichtmal ein Tässchen Tee leisten können, daher genossen wir da oben nur die Aussicht, machten ein paar Bilder und verschwanden dann wieder möglichst unauffällig. Zwei Häuser weiter liesen wir uns dann zum Essen fassen in einem ganz gemütlichen französischen Restaurant nieder, das zudem den Vorteil hatte daß es nicht so menschenüberlaufen war wie an anderen Ecken Londons.

Zum Abendausklang gurkten wir dann noche in wenig mit der Tube in der Gegend herum, zunächst nochmal zum King’s Cross, wo trotz der fortgeschrittenen Stunde und Sonntag der kleine „Harry Potter“-Laden immernoch offen und gut besucht war, inklusive der Fotowand für das Gleis 9 3/4, an dem immernoch massig Leute anstanden. Dann ab zum Earl’s Court – und das im Grunde nur um ein bestimmtes Bild zu schießen, nämlich vor einer blauen Polizei-Notrufzelle die dort direkt am Eingang der Station zu sehen war. Dort machten wir noch einen kleinen Verdauungspatziergang und bewunderten die britischen Wohnhäuser, liefen zu Station zurück und fuhren ein letztes Mal zum Hotel.

Und nach der dritten Nacht brach auch schon der Abreisetag an. Das letzte Frühstück im nun wesentlich dünner besiedelten Frühstückssaal, was wohl dem Montag geschuldet war. Der Kellner, der uns am ersten Tag schon den Platz zuwies, hatte es sich trotz dem heftigen Durchlaufes an Leuten am Wochenende dennoch geschafft sich zu merken, daß wir den letzten Tag da waren, und verabschiedete sich von uns zu unserer Überraschung sehr herzlich. Und nochmal muss ich sagen daß an dem Hotel wirklich nichts zu bemeckern war, aber wie gesagt – wer meckern möchte findet eben immer irgendwas um sich aufzuregen …

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Blaue Kiste am Earl’s Court 😉

Der Rest ging dann schnell vonstatten – im Koffer Lücken für die Einkäufe finden, alles verpacken, Koffer zu, letzter Kontrollgang im Falle vergessener Dinge – und schon schoben wir uns mitsamt Gepäck etwas wehmütig in Richtung Tube Station, bis zur Liverpool Street und dort bei wieder strahlendem und frühlingswarmem Wetter zum Stansted Express.

Bei Tageslicht konnte man dann erkennen wie riesig dieser Flughafen wirklich war. Wir brachten den Eincheckvorgang ein weiteres Mal hinter uns, nur daß sich diesmal Massen an Leuten vor den Schaltern drängten und auch an den Sicherheitskontrollen ein fast unübersichtlicher Betrieb herrschte. Wenigstens blieb uns diesmal eine Kontrolle wie die mit der pissnelkigen Dame in Nürnberg erspart, zum Einen wurde man nicht persönlich angegrabscht, zum Anderen fing ich mir erstmal ein Kompliment für meine Klamotten vom Herrn an den Kontrollen ein, bevor er mich äusserst höflich darum bat die Hosenträger abzunehmen um sie mit Tasche, Jacke und meiner Melone durch den Scanner zu schicken, was dann um Längen angenehmer war als sich von jemanden der sich wohl besser als Gefängniswärter hätte bewerben sollen, angegrabbelt zu werden.

Und dann hies es wieder warten auf den Abflug. Die letzten Pfund wurden für Sandwiches und Jelly Babies ausgegeben, dann beförderte uns eine automatische Bahn zu unserem Gate. Die Maschine hob diesmal pünktlich ab, und unsere Mitreisenden waren vom ähnlichen Kalliber wie auf dem Hinflug – der Herr auf dem Fensterplatz in unserer Reihe würdigte dem Ausblick ebenfalls keine einzige Sekunde, gegenüber wurde nach dem Start sofort die Sonnenblende nach unten gerammt. Und das Flugpersonal machte wieder seine Verkaufsrunden bis kurz vor dem Landeanflug auf Nürnberg. Der war aufgrund von Wind etwas holpriger, und so schüttelte uns die Landung diesmal auch recht unsanft durch. Immerhin, diesmal setzten zwei-drei Leute zum Klatschen für den Piloten an, die verkniffen sich das aber auch schnell wieder als weiter keiner so recht reagieren wollte – offenbar gehört das bei Billigfliegern auch nicht mehr zum guten Ton dazu …

Blieben nur noch die letzten Etappen, mit der hiesigen U-Bahn zu Chris‘ Auto, dann gen Pegnitz, Umschlichten in Eltern’s Auto und endgültig ab nach Hause.

Wehmütig weil das Wochenende so schnell vergangen ist, aber glücklich über ein paar schöne Erinnerungen und ein Wiedersehen mit London.

 

Der Reiseplan des Nähkästchens für 2015 … und ein paar Retrospektiven

Duckt euch, hier kommt ein Jahres-Resümee!

Naja fast, ich versuche mich diesbezüglich soweit kurz zu fassen, zumindest was die doch eher privaten Details angeht. Daher schmeiße ich lieber mehr mit Bildern um mich 😉
Dennoch dachte ich, das wäre eine gute Gelegenheit, die inzwischen meterdick angewachsene Staubschicht von meinem Blog zu kratzen, denn angesprochen wurde ich schon, ob ich an der Stelle so garnicht mehr aktiv sei – nun, man hat eben nicht für alles Zeit, und auch wenn es mich inzwischen auch auf Tumblr verschlagen hat, so liegt im eher altmodischen Bloggen doch noch ein größerer Reiz.

Wie auch immer – in welche Richtung das an der Stelle hier in Zukunft gehen wird kann ich noch nicht sagen, schreibe ich weiter frei von der Leber weg oder konzentriere ich mich mehr auf die Weitergabe von beruflichen Neuigkeiten aus meiner Werkstatt … ich werde mich da selbst mal überraschen lassen.

Festtagsfotografien_Marc und Melanie-27_klJedenfalls, um auf das vergangene Jahr zumindest ein wenig zurück zu blicken – es war schlichtweg unspektakulär, gab schon schlimmere, aber auch bessere. Insgesamt ist das das erste Jahr mit eigenem Gewerbeschein gewesen – die große Menge an Aufträgen hat dieses Jahr noch nicht gebracht, aber das war zu erwarten. Immerhin waren ein paar sehr schöne Projekte dabei, allen voran wohl das Brautkleid für Ravianna’s Cosplay, passend zu dem Fimmel für „Doctor Who„, den wir beide teilen, im Design der TARDIS.

Das tolle Bild ist im Übrigen von Festtagsfotografien.

Es gab auch Bilder von Modell-Klamotten, sprich Teile die nicht im Auftrag entstanden sind, und auch nicht zum direkten Verkauf gedacht waren. Für die Werbung, sozusagen. Auch wenn sich da ebenfalls noch nicht so viel getan hat, so sind die Bilder die ich bekommen habe, allesamt schonmal richtig schön geworden – an der Stelle ein großes Danke an Hadie van Bilderflut und Karina Mala, und auch an Ellie van Absinthium sowie Dark Intense.

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Die ersten Bilder allerdings erreichten mich von Mademoiselle Karma, die mir vor genau einem Jahr ein Kleid aus meinem eigentlich privaten Fundus abkaufte, als ich noch fragte, ob ich mal ein paar Bilder sehen dürfte, falls es mal welche gäbe, dachte ich nicht daß ich ein absolutes Hammer-Set zu Gesicht bekommen würde – welches von Knochensäge-Fotodesign geschaffen wurde.

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Aber auch den Models und Fotografen, die sich für noch kommende Bilderaktionen bereit erklärt haben, möchte ich schonmal im Vorraus danken, und ich bin sehr gespannt welches Bildmaterial wir zusammen, Euch dann anno 2015 noch so präsentieren können.

970758_512675112174971_1841118232_nPrivate Nähereien sind im vergangenen Jahr natürlich auch entstanden, etliches davon für den alltäglichen Kleiderschrank – die großen Projekte blieben aber auch nicht ganz aus, nur diesmal fielen die nicht gruftig sondern Who-lastig aus. Allen voran ein komplettes Gewand des vierten Doctors, seinerzeit zwischen 1974 und 1981 von Tom Baker verkörpert, welcher auf der Leipziger Buchmesse dann ins Getümmel geschickt wurde, zusammen mit vier anderen, wunderbaren Doctoren (Gruppenbilder und alle anderen Beteiligten sind hier zu sehen: Doctoren auf Kaleneas Tumblr – an meine Bilder komme ich gerade nicht ran).

Und ich hoffe sehr daß es im kommenden Jahr noch ein paar Gelegenheiten gibt, den vierten Doctor aus meinem Schrank zu lassen, besonders auch weil der natürlich noch ein anständiges Shooting benötigt.

Dieses hat aber mein 11. Doctor schon hinter sich.

Die Bilder sind von Uwe Boll, entstanden am Tag des Auftaktes der 8. Staffel, der auch bei uns im Kino gezeigt wurde – was dann auch der erste Einsatz für den 11. Doctor war, der von 2010 bis 2013 von Matt Smith – dem bis dato jüngsten Schauspieler in der Geschichte des Timelords, gespielt wurde.

