So long, London, and thanks for the fish!

Geburtstage sind ja immer so ein Ding, und im Laufe der Zeit hat sich herauskristallisiert daß ich einfach keinen Bock habe, selbige zu feiern, zumindest nicht wenns um den herkömmlichen Kram geht. Liegt in der Familie, mein Vater hatte es einige Jahre lang vorgezogen einfach über den Tag wegzufahren und mein Onkel, verzieht sich bei Androhung von Verwandtschaft auch meistens blitzartig in seinen Wald.

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Flughafen Nürnberg – hier gehts recht beschaulich zu …

Zu meiner ganz besonderen Freude hat sich in diesem Jahr Chris aber etwas besonderes einfallen lassen und einfach mal einen kleinen Trip in meine Lieblingsstadt organisiert. Und ich muss sagen daß das nicht nur der beste Geburtstag seit Langem war, sondern auch ein ganz phänomenales Geschenk, für das ich auch allen meinen Freunden danken mag, die sich daran beteiligt haben. 16 Jahre ist es her daß ich zuletzt in London war und in den Jahren dazwischen hat es für eine weitere Reise einfach nie wirklich gereicht. Es war in jeder Hinsicht ein toller kleiner Ausflug und ich hoffe ihr findet an meinem gewohnt-ausführlichen Reisebericht auch ein wenig Freude 🙂

Das Nieselwetter am Vormittag des 17.04. hatte schon ein wenig was von dem was man allgemein dem Londoner Wetter so nachsagt, und so ging es nach dem finalen Einpacken dann gegen Mittag schonmal los auf die Reise in mehreren Etappen. So gesehen ist es schon heftig, wie viel Zeit man mit Warten vertrödeln muss und wie lang man sich den Hintern in diversen Fortbewegungsmitteln plattsitzt, doch da es immernoch niemand geschafft hat den Transporter zu erfinden, bleibt dies wohl einfach ein notwendiges Übel.

Wir trafen mehr als zeitig am Nürnberger Flughafen ein, sodaß wir noch einen Haufen Zeit totzuschlagen hatten. Auf der Aussichtsterrasse beobachteten wir ein paar startende und landende Maschinen, zusammen mit einem kleinen Grüppchen von Plane-Spottern, die die Flugzeuge mit langen Objektiven ins Visier nahmen, und witzelten schon in Vorfreude vor uns hin.

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und wir warten wieder …

Schließlich öffnete pünktlich zwei Stunden vor geplanter Abflugzeit der Schalter, wir verabschiedeten uns also erstmal von unseren Koffern und machten uns auf Richtung Sicherheitskontrolle. Mein letzter Flug ist etwa 20 Jahre her, daher gönnte ich mir ein paar Momente der Verwirrung bei dem ganzen Prozess, immerhin hatte sich der Flughafen von Nürnberg auch ziemlich verändert in der Zwischenzeit. Regelrecht unangenehm war jedoch die Sicherheitskontrolle, man wird händisch gefilzt und ich bekam zu allem Überfluß noch eine wenig sympathische und unterschwellig unfreundliche „Dame“ ab die abgesehen davon auch noch mit „Du“ daherkam – sonst bin ich da nicht empfindlich, aber wenn mir ausnahmsweise mal jemand so kräftig unsympathisch ist, störe ich mich an sowas auch mal.

Wenigstens ging es halbwegs zügig, da die Anzahl der anderen Fluggäste an der Abfertigung in Nürnberg wirklich überschaubar war. Und dann, die nächste Warterunde, der geplante Abfluftermin rückte näher, doch die Maschine wollte und wollte nicht ankommen. Knapp eine Stunde später als vorgesehen konnten wir dann endlich an Bord unseres „Vogels“ klettern, jedoch verzögerte sich der Start nochmals als der Pilot noch auf einen fehlenden Gepäckwagen warten musste, kurz nach 18:00 Uhr hob die Maschine dann endlich gen England ab.

Beim Start lies ich mich zu einem kleinen Ausruf der Freude hinreißen, der jedoch auf Unverständnis stieß, mal von Chris abgesehen, der das erste Mal überhaupt in einem Flugzeug saß. Der Rest der Passagiere schien gelangweilt lediglich irgendwie die gut eine Stunde und 20 Minuten hinter sich bringen zu wollen, und so war auch der Fensterplatz in unserer Reihe völlig verschwendet, der gute Mann döste fast sofort nach dem Start weg während wir uns die Hälse ausrenkten um einen Blick auf kleiner werdende Häuser und Straßen zu erwischen und den Durchflug durch verschiedene Wolkenschichten zu bestaunen.

Während wir in der Luft waren, bahnte sich das Flugpersonal mehrmals seinen Weg durch die Kabine, nicht nur um Getränke an die Gäste zu bringen, sondern auch um allerhand Kram, angefangen von Zeitschriften, über Rubbel-Lose bis hin zu Modell-Flugzeugen und Parfum-Sets, in handgepäcktauglichen, durchsichtigen Beuteln verpackt, loszuwerden. Kann man aber gut ignorieren.

Nach einer recht sanften Landung in Stansted hies es erstmal den Koffern am Gepäck-Karussell auflauern, dreimal griff ich dabei daneben und hatte das falsche Teil in der Hand, schätze daß das Köfferli für einen weiteren Flugeinsatz irgendwie dekoriert werden muss damit mir das nicht nochmal passiert. Und dann Tickets für den Stansted Express holen, der uns in knapp einer weiteren Stunde dann endlich nach London befördern sollte.

An und für sich ist mein Englisch wirklich ganz brauchbar, doch nach der ganzen Rumreiserei war ich geistig nicht auf einen Herrn eingestellt, der einen  so harten indischen Akzent hatte wie man ihn sonst nur bei überzogenen Klischee-Indern im Fernsehen zu hören bekommt. Das hatte zur Folge daß wir uns beim Ticket-Kauf etwas doof anstellten –  zum Schluß schafften wir es doch noch die erste Stange britische Pfund loszuwerden, einmal für Hin- und Rückfahrt mit dem Stansted-Express sowie einer Oyster-Card für jeden von uns, die für Busse und U-Bahn vonnöten war.

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Unser Zimmer – wir fanden es ganz nett

Dann die letzte Etappe via U-Bahn, Linie wechseln bei King’s Cross und am Russel Square, nochmal drei Stationen weiter, raus aus der Bahn und ums Eck der nächsten Strasse hatten wir dann auch schon unser Hotel im Blickfeld.

Ein charmantes, älteres Gebäude mit sechs Stockwerken, aussen knallrot gestrichen, innen irgendwie ganz typisch britisch mit dunklen Holzvertäfelungen, roten Teppichen und goldenem Zierkrempel. Auf einem Internet-Portal hatten sich reihenweise deutsche Gäste über das Hotel ausgelassen. Alles in allem konnten wir dem absolut nicht zustimmen, die Leute waren äusserst nett, alles war sauber und wurde instand gehalten, natürlich gibt es bei einem so alten Haus übliche Dinge wie mal ein Riß in dem Wänden oder eine abgeplatzter Lack-Fleck an der Heizung, doch große Aufreger waren das für uns jetzt nicht, ein supermodernes Nobelhobelhotel hatten wir auch nicht erwartet da wir ein solches eben nicht gebucht hatten.

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Der berühmte Piccadilly Circus

Lang blieben wir jedoch erstmal nicht auf dem Zimmer, eine kurze Instandsetzung unserer Personen später waren wir auch schon wieder in der Tube, diesmal gen Piccadilly Circus – ohne konkrete Pläne für den Abend, ausser Füße vertreten und frische Luft schnappen.

In unserem reisebedingt-matschhirnigen Zustand waren sogar die endlos aneinandergereihten Souvenirläden irgendwie spaßig. Die Gegend war vollgestopft mit Leuten, hupende Taxis und Doppeldeckerbusse schoben sich durch die Straßen, immer wieder ausgebremst durch Rikschas und lärmende Menschenmassen, Musik kam aus allen Ecken und Enden von Läden und Strassenkünstlern. Alles Zeug was ich im Normalfall hasse wie die Pest, hier jedoch war der Trubel irgendwie angenehm und man lies sich gerne mit fortspülen. Der Reizüberflutung letzter Stoß war dann die M&M’s World, aus der es beständig nach künstlichem Schokoladenaroma heraus roch, und drinnen brauchte man bei der ganzen Farbexplosion fast eine Sonnenbrille wenn einem seine Netzhaut lieb war.

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Blick von unserem Zimmer im Hotel

Wir als fränkische Dorf-Grufties sind es nun auch nicht gewohnt daß um 11 Uhr die Läden noch offen waren und die Leute auf den Strassen gefühlt eher mehr wurden denn weniger, denn auch in Bayreuth klappen sich ab einer gewissen Uhrzeit die Gehwege gefühlt nach oben, und in ländlicheren Gegenden ist es natürlich noch schlimmer – wer nach 6 Uhr noch einkaufen gehen möchte, hat da ganz großes Pech, nur die großen Supermärkte haben länger offen. Im Gegensatz zu dem kleinen Tesco-Markt gegenüber unserer temporären Heimat-Haltestelle, der schließt erst garnicht, und so konnten wir vor dem verdienden Matratzen-Abhorchdienst noch schnell einen Vorrat an Getränken eintüten.

Trotz der Betriebsamkeit die auch in unserer Strasse um diese Uhrzeit noch herrschte, und einer kleinen Auseinandersetzung mit den Kissen meinserseits, entriß es uns dann gar in den Schlaf.

Samstag morgen war das Reinigungspersonal schon Gewehr bei Fuß, noch bevor wir in vorzeigbarem Zustand waren.

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Bahnhof King’s Cross

Aber erstmal Frühstück. Im Ergeschoß angekommen fiel uns die kleine Warteschlange am Eingang zum Frühstücksraum auf – ein Kellner wies jedes Grüppchen der Reihe nach ein. Wir wurden ganz nach hinten durchgewunken, nachdem der Kellner nach einem Blick auf unser Frühstücks-Kärtchen „kontinentales Frühstück“ feststellte.

Moment mal, kontientales Frühstück? Nicht mit uns! Ich machte dem Kellner also klar daß wir uns für die englische Variante entschieden hatten,und so bekamen wir einen entsprechenden Stempel auf das Kärtchen und häuften uns daraufhin glücklich Baked Beans, Rührei, Toast und Würstchen auf die Teller die auf eine empfindlich hohe Temperatur vorgewärmt waren. Zugegeben, wer dort auf das kontinentale Frühstück wert legt, hat wirklich etwas Pech gehabt, das sah reichlich dürftig aus, mit der englischen Variante waren wir aber eigentlich ganz zufrieden.

Danach machten wir uns bei strahlendem Wetter und herrlich-blauem Himmel auf zur ersten Etappe – dem berühmten Highgate Cemetary, der mit der Tube in ca 20 Minuten plus einigen Geh-Minuten erreichbar war. Dummerweise fanden wir zunächst nur den Eingang des westlichen Teiles, welcher lediglich mitsamt einer Führung begehbar war. Die hatten wir nicht eingeplant, wird aber bei einem weiteren Trip nochmal nachgeholt. Daß der östliche Teil quasi hinter uns war, bekamen wir erst mit als wir einmal sehr großzügig um den Block gelatscht waren – zu unserer Verteidigung – der öffnete erst um 11 Uhr und wir waren einfach zu früh vor Ort. Und blindfischig obendrauf … adams

Der östliche Teil ist gegen einen Eintritt von vier Pfund selbstständig besuchbar, das Geld wir für die Instandhaltung der anlage verwendet, ebenso die 18 Pfund mit denen die Führung über den westlichen teil zu Buche schlägt. Dieser Friedhof ist im Grunde stillgelegt, auf dem östlichen Teil jedoch können noch Beisetzungen beantragt werden, unter gewissen Voraussetzungen. Anders als von deutschen Friedhöfen gewohnt (als Grufti hat man ja dann doch den einen oder anderen schonmal besucht) stehen die Gräber nicht in Reih und Glied, sondern sind krumm und schief ineinandergestapelt, zwischen verwitterten, victorianischen Kreuzen, die selbst oft schon einiges an Schräglage haben, sieht man moderne Anlagen. Und auch allerhand Berühmtheiten fanden dort ihre letzte Ruhe.

Ich gebe schamlos zu es im Grunde nur auf eine Ruhestätte abgesehen zu haben – und zwar die des großen Meisters, Douglas Adams.

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Malcolm McLaren ist auch in Highgate zu finden

Das Grab ist ziemlich unscheinbar, und so liefen wir ein paarmal dran vorbei bis Chris es endlich bemerkte. Wir zollten dem Mann, der nicht nur für Doctor Who in den 70ern arbeitete, sondern auch den „Anhalter durch die Galaxis“ so großartig zu Papier gebracht hatte, unseren Respekt indem wir Kugelschreiber in dem eigens dafür aufgestellten Behältnis hinterliesen.

Nach einer weiteren kleinen Runde kehrten wir zur U-Bahn Haltestelle zurück und fuhren Richtung Camden Town, nicht weit von Highgate entfernt.

Camden Town hatte ich anno 1999 schon ins Herz geschlossen, wenn man aussergewöhnliche Sachen sucht, wird man hier fündig, allerdings ist der Camden Market inzwischen fast nur noch mit Touri-Kram bestückt, sehenswert sind die kreativen Häuserfassaden der Läden und die Ansammlung alternativer Kulturen aber dennoch.

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Camden High Street mit seinen bunten Häuserfassaden

Die wirklich interessanten Stände und Läden findet man dann im Camden Lock und dem Stables Market, kurz dahinter. Natürlich ist auch der Teil wesentlich touristiger als damals noch, aber man findet immer wieder interessante Designer und kleine Läden die gruftöse Klamottage anbieten welche auch mal abseits von dem üblichen Einheitskram ist.

In einem Lädchen tue ich das was ich immer tue wenn ich Korsetts entdecke – ich fummle es gründlich an, prüfe die Stäbe und die Schließe und scanne die Verarbeitung ab. Kaum hatte ich angefangen, bittet mich die Verkäuferin schon weiter nach hinten zu kommen, denn vorne würden nur die billigen Teile mit Plastikstäben für die Touristen rumhängen, und meinem Gefummel entnahm die Dame schon daß ich mich auskenne. Ich gab mich also als Schneider und Designer zu erkennen, und schon waren wir im Gespräch. Die Dame ist Russin und sprach auch recht akzentfreies deutsch, nur bei diversen Fachbegriffen war dann Schluß, also machte ich trotzdem auf englisch weiter. Sie näht zwar das was sie verkauft nicht selbst, aber ein Teil der Designs sind ihre eigenen, und ich muss zugeben daß da einiges dabei war was wirklich sehr hübsch und aussergewöhnlich war.

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Ladendeko im Cyberdog

Zwei Läden weiter geriet Chris ob einiger opulenter Hüte und Federkrägen in Verzückung. Etwas Geduld muss man für Camden Town schon mitbringen, die Märkte sind seit meinem letzten Besuch enorm gewachsen und man verliert schnell den Überblick, noch dazu schieben sich auch hier Massen von Menschen durch die Gässchen. Der Umstand daß es Samstag nachmittag bei strahlendem Sonnenschein war, machte das Gedrängel auch nicht grad besser. Wir entdeckten den „Cyberdog“, einem schon bekannteren Laden für Rave- und Cyber-Klamotten. Nicht unser Stil, aber wir waren neugierig und sahen uns in dem weitläufigen Shop einfach mal um. Stellenweise fühle ich mich in die Rave-Szene Mitte der 90er zurückversetzt, nein, tragen würde ich das meiste was hier hing nicht wollen, aber die Ladendeko ist schon einen oder zwei Blicke wert – fotografieren darf man zwar in keinem der Läden, Chris lies es sich aber dennoch nicht nehmen zumindest die Cyborg-Figuren mal festzuhalten.

In den Stables finden sich dann auch die Second Hand Läden die ebenfalls typisch für Camden Town sind. Einer hat es mir besonders angetan, nur blöderweise hatte nicht nachgesehen welche meine englische Herrengröße ist, zwischen Nadelstreifenwesten, Tweed- und Samt-Jacketts, Fräcken, Einstecktüchern, Krawatten und Paisley-Schals gehe ich erstmal auf ausgiebigen textilen Tauchkurs – das Dandy-Herz schlägt höher. Letztenendes fiel die Wahl aber auf eine Melone, die wollte ich meinem Hut. Arsenal schon seit längerem mal hinzufügen, und es muss ja noch Geld übrigbleiben für den Who-Shop.

Einige mentale Notizen später schieben wir uns, schon etwas fußlahm aus dem Gedrängel hinaus, das gen Nachmittag immer dichter wurde. Da die Ladenbesitzer verständlicherweise was gegen Fotos haben, muss die gute alte Hirn-Festplatte ein paar Ideen abspeichern. Und dann sind wir wieder in der Tube, kleine Erholungspause auf dem Hotel-Zimmer ansteuern. Natürlich gehört der Wasserkocher zur Zimmerausstattung dazu, und so beschleunigte ein Tässchen Tee das Auftanken der Kraftreserven nochmal zusätzlich.

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Das London Eye – zum Glück ohne auch nur einen Hauch von Autons 😉

Danach steuerten wir ein paar der Londoner Sehenswürdigkeiten an, Houses of Parliament mit dem Big Ben, Westminster Abbey … der Himmel, strahlend blau und die Sonne stand schon so tief daß die Gebäude im Licht noch eindrucksvoller aussahen als sie es sonst schon tun.

An der Themse sieht man das London Eye, ein gewaltiges Riesenrad das innerhalb einer halben Stunde zahlreiche Touristen einmal nach oben und wieder nach unten befördert. Nur nicht gerade zu einem schlappen Preis. Dem geneigten Who-Fan ist das gute Stück sicher auch nicht unbekannt

Anno 1999 war die Konstruktion noch im Bau begriffen, und ich erinnere mich an das halb zusammengesetzte Gerüst des Rades das damals, halb über der Themse liegend, gerade montiert wurde.

Schließlich verschlägt es und zurück Richtung Piccadilly Circus und Leicester Square, wo sich Chris erstmal mit Anhängern berühmter englischer Königinnen eindeckt, und uns der knurrende Magen dann letztenendes in ein kleines Lokal treibt wo wir uns an Fish and Chips gütlich tun.

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Panorama vom Trafalgar Square

Zur Verdauung schiebe ich uns beide nochmal zum Trafalgar Square, natürlich eine der Sehenswürdigkeiten Londons, aber auch der Umstand daß einige Szenen des 50er-Jahre Specials von Doctor Who da gedreht wurden, treibt mich diesmal hin. Damals konnte man über einen Lifestream von einer nahegelegenen Webcam die Dreharbeiten mitverfolgen und beobachten wie ein Kran die TARDIS hoch- und wieder runtersetzte, mit einem Matt Smith der an der Unterseite vor sich hin baumelte.

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Fish and Chips müssen natürlich auch einmal sein – wenn auch nicht in der Mitnahmevariante in Zeitungspapier 😉

Damit entschieden wir uns auch schon, den Tag gar zu beenden, einen Abend im berühmten Slimelight hätte ich zwar auch gerne mal verbracht, doch nach einem Tag auf den Füßen hätten wir nicht sehr lange durchgehalten, besonders da am darauffolgenden Tag eine Walking Tour auf dem Programm stand für die wir halbwegs ausgeruht sein wollten.

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The Shard

Solche Touren gibt es in London zu den unterschiedlichsten Themen, vor 16 Jahren hatten wir die Kneipen-Tour gebucht, was jedoch etwas doof war, da man als junger Mensch kurz vor dem Abitur nicht grad genug Kleingeld hatte um so eine Tour komplett auszuschöpfen 😉

Diesmal hatte ich uns die Doctor Who Tour rausgesucht, in gut drei Stunden bekamen wir hier allerhand Drehorte und Anektoden zu sehen und zu hören. Am Bahnhof der London Bridge machte unsere Führerin mit einem hoch erhobenen Sonic Screwdriver auf sich aufmerksam und trommelte geschätzt 15-20 Leute zusammen. Aufgrund ihres Namens – Aimee – lies sie es sich durchaus auch gefallen, mit „Pond“ angesprochen zu werden, das Angebot in passendem Kostüm zu erscheinen nahm jedoch niemand unseres Häufleins wahr, eine Dame trug ein TARDIS-T-Shirt, eine andere den Schal des 4. Doctors, ein paar rote Chucks waren zu sehen und jemand brachte eine Tüte Jelly Babies mit. Ausserdem war es ausgerechnet an diesem Tag einfach erbärmlich kalt, was andererseits den Gedanken an fünf Meter Schal wieder recht reizvoll machte …

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Blick auf die St. Paul’s Cathedral – diesmal Cyberman-frei

Los ging die Tour dann in der Nähe des „Shards“, zu Sehen als in „Bells of Saint John“ der 11. Doctor mit seinem Antigrav-Motorrad die Fassade hinauffährt, von da aus steuerten wir zahlreiche Örtlichkeiten an, wie zB die St Paul’s Cathedral, in deren Nähe nicht nur die großartige Troughton-Episode „The Invasion“ gedreht wurde (beispielsweise die bekannteste Szene am Ende dieses Video-Ausschnittes zu sehen), sondern ebenso das Finale der 8. Staffel und auf einer Dachterrasse eines nahestehenden Hotels, ebenfalls Szenen aus „Bells of Saint John“. Die Locations waren zwischen neuen Staffeln und den alten Staffeln gut aufgeteilt, wir passierten das „Globe Theatre“ ebenso wie diverse Punkte entlang der Themse an denen vor dem Hintergrund der Innenstadt gefilmt wurde, ein weiteres Mal das London Eye, die moosbewachsene Betonstruktur der Hayward Gallery, die als Fassade eines futuristischen Gefängnisses  in der Pertwee-Folge „Frontier in Space“ diente – und dazu erzählte „Miss Pond“ noch eine kleine Anektode. Das BBC Team bekam seinerzeit zwar die Erlaubnis, dort zu filmen, aber es wurde ihnen untersagt Leute vom Set zu werfen, allerdings hatten etliche Obdachlose genau dort ihr Lager aufgeschlagen. Da man diese ja nicht einfach wegkomplimentieren konnte, kostümierte man so viele Leute wie möglich als Monster und Aliens, welche die armen Leut‘ dort einfach so verschreckten daß sie vom Platz freiwillig flohen – unterstützt von Kate Manning die schreiend hinterher lief und lauthals verkündete, die Erde würde gerade von Ausserirdischen übernommen – vielleicht keine sehr freundlich Taktik, aber effektiv war sie offenbar.

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Panorama beim Globe Theatre

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Wells cathedral

Wir stoppten am Clink Prison, welches heute ein Museum ist, und Drehort von „Talons of Weng Chiang“ war. Dort musste man seinerzeit ein parkendes Auto. dessen Besitzer erst nicht auffindbar war, als Heuhaufen tarnen.  Die Hausfassade die als Ersatz für 10 Downing Street herhalten musste, lag ebenso auf der Tour wie die kleinen Gässchen in den Docks, in denen Sylvester McCoy seinen Showdown mit den Daleks filmte sowie die Wells Cathedral aus „Lazarus Experiment, und noch eine Menge mehr.

Die Tour kann ich auf jeden Fall nur empfehlen, selbst wenn man weniger Fan der Serie ist, bekommt man genug Sehenswürdigkeiten mit und es fällt auch immer wieder die eine oder andere geschichtliche Information abseits von „Doctor Who“. Und natürlich ist es ziemlich cool an den Drehorten mal in Persona zu stehen.

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Das ehemalige Clink Prison

weitere Informationen dazu und die Möglichkeit diese zu buchen gibt es unter diesem Link.

Unser Tour Guide hatte sichtlich Spaß bei der Sache und ist natürlich selbst ein großer Fan der Serie, sie hatte einige Dreharbeiten auch selbst mit ansehen können als Zaungast und ein weiterer der Guides war bereits als Cyberman selbst involviert, dabei erfuhren wir noch daß die Choreographin, die den Darstellern den richtigen Cyberman-Bewegungsablauf beibrachte, wohl die Angewohnheit hat, denen die einen Fehler machen bei den Proben, einen Stock überzubraten, was offenbar anständig weh getan haben soll …

Nach den drei Stunden machten sich jedoch auch die Füße ziemlich unangenehm bemerkbar, also entschieden wir uns ein weiteres Mal für eine Zwischenpause im Hotelzimmer.

Glücklicherweise lies der schneidende Wind mittendrin dann auch nach und es wurde etwas wärmer.Wir schlugen uns erst zum „Forbidden Planet“ durch, einem Laden, randvoll mit allerhand Merchandise rund um SciFi und verwandte Dinge. Wenn mans drauf anlegt kann man da ganz schön Kohle lassen, ich beschränkte mich jedoch auf den Screwdriver des 4. Doctors, der fehlte mir noch, einem kleinen Plüsch-Dalek, ein paar Buttons und einer Classic-Trek Phaser-förmigen Schlüsselbund-Lampe. Bei der schieren Auswahl an Büchern, DVDs und BiFi’s zum Thema „Doctor Who“ im Untergeschoß fühlte ich mich erstmal etwas überfordert bei der Entscheidung was ich mitnehmen könnte, also lies ich das zumindest erstmal bleiben.

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Da saß der elfte Doctor mit Clara … tolle Aussicht sowieso.

Dann machten wir uns nochmal zu St Paul’s Cathedral auf und sahen sie uns auch mal von Innen an, danach zog es mich auf die Dachterrasse aus „Bells of Saint John“. Diese gehört zu einem obernobligen Hotel, dem  Grange St Paul Hotel , allerdings fanden wir auf dem Dach kein Cafe vor, wie in der Folge zu sehen, und selbst wenn dann hätten wir uns in dem Kasten sicher nichtmal ein Tässchen Tee leisten können, daher genossen wir da oben nur die Aussicht, machten ein paar Bilder und verschwanden dann wieder möglichst unauffällig. Zwei Häuser weiter liesen wir uns dann zum Essen fassen in einem ganz gemütlichen französischen Restaurant nieder, das zudem den Vorteil hatte daß es nicht so menschenüberlaufen war wie an anderen Ecken Londons.

Zum Abendausklang gurkten wir dann noche in wenig mit der Tube in der Gegend herum, zunächst nochmal zum King’s Cross, wo trotz der fortgeschrittenen Stunde und Sonntag der kleine „Harry Potter“-Laden immernoch offen und gut besucht war, inklusive der Fotowand für das Gleis 9 3/4, an dem immernoch massig Leute anstanden. Dann ab zum Earl’s Court – und das im Grunde nur um ein bestimmtes Bild zu schießen, nämlich vor einer blauen Polizei-Notrufzelle die dort direkt am Eingang der Station zu sehen war. Dort machten wir noch einen kleinen Verdauungspatziergang und bewunderten die britischen Wohnhäuser, liefen zu Station zurück und fuhren ein letztes Mal zum Hotel.

Und nach der dritten Nacht brach auch schon der Abreisetag an. Das letzte Frühstück im nun wesentlich dünner besiedelten Frühstückssaal, was wohl dem Montag geschuldet war. Der Kellner, der uns am ersten Tag schon den Platz zuwies, hatte es sich trotz dem heftigen Durchlaufes an Leuten am Wochenende dennoch geschafft sich zu merken, daß wir den letzten Tag da waren, und verabschiedete sich von uns zu unserer Überraschung sehr herzlich. Und nochmal muss ich sagen daß an dem Hotel wirklich nichts zu bemeckern war, aber wie gesagt – wer meckern möchte findet eben immer irgendwas um sich aufzuregen …

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Blaue Kiste am Earl’s Court 😉

Der Rest ging dann schnell vonstatten – im Koffer Lücken für die Einkäufe finden, alles verpacken, Koffer zu, letzter Kontrollgang im Falle vergessener Dinge – und schon schoben wir uns mitsamt Gepäck etwas wehmütig in Richtung Tube Station, bis zur Liverpool Street und dort bei wieder strahlendem und frühlingswarmem Wetter zum Stansted Express.

Bei Tageslicht konnte man dann erkennen wie riesig dieser Flughafen wirklich war. Wir brachten den Eincheckvorgang ein weiteres Mal hinter uns, nur daß sich diesmal Massen an Leuten vor den Schaltern drängten und auch an den Sicherheitskontrollen ein fast unübersichtlicher Betrieb herrschte. Wenigstens blieb uns diesmal eine Kontrolle wie die mit der pissnelkigen Dame in Nürnberg erspart, zum Einen wurde man nicht persönlich angegrabscht, zum Anderen fing ich mir erstmal ein Kompliment für meine Klamotten vom Herrn an den Kontrollen ein, bevor er mich äusserst höflich darum bat die Hosenträger abzunehmen um sie mit Tasche, Jacke und meiner Melone durch den Scanner zu schicken, was dann um Längen angenehmer war als sich von jemanden der sich wohl besser als Gefängniswärter hätte bewerben sollen, angegrabbelt zu werden.

Und dann hies es wieder warten auf den Abflug. Die letzten Pfund wurden für Sandwiches und Jelly Babies ausgegeben, dann beförderte uns eine automatische Bahn zu unserem Gate. Die Maschine hob diesmal pünktlich ab, und unsere Mitreisenden waren vom ähnlichen Kalliber wie auf dem Hinflug – der Herr auf dem Fensterplatz in unserer Reihe würdigte dem Ausblick ebenfalls keine einzige Sekunde, gegenüber wurde nach dem Start sofort die Sonnenblende nach unten gerammt. Und das Flugpersonal machte wieder seine Verkaufsrunden bis kurz vor dem Landeanflug auf Nürnberg. Der war aufgrund von Wind etwas holpriger, und so schüttelte uns die Landung diesmal auch recht unsanft durch. Immerhin, diesmal setzten zwei-drei Leute zum Klatschen für den Piloten an, die verkniffen sich das aber auch schnell wieder als weiter keiner so recht reagieren wollte – offenbar gehört das bei Billigfliegern auch nicht mehr zum guten Ton dazu …

Blieben nur noch die letzten Etappen, mit der hiesigen U-Bahn zu Chris‘ Auto, dann gen Pegnitz, Umschlichten in Eltern’s Auto und endgültig ab nach Hause.

Wehmütig weil das Wochenende so schnell vergangen ist, aber glücklich über ein paar schöne Erinnerungen und ein Wiedersehen mit London.

 

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4 Antworten zu “So long, London, and thanks for the fish!

  1. Das Hotelzimmer fandet ihr „nett“? Das sieht für Londoner Verhältnisse doch grandios aus! Vielen Dank für Deinen Bericht. Ich schwelgte in Erinnerungen…

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