Rosa’s klamottiger Giftschrank

Ich bin mir noch nicht ganz sicher ob ich es hassen soll oder lieben, sicherheitshalber entscheide ich mich mal für Letzteres, denn Elternbesuche bergen oft eine nicht zu unterschätzende Gefahr: da erinnert man sich plötzlich an den einen oder anderen Gegenstand den man vor sehr vielen Jahren in irgend einen Karton gepackt hatte und unter irgend welchen anderen Kartons auf dem Dachboden abstellte, entscheidet daß ebendieser Gegenstand inzwischen doch wieder nützlich ein könne und beschließt selbigen zu suchen.
Dabei fallen einem die unmöglichsten Dinge in die Finger, Erinnerungen und alte Geschichten werden herausgekramt und nach Stunden im Staub wühlen hat man zwr bergeweise alten Kram gefunden, meist aber genau nicht den Gegenstand den man eigentlich gesucht hatte.

So war ich heute beispielsweise auf der Suche nach einem alten Jackett – der Rest ist vorhersehbar – ich fand es nicht, aber etliche Kleidungsstücke die ich zwischen 14 und 18 selbst gemacht oder umdekoriert hatte und natürlich stolz trug.

Wie ich in meinem Gothic-Friday Artikel zum Thema „Wie bist Du in die Szene gekommen“ schrub, bin ich in dem Alter noch nicht konsequent schwarz durch die Gegend gelaufen obwohl mich diese Nicht-Farbe bereits sehr faszinierte, ich probierte mich fröhlich aus und wechselte von tiefschwarz zu knallbunt und dann wieder zu schwarz zurück.
Und wenn ich knallbunt sage, meine ich keinesfalls schnödes feuerwehrrot oder leuchtgrün – nein, wenn ich knallbunt sage dann meine ich das ziemlich ernst – man kann sagen ich pendelte von einem Extrem ins andere, ohne Zwischenstops.

Da ich zu meiner partiell knallbunten Jugend voll und ganz stehe – womöglich habe ich es teilweise so übertrieben daß mein Bedarf für Farbe bis zum Lebensende dann verbraten wurde – präsentiere ich die haarsträubendsten Teile aus meinem jugendlichen Klamottenschrank.

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Fangen wir erst einmal recht harmlos an. Wie ich ebenfalls in oben genanntem Artikel erwähnte, habe ich mich gern bei dem bedient was meine Eltern aus ihren Kleiderschränken ausrangierten. Einiges wurde vor dem Weitergebrauch aber erstmal umgestaltet, wie beispielsweise diese Jeansjacke die sich meine Mutter in den 80ern gekauft hatte und eigentlich im Originalzustand schon ganz witzig war – den Rücken zierte buntgescheckter Organza, den ich aber abtrennte da ich die Jacke etwas individueller haben wollte.

Die Idee dazu kam mir als ich zufällig den Film „Susan, verzweifelt gesucht“ gesehen hatte. Inhaltlich zwar völlig belanglos, aber der 80er Look ist einfach genial – auch wenn der anno 1994 noch nicht so arg weit weg war, ich stand damals schon drauf.
Inspiration war Madonnas grüne Jacke mit der großen Pyramide auf dem Rücken, welche auch im Trailer oben zu sehen ist.
Da Seidenmalerei zu der Zeit als Hobby „in“ war, griff ich zu den Seidenfarben und malte diverse altägyptische Symbole – den Lotos, Symbol für Wiedergeburt, Leben und die Sonne, das Ankh, ebenfalls ein Symbol des Lebens und das Horusauge, Symbol für den Mond, Vervollständigung, Schutz und Kraft, auf die Seide und lies meine Mutter das Ganze für mich auf den Rücken der Jacke nähen.

hose_vAusstellungsstück Nummer zwei ist leider eine Unvollendete.

Ich muss zugeben daß ich einen sehr großen Bedarf an weißen Jeans hatte zu der Zeit, aber nachdem es mich mit meinen schneeweißen Schlaghosen regelmässig immer dann wenn ich die trug in die nächstbeste Schlammpfütze gelegt hatte und das Problem durch den Färbe-Eimer erstaunlicherweise schlagartig aufhörte (ein Omen ^^), waren weiße Hosen nur noch Rohmaterial für weitere Bearbeitung.

