Androiden in der Pfalz – das Science Fiction Treffen in Speyer, 2018

Wieder einmal liegt ein grandioses Wochenende hinter mir, und wieder einmal versuche ich dem Con-Blues beizukommen, indem ich meine Erinnerungen zu virtuellem Papier bringe, damit ich sie mit euch teilen kann!

Daß die Con-Geherei Spaß macht merkt man wohl spätestens dann, wenn mans ich denkt – zwischen zwei Terminen ist so ne lange Zeitspanne, wie soll man das nun aushalten – da muss noch irgendwas rein!

So erging es mir zumindest heuer, nach der FedCon (den Bericht gibts hier) war ich im siebten Nerd-Himmel und heiß auf mehr – im weiteren Jahresverlauf waren noch die Comic Con in Stuttgart im Terminkalender vermerkt sowie die TimeLash, die vor vier Jahren mein Einstieg ins Con-Leben war und ich seitdem auch nicht mehr missen möchte.

Ich befragte also ein bisschen das Internet und meine Mit-Nerds auf Facebook, was es denn noch so alles gäbe, und so fiel die Wahl letztenendes auf das Science Fiction Treffen im schönen Speyer.

Gesagt getan ging ich wieder schnurstracks auf Pennplatz- und Zugverbindungs-Suche. Dieses Mal würde ich wieder alleine unterwegs sein, aber es waren ja genug Bekannte von vergangenen Cons anwesend – da sollte man immer mal Anschluß oder eine Gelegenheit zu Quatschen finden …

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Antonov 22 – Transportflugzeug, eines der größten Exponate

Zugegeben, das Programm des Treffens war für meinen Geschmack eher dürftig – überwiegend Star Wars und dazwischen versteckt zwei kleine Highlights für den geneigten Trekkie, denn mit Mark Allen Shepherd wurde der Schauspieler angekündigt, der in Deep Space Nine die kleine und stumme Rolle des Morn innehatte – der aber seinerzeit schnell zu einem Fan-Liebling wurde. Und dazu Lieven L. Litaer, seines Zeichens Klingonisch-Lehrer – selbst wenn ich nicht vor rund vier Wochen angefangen hätte, mich ernsthaft mit dieser Sprache zu befassen (und meine Lern-App sagt, ich könne schon gut 60 Wörter 😀 ), so wäre das ein hochinteressanter Programmpunkt geworden. Leider aber sagte er ein paar Wochen vorher dann ab … damit fiel ein ganzes Drittel meiner Programmpunkte schon flach, aber gut – bei solchen Gelegenheiten trifft man ja, wie gesagt – Freunde und Bekannte, und dann war da noch die Örtlickeit – das Technikmuseum in Speyer versprach gar exorbitant interessant zu sein, und das konnte es auch voll und ganz halten …

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Beim Füßevertreten am Freitag abend konnte ich das Museum schon ausfindig machen

Aber zurück zum Anfang – Freitag gegen Mittag zog ich los, wie immer schlug ich mich via Zug durch die Landschaft. Bis Speyer sollte ich laut Plan um die fünfeinhalb Stunden brauchen, aber – da haste die Rechnung wieder mal ohne die Jungs von der Bahn gemacht … zum Glück kam nur eine halbe Stunde tatsächlicher Verspätung dabei raus, während der Fahrt hatte ich der Tochter meines dortigen Vermieters Bescheid gegeben, die die Schlüsselübergabe für ihren Vater machen sollte. Ganz spontan antwortete sie mir, als ich fast schon angekommen war – ich hol dich ab, bis zur Wohnung sind das ja 15 Minuten zu Laufen!

Und da wurde mir wieder bewusst daß Speyer so groß nicht sein kann, denn je größer eine Stadt umso weniger empfindlich sind die Bewohner bei den Distanzen – in meinem Heimatkaff setzen sich die Leut schon für die sprichwörtlichen paar Meter in ihre Karossen – während ich der Meinung bin, das nächstgrößere Kaff ist auch mit dem Rad noch absolut in vertretbarer Reichweite …

Trotzdem war ich ganz froh um den netten Taxi-Service und so kamen wir bei der kurzen Fahrt zur Wohnung schon überraschend angeregt ins Gespräch …

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Da oben ist das Bett – unglaublich gemütlich … 

Die Wohnung war für einen einzelnen Menschen ziemlich großzügig, und recht witzig hergerichtet, irgendwie mit dem Charme eines Altbau-Mini-Lofts irgendwo zwischen „modern renoviert“ und kitschigen Dekoteilen in Form von Mini-Ritterrüstungen und ähnlichem. Das Bad – ausgestattet mit Regendusche und zwei Stufen hoch zum stillen Örtchen – das somit wahrlich einem Thron aus Porzellan gleichkam 😀
Ich hab mich sofort wohl gefühlt – bei meinen Alleingang-Trips hab ich bisher entweder das Sofa bei Freunden belegt oder mir solche Wohnungen gesucht. Das gefällt mir um Längen besser als Hotels. Bei Freunden hat man einfach mehr Zeit die man mit Freunden verbringen kann, da man die sonst nicht so oft sieht, und die Wohnungen sind einfach viel größer, gemütlicher und tolliger als ein knappes Hotelzimmer, in dem es nie richtig still ist.

 

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Spot fusselt schonmal das geräumige Sofa voll … 

Mein Highlight war das Bett, dazu hatte man über dem Eingang nämlich einen kleinen abgetrennten Vorraum gebaut und obendrüber einfach ein – sogar recht großes – Hochbett eingerichtet. Verdammt gemütlich. Ich kann nie die erste Nacht schlafen, wenn ich in einem fremden Bett bin, aber Hochbetten scheinen eine Ausnahme zu bilden – ich kippte nämlich sofort weg, und das obwohl ich 5 Stunden vor meiner normalen Nachteulen-Zeit schon unter die Decke gekrochen war .. faszinierend!

 

Dafür klingelte der vorsorglich gestellte Wecker morgen erbärmlich früh … für Grufties sind solche Veranstaltungen nicht grade freundlich, zumindest nicht für die die auch primär in der Nacht auf den Füßen sind – ich versuchte also beim Abstieg aus dem Bett nicht allzu abrupt der Schwerkraft zu folgen und machte mich daran, am Wasserkocher rumzufummeln. Da braucht man ordentlich Tee … den Kühlschrank hatte ich beim vorabendlichen Füßevertreten schon etwas gefüllt, die Innenstadt lag nämlich nur wenige Minuten zu Fuß weg, und der Dom war dann auch sofort in Sichtweite – ich beschloss also, solange noch Licht war, mal ein Auge drauf zu werfen, und als ich am Dom war, blitzte auch schon die riesige Boeing 747, die im Technikmuseum ausgestellt ist, keck über einige Büsche, daher beschloss ich, doch mal weiter in diese Richtung zu gehen, und nicht lange drauf hatte ich das Museum auch schon gefunden.

Alles recht überschaubar in Speyer …

Nachdem ich hinreichend wach war, fing ich an mich in Data zu verwandeln, für das Wochenende hatte ich nur ihn mitgenommen, Data macht mir einfach besonders viel Spaß … allerdings muss ich die alte Uniform wirklich in Rente schicken, die war um die Arme rum eh schon etwas knapp bemessen, der Sport der vergangenen Monate hat das Problem aber noch ziemlich verschärft – Oberarme anspannen ist eine doofe Idee und zu meiner Überraschung wars auch an den Unterarmen teilweise regelrecht schmerzhaft eng geworden … hilft jetzt nichts, Augen zu und durch …

Etwas später als geplant verlies ich dann meine Unterkunft gen Museum – natürlich mit Spot auf dem Arm 😀

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Englische Kunstflug-Maschine, passenderweise kopfüber unters Dach gehängt 😀

Das Museum war auf den ersten Blick schon faszinierend, und beim Ausgang der Lillerhalle ins Freigelände, standen die ersten Händler – da ich etwas bestimmtes suchte, stöberte ich gleich mal, wurde dann aber jäh von der Seite unterbrochen, da mir jemand einen Barren goldgepresstes Latinum andrehen wollte. Komisch, seine Ohren waren viel zu klein, dafür der Kerl zu lang für einen Ferenghi 😀 – wie auch immer, Androiden haben keinen Bedarf für so materielle Dinge … das sah er dann auch irgendwie ein …

Das Freigelände ist eine einzige Spielwiese für Flugzeugverrückte. Für gewöhnlich vergesse ich es immer, bei Veranstaltungen Fotos zu machen – oder mache nur recht wenige, aber hier schaffte ich rund 150 Bilder – ich bin selbst ganz erstaunt. Allerdings könnt ihr euch überwiegend auf Bilder von Flugzeugen und Autos, in verschiedensten Ansichten und Winkeln, freuen …

Zum Freigelände wollte ich aber später zurück, denn zunächst konnte ich dort niemanden finden der mir bekannt vorkam.
Es stapelten sich aber überall tonnenweise Star Wars-Kostümierte, von allen erdenklichen Fraktionen … und man muss sagen daß die Mehrheit auch verdammt gut war – kein Wunder, denn diese Mehrheit dürfte zur „German Garrison“ gehören, einem Kostümverein mit recht hohen Ansprüchen.

Die Anzahl anwesender Trekkies war jedoch überschaubar, dafür begrüßte man einander so ziemlich jedesmal – vom höflichen Sich-Zunicken unter Starfleet-Offizieren bis zum enthusiastischen High Five mit einer sehr grünen aber auch sehr netten Orionerin, war alles dabei …

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Die Raumfähre Buran – in voller Pracht

Meine nächste Station war die Raumfahrt-Halle, in der auch einige Autos und Motorräder standen, Kernstück aber ist die russische Antwort auf das amerikanische Space Shuttle – die Raumfähre Buran – russisch für „Schneesturm“.

Ein beeindruckendes Teil, ich bin an dem gesamten Wochenende mehrmals die Treppe hochgegangen um in das Innere zu gucken, einmal als kaum jemand mit mir oben stand, hab ich mir besonders viel Zeit gelassen – sowas zu sehen ist schon was wirklich besonderes und ich glaube, ich bin ein wenig verliebt 😀

Die Buran hatte es über das Teststadium leider nie hinausgebracht, die einzige Fähre die es zu Testzwecken bis ins Weltall geschafft hatte, bei einem unbemannten Flug, wurde 2002 in Bajkonur zerstört, als das Dach des Hangars einbrach.

Bei dem in Speyer ausgestellten Modell handelte es sich um die OK-GLI, die 1984 als Prototyp für das Start- und Landesystem gebaut wurde. Sie konnte genau wie ein Flugzeug eigenständig von einer Startbahn abheben – etwas was ihre amerikanische Kollegin nicht schafft. In diesem beeindruckenden Video sieht man das gute Stück im Flug, und wenn man das Gerät in echt und voller Größe gesehen hat, dann sind diese Bilder noch Erfurcht erweckender als sie es so schon sind.

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Blick in die Buran – die Ausmaße lassen sich schwer wiedergeben

Das Museum bietet aber so noch weitere Dinge, wie ein Stück echtes Gestein vom Mond, Kleidung und Anzüge von Astronauten und Kosmonauten, diverse Ausrüstungsgegendstände, bis hin zu originalen, eingeschweißten Essensrationen – die stellenweise sogar schon mit im All waren 😀

Meine Bekannten hatte ich bis dahin immernoch nicht gesehen, also wanderte ich wieder aufs Aussengelände und widmete mich dort den mehr terrestrischen Fluggeräten.

Allen voran ist dort die Boeing 747 „Schleswig-Holstein“, ehemaliger Vorzeige-Vogel der altehrwürdigen Lufthansa, die zweite Sensation. Den gesamten Apparat hat man auf eine gewaltige Plattform verfrachtet, wohin man über eine lange Wendeltreppe gelangt.

Dort oben ist es windig, und mit einigem Ärger merkte ich wie meine sorgfältig in Reih und Glied geklebte Androiden-Frisur langsam zum natürlichen, chaotischen Zustand zurückkehren wollte … verdammte Axt … die Freude am Flugzeug nahm das aber dennoch nicht. Das Gelände füllte sich zunehmend mit Gästen, und darunter waren auch reguläre Besucher die garnicht speziell zum SciFi Treffen wollten. Aber auch unzählige Familien, deren Nachwuchs offenbar voll auf „Star Wars“ war – ich habe irgendwann mal aufgehört zu zählen, wie viele kleine Sturmtruppler oder plastiklichtschwertschwingende Mini-Vaders  in vollem Enthusiasmus gegen meine Schienbeine rannten …

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Boeing 747 „Schleswig-Holstein“ – auf ihrem Podest

Jedenfalls machte das den Andrang in den Fluggeräten nicht besser. So wurde man meistens etwas durchgeschoben, gerne hätte ich mir etwas Zeit gelassen, ich liebe den Geruch von Technik am Morgen 😀 – und Flugzeuge haben da wieder ihre ganz eigenen Aromen. Passagierflugzeuge riechen ganz anders als militärische Maschinen, die Antonov 22 die sich weiter hinten befindet hat mehr was metallisches, während die alten russischen Hubschrauber nach Öl und anderen Schmiermitteln riechen .. ab-so-lut herrlich!
Und da wähnte ich mich kurz eines Momentes wunderbarer Einsamkeit in einer Maschine, als hinter mir eine Dame durch die Luke kroch,  kurz innehielt und laut feststellte – „Bah, hier drin stinkts aber!“
Banausen! Wissen einfach nicht was gut ist …

Ich schob mich also wieder ins Freie und nahm Kurs auf den nächsten begehbaren Vogel.

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Boeing 747 – Blick in die Innereien – der Laderaum ohne Verkleidungen

An der Boeing traf ich dann endlich auch mal Bekannte – nämlich Jeanette, die Mit-Moderatorin des Orville-Podcastes ist, samt Begleitung. Wir verquatschten uns reihum und zogen dann zu viert weiter – nochmal zur Buran, da war ich zwar schon drin, aber nochmal schadet nicht … und dann fanden wir die Star Trek-Ecke – bisschen unglücklich ins Abseits hatte man die Gruppen gestellt, doch man kam sofort ins Gespräch – klar, das gemeinsame Interesse ist schwer übersehbar gewesen 😀

Meine Begleiter zog es dann schon bald zur Nahrungsaufnahme, zunächst schloß ich mich an, erinnerte mich dann aber daran daß ich noch einen Programmpunkt eingeplant hatte und es doof wäre den sausen zu lassen, wenn die eh rar gesäht waren, also verabschiedete ich mich vorläufig und machte mich auf in den Vortragssaal.

Dort sprach Nikolai Budarin, russischer Kosmonaut, über seine Arbeit und seine Erfahrungen bei insgesamt zwei Missionen auf der Mir, sowie einer zur ISS. 444 Tage verbrachte er dabei im All und über 44 Stunden bei Aussenbord-Einsätzen.

Durch die live-Übersetzung aus dem Russischen war der Vortrag anfangs etwas gemächlich, doch Budarin kam dann schnell in Fahrt und hatte massenweise Bilder und Aufnahmen von seinen Missionen dabei. Auch wenn er ein recht ruhiger Typ Mensch zu sein scheint, so sprühte seine Begeisterung durch jedes Wort und jede Zeile.

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Dieser Stein stammt tatsächlich vom Mond

Interessant auch die Geräuschkulisse die einige der Aufnahmen untermalt, denn auf den Raumstationen herrscht beständig ein durchdringender Lärm, der sich dadurch erklärt daß man in so einer Station oder einem Space Shuttle ja nicht einfach so die Maschinen vor dem Schlafengehen mal abschalten kann – Ventilatoren halten die Luft in Bewegung, da es natürlich keinen Wind gibt der die frische Luft verteilt, und unzählige andere Geräte müssen ebenso ständig in Betrieb bleiben. Eine zusätzliche Belastung zu der Enge, der Schwerelosigkeit und der Tatsache daß einen nur wenige Meter von einer unglaublich kalten und luftlosen Umgebung trennen.
So erzählte Budarin auch wie es ihm erging als er für seine erste Mission ausserhalb der Station, „nur“ im Raumanzug im Weltall schwebte – wie er minutenlang erstmal so dahing und nach Luft rang, bis er sich an die unendliche Schwärze des Weltalls gewöhnt hatte und sein Körper vom Panikmodus endlich wieder runterkam.

