Gothic Friday: Januar – Wie bist Du in die Szene gekommen?

„Wie bist Du in die Szene gekommen?“ lautet das Thema der ersten Runde des Gothic-Fridays bei spontis.de. Eine einfache Frage, nur die Antwort darauf brachte mich halb zur Verzweiflung, denn wo sollte ich anfangen, was ist relevant, was nicht? Ziemlich viel Text ist dabei entstanden, und vieles davon auch wieder gelöscht worden.

Einen Einstieg kann man freilich ganz gerade heraus am ersten Club-Besuch festmachen, oder an der bewussten Farbreduzierung des Kleiderschrankinhaltes, doch das ist eben nur die Spitze des Eisberges. Jede Geschichte ist etwas sehr persönliches, und oft recht untrennbar mit der persönlichen Entwicklung verbunden.

Ich bin 1980 auf die Welt gekommen, erlebte die 80er also schon, aber eben mit den Augen eines Kindes, Schlagworte wie Kalter Krieg und Waldsterben kenne ich noch von den damaligen Diskussionen der Erwachsenen, doch auch eine Katastrophe wie der Tschernobyl-Zwischenfall ärgert eine 6-Jährige nur damit, daß Schwammerln-Sammeln im Wald und deren Auftauchen auf dem Mittagstisch dann erstmal nicht mehr drin sind.

Die stärkste Erinnerung aus der Zeit die ich wohl getrost zur Gruft-Werdung zählen kann, ist die Musik. Als kleines Kind schon saß ich bei den Spritztouren von Opa und Papa mit im Auto und lauschte dem was da aus den Lautsprechern kam.
Ich erinnere mich auch noch an die alte, klobige Stereoanlage mit den riesigen analogen Anzeigenadeln die im Takt der Musik ausschlugen, und die einzige Lichtquelle im Wohnzimmer meiner Eltern war, nachdem mein Vater eine Platte auflegte und aus den Lautsprechern daraufhin „Maid of Orleans“ drang.

Ich mochte Hexen, verschlang alles an Filmen und Büchern was mit Hexen zu tun hatte und verlies ab und an das aus auch nicht ohne den selbstgebastelten Hexenbesen. Meine Mutter erfüllte mir als ich 10 war einen großen Wunsch zu Fasching und machte mir ein Hexenkostüm, leider nicht ganz nach meinen Vorstellungen, denn sie fand, ein bodenlanges, komplett schwarzes Gewand ist für eine Zehnjährige nichts *gg*

Die 80er gingen, und mit 12-13 kam ich wie die meisten Kinder in das Alter in dem man sich beginnt auszuprobieren und sich selbst bewusster wahrnimmt. Die heranwachsende Rosa war eine Traumtänzerin, schüchtern und ziemlich klein, daher ein willkommenes Mobbingopfer für die anderen Kinder als ich von der Grundschule ins Gymnasium wechselte.
Zunächst versuchte ich mich anzupassen, steckte mich in angesagte Klamotten in denen ich mich kein Stück wohl fühlte, doch wenn man mal die Rolle des Fußabtreters hat, ändert sich da so schnell nichts dran. Ich erkannte daß Anpassen nichts brachte, ausser daß ich mich nicht mal mehr in meiner Haut wohl fühlte, also lies ich das mit der albernen Verkleidung und fing an, auf optischem Wege zu rebellieren.
Verbal zurückschlagen konnte ich nicht, Reden war nie so mein Ding, und verbal schlagfertig bin ich auch heute noch nicht wirklich.

Jedenfalls wählte ich den Weg mich bewusst abzugrenzen durch mein Aussehen. Gothic war das damals aber noch nicht, ich wuchs in einer Kleinstadt auf in der es eh keine Grufties gab, geschweige denn andernweitig Aussergewöhnliches. Internet gab es ebenfalls noch nicht, dafür setzten sich massig fiese Klischees in meinem Kopf fest über das was ich vor dem Hintergrund damals für „Gothic“ hielt.