Am liebsten tobte ich mich mit Schnurbatik aus und saute das Bad so treffsicher flächendeckend ein, abgesehen davon sind allerdings Leinwände aus dem Kunstmalerbedarf, auch nur Baumwollstoff, da lag es nahe zur Stoff-Farbe zu greifen um tragbare Kunst zu verbrechen.

Auf dieser Hosenvorderseite findet sich mein Interesse für Astronomie, Surrealismus und ein weiteres mal – altägyptische Mythologie.hose_h

Das eine fertiggestellte Hinterbein zeigt eine wolkenverhangene Vollmondnacht, eine Film Noir Szene in der der Protagonist, der desillusionierte Privatschnüffler grade auf seine Stammkneipe zusteuert um seinen Kummer in Bourbon zu ertränken und am unteren Rande, wieder Vollmond, diesmal über den hoch aufragenden Wolkenkratzern einer Riesenmetropole – ein sehr persönliches Symbol ,das ich einerseits mit den Detektivromanen verband die ich damals lieben gelernt habe, anderereseits für die Anonymität von Großstäden die gleichermaßen bedrückend als auch angenehm sein kann.

In Natura ist die ganze Hose ein einziger optischer Overkill, teilweise hatte ich Metallicfarben mit vielen Glitzerpartikeln verwendet, was hier auch wieder als ein Kontrast zu den Motiven an sich gedacht war.

Wer jetzt noch nicht daran gedacht hat, zur Sonnenbrille zu greifen, der sollte das spätestens jetzt tun. Wir kommen zu meinem Lieblingspullover meiner Teenie-Zeit.

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Zu der Zeit habe ich noch nicht ernsthaft selbst genäht, dafür kilometerweise Wolle verstrickt. Pullover mussten vor allem eines sein: anders. Dieses Stück entstand aus allen Wollresten die ich bis dahin angesammelt hatte, in Rekordzeit von 2 Wochen. Ich hatte praktisch überall mein Strickzeug dabei und hab auch öfters Rüffel kassiert als ich im Unterricht einfach weitergestrickt hatte. Ich war der Auffassung sowohl Aufpassen zu können als auch die Finger beschäftigt zu haben. Glauben wollte mir das leider kaum ein Lehrer obwohl die Hände tatsächlich irgendwann auf Automatik liefen und der Kopf da nicht weiter involviert war.

Jedenfalls, dieses hirnzerstörende Kleidungsstück stellt sowas wie den Kern meiner wollverarbeitenden Schaffensphase dar. Blos kein erkennbares Muster oder irgendwie ähnliche Einzelteile produzieren. Colin Baker wäre blass vor Neid geworden – oder zumindest die die ihm die Klamotten aufgeschwatzt hatten damals 😀

Der Rest meine Pullover-Kunstwerke war moderater, musste aber immer irgendwie assymmetrisch oder von generell zweifelhafter Formgebung sein. Während ich das hier tippe, trage ich Modell „Schneegestöber“ – passend zum Wetter – was mir aus meinem alten Kleiderschrank promt auf die Füße fiel – Grundfarbe schwarz (zum Glück) mit weißen Böppeln ^^ und sehr 80er mässig überdimensional weil breiter als lang.

Wer jetzt noch keine ernsthaften Netzhautschäden hat, dem mute ich jetzt noch die Rückansicht zu.

pulli_hhemd_vStichwort „Batik“ fiel ja schon. Kam auch oft genug vor daß ich mit verfärbten Händen morgens in der Schule saß. Dabei habe ich alles eingefärbt was nicht niet und nagelfest war. Schwarz batiken war eine Herausforderung da das selten wirklich tiefschwarz wurde, in bunt fiel sowas weniger auf. Neben einer regenbogenfarbenen Hose war folgendes Hemd eindeutig das schrillste was ich jemals aus meinen Farbtöpfen zog. Aufwendig war es auch – jede einzelne Farbe musste separat gefärbt werden. Idealerweise mit Zeit zum Trocknen damit die einzelnen  Farben nicht unkontrollierbar ineinander liefen. Es mag nicht den Eindruck machen als wäre das notwendig gewesen, aber ja, man musste da schon etwas drauf achten 😀

Zum Abschluß dann noch ein Teil das unverändert gekauft wurde. Mein Bananen-Schlips. Den hatte ich mir auch in etwa mit 18 Jahren zugelegt, Hintergedanke war bei dem Teil einerseits daß ich eben auch oft in Herrenanzügen rumlief, mit allem Drum und Dran, und ich Bananen für das widerwärtigste Gewächs des ganzen Universums halte. Allein der Geruch schlägt mich erfolgreich in die Flucht. Sich das Hassobjekt somit um den Hals zu binden war ein zutiefst selbstironischer Akt.

