Gothic Friday August – Top of the Goth (2)

Folgt man den ein­schlä­gi­gen Sze­ne­ab­hand­lun­gen, so ist Lesen eine der Lieb­lings­be­schäf­ti­gun­gen der Gothics. – so schreibt Herr Spontis im Artikel, der zum August-Gothic-Friday aufruft, und ja, das Klischee kann ich doch auch ganz gut erfüllen. Nur was wählt man aus wenn man ein gut gefülltes Bücherregal hat? Die Qual der Wahl ist da nicht einfach …

Sachbücher stehen hier selbstverständlich auch rum, aber ich verschone meine Leser lieber mit dem Sammelsurium aus Physik-Lehrbüchern, mathematischen Formelsammlungen, „Handbücher“ der Ingenieurwissenschaften (die man entgegen der handlich klingenden Bezeichnung besser nicht an den Kopf geworfen haben mag), Computerkrempel, Bücher über Astronomie sowie solche über Modegeschichte, Korsetts, Zeichnen und Malerei oder Schnittkonstruktion. Da ist die Okkultkram-Bibliothek im Sinne von „Gruftigkeit“ wahrscheinlich interessanter, doch ich will mich hier dann lieber auf die Romane beschränken – das ist an sich schon genug Arbeit 😉

Bücher stehen hier sowohl auf deutsch als auch auf englisch im Regal – auch wenn mein Freund den größeren Fimmel in Sachen Bücher im Original lesen hat als ich, so greif ich auch immer mal wieder zu sowas. Denn manch sprachliche Spitzfindigkeit geht in der Übersetzung oft flöten – abgesehen davon ist meine ganze Fachliteratur über historische Klamotten eh nur auf englisch erhältlich.

Ich bin ein Science Fiction Fan. Mit Fantasy kann ich mich eher weniger anfreunden. Ausnahmen sind manche Terry Pratchett Bücher die mir mein Freund im Laufe der letzten Jahre immer mal wieder rübergereicht ha. Die habe ich auch gern gelesen, nur ziehe ich Douglas Adams vor – wer eine heiße Tasse Tee als Brown’schen Molekularbewegungs-Generator bezeichnet, trifft einfach den scheußlichen Nerd-Humor eines verhinderten Physikers 😀 – und Tee-Liebhabers! Gerade diese vielen wissenschaftlichen Anspielungen mit denen Adams in seinen Büchern um sich wirft machen die für mich nochmal ein ganzes Stück witziger als sie eh schon sind. Dazu furztrockener britischer Humor. „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist wegen dieser Mischung ein Buch das ich mir immer wieder antun kann – genauso wie den Rest der „Anhalter“-Reihe, aber auch die übrigen, wenn auch wenigen Bücher von Adams. Ich spare mir eine Zusammenfassung des Inhaltes, ich denke den meisten wird das Buch irgendwie bekannt sein, und wenn es nur durch die letzte Verfilmung ist – die ich im Übrigen nur durchwachsen finde. Das was Adams in den Büchern raushaut lässt sich einfach nicht so einfach in einen Film verpacken.

Zitat: 42 (stellvertretend für ein ganzes Buch voller zitierendwerter Stellen 😉 )

So ab und an habe ich es schonmal erwähnt – ich bin ein großer Fan des Cyberpunks – egal ob in filmischer Form oder in gedruckter. Nix mit Neon oder Gartenschlauchhaarteilen – abgewetztes Leder und ne Menge richtig kaputter Typen im Endzeitszenario. Das eigentliche Nummer Eins Buch auf meiner Liste ist eigentlich „Neuromancer“ von William Gibson – der Typ der den Cyberpunk in gewissem Sinne erfunden hat.
Sprachlich pendelt das Meisterwerk zwischen rauem Umganston der Protagonisten und gnadenlosen Computer-Gebabbel. Deswegen vielleicht nicht allzu leicht zu lesen, Gibson schlägt auch gerne Haken in der Story die einen manche Passagen zwei-dreimal lesen lassen bis man den Zusammenhang hinkriegt, doch die Geschichte ist auch heute, etwa 25 Jahre nach der Veröffentlichung noch immer fesselnd, immerhin war Gibson wegweisend und beeinflußte das Genre nachaltig. Schiebt man sich heute die „Matrix“ in den DVD Player, so steckt da im Grunde viel Gibson-Einfluß drin. Der Autor wurde von vielen anderen Science-Fiction werken mal mehr und mal weniger auffällig zitiert, in „Hackers“ wird der Super-Großcomputer als „Gibson“ bezeichnet und der Autor hat auch die Drehbücher für zwei der besten Akte X Folgen überhaupt geschrieben, nachdem sich Gibson und Chris Carter zufällig im Flugzeug begegnet waren. Im kongenialen TV-Mehrteiler „Wild Palms“ taucht er in einer Gastrolle als er selbst ebenfalls auf.
Man kann getrost sagen, Neuromancer hat die Welt verändert – und mit dem Internet leben wir heute ja auch shcon irgendwie in der Matrix.
In „Neuromancer“ trifft ein junger aber schon recht abgewrackter Hacker auf einen weiblichen Strassensamurai, zusammen mit weiteren zwielichtigen Gestalten bekommen sie einen Auftrag der weit in Verwicklungen rund um künstliche Intelligenzen und noch viel mehr führt.

Zitate:Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war.

„Cyberspace“. Eine Konsens-Halluzination, tagtäglich erlebt von Milliarden zugriffsberechtigter Nutzer ind allen Ländern, von Kindern denen man mathematische Begriffe erklärt … Eine grafische Wiedergabe von Daten aus allen BAnken sämtlicher Computer im menschlichen System. Unvorstellbare Komplexität. Lichtzeilen im Nicht-Raum des Verstandes, Datencluster und -konstellationen. Wie das zurückweichende Licht einer Stadt.

Den nächsten Platz belegt „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert. Ein Science-Fiction Klassiker, geschrieben 1965, dessen Universum an Tiefe und Komplexität mit einem „Herr der Ringe“ locker mithalten kann. Faszinierend daran ist auch, daß die Technik-Verherrlichung die dem SciFi-Genre sonst so typisch ist, hier ganz anders behandelt wird: intelligente Maschinen sind verboten, die einzige Kultur die in Sachen Technik eine gewisse Neugier hegt, wird mit Unbehagen beäugt – die sitzen auf dem Planeten IX (witzigerweise gibt es ein Computermagazin das genauso heißt 😀 )- statt Computern werden Menschen mit besonderen geistigen Fähigkeiten zu Mentaten ausgebildet, Reisen im Raum geht hier nicht über Raumschiff-Antriebe, sondern Navigatoren die kein normaler Mensch zu Gesicht bekommt weil sie unter lebenslangem Drogeneinfluß entstellt sind, falten mit ihrer geistigen Kraft den Raum so daß das Raumvehikel da landet wo es hin soll. Und diese Droge die das Universum in Atem hält ist das „Spice“ – das es nur auf einem Planeten gibt – Arrakis, auch genannt der Wüstenplanet. Wer Arrakis beherrscht, beherrscht das Universum. Und das wird von einem Feudalsystem regiert in dem verschiedene Adelshäuser Ränke schmieden. Und im Hintergrund zieht der Orden der Bene Gesserit, die den Adligen als Hellseher dienen, die Fäden in der Hand um den „Kwisatz Haderach“ – den Auserwählten – hervorzubringen. Wenn nicht Jessica, die Frau des Herzogs Leto Atreides aus Liebe den Befehl, nur Mädchen zu gebähren, ignoriert hätte – was den Plan der Bene Gesserit aus den Fugen geraten lässt.

Klingt alles nach einem ordentlichen Fantasy-Einschlag, aber Herbert weiß die eigentlich wenig technischen Zusammenhänge so schlüssig darzulegen daß auch die eher esoterischen Ansätze völlig logisch und durchdacht sind. Ich möchte sogar so weit gehen zu sagen daß in der Philosphie die in den Büchern dargelegt wird viele auch in der Realität brauchbare Ansätze hergibt – man denke da an die „Litanei gegen Furcht“
Mein erster Zusammenstoß mit dem Wüstenplanet-Universum war 1995, da drückte mir unser damaliger Nachbar (der mir auch die ersten Schritte in Computerdingen beibrachte) das Video der 1986er Verfilmung von David Lynch in die Hand. Was mich nachhaltig beeindruckt hat. Kurz darauf hatte ich, als ich damals in den Sommerferien faul im Garten rumlag, den Stapel der Wüstenplanet-Bücher in die Hand gedrückt bekommen. Ich las sie am Stück durch und war am Ende so geflasht daß ich beim Freibad-Besuch das wahnsinnig viele Wasser im Becken ehrfürchtig bestaunt habe – war eine irgendwie komische Situation, zumindest für mein Umfeld *kicher*

Mein Exemplar des Wüstenplaneten ist vom häufigen Gebrauch sichtlich gekennzeichnet, obwohl ich mit meinen Büchern wirklich sehr sorgsam umgehe 😉

Zitat: Ich darf keine Angst haben. Die Angst tötet das Bewußtsein. Sie führt zu völliger Zerstörung. Ich werde ihr ins Gesicht sehen. Sie soll mich völlig durchdringen. Und wenn sie von mir gegangen ist, wird nichts zurückbleiben. Nichts außer mein Selbst.

Ein weiteres Universum das mich schon bei den ersten Zeilen in den Bann gezogen hat ist der „Dunkle Turm“ von Stephen King. Durch Zufall bin ich ebenfalls Mitte der 90er auf die Serie gestoßen. Damals habe ich systematisch unsere kleine Stadtbibliothek „durchgelesen“, als kein Sci-Fi Buch mehr übrig war das ich noch nicht kannte, wagte ich mich ins Horror-Genre vor und nach „Langoliers“ war „Schwarz“ – das erste Buch des Dunklen Turms mein zweites Werk von King – die Reihe hatte damals erst drei Bände. „Langoliers“ fand ich eher halbgar, doch die Welt des dunklen Turm, in der Roland, der hagere letzte Revolvermann dem schwarzen Mann nachjagt, ist grandios. Auch daß das Werk so schwer genremässig einzuordnen ist, finde ich genial. Da mischt sich Western (und ich mag eigentlich Western so garnicht) mit finsterer Fantasy, Science Fiction und Horror. Da formt sich vor dem geistigen Auge eine ziemlich kranke, verdrehte Welt – großartig! Auch die Folgebücher sind spannend und spinnen das was in „Schwarz“ angefangen wurde richtig gut weiter. Lediglich das letzte Buch, in dem Roland dann auch tatsächlich den Dunklen Turm erreicht und alles aufgelöst wird, wirkt mehr krampfhaft hingebogen. Aber ich mag Geschichten mit offenem Ende, wo das Hirn genug Raum hat sich seinen Teil dazu zu spinnen, vielleicht gefällt mir deswegen das Abschluß-Buch auch weniger 😉
Die Buchreihe stellt sowas wie Kings zentrales Universum dar, so nimmt er in etlichen anderen Bücher immer wieder Bezug zum Dunklen Turm. Auch sind Anspielungen auf andere Inspirationsquellen quer über die insgesamt 7 Bände verteilt.
Ich bin kein Stephen King Fan, alles andere was ich sonst von ihm gelesen habe war nett, aber nie so 100% mein Ding, abgesehen vom Dunklen Turm eben.

Zitat: „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“

Das nächste Buch ist wieder astreiner Science Fiction. Es war wohl überhaupt eines meiner ersten das ich aus dem genre je gelesen hat, Grund genug um es an dieser Stelle mit zu erwähnen – „Rendezvous mit 31/439“ von Arthur C Clarke. Von diesem Autor dürfte „2001 – Oddysee im Weltraum“ wohl das bekanntere Werk sein, vor allem nachdem dieses Buch ja von Stanley Kubrick recht episch verfilmt wurde.
Ich muss zugeben, für einen brillianten Autor halte ich Clarke nicht – ich mag Autoren die mit Sprache richtig gut umgehen können, Clarke’s Texte empfinde ich als arg einfach gestrickt und meistens veranlasst mich sowas, ein Buch dann doch eher wegzulegen.
Trotzdem lese ich das Buch immer wieder gerne – was einfach der der Story liegt.
Diese spielt im 22. Jahrhundert, ein eigenartiges Flugobjekt verirrt sich in unser Sonnensystem, eine Mannschaft von Atsronauten wird losgeschickt sich das offenbar künstlich geschaffene Objekt näher anzusehen. Sie bahnen sich ein Weg ins Innere des gigantischen Zylinders und finden dort eine fremde Welt vor die ihnen noch mehr Rätsel aufgibt die nicht aufgelöst werden können als das Objekt sich wieder aus dem Sonnensystem verabschiedet und die Astronauten sich deswegen zurückziehen müssen.

Dabei gibt es Anspielungen auf die Ausserirdischen die das Objekt gebaut haben, nie tauchen diese Lebewesen aber auf. Keine Bilder oder Aufzeichnungen finden die Astronauten die erklären könnten wozu der Zylinder erbaut wurde und was die ganzen Dinge die sie in der fremdartigen Welt vorfinden eigentlich sein sollen. Nur Spekulationen und ein dickes offenes Ende.
Auch dieses Buch sollte verfilmt werden, die Pläne wurden 2008 aber auf Eis gelegt. In diesem Fall kann ich mir aber einen richtigen Film sogar sehr gut vorstellen, so in einer ähnlichen Grundstimmung wie Contact – welcher ja auch auf einem großartigen Buch basiert.
Filmstudenten haben sich der Geschichte in einem Kurzfilm aber schon angenommen, den ich auch recht gelungen finde:

Zitat: Das rätselhafte Objekt, das die Astronomen auf den Namen Rama tauften, gab allen Rätsel auf. Es war noch weit entfernt, deutlich außerhalb der Jupiter-Umlaufbahn. Etwas, das auf eine solch große Entfernung auf dem Radar erschien, musste gigantisch groß sein. Während das Objekt durch das Sonnensystem raste, zeigte sich bald, dass es geformt war wie ein perfekter Zylinder.
Offenbar stand die Menschheit im Begriff, ihren ersten Besucher von den Sternen zu empfangen …

Ob das eine repräsentative Top 5 für mich darstellt – schwer zu sagen. Zu viel liegt noch im Regal das ich an der Stelle genauso hätte auflisten können, deswegen gibt es noch eine kleine Liste mit Empfehlungen aus meinem Bücherregal – auch nicht-Science Fiction ist hier dabei 😉 :

Ray Bradbury – Das Böse kommt auf leisen Sohlen
Isaac Asimov – Die Foundation-Trilogie
Phillip K. Dick – Die VALIS – Trilogie
Robert A. Wilson – Illumninatus!
Anthony Burgess – Uhrwerk Orange
Dashiell Hammett – Der Malteser Falke
Raymond Chandler – Der lange Abschied

Advertisements

10 Antworten zu “Gothic Friday August – Top of the Goth (2)

  1. Ein schöner Beitrag und interessante Empfehlungen … viele kenne ich sogar, jedoch nicht auf Papier sondern als Film, vielleicht schaffe ich es in diesem Leben ja noch die Bücher dazu zu lesen 😉

    • Vielen Dank 🙂
      Ja, viele SciFi Romane haben es zur Verfilmung gebracht, von da her kennt man viele in erster Line wohl da her. Die Bücher kann ich auf jeden Fall aber auch immer empfehlen 🙂 – im geschriebenen Wort versteckt sich oft einiges was ein FIlm nie so rüberbringen kann.

  2. Pingback: Gothic Friday August – Top of the Goth (2) « Rosa Chalybeia's Blog » Beliebteste Suchbegriffe

  3. »Wer Arrakis beherrscht, beherrscht das Universum« Mehr als einmal errang ich jenen Sieg für die verschiedenen Häuser. Im ersten Echtzeitstrategie-Spiel dieser Art aus den damaligen Westwood Studios.

    Unterstrichen natürlich von der Anmut und Atmosphäre des Filmes von David Lynch.
    Irgendwann allerdings sah ich ein filmisches Verbrechen bei dem John Harrison Regie geführt hatte. Gegenüber Lynchs esoterisch angehauchten und mystisch melancholischen Universum im Jules-Verne-Stil war dieses Ereignis für mich ein Desaster.

    Die Kostüme empfand ich als Beleidigung, das Schauspiel als schlechten Witz, die Dialoge als platte Seifenoper und jene Kulisse als unwürdig. Irgendwann brach ich ab. Etwas, das mir bei Filmen nur selten passiert.
    Skeptisch wurde ich allerdings, als jene Filmreihe als authentischere Umsetzung bejubelt wurde.

    Seitdem nehme ich mir vor, endlich die Bücher zu lesen. Schrecke aber noch heute vor deren Komplexität zurück, da ich nicht mehr wirklich zum Lesen komme. Bzw. mir nicht mehr soviel Zeit dafür einräume wie früher einmal.

    Den »dunklen Turm« entdeckte ich durch Zufall in einem Bahnhofs-Laden. Mein erster Band war, soweit ich mich erinnere, »Tot« Dass ich damit inmitten einer fortlaufenden Geschichte las, störte überhaupt nicht. Was im Grunde für die gute Geschichte sprach.
    Es folgten »Schwarz«, »Drei« und »Glas« Eine begnadete Vermischung aus Genre und Universum. Mit Horror hat das ja bekanntlich nicht viel zu tun. Wie bei King, meines Erachtens, üblich. Der Kerl verbreitet bei seinen wenigen richtig guten Geschichten Atmosphäre, doch keinen Horror.

    Jedenfalls endete meine Odyssee mit »Glas« Ja, ich glaube es war dieses Buch. Ich las und las. Langweilte mich zunehmend durch das zähe reine Western-Jugend-Gehabe von Roland und seinen beiden Spielgefährten und brach irgendwann desinteressiert ab.
    Als ich dann hörte, dass King persönlich zugab, dass ihm das Ende der Buchreihe selber missfiel, er aber einfach nur ein Ende haben wollte -eines der größten Armutszeugnisse eines bekannten Schriftstellers- hatte ich auch keine Lust mehr, jeweils weiter zu lesen.

    Dennoch der Anfang war für mich sehr inspirierend.

    • *g* ja, das Spiel zu Dune hab ich auch noch, ich glaube ich muss es mal suchen gehen und den Staub abpusten. Auch wenn ich mit Echtzeitstrategie nie so warm geworden bin (erster Kontakt war „Alarmstufe Rot“, ein Nachfolger von „Dune“ – irgendwo steht das Ding auch noch rum 😀 )

      Ich muss auch zugeben, die lahme TV Verfilmung des Wüstenplaneten ist strengenommen näher an der Buchvorlage, nur ist diese extrem schwerer Stoff für Verfilmungen. Wenn man die Bücher liest sind seitenweise politische Ränkeschmiede spannend, im Film für den Zuschauer gähnend langweilig.
      Lynchs Verfilmung wurde seinerzeit zwar auch kritisiert, vor allem weil zu viele Regisseure mit eigener Handschrift beteiligt waren, trotzdem – und trotz einiger Abweichungen vom Buch bzw Neuerfindungen die in der Vorlage nie auftauchten, ist auch für mich Lynchs Verfilmung die Bessere. Sie fängt die Atmosphäre des Dune-Universums eigentlich richtig gut ein und kriegt den Bogen zwischen Verschwörungen, Esogebabbel und Story eigentlich gut hin. Immerhin – allein das erste Buch ist knapp 700 Seiten lang.
      Sogar Lynchs Urfassung hatte saftige Überlänge und musste nochmal fürs Kino gekürzt werden – eine restaurierte Fassung mit 45 Minuten mehr steht stolz im DVD Regal 😀
      Man muss sich eben drüber klar werden daß Film und Buch Medien mit unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten sind, von daher gewinnt David Lynchs Umsetzung für mich ebenfalls haushoch.

      Das mit der freien zeit zum Lesen kenne ich, früher war ich auch weit mehr an Büchern geklebt als heute. Die Dune-Reihe kann ich dennoch uneigeschränkt empfehlen, Zeit muss man aber tatsächlich ein wneig erübrigen um sich auf das alles einzulassen, aber wenn dann fasziniert es nachhaltig.

      Was das Horror-Genre allgemein anbelangt – da bin ich immer zwiegespalten. Hintergründiger Grusel ist gut, bisschen Hirn einschalten und genug Phantasie um sich Anspielungen gar zusammenreimen zu können – großartig! So wie das von mir noch erwähnte Buch von Bradbury – „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ – sowas mag ich. Oder generell die Gruselgeschichten dieses Autors. Da steht ein Buch bei mir im Regal das einige wunderschöne Kurzgeschichten enthält welche die Vorfahren des Addams-Clans sein müssen. Da geht einem das schwarze Herz auf !
      Expliziter Schnetzel-Horror kann mir gestohlen bleiben.

      Was den dunklen Turm angeht – die ersten drei Bände sind ganz eindeutig die stärksten. „Glas“ fand ich auch nicht so schlecht, das steht für mich wegen der Kindheitsgeschichte von Roland aber mehr eigenständig da. Danach merkt man eben daß King die Geschichte länger beiseite gelegt hat und sich danach wieder reinfinden musste. Es geht viel von der durchgedrehten Stimmung der ersten Bände verloren, das stimmt, lesenswert fand ich sie dennoch.
      Der „Dunkle Turm“ sollte im Übrigen auch verfilmt werden, die Pläne wurden aber eingestampft. Zum Glück, wie ich finde. Schonmal die geplante Besetzung von Roland lies sich mir die Zehennägel hochrollen. Ein gut durchtrainierter Schönling mit schwiegermammatauglichem Grinser *schüttel* – den da muss man für sowas besetzen 😀

      • In der Tat »Dune 2« war damals mein Einstieg. Eine veraltete Spielhandhabung, die man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen kann. Dem irgendwann »Dune 200« folgte…welches hier auch noch irgendwo herumstaubt.

        Die restaurierte Lynch-Fassung mit der Überlänge besorgte ich mir auch einmal. Doch letzten Endes war ich gar nicht so richtig glücklich damit. Einige der Szenen die man dort zu Gesicht bekam waren zu Recht dem Schnitt zum Opfer gefallen. Da sie den Film doch sehr stark in seiner Dynamik blockierten.
        Aber der Hauptgrund für die Enttäuschung war, dass dennoch eine Herzstecker-Szene (glaube auch eine reine Lynch-Idee) fehlte. Das fand ich für einen angeblich kompletten Film doch recht unhöfflich.

        Ein Buch kann definitiv nur eine Interpretation der Geschichte sein. Zumal das selbst allein bei der Charaktere-Darstellung nicht anders geht. Denn selbst wenn diese vom Autoren persönlich abgesegnet worden, so heißt dass noch lange nicht, dass sie auch zum eigenen Kopfkino passten.
        Es kommt einfach auf die Intention desjenigen Regisseurs an. Der eine will das Buch 1 zu 1 auf Leinwand präsentieren, der andere möchte gerne seine Sicht der Dinge über die Geschichte legen. Und der Fan entscheidet darüber, was er lobt und was verteufelt.

        Ich jedenfalls bin froh über Lynch Fantasien zu dem Film. Auch wenn mir diese manchmal zu blöd sind. Wie beispielsweise bei »Lost Highway« oder »Mulholland Drive«

        […] Expliziter Schnetzel-Horror kann mir gestohlen bleiben. […]

        Dito. Bei Bücher definitiv und bei Filmen erst recht. Guter Horror hat für mich weniger etwas mit offenkundiger Gewalt zu tun, dafür mehr mit unterschwelliger bzw. unerträglicher Anspannung. Mit dem Ansprechen der Fantasie, ohne den Leser brachial mit der Nase drauf zu stoßen. Wobei das natürlich, gegenüber plumper Gewalt, schwerer zu schreiben ist. Zumindest stellt es für mich eine große Herausforderung dar, die mir noch nicht glückte.

        Der dunkle Turm verfilmt…nun ja. Mit einem fähigen Team dahinter bestimmt eine interessante Sache. Doch anhand deiner Erläuterung zu Roland, war das Team definitiv nicht fähig gewesen. Ich will den vorgeschlagenen Knaben auch gar nicht sehen.
        Bin aber verblüfft, denn dein Kandidat trifft genau den gutmütigen Blick, denn auch ich im Kopf hatte. Gegerbt und gezeichnet, geradezu vom Leben gemeißelt, aber definitiv kein Schmachthase. …wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir ein, dass ich kaum mehr etwas aus den ersten Büchern in Erinnerung habe. Das sollte ich ändern.

      • Ich denke, ich bin auch etwas geprägt dadurch daß ich den Lynch-Film vor dem Lesen der Bücher gesehen habe. Der hat mich von Anfang an aber schon beeindruckt, auch wenn die Handlung teilweise schwer zu verfolgen war ohne den Hintergrund des Buches. Nach 3-4mal Ansehen ging es halbwegs, und die Extended Version stopft da schon Verständnislücken.
        Ja, der Herzstecker ist ebenfalls eine reine Lynch-Idee, trotzdem passt sie ins Universum. Im Buch ist baron Harkonnen als homosexuell mit SM Neigungen dargestellt. Auch wenn das im Buch nicht allzu weit ausgewalzt wird – wurde es ja doch in den 60ern geschrieben – so ist Lynchs Um-Interpretation mit den Herz-Steckern als Symbol seiner Freude an Grausamkeit stimmig, wenn auch künstlerische Freiheit.
        Ich habe nichts gegen kreative Umsetzung sofern diese gekonnt sind.

        Zum Horror-Genre – ich denke auch expliziter Splatter schreibt sich trotz Allem wohl einfacher als subtiler Psycho-Horror, und wird entsprechen von der Hirntoten Masse auch leichter verstanden. Analog zum Medium Bewegtes Bild.
        Beim „Dunklen Turm“ habe ich sehr starkes Kopfkino und entsprechen wäre mir – falls der geplante Film wirklich gemacht worden wäre – beim Ansehen wohl das Abendessen aus dem Gesicht gefallen … wenn das Team fähig gewesen wäre – ja, da könnte man was gutes draus machen, nur eine Blockbuster-Filmcrew packt so einen Stoff natürlich nich adäquat. Das braucht Jungs die ne gesunde Portion krank im Kopf sind 😀
        Und nein, den Knilch den die für Roland besetzt hätten willst Du wirklich nicht sehen 😀

  4. Pingback: Gothic Friday August - Resümee

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.