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In Foto-Dingen war das Jahr auch wenig nennenswert, abgesehen vom WGT bei dem einmal wieder Hester jede Menge großartiger Bilder gemacht hat, aber auch im Zuge zweier kurfristig vereinbarter Shootings zumindest ein paar sehr schöne Fotos entstanden sind – der Dank dafür geht einmal an Anita Stellmacher für das Paarshooting mit Chris und mir, und an Crescentia Moon für ein sehr kreatives Mini-Shooting auf dem Südfriedhof in der Gluthitze des Montages.img_4335 bea init

Ein paar weitere Ausflüge gab das vergangene Jahr noch her, wie beispielsweise das Maschinenfest in Oberhausen und das dann eher vor der Haustüre gelegene Festival Mediaval – vielleicht finden sich ja dort in diesem Jahr ein paar bekannte Gesichter mehr ein.

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Schon allein aus dem Grunde daß dieses Jahr das WGT leider recht sicher für mich aus der Planung rausfällt. In all den Jahren in denen das schon auf der Kippe stand, gelegentlich, gab es zwar immer wieder Möglichkeiten alles doch noch hinzubiegen, heuer aber fällt das auf die Spielzeit der Luisenburg Festpiele, bei denen ich in der Kostümabteilung sein werde – was konkret bedeutet daß für diese ca drei Monate wohl kaum ein freier Tag drin sein dürfte.

Doch ausserhalb davon sind heuer natürlich auch wieder Ausflüge geplant, in welche Richtung ist noch nicht bekannt, doch ich hoffe sehr daß man da einige Treffen nachholen kann, die sonst immer im Rahmen des „großen Familientreffens“ stattgefunden haben.

Und einige andere Dinge stehen für das kommende Jahr natürlich auch noch auf der Liste, hauptsächlich auch hier im geschäftlichen Bereich. Das erste Jahr eigenes Gewerbe war zugegebenermaßen etwas unorganisiert und aus verschiedenen Gründen chaotisch, was letztenendes aber eine gute Erfahrungsbasis ist um es jetzt im nächsten Jahr stellenweise einfach anders anzugehen.

_DAS2606_kDa wäre einmal die Beseitigung diverser virtueller Baustellen, wie meine neue Homepage, die jetzt natürlich kaum mehr private Dinge enthalten wird, sondern rein als geschäftliche Seite laufen soll. Hobbydinge wie meine eigenen Fotos findet ihr hier und meine Kurzgeschichten werden wohl hier auf dem Blog eine neue Heimat finden – so sie denn noch gelesen werden möchten. Weitere angefangene Schreibereien liegen auch noch herum, sollte sich also mal ein wenig Zeit dafür erübrigen lassen, gibts nach langer Pause auch wieder mal derartiges zu Lesen.

Einigen fiel sicher schon auf daß die Seite unter der Domain „rosa-chalybeia.de“ schon seit längerem mausetot ist. Zum Einen lag das an dem leider recht unzuverlässigen Provider meines vorherigen Webspaces, von dem ich mich aus diesen Gründen schon lange trennen wollte, zum anderen wäre – aus Gründen der besseren Merkbarkeit, zumindest eine zweite Domain noch dazugekommen. Womöglich schleppe ich die alte Domain noch mit, aber im Moment liegt mir daran nicht mehr so viel, was auch mit einem „Namenswechsel“ zu tun hat, der sicher inwzischen kaum jemandem entgangen sein dürfte. Die näheren Gründe dafür möchte ich hier jetzt nicht ausbreiten, wen es interessiert, der darf mich privat danach fragen.

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Eins der wenigen alltäglicheren Bilder 😉

Jedenfalls ist die neue Seite nun unter  www.das-zeitreisende-naehkaestchen.de  zu finden – wie man sieht, sieht man aktuell da noch nicht soviel, denn genau das ist aktuell die größte virtuelle Baustelle, für die ich aber auch weiteres Bildmaterial von meinen Modellkleidern benötige. Wenigstens aber gibt es nun wieder eine offizielle Kontaktmöglichkeit via Mail, über die man sich gerne bei Auftrags-Anfragen melden kann.

„Modellklamotten“ sind ebenfalls ein gutes Stichwort, denn ohne die einen oder anderen Pläne werde ich das zweite Jahr nicht nochmal verbringen. Konkret geplant ist hierfür eine kleine Kollektion ganz im Stile der Anfänge der Grufti-Szene, sprich es wird einiges geben das von den „schwarzen 80ern“ inspiriert sein wird. Das Projekt soll bis zum Anfang des Jobs am Theater soweit durch sein daß ich danach einiges anbieten kann, womöglich einzelne Teile schon vor dem WGT – Pluderhosen kann ich euch traditionsbewussten Grufties aber durchaus jetzt schon anbieten 😉 – ihr müsst mir nur eine Nachricht schicken.

Fertige Teile landen dann erstmal in meinem DaWanda-Shop, den dürft ihr euch auch gerne schonmal merken, denn so leer wie der im Moment noch ist, wird er auch ganz sicher nicht bleiben 😉

Natürlich bleibe ich dennoch für historisches Gewand und Korsetts zu haben, nur lohnt es da weniger, fertige Sachen auf Lager anzufertigen, das verbleibt dann bei den Maßaufträgen auf Anfrage – ebenso bin ich für so ziemlich alles andere offen, auch hier genügt eine Nachfrage.

Ich hoffe jetzt natürlich daß sich die Waver unter dem Schwarzvolk über die vorangegangene Ankündigung freuen – ich bin auch immer für Vorschläge offen, denn letztenendes muss ich auch abtasten was ihr, die ihr potentielle Interessenten an solchen Klamotten, seid, am liebsten haben möchtet. Also scheut euch nicht mir einen Kommentar dazu zu hinterlassen.

Soviel zu den Plänen des kommenden Jahres – wohin der Wind einen letztenendes treibt, kann man natürlich nie mit Sicherheit sagen, aber – ausnahmsweise habe ich ein gutes Gefühl und bin gespannt darauf, ich hoffe also daß es da draussen wieder Leute gibt die mich unterstützen, und sei es nur durch Weitersagen, Beiträge teilen oder Verlinkungen – all das hilft und ich hoffe ihr versteht daß der Weg den ich gewählt habe nicht der einfachste ist und der auch ein großes Maß an „sich sichtbar machen“ erfordert. Ich bin kein großer Laden, ich bin ein Ein-Mann-Betrieb der im Grunde das vorhat wofür die Szene eigentlich stehen sollte – Individualität und handgemachte Dinge.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein erfolgreiches und spannendes Jahr 2015!

Die eingeschworenen Jungfrauen von Albanien

Es ist nun schon eine ganze Zeit her da ich mit dem Artikel über die „Two Spirits“ meine Kategorie „Graustufenbetrachtungen“ eröffnet hatte. Seitdem setzten einige angefangene Artikel zu diesem Thema virtuellen Staub an, aber wie es eben so ist, die Muse zum Schreiben habe ich nicht so häufig, besonders wenn es sich um derart komplexe Themen dreht. Dennoch ist es jetzt sehr an der Zeit, mal einen herauszuangeln und zu vervollständigen, damit diese neue Kategorie nicht ganz einschläft.

Doch erstmal eine kleine Einführung in die „Graustufenbetrachtungen“:

Daß es zwischen den biologischen Geschlechtern von Männlein und Weiblein noch mehr gibt, hält man ja oftmals gerne für eine moderne Spinnerei von Leuten die sonst nicht viel zu tun haben, allerdings, da mich das Thema schon sehr lange beschäftigt, möchte ich dieser Meinung entgegensetzen, daß es sogar sehr viele Kulturen gibt welche ein drittes Geschlecht kennen, das sich nicht an biologische Tatsachen festmacht, sondern am Selbstempfinden mancher Personen, besser noch, gerade bei vielen sehr alten Kulturen waren solche Phänomene nicht nur gewissermaßen normal, sondern oft auch gesellschaftlich hoch angesehen – erst der Einzug der westlichen „Kultur“ minderte das Ansehen solcher Personen,  schlimmer noch, deren komplette Auslöschung war ebenfalls in manchen Fällen eine traurige Konsequenz.

Daher möchte ich mit meinen Graustufenbetrachtungen dem Ansehen solcher Selbstdefinitionen als aufmerksamsheischendes Wohlstandsphänomen die Vorstellung von dritten Geschlechtern in besagten anderen und alten Kulturen entgegensetzen. Ich bemühe mich, selbiges möglichst neutral zu tun damit sich jeder seine Meinung bilden kann – über die darf auch sehr gerne diskutiert werden, solang dies ebenfalls sachlich und in angemessenem Tonfall geschieht. Den Zusatz halte ich für wichtig da mir bei meiner Beschäftigung mit solchen Themen immer wieder bösartige Bemerkungen und Beleidigungen untergekommen sind, die oft von Menschen kommen die sich nicht näher damit befasst haben und sich meistens sofort nicht nachvollziehbar persönlich beleidigt fühlen – doch wie bei der Diskussion um die Hochzeit gleichgeschlechtlicher Paare trifft eigentlich auch hier zu daß, nur weil einige Menschen nicht in die Schubladen Mann oder Frau passen – können oder wollen – das nicht heißt daß diese die Identität der vielen Cis-Menschen da draußen in Frage stellen. Oft wird befürchtet, es ginge um eine generelle Gleichmachung von Mann und Frau. Soweit es solche Ansätze gibt muss ich sagen, daß ich selbst ebenfalls absolut dagegen bin, und ich hege keine feministischen Gedanken, da vieles aus der Ecke bei Weitem schon über das Ziel hinaus schießt.

Ich möchte lediglich ein wenig den Horizont erweitern und hoffen, ein wenig beizutragen, das Menschen die sich irgendwie unter dem großen genderqueer-Schirm zuhause fühlen, akzeptiert werden und vielleicht auch verstanden werden. Es geht, wie der Vulkanier sagt, eher um unendliche Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination 😉  –  sprich um mehr Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung, nicht aber darum, den waschechten Kerlen und Damen da draussen ihre eigene Identität zu nehmen. Auf friedliche Koexistenz aller Selbstdefinitionen und persönlichen Darstellungsformen!

Soweit zu meiner kleinen Einführung zu den Grauzonen – und damit geht die Reise auch bereits los, und zwar nach Albanien.

Das etwa 28.748 Quadratkilometer große Land im Südosten Europa war nach dem zweiten Weltkrieg unter Enver Hondxa kommunistisch regiert. Zuvor schon lebte der Großteil der Bevölkerung auf dem Land, wonach sich auch bis 1990 nicht sehr viel getan hat. Heute noch prägt dies dieses von vielen Kriegen und Krisen geschüttelte Land.

Der Kanun, eine zunächst mündlich überlieferte Zusammenfassung von Gesetzen, welche es seid dem 15. Jahrhundert gibt, regelt heute auch noch im Norden Albaniens, weit ab von den großen Städten, das Leben. Hier gibt es Regeln zum Zusammenleben, Familienhierarchie, soziale Ordnung, Rituale und Feste, aber auch die Blutrache, die ebenso noch ausgeübt wird.

Für diese archaische Praxis der Vergeltung war Albanien oft genug in der Presse vertreten, oft gingen die Fehden so weit, daß sämtliche volljährige männliche Mitglieder der einzelnen Familien ausgelöscht wurden.

Frauen jedoch kommen nach dem Kanun nicht gerade gut weg, sie haben kaum Rechte, dürfen keine Uhr tragen, nicht rauchen, nicht trinken und auch nicht erben. Entsprechend darf eine Familie ohne volljährige Männer nicht sein, da die verbliebenen Frauen kein Recht am Besitz der vormaligen Familienoberhäupter haben, deren sie sich generell unterordnen müssen.

So heißt es  im Kanun:

„Eine Frau ist wie ein Sack der zu Ertragen hat“

Doch im Kanun gibt es eine ungewöhnliche Regelung – so muss die älteste Tochter vor dem Ältestenrat der Gemeinde den Schwur ablegen, niemals zu heiraten und keinen Sex zu haben, fortan Männerkleidung tragen und sich als Familienoberhaupt benehmen. Sie wird zur „eingeschworenen Jungfrau“ – oder „Burrnesha“ oder „Virgjinesha“ in der Landessprache.

Aber nicht nur die Folgen der Blutrache war Grund für das Ablegen des Schwures. So sind in Albanien Ehen oftmals arrangiert worden, und für Frauen gab es keine Möglichkeit dieser zu entgehen, da sie sonst die gesamte Familie entehrt hätte – ausser sie wurde zur eingeschworenen Jungfrau.

Viele Frauen gingen diesen Schritt aber auch um frei leben zu können, da den Burrneshas die gleichen Rechte wie Männern zugesprochen wurden. Sie durften Waffen tragen, sich unter Männern aufhalten, das Erbe antreten und hatten einen Sitz im Rat der Gemeinde, in Vertretung der Familie. Sozial galten die eingeschworenen Jungfrauen auch als Männer. Mit der Übernahme der männlichen Rechte kamen aber auch die Pflichten hinzu, was auch die Weiterführung von Blutrache-Fehden beinhaltete.

Diese Art von institutionalisiertem Rollentausch ist in Europa einzigartig und wurde lange Zeit übersehen. Erst zur Jahrhundertwende gab es die ersten Berichte von Forschern und Reisenden, jedoch wurde das Phänomen auch im Folgenden nicht näher untersucht, zum Teil auch weil unter der kommunistischen Diktatur die Presse stark eingeschränkt wurde und Reisen in den Norden des Landes sehr streng reglementiert wurden.

Heutzutage stirbt die Tradition aus, und mit ihr die eingeschworenen Jungfrauen von denen es angeblich noch um 30 bis 40 in Albanien geben soll, allesamt in sehr fortgeschrittenem Alter. Auch weil mit dem Fortschritt die Frauen mehr Rechte bekommen und auch ohne den Rollentausch freier leben können als in früheren Zeiten.

Natürlich kann man sich fragen, inwiefern diese Praxis wirklich etwas mit Transgender im Weitesten Sinne zu tun haben soll, denn nicht jede Frau hat diesen Schritt freiwillig gemacht. In den Dokus und Berichten die es gibt, sagen einige auch aus, daß sie lieber als Frauen weitergelebt hätten, , aber im Gegenzug nutzen auch Frauen, die sich sowieso mehr als Mann fühlten, das Ablegen des Schwurs als Mittel, so zu leben wie sie es wollten. Ein Großteil wird sich sicher aber eher mit der Rolle arrangiert haben, um dem repressiven Leben in der Frauenrolle zu entgehen. Den Bildern kann man jedenfalls entnehmen, daß vom Frau-sein bei keiner der abgelichteten Personen mehr viel zu erkennen ist. Und dabei hat der Rollenwechsel rein garnichts mit operativen Maßnahmen oder Hormonbehandlungen zu tun, da er jahrhundertelang so praktiziert wurde und in den Abgelegenen Regionen Albaniens die Möglichkeit solcher Methoden gänzlich unbekannt ist.

Doch auch wenn die archaischen Praktiken in Albanien langsam in Vergessenheit geraten, von den restlichen eingeschworenen Jungfrauen würde keine ihren Schwur zurücknehmen, was heutzutage immerhin noch als Ehrverlust angesehen wird, stand in früheren Zeiten unter Todesstrafe.

Hier gibt es noch mehr Bilder und Berichte zum Thema:

http://www.zeit.de/gesellschaft/2013-06/fs-sworn-virgins-hristova-2

http://www.stern.de/panorama/frauen-in-albanien-das-leben-hat-sie-zu-maennern-gemacht-660047.html

http://www.demotix.com/news/555889/burrnesha-sworn-virgins-albania#media-555879

http://www.photoscala.de/Artikel/Burrnesha-die-Mann-Frauen-Albanien

Einige Studien gab es schon zum Thema ob Geschlechterrollen anerzogen und kulturell vorgegeben sind, oder biologisch verankert. Je mehr ich mich mit derartigen Themen befasse, umso mehr bin ich mir sicher daß de Wahrheit irgendwo überall dazwischen ist und eben auch sehr individuell bestimmt. Der tragische Fall von David Reimer scheint ein deutlicher Beweis gegen das Argument des anerzogenen Geschlechterverhaltens zu sein, aber ich denke es ist gerechtfertigt, das Experiment – so schrecklich das in dem Falle klingt – zu kritisieren. Niemand von uns lebt in den widrigen Umständen wie im albanischen Norden, wo man als Frau keinen anderen Ausweg hat. Sicher litten viele unter ihrer neuen sozialen Rolle, aber auch viele haben sie willkommen geheißen. Wenn ich so hätte leben müssen, ich hätte garantiert den Eid abgelegt, die „Auflagen“ jedenfalls würden mir nicht schwer fallen … aber ich bin natürlich froh, da zu leben wo ich es tue.

Womöglich sind manche, wenn nicht die meisten Menschen, gerade in unserer Kultur, fest überzeugt von ihrer Identität, und das ist auch gut so, aber eben nicht alle. Es ist toll wenn man weiß wer man ist, ganz egal ob das konform geht mit der Biologie oder nicht, ich wünsche mir nur daß Leute die aus freien Stücken über die Grenzen ihrer biologischen Gegebenheiten hinaus gehen, nicht so anfeindend kritisiert werden. Kritik an sich ist OK und Hinterfragen auch, aber ich denke, man kann Anstand bewahren wenn man das tut.

Der Umstand der eingeschworenen Jungfrauen ist vor dem Hintergrund der sozialen Begebenheiten in Albanien und der Mentalität dort natürlich auch hinterfragenswert und diskussionswürdig. Ich verstehe auch daß viele Stimmen entsetzt sind daß Frauen in den Rollentausch getrieben wurden, aber bevor man urteilt sollte man sich anhören was die Betroffenen sagen, und auch in unserem Kuturkreis erst nachfragen, bevor man sich ein Urteil darüber erlaubt daß ein Bio-Kerl feminine Züge an den Tag legt, oder eine Bio-Frau sehr maskulin aussehen mag. Oder man sich frei dazwischen ausleben möchte. Schadet doch keinem …

Maschinenfest 2k13

IMAG0082_kl On the road again – nach nervigem Umzugskisten-Schleppen und einem Haufen weiterer Unerfreulichkeiten, war es endlich mal wieder soweit, Chris und ich begaben uns gen Nordrhein-Westfalen, um dort ein dreitägiges Festival zu besuchen.

Diesmal nichts mit neoklassischen Klängen und Leuten in aufwendigen Roben, keine Foto-Menschen auf Safari, kein edler, historischer Saal.

1999 fand das Maschinenfest zum ersten Mal statt, seitdem  finden sich jedes Jahr zahlreiche Bands aus dem Industrial-Umfeld und Fans dieser Musiksparte in der Turbinenhalle in Oberhausen ein.

Ich selbst hatte schon seid einigen Jahren vor, mir das mal anzusehen, doch wie es immer ist – nie wollte es organisatorisch gesehen hinhauen. Ein Glück daß Chris sich für solche Musik ebenfalls begeistern kann, und so haben wir es in diesem Jahr dann endlich geschafft,d en knapp fünfstündigen Fahrweg bis Köln auf uns zu nehmen, wo uns ein Bekannter liebenswerterweise beherbergte. Von da aus ist Oberhausen nochmal 45 Fahrtminuten weg, nicht ganz ohne wenn man das dann drei Tage fahren muss, besonders beim Rückweg, aber noch im Rahmen.

Jetzt aber moment mal – Kalkleisten und Romantik-Grufties auf einem Industrial-Festival?

Ja, das passt sogar sehr gut zusammen, wie uns dann auch einer der Künstler am letzten Tag noch eindrucksvoll bewiesen hatte 😉 – aber dazu später mehr – nur soviel dazu – wer sich mal die Playlisten diverser Götteränze ansieht, stellt schnell fest daß da mehr echter Industrial gespielt wird, als auf puren Cyber-Parties – man denke da an Sephiroth, Test Dept oder Mental Measuretech …

Aber zurück zum Anfang.

Donnerstag morgen, der 10. Oktober, gegen 11:00 Uhr, ich fummle noch schnell meinen Schlips zurecht, und dann geht es los.

Die Fahrt ist unspektakulär. Es regnet teilweise in Strömen, mittendrin kommt sogar auch mal ein Fetzerl Sonne raus, zähflüssiger Verkehr kurz vor Köln, aber es wird aus, und so schlagen wir irgendwas vor 18:00 Uhr in Köln Vogelsang auf. Ziemlich kaputt, ebenso unser Gastgeber der sich kurz darauf mit Grippe in die Arbeit schleppen darf und somit uns sein Domizil überlässt.

Wir decken uns noch kurz beim Supermarkt mit Frühstück und Wein für den Abend ein, dann machen wir ausgiebig Gebrauch von Watchever und lassen den Abend mit „Little Britain“ und einem Schluck trockenen Weißen ausklingen. In der Turbinenhalle wäre eine Warm Up Party, doch Chris hat vom Fahren die Nase voll – was auch völlig verständlich ist. Ich bin auch platt, und gegen 23:00 Uhr fallen wir um.

Die Tage beginnen allesamt sehr gemütlich, da die Konzerte erst gegen 18:00 Uhr anfangen. Wir verbringen den Freitag-Vormittag mit Doctor Who und einem Abstecher nach Köln um zu Frühstücken. Dazu verschlägt es uns in eine kleine Bäckerei mit SItzgelegenheiten, nahe der Oper. Mir fällt auf wie ungemein offen und freundlich die Leute sind – womöglich ist am Klischee des grumpfigen, miesmutigen Franken ja doch was dran 😉

Neben uns hat sich ein Grüppchen Iren breit gemacht die sich viel  Mühe geben den ganzen Laden zu unterhalten. Wir erfahren daß sie für ein Fußballspiel angereist sind, natürlich passend gekleidet in den Nationalfarben und mit einem Aufblas-Hammer im Gepäck.

Ich schlürfe an meinem Tee und grinse, die Herrschaften sind zwar redseelig, aber auf sehr sympathische Weise.

Wir machen und am Nachmittag dann ganz gemütlich fertig, Chris passend für Tzolk’In mit Turban und Pluderhosen, und ich im Anzug, da fühl ich mich momentan am Wohlsten drin und auf herbes Auftakeln habe ich keine Lust, ich bin noch ein wenig angeschlagen.

Gegen 16:00 Uhr fahren wir dann nach Oberhausen, 45 Minuten Fahrzeit sagt das Navi, die doppelte Zeit via Landstraße. Schon bei der Auffahrt auf die Autobahn stockt der Verkehr. Und es will nicht besser werden, alle 5 Kilometer haben wir einen kurzen Stau, es nervt. Die letzte halbe Stunde geht dann über Landstraße. Zwei volle Stunden hat es gebraucht bis wir da waren, und das war schon sehr nervtötend. Aber immernoch rechtzeitig zur ersten Band – sofern man das als „Band“ bezeichnen kann, denn die meisten Elektro-Künstler sind Einzelgänger und schrauben auf der Bühne ihre Klangteppiche zusammen.

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Der erste Künstler – Person Unknown – macht seinem Namen alle Ehre und taucht mit weißer Maske auf der Bühne auf, ob er darüber eine Sonnenbrille trägt oder die Maske bemalt ist, kann ich nicht erkennen, er sieht aus wie das typische Alien mit den großen schwarzen Augen.

Aber ein super Einstieg. Die Turbinenhalle ist die perfekte Location für diese Musik. Die Bühne ist bis unter das Dach mit Elementen von Bauzäunen dekoriert, auf denen die beeindruckende Lichtanlage herumspielt.  Besonders übel sind einige grellweiße Scheinwerfer die gelegentlich im Takt als Stroboskobe geschaltet werden, zum Einen brennen sie sich schwer in die Netzhaut wenn man sich gerade ans Dunkel der Konzerthalle gewöhnt hat, zum Anderen wird einem tatsächlich schnell mal schwindlig davon, besonders wenn die Musik ihr Übriges tut.

Wir sind hier in einer äusserst dystopischen Parallelwelt gelandet,  wo die Farbe von den Wänden blättert und nackter Stahl die beeindruckende Halle stützt. Beton unter den Pikes. Vor der Bühne ist noch immer der alte Lastenkran installiert, Marke M.A.N, Baujahr 1920. Und er funktioniert noch – wie wir an dem Wochenende mehrmals zu Gesicht bekommen. Chris und ich sind sofort begeistert von dem alten, industriellen Bau und der schneidend kalten Atmosphäre – halbwegs zumindest, denn die Temperatur ist ziemlich niedrig und will auch bei ausreichend Leuten im Saal nicht wirklich nach oben gehen, und so friere ich trotz dreiteiligem Anzug vor mich hin.

Der zweite Künstler – Le Moderniste – knallt ordentlich rein, und ich fürchte schon er bläst mir die Bügelfalten aus den Hosen 😀 – jedenfalls vibriert der Stoff um mich rum ordentlich mit.

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Danach noch Fausten – sehr genial, aber die Videoprojektion ist genretypisch krankes Zeug, danach brauche ich erstmal eine Pause.

Die nächste Band wird ignoriert, bei „Sudden Infant“ sitzen wir im spartanischen Imbiß-Raum zwischen Stahlträgern und Plastik-Tischdecken und ruhen die Füße aus. Uns beide spricht der Künstler auch nicht sehr an, im Prinzip brüllt er eine gute Stunde lang in sein Mikrophon.

Nächster Versuch – config.sys – drei Stücke halte ich durch, dann merke ich daß bei mir Schicht im Schacht ist, leider, Tzol’kin und The Klinik hätte ich gerne gesehen, aber meine Aufnahmefähigkeit ist für heute ausgereizt, im Stroboskopgewitter der Lichtanlage kann ich mich kaum auf den Beinen halten, also treten wir den Rückzug an und hauen uns zum Runterkommen ruhigen Wave im Auto auf die Ohren.

Zweiter Tag, der Morgen wird mit ein paar Doctor Who Episoden begonnen, ich schlürfe meinen Tee.

Gemütlich kommen wir wieder gegen 18:00 Uhr an, diesmal ohne Stau. Wir lassen es ruhig angehen und quasseln ein wenig mit neuen Bekannten.

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Von Alarmen bekommen wir dann noch die letzten beiden Stücke mit – toller Ambient, da werde ich mich nochmal weiter reinhören – Greyhound danach ist uns nach zwei Stücken zu viel Geprügel.

In die Konzerthalle treibt es uns dann zu Ruby my Dear. Wir hatten vormittags ein paar Stücke gehört und fanden das Projekt absolut genial

Man stelle sich Ambient a la Space Nights zwischen Trip Hop und Dubstep vor. Irgendwie ganz schön cool. Die Füße wollen sofort mit, schaffen die durchbrochenen Beats aber nicht immer – eine tolle Entdeckung ist das französische Ein-Mann-Projekt aber definitiv, und Chris sackt kurz darauf gleich die Scheibe in Vinyl ein. Und mir ist endlich mal warm nachdem ich das ganze Konzert in Bewegung war.

Nach Ankunft in der Turbinenhalle versuche ich fast eine Stunde lang zu ignorieren daß ich am ganzen Kerl schlottere, obwohl ich bis zum Hals eingepackt bin ist es dreckskalt – manche Besucher kommen in kurzen Röcken, T-Shirts oder Trägertops, wie die das aushalten frage ich mich an dem Wochenende mehrmals.

Beinahe nahtlos geht es mit Klangstabil weiter. Eine Band die mehr melodisch ist und die ich schon sehr lange mal live sehen wollte. Enttäuscht haben die zwei Herren uns auch nicht, das Konzert kam uns viel zu kurz vor, obwohl es das nicht war. Stücke wie „Math and Emotion“ und „You May Start“ haben uns jedenfalls reichlich Dampf unter den Pikes gemacht.

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Zwischen den Konzerten ist natürlich Plaudern mit neuen Bekannten ein Muss, am Stück sind mir so viele Konzerte jedenfalls sowieso zu viel und manche Projekte muss man auch im Gehörgang setzen lassen. Die schlimmsten Geprügel-Bands haben wir heute aber sowieso aussen vor gelassen. Ausserdem, ein Festival ohne Leute treffen finde ich dann auch blöde.

IMAG0085_klIm Laufe der drei Tage sehen wir auch noch andere Räumlichkeiten der Turbinenhalle, die anders als der Name verlauten lässt keine Turbinen beherbergte, sondern Gasmaschinen, mit denen Strom für die ansässige Eisenhütte II erzeugt wurde. Erbaut im Jahre 1909 stand der riesige Bau dann in den 1980er Jahren, als der Hüttenbetrieb zurück ging, leer, bis 1993 in einem der Hallen eine Discothek eingerichtet wird.

Rundum ist die ganze Turbinenhalle Industrie pur, vom ehemaligen Betrieb geschwärzte Wände, nackte Stahlträger, Beton. Der Raum in dem der Imbiß untergebracht ist, könnte kärger nicht sein, im Durchgang zu den Toiletten blättert die rote Farbe von der Wand, die Disco, die von vielen dann als etwas ruhigerer Ort zum Verschnaufen genutzt wird, hat unterkühlten Beton-Charme – wie herrlich kann man sich da einen Haufen Waver vorstellen die zu guter Musik ihre Pikes über den grauen Boden schlurfen lassen … Chris und ich sind hellauf begeistert!

Dennoch verlassen wir Oberhausen um 1:00Uhr, in etwa eine Stunde nach Klangstabil. Zwei Bands würden jetzt noch kommen, aber wir sind müde und müssen ja noch nach Köln zurück.

Sonntag fahren wir ein wenig früher los und sind gegen 16:00 Uhr wieder in der Turbinenhalle, aber nicht nur wir sind immernoch müde von den beiden Tagen davor, auch das restliche Publikum ist alles andere als zahlreich anwesend, die Türen zum Konzertbereich noch nicht offen, obwohl Monolog für die Uhrzeit im Programm steht.

Die Verzögerungen fallen aber nicht weiter schlimm aus. Monolog hören wir uns an, gefiel mir auch ganz gut, nur war ich zu dem Zeitpunkt noch nicht allzu sehr in Stimmung. Das ändert sich dann bei Phillip Münch, ausnahmsweise stehen hier mal drei Menschen auf der Bühne, es gibt sogar eine Sängerin, ein wenig erinnert mich das an Sanctum, ähnlich experimentell fallen die Musikstücke aus, die Pikes wippen schon mit.

Von der vorherigen Band bekommen wir auch noch zwei Stücke mit – SIlent Walls – schöner Dark Ambient, eigentlich schade daß wir die nicht auch noch gesehen haben, aber wie gesagt, gerade bei solchen Musikprojekten ist die Aufnahmefähigkeit schnell am Ende. Immerhin, pro Tag stehen 9 Bands hintereinander auf der Bühne, das kann man unmöglich komplett schaffen.

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Danach lassen wir Shorai und Control saußen und verquatschen uns wieder – wir lernen eine Dame aus Paris kennen die uns die vorherigen Tage schon auffiel, da sie die einzige in Cyber-Klamotten ist. Ohne Neon, allerdings, und ansonsten sehen wir auch weiter keinen Vertreter der Cyber-Sorte.

Cyber hin oder her, sympathisch ist die Dame in jedem Fall, auch wenn die Kommunikation oft schwer fällt …

Dominik, eine weitere sehr liebenswerte Bekannschaft des Wochenendes, schwärmt schon den ganzen Tag von Sonic Area, auch beim Testhören am Morgen gefiel uns die Musik schonmal ganz gut, und der Live-Auftritt ist mit Sicherheit der Beste des ganzen Festivals.

Da steht eine Gestalt mit bizarrer Maske auf der Bühne, mit weißen Handschuhen und in einen victorianischen Anzug gekleidet, ebenso als Deko Absinthflasche und Glas und ein Kerzenständer mit elektrischen Birnen. Geniale Kombination, hochgradig kreative Musik, dazu der historische Aufzug der insgesamt an Geschichten von Edgar A. Poe denken lässt. In ein bestimmtes Genre lässt sich Sonic Area nicht wirklich einordnen, der Künstler bedient sich bei Dubstep, mischt unschuldige Spieluhren-Melodien mit ein wie barocke Arrangements, ist mal treibend-rhytmisch, mal langsam und melancholisch. Das letzte Stück würde auch perfekt auf einen Göttertanz passen, was Chris überzeugend demonstriert indem er den Reifrocksaum mit Schwung über den Betonboden wischen lässt. Auch das Artwork der Scheibe „Music for Ghosts“ knüpft perfekt an victorianische Geister-Photographie an und lässt an Seancen und die damalig vorherrschende Euphorie für Übernatürliches denken.

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Nach dem Konzert sind wir beide zutiefst beeindruckt, und Dominik schier aus dem Häuschen 😀

Mimetic lassen wir deswegen auch saußen, Mono No Aware ist uns im Moment dann auch zu brachial. Kurz vor Ah Cama-Sotz brechen wir ab weil die Müdigkeit schon arg zugeschlagen hat, wir verabschieden uns, treten den Rückflug an und pennen in Köln nahtlos weg.

Vormittags darauf packen wir uns zusammen und verlassen Olli, unseren Gastgeber gegen 11:00 Uhr, der ist noch sichtlich angeschlagen, und in den vier Tagen haben wir uns auch nicht wirklich oft gesehen, dank Grippe und Arbeitszeiten die mit dem Festival-Plan nicht ganz konform gingen. Danke aber dennoch fürs unterkriechen lassen – die Wohnung ist sehr gemütlich und ich habe mich doch ganz wohl gefühlt.

Wir kommen gut durch, halten nur ein paarmal öfters an als auf dem Hinweg, zuhause bin ich dann komplett platt und für den Rest des Tages nicht mehr vernünftig ansprechbar …

IMAG0117_klFazit: das Maschinenfest hat sich völlig gelohnt und im nächsten Jahr ist es wieder fest eingeplant. Die Turbinenhalle ist absolut großartig und auch die Atmosphäre wie die Leute ganz toll. Ein paar Dinge werden wir anders organisieren, wie zB eine Unterkunft näher an Oberhausen suchen, dann klappt es hoffentlich auch mit Bands die ganz am Schluß spielen, denn Tzolk’In, The Klinik und Ah Cama-Sotz wären schon sehr sehenswert gewesen.

Über die Organisation kann man auch nicht weiter meckern, am ersten Tag verschoben sich die Bands zwar ein ganzes Stück nach hinten, aber Samstags blieb es fast exakt beim Plan, und Sonntag hat nur die vorletzte Band merklich geschoben. Die Leute am EIngang sowie den Ständen waren nett, lediglich einer legte die größtmöglichste Verpeiltheit an den Tag, als Chris abends vor der Rückfahrt nochmal Kaffee holte.

Größter Kritikpunkt sind die Bänder, da für drei Tage durchgehend solche Abreiß-Wegwerfdinger verwendet wurden, die bei uns kaum durchhielten, für Einzeltickets ist das OK, aber für alle drei Tage suboptimal, wenn die Veranstalter da gewebte Bänder nehmen würden, wäre das deutlich besser, aber ansonsten nichts zu meckern – in diesem Sinne, bis zum nächsten Jahr, Maschinenfest!

Tiefenentspannt in Leipzig – eine WGT-Nachlese

So langsam schlägt er auch bei mir ein, der fiese post-WGT-Blues. Jetzt wo man realisiert daß die 4-5 Tage schon wieder vorbei sind, bevor man irgendwie im WGT-Gefühl voll eingetaucht ist. Ja, es war rasend schnell vorbei, viel zu schnell für meinen Geschmack, und jetzt sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und kann es eigentlich kaum glauben daß man wieder ein Jahr warten muss.

Anders war das WGT in verschiedenster Hinsicht, aber auf jeden Fall ein gutes „anders“. Dinge gelegentlich einfach mal anders anzugehen, kann erfrischend sein und neue Blickwinkel geben. Was jedoch nicht anders war, war, entgegen meiner vorlauten Bekundungen im Vorfeld, meine Konzert-Frequenz. Zwei Stück an der Zahl in diesem Jahr, eine Steigerung um eines zum Vorjahr – aber wie wir alle wissen ist das WGT ja auch kein schnödes Festival, sondern ein Treffen. Sagt ja schon der Name.

Donnerstag gegen mittag machte sich die fränkische Aussenstelle für Gruftologie, Abteilung Rüschengrufti in Vertretung durch das Ehepaar Kalkleiste – Frau Wiegärtner und Herr Chalybeia mit offenem Cabrio-Verdeck und geballter Ladung gute-Laune Wave auf die Autobahn gen Leipzig. Wir kamen einwandfrei durch und landeten so wohlbehalten bei Annette, die uns auch in diesem Jahr liebenswerterweise aufnahm.

Das Gepäck fiel etwas handlicher aus und war schnell nach oben geschafft, wo die Katzen erstmal ausgiebigst an den Taschen und Kisten schnuffelten. Meine Androhung, dieses Mal keinen einzigen Rock, egal ob schmal oder Reifrock, mitzunehmen, habe ich durchgezogen. Zwar hatte ich die Befürchtung daß ich das spätestens wenn meine Freunde in großen Kleidern auflaufen, das bereuen würde, aber ganz im Gegenteil, der Wohlfühlfaktor lag ganz eindeutig auf Seite von Hosen, Fräcken und Zylindern – insofern war die Entscheidung goldrichtig. Also, nicht daß ich mich im Reifrock unwohl fühle – wäre dem so hätte ich schießlich nie einen angezogen 😉

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beim Anstehen

Nach einem Ründchen quatschen wurden dann noch ein paar Besorgungen in der Stadt getätigt und sich in die schon gut angewachsene Schlange zum Bändchen abholen am Hauptbahnhof eingereiht. Eine geschlagene Stunde hatten wir zu warten, die verging zum Glück ganz zügig da wir mit Bekannten die sich dazu gesellten, angenehmen Zeitvertreib hatten.

Dann noch ein kleines Abendessen und kurz auffrischen, und los ging es zum Freiluft-Tanz der Blauen Stunde auf der Wiese hinter dem Parkschloß.

Wie im letzten Jahr war das ein hervorragender Auftakt, Grablichter, Fackeln, Feuerkörbe und Räucherstäbchen und um die „Tanzfläche“ scharten sich auch diesmal die Gäste auf Decken.

Recht schnell fanden mich Robert und Orphi, die beiden an dem Abend gleich zu treffen hat mich sehr gefreut. Daneben hatte ich mich auch mit anderen Leuten verabredet die ich bis dahin nur virtuell kannte und ganz gespannt darauf war selbige dann real kennenzulernen. Auch wenn manche vom Anreisestress etwas geplättet waren – was man ja auch verstehen konnte.

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Mariell, Annette und Hester bei der Blauen Stunde

Markus Rietzsch vom Pfingstgeflüster war mit Edith auch da, und plötzlich hatte Robert dann noch ein Shooting angeleiert. Ja ein wenig paradox ist das ja schon, aber immerhin handelt es sich ja um das Pfingstgeflüster und nicht um einen dreisten Wildknippser der an der Agra im Gebüsch lauert …

Und so ging der Donnerstag dann auch vorbei.

Der Freitag erwies sich als der sonnigste und wärmste Tag. Und auch wenn es nach soviel mehr Stoff aussieht, ich kann nur sagen, als Kerl im Frack mit allem Drum und Dran wird einem schneller ganz schön warm als im Reifrockfummel.

Nach einem kurzen Abstecher an die Agra – bei dem Chris und mir beinah die Sicherungen durchbrannten weil auf der Bornaischen Strasse kurz vor der Agra *schon wieder* an der Brücke rumgebaut wurde, diese deswegen gesperrt war und uns einiges überflüssige Gegurke bescherte,  bis wir an einer Tram-Haltestelle das Auto stehen liesen um die letzten 5 Stationen dann noch mit der Bahn hinter uns zu bringen.

Entsprechend kurz blieb der erste Agra-Abstecher, der Photo-Termin war um 16:00 Uhr am Grassi Museum ausgemacht, wir waren zeitig da, und da Chris mich begleitete fragte Markus ihn postwendend auch ob er Lust hätte ebenfalls vor die Linse zu springen.

Gesagt getan, einige Bilder wurden vor den großartigen Wandmalereien des römischen Zimmers im Museum gemacht, einige draußen auf dem ehemaligen Johanna-Friedhof hinter dem Museum, und einige im Innenhof . Am Ende hätten wir uns auch beinahe verquatscht, doch der nächste Termin stand aus – wieder ein bekanntes Gesicht als  Shan Dark vom Schwarzen Planeten samt Begleitung durch das Tor kam um ebenfalls für das Magazin abgelichtet zu werden.

In meinem Fall ist das der dritte Auftritt im Pfingstgeflüster – 2007 hatte ich die Ehre mit Bild und Interview zum Thema selbstgeschneiderte Kleidung abgedruckt zu werden, 2012 mit einem Artikel zum Victorianischen Picknick, und eben dieses Jahr mit Besucherbild – in Frack, Zylinder und mit Gehstock, versteht sich.

Danach waren die ersten – und eben auch einzigen Konzerte des Treffens auf dem Plan. Der Weg führte und dafür gen Volkspalast, unbestreitbar eine der schönsten Konzert-Locations. Vor dem Gebäude trafen wir Annette und Hester – unsere Gastgeberinnen – wieder, die den Tag auf dem Victorianischen Picknick verbracht haben,wenn auch nur am Rande des Geschehens.

Im Nachhinein bin ich mehr als glücklich mich diesmal dagegen entschieden zu haben, nahzu alle Bekannten und Freunde die da waren, haben wenig Spaß gehabt angesichts der Aufmersamkeitssuchenden die (auf Nachfrage von Grabesmond !) sonst nichts mit Szene oder WGT zu tun hatten und allein als Photomotive dort rumstaksten. Naja, jedem das Seine, ich brauche das nicht, egal wie aufwendig und auffällig ich rumlaufen mag.

Auch Velvetrealm trafen wir dann vor der Halle, die etwas verspätet zum eigentlichen Einlasstermin dann geöffnet wurde. Wir waren recht weit vorne dabei und konnten so noch einen Tisch mit Sitzplätzen ergattern.

meine Wenigkeit, Annette und Hester warten auf Einlass im Volkspalast

meine Wenigkeit, Annette und Hester warten auf Einlass im Volkspalast

Camerata Mediolanense  hatte hauptsächlich ruhige Stücke im Gepäck, bis auf ein älteres Stück zum Abschluß das richtig energiegeladen nochmal die Atmosphäre elektrisierte. Kein schlechtes Konzert, nur durchgehend vielleicht etwas zu ruhig und auch zu kurz, denn nach gut einer halben Stunde war auch wieder Schluß. Danach leerte sich der Saal und wir nutzen die Gelegenheit in der einstündigen Zwischenpause noch mit Bekannten zu quatschen und unverhofft lernte ich auch noch die Künstlerin hinter Maskenzauber – Maren Söhnlein – von der Chris seinen absolut großartigen Dreispitz bekommen hat, kennen. Hat mich sehr gefreut, eine wirklich absolut sympathische Dame!

Wir wechselten zu einem Tisch mit besserer Sicht auf die Bühne, der vor uns freigeworden war,  nachdem ich das halbe erste Konzert zwei lange Kerle direkt vor der Nase stehen hatte, war das eine willkommene Gelegenheit für freien Blick auf die zweite Band.

Daemonia Nymphe aus Griechenland hatte ich bereits 2010 auf dem Festival Mediaval live gesehen, fand deren Auftritt in dem Rahmen aber wenig berauschend. Irgendwie ging die neoklassische Band mit Bezug zur griechischen Mythologie im raueren Ambiete von Mittelaterbands und Dudelsackquetschern ziemlich unter, was schade war da die Band eigentlich wirklich sehr gut ist.

Im Volkspalast mit den griechisch wirkenden Säulen und dem generellen Flair aber war das Konzert richtig bombig. Auch wenn sich einige Zuschauer schon wieder verzogen hatten, die Griechen schafften es die Stimmung regelrecht zu elektrisieren mit beeindruckenden Stimmen und hypnotischen Rythmen. Genial.

Leider gibt es keine Bilder vom Konzert da meine Kamera-Akkus schwächelten.

Danach wäre nach einer weiteren Stunde Wartezeit Actus  noch auf dem Programm gestanden, doch wir entschieden und zum Rückzug, Futtersuche in der Innenstadt und danach weiterziehen zum Städischen Kaufhaus, wo wir auf den Beginn des ersten Wedelabends zwar noch warten mussten, die Zeit wurde uns aber in netter Gesellschaft – Remo Sorge und Lisa Morgenstern hatten sich mit weiteren Bekannten dort niedergelassen –  auf der Terrasse des Restaurants über dem Kaufhaus  verkürzt – nicht zuletzt weil der Kellner sich gnadenlos verausgabte beim Tisch umstellen, servieren, Regenschirme zusammenkleben (da dann ein Regenschauer niederging) rumblödeln – mit dem Ergebnis daß er sich ein Loch in die Hose riß als er von einem wackligen Stuhl beinahe auf die Nase flog – und neben dem Beinkleid damit auch noch den Stuhl lädierte.

Im Kaufhaus legte Freitags dann Tom Manegold auf, in bewährter Göttertanz-Tradition. Musikalisch natürlich hervorragend, kann man sich nicht beschweren, es wurde wie zu Erwarten aber sehr schnell sehr voll und extrem warm.  Ich widerstand dennoch dem Drang aus dem Frack zu hüpfen (das macht mann nicht 😉 ) und bin einfach mal zwischendrin Luft schnappen gegangen. Gegen 3 Uhr hatten wir dann genug und machten uns auf den Rückweg. Hester nutzte ein blau ausgeleuchtetes Gebäude dann noch für ein paar wirklich gelungene Bilder.

urbane Lichtmalereien

urbane Lichtmalereien

Ohne Tee geht nix.

Ohne Tee geht nix.

Der Samstag morgen begann dann mit einem haarigen Katzen-Hintern in meinem Gesicht. Annettes Kater – Mii-tan – fand den Besuch dann doch ganz OK und hat sich morgens gleich mal laut schnurrend „aufgedrängt“ – da ich aber seid 5 Jahren chronisch unter-katzt bin, störte mich das nicht ganz so sehr 😀  also Kater durchflauschen zum Aufwachen, dann Frühstück, Netbook anwerfen und schauen was derweil so passiert ist in der Welt. Und danach in Schale werfen für den zweiten WGT Tag.

Ein besonderes Projekt hatte ich dazu in der Tasche, es ist noch lange nicht vollendet, aber ein Anfang ist gemacht, an geeigneter Stelle werde ich das noch einmal näher ausführen.

Auch wenn ich kurz davor war das Gewand daheim zu lassen – wie ich ehrlich gestehen muss – als ich dann das erste Mal komplett drin steckte, war ich durchaus überzeugt – Steampunk kennt man ja, Teslapunk eher nicht so, auch wenn es das als Literaturgattung schon gibt, an eine textile Umsetzung hat sich meines Wissens nach noch niemand gesetzt. Die Idee spukt tasächlich schon recht lange in meinem Kopf herum.

So ging es dann ins Grassi-Museum, zunächst wollten wir die Führung zu den historischen Klamotten da mitnehmen, haben uns das dann aber anders überlegt. Frau von Unruh schloß sich dann noch in ihrer mehr als genialen Data-Nüre an, damit terrorisierten dann schonmal zwei Nerds die Umgebung mit Gesabbel über Star Trek und Doctor Who 😀 – muss ja auch mal sein …

Beim Karten holen fürs Museum wurde ich auch gleich indirekt auf die Röhren an meinen Goggles angesprochen, war sehr witzig daß der Herr gleich einordnen konnte daß es sich um ein Modell für Verstärker handelte 😀 – entgegen der Annahme daß die Drähte an der Brille auch funktional waren, können meine Röhren leider nicht glimmen, ich hab die Kabel nur dekorativ verlegt. Auch der Ausschnitt eines Schaltplanes auf dem anderen Brillenglas wurde bemerkt, ich habe mir natürlich nicht wahllos irgend einen geschnappt – es handelt sich tatsächlich um den Schaltplan eines Theremins 😉

Tesla-Punk - nur echt mit richtigen Elektronenröhren auf der Rübe :P

Tesla-Punk – nur echt mit richtigen Elektronenröhren

In der Schuh-Ausstellung des Museums trafen wir wieder mal auf Freunde und Bekannte. Die Exponate waren aber auch sehr interessant bis skurril. Faszinierend wie andere Künstler gewisse Thematiken so umsetzen.

Danach sind wir nochmal gen Agra, ein paar Leute treffen – was auch sonst – eine Bowle schlürfen, etwas versumpfen. In der Stadt gemütlich ein Eis verputzen (den Kellner da hab ich auch lieb *g* – auch wenn Dani mir nochmal explizit sagen musste wie er mich angesprochen hat da ich es im ersten Moment garnicht realisiert hatte) – Blödsinn machen – ich sag nur Santär-Cyber – nein ich erkläre das jetzt nicht näher, aber auch in dem Fall wissen diejenigen die dabei waren worum es geht 😉 – dann weiter zur Abendgestaltung.

Auf Wedelparty am Abend hatte ich keine Lust, wir ziehen das seid 2008 die drei WGT-Abende durch, und so gern ich die Musik mag, besonders da ich weiß daß Remo und Lisa hervorragend auflegen – man muss auch mal was anderes sehen und hören.

Im Beyerhaus-Keller fand ich eine nette Wave-Party. Die Locations war göttlich, altes Kellergwölbe, nackte Backsteine, zusammengewürfelte Sofas, blanke Heizungsrohre und unverputze Kabel. Spitze. Und wenn man da ein Glas Wein bestellt bekommt man einen randvollen Plastikbecher … was dann auch den Rest des Abends ausgereicht hatte.

Musikmässig war die Auswahl schwer a la der hiesigen Grey Area. Viel Wave, viel weniger bekanntes, geiles Zeug, eine Spur Neofolk und Neoklassik und auch ein Hauch Industrial kam nicht zu kurz. Auch wenn ich nicht so viel zum Tanzen gekommen bin. Es war nicht überfüllt, genau richtig – womöglich ein Geheimtip den ich im nächsten Jahr gerne wieder besuchen möchte. Mal ganz unaufgeregt ohne perfektes Ambiente, hausgemacht, sympathisch, und der Keller ist sowieso ganz großartig.

Jetzt erst wird mir bewusst wie entspannt der Abend wirklich war, labern mit Annette und Hester, und abgesehen von Spontis Dennis keine bekannten Gesichter. Pikes über den Boden schieben im schummerigen Licht dieses Kellergewölbes – nein ich hab das sehr genossen.

Wir sind dann doch zeitig aufgebrochen, da wir uns mit dem Nightliner durschschlagen mussten war das auch ganz OK. Am Kaufhaus kamen wir vorbei und sind einigen angedüseltelten Freunden noch begegnet *g*  – Adrian und Grabesmond, ihr seid putzig wenn ihr voll seid 😀  – wir sind dann aber auch weitergezogen und glücklich ins Bett gefallen.

Sonntag früh hatte ich wieder Mii-Tans Hintern im Gesicht, aber so nem niedlichen Kater kann man da nicht böse  sein, ganz im Gegenteil  – dann übliche Prozedur – Katzen flauschen, Netbook anwerfen, gucken was los war und Facebook zuspammen,Tee,  Frühstück, auftakeln.

Neue Pluderhose ausführen und der einzige Tag in etwas Kalk.

Wir waren recht zeitig fertig und hatten vor dem Spontis-Treffen noch etwas Luft, weswegen wir uns zunächst Annette, Hester und Dani anschließen wollten die mit einer Freundin Bilder machen wollten, wegen leichter Koordinierungsprobleme lief am Ende die Zeit dann doch weg und wir zogen weiter. Im Schillerpark hatten sich bereits Markus und Edith ausgebreitet und nach und nach wurde die schwarze Runde dann auch größer. Unbestreitbarwar es ein großartiges Treffen, alte Bekannte und Freunde wiedersehen und neue Leute die man sonst nur so vom Lesen her „kannte“ dann live und in nicht-Farbe zu Gesicht zu bekommen war absolut spannend.

ein Teil des Spontis-Haufens beim depressiv aus der Wäsche schauen :D

ein Teil des Spontis-Haufens beim depressiv aus der Wäsche schauen

Wir haben es dann auch geschafft unseren Pikes-Rekord zu brechen – wo im letzten Jahr neun spitzbeschuhte Fußpaare zusammenkamen, sind wir dieses Mal bei satten 14 angelangt – ich bin mir sicher daß da im nächsten Jahr nochmal Luft nach oben ist.

Da Robert ganz sicher noch ausführlicher über das Treffen berichten wird, führe ich das jetzt ebenfalls nicht weiter aus.