Und wie man ihn nach der Landung aus der Kapsel holte und ihn fragte ob er alleine stehen könne – mit den Originalaufnahmen dieses Augenblickes untermalt – und er heldenhaft meinte, ja, er könne schon laufen, es aber sofort bereute als sein Kreislauf dann nach wenigen Schritten kurz mal aufgab. Mehrere Stunden würde es dauern, bis man nach der Landung wieder stehen, geschweige denn Laufen könne, da der Kreislauf sich erstmal wieder an die Schwerkraft gewöhnen müsse.

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Das Cockpit der Buran. Recht beengt, trotz der Größe des gesamten Schiffes.

Und mit solchen Einblicken ging die Zeit zu schnell herum. Nikolai Budarin meinte selbst, er könnte noch stundenlang weitermachen, und ich hätte ihm sehr gerne auch noch weitere Stunden dabei zugehört …

Draussen fand ich meine Bekannten erstmal nicht mehr, also widmete ich mich den restlichen Exponaten – weiter hinten standen noch die U9 – ein deutsches U-Boot, und das Schiff das in den 90ern von der Kelly Family bewohnt wurde – ein antiker Coaster Baujahr irgendwas 1920 … leider konnte man nicht durchs Innere gehen – nur auf dem Deck entlanglaufen.
Wasser ist absolut nicht mein Element, daher sind Schiffe nicht so sehr mein Ding, auch wenn die paar Exponate natürlich trotzdem sehr sehenswert sind. U-Boote sind vielleicht Ausnahmen von dieser persönlichen Regel – die sind wieder äusserst spannend, leider wurde man auch durch die U9 dank massivem Andranges nur so durchgeschoben. Als witziges Detail am Rande hatte man eine Figur aufs „stille Örtchen“ gesetzt und spielte durchaus sehr malerische Darmgas-Geräusche als Hintergrundbeschallung dazu sein, die für reichlich Gelächter bei den Besuchern sorgten …

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Maschinenraum der U9

Auf dem Aussengelände fand ausserdem die Kostümparade statt, die am Samstag den Gruppen vorbehalten war – also primär Star Wars. Da die Qualität der Kostüme wirklich hervorragend war, wars ziemlich interessant anzusehen – besonders Mandalorianer, muss ich sagen, gefallen mir ziemlich gut, vielleicht weil deren Rüstungen immer bisschen was abgeranztes, abgeschabtes und damit sehr endzeitiges haben … leider war die Moderation etwas dröge, passende Musikuntermalung fehlte irgendwie auch – so musste ich mal kurz in mich hineingrinsen, als von irgendeinem Stand auf dem Gelände laut das Deep Space Nine-Theme rüberschallte (das meine absolute Lieblings-Trek-Titelmelodie ist) – während vor uns ein großer Haufen Sturmtruppler in Reih und Glied strammstanden.

Kurz ertappte ich mich bei dem Gedanken, was ich wohl machen würde, würde ich auf die seltsame Idee kommen, was aus Star Wars zu cosplayen … hmm, gute Frage – kein Sturmtruppler, ich wäre ein Han Solo, oder ein junger Luke Skywalker – ooder ein Mando .. aber nope, auf so komische Ideen würde ich eigentlich niemals kommen 😀 – einmal Trekkie, immer Trekkie!

Daß ich damit zur anwesenden Minderheit gehörte, bewies mir ein weiteres Mal die Dame neben mir, die ihrem Nachwuchs mit erstaunlicher Zielsicherheit jeden vorbeilaufenden Charakter nennen konnte – bis sich am Ende der Parade eine kleine Star Trek Truppe anschloß zu der auch Andorianer gehörten – da verliesen sie ihn ganz spektakulär – „Guck mal Schatz – das sind … ähm .. blau angemalte Leute!“

Das Phänomen begegnete mir an dem Wochenende aber noch ein paarmal, so rief man mir ein paarmal „Spock“ hinterher, und im Gespräch mit einem Bekannten, der lediglich ein Fan-Shirt in TOS-gelb mit dem Aufdruck des Starfleet-Deltas trug – also absolut kein Kostüm, kam ein Cosplayer dazwischen und unterbrach uns mit den Worten „Ihr gehört doch zum gleichen Universum oder?“
Vorbeirollende Büsche … mein Bekannter und ich gucken uns an und suchen beide nach passenden Worten.

„Naja, das Symbol da, das ist bei beiden von euch doch voll ähnlich .. oder?“

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Detail des Cockpits der Boeing 747

Etwas später fand ich meine Bekannten von vorhin auch wieder, doch wir hatten nicht viel Zeit nochmal zusammen durch die Hallen zu schlendern, die Autogrammstunde wurde nämlich wieder aufgebaut. Die Schlange war schon lang, dennoch stellte ich mich mit an, denn nur an diesem Termin war Nikolai Budarin auch beim Signieren, und die Chance wollte ich ergreifen.

Es gibt eines was ich am Anstehen bei Cons absolut lieben gelernt habe – man kommt zwangsweise mit seinem vor- oder Hintermenschen ins Gespräch. Und so kams dann auch hier. Zuerst mit der Dame vor mir, dann kam noch die Dame hinter uns dazu, und bald hatten wir ein großartiges Gespräch über allemöglichen Serien und Fandoms am Laufen. Am Ende stellte sich heraus daß wir eine geschlagene Stunde und fast 15 Minuten angestanden hatten. Ohne es zu merken .. und dann waren wir fast an der Reihe – plötzlich eine Ansage – Nikolai Budarin wäre jetzt schon weg.

Verdammte Kacke …

Naja, wenn ich schonmal da bin – Mark Allen Shepherd saß ja noch, und den wollte ich sowieso und auf jeden Fall erwischen!

Bitte mit Bild-machen-dürfen … ich fischte nach meinem Telefon und erschrak gar heftig als ich das Teil ziemlich warmgelaufen aus der Tasche zog. Ich hatte bei den letzten Flugzeugen vergessen die Kamera auszumachen, jetzt war der Akku leer und das Drum ein wunderbarer Fingerwärmer. Verdammte Kacke – zweites Kapitel. Mit extra viel Mist dekoriert …

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Die Mondlandschaft mit den Autogrammtischen – links unten: Mark Allen Shepherd

Ich war also dran und steuerte „Morns“ Tisch an, die Assistentin verstand meinen Namen nicht – oder war vielleicht verwundert weil der männlicher klang als ich für sie womöglich aussah … also beschriftete ich den Zettel selbst, der kam auf ein wunderbares Bild von Morn und wurde durchgereicht. Es war kaum Andrang da wir mit die Letzten waren, meine Begleiterinnen hielten sich bei den Synchronsprechern von Luke und Leia auf, die ebenfalls da waren – Morn und Deep Space Nine kannten sie nicht – und dann gings wieder mal schnell, diesmal aber ganz unnötig. Mark Allen Shepherd meinte nur grinsend – „Oh, Data’s better half!“ ich lachte nur nervös, guckte beim Signieren zu, sagte brav Danke und daß es schön wäre ihn getroffen zu haben – und dann verschwand ich wieder und verfluchte mein entleertes und immernoch leicht warmes Telefon – das wäre wenigstens ein Aufhänger gewesen, nach dem Bild zu fragen .. aber vielleicht fehlt mir auch nur noch die Con-Erfahrung, später schaffe ichs eventuell auch mal, nem Schauspieler ein Gespräch aufzuhängen …

Innerlich etwas angefressen wartete ich noch auf meine neuen Bekanntschaften, die fröhlich mit den beiden Sprechern palaverten, und Fotos machten … aber ich hätte es etwas unhöflich gefunden, mich nun einfach aus dem Staub zu machen, wo wir uns ja schon so gut unterhalten hatten.

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Spacelab-Modul – in der Nähe der Star Trek-Ecke (wie man sehen kann)

Gefühlte Ewigkeiten später kamen beide, eine verabschiedete sich überschwenglich, die andere kam mit zum Ausgang. Meine Uhr sagte 18:15 und gute 10000 abgelaufene Schritte .. ein paar mehr werdens bis zur Unterkunft noch werden. Das Mädel legte mir noch Nahe den Bus bis in die Stadtmitte zu nehmen .. sie kam aus Speyer. Aber mal ehrlich – auf den Bus zu warten und sich dann hochkutschieren lassen hätte wohl länger gedauert und solang mir die Füße noch nicht abgefallen sind, geht das alles …

Kurz darauf kam ich auch in meinem temporären Domizil an, schälte mich aus den verdammtnochmal zu eng gewordenen Uniform-Ärmeln irgendwie raus und hüpfte unter die tolle Regendusche.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker abermals unangenehm früh … versuche wieder, die Leitersprossen zu treffen, Wasserkocher an, Tee einfüllen, und loslegen.

Danach haue ich eine Extraportion Haarlack auf meine sorgfältig gelegte Androiden-Frisur, denn diesmal hatte ich keinen Bock daß mir wieder alles um die Ohren fliegt, sobald etwas Wind kommt, und dann wieder Farbe ins Gesicht und Goldpuder drauf – inzwischen hat das Waschbecken schon eine dezente aber kaum übersehbare Schicht Glitzer abbekommen.

Dann nochmal in die zu kleine Uniform gezwängt, Spot auf den Arm gesetzt, und los gehts wieder.

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Nochmal die Lillerhalle von der Empore aus überblickt

Heute hatte ich auch nicht mehr vor als gestern, das Panel von Mark Allen Shepherd war um halb drei auf dem Programm, enttäuschenderweise mit nur einer halben Stunde angesetzt. Um drei Uhr war die zweite Kostümparade, die auch für Besucher zum Mitmachen wäre, aber – Morn ist mir viel wichtiger, ich hatte kurz sinniert, mitzulaufen – die Star Trek Fraktion unterstützen, doch das wird ohne zweimal nachzudenken von der geistigen Liste gestrichen.

Im Museum angekommen inspizierte ich die Exponate der Lillerhalle mal ausgiebiger, am Vortag hatte ich mir kaum Zeit genommen. Danach stattete ich den Ständen am Ende der Halle nochmal einen Besuch ab und nehme das mit wonach ich am Vortag schon gesucht hatte – ein kleines, farbig emailliertes klingonisches Abzeichen (fürs Revers des Alltags-Jacketts), eine größere Variante in altsilberner Optik und einen klingonischen Communicator-Pin.

Wenn man schon klingonisch lernt, ist die logische Konsequenz, auch passendes G’wand mal im Schrank zu haben …

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Meine Mitbringsel

Auf dem Aussengelände mustere ich den Stand von Bresser nochmal, der mir am Vortag schon aufgefallen war. Die Jungs hatten einen Dobson dabei, im gleichen Ausmaß wie mein Eumelchen, und ein kleinerer Newton stand dahinter auf Montierung, mit Nachführung … zu einem Spottpreis – da musste ich nachfragen, denn Eumelchen soll über lang auch zum Fotos-machen herhalten, das geht dann ohne die Nachführung nicht .. ich komme also mit einem der Herren am Stand ins Gespräch, wir fachsimpeln etwas, am Ende stellt sich heraus – der nette Herr verkauft zwar Bresser-Optiken, ist aber privat kein Fan davon und hat da ganz anderes Zeug im Garten stehen. Solle ich „Eumelchen“ mal entsprechend umrüsten wollen, so meint er hinter vorgehaltener Hand, so möge ich zu nem anderen Hersteller greifen, und ja – diese Montierungen und Nachführungen kosten dann deutlich mehr, weil die dann auch viel stabiler sind.
Ich wusste da gibts nen Fallstrick bei dem Preis … er überlegte kurz ob er mir ein Prospekt geben soll, lässt es nach dem vorangegangenen Gespräch aber doch und legt mir den Besuch eines Teleskoptreffens nahe, um da mal bei Hobby-Astro-Kollegen die ganzen Möglichkeiten direkt zu testen, dafür wären diese Treffen immerhin da.
Ich danke ihm, und ziehe mit Spot auf dem Arm von dannen …

In der Raumfahrthalle entdeckte ich nun endlich einen weiteren Bekannten – und schon sind wir angeregt im Gespräch. Babylon 5, Star Trek, Requisitenbau mit LEDs .. so ganz normales Zeug eben … wenn sich auf Verwandtschaftsgeburtstagen die Leute eher über sowas unterhalten würden, als über – wer jetzt welche Krankheit wieder hat und wer nun schon wieder gestorben ist, dann würde ich mich um keinen mehr drücken 😀

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Im Inneren der Antonov

Dann wage ich mich nochmal in die Star Trek Ecke und bin schon wieder im Gespräch – die Gruppe „Starfleet Operations“ steht da – Live-Rollenspiel … ich bin mies im Rollenspiel und war dafür berüchtigt sogar beim Pen&Paper der perfekte Antagonist zur notwendigen Spontanität zu sein. Trotzdem wollten mich in unregelmässigen Abständen Leute dazu überreden, mal auf eine Live-Sache mitzukommen, ich fürchte nur, es kam nie gut an wenn ich darum bat einen Charakter spielen zu dürfen der kaum etwas sagt aber dafür allen eins aufs Maul geben darf … OK, da ist vielleicht doch irgendwo ein bisschen Klingone versteckt 😀
Jedenfalls aber – die Gruppe ist extrem gut ausgestattet und organisiert, also – mal sehen, wäre dann die nächste neue Erfahrung, und bei Star Trek kenn ich mich immerhin aus … das musste ich dann einen Stand weiter gleich beweisen, als man mir da den „Test zur Aufnahme an die Starfleet-Akademie“ überreicht – drei Bögen mit unterschiedlichen Fragen zu Star Trek, als kleines Spielchen für die Besucher. Hah – ein Leichtes!

Bei der Auswertung wär ich auch – ganz Data-Like – beinahe fehlerfrei durchgekommen, hätte ich nicht bei der Dauer des Gesamtwerkes aller Star Trek-Serien- und Filme am Stück danebengeraten, und mich bei der Frage nach dem TNG-Charakter mit den Angststörungen ins Bockshorn des Flüchtigkeitsfehlers jagen lassen, da auch der Name des Schauspielers dastand … verdammte Axt 😀 – dabei gehört Barclay zu meinen Lieblingscharakteren – ehrlich. Immerhin kann ich seine Probleme gut nachvollziehen und finde es großartig wie im Lauf der Serie damit umgegangen wurde.

Zur Belohnung gab es einen Aufkleber der USS Danubia – der kommt in mein Klingonisch-Vokabelbuch. Die Fan-Gruppe ist aus Regensburg und dürfte der Club sein der mir noch gerade so am nächsten ist .. OK, auch nicht ums Eck, aber eftunell – mal schaun.

Noch eins weiter laden mich zwei Herren von den SciFi Days in Grünstadt zu ihrem Trek-Dinner ein, das ist mal garnicht in Reichweite aaber – wer weiß. Ich bin inzwischen reisefreudig und für weitere Ausflüge mehr als nur bereit! Und die Veranstaltung in Grünstadt wäre heuer auf meiner Liste gewesen – wenn sie heuer stattgefunden hätte. Aber gut – nächstes Jahr ist auch noch ein Jahr …

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Jetzt taten mir allerdings die Füße ordentlich weh, und hinter der Buran war gerade eine Bank komplett frei – bis zum Panel von Mark Allen Shepherd lies ich mich da nieder und schmachtete die Fähre an … irgendwie aber erregte ich dort trotzdem Aufmerksamkeit. Also halte ich mittendrin immer mal mit Spot auf den Beinen für ein Bild still, manchmal setzen sich Erwachsene daneben, danach ein kleiner Kylo Ren mit dem obligatorischen Plastik-Laserschwert … wie schon in meinem FedCon Beitrag gesagt, ist die Foto-Frage bei solchen Veranstaltungen angenehmer als beim WGT – und natürlich freut man sich wenn die Leute einem was nettes zum eigenen Kostüm sagen oder einem dann sagen daß das auch deren Lieblingscharakter ist – das größte „Kompliment“ aber machte mir ein junger Mann etwas später, der plötzlich etwas verdattert neben mir stand, sich dann wieder fing und meinte, er dachte tatsächlich, ich wäre „der Echte“ – weswegen er kurz wie vom Donner gerührt dastand.

Und dann war es Zeit für Morns Panel.

Die Halle war spärlich gefüllt, allerdings weiß ich nicht wieviele hinter mir noch reingekommen sind, ich bekam relativ weit vorne einen Platz und hatte ausnahmsweise auch mal keinen von der Sorte „hatte als Kind zu viel Dünger in den Socken“- vor mir.

Bevor es losgeht wechseln sich ein paar Bilder auf der Videoleinwand ab, darunter ein großartiges Fan-Art von Morn, das ich gleich abknippsen musste. Und dann betretenen Mark Allen Shepherd und der Moderator die Bühne.

Fan Art für Morn

Fan Art für Morn

Letzterer gibt ohne Umschweife zu, sich mehr bei Star Wars auszukennen und wer Morn ist hätte er sich auch erstmal anlesen müssen – aha, wieder einer … trotzdem macht er die Sache ganz gut, die meiste Zeit aber erzählt sowieso „Morn“.

Mark Allen Shepherd war selbst immer großer Trekkie und meldete sich natürlich sofort als die Ausschreibungen für Deep Space Nine bekannt wurden. Dabei hängte er sich stundenlang ans Telefon, die Leitung war nämlich dauerbesetzt und mittendrin komplett überlastet, mit etwas Hartnäckigkeit jedoch gelang es ihm, einen Termin zum Casting zu bekommen. Daß die Rolle die ihm zugedacht wurde, eine Vollmaske beinhalten würde, schreckt die meisten Schauspieler eigentlich immer ab, denn wiedererkannt zu werden ist oft nicht ganz unwichtig – in der Hoffnung daß sich mit steigender Bekanntheit so natürlich auch weitere Jobs ergeben. Shepherd aber war glücklich bei Star Trek dabeisein zu dürfen, auch wenn man sein Gesicht nie sah (bis auf einmal). Einer Eingebung folgend, erschien er dann zum ersten Drehtag, obwohl man ihm vehement sagte, er wäre da garnicht im Drehplan vorgesehen gewesen, auch am Set wollte man ihn wieder heimschicken, bis Michael Westmore – der Chef-Maskenbildner – ihn sah und zu einem Eck dirigierte in dem sein Kostüm und seine Maske schon bereit lagen. Irgendwer hatte einen Fehler beim Drehplan gemacht und wäre Shepherd seiner Eingebung nicht  gefolgt, so hätten wir Morn womöglich nie zu Gesicht bekommen  …

Auch daß seine Figur für die ganzen sieben Jahre in denen DS9 lief, fester Bestandteil werden würde, konnte er anfangs nicht ahnen, Morn aber wurde schnell zu einem Fan-Liebling und war aus dem Quarks natürlich nicht wegzudenken. So wurde extra für ihn in der 6. Staffel mit „Who mourns for Morn“ eine Episode geschrieben, die sich allein um Morn dreht – und in der man Mark Allen Shepherd einmal kurz ohne Maske sehen kann – er war der Bajoraner den Quark auf den Stammplatz des vermeintlich verblichenen Morn setzte.

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Mark Allen Shepherds Panel

Mark Allen Shepherd ist neben der Schauspielerei aber auch ein Künstler, so führte eine flapsige Bemerkung seinerseits dazu daß mehrere seiner Gemälde im Set-Design der Raumstation auftauchten. Es gab nämlich ein Coverbild auf einer Zeitschrift, auf dem Morn mit Quark und einigen Dabo-Mädchen posierte, daraufhin wurde Shepherd von einer Dame aus der Aufnahmeleitung scherzhaft als „Coverboy“  angesprochen, der dann konterte, er wäre ja nicht nur ein tolles Model, sondern auch ein Künstler – falls sie mal seine Arbeiten sehen wollen würde … und sie war dann so begeistert daß die Bilder eben in den Quartieren der Siskos, Dax und weiteren Charakteren, zu sehen waren.

Er erzählte dann noch wie es dazu kam daß er nach Deutschland zog – 2001 nämlich lernte er seine spätere Frau auf einer deutschen Convention kennen und ein Jahr später wanderte er dann aus. Shepherd redete auch teilweise deutsch in seinem Panel. Zum Schluß gab es noch ein paar Zuschauerfragen, und ich wäre das erste Mal drauf und dran gewesen in einem Panel mal selbst aufzustehen, doch leider fiel mir keine wirklich gute Frage ein.
Den kleinen Vortag beendete Morn dann mit der Darbietung seines umgetexteten Songs „Morn to be wild“

Draussen war die Kostümparade dann fast schon durch, das Panel war dann doch länger als angesetzt war, was mich natürlich gefreut hatte, denn eine halbe Stunde wäre bei den ganzen schönen Anektoden ja viel zu wenig gewesen.

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Welten treffen aufeinander … 

Ich besuchte ein paar Flugzeuge nochmal und ging ein letztes Mal in die Buran. Der Tag war zwar noch nicht zuende, aber das Gelände wurde langsam leerer, also überlegte ich ob ich auch zeitig abhauen sollte und nochmal eine Runde durch Speyer drehen.
Hinten bei der Mondlandschaft baute man die letzte Autogramm-Session auf und die ersten stellten sich schon an. Oder sollte ich auch nochmal, und mein Foto nachholen? Ob das OK wäre?
Aber die Schlange war dann bereits wieder zu lange und nochmal eine Stunde stehen wollte ich nun nicht mehr.
Ich entdeckte dafür noch einen Teil des Museums, den ich bislang übersehen hatte und durchforstete zum Abschluß den Museums-Shop .. die schönsten Modelle der Buran waren leider derbe teuer, ein Bausatz des amerikanischen Space-Shuttles hatte ich danach aber schon in der Hand, entschied aber den später mal zu bestellen, denn im Zug wollte ich die doch nicht ganz so handliche Schachtel nicht rummanövrieren.

Und dann machte ich mich auf den Weg zurück, schrubbte mir die Farbe aus dem Gesicht und war danach viel zu erledigt um nochmal nach draussen zu gehen. Die Wohnung war mit Glotze ausgestattet, also ertappte ich mich dabei, wie ich tatsächlich „Star Wars – Epsiode IV“ anmachte und dabei feststellte, daß ich den Film trotz allem schon verdammt oft gesehen hatte … versteht mich nicht falsch, ich finde die „Feindschaft“ zwischen den beiden Lagern eigentlich doof, ich schaue mir Star Wars auch wirklich gerne an, nur ein Fan bin ich nicht. Das ist primär Sache des persönlichen Geschmacks. Star Trek hingegen hat mich von Anfang an gepackt und egal wie das klingt – es bedeutet mir recht viel, da ich die Grundphilosophie, miteinander anständig umzugehen und Lösungen für Probleme auf friedlichem, intelligentem Wege zu finden, für ziemlich erstrebenswert halte – im ganz alltäglichen Leben.

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Die Anfänge der Telekommunikation – Telefonnetz-Schaltzentrale aus den 50ern

Ich bin auch ganz bewusst zu diesem Treffen gefahren obwohl ich wusste daß mich primär StarWars-lastiges Programm erwartete, hätte es mich wirklich gestört, dann hätte ich vom Besuch natürlich abgesehen …

Am nächsten Morgen verstaute ich meine Dinge wieder zurück in meinen großen Army-Rucksack, putzte mein restliches Essen weg, sowie den Goldstaub aus dem Bad, und dann war ich fertig zum Aufbruch …

Mit nicht völlig guter Laune, denn die Bahn-App meldete schonwieder Störungen auf meiner Strecke – sauber, das dauert dann wieder länger als vorgesehen … glücklicherweise aber fuhr der verspätete ICE auf der Strecke einiges raus, sodaß ich mit einer flotten Renneinlage den letzten Zug erwischte – ein Hoch auf die Abwesenheit des blöden Rollkoffers – leider bekomme ich nicht immer alles in meinen Army-Rucksack rein sodaß ich das dämliche Ding ab und zu leider auch mal mit mir rumschleppen muss.
Wenigstens hatte ich diesmal daran gedacht, Sitzplätze zu reservieren, also konnte ich auch mal Leute von meinem Platz aufscheuchen, statt wie sonst selbst gescheucht zu werden .. und so kam ich ganz planmässig nachmittags um 4 Uhr wieder in heimischen Gefilden an.

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Vielen Dank und bis nächstes Mal!

Mein Fazit: ich hatte ein wirklich entspannendes Wochenende, auch wenn ich diesmal größtenteils alleine unterwegs war, so war das in dem Fall nicht so schlimm. Persönlich bin ich immens froh daß ich mit jedem Ausflug wieder ein Stück mehr davon zurückerobere, wie schon paarmal angedeutet, habe ich über 10 Jahre so meine Problemchen gehabt, zu denen auch Angststörungen zählen – Hallo Reg Barclay, reich mir die Pfote, Bruder …

Das Museum bietet viel Anschauungsmaterial, sodaß es einem auch alleine garantiert nicht langweilig wird, und eben auch wenn das Programm nicht unbedingt viel aus dem eigenen Fandom zu bieten hat, so hat sich der Besuch dennoch absolut gelohnt. Das SciFi Treffen ist auch durchaus kinderfreundlich, da die Kostümgruppen auch immer Aktionen für Mini-Fans machen und das Gelände auch so für Kinder einiges parat hat.

Im nächsten Jahr setze ich Speyer wieder mit auf die Liste, denn auch wenn es wieder viel Star Wars geben sollte, so könnte ich im Zweifelfsall auch endlich Speyer selbst gar anschauen gehen, ausserdem bekommt das Museum laufend neue Exponate, sodaß man in 12 Monaten sicher wieder einiges zu bestaunen hat. Und auch wenn sich einiges verläuft, so sind dennoch Freunde und Bekannte da die man dann gerne wiedersieht. Meine Wohnung würde ich dann, so sie dann frei ist – wieder buchen, da die Lage einfach ideal ist und ich mich auch sehr wohlgefühlt habe.

Ausserdem würde ich das Museum gerne nochmal in Ruhe besuchen – ausserhalb des Treffens, und zwar so daß auch sonst möglichst wenig andere Besucher da sind – und dann die große Kamera mitnehmen, denn die Möglichkeiten einer Handyknippse sind eben nicht das Wahre.
Nächster Stop ist dann die TimeLash in Kassel, und danach wirds wohl daran gehen sich nach den Terminen fürs nächste Jahr umzusehen … und Data eine neue Uniform verpassen 😀

 

 

 

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Oh wie schön ist Nerdistan – Frischfleisch auf der FedCon 2018

Im Frühjahr 2018 sitzt ein einsamer Kleinstadt-Grufti Schrägstrich Nerd in seinem Keller am Rechner und beschließt, einmal in ganz neue Dimensionen vorzudringen.  Das Hirn rödelt mit dem Rechner, der langsam mal neue Innereien gebrauchen könnte, seit geraumer Zeit schon um die Wette, und dann passiert eine eigentlich unbedeutende Kleinigkeit, die den Grufti-Nerd-Hybriden aber dazu veranlasst, noch in der selben Nacht auf einen Rutsch Zugkarten, Unterkunft und Tickets zu ordern.

 

Heuer sollte es, nach 12 Jahren WGT in Folge, mal woanders hingehen zu Pfingsten – und zwar gen Bonn, zur FedCon. Wie ich im vorangegangenen Artikel schon schrub, so war die FedCon seit ca 1995 das Traum-Ziel meines damals jugendlichen Nerd-Ichs mit vollumfänglichem Star Trek-Vollschuß, doch zu der Zeit war das für mich eine unerreichbare Angelegenheit.

Inzwischen ist der 16-jährige Nerd wieder aufgestanden und freut sich gar diebisch seines Daseins – das heißt für mich auch daß ich nun ganz schamlos alles nachhole was in den 90ern so noch nicht ganz machbar war, wie eben Cons, Requisiten sammeln und bauen, und natürlich Uniformen nachnähen – so „screen accurate“ wie möglich – die dann selbstredend standesgemäß auf den Cons ausgeführt werden. Als Teenie-Nerd in den 90ern bekam man von seinem Umfeld für diese Leidenschaft nicht selten so einige Ekelhaftigkeiten ab.

 

Obwohl ich vor drei Jahren – mit der ersten deutschen Doctor Who Themen-Con namens „TimeLash“ bereits angefangen habe mal in Cons reinzuschnuppern, so bin ich dennoch eher ein Con-Neuling, denn ausser der Timelash hatte ich bis dato noch keine andere derarte Veranstaltung besucht. Die Doctor Who Con hat jedoch jedes Mal immer großen Spaß gemacht, auch dank der überschaubaren und unglaublich familiären Atmosphäre, bei der man an jedem Eck mit Leuten ins Gespräch kam und so zusammen seinen Spaß hatte.

 

Die FedCon jedoch war in meinem Kopf inzwischen eine unglaublich riesige und unübersichtliche Angelegenheit, daher fiel bislang die Entscheidung zu Pfingsten ohne viel Überlegen immer wieder aufs WGT – denn das Bild das ich mir da selbst gemalt hatte, war irgendwo auch etwas erschreckend.

 

Zu meinem Glück aber erwies sich das alles als völlig falsch, aber dazu später natürlich mehr …

 

Am 17. Mai kletterte ich unausgeschlafen und unter diversen Flüchen erstmal auf den Dachboden um „den Rollkoffer“ auszugraben – ein Gepäckstück das ich leidenschaftlich hasse, da es sperrig ist, Lärm macht und ständig irgendwie im Weg ist, leider aber ging mein Plan, alles an Gepäck in meinen großen Army-Rucksack komprimiert zu bekommen, hinten und vorne nicht auf, also stand ich am Ende mit besagtem Rollkoffer, einem kleinen Army-Rucksack und noch einer Umhängetasche am marktredwitzer Bahnhof und verbiß mir ein paar „farbige Metaphern“, als an der Anzeigetafel mal wieder eine Zugverspätung angekündigt wurde.

Das mit den Verspätungen sollte sich noch durch die weitere Reise ziehen, zum Glück belief sich – dank günstiger Alternativ-Verbindungen, aber mit einigem Gerenne und nervigen Extra-Gewarte – die Verspätung dann nur auf grob eine halbe Stunde.

 

Meine Unterkunft hatte ich über Airbnb gefunden, in Laufweite des Maritims, dennoch bot meine Gastgeberin mir sofort nach der Buchung ihr Rad an. Das Kopfkino sah schon Data auf einem alten Damenrad durch Bonn rollen, und nachdem ich eingecheckt hatte und die Vermieterin mir noch das Rad übergeben wollte, hätte ich beinahe laut losgelacht als es sich tatsächlich als hellblau gestrichenes Retro-Damenrad entpuppte! Das würde ein ganz großer Spaß werden …

 

In Bonn hatten Bekannte, die ich von der TimeLash bereits kannte, einen Tisch in einem kleinen chinesischen Restaurant reserviert, das praktischerweise auf halbem Wege zwischen Maritim und meiner Unterkunft lag, da man da bereits auf mich wartete, entlies ich nur noch schnell meine Starfleet-Uniformen aus dem Rollkoffer-Gefängnis und machte mich dann auf den Weg.

 

Der Vorabend war bereits ganz wunderbar und wir verstanden uns allesamt so prima daß schnell klar wurde, daß da wohl Freundschaften draus werden. Da mir solche Reisen „dank“ einiger Macken nicht grade leicht fallen, hatte ich im Vorfeld natürlich zusätzlich Bedenken, am Ende alleine und etwas verloren auf  einer mir unbekannten Veranstaltung zu stehen, doch „die Gang“ – wie sich die angenehm bunt gewürfelte Nerd-Truppe aus NRW nennt – nahm mich ganz herzlich auf! Und im Folgenden stellte sich auch heraus wie einfach es noch werden sollte, auch sonst Anschluß und großartige Gespräche zu finden!

Natürlich wird das schönere Ohr in die Linse gehalten 😀

Die erste Nacht war dann etwas holprig, ich war für meine Gewohnheiten als Fledermaus zu früh im Bett, und dann noch in einem unbekannten welchen, und dann klingelte mein sicherheitshalber  gestellter Wecker auch noch viel zu früh … vom WGT her kennt man das ja, das man den Vormittag erstmal verpennt oder zumindest jede Zeit ausnutzt um den Tag gemütlich anzugehen, denn meistens geht die Action erst Spätnachmittags richtig los .. diesmal aber überredete ich mich um halb 8 zum Frühstück, allerdings waren die Teetassen in der Küche zu klein um darin eine angemessen Menge Koffein, in Form von kräftigem schwarzen Tee mit Milch, unterzubringen, ich schaffte es dennoch mein Gesicht mit Vulkanier-Augenbrauen aus Wollkrepp auszustatten, nur der erste Versuch, spitze Ohren mit Mastix auf meine eigenen zu kleben, war mehr schlecht als recht und ich sah sie schon auf dem Rad bereits wieder von Dannen flattern …

 

 

Zum Glück aber hielten sie bis zum Abend durch, stoisch-vulkanisch in exakt der assymmetrischen Position in der ich sie unter vielen un-vulkanischen Flüchen angebracht bekommen hatte …

 

Am Maritim beobachteten noch nur wenige Besucher Spock auf dem Rad ankommen, ich hoffte inständig daß das gute Stück bis zum Abend vor der Türe stehenblieb und machte mich auf den Weg zur Bändchenausgabe. Dort bekam man eine Eintrittskarte und ein Bändchen, was beides beim Einlaß vorzuzeigen war.

Die Dame schob mir also das Band über die Hand und schaute mich dann verwirrt an weil ich immernoch stehenblieb – in gewohnter Erwartung daß jemand noch die Plombe zudrücken würde und die überschüssigen Enden abschneiden. Es stellte sich heraus daß bei diesen Teilen das wohl nicht nötig war, und so räumte ich den Platz und fing an meine neuen Freunde zu suchen.

 

Bild von Oti Würtz

Wir versumpften dann erstmal den nachmittag über in der Lobby, kamen wieder herrlich-angeregt ins nerdige Gespräch, danach drehten wir eine Runde, bei der die Gang mir die Örtlichkeiten zeigte und soweit alles erklärte – im Grunde ist die FedCon auch überschaubar, man trifft Bekannte von der Doctor Who Con und lernt so noch viele weitere Leute kennen. Bis auf vielleicht eine Begegnung habe ich so lauter großartige, nette, witzige und angenehm-durchgeknallte Leute kennenlernen dürfen, und allein schon der erste Tag war ein wahres Fest!

Auch Bekannte aus Luxemburg waren da, die aber leider nur für den Freitag freinehmen konnten, dennoch hatten wir Gelegenheit ein bisschen zu plaudern und ein paar Bilder zu machen – Monique hatte Anfang des Jahres von mir ein Doctor Who-Cosplay geschneidert bekommen und hatte sich in ein rotes Classik-Trek Uniformkleid geworfen, voll ausgerüstet mit Tricorder, Phaser (danke fürs kurze Ausleihen) und einem 20 Jahre alten Tribble der vor sich hin gurrte … Heng hatte sich Lokai aus der TOS-Folge „Bele jagt Lokai“ ausgesucht … da war ein gemeinsames Bild natürlich eine Notwendigkeit!

 

Mein erstes Panel war dann das erste mit Q himself – John DeLancie! Nachdem ich relativ spät mein Ticket geordert hatte, bekam ich „nur“ einen Platz auf der Empore, glücklicherweise war aber auch der große Saal im Maritim nicht exorbitant riesig und die Empore erwies sich nicht als der schlechteste Platz, wenn man zeitig reinkam konnte man sich direkt ans Geländer setzen und sah die Schauspieler von da aus eigentlich recht gut. Zur Erklärung: jeder bekommt nach Ticket-Nummer einen Sitzplatz zugewiesen, der in jedem Panel dann auch der eigene bleibt. Nur auf der Empore muss man sich suchen was noch frei ist.

 

Entgegen seiner oft exzentrischen Rollen – besonders auch als Q – erwies sich John DeLancie als sehr bodenständig und erzählte von seiner Leseschwäche in Jugendtagen. Natürlich gehören auch Fan-Fragen zu den Panels, und so begab es sich daß Q der versammelten Mannschaft erzählte, wie es war, für die TNG-Episode „Noch einmal Q“ unbekleidet auf der Brücke der Enterprise D zu materialisieren:

 

Direkt danach war es Zeit für die „Opening Ceremony“, die „Mistress of Ceremony“ – Lori Dungey, führte das gesamte Wochenende über ziemlich sympathisch und witzig durch das Programm und war sich auch für einige Extra-Späße bei noch kommenden Shows keineswegs zu schade – ich hatte sehr viel Spaß an der Moderation!

 

Zur Eröffnungsveranstaltung heizte die Moderatorin erstmal stimmunsgmässig-nerd-kompatibel ein und dann kamen die Vortragenden wie Schauspieler des Wochenendes auf die Bühne.

Die FedCon diesen Jahres war schwerpunktmässig auf die Neuauflage von „Battlestar Galactica“ ausgelegt – eine Serie die ich anfang der 2000er nur sporadisch verfolgen konnte, denn meine Studentenbude war glotzenlos glücklich, so bekam ich immer nur wochenends bei Eltern mal was mit – die Serie steht auf jeden Fall noch auf der „Sehen-Muss“-Liste, denn das was ich mitbekommen hatte, hat mir damals schon zugesagt. Ich kannte also die Schauspieler im Grunde durchaus, hatte aber zu wenig Bezug zu der Serie, also lies ich die Panels aus und versteifte mich allein auf die anwesenden Star Trek Stars – die am Ende der Opening Ceremony auf die Bühne kamen. Neben John DeLancie waren Robert Picardo – der Holodoc aus „Voyager“ anwesend – und er sprach deutsch, sowie Jonathan Frakes und Brent Spiner – der seinen ersten Auftritt auch gleich speziell inszenierte:

Ich muss sagen daß übermässiges Fan-Gehabe eigentlich ja nie mein Ding war, muss aber wirklich gestehen daß ich ein bisschen in meinem Sitz versunken bin, als Commander Riker und – vor allem – Brent Spiner leibhaftig auf der Bühne standen. Ich stellte mir vor, ich könnte zurückreisen um meinem 16-Jährigen Ich zu sagen, ich würde Data tatsächlich mal treffen … da tat es einen unhörbaren Rummser, als der 16-Jährige innere Nerd ohne weiteren Kommentar hintenüber umgekippt ist … er hat es aber gut überstanden und grinst nun leicht benommen vor sich hin.

 

Meine Freunde sind ohne die Opening zu sehen zu ihrem Hotel zum Abendessen gegangen, ich schloß mich nach dem Ende dann an.

Der erste Abend endete damit relativ zeitig, in Erwartung von WGT-Ähnlichen Zuständen in den Folge-Tagen hatte ich auch nichts dagegen, wieder früher ins Bett zu kommen … denn am Samstag hatte ich Zeitdruck, das erste Panel von Brent Spiner und Jonathan Frakes war um 10:00 Uhr früh auf dem Plan und das durfte ich natürlich nicht verpassen!

 

Die Teetassen sind über Nacht dummerweise nicht größer geworden, also machte ich das Beste aus der frühen Zeit und und gab mir Mühe, mich in einen möglichst guten Data-Nachbau zu verwandeln.

Androide, frisch aufpoliert – glänzt wieder wie neu!

Wer sich generell für ein – richtig ausführliches Kostüm-Making-Of  interessiert, der sollte mal hier reinschauen. Primär rede ich da über die Herstellung der Uniformen, aber auch über das Make-Up und alles was sonst noch wichtig ist. Das WiP ist noch nicht abgeschlossen – aber wer nicht lesefaul ist, findet alles weitere dort.

Ich war zeitig gleichmässig eingegoldet und merkte aber schnell, daß Mr. Spiner nicht übertrieben hatte, als er sich in einem Interview mal über die Hartnäckigkeit des Goldpuders äusserte. Da ich auch ein bisschen was über die Hände verteilt hatte, zeigte sich schnell überall ein gleichmässig schillernder Glitzer-Film … trotz ordentlicher Schicht Fixierspray – welche mich nach dem Aufsprühen ein paarmal mit angehaltener Luft aus dem kleinen Bad flüchten lies …

 

Gegen halb 10 schwang sich Data dann also auf das hellblaue Damenrad und zog los. Die normalen Passanten guckten schon etwas, in Anflugschneise des Maritims aber hörte ich dann ein „Nein wie geil!“ hinter mir und vor mir reckte ein Besucher mit breitem Grinsen den Daumen in die Höhe. Und ja, ich freute mich total darüber!

Das „Auftakeln“ – hier mit diversen Cosplays aus der SciFi Landschaft – hat etwas viel entspannteres als die Aufrüscherei zum WGT. Primär hängt es damit zusammen daß man nicht per se als „Objekt, frei zum Abschuß, weil will es ja so!“ abgestempelt wird, sondern man ist ein Fan unter Fans der seine Begeisterung eben so ausdrückt, während Fans in T-Shirts weder darüber meckern noch angemeckert werden. Wenn jemand ein Bild machen will, oder man von sich selbst ein paar macht, so juckt das keinen auch nur annähernd.

Vor der Eingangstür stellte ich das Rad am gleichen Fleck wie tags davor ab, schwang – in alter Mountainbike-Fahrer-Gewohnheit – das Bein in unnötig hohem Bogen über den Sattel, fummelte am Schloß, zog die Uniformjacke nach unten und nahm Kurs auf den großen Maritim-Saal.

Jonathan Frakes und Brent Spiner waren exorbitant gut drauf und hatten schon nach kürzester Zeit den Saal ausgelassen zum Lachen gebracht. Man witzelte über die frühe Uhrzeit und kam bald auf die Idee, eine neue „Morning Show“ aufzuziehen – kurz entschlossen schlugen die zwei dann vor die „Pilotfolge“ am Montag zum Besten zu geben, indem sie ihre dort nacheinander geplanten Panels einfach zusammenlegen wollten.

Und da war es wieder – dieses irgendwie ganz neue Gefühl – der inhärente Fan-Dachschaden sprang an und so machten mich die zwei mit ihrem Humor emotional fix und alle – aber auf eine sehr angenehme und unterhaltsame Art! Entsprechend war das Panel viel zu schnell vorbei, und so suchte ich meine Freunde im Innenhof, lies mich kurz nieder und erstattete Bericht während ich zeitgleich versuchte, mich irgendwie wieder selbst einzusammeln. Und dann war es Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen, ich lies meine Tasche kurz bei der Gang und ging zum Ticket-Tresen. Dort verlangte ich ein Foto-Ticket … Staff-Mitglied eins fragte für wen – Brent Spiner – Staff-Mitglied zwei lässt kurz von ihrem eigenen Kunden ab und bemerkt grinsend – das würde man doch sehen!

 

Und kurze Zeit später fand ich mich, schon wieder etwas verwirrt, in einer Menschen-Schlange wieder. Hinter mir eine nette junge Dame in petrolfarbener Voyager-Uniform.  Wie so oft an diesem Wochenende kam man ganz ohne Umschweife ins Gespräch, sie hatte schon einige Con-Erfahrung mehr, war aber dennoch mindestens genauso nervös wie ich. Vor mir gruschte ein junger Kerl alle paar Minuten seinen Rucksack durch, den er dazu auf den Boden abstellte und sich herunterbückte. Durch die beengten Platzverhältnisse in der Schlange schrubbte sein be-jeanster Hintern dabei mehrere Male an meinen Handrücken entlang. Mit der Folge daß sich zwei immer deutlicher abzeichnende goldene Streifen auf seinem Hosenboden bildeten. Ich versuche Data-like Contenance zu bewahren und bezweifle gedanklich die Aufschrift auf der Fixierspay-Dose, die da versprach, Make-Up auch gegen extreme Beanspruchung und Abrieb resistent zu machen. Im Feldversuch eindeutig widerlegt – ich werfe meiner grinsenden Gesprächspartnerin ein Schulterzucken zu während der Hosenboden-Besitzer nichtsahnend die Schlange entlang vorrückt..

Zusammen nervös sein ist angenehmer und so verquatschten wir die Ansteh-Zeit ein wenig und plötzlich bin ich schon ganz nah dran … danach geht alles so schnell daß man keine Zeit mehr hat wirklich nervös zu sein, im Nachhinein finde ich das ziemlich schade, auch wenn ich weiß daß man die Massen an Leuten, die für die Fotos anstehen, ansonsten kaum durchbekommt.

 

Da steht er also, sieht mich – macht einen tatsächlich beeindruckten Gesichtsausdruck und hat für „Lady Data“ (auch wenn das natürlich nicht stimmt aber – ich habe ja auch kein Schild mit vollumfassender Erklärung um den Hals hängen …) ein Kompliment .. ein Glück daß man unter dem Gold nicht sieht wie die Gesichtsfarbe so leicht zum rot überwechselt. Klingt peinlich, zugegeben, aber hey – ich stehe  dem echten Data gegenüber, der meinen Nachbau gerade für toll befunden hat! Versetzt euch da doch mal in meine Lage 😀

„Oh, how are you today!“ sagt er dann noch in gemütlichem Plauderton, und ehe ich – in englisch – eine kleine Antwort rausgebracht habe, brüllt der Fotograf schon und zählt auf drei, reflexartig werden 15 Jahre Kamera-Erfahrung in den Arbeitsspeicher geladen, es blitzt uuund – im Kasten. Nächster bitte. Ich lasse Mr Spiner also los, der aber noch einen halben Schritt auf mich zumacht und tatsächlich noch irgendwas sagen will – doch da steht der nächste schon und mir fällt nur noch „thank you so much!“ ein, dann sammle ich meine Tasche wieder auf und finde mich in der Schlange zum Bilder-Abholen wieder. Ein weiteres mal an diesem Wochenende bin ich dezent verwirrt und emotional erschlagen. Hinter mir schließt das Mädel auf, mit dem ich mich schon so gut unterhalten hatte, zusammen verwirrt sein verkürzt auch die Wartezeit auf die Bilder etwas …

Bitte eine Zeitblase für diesen Moment – für ein schönes Gespräch, so von Original zu Kopie …

Aber mein Foto ist ganz großartig geworden und ich freue mich über das Mitbringsel, die Verwirrtheit weicht dem Glück des 16-jährigen Mini-Nerds der während des Fotos wieder umgekippt war und nun zu verstehen versucht, daß das tatsächlich gerade passiert ist. Meine Gesprächspartnerin holte kurz nochmal Luft und verabschiedet sich – die nächste Schlange war für Jonathan Frakes, und da hatte sie auch ein Ticket geholt.

Ich traf in der Abhol-Menge noch Ralf, einer der Organisatoren der TimeLash und auch wir gerieten nochmal in ein kurzes Gespräch. Ralf ist einer der alten Con-Hasen und es stellt sich nicht nur bei unserem Gespräch heraus daß die „Erfahrenen“ sich oft wirklich drüber freuen wenn das Frischfleisch noch alles ganz neu und aufregend findet und daher so ein wenig aus dem Häuschen gerät. Beim WGT hingehen scheint es oft so daß man nervöse Neulinge doof findet, wer in den 90ern noch nicht beim WGT war, sollte dann auch besser nicht erst mitreden …

 

Ralf stellte sich auch mit in die Jonathan Frakes Schlange, für mich sollte das Bild das ich gerade in seiner Mappe verstaute, das einzige des Wochenendes sein … ich muss mich an solche Fan-Ausgaben erst irgendwie auch noch gewöhnen und bin daher erstmal bescheiden gewesen.

 

Im Innenhof müsste die Gang noch versammelt sein, also steuerte ich den wieder an. Meine neuen Freunde begutachten das Bild auch gleich – ich kanns immernoch nicht fassen daß Leute sich wegen einem Fan-Dachschaden so wunderschön ehrlich mit einem freuen. Wenn man aus Jugendtagen drauf trainiert ist, daß Fan-Bekundungen zu abfälligen Blicken, bis hin zu handfesten Gemeinheiten führen, dann ist das wie der Nerd-Himmel auf Erden. Und mir fällt auf daß Brent Spiner ganz sicher auch Goldstaub von mir abbekommen haben muss … der innere, 16-jährige Nerd kichert schon wieder vor sich hin und sucht sich sicherheitshalber eine Papiertüte …

 

Später am frühen Abend steht Robert Picardo auf dem Plan, der legte auch gleich gut los und erklärte den Sinn seines Hutes – ohne diesen würde nämlich der Glanz seiner Glatze das Publikum blenden .. man könne ihn dann auch vom Weltraum aus sehen, also behält er den Hut mal lieber auf.

Beeindruckend auch seine Ausführungen über seine Arbeit für die „Planetary Society“ – die aber auch nicht ohne unterhaltsame Einlagen bleibt, denn als Einspieler lief dann Picardos Abschieds-Lied an die Raumsonde Cassini, die zu meinem Ohrwurm des Wochenedes werden sollte:

 

 

Seitdem habe ich das Video zigmal gesehen und kann immernoch nicht ganz genug davon bekommen …

 

 

Data testet die lokalen, wenn auch etwas archaischen Fortbewegungsmittel

Einige Bekannte wollen später noch das Panel von Jason Isaacs sehen, doch obgleich ich ihn als Mensch wie Schauspieler sympathisch und echt gut finde, so tue ich mir – als Trekkie mit gut 28 Dienstjahren – wie die meisten von der „alten Fan-Riege“ bei „Discovery“ nach der ersten Staffel noch recht schwer, selbiges unter „Star Trek“ überhaupt einzuordnen, also folge ich der Gang ins GSI um etwas gegen den knurrenden Magen zu unternehmen.

Die hat sich schon partytauglich frisch gemacht, da ich das nicht mehr schaffen würde, blieb ich wie ich bin. Das gab uns Gelegenheit „Data auf dem Damenrad“ mal in statischem wie in bewegtem Bild festzuhalten. Die Gang versucht nicht allzu sehr zu lachen, als ich mit schnörzelgerader Haltung eine kleine Runde für die Kamera drehe … tatsächlich passiert das ganz von alleine – man nehme nur 13-Jahre Bühnentanz-Erfahrung aus einer gut gerührte Mischung aus Ballett, Jazzdance und Steptanz, und ein Rad auf dem man eh nur kerzengerade sitzen kann …
Auf der Party später sorgt die gleiche Mischung – nur ohne das Rad – ebenfalls für etliche Grinser der umstehenden Gäste, denn sobald das neumodische Zeugs an Musik endlich erschlagen ist, kitzelt es auch mir in der großen Zehe und – Data tanzt!
Wer mich in Bewegung kennt, kennt dann auch den vielleicht etwas eigentümlichen Tanzstil, der wieder mal von der Ballett-Ausbildung herrührt und einfach da ist – ob ich will oder nicht  😀

 

 

Die Party geht für mich um etwa 2 Uhr nachts zuende, Teile der Gang haben vorher schon aufgegeben weil müde – nicht jeder ist so eine Eule wie ich und trotz einiger Witzchen ist das ja auch absolut OK. Ich rollerte also auf meinem Rad wieder gen temporärer Heimat und stand da noch vor dem Problem, das ganze Gold-Zeug wieder irgendwie aus dem Gesicht zu bekommen …

 

Hast du ein Problem, Pinkie-Haut?

Der Sonntag bricht an, und damit schon der dritte Tag. Wieder ist es verdammt früh, Robert Picardo hat nämlich um 10:00 Uhr sein zweites Panel, dummerweise habe ich diesmal vor, komplett blau auf der FedCon zu erscheinen, und bis dieser Zustand eingestellt ist, braucht es zumindest ein bisschen Vorlauf-Zeit …

Premiere für Shoran, den ständig schlechtgelaunten andorianischen Teenager … der Charakter taucht natürlich nicht in Star Trek auf, wohl aber das blauhäutige Volk mit den lustigen Fühlern auf dem Kopf – die mochte ich irgendwie immer schon, und als Spontan-Kostüm war das leicht zu bewerkstelligen, mit einigen Kleidungsstücken aus dem eigenen Schrank – nur blaues Make-Up sowie Fühler musste ich noch besorgen, bzw bauen.

Ein weiteres Mal steige ich auf mein Leih-Rad und höre in der letzten Kurve vor dem Maritim-Eingang jemanden hinter mir in einen deftigen Lachanfall ausbrechen. „Ein Andorianer aufm Fahrrad!“ – ich drehe mich kurz um, winke und lache zurück …

Robert Picardo habe ich nun knapp verpasst, man hätte sich in den Saal noch mit reinschleichen könne, aber die Gang sitzt schon wieder im Innenhof in der Sonne, also setzte ich mich mal dazu.

Ausser mir waren noch etliche andere Andorianer unterwegs – ein Umstand der selbstredend verbindet, man macht Andorianer-Gruppenfotos und kommt – wieder mal ins Gespräch.

Teile der Gang wollen sich Robert Vogels Gesprächsrunde zu „Discovery versus Orville“ anschauen, ich schließe mich an, da das Thema schon etliche Zeit natürlich in aller-nerds Munde ist. Ich bin ganz klar von der Orville-Fraktion, denn Seth MacFarlane schafft in seinem Trek-Klon wirklich gut, was mir bei „Discovery“ bislang  gefehlt hat – die intelligenten Stories zu gesellschaftlichen Problemen und sehr menschlichen Dingen. Wer Angst vor dem Klamauk-Faktor hat, der sei beruhigt – haltet die ersten zwei Folgen durch, und danach kriegt die Sache schon die richtige Kurve!

Die Diskussion nehmen wir mit nach draussen, an den Rand des Brunnens im Innenhof, und wieder passierte etwas was mich angenehm überraschte – während genau dieser Disput im Internet meistens nach kurzer Zeit in bissigen Streit ausartet, so tauschen wir sachlich unsere Ansichten aus, schaffen es den Standpunkt des Gegenübers nachzuvollziehen und damit wird wieder eine Diskussion daraus wie sie sein sollte – konstruktiv, trotz der unterschiedlichen Ansichten. Das war richtig gut!

So veralbere ich den Nachmittag mit weiteren alten aber auch neuen Bekannten und Freunden und fühle mich rundum wohl. Mit der Gang gehts dann wieder zum Abendessen, und danach mache ich mich mit zwei weiteren neuen Freunden auf, den Cosplay-Contest zu begutachten.

Die komplette Gang – und ein blaues Anhängsel 😀

Oben auf der Empore frägt mich meine Sitznachbarin auf englisch, ob ich da mitmachen würde, nach ein paar Sätzen stellte sich heraus daß wir beide des Deutschen mächtig sind, und schon hat man wieder ein nerdiges Gespräch in Gange.

Der Cosplay-Contest war in Rekordzeit zuende, offenbar wegen zu weniger Teilnehmern, unter denen die dabei waren, gab es aber wirklich grandioses zu sehen, beispielsweise ein Drachen-Kostüm, welches die Trägerin aus unzähligen Worbla-Schuppen gebaut hatte, ein Charakter aus Star Wars, dessen Schärpe vom Cosplayer von Hand bestickt wurde – so akkurat daß man es für Maschinen-Arbeit halten hätte können. Ein Jaffar aus der Stargate-Serie und die einzigen beiden Gruppen – darunter einige erstaunlich-akkurate Borg-Truppe, die die Tage über schon mit passender Kulisse in der Lobby Aufstellung genommen hatten – übrigens gegenüber der „German Asshole Society“ – eine Spaceballs-Kostümtruppe die mit sehr viel Begeisterung und Selbstironie bei der Sache waren – definitiv ein weiteres Highlight!

Ihr seht beide Gruppen, sowie einige der Teilnehmer auf in dem folgenden Video, das einen richtig tollen Eindruck von der gesamten FedCon vermittelt:

 

Noch nach dem Contest beschließe ich, nächstesmal noch etwas mehr Mut zusammenzukratzen um  selbst mal teilzunehmen. Inzwischen ist auch schon eine Entscheidung gefallen, welches Kostüm es dann werden soll.

Mit der Gang verbringe ich einen weiteren Abend in der Piano Bar des GSI, es gäbe auch heute eine FedCon Party, doch der Bettzipfel ruft lauter. Zwar nicht so sehr bei mir, aber – macht nichts.

Montag – ich schiebe die große Zehe aus dem Bett und stelle bestürzt fest, daß dies nun schon der letzte Tag war. Die Zeit verging wie im Fluge.

Ein viertes Kostüm hatte ich nicht eingepackt, ich hatte eigentlich geplant entweder Spock nochmal zu tragen oder nur die TOS-Uniform, ohne Vulkanier-Aufmachung, da der Tag nicht ganz so lange werden würde. Trotzdem entschied ich mich nochmal für Data – mit dem gesamten Bemalprogramm, natürlich – einfach weil ich Bock drauf hatte!

„Dalek Caaarl! Warum liegt da ein toter Mensch?“ O-Ton Barbara – danke dafür 😀

Wie immer traf ich die Gang im Innenhof, in der Sonne, und nach und nach gesellten sich dort auch die anderen Bekannten dazu – Barbara, die TARDIS-Bauerin und Dalek-Häklerin von der TimeLash hatte einen roten Glitzerdalek dabei, der aus der Handtasche heraus schon nach dem nächsten, exterminierbaren Opfer schielte – zu meinem Glück aber schienen künstliche Lebenformen nicht auf der Abschußliste zu stehen …

Dann war es Zeit für das letzte Panel – das sich als das unbestreitbare Highlight herausstellen sollte.

Ich suchte mir wieder einen guten Platz auf der Empore und konnte dann beobachten wie mehrere Helfer einen gedeckten Tisch aufbauten, Stühle darum platzierten und Geschirr sowie Kaffeekannen und Essen darauf drapierten. Und dann erschien auf dem Bildschirm der Bühne schon das Logo für die „Brent and Johnny Morning Show“!

In Kürze lag der Saal kollektiv auf dem Boden vor Lachen … die beiden hatten sichtlich Spaß und waren voll in ihrem Element. Ich hoffe ja sehr daß es noch einen gesamten Mitschnitt der „Morning Show“ gibt, sowas sollte man wirklich festgehalten haben – derweil leider nur ein etwas wackeliger Ausschnitt von einem Besucher:

 

Auch ich war danach schon wieder fix und alle und absolut fertig mit der realen Welt. Nachdem ich mich bei der Gang wieder etwas eingekriegt hatte, machte ich mich zu einer letzten Einkaufstour durch die Händler-Stände auf, die schon langsam zum Einpacken übergingen. Ich hätte einige Dinge gesucht gehabt, ging dann aber lediglich mit einer Handvoll Metall-Pins wieder zurück – dabei ein kompletter Satz Abzeichen für die „Monster Maroon“ Uniformen, die in den 80er-Kinofilmen zu sehen war, und nicht nur meiner Meinung nach das schönste Uniform-Design von allen ist. Data bekam für die „First Contact“-Uniform einen zweiten Satz Rank Pins, und für den Alltags-Nerd ein kleines TOS-Abzeichen mit dem Symbol der Wissenschafts-Abteilung.

 

Die Gang beschloß geschlossen, die Closing Ceremony nicht anzusehen, weil man befürchtete sonst die große Trauer über das Ende dieser wahrlich großartigen Con, also begann nun das große Verabschieden bereits, worauf sich einige weitere Bekannte dann zur Schlußveranstaltung anschlossen.

Nicht mehr alle Schauspieler waren noch vor Ort, einige hatten Videos hinterlassen, die übrigen sorgten für ein wirklich grandioses Finale, welches ihr hier sehen könnt:

 

 

Während ich äusserlich relativ gefasst blieb, verdrückte sich mein innerer Teenager-Nerd in ein dunkles Eck, um dort Rotz zu Wasser zu heulen.

In der Lobby passte ich dann noch einige andere Freunde und Bekannte ab und verabschiedete mich … und dann machte ich mich auf zu meinem hellblauen Leih-Rad um den Rückzug anzutreten .. die Stimmung unter den Aufbrechenden war immernoch ausgelassen, Data auf dem Rad bekam noch ein paar letzte Lacher, nette Zurufe und Komplimente ab, ein offenbar nicht beteiligter Radfahrer auf Gegenkurs streckte mir grinsend den vulkanischen Gruß entgegen, und dann saß ich auf dem Bett meiner Unterkunft und brauchte noch eine halbe Stunde um den Mut zu finden, mich aus der Uniform zu schälen und unter Zuhilfenahme einer sehr ausgiebigen Dusche das letzte Mal den Goldstaub aus dem Gesicht zu bekommen.

Die ersten Leute posteten vom Heimweg aus oder von der Ankunft zuhause, man lachte noch im Netz den Abend über gemeinsam und so langsam breitete sich der Con-Blues aus. Ich packte meine Sachen zusammen und schaffte es nichtmal mehr der Rheinaue einen kurzen Besuch abzustatten.

Am nächsten Vormittag dann ging es auch für mich auf den Rückweg, just als ich das letzte Teil aus dem Bad aufsammeln wollte, krachte es draussen laut – und es stand ein Gewitter direkt über Bonn. Eine Stunde später wagte ich mich durch den Regen, das Gewitter war zwar abgeklungen, doch das Wasser von oben legte nochmal ein Brikett nach, sodaß ich kurz darauf völlig patschnass in der U-Bahn saß und mir Mühe gab so zu tun als sei das das normalste auf der Welt.

Die Bahn war auch in Stimmung für Witze, und haute eine mehr als halbstündige Verspätung, schon im Bonner Bahnhof, obenauf. Ich verpasste mal wieder alle Anschlußzüge und kam diesmal eine ganze Stunde später als geplant zuhause an. Aber immernoch mit dem Kopf im siebten Nerd-Himmel … mein kostbares Foto steht nun, gut sichtbar auf meinem Wohnzimmer-Regal, und jedesmal wenn ich hinschaue muss ich über alle vier Backen grinsen – auch wenn mich immernoch plagt, was Brent Spiner kurz danach noch zu mir hätte sagen wollen.

 

Das Fazit zu der ganzen Sache: keine Sekunde bereue ich, mich für die FedCon entschieden zu haben. Vom ersten Moment an fühlte ich mich am rechten Platz und wunderbar willkommen. Zwar gab es einst, vor 12 Jahren auch auf dem WGT ein ganz wundervolles Angekommen-Gefühl, und immernoch liegt mir an dem Festival wirklich einiges, doch zum Einen hat sich die Routine da eingeschlichen, was ich persönlich einfach auch schade finde, auch wenn es natürlich immer an einem selbst liegt, irgendwas anders zu machen. Zum Anderen ist da ja noch mein innerer, 16-Jähriger Teenie-Nerd, der nun, nach 22 Jahren endlich mit seiner Starfleet-Uniform dasitzen darf ohne sich deswegen runterputzen lassen zu müssen, und sich so seiner Existenz erfreut!

 

Robert hat in seinem Bericht zum Besuch der „Destination Star Trek“ ganz ähnliches berichtet, und mehr als einmal hab ich beim Lesen hier in völliger Zustimmung dem Bildschirm zugenickt.

Auch mich hat damit der Con-Virus endgültig gepackt, die nächste Reise ist auch schon geplant, alle Tickets geordert – es geht zur Comic Con nach Stuttgart, wo zwar zu meinem großen Bedauern Nichelle Nichols und Arthur Darvill (Doctor Who) zwar inzwischen abgesagt haben aaaber – Marina Sirtis a.k.a Deanna Troi ist da und Data freut sich schon sehr darauf, ein Bild mit ihr mit nach Hause zu nehmen.

 

Im Oktober dann steht die vierte TimeLash in Kassel auf dem Programm, fürs nächste Jahr werde ich ebenfalls wieder zur FedCon fahren, und dann sehen wir mal wohin der Wind mich dann noch alles verschlagen wird!

 

Rosa’s waviges Kaleidoskop: Dalek I love you

Ein neues Jahr hat begonnen, Grund für viele Blogbesitzer, das Vergangene Revue passieren zu lassen. Doch darauf habe ich heuer einfach keine Lust und mache stattdessen eben da weiter wo ich aufgehört habe.

Nein, es gibt keine weiteren knallbunten Mode-Eskapaden 😉 – aber in den Entwürfen liegt noch genug herum das einmal angeschrieben wurde und dann in Warteschleife verblieben ist. Meine Wahl fiel für den blogtechnischen Jahreseinstand wieder einmal auf einen musikalischen Artikel.

Jedoch, wie der Titel vermuten lässt, spielt ein sehr deutlicher Doctor Who Bezug auch diesmal eine gewisse Rolle 😉 – während die britische Kult-Science Fiction Serie bei uns eher weniger bekannt ist, gehört sie in ihrer Heimat schon lange zur Populärkultur.  Mit dem 23. November 1963 als Erstausstrahlungstermin handelt es sich hierbei sogar um die älteste SciFi Serie überhaupt (und schlägt Star Trek damit auf den zweiten Platz zurück) – und in diesem Jahr feiert sie ihr 50-stes Jubiläum.

Da ist es kein großes Wunder, daß Künstler aller Sparten immer mal wieder ihre Begeisterung für diese Serie mit in ihr Werk aufnahmen, im Speziellen im musikalischen Bereich gibt es eine ganze Reihe davon. Ende der80er schaffte es die spätere Kultformation KLF mit „Doctorin the TARDIS“ (noch unter dem Namen „The Timelords“) sogar in deutsche Discos, wo das Stück ziemlich guten Anklang fand – ganz ohne das man hierzulande vom Doctor und seiner, als britische Police Box getarnten Zeitmaschine, etwas wusste. Bis dato lief die Serie nämlich noch nicht über deutsche Mattscheiben. 1968 waren dem ZDF einige Folgen mit Patrick Troughton – dem zweiten Schauspieler die die Rolle des Zeitreisenden spielte – angeboten, was nach Vorführung einer der Episoden folgendermaßen abgelehnt wurde:

Die Filme sind in Dekor und Kostümen ebenso naiv wie die Bücher undurchschaubar. Die Ablehnung erfolgt einstimmig.1

Erst der Disco-Erfolg der Timelords bewog RTLplus 1989 die Serie auszustrahlen. In dem Jahr, in welchem in Großbrittannien die Serie vorerst eingestellt wurde.2

Aber ich wollte hier keineswegs die Geschichte der Serie detailliert ausführen, sondern natürlich auch eine Band vorstellen die bei uns offenbar genauso bekannt ist wie die britische Kult-Serie – wenn nicht sogar noch weniger.

397px-Dalek_(Dr_Who)

Die beiden Gründungsmitglieder Alan Gill und David Balfe haben, wie so viele spätere Wave-Musiker, ihren Ursprung im Punk Mitte der 70er.  Beide liesen dieses Genre hinter sich um  mit einem experimentelleren Projekt künstlerisch neue Wege zu gehen – der Band-Titel „Dalek, I love you“ kam hierbei durch einen Kompromiss zustande, da Gill „Darling, I love you“ vorschlug, Balfe allerdings die Band nach den wohl bekanntesten Aliens und Gegenspieler des Doctors benennen wollte – den Daleks – mutierte Lebensformen die im Inneren von salztreuerartigen Mini-Panzern ihr Unwesen treiben, sich für „superior“ halten und in ihrem Zerstörungsdrang dann ganz schnell sehr einsilbig werden können.

1978 verlies Balfe die Band um bei namhaften anderen Projekten wie „Big in Japan“ und „The Teardrop Explodes“ mitzuarbeiten, worauf weitere Künstler zu „Dalek, I love you“ kamen, darunter Martin Cooper und Andy McClusky, die jedoch nur sehr kurz blieben, nach ihrem Ausstieg gründeten sie mit Paul Humphries das heute ebenfalls nicht gerade unbekannte Projekt „Orchestral Maneouvres in the Dark“ – oder kurz „OMD“.

Die Band verblieb als Duo mit Alan Gill und Dave Hughes, als sie im gleichen Jahr bei Inevitable Records unterzeichneten und ihr erstes Demo – „Freedom Fighters“ aufzeichnete, welches dann bei Phonogram landete, das Label zeigte Interesse und „Dalek I“ unterzeichnete daraufhin dort – die Verkürzung des Bandnamens wurde ohne Begründung, und ohne die Musiker zu fragen, vom Label vorgenommen, ebenso versuchte man die Akkorde des Demo-Song abzuändern da sie nicht dem „Standard“ entsprächen.

Dort erschien schließlich das erste Album – Compass Kumpas – am 24. März 1980.

Dritter Titel des Albums trägt den gleichen Namen wie die Band – Dalek I love you (Destiny) – und dürfte mein absolutes Lieblingslied der Scheibe sein. Selbstredend bin ich aufgrund des Titels da nicht ganz unvoreingenommen 😉 , aber auch so nistet sich das leichtfüßig klingende Stück schnell im Gehörgang, ja obwohl es eine relativ ruhige Ausstrahlung hat, auch durchaus im Tanzbein ein – mit den Daleks aus der Kult-Serie im Hinterkopf, sorgt der Text dieses Stückes für einige Grinser. Bei youtube ist es hier zu finden – nur leider in „Deutschland“ – nicht anschaubar *räusper* 😉 – gefolgt von „A Suicide“ , das mit einer schweren, schneidenden Synthiefläche wesentlich düsterer daherkommt. Auch der Text hat es ziemlich in sich.

Nahtlos daran bricht „A Kiss“ die depressive Stimmung wieder auf, da – laut dem Text – der Sänger es sich dann doch anders überlegt hat – was entsprechend flott untermalt wird. Stimmungsschwankungen die richtig Spaß machen. Ein Konzept das sich durch das ganze Album durchzieht. Stilmässig zwar eindeutig im Wave-Feld vorzufinden, schaffen es Dalek I aber dennoch einen recht eigenwilligen, speziellen Stil an den Tag zu legen der sicher erstmal gewöhnungsbedürftig ist. Ich hatte auch zwei Anläufe gebraucht bis mir diese irgendwie schräge, minimalistische Mixtur samt Alan Gills säuseliger Stimmlage gefallen mochte, inzwischen bin ich aber absolut überzeugt und begeistert.

Erwähnenswert ist sicher noch das Cover des legendären Rocksongs „You really got me“ von den Kinks, dem man in der Version von „Dalek I“ einen gewissen sarkastischen Unterton unterstellen möchte – ein kleiner Stinkefinger in Richtung des Rock and Rolls ausgestreckt – ganz der Punk eben.

Zum Abschluß des Albums fasst „Missing 15 Minutes“ – das längste Stück – nochmal das ganze Album stilmässig zusammen.

Obwohl dieses gute Kritiken einheimste, blieb es kommerziell kaum erfolgreich. So wurde das Projekt schnell vorerst eingestellt. Zunächst blieb Alan Gill als einziges Bandmitglied übrig und schloß sich dann ebenfalls den Teardrop Explodes an, nachdem Julian Cope den Gitarristen rauswarf. Dort schrieb er mit an dem Song „Reward“ welcher es in die Top 10 der UK Charts schaffte. Alan Gill verlies die Teardrop Explodes jedoch wieder um daraufhin unter dem vollen Bandnamen „Dalek I love you“ seinen eigenen musikalischen Plänen weiter nachzugehen. So erschien am 28. Februar 1981 die Single „Heartbeat“ mit der B-Seite „Astronauts“ bei Phonogram.

Ein stilistischer Wendepunkt, der eher trashige, schräge Sound wich eingängigeren Synthpop-Melodien – eine Richtung die im folgenden beibehalten wurde, als 1982 die Band zu einem Quartett anwuchs und die zweite Single , diesmal beim Label Korova – herausbrachte: „Holiday in Disneyland“, gefolgt vom tanztauglichen „Ambition in 1983. Beide Stücke erschienen schließlich auf dem zweiten Album „Dalek I Love You: Dalek I Love You“.

Mit „Horrorscope“ brachte die Band im gleichen Jahr eine letzte Single heraus – obwohl das zweite Album ein kommerzieller Erfolg war, Alan Gill äusserte sich jedoch daß er darin nicht weiter involviert werden wollte – so wurde „Dalek I love you“ ein weiteres Mal auf Eis gelegt.

1985 gründete Alan Gill sein eigenes Label – Bopadub – um darauf Complations auf Kassette zu veröffentlichen, dort erschien im gleichen Jahr auch das Dalek I – Album „Naive“ das mit insgesamt 25 Stücken aufwartet. Wieder ein wenig weg von den poppigen Tanz-Sounds, aber auch ohne den kratzbürstigen Charme der frühen Werke. Das ist irgendwie zwar schade, trotzdem mag ich das Album sehr gerne, es ist sehr emperimentierfreudig in verschiedenste Richtungen, bedient sich stellenweise bei Weltmusik aus aller Herren Länder, klingt mal folkig, mal mehr synthielastiger,  mal sind die Wave-Wurzen deutlich zu hören, dann wieder weit davon entfernt. Im Grundton ein sehr ruhiges Album das man so kaum wirklich richtig beschreiben kann sondern einfach mal selbst reinhören muss.

„Naive“ erschien ausschließlich auf Kassette und ist heute legal im MP3-Format auf der (sehr spärlichen) Homepage von „Dalek I love you“ runterladbar: http://www.dalekiloveyou.com/naive.htm

Wer jetzt noch nicht genug hat, kann die Bandhistorie auf der folgenden Seite nochmal haarklein im Detail nachlesen (auf englisch): http://robinparmar.com/dalek-i-love-you.html

1: http://www.serienjunkies.de/news/doctor-who-deutschland-kein-ort-31751.html

2: wer sich detaillierter über Doctor Who und dessen Geschichte informieren mag, kann das hier tun: http://en.wikipedia.org/wiki/Doctor_Who

Bildnachweis Dalek: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dalek_%28Dr_Who%29.jpg

http://www.dalekiloveyou.com

http://robinparmar.com/dalek-i-love-you.html

Rosa’s klamottiger Giftschrank

Ich bin mir noch nicht ganz sicher ob ich es hassen soll oder lieben, sicherheitshalber entscheide ich mich mal für Letzteres, denn Elternbesuche bergen oft eine nicht zu unterschätzende Gefahr: da erinnert man sich plötzlich an den einen oder anderen Gegenstand den man vor sehr vielen Jahren in irgend einen Karton gepackt hatte und unter irgend welchen anderen Kartons auf dem Dachboden abstellte, entscheidet daß ebendieser Gegenstand inzwischen doch wieder nützlich ein könne und beschließt selbigen zu suchen.
Dabei fallen einem die unmöglichsten Dinge in die Finger, Erinnerungen und alte Geschichten werden herausgekramt und nach Stunden im Staub wühlen hat man zwr bergeweise alten Kram gefunden, meist aber genau nicht den Gegenstand den man eigentlich gesucht hatte.

So war ich heute beispielsweise auf der Suche nach einem alten Jackett – der Rest ist vorhersehbar – ich fand es nicht, aber etliche Kleidungsstücke die ich zwischen 14 und 18 selbst gemacht oder umdekoriert hatte und natürlich stolz trug.

Wie ich in meinem Gothic-Friday Artikel zum Thema „Wie bist Du in die Szene gekommen“ schrub, bin ich in dem Alter noch nicht konsequent schwarz durch die Gegend gelaufen obwohl mich diese Nicht-Farbe bereits sehr faszinierte, ich probierte mich fröhlich aus und wechselte von tiefschwarz zu knallbunt und dann wieder zu schwarz zurück.
Und wenn ich knallbunt sage, meine ich keinesfalls schnödes feuerwehrrot oder leuchtgrün – nein, wenn ich knallbunt sage dann meine ich das ziemlich ernst – man kann sagen ich pendelte von einem Extrem ins andere, ohne Zwischenstops.

Da ich zu meiner partiell knallbunten Jugend voll und ganz stehe – womöglich habe ich es teilweise so übertrieben daß mein Bedarf für Farbe bis zum Lebensende dann verbraten wurde – präsentiere ich die haarsträubendsten Teile aus meinem jugendlichen Klamottenschrank.

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Fangen wir erst einmal recht harmlos an. Wie ich ebenfalls in oben genanntem Artikel erwähnte, habe ich mich gern bei dem bedient was meine Eltern aus ihren Kleiderschränken ausrangierten. Einiges wurde vor dem Weitergebrauch aber erstmal umgestaltet, wie beispielsweise diese Jeansjacke die sich meine Mutter in den 80ern gekauft hatte und eigentlich im Originalzustand schon ganz witzig war – den Rücken zierte buntgescheckter Organza, den ich aber abtrennte da ich die Jacke etwas individueller haben wollte.

Die Idee dazu kam mir als ich zufällig den Film „Susan, verzweifelt gesucht“ gesehen hatte. Inhaltlich zwar völlig belanglos, aber der 80er Look ist einfach genial – auch wenn der anno 1994 noch nicht so arg weit weg war, ich stand damals schon drauf.
Inspiration war Madonnas grüne Jacke mit der großen Pyramide auf dem Rücken, welche auch im Trailer oben zu sehen ist.
Da Seidenmalerei zu der Zeit als Hobby „in“ war, griff ich zu den Seidenfarben und malte diverse altägyptische Symbole – den Lotos, Symbol für Wiedergeburt, Leben und die Sonne, das Ankh, ebenfalls ein Symbol des Lebens und das Horusauge, Symbol für den Mond, Vervollständigung, Schutz und Kraft, auf die Seide und lies meine Mutter das Ganze für mich auf den Rücken der Jacke nähen.

hose_vAusstellungsstück Nummer zwei ist leider eine Unvollendete.

Ich muss zugeben daß ich einen sehr großen Bedarf an weißen Jeans hatte zu der Zeit, aber nachdem es mich mit meinen schneeweißen Schlaghosen regelmässig immer dann wenn ich die trug in die nächstbeste Schlammpfütze gelegt hatte und das Problem durch den Färbe-Eimer erstaunlicherweise schlagartig aufhörte (ein Omen ^^), waren weiße Hosen nur noch Rohmaterial für weitere Bearbeitung.

Am liebsten tobte ich mich mit Schnurbatik aus und saute das Bad so treffsicher flächendeckend ein, abgesehen davon sind allerdings Leinwände aus dem Kunstmalerbedarf, auch nur Baumwollstoff, da lag es nahe zur Stoff-Farbe zu greifen um tragbare Kunst zu verbrechen.

Auf dieser Hosenvorderseite findet sich mein Interesse für Astronomie, Surrealismus und ein weiteres mal – altägyptische Mythologie.hose_h

Das eine fertiggestellte Hinterbein zeigt eine wolkenverhangene Vollmondnacht, eine Film Noir Szene in der der Protagonist, der desillusionierte Privatschnüffler grade auf seine Stammkneipe zusteuert um seinen Kummer in Bourbon zu ertränken und am unteren Rande, wieder Vollmond, diesmal über den hoch aufragenden Wolkenkratzern einer Riesenmetropole – ein sehr persönliches Symbol ,das ich einerseits mit den Detektivromanen verband die ich damals lieben gelernt habe, anderereseits für die Anonymität von Großstäden die gleichermaßen bedrückend als auch angenehm sein kann.

In Natura ist die ganze Hose ein einziger optischer Overkill, teilweise hatte ich Metallicfarben mit vielen Glitzerpartikeln verwendet, was hier auch wieder als ein Kontrast zu den Motiven an sich gedacht war.

Wer jetzt noch nicht daran gedacht hat, zur Sonnenbrille zu greifen, der sollte das spätestens jetzt tun. Wir kommen zu meinem Lieblingspullover meiner Teenie-Zeit.

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Zu der Zeit habe ich noch nicht ernsthaft selbst genäht, dafür kilometerweise Wolle verstrickt. Pullover mussten vor allem eines sein: anders. Dieses Stück entstand aus allen Wollresten die ich bis dahin angesammelt hatte, in Rekordzeit von 2 Wochen. Ich hatte praktisch überall mein Strickzeug dabei und hab auch öfters Rüffel kassiert als ich im Unterricht einfach weitergestrickt hatte. Ich war der Auffassung sowohl Aufpassen zu können als auch die Finger beschäftigt zu haben. Glauben wollte mir das leider kaum ein Lehrer obwohl die Hände tatsächlich irgendwann auf Automatik liefen und der Kopf da nicht weiter involviert war.

Jedenfalls, dieses hirnzerstörende Kleidungsstück stellt sowas wie den Kern meiner wollverarbeitenden Schaffensphase dar. Blos kein erkennbares Muster oder irgendwie ähnliche Einzelteile produzieren. Colin Baker wäre blass vor Neid geworden – oder zumindest die die ihm die Klamotten aufgeschwatzt hatten damals 😀

Der Rest meine Pullover-Kunstwerke war moderater, musste aber immer irgendwie assymmetrisch oder von generell zweifelhafter Formgebung sein. Während ich das hier tippe, trage ich Modell „Schneegestöber“ – passend zum Wetter – was mir aus meinem alten Kleiderschrank promt auf die Füße fiel – Grundfarbe schwarz (zum Glück) mit weißen Böppeln ^^ und sehr 80er mässig überdimensional weil breiter als lang.

Wer jetzt noch keine ernsthaften Netzhautschäden hat, dem mute ich jetzt noch die Rückansicht zu.

pulli_hhemd_vStichwort „Batik“ fiel ja schon. Kam auch oft genug vor daß ich mit verfärbten Händen morgens in der Schule saß. Dabei habe ich alles eingefärbt was nicht niet und nagelfest war. Schwarz batiken war eine Herausforderung da das selten wirklich tiefschwarz wurde, in bunt fiel sowas weniger auf. Neben einer regenbogenfarbenen Hose war folgendes Hemd eindeutig das schrillste was ich jemals aus meinen Farbtöpfen zog. Aufwendig war es auch – jede einzelne Farbe musste separat gefärbt werden. Idealerweise mit Zeit zum Trocknen damit die einzelnen  Farben nicht unkontrollierbar ineinander liefen. Es mag nicht den Eindruck machen als wäre das notwendig gewesen, aber ja, man musste da schon etwas drauf achten 😀

Zum Abschluß dann noch ein Teil das unverändert gekauft wurde. Mein Bananen-Schlips. Den hatte ich mir auch in etwa mit 18 Jahren zugelegt, Hintergedanke war bei dem Teil einerseits daß ich eben auch oft in Herrenanzügen rumlief, mit allem Drum und Dran, und ich Bananen für das widerwärtigste Gewächs des ganzen Universums halte. Allein der Geruch schlägt mich erfolgreich in die Flucht. Sich das Hassobjekt somit um den Hals zu binden war ein zutiefst selbstironischer Akt.

Ebenso der Zug sich bei miesem Licht und angeschlagener Gesundheit mit der Digiknippse blitzen zu lassen oO – aber egal, da es wie bei den vorherigen Artikel ohne Doctor Who Bezug ja erklärtermaßen nicht geht momentan, gibts das Bananenschlipsbild dennoch – weil doppelte Who-Referenz 😀   – leider gabs kein qualitativ besseres Video im Netz zu finden …bananaschlipsAbschließend muss ich mich noch für schlechte Bilder und eventuell miese Formatierung entschuldigen, ich sitze grade mit einem winzigen Netbook am Netz und habe nur unzureichende technische Möglichkeiten – ich kümmere mich drum sobald ich wieder zuhause bin 🙂

Ein Schal und ein Novembertag

Nicht umsonst gilt der November als der Monat der den Leuten am stärksten aufs Gemüt schlägt.
Die Tage werden sehr merklich kürzer, oft ist es grau und tagelang kein bisschen Sonne, die letzten Blätter fallen von den Bäumen und jegliche Farbe weicht aus der Natur. Dazu wahlweise Nebel oder Regen und unangenehme Temperaturen.

Der geneigte Grufti kann solchen Umwelteinflüssen ja doch auch mal etwas abgewinnen. Ich selbst gestehe, dem November eher zwiespältig gegenüber zu stehen. Ich bin eine Frostbeule und schaffe es noch bei 25°C herzhaft zu frieren und auch bei mir ist die novemberliche Diesigkeit auch mal Grund für Stimmung der in der Tat schlechten Sorte. Andererseits kann ich der tristen Melancholie aber auch was abgewinnen, man kann den Mantel wieder aus dem Schrank holen und sich am neu gestrickten Schal erfreuen 😀

Nach 15 Jahren Stricknadelabstinenz hat es mich dann doch wieder dazu getrieben, dabei ist das Wetter nicht unbedingt der ausschlaggebende Grund gewesen – nein (diejenigen die ich seid Wochen damit terrorisiere wissens ja eh 😀 ) , meine aktuelle überschäumende Begeisterung für *den* Doctor   (in dem Fall für meinen Lieblingsdoctor aus der Classic-Serie – Tom Baker ), gepaart mit dem unbeabsichtigten Zufall, daß ich mit 18 bereits einen sehr doctorigen Klamottenstil, samt knallbuntem Schal mit sehr deutlicher Überlänge hatte *hust*

Der alte Schal existiert noch, ist mir aber inzwischen viel zu bunt 😉 – und des 4. Doctors Farben auch, deswegen entschied ich mich für eine Rosa-typische Farbwahl – viel schwarz, ein paar Graustufen und ein Hauch von lila. Die Länge des guten Stücks kommt aber mit stolzen 4,35 Metern an den Schal des Doctors recht gut ran.

Im Praxistest hat sich das gute Stück heute auch mehr als bewährt, denn bei den einstelligen Temeraturen eines richtig novemberigen Sonntag-Nachmittages wird einem auch als Über-Frostbeule nicht kalt am Hals und die Enden schwingen genauso schön beim Laufen wie bei Tom Baker in der Serie ❤

Getragene Bilder wirds auch noch geben – ich brauch erst mal einen neuen Hut 😉

Der „Praxistest“ bestand mehr oder weniger in einem schönen Spaziergang bei dem ich meine Kamera dabei hatte um ein wenig Novemberstimmung der angenehmeren Art einzufangen, auch wenn das Licht recht schnell Mangelware war, so habe ich dennoch ein paar, wenn auch wenige Bilder mitbringen können :

Einen Alien-Landeplatz habe ich dann auch gefunden 😀 – ich glaub sowas muss man einfach erwarten wenn man mit 4 Meter langen Schals in der Gegend rumläuft und das Who-Theme in Dauerschleife im Kopf hat …

Und dann verschwand das bisschen Licht auch schon wieder und setzte zum Abschied noch einmal den Himmel in Brand:

Mein Bekenntnis zum Nerdtum

Wenn man mitten in der Nacht aus dem Fernsehschlaf aufwacht, der einen erfolgreich davon abhielt den Film zuende zu sehen, dann mag das zwar ein Anzeichen dafür sein daß man langsam etwas alt wird – aber wenn dann der Rechner noch an ist und man versehentlich auch bei Facebook noch eingeloggt ist, dann hat das zumindest einen Vorteil: man stolpert über die Statusmeldung eines Bekannten, welche einen auf eine nicht ganz uninteressante Blogparade aufmerksam macht.

Zugegeben, bis dahin kannte ich den Blog der Geek-Sisters noch nicht, doch dem Aufruf zu dieser Parade möchte ich gerne folgen – und wenns allein zu dem Zwecke ist, noch ein paar Leuten welche mich vielleicht nur mit meinen historisch(en) (inspirierten) Riesenfummeln kennen, die Gesichtszüge entgleisen zu lassen 😉

Also pusten wir mal den Staub vom Blog ab und verfassen das Bekenntnis zum Nerdtum :

Drei Fragen sollen hierzu beantwortet werden:

1. Was macht Dich zum Geek?

Oh goth, wo fang ich da an … einmal sicher mein Science Fiction-Fimmel. Das sieht man auch recht deutlich am Bücher- und DVD-Regal. Klassiker nehmen da auch relativ viel Raum ein – da thront beispielsweise auch die limitierte Alphabox von Raumpatroullie Orion die neben den Folgen der Kult-Serie und dem später zusammengeschnittenen Film auch Soundtrack, GSD-Shirt und Aufnäher, Postkarten und einiges mehr beinhaltet 😉

„Klassiker“ ist ein gutes Stichwort – Star Trek war einst mit die Einstiegsdroge, und auch wenn der Erstkontakt via Next Gen erfolgte, so hat es ein Jahr später erst mit Classic richtig eingeschlagen. Da war ich 12-13 und nervte umgehend meine Mutter, mir eine Uniform zu nähen. Auch wenn ich alle Ableger recht gerne sehe, Classic wird immer mein Favorit bleiben, zwar bin ich heute nicht mehr ganz so der Hardcore-Trekkie (ernsthaft, ich war früher *wirklich* schlimm ^^)- in meinem Kleiderschrank hängt noch immer eine romulanische Uniform und ein rotes Uniform-Kleidchen das ich nach Originaler Schnittführung (auffindbar in dem Buch – ist sogar die Ausgabe die ich selbst habe) vor über 10 Jahren genäht hatte.

Mich begeistert aber insbesondere auch eher düstere SciFi ausserordentlich, da hat es mir das Cyberpunk-Genre sehr angetan – nicht umsonst ist mein Lieblingsfilm „Matrix“ (man möge aber die Sequels bittschön unerwähnt lassen 😉 ) – und „Neuromancer“ einer meiner liebsten Romane.

Respektive gerne auch Zeugs das undurchsichtig quer durch verschiedene Realitätsebenen geht oder schön vertrackt „wibbly-wobbly, timey-wimey“ ist 😉 – je schräger und hirnwindungsverdrehender, umso besser.

Einen gewissen Computerfimmel kann man mir auch unterstellen – ich bin durchaus imstande so ein Teil komplett zusammenzuschrauben und ich habe während des Studiums sowie kurz danach jeweils für etwa ein Jahr als Programmierer gearbeitet. Einmal als Nebenjob, einmal voll. Und ich habe eine Homepage die von Grund auf selbstgemacht ist. Nicht nur die Graphiken sind allesamt selbst gebastelt (bis hin zum „Ausgangsmaterial“ dafür), ich habe auch alles von Hand gecoded. Zugegeben, inzwischen bräuchte sie eine gründliche Überarbeitung – man müsste die Zeit dazu eben haben …
Und: ich trage eine Platine aus einer Druckerpatrone meines allerersten Rechners um den Hals, in meinem Schmuckkasten sind auch noch ein paar andere Teile zu finden die ich einmal aus elektronischen Bauteilen selbst gebastelt hatte – lange bevor sowas kommerziell angeboten wurde oder „Nerd“ in irgend einer Weise „in Mode“ gekommen ist.

Ich liebe Logikrätsel und bringe mir gerne Sachen selbst bei.

Und natürlich mein Interesse an wissenschaftlichem Kram – immerhin kann ich auch einige Semester Physik-Studium vorweisen, sowie einige mehr in Ingenieurwissenschaften.

Zählt das Interesse für historische Kleidung auch? Wenn ja – das begleitet mich jetzt seid 2005, neben Anlehnungen an die alten Kleiderformen finde ich es durchaus auch spannend, historische Nähtechniken zu erforschen und auszuprobieren (d.h. stundenlang mit Handnähnadel und Seidenfaden dasitzen um ein Kleid komplett ohne Maschinengebrauch auf die damals übliche Art herzustellen) sowie Living History und Reenactment (auch wenn ich da momentan nur am Rande auch aktiv bin).

2. Wie bist Du zum Geek geworden?

Ich denke, ich bin einfach so auf die Welt gekommen. Auch wenn am SciFi Fimmel meine Mutter nicht ganz unschuldig ist – sie hat selbst immer gern Star Trek, Orion und andere SciFi Serien gesehen, Star Wars war ihrer Aussage nach damals das Beeindruckenste was sie im Kino erlebt hatte – der Rest ist irgendwie durch Veranlagung und Neugier entstanden.
Seid ich 12-13 war (so zu Beginn der 90er) war ich als Jugendliche Stammgast in der Bücherei. Ich hab mir meine Freizeit viel lieber mit Lesen um die Ohren geschlagen anstatt mit den Dingen die ein pubertierendes Mädel sonst im Normalfall so tut. Daß ich irgendwie anders war, war mir damals sehr bewusst, ich war damals aber schon immer stolz drauf, irgendwie seltsam zu sein.

Neben SciFi Romanen trug ich auch allerhand Wissenschaftliches nach Hause – Physik, Astronomie (war damals ein großes Hobby von mir – ich sollte mich mal wieder damit befassen … ), Technik … als ich mit 14 ein Buch über Elektronik der Dame an der Theke zum abstempeln überreichte, sah sie mich ungläubig an und meinte daß sowas doch nur was für Jungs sei oO

Als Kind bereits habe ich die legendäre Knoff Hoff Show geradezu verschlungen und viele Winternächte habe ich mir den Hintern auf dem Dachboden abgefroren beim Beobachten des Sternenhimmels (und schlappte 1999 mit meinem Refraktor-Teleskop über die Schulter geworfen durch die bayreuther Innenstadt als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt – ich war unterwegs zu Freunden, mit denen ich tags drauf ein Stück gen Süden fahren wollte um die Sonnenfinsternis damals zu beobachten).

Mich haben aber auch einige Serienhelden sehr inspiriert, maßgeblich waren das Spock und MacGyver. Beides großartige Wissenschaftler – wenn auch auf unterschiedliche Weise, aber sie hatten genug Eindruck auf mich gemacht, daß mein Interesse daran wie die Welt funktioniert in jedem Gang zur Bücherei präsent war, und sie haben mich dazu gebracht, in der 7. Klasse den Entschluß zu fassen, Astrophysik zu studieren.

Nun, dazu kam es nicht ganz. Nach dem Abitur habe ich mich erstmal für Physik eingeschrieben und bin nach 4 Semestern zu den Ingenieuren abgehauen. Auch wenn ich heute etwas völlig anderes mache – das Interesse ist natürlich noch da und die „Bild der Wissenschaft“ flattert regelmässig in den Briefkasten.

3. Wie wirkt sich Dein Geektum auf Dein Leben aus?

Einmal ganz klassisch – die Bitte, den Computer anderer Leute zu reparieren. Einmal hatte ich via Facebook einem Bekannten um 3 Uhr nachts assistiert, seinen Rechner zusammenzuschrauben und wenn ich meine Eltern besuche kann ich drauf warten daß ich entweder den neuen DVD Player anstöpseln darf oder nachsehen muss, was mit Papas Uralt-Handy mal wieder nicht stimmt.

Mein Humor ist wohl auch nicht ganz alltäglich – ich kann mich bei Physik(er)witzen scheckich lachen, dafür grüble ich bei manchen allgemein üblicheren Witzen nach, was daran so komisch sein soll – ich denke daß mich gerade deswegen manche Leute auch für ziemlich humorlos halten 😉 – aber eigentlich muss man meine Tasse Tee nur als Brown’schen Molekularbewegungs-Generator bezeichnen …

Es kam schon vor daß ich, während im Fernsehen „Big Bang Theory“ lief und irgendwas über Star Trek Classic gesagt wurde, ich mich beim Vorbeigehen umdrehte um dem Fernseher zu sagen, daß die Jungs falsch liegen da ich betreffende Szene auswendig kenne.
Überhaupt – was genau diese Serie so sympathisch macht ist, daß viele Klischees war völlig überzeichnet sind, aber nicht ganz aus der Luft gegriffen, schlimmer noch, aus dem realen Leben an der Uni durchaus bekannt sind und stellenweise auf mich selbst genauso gut passen *hust*

Meinen Tee schlürfe ich aus einer Alienkopf-Tasse und in meinem Schrank sind einige Shirts mit eindeutig-nerdbekennenden Aufdrucken zu finden. Generell ist meine Alltagsgarderobe auch mal mehr, mal weniger deutlich nicht nur von historischen Einflüßen, sondern auch von SciFi inspiriert und mein Lieblings Star Trek-T-Shirt habe ich seid ich 13 bin 😉 – nicht zu vergessen der bereits erwähnte Schmuck aus Platinen und anderen elektronischen Bauteilen.

Ich kann den ganzen Tag und die halbe Nacht am Rechner verbringen und im Internet rumhängen – meistens passiert das wenn ich irgend etwas, das mich grade besonders fasziniert, recherchieren möchte (was in gewisserweise die früher regelmässigen Büchereigänge ersetzt hat) und „idealerweise“ gerade eh in einer sozialinkompatiblen Stimmung bin.

Ich ziehe jeden SciFi Streifen ohne mit der Wimper zu zucken absolut jeder Schnulze vor und bei Historienstreifen hab ich einenm höllischen Spaß dabei, jegliche historische Inkorrektheit der Klamotten ausfindig zu machen und mich darüber aufzuregen.
Und ich grüble gerade ob ich mein altes Fahrrad TARDIS-blau oder im Dalek-Design umlackieren soll.

Was mich dazu bringt daß ich zum Frühstück gerne eine Folge Classic Doctor Who schaue und ich mich neulich sehr geärgert habe, daß ich Patrick Throughton in einer Folge von „Die Zwei“ nicht erkannt habe oO

Und auch wenn Zockertum zu meinen nerdigen Eigenschaften eher nicht zählt, so sind gelegentliche Abende des Diablo-Spielens unter Pizza-Konsum im Netzwerk mit meinem Freund trotzdem ein ins Bild passendes Symptom 😉

Lange Rede, kurzer Sinn – das wäre dann mein persönliches Nerd-Bekenntnis.

Den Aufruf zu dieser Blogparade gibt es im Übrigen hier zu sehen, und gewinnen kann man auch was, nämlich einen Einkaufsgutschein beim Onlineshop für echte Nerds – getDigital.

Gothic Friday August – Top of the Goth (2)

Folgt man den ein­schlä­gi­gen Sze­ne­ab­hand­lun­gen, so ist Lesen eine der Lieb­lings­be­schäf­ti­gun­gen der Gothics. – so schreibt Herr Spontis im Artikel, der zum August-Gothic-Friday aufruft, und ja, das Klischee kann ich doch auch ganz gut erfüllen. Nur was wählt man aus wenn man ein gut gefülltes Bücherregal hat? Die Qual der Wahl ist da nicht einfach …

Sachbücher stehen hier selbstverständlich auch rum, aber ich verschone meine Leser lieber mit dem Sammelsurium aus Physik-Lehrbüchern, mathematischen Formelsammlungen, „Handbücher“ der Ingenieurwissenschaften (die man entgegen der handlich klingenden Bezeichnung besser nicht an den Kopf geworfen haben mag), Computerkrempel, Bücher über Astronomie sowie solche über Modegeschichte, Korsetts, Zeichnen und Malerei oder Schnittkonstruktion. Da ist die Okkultkram-Bibliothek im Sinne von „Gruftigkeit“ wahrscheinlich interessanter, doch ich will mich hier dann lieber auf die Romane beschränken – das ist an sich schon genug Arbeit 😉

Bücher stehen hier sowohl auf deutsch als auch auf englisch im Regal – auch wenn mein Freund den größeren Fimmel in Sachen Bücher im Original lesen hat als ich, so greif ich auch immer mal wieder zu sowas. Denn manch sprachliche Spitzfindigkeit geht in der Übersetzung oft flöten – abgesehen davon ist meine ganze Fachliteratur über historische Klamotten eh nur auf englisch erhältlich.

Ich bin ein Science Fiction Fan. Mit Fantasy kann ich mich eher weniger anfreunden. Ausnahmen sind manche Terry Pratchett Bücher die mir mein Freund im Laufe der letzten Jahre immer mal wieder rübergereicht ha. Die habe ich auch gern gelesen, nur ziehe ich Douglas Adams vor – wer eine heiße Tasse Tee als Brown’schen Molekularbewegungs-Generator bezeichnet, trifft einfach den scheußlichen Nerd-Humor eines verhinderten Physikers 😀 – und Tee-Liebhabers! Gerade diese vielen wissenschaftlichen Anspielungen mit denen Adams in seinen Büchern um sich wirft machen die für mich nochmal ein ganzes Stück witziger als sie eh schon sind. Dazu furztrockener britischer Humor. „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist wegen dieser Mischung ein Buch das ich mir immer wieder antun kann – genauso wie den Rest der „Anhalter“-Reihe, aber auch die übrigen, wenn auch wenigen Bücher von Adams. Ich spare mir eine Zusammenfassung des Inhaltes, ich denke den meisten wird das Buch irgendwie bekannt sein, und wenn es nur durch die letzte Verfilmung ist – die ich im Übrigen nur durchwachsen finde. Das was Adams in den Büchern raushaut lässt sich einfach nicht so einfach in einen Film verpacken.

Zitat: 42 (stellvertretend für ein ganzes Buch voller zitierendwerter Stellen 😉 )

So ab und an habe ich es schonmal erwähnt – ich bin ein großer Fan des Cyberpunks – egal ob in filmischer Form oder in gedruckter. Nix mit Neon oder Gartenschlauchhaarteilen – abgewetztes Leder und ne Menge richtig kaputter Typen im Endzeitszenario. Das eigentliche Nummer Eins Buch auf meiner Liste ist eigentlich „Neuromancer“ von William Gibson – der Typ der den Cyberpunk in gewissem Sinne erfunden hat.
Sprachlich pendelt das Meisterwerk zwischen rauem Umganston der Protagonisten und gnadenlosen Computer-Gebabbel. Deswegen vielleicht nicht allzu leicht zu lesen, Gibson schlägt auch gerne Haken in der Story die einen manche Passagen zwei-dreimal lesen lassen bis man den Zusammenhang hinkriegt, doch die Geschichte ist auch heute, etwa 25 Jahre nach der Veröffentlichung noch immer fesselnd, immerhin war Gibson wegweisend und beeinflußte das Genre nachaltig. Schiebt man sich heute die „Matrix“ in den DVD Player, so steckt da im Grunde viel Gibson-Einfluß drin. Der Autor wurde von vielen anderen Science-Fiction werken mal mehr und mal weniger auffällig zitiert, in „Hackers“ wird der Super-Großcomputer als „Gibson“ bezeichnet und der Autor hat auch die Drehbücher für zwei der besten Akte X Folgen überhaupt geschrieben, nachdem sich Gibson und Chris Carter zufällig im Flugzeug begegnet waren. Im kongenialen TV-Mehrteiler „Wild Palms“ taucht er in einer Gastrolle als er selbst ebenfalls auf.
Man kann getrost sagen, Neuromancer hat die Welt verändert – und mit dem Internet leben wir heute ja auch shcon irgendwie in der Matrix.
In „Neuromancer“ trifft ein junger aber schon recht abgewrackter Hacker auf einen weiblichen Strassensamurai, zusammen mit weiteren zwielichtigen Gestalten bekommen sie einen Auftrag der weit in Verwicklungen rund um künstliche Intelligenzen und noch viel mehr führt.

Zitate:Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war.

„Cyberspace“. Eine Konsens-Halluzination, tagtäglich erlebt von Milliarden zugriffsberechtigter Nutzer ind allen Ländern, von Kindern denen man mathematische Begriffe erklärt … Eine grafische Wiedergabe von Daten aus allen BAnken sämtlicher Computer im menschlichen System. Unvorstellbare Komplexität. Lichtzeilen im Nicht-Raum des Verstandes, Datencluster und -konstellationen. Wie das zurückweichende Licht einer Stadt.

Den nächsten Platz belegt „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert. Ein Science-Fiction Klassiker, geschrieben 1965, dessen Universum an Tiefe und Komplexität mit einem „Herr der Ringe“ locker mithalten kann. Faszinierend daran ist auch, daß die Technik-Verherrlichung die dem SciFi-Genre sonst so typisch ist, hier ganz anders behandelt wird: intelligente Maschinen sind verboten, die einzige Kultur die in Sachen Technik eine gewisse Neugier hegt, wird mit Unbehagen beäugt – die sitzen auf dem Planeten IX (witzigerweise gibt es ein Computermagazin das genauso heißt 😀 )- statt Computern werden Menschen mit besonderen geistigen Fähigkeiten zu Mentaten ausgebildet, Reisen im Raum geht hier nicht über Raumschiff-Antriebe, sondern Navigatoren die kein normaler Mensch zu Gesicht bekommt weil sie unter lebenslangem Drogeneinfluß entstellt sind, falten mit ihrer geistigen Kraft den Raum so daß das Raumvehikel da landet wo es hin soll. Und diese Droge die das Universum in Atem hält ist das „Spice“ – das es nur auf einem Planeten gibt – Arrakis, auch genannt der Wüstenplanet. Wer Arrakis beherrscht, beherrscht das Universum. Und das wird von einem Feudalsystem regiert in dem verschiedene Adelshäuser Ränke schmieden. Und im Hintergrund zieht der Orden der Bene Gesserit, die den Adligen als Hellseher dienen, die Fäden in der Hand um den „Kwisatz Haderach“ – den Auserwählten – hervorzubringen. Wenn nicht Jessica, die Frau des Herzogs Leto Atreides aus Liebe den Befehl, nur Mädchen zu gebähren, ignoriert hätte – was den Plan der Bene Gesserit aus den Fugen geraten lässt.

Klingt alles nach einem ordentlichen Fantasy-Einschlag, aber Herbert weiß die eigentlich wenig technischen Zusammenhänge so schlüssig darzulegen daß auch die eher esoterischen Ansätze völlig logisch und durchdacht sind. Ich möchte sogar so weit gehen zu sagen daß in der Philosphie die in den Büchern dargelegt wird viele auch in der Realität brauchbare Ansätze hergibt – man denke da an die „Litanei gegen Furcht“
Mein erster Zusammenstoß mit dem Wüstenplanet-Universum war 1995, da drückte mir unser damaliger Nachbar (der mir auch die ersten Schritte in Computerdingen beibrachte) das Video der 1986er Verfilmung von David Lynch in die Hand. Was mich nachhaltig beeindruckt hat. Kurz darauf hatte ich, als ich damals in den Sommerferien faul im Garten rumlag, den Stapel der Wüstenplanet-Bücher in die Hand gedrückt bekommen. Ich las sie am Stück durch und war am Ende so geflasht daß ich beim Freibad-Besuch das wahnsinnig viele Wasser im Becken ehrfürchtig bestaunt habe – war eine irgendwie komische Situation, zumindest für mein Umfeld *kicher*

Mein Exemplar des Wüstenplaneten ist vom häufigen Gebrauch sichtlich gekennzeichnet, obwohl ich mit meinen Büchern wirklich sehr sorgsam umgehe 😉

Zitat: Ich darf keine Angst haben. Die Angst tötet das Bewußtsein. Sie führt zu völliger Zerstörung. Ich werde ihr ins Gesicht sehen. Sie soll mich völlig durchdringen. Und wenn sie von mir gegangen ist, wird nichts zurückbleiben. Nichts außer mein Selbst.

Ein weiteres Universum das mich schon bei den ersten Zeilen in den Bann gezogen hat ist der „Dunkle Turm“ von Stephen King. Durch Zufall bin ich ebenfalls Mitte der 90er auf die Serie gestoßen. Damals habe ich systematisch unsere kleine Stadtbibliothek „durchgelesen“, als kein Sci-Fi Buch mehr übrig war das ich noch nicht kannte, wagte ich mich ins Horror-Genre vor und nach „Langoliers“ war „Schwarz“ – das erste Buch des Dunklen Turms mein zweites Werk von King – die Reihe hatte damals erst drei Bände. „Langoliers“ fand ich eher halbgar, doch die Welt des dunklen Turm, in der Roland, der hagere letzte Revolvermann dem schwarzen Mann nachjagt, ist grandios. Auch daß das Werk so schwer genremässig einzuordnen ist, finde ich genial. Da mischt sich Western (und ich mag eigentlich Western so garnicht) mit finsterer Fantasy, Science Fiction und Horror. Da formt sich vor dem geistigen Auge eine ziemlich kranke, verdrehte Welt – großartig! Auch die Folgebücher sind spannend und spinnen das was in „Schwarz“ angefangen wurde richtig gut weiter. Lediglich das letzte Buch, in dem Roland dann auch tatsächlich den Dunklen Turm erreicht und alles aufgelöst wird, wirkt mehr krampfhaft hingebogen. Aber ich mag Geschichten mit offenem Ende, wo das Hirn genug Raum hat sich seinen Teil dazu zu spinnen, vielleicht gefällt mir deswegen das Abschluß-Buch auch weniger 😉
Die Buchreihe stellt sowas wie Kings zentrales Universum dar, so nimmt er in etlichen anderen Bücher immer wieder Bezug zum Dunklen Turm. Auch sind Anspielungen auf andere Inspirationsquellen quer über die insgesamt 7 Bände verteilt.
Ich bin kein Stephen King Fan, alles andere was ich sonst von ihm gelesen habe war nett, aber nie so 100% mein Ding, abgesehen vom Dunklen Turm eben.

Zitat: „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“

Das nächste Buch ist wieder astreiner Science Fiction. Es war wohl überhaupt eines meiner ersten das ich aus dem genre je gelesen hat, Grund genug um es an dieser Stelle mit zu erwähnen – „Rendezvous mit 31/439“ von Arthur C Clarke. Von diesem Autor dürfte „2001 – Oddysee im Weltraum“ wohl das bekanntere Werk sein, vor allem nachdem dieses Buch ja von Stanley Kubrick recht episch verfilmt wurde.
Ich muss zugeben, für einen brillianten Autor halte ich Clarke nicht – ich mag Autoren die mit Sprache richtig gut umgehen können, Clarke’s Texte empfinde ich als arg einfach gestrickt und meistens veranlasst mich sowas, ein Buch dann doch eher wegzulegen.
Trotzdem lese ich das Buch immer wieder gerne – was einfach der der Story liegt.
Diese spielt im 22. Jahrhundert, ein eigenartiges Flugobjekt verirrt sich in unser Sonnensystem, eine Mannschaft von Atsronauten wird losgeschickt sich das offenbar künstlich geschaffene Objekt näher anzusehen. Sie bahnen sich ein Weg ins Innere des gigantischen Zylinders und finden dort eine fremde Welt vor die ihnen noch mehr Rätsel aufgibt die nicht aufgelöst werden können als das Objekt sich wieder aus dem Sonnensystem verabschiedet und die Astronauten sich deswegen zurückziehen müssen.

Dabei gibt es Anspielungen auf die Ausserirdischen die das Objekt gebaut haben, nie tauchen diese Lebewesen aber auf. Keine Bilder oder Aufzeichnungen finden die Astronauten die erklären könnten wozu der Zylinder erbaut wurde und was die ganzen Dinge die sie in der fremdartigen Welt vorfinden eigentlich sein sollen. Nur Spekulationen und ein dickes offenes Ende.
Auch dieses Buch sollte verfilmt werden, die Pläne wurden 2008 aber auf Eis gelegt. In diesem Fall kann ich mir aber einen richtigen Film sogar sehr gut vorstellen, so in einer ähnlichen Grundstimmung wie Contact – welcher ja auch auf einem großartigen Buch basiert.
Filmstudenten haben sich der Geschichte in einem Kurzfilm aber schon angenommen, den ich auch recht gelungen finde:

Zitat: Das rätselhafte Objekt, das die Astronomen auf den Namen Rama tauften, gab allen Rätsel auf. Es war noch weit entfernt, deutlich außerhalb der Jupiter-Umlaufbahn. Etwas, das auf eine solch große Entfernung auf dem Radar erschien, musste gigantisch groß sein. Während das Objekt durch das Sonnensystem raste, zeigte sich bald, dass es geformt war wie ein perfekter Zylinder.
Offenbar stand die Menschheit im Begriff, ihren ersten Besucher von den Sternen zu empfangen …

Ob das eine repräsentative Top 5 für mich darstellt – schwer zu sagen. Zu viel liegt noch im Regal das ich an der Stelle genauso hätte auflisten können, deswegen gibt es noch eine kleine Liste mit Empfehlungen aus meinem Bücherregal – auch nicht-Science Fiction ist hier dabei 😉 :

Ray Bradbury – Das Böse kommt auf leisen Sohlen
Isaac Asimov – Die Foundation-Trilogie
Phillip K. Dick – Die VALIS – Trilogie
Robert A. Wilson – Illumninatus!
Anthony Burgess – Uhrwerk Orange
Dashiell Hammett – Der Malteser Falke
Raymond Chandler – Der lange Abschied