Ebenso der Zug sich bei miesem Licht und angeschlagener Gesundheit mit der Digiknippse blitzen zu lassen oO – aber egal, da es wie bei den vorherigen Artikel ohne Doctor Who Bezug ja erklärtermaßen nicht geht momentan, gibts das Bananenschlipsbild dennoch – weil doppelte Who-Referenz 😀   – leider gabs kein qualitativ besseres Video im Netz zu finden …bananaschlipsAbschließend muss ich mich noch für schlechte Bilder und eventuell miese Formatierung entschuldigen, ich sitze grade mit einem winzigen Netbook am Netz und habe nur unzureichende technische Möglichkeiten – ich kümmere mich drum sobald ich wieder zuhause bin 🙂

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Ein Schal und ein Novembertag

Nicht umsonst gilt der November als der Monat der den Leuten am stärksten aufs Gemüt schlägt.
Die Tage werden sehr merklich kürzer, oft ist es grau und tagelang kein bisschen Sonne, die letzten Blätter fallen von den Bäumen und jegliche Farbe weicht aus der Natur. Dazu wahlweise Nebel oder Regen und unangenehme Temperaturen.

Der geneigte Grufti kann solchen Umwelteinflüssen ja doch auch mal etwas abgewinnen. Ich selbst gestehe, dem November eher zwiespältig gegenüber zu stehen. Ich bin eine Frostbeule und schaffe es noch bei 25°C herzhaft zu frieren und auch bei mir ist die novemberliche Diesigkeit auch mal Grund für Stimmung der in der Tat schlechten Sorte. Andererseits kann ich der tristen Melancholie aber auch was abgewinnen, man kann den Mantel wieder aus dem Schrank holen und sich am neu gestrickten Schal erfreuen 😀

Nach 15 Jahren Stricknadelabstinenz hat es mich dann doch wieder dazu getrieben, dabei ist das Wetter nicht unbedingt der ausschlaggebende Grund gewesen – nein (diejenigen die ich seid Wochen damit terrorisiere wissens ja eh 😀 ) , meine aktuelle überschäumende Begeisterung für *den* Doctor   (in dem Fall für meinen Lieblingsdoctor aus der Classic-Serie – Tom Baker ), gepaart mit dem unbeabsichtigten Zufall, daß ich mit 18 bereits einen sehr doctorigen Klamottenstil, samt knallbuntem Schal mit sehr deutlicher Überlänge hatte *hust*

Der alte Schal existiert noch, ist mir aber inzwischen viel zu bunt 😉 – und des 4. Doctors Farben auch, deswegen entschied ich mich für eine Rosa-typische Farbwahl – viel schwarz, ein paar Graustufen und ein Hauch von lila. Die Länge des guten Stücks kommt aber mit stolzen 4,35 Metern an den Schal des Doctors recht gut ran.

Im Praxistest hat sich das gute Stück heute auch mehr als bewährt, denn bei den einstelligen Temeraturen eines richtig novemberigen Sonntag-Nachmittages wird einem auch als Über-Frostbeule nicht kalt am Hals und die Enden schwingen genauso schön beim Laufen wie bei Tom Baker in der Serie ❤

Getragene Bilder wirds auch noch geben – ich brauch erst mal einen neuen Hut 😉

Der „Praxistest“ bestand mehr oder weniger in einem schönen Spaziergang bei dem ich meine Kamera dabei hatte um ein wenig Novemberstimmung der angenehmeren Art einzufangen, auch wenn das Licht recht schnell Mangelware war, so habe ich dennoch ein paar, wenn auch wenige Bilder mitbringen können :

Einen Alien-Landeplatz habe ich dann auch gefunden 😀 – ich glaub sowas muss man einfach erwarten wenn man mit 4 Meter langen Schals in der Gegend rumläuft und das Who-Theme in Dauerschleife im Kopf hat …

Und dann verschwand das bisschen Licht auch schon wieder und setzte zum Abschied noch einmal den Himmel in Brand: