Tiefenentspannt in Leipzig – eine WGT-Nachlese

So langsam schlägt er auch bei mir ein, der fiese post-WGT-Blues. Jetzt wo man realisiert daß die 4-5 Tage schon wieder vorbei sind, bevor man irgendwie im WGT-Gefühl voll eingetaucht ist. Ja, es war rasend schnell vorbei, viel zu schnell für meinen Geschmack, und jetzt sitze ich hier, schreibe diese Zeilen und kann es eigentlich kaum glauben daß man wieder ein Jahr warten muss.

Anders war das WGT in verschiedenster Hinsicht, aber auf jeden Fall ein gutes „anders“. Dinge gelegentlich einfach mal anders anzugehen, kann erfrischend sein und neue Blickwinkel geben. Was jedoch nicht anders war, war, entgegen meiner vorlauten Bekundungen im Vorfeld, meine Konzert-Frequenz. Zwei Stück an der Zahl in diesem Jahr, eine Steigerung um eines zum Vorjahr – aber wie wir alle wissen ist das WGT ja auch kein schnödes Festival, sondern ein Treffen. Sagt ja schon der Name.

Donnerstag gegen mittag machte sich die fränkische Aussenstelle für Gruftologie, Abteilung Rüschengrufti in Vertretung durch das Ehepaar Kalkleiste – Frau Wiegärtner und Herr Chalybeia mit offenem Cabrio-Verdeck und geballter Ladung gute-Laune Wave auf die Autobahn gen Leipzig. Wir kamen einwandfrei durch und landeten so wohlbehalten bei Annette, die uns auch in diesem Jahr liebenswerterweise aufnahm.

Das Gepäck fiel etwas handlicher aus und war schnell nach oben geschafft, wo die Katzen erstmal ausgiebigst an den Taschen und Kisten schnuffelten. Meine Androhung, dieses Mal keinen einzigen Rock, egal ob schmal oder Reifrock, mitzunehmen, habe ich durchgezogen. Zwar hatte ich die Befürchtung daß ich das spätestens wenn meine Freunde in großen Kleidern auflaufen, das bereuen würde, aber ganz im Gegenteil, der Wohlfühlfaktor lag ganz eindeutig auf Seite von Hosen, Fräcken und Zylindern – insofern war die Entscheidung goldrichtig. Also, nicht daß ich mich im Reifrock unwohl fühle – wäre dem so hätte ich schießlich nie einen angezogen 😉

schlange

beim Anstehen

Nach einem Ründchen quatschen wurden dann noch ein paar Besorgungen in der Stadt getätigt und sich in die schon gut angewachsene Schlange zum Bändchen abholen am Hauptbahnhof eingereiht. Eine geschlagene Stunde hatten wir zu warten, die verging zum Glück ganz zügig da wir mit Bekannten die sich dazu gesellten, angenehmen Zeitvertreib hatten.

Dann noch ein kleines Abendessen und kurz auffrischen, und los ging es zum Freiluft-Tanz der Blauen Stunde auf der Wiese hinter dem Parkschloß.

Wie im letzten Jahr war das ein hervorragender Auftakt, Grablichter, Fackeln, Feuerkörbe und Räucherstäbchen und um die „Tanzfläche“ scharten sich auch diesmal die Gäste auf Decken.

Recht schnell fanden mich Robert und Orphi, die beiden an dem Abend gleich zu treffen hat mich sehr gefreut. Daneben hatte ich mich auch mit anderen Leuten verabredet die ich bis dahin nur virtuell kannte und ganz gespannt darauf war selbige dann real kennenzulernen. Auch wenn manche vom Anreisestress etwas geplättet waren – was man ja auch verstehen konnte.

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Mariell, Annette und Hester bei der Blauen Stunde

Markus Rietzsch vom Pfingstgeflüster war mit Edith auch da, und plötzlich hatte Robert dann noch ein Shooting angeleiert. Ja ein wenig paradox ist das ja schon, aber immerhin handelt es sich ja um das Pfingstgeflüster und nicht um einen dreisten Wildknippser der an der Agra im Gebüsch lauert …

Und so ging der Donnerstag dann auch vorbei.

Der Freitag erwies sich als der sonnigste und wärmste Tag. Und auch wenn es nach soviel mehr Stoff aussieht, ich kann nur sagen, als Kerl im Frack mit allem Drum und Dran wird einem schneller ganz schön warm als im Reifrockfummel.

Nach einem kurzen Abstecher an die Agra – bei dem Chris und mir beinah die Sicherungen durchbrannten weil auf der Bornaischen Strasse kurz vor der Agra *schon wieder* an der Brücke rumgebaut wurde, diese deswegen gesperrt war und uns einiges überflüssige Gegurke bescherte,  bis wir an einer Tram-Haltestelle das Auto stehen liesen um die letzten 5 Stationen dann noch mit der Bahn hinter uns zu bringen.

Entsprechend kurz blieb der erste Agra-Abstecher, der Photo-Termin war um 16:00 Uhr am Grassi Museum ausgemacht, wir waren zeitig da, und da Chris mich begleitete fragte Markus ihn postwendend auch ob er Lust hätte ebenfalls vor die Linse zu springen.

Gesagt getan, einige Bilder wurden vor den großartigen Wandmalereien des römischen Zimmers im Museum gemacht, einige draußen auf dem ehemaligen Johanna-Friedhof hinter dem Museum, und einige im Innenhof . Am Ende hätten wir uns auch beinahe verquatscht, doch der nächste Termin stand aus – wieder ein bekanntes Gesicht als  Shan Dark vom Schwarzen Planeten samt Begleitung durch das Tor kam um ebenfalls für das Magazin abgelichtet zu werden.

In meinem Fall ist das der dritte Auftritt im Pfingstgeflüster – 2007 hatte ich die Ehre mit Bild und Interview zum Thema selbstgeschneiderte Kleidung abgedruckt zu werden, 2012 mit einem Artikel zum Victorianischen Picknick, und eben dieses Jahr mit Besucherbild – in Frack, Zylinder und mit Gehstock, versteht sich.

Danach waren die ersten – und eben auch einzigen Konzerte des Treffens auf dem Plan. Der Weg führte und dafür gen Volkspalast, unbestreitbar eine der schönsten Konzert-Locations. Vor dem Gebäude trafen wir Annette und Hester – unsere Gastgeberinnen – wieder, die den Tag auf dem Victorianischen Picknick verbracht haben,wenn auch nur am Rande des Geschehens.

Im Nachhinein bin ich mehr als glücklich mich diesmal dagegen entschieden zu haben, nahzu alle Bekannten und Freunde die da waren, haben wenig Spaß gehabt angesichts der Aufmersamkeitssuchenden die (auf Nachfrage von Grabesmond !) sonst nichts mit Szene oder WGT zu tun hatten und allein als Photomotive dort rumstaksten. Naja, jedem das Seine, ich brauche das nicht, egal wie aufwendig und auffällig ich rumlaufen mag.

Auch Velvetrealm trafen wir dann vor der Halle, die etwas verspätet zum eigentlichen Einlasstermin dann geöffnet wurde. Wir waren recht weit vorne dabei und konnten so noch einen Tisch mit Sitzplätzen ergattern.

meine Wenigkeit, Annette und Hester warten auf Einlass im Volkspalast

meine Wenigkeit, Annette und Hester warten auf Einlass im Volkspalast

Camerata Mediolanense  hatte hauptsächlich ruhige Stücke im Gepäck, bis auf ein älteres Stück zum Abschluß das richtig energiegeladen nochmal die Atmosphäre elektrisierte. Kein schlechtes Konzert, nur durchgehend vielleicht etwas zu ruhig und auch zu kurz, denn nach gut einer halben Stunde war auch wieder Schluß. Danach leerte sich der Saal und wir nutzen die Gelegenheit in der einstündigen Zwischenpause noch mit Bekannten zu quatschen und unverhofft lernte ich auch noch die Künstlerin hinter Maskenzauber – Maren Söhnlein – von der Chris seinen absolut großartigen Dreispitz bekommen hat, kennen. Hat mich sehr gefreut, eine wirklich absolut sympathische Dame!

Wir wechselten zu einem Tisch mit besserer Sicht auf die Bühne, der vor uns freigeworden war,  nachdem ich das halbe erste Konzert zwei lange Kerle direkt vor der Nase stehen hatte, war das eine willkommene Gelegenheit für freien Blick auf die zweite Band.

Daemonia Nymphe aus Griechenland hatte ich bereits 2010 auf dem Festival Mediaval live gesehen, fand deren Auftritt in dem Rahmen aber wenig berauschend. Irgendwie ging die neoklassische Band mit Bezug zur griechischen Mythologie im raueren Ambiete von Mittelaterbands und Dudelsackquetschern ziemlich unter, was schade war da die Band eigentlich wirklich sehr gut ist.

Im Volkspalast mit den griechisch wirkenden Säulen und dem generellen Flair aber war das Konzert richtig bombig. Auch wenn sich einige Zuschauer schon wieder verzogen hatten, die Griechen schafften es die Stimmung regelrecht zu elektrisieren mit beeindruckenden Stimmen und hypnotischen Rythmen. Genial.

Leider gibt es keine Bilder vom Konzert da meine Kamera-Akkus schwächelten.

Danach wäre nach einer weiteren Stunde Wartezeit Actus  noch auf dem Programm gestanden, doch wir entschieden und zum Rückzug, Futtersuche in der Innenstadt und danach weiterziehen zum Städischen Kaufhaus, wo wir auf den Beginn des ersten Wedelabends zwar noch warten mussten, die Zeit wurde uns aber in netter Gesellschaft – Remo Sorge und Lisa Morgenstern hatten sich mit weiteren Bekannten dort niedergelassen –  auf der Terrasse des Restaurants über dem Kaufhaus  verkürzt – nicht zuletzt weil der Kellner sich gnadenlos verausgabte beim Tisch umstellen, servieren, Regenschirme zusammenkleben (da dann ein Regenschauer niederging) rumblödeln – mit dem Ergebnis daß er sich ein Loch in die Hose riß als er von einem wackligen Stuhl beinahe auf die Nase flog – und neben dem Beinkleid damit auch noch den Stuhl lädierte.

Im Kaufhaus legte Freitags dann Tom Manegold auf, in bewährter Göttertanz-Tradition. Musikalisch natürlich hervorragend, kann man sich nicht beschweren, es wurde wie zu Erwarten aber sehr schnell sehr voll und extrem warm.  Ich widerstand dennoch dem Drang aus dem Frack zu hüpfen (das macht mann nicht 😉 ) und bin einfach mal zwischendrin Luft schnappen gegangen. Gegen 3 Uhr hatten wir dann genug und machten uns auf den Rückweg. Hester nutzte ein blau ausgeleuchtetes Gebäude dann noch für ein paar wirklich gelungene Bilder.

urbane Lichtmalereien

urbane Lichtmalereien

Ohne Tee geht nix.

Ohne Tee geht nix.

Der Samstag morgen begann dann mit einem haarigen Katzen-Hintern in meinem Gesicht. Annettes Kater – Mii-tan – fand den Besuch dann doch ganz OK und hat sich morgens gleich mal laut schnurrend „aufgedrängt“ – da ich aber seid 5 Jahren chronisch unter-katzt bin, störte mich das nicht ganz so sehr 😀  also Kater durchflauschen zum Aufwachen, dann Frühstück, Netbook anwerfen und schauen was derweil so passiert ist in der Welt. Und danach in Schale werfen für den zweiten WGT Tag.

Ein besonderes Projekt hatte ich dazu in der Tasche, es ist noch lange nicht vollendet, aber ein Anfang ist gemacht, an geeigneter Stelle werde ich das noch einmal näher ausführen.

Auch wenn ich kurz davor war das Gewand daheim zu lassen – wie ich ehrlich gestehen muss – als ich dann das erste Mal komplett drin steckte, war ich durchaus überzeugt – Steampunk kennt man ja, Teslapunk eher nicht so, auch wenn es das als Literaturgattung schon gibt, an eine textile Umsetzung hat sich meines Wissens nach noch niemand gesetzt. Die Idee spukt tasächlich schon recht lange in meinem Kopf herum.

So ging es dann ins Grassi-Museum, zunächst wollten wir die Führung zu den historischen Klamotten da mitnehmen, haben uns das dann aber anders überlegt. Frau von Unruh schloß sich dann noch in ihrer mehr als genialen Data-Nüre an, damit terrorisierten dann schonmal zwei Nerds die Umgebung mit Gesabbel über Star Trek und Doctor Who 😀 – muss ja auch mal sein …

Beim Karten holen fürs Museum wurde ich auch gleich indirekt auf die Röhren an meinen Goggles angesprochen, war sehr witzig daß der Herr gleich einordnen konnte daß es sich um ein Modell für Verstärker handelte 😀 – entgegen der Annahme daß die Drähte an der Brille auch funktional waren, können meine Röhren leider nicht glimmen, ich hab die Kabel nur dekorativ verlegt. Auch der Ausschnitt eines Schaltplanes auf dem anderen Brillenglas wurde bemerkt, ich habe mir natürlich nicht wahllos irgend einen geschnappt – es handelt sich tatsächlich um den Schaltplan eines Theremins 😉

Tesla-Punk - nur echt mit richtigen Elektronenröhren auf der Rübe :P

Tesla-Punk – nur echt mit richtigen Elektronenröhren

In der Schuh-Ausstellung des Museums trafen wir wieder mal auf Freunde und Bekannte. Die Exponate waren aber auch sehr interessant bis skurril. Faszinierend wie andere Künstler gewisse Thematiken so umsetzen.

Danach sind wir nochmal gen Agra, ein paar Leute treffen – was auch sonst – eine Bowle schlürfen, etwas versumpfen. In der Stadt gemütlich ein Eis verputzen (den Kellner da hab ich auch lieb *g* – auch wenn Dani mir nochmal explizit sagen musste wie er mich angesprochen hat da ich es im ersten Moment garnicht realisiert hatte) – Blödsinn machen – ich sag nur Santär-Cyber – nein ich erkläre das jetzt nicht näher, aber auch in dem Fall wissen diejenigen die dabei waren worum es geht 😉 – dann weiter zur Abendgestaltung.

Auf Wedelparty am Abend hatte ich keine Lust, wir ziehen das seid 2008 die drei WGT-Abende durch, und so gern ich die Musik mag, besonders da ich weiß daß Remo und Lisa hervorragend auflegen – man muss auch mal was anderes sehen und hören.

Im Beyerhaus-Keller fand ich eine nette Wave-Party. Die Locations war göttlich, altes Kellergwölbe, nackte Backsteine, zusammengewürfelte Sofas, blanke Heizungsrohre und unverputze Kabel. Spitze. Und wenn man da ein Glas Wein bestellt bekommt man einen randvollen Plastikbecher … was dann auch den Rest des Abends ausgereicht hatte.

Musikmässig war die Auswahl schwer a la der hiesigen Grey Area. Viel Wave, viel weniger bekanntes, geiles Zeug, eine Spur Neofolk und Neoklassik und auch ein Hauch Industrial kam nicht zu kurz. Auch wenn ich nicht so viel zum Tanzen gekommen bin. Es war nicht überfüllt, genau richtig – womöglich ein Geheimtip den ich im nächsten Jahr gerne wieder besuchen möchte. Mal ganz unaufgeregt ohne perfektes Ambiente, hausgemacht, sympathisch, und der Keller ist sowieso ganz großartig.

Jetzt erst wird mir bewusst wie entspannt der Abend wirklich war, labern mit Annette und Hester, und abgesehen von Spontis Dennis keine bekannten Gesichter. Pikes über den Boden schieben im schummerigen Licht dieses Kellergewölbes – nein ich hab das sehr genossen.

Wir sind dann doch zeitig aufgebrochen, da wir uns mit dem Nightliner durschschlagen mussten war das auch ganz OK. Am Kaufhaus kamen wir vorbei und sind einigen angedüseltelten Freunden noch begegnet *g*  – Adrian und Grabesmond, ihr seid putzig wenn ihr voll seid 😀  – wir sind dann aber auch weitergezogen und glücklich ins Bett gefallen.

Sonntag früh hatte ich wieder Mii-Tans Hintern im Gesicht, aber so nem niedlichen Kater kann man da nicht böse  sein, ganz im Gegenteil  – dann übliche Prozedur – Katzen flauschen, Netbook anwerfen, gucken was los war und Facebook zuspammen,Tee,  Frühstück, auftakeln.

Neue Pluderhose ausführen und der einzige Tag in etwas Kalk.

Wir waren recht zeitig fertig und hatten vor dem Spontis-Treffen noch etwas Luft, weswegen wir uns zunächst Annette, Hester und Dani anschließen wollten die mit einer Freundin Bilder machen wollten, wegen leichter Koordinierungsprobleme lief am Ende die Zeit dann doch weg und wir zogen weiter. Im Schillerpark hatten sich bereits Markus und Edith ausgebreitet und nach und nach wurde die schwarze Runde dann auch größer. Unbestreitbarwar es ein großartiges Treffen, alte Bekannte und Freunde wiedersehen und neue Leute die man sonst nur so vom Lesen her „kannte“ dann live und in nicht-Farbe zu Gesicht zu bekommen war absolut spannend.

ein Teil des Spontis-Haufens beim depressiv aus der Wäsche schauen :D

ein Teil des Spontis-Haufens beim depressiv aus der Wäsche schauen

Wir haben es dann auch geschafft unseren Pikes-Rekord zu brechen – wo im letzten Jahr neun spitzbeschuhte Fußpaare zusammenkamen, sind wir dieses Mal bei satten 14 angelangt – ich bin mir sicher daß da im nächsten Jahr nochmal Luft nach oben ist.

Da Robert ganz sicher noch ausführlicher über das Treffen berichten wird, führe ich das jetzt ebenfalls nicht weiter aus.

Ich bin mir nicht mehr genau sicher, denke aber so gegen 18:00 Uhr löste sich die Runde dann auch endgültig auf. Eigentlich wollte ich später zu Konzerten in den Volkspalast, aber da Chris schon früher gen Agra abgewandert war, stand ich erstmal alleine da und folgte einigen anderen Freunden und Bekannten ebenfalls erstmal in diese Richtung. Und das war dann auch das Aus für die Konzerte – wen überraschts. Annette und Hester saßen ebenfalls am Bowlestand, unterwegs noch weitere Bekannte getroffen – nichts führt sicherer zum Versumpfen.

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Annette und Hester (und links ein Stück Dani) beim Füße ausruhen

Witzige Sache am Rande – der Photograph der jährlich an der Agra steht und die Besucher nicht nur knippst, sondern liebenswerterweise große Ausdrucke an die – ich sags mal so – bekannteren Gesichter verteilt, sprach mich dann auch noch an und drückte mir ein Bild in die Hand. Da ich gestern mit meinem Tesla-Punk schon an ihm vorbei kam und lang und breit daneben stand als er Dani ihr Bild überreichte und sie ablichtete, musste ich schon etwas grinsen. Aber klar daß Leute die einen so nicht kennen und Reifrock mit Vollkalk erwarten, da stutzen – auf solche Reaktionen war ich unter Anderem auch tatsächlich aus. Überhaupt, das wirklich nervtötende Knippserpack blieb uns in diesem Jahr tatsächlich erspart.

Später wollten die Damen noch ein Eis in der Stadt, also zurück, Eiscafe suchen – bei der Gelegenheit hielten uns einige Passanten ihre Smartphones ins Gesicht, aber das war noch auf erträglichem Maß. Tatsächlich habe ich die Beobachtung gemacht daß einige der – im Gegensatz zu den Vorjahren – rar gesähten Knippser sich in der Tat primär auf meine bereifrockten und benürten Begleiterinnen stürzten und mich als Kerl dann links liegen liessen – nicht daß es mich stört, ganz im Gegenteil, das so zu beobachten amüsierte mich eigentlich doch eher und war auch irgendwie Teil des Experimentes 😀

Die Abendplanung führte uns schließlich wieder ins Kaufhaus zum Wedeln, obwohl ich kurz davor war mich nochmal in den Beyerhaus-Keller zu begeben, nur komplett alleine macht das auch wenig Freude.

Zinsi und Spinne sind ebenfalls seid den ersten Wedelparties auf dem WGT dabei, erwartungsgemäß ruhig – musikalisch gesehen – begann der Abend, wie üblich dauerte es eine gute Stunde bis die Musik dann auch tanzbar wurde, dann aber konnte man sich über die Auswahl wirklich nicht beschweren. Das einzige was ich bei den Beiden wirklich so garnicht ausstehen kann, sind die scheußlichen Coverversionen bekannter Wave-Klassiker die gelegentlich ausgepackt werden. Ich würde viel lieber die Originale hören, die passen auch hervorragend zu Wedelmusik, und so leid es mir tut das sagen zu müssen – bei diesen Neuverschlimmerungen schlafen mir die Arschbacken ein …

Wir hielten uns etwa bis 2 Uhr nachts, da sich langsam die anstrengenden WGT-Tage schon bemerkbar machten.

Der Montag morgen fing grau, kalt und erneut mit Katzenhaaren im Gesicht an. Keine guten Wetteraussichten für das geplante Picknick des sogenannten „grünen Forums“ – eine kleine Community für Historien-Schneider jeglicher Art. Eine Freundin schrieb noch via Facebook die Geschichte kurzerhand in ein Cafe umzuverlegen, doch wir hätten sicher nicht mehr alle erreicht, also blieben wir beim ursprünglichen Plan und steuerten das Parkschloß an.

Da der Boden von der verregneten Nacht noch naß war, liesen wir uns auf den Steinplatten davor nieder – was eigentlich ein sehr schöner Platz war, umrahmt von Beeten. Das Wetter hielt auch durch, sogar die Sonne zeigte sich. Allerdings blieben wir vier – Annette, Hester, Dani und ich – alleine, lediglich eine weitere Dame samt Begleitung sagte mal kurz Hallo und war dann auch wieder verschwunden. Schade eigentlich – der Rest hatte entweder Schiß wegen dem Wetter oder saß bei anderen Veranstaltungen fest. So oder so war es trotzdem schön.

2013.05.20 wgt Montag 016

die harten Hunde vom Kostümkram-Forum

Weit weg vom eigentlichen WGT-Geschehen ging es dann auch weiter, Dani hatte etwas von einem Flohmarkt gelesen den wir dann auch anpeilten. Wir kamen zwar kurz vor dem Ende erst, hatten aber dennoch noch genug Zeit zum genüsslichen Stöbern. Am Ende fand auch jeder was – meine Ausbeute belief sich auf einen Nietengürtel mit reichlich Kettenbehang, Manschettenknöpfe und silberne Uniform-Schulterstücke die schon fest für eine  neue Adam Ant Jacke verplant sind. Auch wenn ich danach an der Agra noch zwei Kleinigkeiten mitgenommen hatte – irgendwie sind WGT Montagseinkäufe auf Flohmärkten viel cooler als sein letztes Geld in der Shoppingmeile zu lassen. Nächstes Jahr bitte wieder so!

Der Rest verlief wie alle Jahre – Agra, Bowle, mit Leuten quatschen, weiterziehen zur Blauen Stunde. Die ersten Wehmutsanfälle weil es ja schon wieder Montags ist und dieser sich auch schon dem Ende entgegen neigt.

Auf der Blauen Stunde trafen wir nochmals auf Robert und Orphi, und noch ein paar andere Spontis waren anwesend. Die Stimmung war wie jedes Jahr wundervoll und wie jedes Jahr verfluchte ich die Flasche Met die ich zur Blauen Stunde mitbringe *lach*

Schade nur daß ich euch beide dann als wir gegangen sind, nicht mehr gesehen habe, ich hätte mich gerne noch verabschiedet, aber es war sehr voll und ich hab euch einfach übersehen am Schluß.

Der Rest ist dann auch schon WGT-Tradition – Dienstags ziemlich erledigt aus dem Bett steigen, die restlichen Sachen in die Taschen und Kisten zurück schütten, egal was in welches Eck gerät oder wie eingekrumpelt ist, hauptsache irgendwie verstaut. Nur meinem Zylinder schenkte ich mehr Sogfalt, der ist immerhin antik und seinen hervorragenden Zustand soll der ja noch lange behalten.

Autos beladen und alles zum Pushkin schleppen. Dort saßen am reservierten Tisch schon einige Leute mit sehr dicken Augenringen und hielten sich an riesigen Kaffeetassen fest.

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Dani, das Geburtstagskind lies auf sich warten, immerhin hatte Annette extra Torte bestellt und diese noch liebevoll mit dem Umriss einer victorianischen Dame aus Marzipan verziert.

Das Cafe war randvoll mit schwarzen Gestalten, die eine Kellnerin nimmt es mit Humor, die andere ist sichtlich gereizt und ab und an regelrecht ungeniessbar.

Die Meute Frühstückt ausgiebig, einige haben noch recht lange Fahrtzeiten vor sich, da sind unsere zwei Stunden dann harmlos dagegen.  Wie jedes Jahr ist der Abschied fürchterlich 😉 – ich bin ja nicht so der emotionalduselige Mensch, aber als ich Annette dann doch loslassen muss, steckt mir ein Kloß im Hals.

Zum Abschluß dann noch ein paar Komplikationen mit Leipzigs Baustellen, insbesondere der kurz vor der Agra. Wir wollten Schatten da abholen, fanden aber die richtige Umleitung nicht und das Navi ist noch weniger hilfreich, also treffen wir uns am Hauptbahnhof, treffen Annette da nochmal und nach einem Tank-Zwischenstop gehts auf die Autobahn.

Die Fahrt verlief relativ ruhig, auch wenn Chris ziemlich im Eimer war. Mit zwei Zwischenstops ging es dann und ich bin gegen 17:00 Uhr wieder zuhause und fassungslos daß die letzten Tage so unglaublich schnell vergangen sind.

Fazit zum diesjährigen WGT: extrem entspannend. Da gilt mein großer Dank aber auch Annette und Hester für das Dach über dem Kopf. Bei guten Freunden das WGT zu verbringen ist nochmal um Längen schöner als im Hotel. Danke auch an alle neuen und alten Bekannten, solche Begegnungen machen das WGT ja eigentlich aus.

Auch daß wir so ziemlich alle Stressfaktoren umschifft haben war herrlich – kein victorianisches Picknick a.k.a Knipssnick, kein Knippserterror in welcher Form auch immer. Und Konzertmarathons sind einfach auch nicht mein Ding. Ich jedenfalls hab mich rundum wohl gefühlt – jetzt mal unabhängig ob es um Treffen, Freunde, Bekannte, Veranstaltungen oder die heurige Klamottenwahl geht. Es war wie gesagt anders, aber eben gut anders 🙂 – faszinierend war auch der andere Blickwinkel, bedingt durch den Rockverzicht – aber darüber könnte man einen eigenen Artikel schreiben.

In diesem Sinne – wir sehen uns im nächsten Jahr wieder, hoffentlich dann genauso entspannt wie in diesem 😉

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Rosa’s klamottiger Giftschrank

Ich bin mir noch nicht ganz sicher ob ich es hassen soll oder lieben, sicherheitshalber entscheide ich mich mal für Letzteres, denn Elternbesuche bergen oft eine nicht zu unterschätzende Gefahr: da erinnert man sich plötzlich an den einen oder anderen Gegenstand den man vor sehr vielen Jahren in irgend einen Karton gepackt hatte und unter irgend welchen anderen Kartons auf dem Dachboden abstellte, entscheidet daß ebendieser Gegenstand inzwischen doch wieder nützlich ein könne und beschließt selbigen zu suchen.
Dabei fallen einem die unmöglichsten Dinge in die Finger, Erinnerungen und alte Geschichten werden herausgekramt und nach Stunden im Staub wühlen hat man zwr bergeweise alten Kram gefunden, meist aber genau nicht den Gegenstand den man eigentlich gesucht hatte.

So war ich heute beispielsweise auf der Suche nach einem alten Jackett – der Rest ist vorhersehbar – ich fand es nicht, aber etliche Kleidungsstücke die ich zwischen 14 und 18 selbst gemacht oder umdekoriert hatte und natürlich stolz trug.

Wie ich in meinem Gothic-Friday Artikel zum Thema „Wie bist Du in die Szene gekommen“ schrub, bin ich in dem Alter noch nicht konsequent schwarz durch die Gegend gelaufen obwohl mich diese Nicht-Farbe bereits sehr faszinierte, ich probierte mich fröhlich aus und wechselte von tiefschwarz zu knallbunt und dann wieder zu schwarz zurück.
Und wenn ich knallbunt sage, meine ich keinesfalls schnödes feuerwehrrot oder leuchtgrün – nein, wenn ich knallbunt sage dann meine ich das ziemlich ernst – man kann sagen ich pendelte von einem Extrem ins andere, ohne Zwischenstops.

Da ich zu meiner partiell knallbunten Jugend voll und ganz stehe – womöglich habe ich es teilweise so übertrieben daß mein Bedarf für Farbe bis zum Lebensende dann verbraten wurde – präsentiere ich die haarsträubendsten Teile aus meinem jugendlichen Klamottenschrank.

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Fangen wir erst einmal recht harmlos an. Wie ich ebenfalls in oben genanntem Artikel erwähnte, habe ich mich gern bei dem bedient was meine Eltern aus ihren Kleiderschränken ausrangierten. Einiges wurde vor dem Weitergebrauch aber erstmal umgestaltet, wie beispielsweise diese Jeansjacke die sich meine Mutter in den 80ern gekauft hatte und eigentlich im Originalzustand schon ganz witzig war – den Rücken zierte buntgescheckter Organza, den ich aber abtrennte da ich die Jacke etwas individueller haben wollte.

Die Idee dazu kam mir als ich zufällig den Film „Susan, verzweifelt gesucht“ gesehen hatte. Inhaltlich zwar völlig belanglos, aber der 80er Look ist einfach genial – auch wenn der anno 1994 noch nicht so arg weit weg war, ich stand damals schon drauf.
Inspiration war Madonnas grüne Jacke mit der großen Pyramide auf dem Rücken, welche auch im Trailer oben zu sehen ist.
Da Seidenmalerei zu der Zeit als Hobby „in“ war, griff ich zu den Seidenfarben und malte diverse altägyptische Symbole – den Lotos, Symbol für Wiedergeburt, Leben und die Sonne, das Ankh, ebenfalls ein Symbol des Lebens und das Horusauge, Symbol für den Mond, Vervollständigung, Schutz und Kraft, auf die Seide und lies meine Mutter das Ganze für mich auf den Rücken der Jacke nähen.

hose_vAusstellungsstück Nummer zwei ist leider eine Unvollendete.

Ich muss zugeben daß ich einen sehr großen Bedarf an weißen Jeans hatte zu der Zeit, aber nachdem es mich mit meinen schneeweißen Schlaghosen regelmässig immer dann wenn ich die trug in die nächstbeste Schlammpfütze gelegt hatte und das Problem durch den Färbe-Eimer erstaunlicherweise schlagartig aufhörte (ein Omen ^^), waren weiße Hosen nur noch Rohmaterial für weitere Bearbeitung.

Am liebsten tobte ich mich mit Schnurbatik aus und saute das Bad so treffsicher flächendeckend ein, abgesehen davon sind allerdings Leinwände aus dem Kunstmalerbedarf, auch nur Baumwollstoff, da lag es nahe zur Stoff-Farbe zu greifen um tragbare Kunst zu verbrechen.

Auf dieser Hosenvorderseite findet sich mein Interesse für Astronomie, Surrealismus und ein weiteres mal – altägyptische Mythologie.hose_h

Das eine fertiggestellte Hinterbein zeigt eine wolkenverhangene Vollmondnacht, eine Film Noir Szene in der der Protagonist, der desillusionierte Privatschnüffler grade auf seine Stammkneipe zusteuert um seinen Kummer in Bourbon zu ertränken und am unteren Rande, wieder Vollmond, diesmal über den hoch aufragenden Wolkenkratzern einer Riesenmetropole – ein sehr persönliches Symbol ,das ich einerseits mit den Detektivromanen verband die ich damals lieben gelernt habe, anderereseits für die Anonymität von Großstäden die gleichermaßen bedrückend als auch angenehm sein kann.

In Natura ist die ganze Hose ein einziger optischer Overkill, teilweise hatte ich Metallicfarben mit vielen Glitzerpartikeln verwendet, was hier auch wieder als ein Kontrast zu den Motiven an sich gedacht war.

Wer jetzt noch nicht daran gedacht hat, zur Sonnenbrille zu greifen, der sollte das spätestens jetzt tun. Wir kommen zu meinem Lieblingspullover meiner Teenie-Zeit.

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Zu der Zeit habe ich noch nicht ernsthaft selbst genäht, dafür kilometerweise Wolle verstrickt. Pullover mussten vor allem eines sein: anders. Dieses Stück entstand aus allen Wollresten die ich bis dahin angesammelt hatte, in Rekordzeit von 2 Wochen. Ich hatte praktisch überall mein Strickzeug dabei und hab auch öfters Rüffel kassiert als ich im Unterricht einfach weitergestrickt hatte. Ich war der Auffassung sowohl Aufpassen zu können als auch die Finger beschäftigt zu haben. Glauben wollte mir das leider kaum ein Lehrer obwohl die Hände tatsächlich irgendwann auf Automatik liefen und der Kopf da nicht weiter involviert war.

Jedenfalls, dieses hirnzerstörende Kleidungsstück stellt sowas wie den Kern meiner wollverarbeitenden Schaffensphase dar. Blos kein erkennbares Muster oder irgendwie ähnliche Einzelteile produzieren. Colin Baker wäre blass vor Neid geworden – oder zumindest die die ihm die Klamotten aufgeschwatzt hatten damals 😀

Der Rest meine Pullover-Kunstwerke war moderater, musste aber immer irgendwie assymmetrisch oder von generell zweifelhafter Formgebung sein. Während ich das hier tippe, trage ich Modell „Schneegestöber“ – passend zum Wetter – was mir aus meinem alten Kleiderschrank promt auf die Füße fiel – Grundfarbe schwarz (zum Glück) mit weißen Böppeln ^^ und sehr 80er mässig überdimensional weil breiter als lang.

Wer jetzt noch keine ernsthaften Netzhautschäden hat, dem mute ich jetzt noch die Rückansicht zu.

pulli_hhemd_vStichwort „Batik“ fiel ja schon. Kam auch oft genug vor daß ich mit verfärbten Händen morgens in der Schule saß. Dabei habe ich alles eingefärbt was nicht niet und nagelfest war. Schwarz batiken war eine Herausforderung da das selten wirklich tiefschwarz wurde, in bunt fiel sowas weniger auf. Neben einer regenbogenfarbenen Hose war folgendes Hemd eindeutig das schrillste was ich jemals aus meinen Farbtöpfen zog. Aufwendig war es auch – jede einzelne Farbe musste separat gefärbt werden. Idealerweise mit Zeit zum Trocknen damit die einzelnen  Farben nicht unkontrollierbar ineinander liefen. Es mag nicht den Eindruck machen als wäre das notwendig gewesen, aber ja, man musste da schon etwas drauf achten 😀

Zum Abschluß dann noch ein Teil das unverändert gekauft wurde. Mein Bananen-Schlips. Den hatte ich mir auch in etwa mit 18 Jahren zugelegt, Hintergedanke war bei dem Teil einerseits daß ich eben auch oft in Herrenanzügen rumlief, mit allem Drum und Dran, und ich Bananen für das widerwärtigste Gewächs des ganzen Universums halte. Allein der Geruch schlägt mich erfolgreich in die Flucht. Sich das Hassobjekt somit um den Hals zu binden war ein zutiefst selbstironischer Akt.

Ebenso der Zug sich bei miesem Licht und angeschlagener Gesundheit mit der Digiknippse blitzen zu lassen oO – aber egal, da es wie bei den vorherigen Artikel ohne Doctor Who Bezug ja erklärtermaßen nicht geht momentan, gibts das Bananenschlipsbild dennoch – weil doppelte Who-Referenz 😀   – leider gabs kein qualitativ besseres Video im Netz zu finden …bananaschlipsAbschließend muss ich mich noch für schlechte Bilder und eventuell miese Formatierung entschuldigen, ich sitze grade mit einem winzigen Netbook am Netz und habe nur unzureichende technische Möglichkeiten – ich kümmere mich drum sobald ich wieder zuhause bin 🙂

Weeping Angels #1: der Frankfurter Hauptfriedhof

Wieder einmal ging ein wunderbares Wochenende viel zu schnell vorbei. Wie immer wenn man in guter Gesellschaft ist und interessante Dinge anzusehen und anzuhören hat, flog die Zeit wie im Flug davon.

Am 1. Dezember machten sich Freunde und Leser von Roberts Blog auf gen Frankfurt um sich dort nicht nur zu treffen, sondern auch die Ausstellung zur Schwarzen Romantik im Städel-Museum zu besuchen und um anschließend im „Bett“ vier hervorragende Bands live zu sehen.

Ich will mich an dieser Stelle nicht genauer mit dem Treffen an sich befassen da ich mir sicher bin, Robert wird dem bei Spontis noch nachkommen. Nur eines: es war großartig, man hätte lediglich mehr Zeit gebraucht um sich einmal die Ausstellung noch intensiver vorzunehmen und natürlich auch zum Quatschen. Aber so ist das ja immer 😉

Nachdem am Sonntag gegen Mittag der schwarze Haufen sich wieder auflöste und jeder den Weg in die eigene Heimat antrat, nahmen wir – Chris, Schatten und ich – die Gelegenheit wahr uns vor der Fahrt noch einmal die Füße zu vertreten und einem weiteren ach so typisch-gruftigem Interesse nachzugehen: dem Besuch des Frankfurter Hauptfriedhofes.ffm_friedhof_3_kl

Der Zwischenstop fiel aber eher kurz aus, was einmal dem Wetter geschuldet war, aber auch der Tatsache daß wir dann allzu spät nicht losziehen wollten. ffm_friedhof_1_kl

Da der Friedhof aber sehr weitläufig ist und viele sehr interessante Denkmäler zu bieten hat, würde sich das eventuell anbieten, mit einem weiteren Spontis-Treffen zu verbinden – eventuell liese sich ja auch hier eine Führung organisieren, wie sie zB für den Südfriedhof in Leipzig gibt?

Nachdem ich aber extra meine große Kamera für diesen Zweck mitgenommen hatte, wollte ich zumindest ein paar Bilder machen. Viele sind es natürlich nicht geworden, aber allein schon bei unserem kleinen Rundgang, der sich auch nur über einen sehr kleinen Bereich erstreckt hatte, gab es einige sehr schöne Kunstwerke zu sehen.

Der Hauptfriedhof wurde am 1. Juli 1828 eingeweiht, nachdem der seid 1452 bestehende Peterskirchhof geschlossen wurde. Letzterer bietet aber auch heute noch viele Sehenswürdigkeiten die einen Besuch sicher ebenfalls interessant machen würden.ffm_friedhof_4_kl

Mit seinen rund 80 Hektar Fläche gilt der Hautfriedhof heute als einer der größten innerstädtischen Parks. Dabei schaffen zahlreiche Bäume und Bepflanzungen rund um die Gräber den Charakter eines friedlichen Waldes und sorgen so für eine ruhige, besinnlich-melancholische Stimmung. Ganz in der Intention des damaligen Stadtgärtners Sebastian Rinz und des für das monumentale, klassizistische Haupttor verantwortlichen Architekten Friedrich Rumpf.

Direkt im Anschluß an den Hauptfriedhof befinden sich der alte und der neue jüdische Friedhof, welche jedoch separat verwaltet werden.

Auf der offiziellen Homepage des Friedhofes finden sich noch mehr Informationen: http://www.frankfurter-hauptfriedhof.de/ffm_friedhof_5_kl

Typisch für alte Friedhofsanlagen sind natürlich die kunstvoll gestalteten Friedhofsengel, welche namensgebend auch für diese neue Kategorie an Bild-Artikeln herhalten mussten * 😉 – neu zumindest auf meinem Blog.

Dabei sind diese Statuen weit mehr als nur Dekoration,  sondern eine weit größere Spanne an Symbolik lässt sich in dieser Form der Bildhauerkunst wiederfinden. Der Friedhofsengel gehört zu den sogenannten Todesgenien, welche ein Überbegriff für derarte Statuen darstellt, neben den beflügelten Figuren finden sich Darstellungen die sich auf antike Totengottheiten beziehen, kindliche Putten die auf Gräbern wachen und die „schöne Trauernde“ die in gebeugter Körperhaltung und gesenktem Kopf des Verstorbenen gedenkt.ffm_friedhof_6_kl

Der Engel gilt als Mittler zwischen der irdischen Welt und dem Göttlichen, das Sinnbild jener Eigenschaft stellen seine Flügel dar – eine Verbindung zum Götterboten Hermes, übertragen in die christliche Mythologie.

Als Darstellungsformen sitzen sie trauernd auf den Grabmälern und tragen Gegenstände mit Bezug zum Lebensende, wie eine gesenkte, erloschene Fackel, Blumen oder Stundengläser. Manche erheben sich über die Ruhestätten und segnen diese mit gesenktem Kopf und ausgebreiteten Händen. Wieder andere erheben den Finger zum Himmel um den Verstorbenen den Weg ins Leben nach dem Tode zu weisen oder stehen mit weit ausgebreiteten Schwingen da um die Seelen gar persönlich zu geleiten und den Menschen daran erinnern daß sie sowohl auf Erden als auch im Himmel wandeln können.ffm_friedhof_7_kl

Als weitere Gegenstände kommen auch Symbole vor, die für das Leben stehen wie die Rose –  die Liebe die den Tod überwindet. Für Frieden und Glaube der Palmwedel und für den Todesschlaf und das Wiedererwachen daraus, die Mohnkapsel. Hinweise darauf daß Tod und Leben zusammengehören und beide einander bedingen als ewigen Kreislauf.

Auch musizierende Figuren kann man immer wieder sehen, diese symolisieren die Engelschöre im Leben nach dem Tode.

Die Liste der Symbole ist lang und würde Bände füllen, deswegen bleibt dies hier erstmal ein kleiner Umriss für den Zusammenhang.

Im 19. und frühen 20.  Jahrhundert dienten besonders prächtige Grabmäler  nicht selten dazu, den Reichtum und Einfluß bestimmter Familien darzustellen. Die Zeit der opulenten Engel und Statuen war daher nach dem 1. Weltkrieg zu Ende, als eine Friedhofsreform dazu führte, daß sich Grabstätten von Arm und Reich fortan anhand Form und Größe nicht mehr voneinander unterscheiden durften.

Erst nach 2000 zogen die Engel wieder auf den Friedhöfen ein – wenn auch nicht mehr in monumentaler, symbolgewaltiger Form, dafür mehr als kleine Putten und Figürchen die dekorativ auf Grabsteinen- und -platten liegen und sitzen und so das Grab bewachen.

Soweit mein kleiner Einblick auf den frankfurter Hauptfriedhof.

* „Weeping Angel“ – ist natürlich nicht nur die englische Bezeichnung für den Friedhofsengel – momentan geht hier wenig ohne Doctor Who -Bezug – man sehe es mir nach *g* . So hat die New Series in einer ihrer brilliantesten Geschichten diesen Engeln ein wunderbar-schauerliches Denkmal gesetzt: „Blink“ von Stephen Moffat. Und was es mit den Statuen wirklich auf sich hat, erfährt man in diesem Video.

Also aufgepasst beim nächsten Friedhofsbesuch und – Don’t blink! 😉

Ein Schal und ein Novembertag

Nicht umsonst gilt der November als der Monat der den Leuten am stärksten aufs Gemüt schlägt.
Die Tage werden sehr merklich kürzer, oft ist es grau und tagelang kein bisschen Sonne, die letzten Blätter fallen von den Bäumen und jegliche Farbe weicht aus der Natur. Dazu wahlweise Nebel oder Regen und unangenehme Temperaturen.

Der geneigte Grufti kann solchen Umwelteinflüssen ja doch auch mal etwas abgewinnen. Ich selbst gestehe, dem November eher zwiespältig gegenüber zu stehen. Ich bin eine Frostbeule und schaffe es noch bei 25°C herzhaft zu frieren und auch bei mir ist die novemberliche Diesigkeit auch mal Grund für Stimmung der in der Tat schlechten Sorte. Andererseits kann ich der tristen Melancholie aber auch was abgewinnen, man kann den Mantel wieder aus dem Schrank holen und sich am neu gestrickten Schal erfreuen 😀

Nach 15 Jahren Stricknadelabstinenz hat es mich dann doch wieder dazu getrieben, dabei ist das Wetter nicht unbedingt der ausschlaggebende Grund gewesen – nein (diejenigen die ich seid Wochen damit terrorisiere wissens ja eh 😀 ) , meine aktuelle überschäumende Begeisterung für *den* Doctor   (in dem Fall für meinen Lieblingsdoctor aus der Classic-Serie – Tom Baker ), gepaart mit dem unbeabsichtigten Zufall, daß ich mit 18 bereits einen sehr doctorigen Klamottenstil, samt knallbuntem Schal mit sehr deutlicher Überlänge hatte *hust*

Der alte Schal existiert noch, ist mir aber inzwischen viel zu bunt 😉 – und des 4. Doctors Farben auch, deswegen entschied ich mich für eine Rosa-typische Farbwahl – viel schwarz, ein paar Graustufen und ein Hauch von lila. Die Länge des guten Stücks kommt aber mit stolzen 4,35 Metern an den Schal des Doctors recht gut ran.

Im Praxistest hat sich das gute Stück heute auch mehr als bewährt, denn bei den einstelligen Temeraturen eines richtig novemberigen Sonntag-Nachmittages wird einem auch als Über-Frostbeule nicht kalt am Hals und die Enden schwingen genauso schön beim Laufen wie bei Tom Baker in der Serie ❤

Getragene Bilder wirds auch noch geben – ich brauch erst mal einen neuen Hut 😉

Der „Praxistest“ bestand mehr oder weniger in einem schönen Spaziergang bei dem ich meine Kamera dabei hatte um ein wenig Novemberstimmung der angenehmeren Art einzufangen, auch wenn das Licht recht schnell Mangelware war, so habe ich dennoch ein paar, wenn auch wenige Bilder mitbringen können :

Einen Alien-Landeplatz habe ich dann auch gefunden 😀 – ich glaub sowas muss man einfach erwarten wenn man mit 4 Meter langen Schals in der Gegend rumläuft und das Who-Theme in Dauerschleife im Kopf hat …

Und dann verschwand das bisschen Licht auch schon wieder und setzte zum Abschied noch einmal den Himmel in Brand:

Mein Bekenntnis zum Nerdtum

Wenn man mitten in der Nacht aus dem Fernsehschlaf aufwacht, der einen erfolgreich davon abhielt den Film zuende zu sehen, dann mag das zwar ein Anzeichen dafür sein daß man langsam etwas alt wird – aber wenn dann der Rechner noch an ist und man versehentlich auch bei Facebook noch eingeloggt ist, dann hat das zumindest einen Vorteil: man stolpert über die Statusmeldung eines Bekannten, welche einen auf eine nicht ganz uninteressante Blogparade aufmerksam macht.

Zugegeben, bis dahin kannte ich den Blog der Geek-Sisters noch nicht, doch dem Aufruf zu dieser Parade möchte ich gerne folgen – und wenns allein zu dem Zwecke ist, noch ein paar Leuten welche mich vielleicht nur mit meinen historisch(en) (inspirierten) Riesenfummeln kennen, die Gesichtszüge entgleisen zu lassen 😉

Also pusten wir mal den Staub vom Blog ab und verfassen das Bekenntnis zum Nerdtum :

Drei Fragen sollen hierzu beantwortet werden:

1. Was macht Dich zum Geek?

Oh goth, wo fang ich da an … einmal sicher mein Science Fiction-Fimmel. Das sieht man auch recht deutlich am Bücher- und DVD-Regal. Klassiker nehmen da auch relativ viel Raum ein – da thront beispielsweise auch die limitierte Alphabox von Raumpatroullie Orion die neben den Folgen der Kult-Serie und dem später zusammengeschnittenen Film auch Soundtrack, GSD-Shirt und Aufnäher, Postkarten und einiges mehr beinhaltet 😉

„Klassiker“ ist ein gutes Stichwort – Star Trek war einst mit die Einstiegsdroge, und auch wenn der Erstkontakt via Next Gen erfolgte, so hat es ein Jahr später erst mit Classic richtig eingeschlagen. Da war ich 12-13 und nervte umgehend meine Mutter, mir eine Uniform zu nähen. Auch wenn ich alle Ableger recht gerne sehe, Classic wird immer mein Favorit bleiben, zwar bin ich heute nicht mehr ganz so der Hardcore-Trekkie (ernsthaft, ich war früher *wirklich* schlimm ^^)- in meinem Kleiderschrank hängt noch immer eine romulanische Uniform und ein rotes Uniform-Kleidchen das ich nach Originaler Schnittführung (auffindbar in dem Buch – ist sogar die Ausgabe die ich selbst habe) vor über 10 Jahren genäht hatte.

Mich begeistert aber insbesondere auch eher düstere SciFi ausserordentlich, da hat es mir das Cyberpunk-Genre sehr angetan – nicht umsonst ist mein Lieblingsfilm „Matrix“ (man möge aber die Sequels bittschön unerwähnt lassen 😉 ) – und „Neuromancer“ einer meiner liebsten Romane.

Respektive gerne auch Zeugs das undurchsichtig quer durch verschiedene Realitätsebenen geht oder schön vertrackt „wibbly-wobbly, timey-wimey“ ist 😉 – je schräger und hirnwindungsverdrehender, umso besser.

Einen gewissen Computerfimmel kann man mir auch unterstellen – ich bin durchaus imstande so ein Teil komplett zusammenzuschrauben und ich habe während des Studiums sowie kurz danach jeweils für etwa ein Jahr als Programmierer gearbeitet. Einmal als Nebenjob, einmal voll. Und ich habe eine Homepage die von Grund auf selbstgemacht ist. Nicht nur die Graphiken sind allesamt selbst gebastelt (bis hin zum „Ausgangsmaterial“ dafür), ich habe auch alles von Hand gecoded. Zugegeben, inzwischen bräuchte sie eine gründliche Überarbeitung – man müsste die Zeit dazu eben haben …
Und: ich trage eine Platine aus einer Druckerpatrone meines allerersten Rechners um den Hals, in meinem Schmuckkasten sind auch noch ein paar andere Teile zu finden die ich einmal aus elektronischen Bauteilen selbst gebastelt hatte – lange bevor sowas kommerziell angeboten wurde oder „Nerd“ in irgend einer Weise „in Mode“ gekommen ist.

Ich liebe Logikrätsel und bringe mir gerne Sachen selbst bei.

Und natürlich mein Interesse an wissenschaftlichem Kram – immerhin kann ich auch einige Semester Physik-Studium vorweisen, sowie einige mehr in Ingenieurwissenschaften.

Zählt das Interesse für historische Kleidung auch? Wenn ja – das begleitet mich jetzt seid 2005, neben Anlehnungen an die alten Kleiderformen finde ich es durchaus auch spannend, historische Nähtechniken zu erforschen und auszuprobieren (d.h. stundenlang mit Handnähnadel und Seidenfaden dasitzen um ein Kleid komplett ohne Maschinengebrauch auf die damals übliche Art herzustellen) sowie Living History und Reenactment (auch wenn ich da momentan nur am Rande auch aktiv bin).

2. Wie bist Du zum Geek geworden?

Ich denke, ich bin einfach so auf die Welt gekommen. Auch wenn am SciFi Fimmel meine Mutter nicht ganz unschuldig ist – sie hat selbst immer gern Star Trek, Orion und andere SciFi Serien gesehen, Star Wars war ihrer Aussage nach damals das Beeindruckenste was sie im Kino erlebt hatte – der Rest ist irgendwie durch Veranlagung und Neugier entstanden.
Seid ich 12-13 war (so zu Beginn der 90er) war ich als Jugendliche Stammgast in der Bücherei. Ich hab mir meine Freizeit viel lieber mit Lesen um die Ohren geschlagen anstatt mit den Dingen die ein pubertierendes Mädel sonst im Normalfall so tut. Daß ich irgendwie anders war, war mir damals sehr bewusst, ich war damals aber schon immer stolz drauf, irgendwie seltsam zu sein.

Neben SciFi Romanen trug ich auch allerhand Wissenschaftliches nach Hause – Physik, Astronomie (war damals ein großes Hobby von mir – ich sollte mich mal wieder damit befassen … ), Technik … als ich mit 14 ein Buch über Elektronik der Dame an der Theke zum abstempeln überreichte, sah sie mich ungläubig an und meinte daß sowas doch nur was für Jungs sei oO

Als Kind bereits habe ich die legendäre Knoff Hoff Show geradezu verschlungen und viele Winternächte habe ich mir den Hintern auf dem Dachboden abgefroren beim Beobachten des Sternenhimmels (und schlappte 1999 mit meinem Refraktor-Teleskop über die Schulter geworfen durch die bayreuther Innenstadt als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt – ich war unterwegs zu Freunden, mit denen ich tags drauf ein Stück gen Süden fahren wollte um die Sonnenfinsternis damals zu beobachten).

Mich haben aber auch einige Serienhelden sehr inspiriert, maßgeblich waren das Spock und MacGyver. Beides großartige Wissenschaftler – wenn auch auf unterschiedliche Weise, aber sie hatten genug Eindruck auf mich gemacht, daß mein Interesse daran wie die Welt funktioniert in jedem Gang zur Bücherei präsent war, und sie haben mich dazu gebracht, in der 7. Klasse den Entschluß zu fassen, Astrophysik zu studieren.

Nun, dazu kam es nicht ganz. Nach dem Abitur habe ich mich erstmal für Physik eingeschrieben und bin nach 4 Semestern zu den Ingenieuren abgehauen. Auch wenn ich heute etwas völlig anderes mache – das Interesse ist natürlich noch da und die „Bild der Wissenschaft“ flattert regelmässig in den Briefkasten.

3. Wie wirkt sich Dein Geektum auf Dein Leben aus?

Einmal ganz klassisch – die Bitte, den Computer anderer Leute zu reparieren. Einmal hatte ich via Facebook einem Bekannten um 3 Uhr nachts assistiert, seinen Rechner zusammenzuschrauben und wenn ich meine Eltern besuche kann ich drauf warten daß ich entweder den neuen DVD Player anstöpseln darf oder nachsehen muss, was mit Papas Uralt-Handy mal wieder nicht stimmt.

Mein Humor ist wohl auch nicht ganz alltäglich – ich kann mich bei Physik(er)witzen scheckich lachen, dafür grüble ich bei manchen allgemein üblicheren Witzen nach, was daran so komisch sein soll – ich denke daß mich gerade deswegen manche Leute auch für ziemlich humorlos halten 😉 – aber eigentlich muss man meine Tasse Tee nur als Brown’schen Molekularbewegungs-Generator bezeichnen …

Es kam schon vor daß ich, während im Fernsehen „Big Bang Theory“ lief und irgendwas über Star Trek Classic gesagt wurde, ich mich beim Vorbeigehen umdrehte um dem Fernseher zu sagen, daß die Jungs falsch liegen da ich betreffende Szene auswendig kenne.
Überhaupt – was genau diese Serie so sympathisch macht ist, daß viele Klischees war völlig überzeichnet sind, aber nicht ganz aus der Luft gegriffen, schlimmer noch, aus dem realen Leben an der Uni durchaus bekannt sind und stellenweise auf mich selbst genauso gut passen *hust*

Meinen Tee schlürfe ich aus einer Alienkopf-Tasse und in meinem Schrank sind einige Shirts mit eindeutig-nerdbekennenden Aufdrucken zu finden. Generell ist meine Alltagsgarderobe auch mal mehr, mal weniger deutlich nicht nur von historischen Einflüßen, sondern auch von SciFi inspiriert und mein Lieblings Star Trek-T-Shirt habe ich seid ich 13 bin 😉 – nicht zu vergessen der bereits erwähnte Schmuck aus Platinen und anderen elektronischen Bauteilen.

Ich kann den ganzen Tag und die halbe Nacht am Rechner verbringen und im Internet rumhängen – meistens passiert das wenn ich irgend etwas, das mich grade besonders fasziniert, recherchieren möchte (was in gewisserweise die früher regelmässigen Büchereigänge ersetzt hat) und „idealerweise“ gerade eh in einer sozialinkompatiblen Stimmung bin.

Ich ziehe jeden SciFi Streifen ohne mit der Wimper zu zucken absolut jeder Schnulze vor und bei Historienstreifen hab ich einenm höllischen Spaß dabei, jegliche historische Inkorrektheit der Klamotten ausfindig zu machen und mich darüber aufzuregen.
Und ich grüble gerade ob ich mein altes Fahrrad TARDIS-blau oder im Dalek-Design umlackieren soll.

Was mich dazu bringt daß ich zum Frühstück gerne eine Folge Classic Doctor Who schaue und ich mich neulich sehr geärgert habe, daß ich Patrick Throughton in einer Folge von „Die Zwei“ nicht erkannt habe oO

Und auch wenn Zockertum zu meinen nerdigen Eigenschaften eher nicht zählt, so sind gelegentliche Abende des Diablo-Spielens unter Pizza-Konsum im Netzwerk mit meinem Freund trotzdem ein ins Bild passendes Symptom 😉

Lange Rede, kurzer Sinn – das wäre dann mein persönliches Nerd-Bekenntnis.

Den Aufruf zu dieser Blogparade gibt es im Übrigen hier zu sehen, und gewinnen kann man auch was, nämlich einen Einkaufsgutschein beim Onlineshop für echte Nerds – getDigital.

Weils halt cool ausschaut … oder so.

Zugegeben, ziemlich fassungslos hatte ich für ein paar Sekunden wohl aus der Wäsche geschaut, als mich vor mehreren Wochen jemand fragte, ob ich das Shirt das ich an dem Tag anhatte, nur deshalb trug weil ich „den Style cool finde“ oder tatsächlich die zugehörige Band mochte.
Für mich war die Frage absurd – wie konnte man „sowas“ einen Menschen fragen, der zum angesprochenen Shirt Pikes, Pluderhosen und einen Samtblazer mit einer Sammlung von Buttons, die fast alle Motive von Musikgruppen aus der gleichen Ära zeigen, trug – in monochromem schwarz versteht sich.
Nachdem ich den Schock darüber überwunden hatte, war ich mehr angenehm erstaunt daß der gute Mann das Motiv identifizieren konnte – denn ausser der charakteristischen Graphik des „Unkown Pleasures“ Album von Joy Division befindet sich auf dem Teil kein Bandname oder sonstiger Text.

Das Eine oder Andere Mal noch schüttelte ich innerlich den Kopf über die Annahme, es gäbe tatsächlich Leute die sich sowas nur aus Modegründen an den Hintern hängen – und dann vergaß ich den Vorfall auch schon wieder.

Bis gestern.

Da blätterte eine meiner 20-jährigen Studienkolleginnen an der Modeschule in einem Mode-Magazin. Eher zufällig fiel mein Blick auf das Blatt – für Mode-Zeitschriften interessiere ich mich eher weniger. Klingt paradox in meinem Fall – zugegeben – aber mich hat die Frage nach dem was aktuell „trend“ ist in meinem ganzen Leben noch nie interessiert, und die Momente in denen man an der Schule dazu gezwungen ist, sich mal damit zu befassen waren mit der Prämisse „Ich muss den Scheiß den ich da entwerfe ja nicht anziehen“ dann meistens halbwegs erträglich. Manchmal sogar amüsant, zugegeben – meistens dann wenn man explizit vom Standard-Stil großer 08/15 Modeketten abweichen durfte um fröhlich vor sich hin zu spinnen – hauptsache die Trend-Farben stimmten …

Aber zurück zum Mode-Heftchen – beinahe hätte ich mich an meinem Tee verschluckt (schwarzer natürlich, ohne Zusätze *g*) als mein Blick auf ein Shirt mit besagtem Motiv fiel – die Graphen des Unknown Pleasures – Albumcovers, zusätzlich dazu darüber groß „JOY DIVISION“ gedruckt, und darunter der Albumtitel. Chic kombiniert dargestellt mit giftgrünem Beinkleid und einer dieser unsäglichen Weibchen-Handtaschen die eng in der Achselhöhle anliegen.
Gut, wer die Band geil findet und stilmässig einfach nicht die Reinkarnation des Ur-Gruftis ist – ist auch nichts dagegen einzuwenden, aber die Präsentation schien nicht groß darauf hinaus zu laufen, sich an tatsächliche Musikliebhaber zu richten, sondern mehr an das hippe Girl von Nebenan.

Ich bat um einen Blick auf das Magazin – aus Interesse an der Beschreibung, Preis und Hersteller. Ersteres verlor auch weiter kein Wort zu der Band, der Preis – stolze 42 Geld. Ich äusserte mich dahingehend, daß ich es recht daneben finde, sich im speziellen ein Bandshirt an den Hintern zu hängen, nur weil man das Motiv grad irgendwie „trendy“ findet – noch dazu da es sich hier um keine leicht verdauliche Partymucke handelt, sondern etwas was zumindest ein Mindestmaß an Beschäftigung damit erfordert.

Ein weiterer Blick auf den Artikel vonseiten meiner Kollegin – naja, das Motiv sei graphisch ja schon interessant – so gesehen mag das auch zutreffend sein, würde es sich hier um „nur“ Design handeln, aber das Motiv wurde durchaus mit Bedacht gewählt. Ich werfe aber mal ganz verallgemeinernd in den Raum, daß das trendy Girl von Nebenan nur sehr selten nachforschen wird, was es mit dem chicen Motiv auf ihrem Shirt so auf sich hat.

Der Trend mit Bandshirts von der Mode-Kette von Nebenan ist natürlich nichts Neues, vor 10 Jahren schon hingen in Pimkie und Orsay Oberteile mit Motiven durchaus bekannter Metal-Scheiben im Laden. Und auf den Strassen fand man Jungvolk, das oftmals sogar sehr erstaunt darüber war daß das „lustige Motiv“ da auf dem Oberteil ein Plattencover war – oh Schreck, sogar aus einer Musiksparte die man eigentlich garnicht mochte!
Damals fand ich das schon reichlich blöde, aber das Unknown Pleasures-Shirt im Sortiment einer Modekette zu finden, war ein leichter Schock – vielleicht gerade aus dem Grund weil man mit Motiv und zugehöriger Musik persönlich mehr verbindet als mit den Metal-Motiven die vor einer guten Dekade „in Mode“ kamen.

Der Hersteller des Shirts ist Urban Outfitters – hier neben einigen anderen Band-Motiven zu finden.
Die Firma richtet sich nach eigenen Angaben an Leute zwischen 18 und 30 , hauptsächlich den Typus des sogenannten „Hipsters“ ansprechend – zu dem Thema hat Robert auf seinem Blog – Spontis – schon ein paar treffende Zeilen verfasst.

Treibt die trendgerechte Vermarktung eines solchen Motives die Szene weiter in den wohlheraufbeschwörten Untergang? Ein Streit-Thema das keineswegs neu ist. Und ich denke das kann man aus verschiedener Sicht sehen – zum Einen gibts da den Schockmoment, eben sowas im Trend-Laden wiederzufinden, zum Anderen – es gibt auch genügend (Jung-)Schwarze die mit dem Motiv wohl wenig anzufangen wüssten und sich sehr subkulturell fühlen weil die Klamotten von einschlägigen „Szene“-Läden stammen – was ich weitaus kritischer sehe. Innerhalb der Szene werden genauso „Trends“ aufschnappen und vermarkten wie es die ganz normale Modeindustrie eben auch macht. Unter dem Strich kein großer Unterschied also – ob bunt oder schwarz, wenn nur „Mode“ zählt kann man beides getrost in einen Topf werfen. Da ist die „Szene“ auch ganz eindeutig im Mainstream angekommen – wie kürzlich Sat.1 in einer Reportage über das M’Era Luna fachkundig proklamierte – über die Qualität dieses Berichtes möchte ich mich an dieser Stelle aber nicht groß auslassen, das M’Era habe ich noch nie besucht da es mich auch noch nie groß interessiert hatte, daher fehlt mir die Grundlage zu bewerten ob das Dargestellte der Wahrheit entspricht oder wieder einmal überzogener Sensationsjournalismus ist – die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen, denke ich, so oder so weckt es auch weniger das Interesse, der Geschichte tatsächlich einmal einen Besuch abzustatten – wobei ich auf der anderen Seite gestehen muss, daß ich die Möglichkeit hatte bei der angesprochenen Modenschau als Designer dabei zu sein. Widersprüchlich, zugegeben, aber ich sehe es mehr als das Gegenteil von Mainstream an, wenn Designer aus der Szene für eben diese arbeiten und liebevoll gestaltete Einzelstücke und Kleinserien anbieten, anstelle von Massenware die genauso industriell produziert wird wie die der großen und langweiligen Mode-Ketten – finde ich zumindest … aber das Thema wäre einen eigenen Artikel wert und deswegen lasse ich es an dieser Stelle auch dabei bleiben.

So oder so – ich interesiere mich für Trends und das was modemässig angesagt ist, immer noch nicht. Nur manche „Trends“ bekommt man eben mehr zu Gesicht als andere.

Wenn ich dann doch mal im Zuge einer Arbeit für die Aubildung in den „Trend-Büchern“ blättere, fällt stark auf wie 80er-lastig auch die „normale“ Mode ist. Mit beinahe allen Merkmalen die man in den beiden Dekaden danach so völlig scheußlich fand – Leggins, Neonfarben, wüste Drucke, Oversize-Hemden, verspielte Pastells die einen an romantische Teenie-Komödien aus den USA dieser Periode erinnern und einen innerlich erschauern lassen. Lediglich bei den Schulterpolstern scheint man dann doch die stilistische Schmerzgrenze nicht überschreiten zu wollen – aber wer weiß was noch kommt.

Immerhin kann man der Mode der „bunten“ Welt eine gute Seite abgewinnen – man könnte beispielsweise auch wieder mal ganz retromässig stilistischen Widerstand gegen diese knüllebunte Spaßgesellschaft leisten – am Besten mit einer guten Joy Division Scheibe im Ohr und der Gewissheit daß im eigenen Bandshirt, das mit Schereneinsatz und einigen – womöglich – krummen Nähten in Eigeninitiative in Wunschform gebracht wurde, mehr Aussage steckt als im fertig produzierten Shirt vom Trend-Hersteller welches tatsächlich nur wegen des „coolen Styles“ des Aufdruckes, gekauft wurde.

In diesem Sinne wandere ich jetzt auch wieder an meine eigene Nähmaschine …

Unknown Pleasures – Peter Hook in Nürnberg

Ob man an „Zufälle“ glauben mag oder nicht sei jedem selbst überlassen, Tatsache aber ist daß manche Ereignisse sich so glücklich ergeben daß man in wortwörtlich „ungläubiges“ Staunen verfällt.

So geschehen Anfang Februar. Von der Modeschule aus hatten wir die Gelegenheit, am 9. Februar in Fürth an einem Symposium für textile Innovationen teilzunehmen. Frau verhinderter Ingenieur war natürlich gleich begeistert und meldete sich an 😉
Kurz darauf stolperte ich über die Ankündigung daß in Nürnberg am Abend davor Peter Hook – ehemaliger Bassist bei Joy Division – in Nürnberg spielen würde. Im Gepäck: ausschließlich alte Songs der Postpunk-Legenden.
Ich habe zigmal das Datum nachsehen müssen um zu glauben daß beide Veranstaltungen so praktisch beieinander liegen, und ohne fahrbaren Untersatz war die Anreise per Zug am Abend zuvor sowieso notwendig.
Ein guter Freund, Chris, lies sich auch schnell begeistern und ich hatte damit auch einen Schlafplatz in Nürnberg sicher 😉

In Nürnberg am Bahnhof endlich angekommen, gegen kurz nach 18:15 Uhr trennten sich die Wege der Mädels die ebenfalls das Symposium besuchen wollten und mir – kurze Suchpause im Gewirr des nürnberger Bahnhofes, dann fanden Chris und ich uns. Im Vorbeigehen noch eine belegte Semmel ergattert und im Auto damit etwas gegen den knurrenden Magen getan der seit 10:00 Uhr nichts festes mehr gesehen hatte.
Wir sammelten Andy Ghoul – einen weiteren Bekannten – auf und machten uns dann auf den Weg zum Hirsch – den Veranstaltungsort. Ich war heilfroh daß wir früher aus Naila abhauen konnten, eine Stunde später anzukommen hätte uns in arge Zeitprobleme versetzt, so war es zeitlich eine Punktlandung.

Vor dem Hirsch dann noch kurz die Schuhe gewechselt – statt der bestöckelten, warmen Winterstiefel rein in die Pikes die von den satten Minusgraden inzwischen gut durchgekühlt waren – teils geschuldet gruftiger Eitelkeit, teils auch der Tatsache daß meine Füße schon Einwände gegen die Stiefel hervorzubringen wussten.

Das Hirsch ist in Nürnberg eine bekannte Örtlichkeit für Konzerte aller Art, aber auch für Parties. Ich war bisher noch nie dort, auch wenn ein-zwei Konzerte vorher schon mein Interesse geweckt hatten, es hat sich dann doch nie ergeben.
Ich hatte den Saal weit größer eingeschätzt und hatte mich schon darauf eingestellt irgendwo am Rand oder weiter hinten eingeklemmt zu werden – zum Glück erwies sich der Saal als überschaubar und die Besucherzahl war auch für meine Abneigung gegen Ölsardinenfeeling akzeptabel.

Die Besucherzahl war noch recht gering als wir kurz vor 19:30 eintrafen. Eine halbe Stunde später sollte das Konzert dann stattfinden. Erwartungsgemäß war der Altersdurchschnitt eher etwas höher, im Vorraum legten die Jungs von der „We Want Revenge“ allerlei göttliche alte Wave-Schinken auf.

Peter Hook verzögerte ein wenig. Da noch immer nicht übertrieben viel los war – was mich verwunderte – war es ein Leichtes sich bis zum Bühnenrand vorzuwagen. Ich hatte wie gesagt ja schon damit abgeschloßen irgendwo abseits in Fluchtfreundlicher Position einen Platz ergattern zu können, aber nachdem sich die restlichen Anwesenden erstmal weiter hinten lose verteilten, hatte man vorne auch halbwegs Luft.
Andy machte mir dann seinen Platz am Zaun direkt vor der Bühne frei weil der Junge als großer, starker Totrocker 😉 eindeutig ein paar Köpfe länger ist als ich – vielen Dank nochmals dafür ❤

Dann wurde es irgendwie surreal – die Band spielte noch nicht, aber die Instrumente waren schon aufgebaut, alles in farbiges Licht getaucht. Dahinter, eine große Flagge mit dem Logo des "Unknown Pleasures" – Album – die charakteristischen Graphen welche ich hier mal näher auseinander genommen und erklärt habe (aber Robert ist schuld 😛 )

Auf einem großen, altmodischen Röhrenmonitor links der Bühne liefen alte Konzertmitschnitte von Joy Division, die Tonspur kam über die Lautsprecher gedämpft in den Zuschauerraum. Um einen herum, Schwarzgewandete. Buttons an Reverskrägen, Bandshirts. Das Gefühl gerade in eine Zeitreisemaschine geraten zu sein die einen anno 1980 wieder ausgespuckt haben muss.

Natürlich machte der Anfang des Konzertes dieses Gefühl wieder etwas zunichte, denn aus bekannten Gründen betrat natürlich nicht Ian Curtis die Bühne sondern Peter Hook, im hellgrauen T-Shirt mit dem „Closer“-Motiv über einem leichten Bauchansatz. 1980 ist eben doch schon ein Weilchen her …
Aber er legte sich durchaus ins Zeug – die Bässe kitzelten angenehm in der Magengegend, auch ohne die Originalbesetzung war es ein grandioses Gefühl diese alten Songs live erleben zu dürfen. Neben den Stücken des „Unknown Pleasures“-Albums, welche in Reihenfolge gespielt wurden, kamen die restlichen Klassiker ebenso zu Gehör.
Ein Zwischenrufer, der lautstark seinen Wunsch nach „Blue Monday“ äusserte, erntete von Hook einen kommentarlosen Stinkefinger – was das Publikum zum Lachen brachte 😀

Nach „I remember nothing“ verließ die Band erstmal die Bühne. Das letzte Stück des „Unknown Pleasures“-Albums wurde live sehr beeindruckend interpretiert, statt der industriell anmutenden Samples der Albumversion verdösknaddelten Peter Hook und sein Bassist ihre E-Klampfen auf eine Weise die den Instrumenten Töne entlockten, die fast körperlich weh taten – ziemlich genial!

Begeisterungsrufe entlockten aber hauptsächlich die bekannten Songs – „Shadowplay“, „She’s lost control“, „Transmission“ – und als allerletztes Stück natürlich „Love will tear us apart“

Zu den letzten Akkorden schälte sich Peter Hook aus dem inzwischen schon gut durchgeschwitzen Shirt und warf es in die Menge. Ärgerlicherweise landete es etliche Meter hinter mir 😉 – als wir mit den restlichen Besuchern den Weg gen Ausgang antraten, stand die glückliche Fängerin nebst ihrem Mann noch immer wie angewurzelt an ihrem Platz.
Chris beäugte das Shirt das sie zusammengeknüllt festhielt – „guck mal, der hat auch schon ganz neidisch drauf geschaut!“ meinte sie daraufhin zu ihrem Begleiter.

Ich muss gestehen, kein Konzert das ich bisher gesehen habe war gefühlt so schnell vorbei. Und das Phänomen spricht natürlich eindeutig für die Show. Es war toll – auch wenn es natürlich in dem Sinne kein echtes Joy Division Konzert war – mit Peter Hook als das einzige ursprüngliche Mitglied der Band.
Die Tour mit diesem Programm jedoch soll nicht nur an Ian Curtis erinnern, die Band spendet auch einen Teil der Einnahmen an Einrichtungen für die Behandlung psychisch kranker Menschen in England.

In der Vorhalle drangen nun wieder Depeche Mode und The Cure in gedämpfter Lautstärke aus den Lautsprechern. Ich holte mir noch ein Glas Wein zum Abschluß des Abends. Eindrücke Revue passieren lassen, ein wenig quatschen, innerlich noch ein paarmal den Kopf schütteln daß der Zufall es möglich gemacht hat daß ich das Konzert tatsächlich sehen konnte.

Dann ein zeitiges Ende des Abends – immerhin fand das Konzert mitten unter der Woche statt, aber es hat sich absolut gelohnt.

Am nächsten morgen stand ich dann mit Nadelstreifengehrock und hochgesteckter Mähne in der fürther Stadthalle – ein kleiner Kulturschock für die Mädels die mich am Abend zuvor noch ganz anders zurückgelassen haben 😉

Dank für die Konzertimpressionen geht an Andy – ich habe leider meine Kamera wieder mal vergessen.

Butoh – der Tanz der Finsternis

Tanz ist nicht nur ein netter Sport sondern ein ganz besonderes Ausdrucksmedium. Hier wird der Mensch nicht nur Künstler sondern Kunstwerk selbst, er setzt seinen Körper ein um sich mitzuteilen. Nonverbale Kommunikation die mit Gewändern und Make-Up betont werden kann – einerseits durch besonders viel aber auch durch besonders wenig.

Tanz begleitet mich seid ich 11 bin, da habe ich mit Ballett angefangen. Klar, ein typischer Kleinmädchentraum, das muss ich zugeben 😉 doch Tanz ist eben mehr als das. Heute finde ich schnurzklassiche Bühnenstücke zwar vom technischen Standpunkt interessant, wirklich faszinierend finde ich mehr moderne Ausdruckstanz-Formen.

Der moderne Tanz – als Kunstform auf der Bühne – hat seinen Ursprung bei Pionieren wie Mary Wigman – im deutschen Expressionismus.

Dieser neue Ausdruckstanz bahnte sich nach dem zweiten Weltkrieg seinen Weg in die japanische Kunst. Tatsumi Hijikata und Ōno Kazuo griffen diese Wurzeln auf und erfanden „Ankoku Buto“ – den „Tanz der Finsternis“ – wie die Langform von „Butoh“ übersetzt lautet.

Der Ausdruck lässt schon erahnen worum es inhaltlich beim Butoh hauptsächlich geht: menschliche Abgründe, Angst, Verzweiflung, Trauer, Tod, sexuelle Absonderlichkeiten. Themen die gesellschaftlich wenig Akzeptanz finden.

Besonders in den 60er Jahren erlebte Butoh seine Blütezeit, im Fahrwasser des anti-amerikanischen Protestes in Japan.
Wo Butoh zunächst als Protest gegen die steife, traditionelle Geisteshaltung der japanischen Gesellschaft stand und gegen die ebenso starren Normen japanischer Tanzformen rebellierte die all das ausdrückten, wurde Butoh später auch Ausdruck des Widerstandes gegen die Amerikanisierung der japanischen Kultur.
Butoh hat keine Regeln und folgt keinen starren Choreographien, Mittelpunkt ist der Ausdruck – oft von Tabuthemen wie Tod, Trauer, Irrsinn, menschlichen Abgründen. Butoh ist aber auch ritueller Tanz in Anlehnung an schamanistische Praktiken, archaisch, primitiv – denn der Tod bringt auch neues leben und einen neuen Anfang hervor – ein Ansatz den viele spirituelle Richtungen zeigen, egal ob sie alt oder neu sind.

Im Jahre 1959 sollte das erste Butoh-Bühnenstück vor Publikum uraufgeführt werden – „Hijikatas Kinjiki“ – thematisch drehte sich die Handlung um Homosexualität, zudem sollte auf der Bühne ein Huhn umgebracht werden. Die Vorstellung fand nie statt – ob die Japaner am Tod des Huhnes oder der homosexuellen Thematik Anstoß nahmen liegt im Dunklen.

Der Tänzer will den Zuschauer nicht unterhalten, er kommuniziert mit ihm durch Körpersprache. Ganz in sich versunken bewegt er sich tranceartig, verkrampft, grotesk. Langsam. Unwirklich. Die Ästhetik ist hier mehr suf der Seite dessen was allgemein als „hässlich“ empfunden wird. Kahle Körper, androgyne Erscheinung bis zum Crossdressing, schmerzhaft aussehnde Grimassen und Verkrampfungen, weißes Make-Up.

Auch die Grenzen zwischen biologischen Geschlechtern werden hier verwischt da die Tänzer oft geschlechtslos auftreten.


Vielleicht klingelt es bei einigen die es nicht eh schon wussten – schaut doch schwer nach Sopor Aeternus bzw Anna-Verney Cantodea aus?

Richtig.

Er/Sie ist selbst Butoh-Tänzer und hat in ihrem/seinen Werk sehr viel Butoh-Ästhetik übernommen. Angefangen vom Erscheinungsbild über die grotesken Artworks, die Bewegungen (auch wenn er/sie bekanntlich nicht auftritt) – gemsicht mit mittelalterlichen Einflüssen, victorianischer Schauerästhetik in feiner Tradition der schwarzen Romantik – und Wave. Ja, wirklich! Gerade die ersten Werke sind noch sehr deutlich wave-lastig und auch wenn sich Legenden um ihr/sein Alter ranken, so bekommt man stellenweise immer wieder Hinweise darauf daß er/sie in der schwarzen Wave-Szene aufgewachsen sein muss und von da aus einen ganz eigenen Schritt unternommen hat. Stellenweise hört man die Wurzeln aus der Musik auch noch deutlich heraus

Natürlich fasziniert mich Anna-Varney genauso wie viele andere Schwarz- und Endzeitromantiker.
Aber auch der Hintergrund mit dem Butoh-Tanz allein ist eine spannende Sache die vom Aspekt der Kunst her schon für sich genommen sehr „gruftig“ ist.
Ich bin jetzt niemand der für den Japan-Hype allzu viel übrig hat. Wenn man den ganzen bonbonbunten Kram a la Lolita und Visual K mal wegschiebt bietet aber auch diese Kultur sehr faszinierende Aspekte die weiter gehen als Mode und Trends und sogar tatsächlich ins schwarze Bild passen.

Ich habe zwar viel Tanz betrieben und bin – nicht nur deswegen – auf Veranstaltungen auch ziemlicher Ausdruckstänzer, mit Butoh habe ich aber keine persönlichen Erfahrungen.
Ich kann aber bestätigen daß die grotesken, langsamen Bewegungen der Butoh-Tänzer, auch wen sie erstmal komisch aussehen mögen, enorme Körperbeherrschung und Kraft erfordern. Man sieht das am drahtigen Körperbau ja auch ganz gut. Zudem kommt die Fähigkeit sich emotional auch noch so reinzusteigern – ich werde auch das Gefühl nicht los daß der „Danse de la terre“ von Rosa Crux auch maßgeblich vom Butoh beeinflußt ist 😉

Gunkanjima – die Kriegsschiff-Insel

Heute möchte ich einen weiteren, faszinierenden verlassenen Ort vorstellen, über den ich vor längerem schon durch Zufall im Netz gestolpert bin.

Nach der Kowloon Walled City die sich in Hong Kong befunden hatte, und der ich bereits zwei Beiträge gewidmet habe, begeben wir uns jetzt nach Japan.
Genauergesagt zu einer Insel die den Namen Hashima trägt, was übersetzt so viel wie „Grenzinsel“ bedeuted. Diese Bezeichnung bezieht sich auf die Tatsache, daß von der Hauptinsel aus, Hashima die letzte sichtbare zu Japan gehörende Insel in dieser Richtung ist.
Ursprünglich war die Insel 120m breit und 320m lang. Im Jahre 1890 kaufte der Konzern Mitsubishi diese, die in den darauffolgenden Jahren durch insgesamt 6 Aufschüttungen auf 160m Breite und 480m Länge erweitert wurde.
Zudem wurden zum Schutz gegen die See, um die Insel herum 8-10m hohe Betonwände errichtet, wodurch die Insel das Aussehen eines Kriegsschiffes bekam – und damit ihren Spitznamen: Gunkanjima – die Kriegsschiffinsel.

Von 1897 bis 1974 wurde auf dieser Insel unterseeischer Kohleabbau betrieben. Zu diesem Zweck lebten die Arbeiter mit ihren Familien direkt auf der Insel, dazu wurden neben dichtgedrängten Wohnhäusern auch zahlreiche andere Gebäude errichtet die unter Anderem eine Badeanstalt, eine Polizeistation, Tempel, Geschäfte, ein Kino, eine Turnhalle und sogar ein Bordell beherbergten. Auf engstem Raum wohnten hier bis zu 5.000 Menschen, was eine der höchsten Bevölkerungsdichten der Welt ergab.
Aus Platzgründen musste ein Großteil der Infrastruktur unterirdisch errichtet werden. Der immens begrenzte Raum führte dazu daß für die Unterkünfte der Arbeiter das in Japan erste mehrstöckige Haus aus Stahlbeton dort errichtet wurde.

Den Namen „Kriegsschiffinsel“ erhielt Hashima im Jahre 1945, als ein amerikanisches U-Boot die Insel torpedierte, weil die Besatzung sie mit einem Schlachtkreuzer der Japaner verwechselt hatte.

1974 schloß Mitsubishi die Mine offiziell, die Insel durfte seitdem nicht mehr betretenen werden. Nach der Schließung am 15. Januar im besagten Jahr verließen die Bewohner fast schon fluchtartig die Insel, dabei blieben viele persönliche Gegenstände zurück, da es nicht möglich war diese mit zu transportieren, auch nachträgliche Abholungen waren schlichtweg zu teuer. Mitsubishi kümmerte sich ebenfalls nicht mehr um die Bauten und Anlagen auf der Insel, so daß alles den Naturgewalten ausgesetzt, seit Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben ist.

Ab April 2009 ist die Insel wieder für Besichtigungen zugänglich, es werden Umrundungen mit Booten für Touristen angeboten, sowie Führungen durch die Insel.
Für viele Japaner gilt Hashima als Mahnmal der Aubeutung von Mensch und Natur. Die Bedingungen waren menschenunwürdig und forderten viele Tote. In Ermangelung eines Bestattungswesens wurden diese dem Meer übergeben oder in stillgelegten Bergbauschächten „deponiert“.
Im zweiten Weltkrieg wurde Hashima als Arbeitslager mit koreanischen und chinesischen Zwangsarbeitern besetzt – über 1300 Menschen kamen ums Leben.
Trotzdem verdienten zumindest die japanischen Arbeiter auf der Insel nicht schlecht, dafür daß sie unter den gegebenen Bedingungen leben und arbeiten mussten.

Eine Slideshow mit vielen Bildern der Kriegsschiffinsel findet sich hier:

Noch eindrucksvoller in bewegten Bildern hat ADEYTO das folgende Video zusammengestellt:

Wer mehr Info haben mag, dem empfehle ich die nachfolgende Doku, bei der ein Zeitzeuge bei einem Besuch von Hashima mit von der Partie war und seine Erinnerungen an das Leben auf der Insel mit den Zuschauern teilt:

Auf der Seite des Photographen Jürgen Specht gibt es eine große Anzahl ebenfalls sehr sehenswerter Bilder:

http://www.juergenspecht.com/explore/series/27/

Brian Burke-Gaffney schrieb auf seinem Blog eine ausführlichere Geschichte der Kriegsschiff-Insel zusammen (englisch):

http://www.cabinetmagazine.org/issues/7/hashima.php