Ich war nicht nur optisch anders, auch meine Interessen wichen bald von dem ab was meine Mitschüler so mochten. Ich blieb am Wochenende lieber daheim, deckte mich mit Büchern aus der naheliegenden Bibliothek ein und las. Alles was ich in die Finger bekam. Science Fiction, später auch ein wenig Horror, Sachbücher über Physik, Astronomie, Elektronik, Computer.
Streber war ich aber keineswegs, die fand ich auch scheiße, und durch die Schule kam ich mit Minimalaufwand, das ging einmal schief und ich musste eine Klasse wiederholen, doch ich machte mir da wenig draus. Was ich wissen wollte brachte ich mir selbst bei.
Ausgehen interessierte mich nicht, wir hatten eh nur Dorfdissen und Bierzeltfeste, Jungs interessierten mich nicht, Mädels – wider der kursierenden Gerüchte über mich – aber auch nicht die Bohne. Ich hatte gern meine Ruhe mit meinen Büchern und zog mich ab und zu auf „meinen“ Baum weiter oben am Berg zurück, wo man die ganze doofe Kleinstadt überblicken konnte, und man von Menschen mal so richtig seine Ruhe hatte.
Einen kleinen Freundeskreis hatte ich zu der Zeit dann auch, wir blieben die ganze Schulzeit über zusammen und waren alle irgendwie Aussenseiter.

Mit der christlichen Religion konnte ich nach persönlicher Auseinandersetzung damit nicht wirklich etwas anfangen, ich begann mich für Esoterik und Okkultes zu interessieren, eine zeitlang dachte ich, im Wicca die passende Weltanschauung gefunden zu haben, doch auch der Weg war mir bald zu eingeengt.

Die Farbe schwarz faszinierte mich mit 13 schon, weswegen konnte ich nicht genau sagen. Es fühlte sich einfach gut an, vertraut. Ich griff allmählich immer öfter morgens zu komplett schwarzen Klamotten, doch völlig eingeschwärzt war meine Garderobe freilich noch nicht, ich probierte mich weiter fröhlich aus, bediente mich bei dem was meine Eltern – Mama wie Papa – aus dem Schrank rausräumten, seidene Hemden, ein Nadelstreifenanzug,Schmuck, Blusen und Stiefel aus den 70ern und 80ern … nervte meine Mutter, gelernte Näherin, mit Klamottenentwürfen und verwüstete regelmässig das Bad mit Batikfarbe.
Was neu eingekauft wurde kam aus der Herrenabteilung genauso wie aus der Damenabteilung, verwirrte die Leute durch das Tragen von Schlips, Hemd, Anzug, Trenchcoat und Hut und scherte mich einen Dreck um das was gerade „in“ war. Ich lief mal rum wie Luke Skywalker mit engen Hosen und langen Stiefeln zu weißem Herrenhemd und breitem Gürtel darüber, entdeckte dann den Edelhippie mit schneeweißen Schlaghosen und weißer Rüschenbluse, gefolgt von irgendwas punkigem mit löchrigen Jeans und bewusst schlampigem Lagenlook von mehreren ultraweiten Shirts, bemalte eine Jeans mit Sternkarten und Galaxien, zeichnete altägyptische Malereien auf Seide, mit der eine alte 80er Jeansjacke meiner Mutter verschönert wurde. Strickte ausgefallene Pullovermodelle und bastelte Schmuck aus elektronischen Bauteilen.
Mehr und mehr wurde mir egal was andere von mir oder meinem Stil dachten, ich fühlte mich wie ein Alien, ein Exot, und begann Spaß daran zu haben. Ich war anders und wollte das allen zeigen! Meine jugendliche Rebellion richtete sich weniger gegen die Eltern, mehr gegen die „Normalos“ um mich herum, die die alle irgendwie gleich aussahen und das gleiche mochten.

Von Gothic hatte ich freilich noch immer keine Ahnung, ausser daß ich mir sicher war daß das was mit Satanisten zu tun haben musste, oder irgendwas krass-asoziales, und ich die Musik sicher ganz arg scheußlich finden müsste, dabei wusste ich garnicht mal was Grufties so hören, ich war mir nur sicher daß ich keiner war.
In den 90ern mochte ich Techno. Nicht den Krempel wie Scooter oder dergleichen, es durfte gerne etwas kruder und experimenteller sein, und das Zeug was eigentlich sonst keiner kannte war eh das beste. Damals schon hätte ich einiges gegeben um mich selbst mal am Synthie zu versuchen, und meine Klamotten waren zu dem Zeitpunkt auch eindeutig am knalligsten.

Die elektronischen Klänge liessen mich nie wirklich los, und mit 16-18 entdeckte ich das Zeug aus den 80ern wieder, zuerst in Form einer alten Kassette die mein Vater ausgrub, da war viel von OMD drauf, auch Maid of Orleans, das ich vom Hören freilich sofort wiederkannte, aber bis dahin keinen Namen zu den Klängen hatte. Die CD-Sammlung wurde erweitert, bis ich jedes OMD Album hatte, ich wühlte in den Platten meiner Eltern, schnitt alles auf Kassetten zusammen was ich mochte und begann, ein 80er Fan zu werden. Depeche Mode fand ich freilich auch super, dann kam Alphaville. Über Joy Division stolperte ich dann auch, holte mir ein Best-Of und rümpfte beim ersten Hören dann gleich mal die Nase. Ja ihgitt, Gitarren – mir kamen schließlich nur Synthieklänge in den CD Player!

Die Gitarrenabneigung legte sich dann als ich auf Sisters of Mercy stieß, ich wunderte mich über mich selbst daß mir das gefiel – Gitarren! – ich, der eingefleischte Synthieklang-Fan! Aber ich musste mir dann doch eingestehen daß das Zeug ziemlich geil war 😀 – und Joy Division mag ich inzwischen auch wirklich sehr gerne, diese Musik brauchte nur eine zweite Chance in meinem Gehörgang.

Trotzdem, mit Gothic brachte ich nichts von dem in Verbindung, was „die“ hörten war mir noch immer unklar, ausser daß ich es selbstverständlich nicht mögen würde …

Die ersten „echten“ Grufties hab ich dann auch gesehen, in Nürnberg liefen etliche davon rum. Ich fand den Stil großartig – und wäre gerne auch so rumgelaufen, doch Grufties waren für mich noch immer Typen die irgendwie krass drauf waren, keine Ahnung wie, aber ganz sicher nicht so wie ich! Deswegen lies ich es bleiben mich genauso anzuziehen, denn ich war ja kein Grufti und fand es blöd einen Stil zu kopieren hinter dem ich nach meinen damaligen Ansichten nicht voll und ganz stand.
Trotzdem führte der Ausflug ins Wicca und das Interesse an okkulten Dingen immer mehr zu einem Stil a la schwarzer Hippie, mit klobigem indischen Silberschmuck, bestickten Tuniken mit Spiegelchen, Rüschenblusen und bodenlangen Röcken. Was da freilich schon gut aufs schwarze Auge passte, empfand ich aber keineswegs als Gothic, das war einfach schlicht und ergreifend ich.

Die Jahrtausendwende kam, ich verlies die miefige Kleinstadt und zog nach Bayreuth um Physik zu studieren. Bayreuth war in den 90ern schon sowas wie ne kleine Grufti-Metropole, da gab es den Club namens Etage in dem sich Das Ich und Goethes Erben formierten. Wusste ich natürlich erstmal nicht.
Die übelsten Klischeevorstellungen über Grufties wichen so langsam aus meinem Hirn, aber ich zählte mich freilich trotzdem noch lange nicht dazu. Witzig war zu der Zeit daß mich viele Bekannte und Kumpels aber schon in die Schublade einordneten, und ganz offenbar nur schwarze Klamotten an mir wahrnahmen. Dabei trug ich nur gelegentlich schwarz, nur einmal wurde ich etwas stutzig als ein Kumpel mich direkt fragte ob ich „halt so ein Gothic“ sei, ich vehement abstritt, dann aber erst wahrnahm daß ich mit meinem spitzigen Schuhwerk, dem Ledermantel und dem Nieten-Ketten-Gürtel ja schon arg nach Goth aussah.
Mit dem gleichen Bekannten fuhr ich 2001 auf die Loveparade, daß die längst nicht mehr das war was sie mal gewesen ist war mir zwar klar, ich wollte es aber mal miterlebt haben.
Auf der Autofahrt hatten wir freilich eine gute Ausstattung an elektronischer Musik bei uns, und ein Musikstück das irgendwie nicht so richtig Techno war, faszinierte mich – so brachte mich ein Bekannter der eigentlich das völlige Gegenteil von Gothic war auf Project Pitchfork, und wir bretterten mit „Equilibrium“ in der Anlage, auf voller Lautstärke durch die Chemnitzer Innenstadt.

Zwei Jahre darauf lernte ich meinen Freund kennen. Durch ihn kam ich das erste mal in einen schwarzen Club. Ich war sehr neugierig darauf, über Pichfork kam ich weiter auf dunkelelektronische Musik, Covenant, Suicide Commando und solche Geschichten. Ich hatte mir aus einer schlecht sitzenden Army-Hose einen Bondage-Rock genäht, auf Ebay bin ich mal über sowas gestolpert und fand es schön, aber von der Stange war freilich langweilig.
Ich möbelte mich für den ersten Abend freilich anständig auf, hatte aber auch irgendwie Angst daß man mich als Nicht-Goth „entlarven“ konnte, irgendwie waren dann doch noch ein paar Restklischees übrig geblieben. Wir betraten den Club – das Top Act in Zapfendorf – und das erste mal in meinem Leben fiel ich nicht auf! Und das war in dem besonderen Fall ein tolles Gefühl, ich stand blöde grinsend auf der Tanzfläche und fühlte mich einfach nur wohl, bei den Leuten, in meiner Haut, bei der Musik, denn ich kannte ja schon fast alles was da lief. Und ich musste feststellen daß Grufties eigentlich ganz genauso drauf waren wie ich, es waren verwandte Seelen in gewissem Sinne. Sondern genauso Querdenker und Leute die eben „anders“ waren – wie ich auch!
Und damit kam die Erkenntnis – verdammt, du bist also doch ein Grufti, jahrelang sagten dir das Bekannte und Freunde schon immer nach, und jetzt endlich hab ichs dann auch gar kapiert gg

Meine Szeneanfänge waren optisch mehr die Richtung Lackbienchen und Elektromieze. Cyber gabs noch nicht, und den ganz fiesen Dunkeltechno ebenfalls noch nicht, ich mutierte zum Feindflug-Fan und ärgerte mich beim Anfertigen neuer Abendgarderobe über Lack und Kunstleder unter der Nadel. Der schwarze Versandhandel war für mein Studentenbudget eh zu teuer, und Selbermachen war für mich einfach eh Ehrensache. 2000 habe ich mir das Nähen beigebracht, und wusste damals noch nicht wohin das mal führen sollte …

Die Reifrockfraktion fand ich optisch toll, und über die Lakaien und etwas elektronischere Vertreter der Schwarzromantischen Musik bin ich allmählich mehr in diese Richtung gegangen. Wolftribes von Sephiroth bohrte sich sofort tief in meinen Gehörgang, und bei Dead Can Dance stand ich irgendwann auch bei den Reifrockmädels und entschied, Lackmini ist viel zu wenig Textilie um auf sowas angemessen tanzen zu können.

Mein erster Reifrock war ein gebrauchtes Braut-Dingens vom Internet-Autionshandel, die Überklamotten freilich selbstgenäht. Doch Reifröcke trugen sie ja eigentlich alle, und die Suche nach was was zu dem Zeitpunkt noch keine hatte, führte mich zur victorianischen Mode der späten Tournürenzeit. Das Make-Up wurde von Wochenende zu Wochenende heller, die Gesichtsmalereien präziser, die Reifrockfraktion machte sich Jahr um Jahr rarer in den Clubs, und am Ende blieb ich übrig, die letzte Kalkleiste und Reifrocktante für 2-3 Jahre, bis der Stil wieder einen Aufschwung erfuhr.
Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich interessierte mich mehr für die Szene an sich, wo das herkam, und da wurde mir bewusst daß meine geliebten 80er garnicht so irrelevant sind. Ich entfernte mich vom Elektro a la Feindflug und entdeckte gerade durch die Schwarzromantische Seite den Dark Ambient, Ritual, echten Industrial, Powerelectronics und damit den ruppigen, kratzigen, aggressiven Gegenpol zur meiner dunkelromantischen Seite. Kam durch Neofolk, Neoklassik und Co über Umwege wieder in die 80er zurück, in denen diese Stilrichtungen im Postpunk-Umfeld ebenfalls entstanden sind, und bin nun hier angekommen, gut gekalkt, mit Pikes unterm Reifrock und durchaus auch mit Freude an echtem industriellen Lärm *gg*

Und hier endet mein Beitrag zu ersten Gothic-Friday 🙂

12 Antworten zu “Gothic Friday: Januar – Wie bist Du in die Szene gekommen?

  1. Interessant, wie viele Parallelen wir da haben, wenngleich an sich dein Szene-Werdegang schon ein ganz und gar anderer ist…
    Unbeliebter Außenseiter… war ich auch, und irgendwie auch fast alle Leute, die mir was bedeuten… Nur weiß ich bis heute nicht wirklich, ob solche Leute prädestiniert für Subkulturen sind, eben weil sie ausgeschlossen werden, oder aber eher umgekehrt, ob sich die Andersartigkeit eben durch Ausgrenzung äußert bis man endlich das geistige Zuhause gefunden hat – ich hoffe sehr, dass der zweite Gedanke stimmt.

    Joy Division ging mir auch erst im zweiten Anlauf nahe ^^
    Und was mir hier gerade erst auffällt ist, dass auch mich vorher schon Leute in die Gothic-Ecke steckten, obwohl ich (durch meine falschen Vorstellungen) nichts davon wissen wollte… Das war in meiner aufkommenden Herrenröcke-Zeit – ich hatte ein weinrotes Piratenhemd mit ewig weiten Ärmeln und eine schwarze Lederhose an, als mich an der Bushaltestelle eine auch immer dort einsteigende Dame mit schwarzen Klamotten und lila Haaren fragte „Du bist aber schon so Gothic-mäßig unterwegs, oder?“ was ich recht vehement verneint habe, was sie dann davon abhielt mich jemals wieder anzusprechen – irgendwie schade eigentlich, vielleicht hätte ich auf die Art viel schneller lernen können, wie es in der Szene wirklich aussieht.

    Aber zurück zu dir (ich Ego-Schwein mal wieder ^^):
    Eine wirklich interessante und sehr schön geschrieben Zusammenfassung – faszinierend zu sehen, wie sich bei jemandem, der für mich der Inbegriff der Reifrock-Dame ist, dann doch alles erst so nach und nach entwickelt hat (aber wie eigentlich auch sonst?).
    Die Photos sind auch sehr interessant in dem Kontext – du hattest auf jeden Fall auch in der Frühphase schon einen deutlich cooleren Stil als ich X-tra-X-Opfer 😉

    • Ja, es ist wirklich witzig wie ähnlich sich die Geschichten so teilweise sind, bei Deiner hab ich mir einige Male gedacht – das hätte ich jetzt genauso schreiben können *gg*

      Was das „Anders-Sein“ angeht, so teile ich eigentlich auch Deinen zweiten Gedankengang, zumindest kann ich von mir ziemlich sicher behaupten, daß es genauso war. Was ich in der Szene gefunden habe waren wie gesagt Menschen von gleichen Schlag wie ich, zuvor gab es keine Schublade in die ich gepasst habe oder ein Etikett das ich mir anheften konnte – ausser Spinner. Viele fassten das negativ auf und verstanden auch nicht, weswegen ich das Wort „Spinner“ für mich mit gewissem Stolz wählte, jemand wollte mir in unserer Abi-Zeitung einen Gefallen tun indem er den Eintrag „seltsam“ aus meinem Steckbrief rauslöschte, damit es nicht abgedruckt würde, tatsächlich hat es mich aber echt geärgert *gg*

      Das mit dem Verleugnen ist ein witziges Phänomen, besonders wenn man sich an die Situationen mal zurückerinnert, ich muss da regelmässig über mich selbst lachen 😀

      Bilder hätte ich gerne noch andere gewählt, doch mir sind nur ein paar wenige alte Photos in die Hände gefallen, ich schätze mal die liegen bei meinen Eltern … da muss ich mal drandenken die auszugraben wenn ich denen wieder einen Besuch abstatte.

  2. Wow! Ich zeige mich schwerstens beeindruckt. Schon bei deinem Kinderfoto und der Leidenschaft die du darauf verkörperst hätte deinem Umfeld klar werden müssen, wo die Reise mit Dir hingeht. Ich würde Deine Entwicklung als sehr intensiv beschreiben bewundere die Leidenschaft mit der Dich deiner düsteren Seite annimmst.

    Das Stück von Sephiroth war mir bislang unbekannt obwohl es großartig „anders“ ist. Ich stelle mir gerade vor wie ich dazu im Nebel der Tanzfläche in schummrigen einsamen Licht des Hintergrunds verharre um mich der Wirkung hinzugeben.

    Ich glaube auch, das dein Einstieg ein wirklich gutes Bild über die 2000er zeigt und sich so mit meinen Erfahrungen deckt, dich ich machen konnte. Ich freue mich außerordentlich über deine Teilnahme am Gothic Friday und bin mehr als neugierig auf das, was noch kommt!

    • Vielen Dank!
      Ich bin froh das alles endlich niedergeschrieben zu haben, weniger aus psychologischen Gründen, ich wusste echt nicht wo ich anfangen sollte und was ich alles schreiben sollte, ich bin immer noch erstaunt wie lange ich gebraucht habe um jetzt endlich einen Text zu haben der nicht allzu sehr ausufert und so die wichtigsten Dinge benennt.
      Im Nachhinein fallen mir noch hundert und eins Dinge ein die ich garnicht mit erwähnt habe, aber egal 😉
      Ich bin gespannt auf die weiteren Themen, vielleicht passen einige hier unterschlagene Puzzlestücke ja dort mal mit rein.

      Sephiroth war meine allererste Begegnung mit den ganzen Ambient-Ritual Geschichten, es begleitet mich jetzt auch schon meinen ganzen bewussten Szeneeinstieg über, lockt mich jedesmal wieder auf die Tanzfläche, und jedes WGT ärgere ich die Plattenverkäufer in der Agra wegen dem zugehörigen Album, ziemlich schwer zu bekommen das Ding, sofern überhaupt noch … das Projekt gibt es schon lang nicht mehr und hat auch nur zwei ALben veröffentlicht, die aber beide absolut grandios sind. Für mich pesönlich ist das musikalisch die Brücke die die offenkundliche Gratwanderung von Schwarzromantik und elektronischem Geprügel verbindet, das Ding passt in beide „Welten“ rein. Dabei sind die doch näher beieinander als es zunächst den Anschein haben mag.

  3. Einen großen Teil der Geschichte kannte ich ja schon und deine Geschichte hat mir als verbohrter Postpunk-Dark Wave-Tante schon vor einiger Zeit mehr (viel mehr) Toleranz gegenüber den Kalkleisten im Reifrock eingehaucht. Ich dachte immer, es sei reine Show und das konnte ich nicht gut heißen. Es hat mich sogar abgestoßen und mitunter wütend gemacht. Auch die Mitglieder unserer Subkultur sind wohl vor Vorurteilen nicht sicher. Nach wie vor bin ich beeindruckt von dem Werdegang, von den Gedanken und vor allem von der Kreativität und deiner Kunstfertigkeit in Sachen „Kleider nähen“. Dass Project Pitchfork in deinem Beitrag vorkommen, hat mich natürlich seeeehr gefreut. 😉

    • Vielen Dank 🙂
      Ich verstehe Deine Abneigung gegen Poser durchaus sehr gut, von daer sind wir uns wohl aucheinig 🙂 auch wenn wir wohl von unterschiedlichen Seiten darauf sehen. Ich will auch ungern mit „denen“ in einen Sack gesteckt werden, gehe das Risiko aber freilich ein, dadurch wie ich in der Gegend rumlaufe. Ich sehs blos nicht ein meinen Platz zu räumen damit die nächste Hohlbirne nachrückt.
      Danke Dir auch im Besonderen für Deine Offenheit und daß Du mal nachgefragt hast 🙂 die Mühe machen sich heute auch nicht mehr so viele, und es gibt mir doch wieder das Gefühl zurück, das ich hatte als ich das erste mal einen schwarzen Club betreten habe 🙂

      Und ohne Erwähnung von Pitchfork ging es freilich nicht, habe ich denen doch meinen Namen zu verdanken 😀

  4. Unbemerkt und ohne ein Kommentar möchte ich nicht das Fenster zu „Rosa´s Reich“ wieder schließen. Deinen Beitrag finde ich höchst interessant und ich erlaube mir einmal die Feststellung, dass ich einer Naturwissenschaftlerin nie eine so unverschämte (im positiven Sinne!) Kreativität zugetraut hätte. Dahingehend hat sich ein ganz persönliches Vorurteil in Rauch aufgelöst 😉 Ich bin von deinen detailverliebten Werken sehr angetan und finde diese opulenten Stücke einfach wunderschön und erinnern mich an Filme wie „Elisabeth“ oder „Die Tudors“! Wo bewahrst du sie denn auf – ein „normaler“ Kleiderschrank kommt wahrscheinlich nicht in Frage. Zwar trage ich auch gerne Röcke und Kleider, aber so einen Reifrock habe ich noch nie angehabt, würde mich wahrscheinlich ein klein wenig verkleidet fühlen. Ich kann mir vorstellen, wie unbequem das Tragen eines solchen sein kann. Ich schätze, du benötigst zum Anziehen hilfreiche Hände? Ich stelle mir es mir auch ziemlich umständlich vor, damit auf Toilette zu gehen.. öhmem, aber lassen wir das lieber 😉

    • Vielen Dank!
      Eigentlich hab ich mich schon immer zwischen Wissenschaft und Kreativität befunden, irgendwie gehts bei mir ohne solche Gegensätze nie ab *lach*
      Danke für die netten Worte – so richtig aufwendiger Kram ist auch meist am schönsten zu machen, da kann mans ich richtig austoben 😀

      So arg unbequem sind solche Kleider nicht mal – OK, eine gewisse Gewöhnung gehört wohl dazu, aber ich finde Reifröcke sogar extrem praktisch, wenns am WGT oder im Club nach exzessivem Tanzen zu warm wird hat man keine Röcke an den Beinen hängen und man hat sogar gute Luftzirkulation *gg*

      Die Handhabung a la Auto fahren oder die oft auftauchende Toiletten-Frage *lach* ist ne Gewöhnungssache, aber die Reifen sind ja nicht starr, da ist flexibler Federstahl drinnen, man muss nur wissen wo man den Rock anpackt daß sich alles so faltet und legt wie mans haben will.
      Hilfe brauch ich ab und an, ja, wenn irgendwas festgesteckt werden muss, was bei elizabethanischen Klamotten schonmal vorkommt, und auch früher im 16. Jahrhundert so gehandhabt wurde.

      Und ich habe tatsächlich nur einen Kleiderschrank für alles *g* – Reifröcke mache ich so daß ich die Stäbe rausnehmen kann , dann lassen sich die Röcke auch mal waschen, alles zusammenfalten und die Reifen kann man aufwickeln und so ein Ding ist dann auch zum Transport ganz platzsparend zu verstauen.

  5. Pingback: Gothic Friday - Das Januar Resümee

  6. Pingback: Rosa’s klamottiger Giftschrank | Rosa Chalybeia's Blog

  7. Hey, ich musste eben das ein paarmal schmunzeln, als ich Deinen Beitrag las. Da gibt es durchaus die eine oder andere Parallele zu meinem frühen schwarzen Werdegang. Was bei Dir als Kind die Hexenkostüme waren, war bei mir das Vampiroutfit (der kleine Vampir war schuld). Mein Vater hat mich ebenfalls mit New Romantic infiziert (Visage & Ultravox) und auch ich bin in der Schule anfangs immer Außenseiter gewesen und habe mich nicht um Trends geschert…
    Mangels Zugang zu szeniger Kleidung habe ich früher manches selbst gemacht, allerdings lange nicht so aufwendige und schöne Sachen wie Du. Mehr so Sachen umschneidern, auseinanderschnippeln und neu zusammennähen und Klamotten bemalen. Aber gebatikt habe ich auch, und dabei alles in den Stoff eingewickelt, was irgendwie interessante Formen hatte, sogar kleine Zinnfiguren (Miniatur-Kerzenständer, -Standuhren usw.) aus dem Setzkasten meiner Mutter und skurrile Schrauben aus dem Werkkasten meines Vaters. Schmuck aus Fimo und Perlen wurde gebastelt, aus zerbrochenem dicken Glas (von einem Buswartehäuschen).
    Irgendwie vermisse ich diese kreative Zeit ein wenig. Du hast ja eine Passion daraus gemacht…
    Übrigens sind wir uns vor einiger Zeit schonmal virtuell über den Weg gelaufen, in einem ebenfalls kreativen Berich, der Fotografie – genauer gesagt in der Fotocommunity. Da hab ich mal ein Foto (Styling) von Dir bewundert, wo Du im Stil von Adam Ant unterwegs warst. Du hast mir mit etwas Verspätung geantwortet, dort heiße ich „Waverin“.
    Herzliche Grüße von Caro aus Berlin

    • Hallo und Danke für die ausführliche Antwort – bei so einem alten Beitrag rechnet man erstmal nicht mehr damit.
      Aber witzig wie klein das Internet doch sein kann – natürlich erinnere ich mich an Deinen Kommentar in der Fotocommunity 🙂 – ich bin einfach nicht mehr so oft dort …

      Ja, ich denke, ähnliche Interessen oder Veranlagungen resultieren irgendwie in ähnlichen „Werdegängen“ – da zeigt sich schon früh bei vielen einfach eine gewisse Richtung. Zeigt sicher auch daß im Grunde mehr dran ist, als Klamotten, Make-Up und vielleicht noch die Musik …

      PS.: nicht über den anderen Namen wundern – „Rosa“ verwende ich nicht mehr wirklich – andere Geschichte 😉

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