Ich bin mir nicht mehr genau sicher, denke aber so gegen 18:00 Uhr löste sich die Runde dann auch endgültig auf. Eigentlich wollte ich später zu Konzerten in den Volkspalast, aber da Chris schon früher gen Agra abgewandert war, stand ich erstmal alleine da und folgte einigen anderen Freunden und Bekannten ebenfalls erstmal in diese Richtung. Und das war dann auch das Aus für die Konzerte – wen überraschts. Annette und Hester saßen ebenfalls am Bowlestand, unterwegs noch weitere Bekannte getroffen – nichts führt sicherer zum Versumpfen.

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Annette und Hester (und links ein Stück Dani) beim Füße ausruhen

Witzige Sache am Rande – der Photograph der jährlich an der Agra steht und die Besucher nicht nur knippst, sondern liebenswerterweise große Ausdrucke an die – ich sags mal so – bekannteren Gesichter verteilt, sprach mich dann auch noch an und drückte mir ein Bild in die Hand. Da ich gestern mit meinem Tesla-Punk schon an ihm vorbei kam und lang und breit daneben stand als er Dani ihr Bild überreichte und sie ablichtete, musste ich schon etwas grinsen. Aber klar daß Leute die einen so nicht kennen und Reifrock mit Vollkalk erwarten, da stutzen – auf solche Reaktionen war ich unter Anderem auch tatsächlich aus. Überhaupt, das wirklich nervtötende Knippserpack blieb uns in diesem Jahr tatsächlich erspart.

Später wollten die Damen noch ein Eis in der Stadt, also zurück, Eiscafe suchen – bei der Gelegenheit hielten uns einige Passanten ihre Smartphones ins Gesicht, aber das war noch auf erträglichem Maß. Tatsächlich habe ich die Beobachtung gemacht daß einige der – im Gegensatz zu den Vorjahren – rar gesähten Knippser sich in der Tat primär auf meine bereifrockten und benürten Begleiterinnen stürzten und mich als Kerl dann links liegen liessen – nicht daß es mich stört, ganz im Gegenteil, das so zu beobachten amüsierte mich eigentlich doch eher und war auch irgendwie Teil des Experimentes 😀

Die Abendplanung führte uns schließlich wieder ins Kaufhaus zum Wedeln, obwohl ich kurz davor war mich nochmal in den Beyerhaus-Keller zu begeben, nur komplett alleine macht das auch wenig Freude.

Zinsi und Spinne sind ebenfalls seid den ersten Wedelparties auf dem WGT dabei, erwartungsgemäß ruhig – musikalisch gesehen – begann der Abend, wie üblich dauerte es eine gute Stunde bis die Musik dann auch tanzbar wurde, dann aber konnte man sich über die Auswahl wirklich nicht beschweren. Das einzige was ich bei den Beiden wirklich so garnicht ausstehen kann, sind die scheußlichen Coverversionen bekannter Wave-Klassiker die gelegentlich ausgepackt werden. Ich würde viel lieber die Originale hören, die passen auch hervorragend zu Wedelmusik, und so leid es mir tut das sagen zu müssen – bei diesen Neuverschlimmerungen schlafen mir die Arschbacken ein …

Wir hielten uns etwa bis 2 Uhr nachts, da sich langsam die anstrengenden WGT-Tage schon bemerkbar machten.

Der Montag morgen fing grau, kalt und erneut mit Katzenhaaren im Gesicht an. Keine guten Wetteraussichten für das geplante Picknick des sogenannten „grünen Forums“ – eine kleine Community für Historien-Schneider jeglicher Art. Eine Freundin schrieb noch via Facebook die Geschichte kurzerhand in ein Cafe umzuverlegen, doch wir hätten sicher nicht mehr alle erreicht, also blieben wir beim ursprünglichen Plan und steuerten das Parkschloß an.

Da der Boden von der verregneten Nacht noch naß war, liesen wir uns auf den Steinplatten davor nieder – was eigentlich ein sehr schöner Platz war, umrahmt von Beeten. Das Wetter hielt auch durch, sogar die Sonne zeigte sich. Allerdings blieben wir vier – Annette, Hester, Dani und ich – alleine, lediglich eine weitere Dame samt Begleitung sagte mal kurz Hallo und war dann auch wieder verschwunden. Schade eigentlich – der Rest hatte entweder Schiß wegen dem Wetter oder saß bei anderen Veranstaltungen fest. So oder so war es trotzdem schön.

2013.05.20 wgt Montag 016

die harten Hunde vom Kostümkram-Forum

Weit weg vom eigentlichen WGT-Geschehen ging es dann auch weiter, Dani hatte etwas von einem Flohmarkt gelesen den wir dann auch anpeilten. Wir kamen zwar kurz vor dem Ende erst, hatten aber dennoch noch genug Zeit zum genüsslichen Stöbern. Am Ende fand auch jeder was – meine Ausbeute belief sich auf einen Nietengürtel mit reichlich Kettenbehang, Manschettenknöpfe und silberne Uniform-Schulterstücke die schon fest für eine  neue Adam Ant Jacke verplant sind. Auch wenn ich danach an der Agra noch zwei Kleinigkeiten mitgenommen hatte – irgendwie sind WGT Montagseinkäufe auf Flohmärkten viel cooler als sein letztes Geld in der Shoppingmeile zu lassen. Nächstes Jahr bitte wieder so!

Der Rest verlief wie alle Jahre – Agra, Bowle, mit Leuten quatschen, weiterziehen zur Blauen Stunde. Die ersten Wehmutsanfälle weil es ja schon wieder Montags ist und dieser sich auch schon dem Ende entgegen neigt.

Auf der Blauen Stunde trafen wir nochmals auf Robert und Orphi, und noch ein paar andere Spontis waren anwesend. Die Stimmung war wie jedes Jahr wundervoll und wie jedes Jahr verfluchte ich die Flasche Met die ich zur Blauen Stunde mitbringe *lach*

Schade nur daß ich euch beide dann als wir gegangen sind, nicht mehr gesehen habe, ich hätte mich gerne noch verabschiedet, aber es war sehr voll und ich hab euch einfach übersehen am Schluß.

Der Rest ist dann auch schon WGT-Tradition – Dienstags ziemlich erledigt aus dem Bett steigen, die restlichen Sachen in die Taschen und Kisten zurück schütten, egal was in welches Eck gerät oder wie eingekrumpelt ist, hauptsache irgendwie verstaut. Nur meinem Zylinder schenkte ich mehr Sogfalt, der ist immerhin antik und seinen hervorragenden Zustand soll der ja noch lange behalten.

Autos beladen und alles zum Pushkin schleppen. Dort saßen am reservierten Tisch schon einige Leute mit sehr dicken Augenringen und hielten sich an riesigen Kaffeetassen fest.

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Dani, das Geburtstagskind lies auf sich warten, immerhin hatte Annette extra Torte bestellt und diese noch liebevoll mit dem Umriss einer victorianischen Dame aus Marzipan verziert.

Das Cafe war randvoll mit schwarzen Gestalten, die eine Kellnerin nimmt es mit Humor, die andere ist sichtlich gereizt und ab und an regelrecht ungeniessbar.

Die Meute Frühstückt ausgiebig, einige haben noch recht lange Fahrtzeiten vor sich, da sind unsere zwei Stunden dann harmlos dagegen.  Wie jedes Jahr ist der Abschied fürchterlich 😉 – ich bin ja nicht so der emotionalduselige Mensch, aber als ich Annette dann doch loslassen muss, steckt mir ein Kloß im Hals.

Zum Abschluß dann noch ein paar Komplikationen mit Leipzigs Baustellen, insbesondere der kurz vor der Agra. Wir wollten Schatten da abholen, fanden aber die richtige Umleitung nicht und das Navi ist noch weniger hilfreich, also treffen wir uns am Hauptbahnhof, treffen Annette da nochmal und nach einem Tank-Zwischenstop gehts auf die Autobahn.

Die Fahrt verlief relativ ruhig, auch wenn Chris ziemlich im Eimer war. Mit zwei Zwischenstops ging es dann und ich bin gegen 17:00 Uhr wieder zuhause und fassungslos daß die letzten Tage so unglaublich schnell vergangen sind.

Fazit zum diesjährigen WGT: extrem entspannend. Da gilt mein großer Dank aber auch Annette und Hester für das Dach über dem Kopf. Bei guten Freunden das WGT zu verbringen ist nochmal um Längen schöner als im Hotel. Danke auch an alle neuen und alten Bekannten, solche Begegnungen machen das WGT ja eigentlich aus.

Auch daß wir so ziemlich alle Stressfaktoren umschifft haben war herrlich – kein victorianisches Picknick a.k.a Knipssnick, kein Knippserterror in welcher Form auch immer. Und Konzertmarathons sind einfach auch nicht mein Ding. Ich jedenfalls hab mich rundum wohl gefühlt – jetzt mal unabhängig ob es um Treffen, Freunde, Bekannte, Veranstaltungen oder die heurige Klamottenwahl geht. Es war wie gesagt anders, aber eben gut anders 🙂 – faszinierend war auch der andere Blickwinkel, bedingt durch den Rockverzicht – aber darüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben.

In diesem Sinne – wir sehen uns im nächsten Jahr wieder, hoffentlich dann genauso entspannt wie in diesem 😉

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